Dienstag, 24. Juni 2008

empfehlung #14: cioran lesen

Zuerst begegneten wir ihm im Café Jelinek, einem der schönsten Kaffeehäuser Wiens, gleich ums Eck von meiner Wohnung, meiner früheren. Emile M. Cioran. Natürlich saß er dort nicht selbst, denn er ist tot. Seit 1995. Aber ich saß dort und las das wunderbare Buch Subtexte von Ilse Aichinger, das Kurztexte von ihr versammelt, die allesamt selbst wiederum im Café Jelinek entstanden sind. Und in jedem dieser Texte war auch Emile Cioran vertreten, mit einem Zitat, einem Aphorismus einer Aussage.
In jedem Menschen schlummert ein Prophet: erwacht er, so gibt es ein klein wenig mehr des Übels in der Welt.

Und er ist sympathisch dieser Mann, in seinem Gram und seiner Verzweiflung über die Welt. Die richtig gestimmten Texte für eine Zeit, in der gerade ganz Europa hupend durch die Straßen fährt und das tut, was für Feiern gehalten wird.
Das Glück ist nicht in der Begierde, sondern in der Abwesenheit von Begierde, genauer, in der Begeisterung für diese Abwesenheit.

Cioran zu lesen ist eine Entdeckung. Und der Mann hat auch noch Ahnung von Fußball, er kennt den Abstiegskampf und weiß um das Dasein als VfL-Fan.
Geschwätz ist jede Konversation mit einem, der nicht gelitten hat.

Und so könnten wir immer weiter zitieren. Aber lieber lesen wir weiter. Und legen unseren Lesern Cioran ans Herz. Er ist die bessere Alternative zum Vfl-freien Pseudofußball, zum erbärmlichen Public Viewing und zum tristen Autokorso.
Die Tatsache, daß das Leben keinen Sinn hat, ist ein Grund, um zu leben. Übrigens der einzige.

Montag, 23. Juni 2008

Sonntag, 22. Juni 2008

empfehlung #12: vermouth machen

Wer trinkt ihn nicht gern, den Martini. Mit einem Schuss Zitrone, drei Eiswürfeln macht er noch jeden Tag im Nachhinein erträglich. Echte Kenner verlassen sich aber nicht auf die Martinis und Noilly Prats dieser Welt. Sie machen ihren eigenen Vermouth. Es wird unsere Leser nicht überraschen: Echte Kenner sind wir.

Und es geht ganz leicht: Eine kleine Kräutermischung zusammenstellen (Faustregel: mindestens vier Kräuter, darunter in jedem Fall Wermuth und in keinem Fall etwas, was man nicht mag. Alles andere ist Freestyle, hey, sind wir kreativ!), ab in einem Topf, ein Glas Wein dazu, ca. 10 Minuten bei schwacher Hitze einköcheln lassen. Über Nacht kühlen lassen. Die Kräuterweinessenz durch ein Sieb oder Kaffeefilter zurück in den Wein und, schwupps, noch einen Schluck hochprozentiges dazu, Korn tut es, Brandy geht, Grappa ist ein Hit. Fertig ist der eigene Vermouth. Und wer heute noch loslegt, hat morgen Abend schon sein Getränk und wird den EM-Pseudofußball keine Sekunde vermissen müssen.

Samstag, 21. Juni 2008

empfehlung #11: zeitung lesen

Heute ist Samstag. Der letzte Arbeitstag der Woche liegt hinter uns, das ganze Wochenende vor uns. Der Samstag hieß einmal Sonnabend, ein schönes, angemessenes Wort. Ein Tag als ein einziger sonniger Abend, was könnte man sich Besseres wünschen zum Glück?

Schlagen wir also zum Frühstück die Zeitung auf. Als erstes "ÖSTERREICH", denn gestern Abend war ich im Stadion zum Wiener Lokalderby Kroatien - Türkei, ja, ja. Da muss ich heute alles Verfügbare lesen, viel ist es nicht, denn das Spiel war lang, der Redaktionsschluss früh, da schaffen nur die Sekundenjournalisten von Medienmogul Fellner eine bildreiche Berichterstattung für die Heimreise nach Deutschland. Dort ist man sogar so weit, schon auf das Halbfinale Deutschland vs Türkei zu schauen. Und die im ÖSTERREICH abgedruckte Statistik der bisherigen Partien lässt uns hoffen:
Die Türken stehen heuer [=in diesem Jahr, Anm. d. Red.] zum ersten Mal seit der Weltmeisterschaft 2002 im Halbfinale eines Turniers. In 17 Spielen gegen Deutschland gab es elf Pleiten, drei Unentschieden, drei Niederlagen.

Ja, was soll da noch schiefgehen für uns?! Derart erheitert greife ich zur FAZ vom Vortag, gleich zu den bunten Seiten, wo ich einen Bericht über den neusten ADAC-Autoraststätten-Test finde. Ich liebe Autoraststätten. Sie werden immer hübscher (das findet im Übrigen auch der ADAC), und sie wecken Urlaubsgefühle in mir. So sehr wie Autoraststätten liebe ich eigentlich nur noch Raststätten-Tests. Zumal in der FAZ, die schon in der Titelzeile Spaß macht wie sonst nur in ihren Leitartikeln:
Parkplatz gut, Wickelraum sauber, Currywurst gesund

...ist dort zu lesen. Currywurst gesund? Wie machen Raststätten das, dass selbst die Currywurst hier gesund ist?! Und die Unterzeile legt noch einen drauf, denn dort steht der Name des Autors. Er heißt: "Reiner Burger". Kein Scherz. Zwischen St. Pölten und Passau war ich für Stunden nicht ansprechbar.

Freitag, 20. Juni 2008

empfehlung #10: patenschaften für (ex-)kölner

Viele Menschen können nichts für ihr Unglück. Sie schlittern in jämmerliche Verhältnisse, und so sehr sie sich auch mühen: Sie kommen nicht mehr von Fleck. 'Fans' des 1. 'F'C Köln klingeln jetzt die Ohren. Manche seit kurzem, viele seit vielen Jahren machen es sich bequem in ihrem Schicksal, jammern nicht und ertragen, dass da, wo sie sind, unten ist.

Wer sich in dieser fußballlosen Zeit noch ein Rest-µ Menschlichkeit bewahrt hat, mag mithelfen, solchen kranken Seelen einen Weg zurück ins Leben zu bahnen. Gut zureden, Perspektiven aufzeigen, Alternativen ausarbeiten, Zuversicht lernen.
Der VfL hat heute etwa den Ex-Kölner Torwart Stefan Wessels verpflichtet. Wessels war zwischenzeitlich ins Ausland geflüchtet, um dem Kölner Fluch zu entkommen. Erfolglos natürlich. Er muss nun alles wieder vorn lernen: Ball fangen und werfen, schießen, Schnürsenkel zubinden und so weiter. Aber er wird das packen. Ab August wird er sich fühlen wie neu geboren. Er wird ein neuer Mensch sein.
Doch Wessels ist nur einer von Hunderttausenden, und eine Patenschaft muss nicht zwangsläufig so teuer sein wie in seinem Fall. Erkundigen Sie sich und machen Sie sich nützlich, so lange es nichts Besseres zu tun gibt.

Donnerstag, 19. Juni 2008

vfl sehen #4: kurznachrichtendienst

Jogi darf nicht auf die Bank, Klinsi fehlt immer noch, Hansi muss es richten, und der Capitano braucht Geistesblitze. Das wird ein stressiger Abend. Gottlob können sich die beiden Trainer per SMS zwischen Bank und Tribüne verständigen.

An: Jogi
Hat dieser Ronaldo nicht früher für Brasilien gespielt? Das wäre ein Regelverstoß. Verraten wir erst hinterher! Augenzwinkernd: Hansi
Gesendet: 20:11

An: Assi
Behalt das erstmal für dich. Sprechen wir nach dem Spiel drüber. Erinner Merte nochmal dran, dass ich den Ronaldo nach einer Viertelstunde nicht mehr auf dem Platz sehen will! Högschde Disziplin! Joachim
Gesendet um: 20:17

An: Jogi
Welche Strophe der Hymne singen wir nochmal? Poldi fragt. Etwas aufgeregt grüßt: Hansi
Gesendet um: 20:34

An: Assi
Die mit "Einigkeit und Recht und Freiheit". Und sag ihm nochmal: Es heißt "Brüh im Lichte dieses Glückes"! Er soll sich Mühe geben. Toi, toi, toi. JL
Gesendet um: 20:35

An: Jürgen
Achte auf Poldi während der Hymne. Wird ein Knaller! Flick schlägt sich wacker. Kennt jetzt alle Namen und Positionen. Nun noch ein schnelles Häppchen mit Angela. Locker bleiben, Jogi.
Gesendet um: 20:36

An: Jogi
Scheiße. 0:1. Lahm ist schuld. Der Portugenser darf doch nie zur Flanke kommen. Und Metze muss den Ronaldo besser in den Griff kriegen. Wir müssen eher auf den Ball gehen. Mario muss sich mehr Bälle aus dem Mittelfeld holen. Kommst du in der Pause runter? Hansi
Gesendet um: 21:03

An: Jogi
Na, da hat der ganze Laden ja mal ordentlich gepennt! Mensch, da muss der Hansi doch viel eher am Seitenrand Signale geben, dass da einiges falsch läuft. Da muss er die Mannschaft doch von außen neu ordnen. Na, reg dich nicht zu sehr auf und komm erst mal wieder runter. Alles Gute, Jürgen
Gesendet um: 21:04

An: Jürgen; Assi
Perfekt analysiert! Ich komm runter, keine Sorge!
Gesendet um: 21:07

An: Capitano
Ey, Ballack, die Vollgurke, kriegt ja gar nichts hin. Von wegen Führungsspieler! Was soll ich machen?? Wie drehen wir das Spiel noch? Rat suchend: Hansi
Gesendet um: 22:07

An: Jogi
Mist, hab diese SMS eben aus Versehen an Michael geschickt. War für dich gedacht. Also: Ey, Ballack, die Vollgurke, kriegt ja gar nichts hin. Von wegen Führungsspieler! Was soll ich machen?? Wie drehen wir das Spiel noch? Rat suchend: Hansi
Gesendet um: 22:08

An: Assi
Da kann nur noch Oli helfen!! Schnell wechseln!! Joachim
Gesendet um: 22:14

An: Jogi
Du meinst wegen '96, oder wie? Gute Idee! Wo ist der eigentlich? Hab ich den ganzen Abend nicht gesehen! Schick ihn runter, wenn du ihn vor mir findest! Echt, gute Idee! Hansi
Gesendet um: 22:15

An: Assi
Neuville, nicht Bierhoff! Wechsel Neuville ein! Den Kleinen mit den dunklen Haaren, der nicht so gut deutsch kann. Also nicht Kuranyi! Und nimm Poldi raus, der soll dann sofort in die Kabine gehen. Beeil dich! JL
Gesendet um: 22:16

An: Lukas P.
Kein gutes Spiel, Junge. Aber nicht so schlimm: Tu mir den Gefallen, geh mal an Michaels Handy und lösch die SMS, die ihm Flick gerade geschickt hat, ok?! Danke, Junge. Spielst im Halbfinale! Gruß, Trainer
Gesendet um: 22:20

An: Jogi
Geil!! Glückwunsch! Dass auf Oli Verlass ist, wissen wir. Aber dass er gleich zwei Buden macht, Respekt! Sag den Jungs, ich bin stolz. Und: Sieh zu, dass du zurück auf die Bank kommst. Viel Glück am Mittwoch. Jürgen
Gesendet um: 22:36

Mittwoch, 18. Juni 2008

empfehlung #9: büroklammern biegen

Heute ist ein Tag, an dem man sich künstlerisch betätigen sollte. Wir empfehlen aktuell: Büroklammern biegen. Schicken Sie uns Ihre Fotos mit Interpretationen, so wie es thedose.com vormacht. Die schönste Biegung wird prämiert. Einsendungen bis zum EM-Ende an klammeraffe@vflog.de.

Dienstag, 17. Juni 2008

empfehlung #8: angela merkel küssen

Es wird zu wenig gebastelt in Deutschland. Dabei kann das Leben jedes einzelnen mit wenigen Handgriffen, Klebstoff, ein bisschen Pappe und Knetgummi so viel traumhafter werden. Nehmen Sie sich heute einmal etwas Zeit und üben Sie!

Durch einige Falze und stabilisierend befestigte Pappwinkel entsteht minutenschnell eine Tribüne, das Spielfeld deutet minimalistisch ein grünes Blatt Papier an. Fehlt nur noch die Kanzlerin: Ein Klops orange Knete, einige fein ziselierte gelbe Haar-Strähnen - fertig ist die Angela. Damit ist die große Fußball-Bühne komplett. Alles ist angerichtet für die nächste VforstelLung.

Doch jetzt, wo Sie schon mal dabei sind, gehen Sie auch den ganzen Weg: Kramen Sie ein paar alte Tipp-Kick-Spieler raus (zur Not tun es auch Playmobil-Mimen), ziehen Sie sich ein weißes Hemd an und regen Sie sich ordentlich auf. Schließlich nehmen Sie Merkel von der Tribüne und knutschen die Kanzlerin ordentlich. Fühlen Sie sich wie der Bundestrainer. Schicken Sie Tipps, wie VfdeutschLand gegen Portugal gewinnen kann, an derschal@nationalmannschaft.de.

Montag, 16. Juni 2008

vfl sehen #3: kein grund zum hupen

Au! Dieser Lärm draußen. Autos, hupen, was soll das denn? Wir haben Österreich geschlagen, ist das denn ein Grund zu Stolz? Zum Feiern gar? So ein Unfug, zumal nach diesem dümmlichen Kick, der nur in den letzten zehn Minuten sehenswert ward, als endlich einmal ein VfLer auf den Platz gelassen wurde. Prompt hat er das 2:0 auf dem Fuß, im Übrigen mein Tipp für dieses Spiel, weil ich es ja doch nicht lassen kann.

Ach, hört doch endlich auf zu Hupen, ihr blöden, blöden Menschen, die ihr die Umwelt verpestet, die wir ja bekanntlich von unseren Kindern nur geusw.usf., lasst es sein. Setzt Euch auf Euer Fahrrad und klingelt ein wenig, wenn es gar nicht anders geht. Oder, noch besser, auf Euren Heimtrainer und summt meinetwegen leise die Nationalhymne. Und dann sprechen wir nach dem Portugalspiel noch einmal, ob einem mit dieser olilosen Mannschaft eher zum Hupen oder eher zum Schreien ist.

Sonntag, 15. Juni 2008

Samstag, 14. Juni 2008

empfehlung #6: milchreis kochen

Mit Milchreis verhält es sich ähnlich wie mit Kartoffelbrei oder Marmorkuchen: Sie alle sind unersetzlich für Menschen mit Geschmack. Allein: Die Kunst ihrer Zubereitung wird unterschätzt. Heute ist sonst nichts los, es bleibt also Zeit genug, sich auszuprobieren.

Den Reis (bio natürlich!) gut waschen. Etwas mehr als doppelt so viel Milch wie Reis sprudelnd zum Kochen bringen, vorher wenig Salz, wenig mehr Zucker und etwas Butter (gute, natürlich!) hinzugeben.
Den Topf vom Herd nehmen, den Reis in die Milch geben und im Topf gleichmäßig verteilen. Deckel drauf und zurück auf den Herd, auf niedrigster Stufe etwa 40 Minuten köcheln lassen. In dieser Zeit den Reis ein bis zwei Mal umrühren und wieder gleichmäßig im Topf verteilen.
Schließlich Zucker, Zimt und Apfelmus zum Verfeinern nutzen. Sobald das Wasser im Mund zusammen läuft, kurz an die VfLs denken.

Freitag, 13. Juni 2008

empfehlung #5: woody allen lieben lernen

Er zählt fraglos zu den unwitzigsten und zugleich meist überschätzten Regisseuren, und wie das mit solchen Menschen so ist: Will man zur feuilletonistischen Adavantgarde gehören, muss man sie unheimlich tiefsinnig finden. Wir wollen das eine und müssen das andere nicht, aber lernen dennoch allmählich, Woody Allen zu lieben.

Wer ist Schuld an späten Sinneswandeln? Sicher, wie immer, die Ex-Frauen. Mia Farrow schreibt in ihrer Autobiographie "What falls away" von den wunderbaren Seiten Allens, von seinen echten Neurosen und seinem nachvollziehbaren Bedürfnis steter medizinischer Betreuung:
"Woody Allen was connected to his doctors like no one I ever heard of: he had a doctor for every single part of his body. Whenever one of his movies came out he'd have a screening for his doctors and their wives. It was called 'The Doctor's Screening' and the room was always full", schreibt sie und fügt hinzu, dass Allen, wenn er sich ein bisschen schlecht fühle, alle zehn Minuten Fieber messe.

An Tagen, an denen die Welt sonst trüb und fad ist und nirgendwo der Ball rollt, ist dieses Buch ein Labsal, besonders deshalb, weil es Woody Allen nur gelegentlich streift und sich ansonsten um das ereignisreiche Leben der Mia Farrow rankt. Letzteres ist nicht unbedingt relevant, aber relevanter und: unterhaltsamer als das, was uns die Kleingeister in Österreich und der Schweiz derzeit für 'Fußball' vekaufen wollen.

Das Buch ist auch auf deutsch erhältlich, der Titel wurde fast wörtlich übersetzt: "Dauer hat, was vergeht" ist als gebundene Ausgabe und nagelneu schon ab 2,30 Euro zu haben.

Donnerstag, 12. Juni 2008

vfl sehen #2: was wäre wenn

Heute wär wieder so ein Tag gewesen, wo man Fußball hätte sehen können. Dank VfOli. Doch der saß nur auf der Bank. Das Ergebnis: Deutschland verliert, Oli langweilt sich und wir mit ihm. Und Jogi? Dem kann man nicht helfen, wenn er Marin heimschickt und Oli schmoren lässt. Schade um zwei Stunden, in denen man auch in der Badewanne hätte liegen können.

Mittwoch, 11. Juni 2008

empfehlung #4: türen auf!

In Wochen des Jahres, während derer man stest fürchten muss, dass Personen wie Xavier Naidoo für Musiker gehalten oder Udo Jürgen-Evergreens mit falschem Text gesungen werden, ist fast schon alles zu spät. Einzelne können dagegen gar nichts mehr ausrichten, helfen können nur noch Gruppen, bestensfalls kluge, die feine Musik machen. Wenn deren aktuelles Album dann noch "Popo" heißt, muss man nicht mal mehr Mannheimer Barden am Arsch lecken, sondern kann voller Wonne "Die Türen" hören.

"Hallo, Martin, wie geht es dir denn? Wo gehen wir hin heut auf ein Bierchen?", heißt es da so passend für unseren kleinen Familienblog. "Es gibt nen Laden auf einer Straße in unserer City, da kriegt man Spaß, ey. Die ham nen DJ und eine Theke, und die Barfrau ist Jim Rakete."
"Die Türen" dürften ihre Musik mit "Alle Richtungen" beschildern, und sie wissen außerdem, wie fies das Leben ist, hatten sie doch offenbar auch schon einmal das Vergnügen, sich in so genannten Szeneläden zum so genannten Fußball schauen zu verabreden: "Schick mir doch ne SMS, dann ich schick dir ne SMS, dann schickst du mir ne SMS, dann schick ich dir ne SMS!"

Ansonsten ist ziemlich viel VfL auf dieser Platte. Dem beliebten Gladbacher Trend, im Moment großen Erfolgs Unzufriedenheit und Sorge zum Selbstzweck hoch zu sterilisieren, ist gar ein ganzer Song gewidmet: "Im Norden ist der Süden am schönsten. Wer lange Haare hat, will kurze Haare tragen. Dem Gras steht das Grün am besten. Und nur wer Arbeit hat, kann in den Urlaub fahren."

A prospos Arbeit. Dieses leidige Thema. Irgendwann muss damit Schluss sein, und zwar eher früher als später. "Die Türen" stellen lapidar fest: "Wenn der Sport der Bruder der Arbeit ist, ist die Kunst die Cousine der Arbeitslosigkeit." Das klingt erstmal einfach, ist genauer besehen aber ziemlich kompliziert. Es reicht hin, darüber bis zum nächsten richtigen Fußballspiel nachzudenken.

Dienstag, 10. Juni 2008

empfehlung #3: tippspiele boykottieren

Es gab eine Zeit, da hatten Tippspiele Charme. Das war, als sie von uns organisiert worden sind. Bei dieser EM mit geradezu lächerlicher Feigenblatt-VfL-Beteiligung schenken wir uns diesen Quatsch, hier halten wir nicht her, um diese Farce noch aufzuwerten. Und empfehlen allen Lesern, jegliche Tippspiele zu boykottieren. Ich zum Beispiel bin nach nur drei Tagen hoffnungslos auf dem vorletzten Platz. Da sieht man einmal, dass das alles nichts mit Kompetenz zu tun hat. (Und wenn nun alle anderen Mitspieler diesen Post lesen und zu tippen aufhören, hätte ich vielleicht noch eine Chance. Ein durchsichtiger Versuch? Ach, dann eben nicht.)

Montag, 9. Juni 2008

empfehlung #2: attentat vorbereiten

Der Frust muss raus, ganz klar. Ihn immer weiter gären lassen, sich selbst malträtieren, alles in sich reinfressen und schlussendlich quälend implodieren, das ist kein Ausweg. Nehmen Sie sich etwas Zeit, studieren Sie einschlägige Internetseiten und legen Sie sich einen feinen Plan zurecht. Der Zeitpunkt könnte besser nicht sein: All überall im Lande treffen sich dieser Tage Menschen, Männer wie Frauen, die gern Fußballfans wären, ohne zu realisieren, dass es etwas spät ist, damit mit Ende 20 anzufangen. Adäquate Ziele für ein kleines Attentat gibt es also zu genüge.

All die Perlenketten-Chicas, die ein Michael-Ballack-Girly-Shirt im adidas-Shop gekauft haben und deren rot lackierte Fußnägel sich aus hochhackigen Pumps quetschen; die surfer-gegelten Sommerschalträger, die irrtümlich glauben, sie eiferten Jogi Löw nach, die jedoch in ihrem 54er-Retro-Trikot, auf das sie mächtig stolz sind, mächtig lächerlich aussehen; all die Weißweinschorlen-Püppchen, die verlässlich hysterisch hypervenitilieren, wenn Christoph Metzelder einläuft, die Horst Hrubesch aber für einen ehemaligen Bundespräsidenten halten; die Gucci-Ledersandalen-Stecher, die gestern im Musical waren, ein Deutschland-Fähnchen an ihren 3er BMW gesteckt und sich überlegt haben, sie gucken heute mal Fußball in einer Kneipe. Rumms! Weg sind sie! Alle auf einmal! Und die Welt ist wieder friedlich!

Gesellen Sie sich zu ihnen, gucken Sie verschwörerisch, grinsen Sie hochnäsig, denn nie war das angemessener als in diesem Moment! Stellen Sie sich vor, wie schön die Welt sein wird in ein paar Minuten.
Dann besinnen Sie sich! Brechen Sie an dieser Stelle ab. Gehen Sie nach Hause! (Wenn Sie möchten, verwirren Sie den Laden vorher noch mit einer Bemerkung wie: "Dass der Löw jetzt doch noch den Kahn nachnominiert hat!") Fühlen Sie sich zufrieden, denn gemessen an all den Vollpfosten sind Sie ein ziemlich guter Mensch. Vetrauen Sie auf Marx, der immer schon überzeugt war, dass, bevor die Seligkeit anbricht, die Dämlichkeit sich selbst vor die Wand fahren muss, auch wenn das dauern kann! Und gucken Sie bloß nicht diese jämmerlichen EM-Spiele, die nur für jene etwas mit Fußball zu tun haben, die "VfL" am Ende einer E-Mail als Grußformel für "Viel freundliche Liebe" benutzen.

Sonntag, 8. Juni 2008

vfl sehen #1: oli auf der bank anbeten

VfLog-Leser wissen, was Sie von der EM in den weltweit bekannten Balla-Balla-Hochburgen Österreich und Schweiz zu halten haben. Dort gibt es harte Winter, die Menschen sehen oft wochenlang nur das matte Licht von ihrer Öllampe und den alten hinkenden Hund vor dem Kamin liegen und werden über die Jahre wunderlich. Da kann man keinen Fußball erwarten.

Heute immerhin ist ein VfLer auf Missionsreise in Klagenfurt. Oli Neuville tritt mit der "Adlertruppe" (Copyright Belá Beredti) gegen Polen an, bzw. er wird auf der Bank sitzen und zuschauen. Dabei sollten wir ihm zusehen und an die vielen schönen Aktionen denken, die er uns beschert hat in der Vergangenheit. Zum Beispiel gegen Polen, damals während der WM, bei der es auch kaum Fußball gab.

Samstag, 7. Juni 2008

empfehlung #1: wegschauen & red snapper essen


Wie schon bei der WM machen wir auch bei der sogenannten Europameisterschaft den Hype nicht mit. Was soll das denn sein? Ein Fußballturnier mit so wenig VfLern? Fußball ist, wenn es VfL ist. Und es folgt messerscharf: Wenn es kein VfL ist, ist es auch kein Fußball. Heute zum Beispiel kicken Mannschaften gegeneinander, die nur entlegen etwas gemein haben mit dem Zauber, der in Osnabrück und Gladbach daheim ist. Vaclav Sverkos immerhin weiß, wovon die Rede ist, wenn wir von Fußball sprechen. Aber ansehen muss das keiner. Wir werden in den nächsten Wochen also wie weiland bei der WM wieder Tipps geben, wie man seine Zeit sinnvoller als vor dem Fernseher verbringen kann.

Heute zum Beispiel sollten Sie auf den Markt gehen. Es ist der perfekte Tag, um einen Red Snapper zu kaufen, ein wenig Öl darüber träufeln, frische Kräuter, etwas Mehl und ab in die Pfanne oder auf den Grill mit ihm. Und während die Nachbarn der Schweiz (ich bitte Sie: der Schweiz!!) zusehen, essen sie einen köstlichen Fisch mit einer, mmmmhhhhh!, so schmackhaften Kruse, trinken einen Roséwein dazu und wissen, dass Sie wieder einmal alles richtig gemacht haben. Herzlichen Glückwunsch!

Bildrechte: Wikimedia GNU Free Documentation License.

Freitag, 6. Juni 2008

ruhig, brauner

Marvin (nicht Erwin!) Braun wechselt vom FC St. Pauli zum VfL. Alle Achtung, offenbar weiß Pele Wollitz mit seiner Vorstellung von Fußball eine ganze Menge guter Leute zu beeindrucken. Der offensive Mittelfeld-Mann jedenfalls sei herzlich willkommen. Aus diesem aktuellen Anlass spielen wir heute ihm zu Ehren aus dem "Ring der Nibelungen" einen Auszug aus "Walküre".

Gerhilde (ist etwas näher herab gestiegen): Als Feinde nur sah ich Sintolt und Wittig [nicht den aus der Lindenstraße, der wird mit "ch" geschrieben, Anm. d. Redaktion]!
Ortlinde (springt auf): Heiaha! Die Stute stößt mir der Hengst!
(Sie läuft in den Tann)
(Schwertleite, Gerhilde und Helmwige lachen laut auf)

Gerhilde: Der Recken Zwist entzweit noch die Rosse!
Helmwige (in den Tann zurückrufend): Ruhig, Brauner! Brich nicht den Frieden!

Waltraute (auf der Höhe, wo sie für Gerhilde die Wacht übernommen, nach rechts in den Hintergrund rufend): Hoioho! Hoioho! Siegrune, hier! Wo säumst du so lang?
(Sie lauscht nach rechts)
Siegrunes Stimme (von der rechten Seite des Hintergrundes her): Arbeit gab's! Sind die andren schon da?
Schwertleite und Waltraute (nach rechts in dem Hintergrund rufend): Hojotoho! Hojotoho! Heiaha!
Gerhilde: Heiaha!

Donnerstag, 5. Juni 2008

do not enter!

Niemand soll sagen, er habe von nichts gewusst: Wer hier immer wieder einbiegt, Gladbach oder Osnabrück zuliebe, begeht wiederholt eine Ordnungswidrigkeit. Irgendwann wird er seiner gerechten Strafe zugeführt. Von Amts wegen oder noch brutaler.

Mittwoch, 4. Juni 2008

vfloskel-mittwoch #8: kleine

Kaum dass Babelsberg mal drei Minuten 1:0 gegen Bayern im Pokal führt, bevor die Münchener das Spiel 13:1 gewinnen; kaum dass Deutschland mal bis Mitte der zweiten Halbzeit gegen Serbien zurückliegt; kaum dass sich Karlsruhe mal zweieinhalb Spieltage auf einen UEFA-Cup schleicht; dann kommt es wieder, ganz bestimmt: "Es gibt keine Kleinen mehr!"

Was für ein ausgemachter Quatsch! Nur zu Erinnerung, die Kleinen der nahenden EM sind folgende: Schweiz, Türkei, Österreich, Polen, Rumänien, Griechenland. (Ja, das ist der amtierende Titelverteidiger, dann hat eben eine kleine Truppe mal ordentlich Glück gehabt!) Alles andere als deutliche, überzeugende Siege gegen diese Mannschaften waren sind und bleiben für alle Großen eine dicke Enttäuschung.
Die Kleinen der Bundesliga sind folgende: Bielefeld, Cottbus, Bochum, Karlsruhe, Hannover 96. Es war, ist und bleibt eine Sensation, wenn diese Mannschaften gegen die großen Klubs gewinnen. Und in der Bundesliga der Herzen wird Osnabrück immer klein bleiben.

"Es gibt keine Kleinen mehr!" Das Gerede nach dem 1:1 im EM-Eröffnungsspiel gegen Polen, es ist so erwartbar wie enervierend. Wir können es nicht mehr hören. Ebenso, wenn wir es in wenigen Wochen wirklich geschafft haben, die Klickzahlen von kicker.de zu toppen. "Es gibt keine Kleinen mehr!" Bitte damit aufhören! Schweigen!

Dienstag, 3. Juni 2008

der erste neue

Uff. Kurz bevor die EM alles Scheinwerferlicht abziehen wird von den Niederungen der Bundesliga meldet Borussia Vollzug. Der erste Neuzugang für die kommende Saison ist da, und gleich ein internationaler Spieler, der mehr als attraktiv klingt:
Der Linksverteidiger Jean-Sébastien Jaurès wechselt ablösefrei von AJ Auxerre nach Gladbach und will dort seiner französischen Meisterschaft und zwei Pokalsiegen weitere Titel hinzufügen. Ach nein, er soll erst einmal einfach die Klasse erhalten. Dass er hierzu einen Beitrag leisten kann, dafür spricht einiges.

Für Jaurès spricht aber noch einiges mehr, so lehrt uns borussia.de: "Für den Charakter des Franzosen spricht unter anderem, dass er erst mit den Verantwortlichen von AJ sprechen wollte, ehe der Wechsel öffentlich gemacht wird." Wir sind schwer beeindruckt von soviel Anständigkeit (bitte à la Helmut Schmidt mit norddeutschem S-T zu sprechen/lesen) und wollen nun erst mit unserer französischen Patentante sprechen, bevor wir diesen Post veröffentlichen.

Alles in Ordnung. Also ab auf den Blog damit.

Montag, 2. Juni 2008

schalke-präsident will deutsche meisterschaft absetzen

"Un- und Halbzeiten" und "verzerrte Wettbewerbe": Schalke-Präsident Josef Schnusenberg schießt scharf gegen DFL und DFB - und fordert sogar, die Deutsche Meisterschaft abzusetzen. Schnusenberg kritisiert den Wettbewerb in der "Bild"-Zeitung vom Dienstag massiv: "Die Meisterschaft zeichnet sich immer mehr durch Halb- zu Unzeiten und bewusste Wettbewerbsverzerrung aus."

"Die Bundesliga hat nicht gehalten, was sich viele - auch ich - von ihr versprochen haben. Schalke ist noch nie Meister geworden, also außer ein paar Mal annodazumal." Als Mitglied der Gesellschafterversammlung der DFL werde er sich nun für ihre Ablösung einsetzen.
Ganz auf den wochenendlichen Fußball-Spaß verzichten will Schnusenberg hingegen nicht. Er schlug einen Nachfolger vor: Eine Ruhrgebiets-Trophy habe "das Zeug zum harten, aber fairen Wettbewerb, da kommt der Fußball nicht missionarisch-ideologisch daher", meinte Schnusenberg.

Der Schalke-Präsident empörte sich vor allem über die Anmoderation von Monika Lierhaus in einer der letzten Sportschau-Sendungen. Lierhaus sagte zu Beginn der Sendung: "Dass man bei Schalke erfolgreich seine Arbeit machen kann und trotzdem nicht fest im Sessel sitzt, das weiß der amtierende Trainer der Knappen, Mirko Slomka."

Die DFL, die Firma, die im Auftrag des DFB die Bundesliga produziert, wollte sich auf Anfrage von VfLog nicht zu den Vorwürfen äußern. In Bezug auf die geforderte Absetzung der Meisterschaft verwies das Unternehmen allerdings auf den DFB, der zu entscheiden habe, welcher Wettbewerb wann wo laufe - oder eben nicht. Man habe aber das Gefühl, in den letzten 106 Jahre ganz gut mit dem Modell gefahren zu sein.

Sonntag, 1. Juni 2008

rettung in sicht

Strahlender Sonnenschein, 30 Grad und das Sommermärchen geht weiter. Nein, keine Angst: Dieser alberne Quatsch rund um die Nationalmannschaft soll hier keine weitere Blüte treiben. Es kommt viel besser: In der weitgehend fußballosen EM-Zeit ist auf uns Verlass. Hier wird gewiss kein nutzloses Wort über die Todesgruppe C oder den Tivoli von Innsbruck verloren. Es bleibt dabei: Wenn es kein VfL ist, ist es auch kein Fußball. VfOli sei Dank, gibt's immerhin ein paar echte Fußballspiele. An allen anderen Tagen liefern wir, wie schon zu WM-Zeiten, nur das Beste, nämlich: Empfehlungen, wie das Leben zur Sommerzeit erträglich wird.

Samstag, 31. Mai 2008

war doch klar!

1:1. Neuville. Wer wollte ihn nach Hause schicken?

Freitag, 30. Mai 2008

healthy and wealthy

Wollen wir mal nicht so sein und kurz über die EM reden, auch wenn zu wenig VfL vor Ort sein wird. (Marin! Marin! Mariiiieeeen!) Genauer gesagt, reden wir darüber, wie man in England über die EM spricht. Ja, genau: In dem Land, das nicht hinfahren darf. Dort schaut man mit Neid auf Deutschland, aber nicht wegen der Nationalmannschaft. Die wird selbst im Feindbild-Unverdächtigen linksliberalen Guardian mit einem Nebensatz lakonisch als Außenseiter abgetan, dass es angesichts der schon wieder allenthalben hängenden Schwarz-Rot-Gold-Fahnen eine Wonne ist: "Germany is not expected to win Euro 2008", schreibt der Guardian mal lässig als Tatsache. Um dann in der Folge darauf hinzuweisen, dass bis auf Spanien alle an der EM teilnehmenden Teams mindestens einen Bundesligaspieler im Kader haben. Keine andere Liga schickt so viele Spieler zur EM wie die deutsche Bundesliga, insgesamt 56. Wer hätte das, angesichts des ewigen Gejammers über die Qualität der Liga, gedacht? So schlecht kann sie also nicht sein, "healthy and wealthy" findet sie denn auch der Guardian. Würde die DFL jetzt nur noch Willi freilassen, man könnte sich glatt anfreunden mit dem Vereinsfußball in Deutschland...

Donnerstag, 29. Mai 2008

der russen liebling

Dick Advocaat wird Ehrenbürger von St. Petersburg. Unser lieber, kleiner Dick, den die Borussia bzw. ihre Journallie so unehrenhaft verschmähte und den wir immer lieb hatten. Mit ihm wäre Gladbach jetzt wohl auch UEFA-Cup-Sieger. Gottlob hat Jos in der kommenden Saison ja die Chance, es seinem Landsmann nachzumachen.

Mittwoch, 28. Mai 2008

seitenwechsel #59

Jetzt ist sie vorbei, diese Saison. Eine knallharte Analyse im Nachhinein macht niemandem Spaß. Deswegen fachsimpeln wir wie immer gemeinsam mit den Kollegen von Seitenwahl über die Zukunft, beim mittlerweile 59. "Seitenwechsel": Mit den lieben Kollegen von Seitenwahl schreiben wir uns jede Woche Brand-, Schmäh- oder Liebesbriefe - mit noch immer wachsender Leidenschaft. Diesmal legt wieder einmal Mike los, Martin schwitzt bei Seitenwahl.

Mein geschätzter Martin,

der Rauch ist verzogen, die Saison ist beendet. Wäre es nun an der Zeit, die abgelaufene Spielzeit systematisch zu analysieren? Nein, das sollen die machen, die dafür bezahlt werden. Borussia ist wieder "zu Hause", um mit deren Marketingstrategen im Chor zu singen. Freue ich mich? Natürlich, ich sehe Borussia lieber in Duellen gegen die Bayern oder Schalke als gegen Paderborn oder Aue. Dennoch, ich sagte es bereits: ich sehe dunkle Wolken am Himmel. Zu gut kenn ich inzwischen das Gladbacher Umfeld, das dem Kölner - leider - oft sehr ähnelt. Ob Jos Luhukay und Christian Ziege auch im Abstiegskampf das souveräne Duo geben?

Was haben wir zu Beginn der Saison die Liga der Herzen gefeiert, bejubelt und heißblütig erwartet? Doch, rückblickend erinnere ich an keine Phase, die mich gefesselt hätte. Ist es nicht so, dass nun schon zwei Spielzeiten in Folge die Leidenschaft, der Enthusiasmus und das Fesseln fehlen? War der Abstieg nicht ebenso souverän wie der jetzige Aufstieg? Nun, wer weiß, ob man am Niederrhein die Nerven und die Kraft gehabt hätte, um bis zum letzten Spieltag um den Aufstieg kämpfen zu müssen. Aber diese Spannung, das Zittern bis zum Schluss, das ist es, was Fans und Verein verbindet. Alle großen Clubs dieser Welt beziehen ihre Magie auch aus der Tatsache, dass man große Schlachten geschlagen hat und ja, dass man auch einmal verloren hat. Ich glaube auch verstanden zu haben, dass es das ist, was einer Eurer Leser neulich fragte, als er wissen wollte, was Borussia eigentlich ist. Und er hat Recht! Souveräner Aufsteiger, der sich in den nächsten Jahren im Mittelfeld der Bundesliga etablieren will - nein, das ist nicht Borussia. Du siehst, am Ende dieser eigentlich so erfolgreichen Saison sind viele Fragen offen. Kannst Du sie mir beantworten?

Die Nominierung Marko Marins und Oliver Neuvilles indes lässt keine Fragen offen. Beide haben einen absoluten Sinn, und ich gönne beiden die Teilnahme. Für Oliver wird es das letzte große Aufbäumen, der kleine Marko kann nur lernen. Die Gefahr, dass er abhebt, sehe ich nicht. Es ist dann doch eher unwahrscheinlich, dass Marko die EM für Deutschland im Alleingang gewinnt. Seine Dribblings in Ehren, aber gegen Verteidiger der Kategorie Cannavaro oder Materazzi wird er (noch) chancenlos sein. Wobei, beim Letztgenannten könnte Marko mal den Zidane machen, da hätte der Treffer größere Wirkung.

Martin, ich werde Dir wieder schreiben, wenn das deutsche Team die Vorrunde überstanden hat.
Grüß mir Maik ganz herzlich!

Auf bald
Mike

Dienstag, 27. Mai 2008

fairfairplay-wertung beschert gladbach uefa-cup-platz

Für Insider war es keine sonderlich große Überraschung mehr: Gladbach spielt in der kommenden Saison im UEFA-Cup. Die Fairfairplay-Wertung der UEFA hat den letzten verbleibenden Startplatz an die Borussia vergeben. Der europäische Verband behält sich mit diesem Sonderprozedere vor, auf die Entscheidungen der einzelnen nationalen Ligen zu reagieren. Dass die DFL den Deutschland zusätzlich zugedachten Startplatz per Fairplay-Wertung an Hertha BSC Berlin vergeben hatte, zwang die Platini-Truppe offenbar auf den Plan. "Wir müssen handeln, wenn das aus dem Ruder läuft", sagt ein enger Vertrauter des Präsidenten, "wer bitteschön ist Hertha CSC Berlin?" Auf unseren Hinweis, der Verein heiße korrekt BSC, nicht CSC, antworte der Mann: "Wissen Sie was: Das ist mir scheißegal. Wenn Sie sowas in Ihrer ersten Liga mitspielen lassen wollen: Ihr Ding. In Europa hat so ein Pseudo-Klub aber nichts zu suchen."

Korrigierbar ist diese Entscheidung der DFL nicht mehr. Wehren kann sich die UEFA nur über ihre eigene Fairfairplay-Wertung. Erneut sprachen sich die Funktionäre dafür aus, die Borussia nachzunominieren. Zuletzt durfte Gladbach mitspielen, als sich Eintracht Frankfurt auf bis heute ungeklärte Weise eine Teilnahme am europäischen Wettbewerb erschlichen hatte. Jetzt freut sich nicht nur ganz Europa auf den VfL. Neu-Nationalspieler Marko Marin strahlte: "Löw kann machen, was er will: Meine persönliche Euro 2008 bekomme ich auf alle Fälle!" Jos Luhukay jubelte: "Wahnsinn, sowas kenne ich sonst nur aus Holland!" Und Christian Ziege frohlockte: "Da kann ich nicht meckern!"

Montag, 26. Mai 2008

bremen 07 zurück im spiel - entscheidung am grünen tisch

Nach den Enthüllungen von gestern hat der Ligavorstand der VftabelLe (rechts auf dieser Seite) umgehend gehandelt. "Die Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg haben uns vorsätzlich verschwiegen, dass es sich bei dem Club um einen VfL handelt", sagte der Chef der stärksten Liga der Welt, der Fußballgott. "Diesen Verstoß müssen wir ahnden, und zwar rückwirkend für die zu Ende gegangene Spielzeit." Nürnberg wurde deshalb noch am Abend als neues außerordentliches Mitglied und leistungsgerecht auf Platz 16 gelistet.
Das hat gravierende Folgen, könnte es doch den VfL Bremen 07 noch vor dem Abstieg ins Nichts retten, der eigentlich schon besiegelt war. Die Norddeutschen dürfen weiter davon träumen, auch künftig im Konzert der Großen mitzuspielen. Und ihre Saison läuft noch: Zum letzten Spiel müssen die 07er am Wochenende beim Brinkumer SV antreten, dem aktuellen Tabellendritten der Verbandsliga Bremen. Ein Unentschieden dort würde reichen, dann stiege nicht Bremen, sondern Nürnberg, das nur 0,91 Punkte pro Spiel einfuhr und nicht einen Spieltag lang ein regulärar Teil der VfL-Familie war, gemeinsam mit Bückeburg und Hamm ab. Das wäre recht und billig so.

Man munkelt, die Bremen 07-Vorsitzenden Uwe Schumacher und Arendt Stühl lägen sich seit Bekanntgabe des neuen Tabellensechzehnten champagnerschwanger in den Armen; dass der Abstieg noch verhindert werden kann, damit hatten sie nicht gerechnet.
In Nürnberg dagegen erscheint eine Demission von Trainer Thomas von Heesen nun doch noch wahrscheinlich. Club-Präsident Michael A. Roth machte aus seinem Zorn denn auch keinen Hehl: "Ein Mal mit Profis arbeiten! Warum weiß ich das alles nicht? Zwei Abstiege auf einmal - dafür brauche ich jedenfalls nicht hunderttausende Euro für einen Trainer ausgeben!"

Sonntag, 25. Mai 2008

investigativ enthüllt: die vfl-lüge des club

Zu den vordergründig weniger erfreulichen Ergebnissen dieser Saison zählt es, dass der "Club", der FC Nürnberg abgestiegen ist. Der Verein, der Hans Meyer eine Heimat gab, nachdem die kurzzeitig verblendeten Fohlen ihn wegschickten, hatte kurzzeitig unsere Sympathie, die er allerdings nicht nur durch den unwürdigen Abgang HMs eh schon weitgehend verspielte.

Nun allerdings müssen wir einen Skandal aufdecken, der in der Bundesliga-Geschichte seinesgleichen sucht. Der FC Nürnberg ist ein VfL und sagt es nicht. Eine Rechereche im Vereinsregister des Amtsgerichtes Nürnberg (online zugänglich, siehe Link) weist den FC Nürnberg zweifelsfrei aus als:

Firma: Nürnberg VR 350 -
1. Fußball-Club Nürnberg, Verein für Leibesübungen e.V.(1.FCN.)

Ja, wir fassen es nicht. Da hat ein Club den Zugang zum Allerheiligsten des Fußballs und verschweigt es. Als schämte man sich dafür. Nirgendwo auf der Website des FCN, ja nichtmals im Impressum ein Zeichen des VfL-Seins. Nur hier Club, da Club. Entschuldigung, Leute! Dieser Abstieg war das Mindeste. Auch ein Lizenzentzug wäre zu diskutieren, wäre nicht das lange Siechtum in Liga 2 die wahrscheinlich mittelfristig bessere, weil bösartigere Strafe.

Nach dieser spektakulären Enthüllung, die in ihrem Ausmaß der Aufdeckung mehrere Zumwinkelkonten gleichkommt, müssen vor allem auch andere mögliche VfL-Leugner zittern: Unsere Recherchen gehen weiter! Noch ist es früh genug, sich zum VfL zu bekennen. Aber die Zeit wird knapp.

Samstag, 24. Mai 2008

ribbeck vor comeback

Ein Samstag im Nirgendwo bedarf eigentlich keiner Worte. Es passiert ja nichts, außer weniger Heiterkeiten. Der eine VfL begibt sich morgen fahrlässig zum Freundschaftsspiel auf die schiefe Bahn. Der andere berichtet zwar nicht von Neuverpflichtungen, doch davon, dass bald von Neuverpflichtungen berichtet werden könne: "Der 23-jährige könnte bereits Anfang nächster Woche einen Vertrag bei den Lila-Weißen unterschreiben." Das ist süß und gilt sicher auch für andere mögliche Verstärkungen: Jens Lehmann - könnte direkt nach der EM einen Vertrag bei den Lila-Weißen unterschreiben. Ballack - könnte sich überreden lassen mitzukommen. Erich Ribbeck - könnte bald Bayer Leverkusen trainieren.

Freitag, 23. Mai 2008

die kapitalrealisten

Sehr geehrte Damen und Herren der DFL, der Rechteverwerter und TV-Programmverantwortlichen, lieber Willi.

Mit großer Freude haben wir von Ihren Plänen Kenntnis genommen, die Spieltagsansetzungen der 2. Fußball-Bundesliga mit Beginn der neuen Saison weiter als bisher diversifizieren zu wollen. Besonders über die neuen mittäglichen Anstoßzeiten samstags und sonntags gelingt es, das Fußballvergnügen pro Wochenenede auf noch mehr Stunden zu streuen. Die meisten richtigen Fans freuen sich darüber! Mit dem von Ihnen geplanten Szenario schenken Sie der 2. Fußball-Bundesliga noch mehr Aufmerksamkeit! Das hat sie verdient, ist sie doch im internationalen Vergleich die Liga mit dem höchsten Zuschauerschnitt Europas, die sogar die jeweiligen ersten Ligen vieler Länder übertrifft.

In der Rückrunde der Saison 07/08 gab es Fanproteste größeren Ausmaßes gegen die zuletzt fan-feindlichen Zweitliga-Anstoßzeiten vor allem der Wochentagsspiele, die bereits um 17.30 Uhr rsp. 18 Uhr begannen. Zeiten, zu denen normale Menschen in aller Regel noch arbeiten müssen bzw. erst Feierabend machen (können). Gottlob haben diese Proteste und die folgenden Gespräche mit den Vertretern auch der DFL bei Ihnen ein Bewusstsein für die Probleme gerade der aktiven Stadionzuschauer geschaffen: Die neue sonntägliche Anstoßzeit von 12.30 Uhr löst alle diese Probleme, die nicht länger tolerierbar waren.

• Den daheim wohnenden Auswärtsfans sowie den Heimfans schenken Sie einen Tag, der nicht durch Fußball komplett zerstückelt wird. Die finanzschwachen Fans, die die Fahrt zu einem Spiel bisher kostengünstig mit einem „Schönes Wochenende-Ticket“ der Deutschen Bahn bewerkstelligen konnten, werden gezwungen, zu Hause zu bleiben und ihre Kohle zukünftig für was Sinnvolleres auszugeben. Das ist gut.

• Mit der mittäglichen Anstoßzeit attackieren Sie endlich den eigentlichen Gegner zivilen Zusammenlebens: Die Kirche. Sie schützen viele Familien und Fußballfans vor dem sonntäglichen Kirchgang, weil beides - Kicken und Kirche - nicht mehr vereinbahr ist. Sie gewährleisten damit den familiären Frieden in Millionen Haushalten, weil zum gemeinsamen Kaffeetrinken alle wieder aus dem Stadion zurück sind - und sogar wissen, worüber sie sich unterhalten sollen: Über das Spiel.

• Kein Zuschauer muss mehr jämmerliche Amateurspiele wie Wacker Nünchritz 2 - BSV Strehla 2 erleiden, um die mittägliche Dosis Fußball zu kriegen. Endlich ermöglichen Sie allen Fans dieses großen Spiels, auf den „kleinen“ Fußballs verzichten zu können. Weil schon früh am Tage Fußball auf hohem Niveau bestaunt werden kann, sorgen Sie ganz nebenbei dafür, frischen Nachwuchs für unseren Sport zu begeistern.

Wir, die Unterzeichner, fordern jetzt nur noch eins:
• Lassen Sie endlich Willi frei!

Donnerstag, 22. Mai 2008

willi beantwortet leserfragen

Das Ende der Saison war hart für Willi. Nicht nur hat er den versprochenen Ausgang nicht erhalten und konnte daher beim Gladbacher Aufstieg nicht dabei sein, sondern musste auch diesen Glücksmoment in seiner einsamen Zelle verbringen und seinen Ball gegen die Wand treten, nein. Auch hatten wir über Wochen keinen Zugang mehr zu seinem Anwalt, Gerd-Christian Heubele, und konnten ihm keine Fragen mehr beantworten.

Nun, offenbar angesichts der nahenden EM, der nicht endenden Proteste und aus Angst vor einem weiteren Imageverlust vor der Weltöffentlichkeit, hat sich die DFL zu informellen Gesprächen bereit erklärt und uns auch wieder direkten Zugang zu Willi in Aussicht gestellt. In einer ersten schriftlichen Nachricht zeigte sich Willi matt, aber nach wie vor hoffnungsfroh, seine Zellen irgendwann verlassen zu können.

In einer Woche werden wir ihn sprechen. Und ihm nicht nur drei Fragen beantworten, sondern auch drei Fragen stellen. Ihr, unsere Leser, habt die Möglichkeit, das Eure Frage dabei ist. Mailt alles, was Ihr von Willi wissen wollt, an willi-weiss-es{at}vflog.de. Wir sind gespannt

Mittwoch, 21. Mai 2008

klassenerhalt perfekt

Jetzt ist aber auch wirklich alles gut. Im Abstiegskampf in der stärksten Liga der Welt hat der VfL Osnabrück den Klassenerhalt schon einige Spieltage vor Toreschluss perfekt gemacht. In der VftabelLe (rechts auf dieser Seite) können Bückeburg und Bremen 07 die Lila-Weißen nicht mehr einholen; 1,18 Punkte im Durchschnitt reichen, obwohl die Konkurrenz noch ein paar Spielchen auszutragen hat. Gemeinsam mit den beachtlich erfolglosen VfLern aus Hamm (→ neues Tasmania) müssen Bückeburg und Bremen den bitteren Gang ins Nichts antreten.

Oben ist immerhin noch eine Prise Spannung drin. Auch wenn derzeit alles danach aussieht, als verteidige Herzberg seinen Titel mit langweiligem Vorsprung (→ FC Bayern), hat Jesteburg noch Chancen. Gladbach musste im Titelkampf leider früh die Segel streichen. Die super-souveräne Zweitligameisterschaft und die vielen Siege reichen im Schnitt trotzdem 'nur' zu 1,94 Punkten und einem UEFA-Cup-Platz; selbst den könnte die Borussia noch an Halle 96 verlieren (→ Bayer Leverkusen).

Bereits jetzt suchen wir Aufsteiger. Jeder VfL, der an einem regelmäßigen Spielbetrieb teilnimmt, ist eingeladen, ab August endlich in einer adäquaten Liga mitzuspielen. Bewerben Sie sich per E-Mail an vftabelle@vflog.de; ordentliche Bewerbungsunterlagen mit – wie üblich – Anschreiben, VfLebenslauf und möglichst auch Mannschaftsfoto sind obligatorisch.

Dienstag, 20. Mai 2008

dalai lama beim fußballgott?

Der arme Dalai Lama wird derzeit wieder einmal umhergereicht und zwischen den Parteien verschoben, dass es peinlich traurig Spiel ist. Der Fußballgott, der sich nicht die Illusion macht, Sport sei nur Sport, verabscheut dieses peinliche Spiel und hat ein paar Stunden mit dem Dalai Lama verbracht. Über den Inhalt haben jedoch selbst wir nichts in Erfahrung bringen können.

Dass der Fußballgott aber ein Anhänger der Wiedergeburt ist, dies immerhin ist derzeit auch an der Bundesliga zu beobachten. Gladbach ist wieder zu Hause. Die Bundesliga ist wieder die Bundesliga.

12 Monate Liga der Herzen hatten ihren Wert, 12 Monate gemeinsam mit Osnabrück haben Spaß gemacht und die 2. Bundesliga massiv aufgewertet. Spannend war es im deutschen Fußball in dieser Saison eigentlich nur in der sogenannten 2. Klasse. Im Ergebnis steht ein Abschied, der zufrieden stimmt. Osnabrück bleibt der 2. Liga erhalten und sorgt dafür, dass die Bundesliga von der DFL weiterhin rundherum als Premiumprodukt ausgeschlachtet werden kann. Gladbach lässt die höchste Spielklasse Deutschlands wieder auferstehen. Die nächsten 12 Monate werden wunderbar.

Und selbst der DFB erkennt die Lage: Jeder fühlende Mensch kann sich derzeit nur nach einem sofortigen Beginn der nächsten Saison sehnen. Doch da ist ja noch diese Sommerpause. Da ist ja noch diese EM. In der Schweiz, ja, schlimmer noch, in Österreich! Das kann niemand Ernst nehmen, das ist nicht zu ertragen. Doch Jogi Löw zeigt höschde Disziplin und nominiert gleich zwei VfLer für seinen Kader. Hoffen wir, dass beide drin bleiben, dann werden wir selbst die EM überstehen. (Nebenbei: Tipp-Kick hat eine Sonderedition aufgelegt. Als Teams auf dem Platz: Österreich und Schweiz. Die Diskussion, welche Mannschaft man übernehmen möchte vor Spielen mit dieser Edition werden nicht enden wollen...) Und nach der EM können wir die Bundesliga neu geboren sehen. Mit Gladbach im Oberhaus. Danke, Fußballgott,

Montag, 19. Mai 2008

der balkon

Was für ein Team! Es ist vollbracht: Der Verein mit dem kleinsten Etat der Liga darf weiter mitmachen. Niemand hat jetzt die Absicht, große Analysen des letzten Saisonspiels gegen Offenbach abzusondern. Anders als viele bürgerlichen Medien sind wir nämlich nicht nur ehrlich zu unseren Lesern, sondern auch zu uns selbst, denn das interessiert nach dem sensationellen Klassenerhalt keinen Menschen.
In aller gebotenen Kürze stellen wir daher fest, dass der VfL eine Mannschaftsleistung ablieferte so geschlossen wie lange nicht, dass Pele Wollitz aus dem Vollen schöpfen und die beste Elf auf den Rasen schicken konnte, dass das Ergebnis und damit der Klassenerhalt hochverdient sind. Besonders gut gespielt haben Andreas Schäfer - offensiv spiel- und defensiv zweikampfstark -, Nico Frommer - energisch, mit Übersicht und nach dem 3:0 amüsant-arrogant im Umgang mit den Offenbacher Gegnern -, Pierre de Wit - mindestens zweitligareif - und Jan Schanda - so stark und fehlerlos, wie man das zu Regionalligazeiten nicht zu träumen wagte. Alle taktischen Finessen und Einzelheiten, was das Spielsystem angeht, vergessen wir's diesmal, sie sind völlig egal: Der VfL spielt im kommenden Jahr erneut in der 2. Liga.Was für Trainer! Dass Osnabrück nicht ein drittes Mal in Folge nach einem Zweitliga-Aufstieg direkt wieder abgestiegen ist, ist gar nicht zu überschätzen: Für die Fans, auch für jene, die nicht sowieso zur Brücke pilgern, sondern nach Jahren der Tristesse zurück erobert werden wollen; für die Sponsoren, die sich nach Konstanz und Verlässlichkeit sehnen; für die Verantwortlichen und den Trainer, die jetzt weitermachen können, langfristig etwas aufzubauen.

Was für ein Traum! (Pele Wollitz versucht zu Beginn des Videos übrigens angestrengt, die jubelnde Menge zum Schweigen und Hinsetzen zu bewegen.)

Doch in all dem Trubel erzürnte sich Wollitz erneut über die bemerkenswerten Vorgänge im Frankfurter Westend, wo ja auch Willi noch immer in Isolationshaft sitzt. Der Rückzieher in Sachen Punktabzug für Koblenz und die eigentümlichen Vorgänge in Kaiserslautern lassen ihm keine Ruhe. Zur Erinnerung: Koblenz bekam, nachdem die hauptamtliche Geschäftsführung der DFL acht Punkte Strafe verhängt hatte, zwei Punkte zurückgeschenkt - das ganze drei Tage vorm vorletzten Spieltag und vom Ligavorstand, in dem Vertreter der Vereine dilettieren. Kaiserslautern durfte im Gegensatz zu anderen Klubs noch in der Winterpause neue Spieler verpflichten, so dass zuletzt die Stadt Kaiserslautern offenbar rund 1,5 Millionen Euro Stadionmiete erlassen musste, um die Insolvenz des Klubs abzuwenden. Man wundert sich.
Pele Wollitz wollte auch eine Dreiviertelstunde nach Abpfiff noch keinen Tropfen Alkohol getrunken haben und ereiferte sich auf der Pressekonferenz: "Das ist eine absolute Sauerei. Ich hätte mir mehr Solidarität aus der Liga gewünscht, denn Werte sind mir wichtiger als Erfolg! Jeder weiß, was gelaufen ist, und jeder weiß: Das ist nicht korrekt. Ich werde nächste Saison in Koblenz und Kaiserslautern jedenfalls keine Pressekonferenz machen. Ob die mich dann sperren, ist mir scheißegal!"
Auch VfL-Präsident Dirk Rasch sprang seinem Coach und den abgestiegenen Offenbachern bei: "Ich weiß nicht, ob juristisch noch irgend etwas zu erreichen ist, aber wenn Kickers Offenbach unsere Solidarität braucht, sind wir dabei, keine Frage", sagte Rasch, der eine Lanze für Traditionsklubs wie Offenbach und Osnabrück brach: "Die Seele des Fußballs steht auf dem Spiel - und die Leidenschaft!"

Als Epilog ein kurzer Ausblick auf das Personal der kommenden Spielzeit: Wollitz zeigte sich einigermaßen zuversichtlich, dass die Achse Cichon-Heidrich-Reichenberger weiter in lila-weiß spielt. Genauso wahrscheinlich ist, dass der VfL Rouwen Hennings und Pierre de Wit halten kann; beide wären wohl nur im Falle eines Abstiegs definitiv gegangen. Jan Schanda und Nico Frommer sollen ebenfalls bleiben. Ob Assimiou Touré weiter mitmischen darf, sei noch unklar. Als Neuzugänge kündigte Wollitz an: Einen Torwart ("Das dürfte nicht überraschen!"), drei Mittelfeldspieler ("Zwei davon sind absolute Topspieler der Regionalliga Nord, die mehr als 20 Tore geschossen haben!"), einen Stürmer, einen dritten Co-Trainer, einen Mentaltrainer. Zusätzlich wird sich Osnabrück auch in der Abwehr verstärken.

Sonntag, 18. Mai 2008

alle ein stück vfl osnabrück

Eine ganze Stadt zittert. Der Grat zwischen absoluter Enttäuschung und grenzenlosem Jubel könnte schmaler nicht sein. Jeder steht unter Druck. Ottmar Hitzfeld versicherte uns: "Als ich gestern in Tränen ausbrach, dachte ich daran, dass Osnabrück absteigen könnte!" Markus Merk sagte: "Ich wollte mein letztes Spiel unbedingt an der Brücke pfeifen, es ist zum Heulen!" Theo Zwanziger verspricht: "Nochmal lasse ich mich von Eckel nicht verarschen!" Willi ist in seiner Zelle in einen zwischenzeitlichen Hungerstreik getreten. Die Mannschaft und ihr Trainer Pele Wollitz geben sich selbstbewusst, siegessicher, zuversichtlich, wie es sich für ein Team gehört, das Großes vorhat.

Das letzte Mal, dass Osnabrück derart unter Strom stand, ist nicht einmal ein Jahr her. Jetzt schon wieder. Und mit Offenbach kommt ein Gegner, der diese Alles-oder-nichts-Spiele genauso kennt. Beide Mannschaften sind gewissermaßen Spezialisten für größtmöglichen Nervenkitzel. Versuchen wir, dieses Finsh wenigstens ein bisschen zu genießen.

Jetzt gilt's, Jungs! Wenn der VfL absteigt, geht es planmäßig weiter. Gelingt der Klassenerhalt, ist das die Sensation! Thomas von Heesen hoffte gestern Abend: "Wenn Osnabrück gewinnt, hat sich unser Abstieg gelohnt."

Samstag, 17. Mai 2008

toter briefkasten

Eigentlich hatten wir heute ausschließlich über Christoph Daum schreiben wollen. Anfang der Woche hatten wir ihm nämlich eine Mail mit vier Fragen geschrieben, verbunden mit der Bitte, doch bis Freitag zu antworten. Unter anderem hatten wir wissen wollen, was für einen 1. FC Köln wir am Sonntag in Lautern erwarten können und warum Daum findet, dass Osnabrück zweitklassig bleiben soll. Leider hat Herr Daum nicht geantwortet, deshalb auch die Überschrift dieses Artikels. Eigentlich wollten wir es bei dieser kleinen Episode belassen.

Die Deutsche Fußball Liga verhagelt uns diese Bescheidenheit, zu Recht. Vor dem letzten Spiel gegen Offenbach, mahnt der VfL, seien die Statuten der DFL unbedingt einzuhalten, zum Beispiel ist "das Betreten des Rasens in der osnatel ARENA nach Beendigung des Spiels von Seiten der DFL strikt untersagt".
Auch wir möchten uns diesem Appell ausdrücklich anschließen: Die Gefahr für Leib und Leben der Spieler und die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs - jetzt kommen Sie bitte nicht mit so hanebüchenen Argumenten wie 'Ist doch eh letzter Spieltag!' - erfordern högschte Disziplin. Begeisterung oder Enttäuschung nach dem letzten Saisonspiel sind absolut unangebracht und, wenn nötig, ohne einander auszutragen. Ordnung ist das halbe Leben! Wer nach Schlussfeld das Spielfeld entert, wird erschossen! Keine Gnade für Verbrecher! Wer nicht hören will, muss fühlen! Leidenschaft können wir uns nicht leisten! Todesstrafe für Rasenschänder! Punktabzug für feiernde Fans. Lizenzentzug! Scheißbande! Extremisten!

Freitag, 16. Mai 2008

taz sitzt trittbrettfahrer auf: interview mit falschem fußballgott

Die taz veröffentlicht in ihrer heutigen Freitagsausgabe ein Interview mit dem Fußballgott. Dabei handelt es sich um ein Gespräch mit einem Trittbrettfahrer. Der echte Fußballgott, Herausgeber unseres Blogs und VfL-Sympathisant, verurteilt diese schäbigen Einlassungen aufs Schärfste und kritisiert "journalistische Naivität". Sein kurzes Statement erreichte uns soeben. Wir veröffentlichen es exklusiv und im Wortlaut.

Liebe Freunde,

vor einer Stunde störte mich mein Abteilungsleiter "Medien/Pressekooperation" beim Frühstück (Pfälzer Saumagen) und reichte mir aufgebracht den aktuellen Pressespiegel. Ich fiel aus allen Wolken des Fußballhimmels und stelle fest: Das als "Interview mit dem Fußballgott" betitelte Interview in der Deutschlandausgabe der taz ist ein Interview mit irgendwem, aber sicher nicht mit dem Fußballgott, davon wüsste ich schließlich.

Ich bin entsetzt, wie unverfroren und dreist über Versatzstücke aus meinen Gesprächen mit euch ein scheinbar aktuelles Interview konstruiert wird. Zwei Beispiele: Auf das Elend, "dass die Fans jeden Pleppospieler mit meinem Namen rufen", hatte ich schon in eurem preisgekrönten Interview aus dem Jahr 2005 aufmerksam gemacht, und ich pflege gewöhnlich nicht, mich zu wiederholen. Auch meine Hassliebe zum Kollegen aus Rom, dem Papst, wird in der taz ein zweites Mal aufgebrüht.

Es ist mir ein Rätsel, wie schnell und leichtgläubig prinzipiell ehrbare Journalisten einen Mann vergöttern, der dies offenbar nicht verdient. Diese journalistische Naivität gibt mir zu denken. Meine Hauptabteilung "XV/Inlandsaufklärung" recherchiert derweil, welcher Klub dafür zur Rechenschaft gezogen werden kann. Aktuell spricht vieles für eine konzertierte Aktion von verzweifelten Partisanen aus Kaiserslautern. Sollte sich das bewahrheiten, wird meine Reaktion am kommenden Sonntag entsprechend ausfallen.

Ihr, seid zuversichtlich: Ich werde der sein, der ich bin.
Euer Fußballgott (verärgert)

Donnerstag, 15. Mai 2008

hammer

"Kann man auf Euren Blog eigentlich unbegrenzt Kacke raufstellen?", wurde ich heute gefragt und bin immer noch beleidigt. Rein theoretisch kann man das wohl, jedenfalls hat uns Herr Google, dem die Firma Blogger gehört, bis heute noch kein Limit für seinen Serverplatz benannt. Dafür ist es eigentlich einmal Zeit, Danke zu sagen: Danke.

Aber nur weil endlos Platz ist, hat man natürlich nicht endlos Ideen. Heute zum Beispiel fällt mir nichts zum Thema Fußball ein. Mein Kopf ist immer noch nur in Feierlaune und träumt tagein, nachtaus von Loga eins. So muss ich also von den wenigen Erfahrungen zehren, die man so im Laufe eines ganz normalen Tages macht. Heute zum Beispiel bin ich nach Köln gefahren, in die verbotene Stadt. Ich muss da etwas erledigen, beruflich, was soll man machen.

Die Fahrt von Mittelhessen nach Köln ist immerhin ein Vergnügen. Nicht nur kommt man dabei ja auch Gladbach immer näher, auch lässt man auf dem Weg nach Köln "Siegen" hinter sich. Wie passend. Auch "Wissen" wird passiert und zurückgelassen. Quod erat demonstrandum. Der größte Highlight ist aber zweifellos die Gemeinde Windeck mit ihrem Ortsteil Herchen. Der Ort hieß früher Hammer, und ein solcher ist bis heute die Bahnhofskneipe in Herchen. Die heißt nämlich Leck(h)erchen. Und spätestens ab da fühlen sich die Kölner wohl daheim. In der nächsten Saison fahre ich die Strecke dann wieder. Und mache auf dem Rückweg in Siegen halt. Ich freu mich schon.

Mittwoch, 14. Mai 2008

seitenwechsel #58

Langsam, langsam neigt sich die Saison dem Ende, doch - wie es so schön heißt - jedem Ende wohnt ein Zauber inne. Das hat das Ende mit dem Anfang und der Mitte gemeinsam. Bei uns heißt dieser Zauber Seitenwechsel: Mit den lieben Kollegen von Seitenwahl schreiben wir uns jede Woche Brand-, Schmäh- oder Liebesbriefe - mit noch immer wachsender Leidenschaft. Diesmal: Der alte Spargelstecher Maik erklärt die Welt bei Seitenwahl! Mike verspricht daraufhin Doktorspiele mit den eigenen Kindern und zaubert in mehreren ersten Ligen.

Lieber Maik,

nun, die Werbung lehrt uns, dass es Dinge gibt, die man nicht kaufen kann. Darüber hinaus existieren in unserem bescheidenen Leben ebensolche Dinge, die man auch nicht erklären kann. Warum 40 Prozent der Menschen (respektive deren Urin) nach Spargel riecht, das ist erklärbar. Die Liebe ist unzweifelhaft selten erklärbar. Belassen wir es also dabei und genießen den Augenblick. Borussia ist vergangene Woche aufgestiegen, ich bin bereits vor Wochen aufgestiegen, in meine ganz private 1. Liga. Aber lass Dir gesagt sein: sollte ich einmal Kinder haben, werde ich direkt nach der Geburt die erste Urinprobe nehmen, um festzustellen, ob es zu den 60 oder den 40 Prozent gehört.

Doch zum Sportlichen: den Eintrag Eures Lesers habe ich ebenso vernommen. Mir stellt sich bei einer solchen Aussage unweigerlich die Frage: Was ist denn Gladbach? Meint er das Gladbach, das sich - mit einem kleinen Zwischenhoch 1994-96 - seit über 20 Jahren im unteren Mittelfeld der Bundesliga respektive in der zweiten Liga herumtreibt? Das Gladbach, das sich in den 80ern als heutiges Schalke oder Leverkusen - schön, aber eigentlich erfolglos? - präsentierte? Oder meint er immer noch das Gladbach, das in den 70ern existierte? Tradition belastet, und nur der, der die Tradition als Vergangenheit und nicht als Aufgabe begreift, wird erfolgreich sein. Der Verein Borussia Mönchengladbach wird in diesem Sommer 108 Jahre alt. Von diesen 108 Jahren waren ganze zehn - zugegeben - sehr erfolgreich. Aber lassen wir uns doch nicht davon verrückt machen, sondern akzeptieren einfach die Realität. Recht machen kannst Du es ohnehin keinem mehr. Es ist so, wie es Christian Ziege in einem Interview vor einigen Tagen vollkommen richtig konstatierte: Die ersten acht bis zehn Plätze in der Bundesliga sind mehr oder weniger fix vergeben. Dazu gehört leider auch der VfL Wolfsburg. Das Ziel muss demnach zu allererst lauten, zu den besten der unteren Tabellenhälfte zu gehören. Ist das die gefürchtete "graue Maus"? Vielleicht, aber entscheidend ist doch nicht die Platzierung, sondern das, was Du daraus machst. Wer in den vergangenen (Aufstiegs-)Tagen das inszenierte Spektakel in Mönchengladbach mitbekommen hat, der wird ahnen, was mal passiert, sollte Borussia auch nur annähernd so erfolgreich werden wie in diesem besagten zehnjährigen Zeitfenster. Der Fan muss begreifen, dass ich nicht beim 24-Stunden-Rennen ganz vorne mitfahren kann, wenn ich zwar den Motor, das Getriebe und das Fahrwerk eines Rennwagens habe, das Ganze aber im Chassis eines kultigen, knuffigen VW Käfers.

Es ist kurios: Ausgerechnet der VfL Osnabrück kann dafür sorgen, dass der 1. Beck'sche Fußballclub aus der Pfalz den Abstieg vermeiden kann. Die Osnabrücker brauchen einen eigenen Sieg gegen Kickers Offenbach, leisteten jedoch damit direkte Schützenhilfe. Selbst ein Sieg des FC Augsburg würde daran nichts ändern, sofern Lautern sein Heimspiel gegen Köln gewinnt. Ich höre schon Wolfgang Overath nach dem Schlusspfiff, wie er was von Traditionsvereinen faselt. Ausgerechnet der Präsident des Vereins, der Sponsoren präsentiert, die es gar nicht gibt und dessen Verein vor gerade mal 60 Jahren aus einer Fusion und unter dem Einsatz vieler Gelder entstand. Dass ein Kölner durchaus Sympathien für die Hinterzimmer-Machenschaften aus der Pfalz empfindet, sollte keinen überraschen. Ach, ich weiß, dass es im Fußball keine Gerechtigkeit gibt. Der eine findet es gerecht, wenn er mit seinem dicken Auto den besten Parkplatz bekommt, der andere hofft auf den Abstieg des 1. FC Kaiserslautern. Kann natürlich auch daran liegen, dass der eine zu den 40, der andere zu den 60 Prozent gehört. Wer weiß das schon?

Ganz egal, wie das am Sonntag ausgeht. Die Bundesliga der Herzen ist vorerst Geschichte. Unsere VfLs gehen ab sofort getrennte Wege. "Bundesliga der Herzen - Reloaded" wünsche ich mir - bei aller inzwischen entwickelten Sympathie für Deine Lila-Weißen - nicht wirklich. Robin Dutt ermahnte auf der Pressekonferenz vergangenen Sonntag: "Ich will Euch nie mehr in der 2. Liga sehen!" Würdest Du ihm widersprechen?

Es grüßt Dich herzlich
Mike

Dienstag, 13. Mai 2008

Montag, 12. Mai 2008

absolute, äh, spannung

Ein Donnerschlag war das, ein denkwürdiger. „So einen emotionalen Auftritt haben wir hier auch noch nicht gesehen“, kommentierte der Pressesprecher der Münchener Löwen. Das alles hatte nichts mit dem Spiel zu tun, währenddessen es keinen nennenswerten Osnabrücker Donnerschlag und nur mit viel gutem Willen einen emotionalen Auftritt zu bestaunen gab. Es war Pele Wollitz’ Auftritt bei der Pressekonferenz, der von diesem neuerlichen Nicht-Endspiel in Erinnerung bleiben wird, denn der Trainer war außer sich: „Was am Donnerstag in Frankfurt abgegangen ist, ist das Unglaublichste überhaupt. Da hat man einen glasklaren Deal gemacht. Welche Situation sich ergeben würde, wäre alles beim Alten geblieben, sieht jeder, der auf die Tabelle guckt. Das ist eine absolute Sauerei, das ist eine absolute Unverschämtheit!“ Wer noch zweifelt, worum es geht: Um die Nun-doch-nicht-acht-sondern-nur-noch-sechs-Punkte-Strafe für die TuS Koblenz. „Wenn wir schon gerettet wären, hätte ich schon viel eher den Mund aufgemacht“, wetterte Wollitz weiter. „Jetzt wird die Strafe für ein Vergehen aus dieser Saison wieder teilweise in die nächste verlegt. Die vier Aufsteiger aus den Regionalligen haben alle einen Vorteil, den wir in diesem Jahr nicht hatten. Im Gegenteil: Wenn man das beobachtet, kann daraus eigentlich nur die Lehre sein: Zehn Millionen mehr ausgeben als man darf, 15 Punkte mehr holen, von denen dann erst acht abgezogen werden, um anschließend wieder zwei zurückzukriegen.“

Diese zehn Millionen hat Osnabrück nicht ausgegeben, und das sieht man auch, insbesondere am Ende dieser kräftezehrenden Saison. Enorm unter Druck, erstmals seit vier Jahren wieder auf einen Abstiegsplatz zu rutschen, lieferte der VfL in München das vielleicht schlechteste Auswärtsspiel der Rückrunde ab. Positiv: Es ging nicht verloren. Negativ: Der Druck wird vor dem nun alles entscheidenden letzten Spiel gegen Offenbach noch einmal wachsen.

„Wir sind glücklich 1:0 in Führung gegangen und haben glücklich das 1:1 über die Runden gebracht“, fasste Wollitz das Spiel korrekt zusammen, währenddessen Osnabrück trotzdem zeitweise den Klassenerhalt geschafft hatte, weil Kaiserslautern in Jena zurücklag. Eigentlich nur ein einziges Mal gelang es dem VfL, sehenswert nach vorn zu spielen: In der 14. Minute kombinierten Pierre de Wit, Thommy Reichenberger, Rouwen Hennings, Alex Nouri und Andreas Schäfer über links: Herauskam eine Chance, die gemessen am Rest gefährlicher Aktionen riesengroß war. Die zweite torgefährliche Aktion war das 0:1. In der zweiten Hälfte reichte es nur noch zu einer Schusschance von Paul Thomik, die man hätte verwandeln können, und einem Freistoß von Hennings, der knapp vorbei ging. Mehr nicht.

Anders sah es bei 1860 aus: Von Anfang an machten die Münchener Druck, und wenn sie über außen – egal ob rechts, aber lieber über links – angriffen, wurde es meist gefährlich vorm Osnabrücker Tor. Daniel Bierofka, der ein tolles Spiel im linken Mittelfeld machte und sich sehr oft als dritte Spitze zeigte, hätte das ein oder andere Tor machen können, Danny Schwarz fädelte immer wieder gefährliche Angriffe ein. Vor dem Strafraum gelang es 1860 immer wieder, die Osnabrücker beim Kurzpassspiel zu foppen und gute Distanzschüsse abzufeuern. Die hundertprozentige Chance vergab Kucokovic nach etwas mehr als einer Stunde. Die Münchener Spielfreude hatte ihre lila-weissen Gründe: Osnabrück stand oft viel zu tief, und die große Lücke zwischen Abwehrkette und Mittelfeld machte es den 60ern leicht, Überzahlsituationen zu erspielen.
Jo Enochs war von diesem Tempo offenkundig überfordert, hatte nach einer halben Stunde schon zwei Mal extrem dämlich foul gespielt und musste zu Recht noch vor der Halbzeit für Heidrich weichen. (Die andere Überraschung in der Startelf, Alex Nouri, konnte auch nicht glänzen, auch ihm schien das Spiel phasenweise zu schnell. „Zwei verdienten Spielern wollte ich etwas schenken“, dieser Plan von Wollitz scheiterte weitgehend, jedenfalls wenn er auf folgenreiche Reaktionen gehofft hatte.)
Jan Schanda versuchte auf ehrwürdigem Terrain, es seinem Kollegen Lucio nachzutun und schaltete sich ein ums andere Mal ins Angriffsspiel ein. Das sorgte mitunter für Gefahr, leider nicht nur vor dem Münchener Tor.
Paul Thomik tauschte die Positionen mit jedem seiner Mitspieler im Mittelfeld, leider ohne den Spielfluss der Münchener nachhaltig zu bremsen.
Thomas Cichon organisierte in erster Linie sich selbst statt seine Abwehr, und das oft nicht einmal auf gleicher Höhe; Reichenberger war völlig abgemeldet; Tino Berbig im Tor zeigte erneut deutliche Schwächen bei hohen Bällen und wirkte gerade am Anfang verunsichert.
Gut spielten lediglich Pierre de Wit, Andreas Schäfer, Matthias Heidrich und – ohne viel bewirken zu können – Rouwen Hennings.

Pele Wollitz fand es „nicht zwingend erforderlich, jetzt vor dem letzten, entscheidenden Spiel große Analysen zu machen“, jedenfalls nicht im Beisein von Journalisten. Intern wird er deutlicher werden, so deutlich wie in Sachen Koblenz zur versammelten Pressemeute. Die genaue Häufigkeit des Wortes „absolute“ – wahlweise gebraucht in Verbindung mit „Frechheit“, “Sauerei“, „Unsportlichkeit“ oder „Unverschämtheit“ – während der Pressekonferenz ist schwer zu überschlagen. Die absolute Zusammenfassung von Wollitz’ Brandrede passt dennoch in einen Satz: „Wenn die dann aus der Sitzung kommen und sagen: ‚Das war eine Entscheidung für den Sport.’ Da kann ich nur sagen: Nein! Das war keine Entscheidung für den Sport, sondern eine Entscheidung gegen Mannschaften, die absolut keine Lobby haben!“
1860-Geschäftsführer Stefan Ziffzer pflichtete dem VfL-Coach bei, mehr noch: Er wies auch auf eine weitere fragwürdige Liaison in dieser Liga hin, nämlich die bemerkenswerte Millionen-Schützenhilfe der Stadt Kaiserslautern für den FCK. Wollitz horchte seinen Worten, applaudierte, rief „Danke!“ – und verschwand. Sein Team darf sich an diesem energischen, trotzigen Auftritt ein Beispiel nehmen, denn im Endspiel gegen Offenbach muss der VfL besser spielen, und zwar deutlich.

(Ok, Theo Zwanziger hat gerade noch die Kurve gekriegt und sich keinen Eckel’schen Teufel aufbinden lassen. Jedenfalls vorerst nicht.)

Sonntag, 11. Mai 2008

ergebniskommission patzt - augsburg, koblenz und wohl auch lautern gerettet

In der Nacht haben Theo Zwanziger, Horst Eckel und wir die ausstehenden Endergebnisse für die Vereine Koblenz, Augsburg und Kaiserslautern ausgehandelt. Der Fußballgott hatte aus gesundheitlichen Gründen an dem Treffen nicht teilnehmen können, deshalb schaffte es Horst Eckel, sich in die Runde mogeln: Der DFB-Präsident hatte seine Brille vergessen und hielt Eckel im Eifer des Gefechts für den Fußballgott. Auch auf unser mehrmaliges Insistieren weigerte er sich zu veranlassen, dass seine Frau Inge ihm die Brille bringe. Damit war unsere Verhandlungsposition denkbar schlecht, sehendes Auges mussten wir das trojanische Pferd passieren lassen. Eckel lachte sich ins Fäustchen, und nach der 43. Anekdote aus der guten alten Zeit war Zwanziger weichgeklopft: "Mensch, Fußballgott, heute machst du aber einen auf sentimental, oder!? Das kenne ich sonst gar nicht von dir. Wenn ich's nicht besser wüsste, müsste ich mich sorgen, aber ok: Lautern macht noch vier Punkte!" Eckel erlitt daraufhin bedauerlicherweise einen Schwächeanfall - und ohne die vermeintlich göttlichen Weihen traute sich Zwanziger nicht, die beiden ausstehenden Ergebnisse von Offenbach und Osnabrück zu bestimmen.

Insgesamt, das wissen wir, ist diese "Einigung" absolut unbefriedigend. Sie nimmt folgende Gestalt an:

Koblenz-Aue 3:0
Aachen-Koblenz 0:0
(41 Punkte)

Fürth-Augsburg 2:1
Augsburg-Jena 2:0
(40 Punkte)

Jena-Lautern 1:3
Lautern-Köln 1:1
(39 Punkte)

Samstag, 10. Mai 2008

grand in münchen

Mit Karo- und Kreuzbube, zwei Assen und Zehnen in Herz und Pik, dazu Pik-Dame und Pik-Acht kann man eine Grand souverän gewinnen; eine schlimme Niederlage ist aber genauso drin. Der VfL hat sich entschlossen, auf den Grand zu reizen, es also spannend zu machen, anstatt in den vergangenen Wochen ein einfaches Pikspiel zu gewinnen. Jetzt muss er ihn gewinnen. Morgen in der Allianz-Arena kommt es drauf an, ob der Gegner mit der richtigen Karte rauskommt und wie die Trümpfe verteilt sind.

München zeigt sich derweil von seiner schönsten Seite: Sommer, Sonne, Leidenschaft, alles in zartes Lila getüncht. Durch den Augustiner Biergarten schallten bereits gestern Abend schüchterne VfL-Rufe, das gleichnamige Bier - übrigens das leckerste bayrische Bräu - schmeckte famos, und nach einem Maß in praller Sonne war die Welt in Ordnung. Mit fortschreitender Ernüchterung geriet sie wieder aus den Fugen: Die Spannung steigt unermesslich; wie schlimm das erst für die Mannschaft sein muss. Der gemeine Beobachter muss nicht mit diesem Druck umgehen können, er muss lediglich darauf vertrauen, dass das Team professionell und stark genug dafür ist; das allerdings hat sein Trainer immer wieder bekräftigt.
Wenn 1860 morgen zu Beginn ein Karo-As ausspielt, was tun? Sofort abstechen oder abschenken?

München-Schwabing hat wunderbare Ecken, und der Englischen Garten liegt direkt nebenan. Schöner lässt sich kaum frühstücken als im Café Reitschule, und die erste Maß im Biergarten am Chinesischen Turm schmeckt auch. Wäre da nicht dieses stete Unwohlsein. Unabhängig von irgendeiner Tabellenkonstellation wäre es nicht überraschend, verlöre der VfL bei 1860. Unabhängig vom bisherigen Saisonverlauf wäre es nicht überraschend, rutschte der VfL auf einen Abstiegsplatz. Überhaupt: Der Klassenerhalt wäre bemerkenswerter als das Gegenteil, daran gilt es immer wieder zu erinnern, auch um die mögliche Enttäuschung abzufedern, die nicht völlig ausgeschlossen ist. Der VfL spielt, gemessen an seinen Konkurrenten, in den vergangenen Wochen am unerfolgreichsten, dieser Trend ist Fakt. Fakt ist auch, dass Osnabrücks Spielanlage vielfach sehenswerter ist als die von Lautern und Offenbach, dass der VfL den Klassenerhalt verdient hätte.
Wer den Karo-Stich mitnimmt, muss auf verteilte Buben hoffen - und mutig mit Kreuz rauskommen.

Endspiele sind nichts für schwache Nerven. Gut ausgeruht muss sein, wer ihnen standhalten will. Gut eingecremt muss sein, wer sich nicht an der Hitze des Gefechts verbrennen will. Noch 24 Stunden.
Hinlegen, in den Englischen Garten. Auf Jos vertrauen. Und: Vergessen, dass ein einfaches Pik-Spiel auch ok gewesen wäre.

Freitag, 9. Mai 2008

4 sms von jos

Dass Jos Luhukay ein Fan von SMS ist, ist gemeinhin bekannt. Ab und an tauscht er sich gar mit Pele Wollitz aus, der ihm jüngst schon vorzeitig zum Aufstieg gratulierte. Nun haben auch wir JL um einige kurze Statements in SMS-Länge gebeten - über die Saison, den Aufstieg, die VfLiebe und die Aufs und Abs in Liga Zwo. Soeben klingelte unser Handy viermal:

Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg und zu einer unglaublich souveränen und konstanten Saison als Tabellenführer. Worüber an diesem großen Erfolg freuen Sie sich am meisten?

Vielen Dank. Ich freue mich am meisten für die Art und Weise, wie diese Mannschaft sich im Laufe der ganzen Saison präsentiert hat. Einen besseren Zusammenhalt habe ich noch nie erlebt, es hat unglaublich Spaß gemacht, mit diesen Jungs zu arbeiten.

Per SMS haben Sie Ihrem Kollegen Pele Wollitz und dem VfL Osnabrück im Namen des ganzen Borussia-Teams alles Gute im Abstiegskampf geschrieben und dass Sie den Osnabrücker den Klassenerhalt gönnen. Das ist ungewöhnlich. Wie kam es zu dieser SMS?

Ich kenne Pele vom Trainerlehrgang gut. Wir haben beide dieselbe Philosophie vom Fußball und verstehen uns einfach gut.

Warum, finden Sie, sollte Osnabrück in der zweite Liga bleiben?

Ich wünsche Osnabrück den Klassenerhalt, weil mir die Atmosphäre im Osnabrücker Stadion gut gefallen hat und der Club gute Arbeit macht. Sie werden am letzten Spieltag vor eigenem Publikum alles klar machen.

Pele Wollitz hat Ihnen, ebenso per SMS, geantwortet und scheu zum Aufstieg gratuliert. Noch ist es noch nicht ganz soweit, aber wie lautet Ihr Tipp: Wer sind die drei Aufsteiger, wer steigt ab?

Bei den Absteigern denke ich, dass es nur noch um Platz 15 geht. Da wird es sehr spannend und man kann eigentlich gar keine Prognose abgeben. Oben kann Köln jetzt mit einem Sieg gegen Mainz alles klar machen. Sollte der FC aber verlieren, wird er am letzten Spieltag in Kaiserslautern eine sehr unangenehme Aufgabe haben.

Donnerstag, 8. Mai 2008

heute geschlossen wegen feiern

Dafür spricht hier morgen Jos Luhukay zu unseren Lesern.

Mittwoch, 7. Mai 2008

Aufgestiegen aus Ruinen...

...und der Zukunft zugewandt!

Glückwunsch, Borussia! Glückwunsch, VfL!

Danke, Fußballgott!

Danke:
Uwe Gospodarek
Christofer Heimeroth
Frederic Löhe
Kasper Bögelund
Roel Brouwers
Marvin Compper
Filip Daems
Steve Gohouri
Tobias Levels
Alexander Voigt
Zé Antonio
Thomas Kleine
Alexander Baumjohann
Johannes van den Bergh
Soumaila Coulibaly
Robert Fleßers
Marko Marin
Marcel Ndjeng
Patrick Paauwe
Eugen Polanski
Sascha Rösler
Sebastian Schachten
Sebastian Svärd
Roberto Colautti
Rob Friend
Moses Lamidi
Oliver Neuville
Nando Rafael
Sharbel Touma
Jos Luhukay

DANKE!

seitenwechsel #57

Ein Mal in der Woche gibt es ihn, den Seitenwechsel mit den lieben Kollegen von Seitenwahl. Seit der vergangenen Saison schreiben wir uns gewöhnlich mittwochs, manchmal auch donnerstags Brand-, Schmäh- oder Liebesbriefe - mit noch immer wachsender Leidenschaft. Zwischendurch waren wir zwei Wochen mit anderen Dingen beschäftigt. Und auch heute ist alles immer noch ein bißchen seelenlos, angesichts des Wahnsinns in der Welt. Wem Mikes Brief zu deprimierend ist, der kann mit Martin verzweifelt feiern – in seiner Antwort bei Seitenwahl!

Mein lieber Martin,

lange herrschte Ruhe in unseren Füllern. Die Zeit ließ keinen Gedankenaustausch zu, als stetig Gehetzter im alltäglichen Berufs-, Verkehrs- und Medienwahnsinn sind die wenigen Momente der Stille und inneren Einkehr der geliebten Freundin zugedacht oder der Borussia. Schaue ich auf die Worte unseres bis dato letzten SEITENwechsels, so handelten sie vom Aufstieg unseres VfL. Natürlich taten sie das! Und heute, in diesem Moment, in dem ich diese Worte zu Papier bringe? Es ist endlich soweit, der lang ersehnte Aufstieg ist nur noch ein Schritt weit entfernt. Und jetzt, wo das Ganze zu enden scheint, frage ich mich einmal mehr, wo die Zeit geblieben ist. Haben wir nicht erst gestern darüber sinniert, welche Folgen der letztjährige Abstieg für Borussia haben könnte?

Gut, die "Bundesliga der Herzen" ward geboren! Aber war das ein Trost für die geschundene Gladbacher Seele? War es nicht vielmehr ein verzweifelter, wenngleich charmanter Versuch Eurerseits, dem Ganzen etwas Sinn zu geben? Diesem Martyrium "2. Bundesliga" einen bunten Anstrich verpassen? Und freute es nicht Maik vielmehr, dass sein kleiner VfL nun auch offiziell in einer Liga mit unserem großen VfL zusammenspielen durfte? Nein, den ganzen Erfolgen und Wochen an der Tabellenspitze zum Trotz: ich genieße diese Liga nicht. Für die geschundene Seele mag die nun zu Ende gehende Saison Balsam gewesen sein, aber als Anhänger eines Vereins kann dies natürlich nicht der Anspruch sein.

Wie fühle ich mich also nun, angesichts vom endlich ausgebrochenen Frühling und großer Mega-Super-Hyper-Aufstiegsfete im Stadion und in der Innenstadt? Bedenklich seelenlos, die richtige Freude will einfach nicht aufkommen. Dazu habe ich speziell in den vergangenen Wochen und, rückblickend auf die gesamte Saison, zuviele Dinge gesehen, die mir Sorgen bereiten. Ob der aktuelle Kader auch stark genug für die Bundesliga ist? Werden Ziege und Luhukay erneut ein gutes Händchen bei Transfers haben? Wird aus dem guten Händchen ein noch besseres, wenn ein gut gefülltes Portemonnaie in selbiger liegt?

Doch genug der Skepsis und nachdenklichen Worte. Lasst uns Wehen schlagen, lasst uns aufsteigen. Wir haben es geschafft, Martin! Und richte Maik aus, dass es auch der VfL Osnabrück schaffen wird. Dies wünsche ich mir schon aus doppeltem Grunde heraus, denn das würde eventuell bedeuten, dass der 1.FC Kaiserslautern endlich aus dem Profifußball verschwindet. Und in diesem Fall scheiß ich auf Tradition.

Wir sind Bundesliga, mein lieber Freund.
Es atmet durch und grüßt herzlich
Mike

Dienstag, 6. Mai 2008

am ende wird es immer enger

Besonders überraschend ist dieses 0:0 nicht, zu allerletzt für Pessimisten. Vor einer Woche, vorm Unentschieden in Jena schon, sagte ich zu meinem Bruder, Osnabrück werde vor dem letzten Spieltag kein Spiel mehr gewinnen - und dennoch den Klassenerhalt schaffen. "Wenn Du absteigst, verlierst Du so ein Spiel wie heute 1:0, wenn Du drinbleibst, spielst Du 0:0", sagt auch der Trainer.
Fest steht: Der große Erfolg wird nur gelingen, wenn jetzt alle die Ruhe bewahren, auch wenn Osnabrück keinen feinen Fußball mehr spielt wie noch in der Hinserie über weite Strecken vieler Begegnungen. Das ist nicht so überraschend, bedenkt man, dass der Druck und die Realität des Abstiegskampfes gerade für die vielen jungen Spieler im Team mehr und mehr gegenwärtig und auch zur Belastung werden. Frisch und unbeschwert spielt da mancher nur noch selten auf - wen wundert's?!

Damit auch das mal ausgesprochen ist, obwohl es immer klar war: Es kann auch schlecht laufen, es muss nicht gut gehen, und es wäre keine besonders große Sensation, wenn Osnabrück am Ende doch noch absteigt. Umgekehrt hätten Pele Wollitz und seine Mannschaft die Sensation geschafft, wenn sie die Klasse halten. Voraussichtlich wird das erst am letzten Spieltag entschieden, so wie es der Trainer seit jeher betont, sei es, um Erwartungen klein zu halten oder weil er wirklich überzeugt davon ist. Verdient hätte es die Mannschaft, die bis heute nicht einen Moment lang auf einem Abstiegsplatz stand, allemal.

Für alle guten Rechner hier das Restprogramm der üblichen Verdächtigen. (Wir wagen den eigentlich gar nicht so gewagten Tipp: Es reichten schon zwei Unentschieden.)

VfL (36 Punkte):
1860 (A)
Offenbach (H)

Koblenz (37 Punkte):
Aue (H)
Aachen (A)

Augsburg (37 Punkte):
Fuerth (A)
Jena (H)

Offenbach (37 Punkte):
Hoffenheim (H)
VfL (A)

Lautern (35 Punkte):

Jena (A)
Koeln (H)

Montag, 5. Mai 2008

vfliebeleien

Jos Luhukay zückt das Handy und tippt eine SMS an Pele Wollitz. (Die beiden kennen sich ja aus Köln.) Die Borussia, schreibt er im Namen des ganzenTeams, gönne Osnabrück den Klassenerhalt und glaube auch fest daran, dass das klappt. Wollitz antwortet, ebenfalls per SMS, während der Gladbach-Gala in Offenbach und gratuliert unter Vorbehalt zum Aufstieg.
Was sollen wir dazu noch sagen?

Sonntag, 4. Mai 2008

7 ha ha ha zu hi hi 1

Oh, wie ist das schön! Oh, wie ist das schön! 7:1 gewonnen, das tut gut nach unmerklich lauter werdenden Zweifeln in den letzten Spielen. Ok, Offenbach hat's uns leicht gemacht, aber 7:1 muss man trotzdem erstmal gewinnen.

Und somit können wir am Mittwoch schon den Aufstieg feiern, wenn wir nur wollen. Oh, wie wär das schön! Oh, wie wär das schön!

PS. Köln scheinen wir nun doch noch mitzunehmen in Liga 1. Es soll uns recht sein, sind die Spiele gegen den FC doch irgendwie Teil des Kalenders wie Totensonntag und Aschermittwoch. Aber wie diese Mannschaft um Clown Daum sich da wieder oben reinmogelt, das ist doch einmal mehr echt kölsch. Souverän sieht anders aus. Souverän ist grün schwarz weiß.

Samstag, 3. Mai 2008

einen punkt gewonnen, zwei punkte verloren, drei punkte vor

Immerhin haben die Falschen nicht gewonnen, der richtige VfL aber leider auch nicht. Es reichte gestern Abend (nur) zu einem 1:1 in Jena, das jetzt gemeinsam mit Paderborn und Aue wohl endgültig kein Konkurrent mehr im Abstiegskampf ist. Das Spiel war in der ersten Halbzeit mehr, in der zweiten sehr viel weniger ansehnlich: Energisch, viele Zweikämpfe, wenig spielerische Glanzlichter, so wie schon seit einigen Wochen fußballerische Leckerbissen nur noch manchmal zu bestaunen sind. Aber darum geht es auch gar nicht auf diesen letzten Metern in der Bundesliga der Herzen.

Anfangs war der VfL ordentlich unter Druck. Besonders ein unglücklich verteidigender Jan Schanda eröffnete Jenas Allagui gleich zwei Großchancen, Schanda war es auch, der sich gemeinsam mit Paul Thomik übertölpeln ließ, als Schied eine weitere Hundertprozentige auf Hansen auflegte. Das alles blieb folgenlos, und nach einer halben Stunden waren diese Nachlässigkeiten abgestellt, die Innenverteidigung hatte ins Spiel gefunden.
Osnabrück hätte genauso in Führung gehen können: Thomas Cichon brachte eine Flanke von Bilal Aziz nicht im Tor unter; Thomik flankte nach feinem Doppelpass zwischen Henning Grieneisen und Nico Frommer auf Mathias Surmann, der verpasste; Thomik bediente nach schönem Solo über rechts Frommer, der den Ball elf Meter vor dem Tor nicht unter Kontrolle bringen konnte; Rouwen Hennings köpfte an die Latte.
Nach einer guten halben Stunde ersetzte Thommy Reichenberger den extrem unkonzentriert spielenden Aziz, der sich bis dahin schon einige sehr lässige Fehlpässe geleistet hatte und nicht den Eindruck machte, als gehe es gerade um alles. Als Trainer Pele Wollitz nach dem Spiel mokierte, einige seiner Spieler hätten in der Körpersprache alles Selbstvertrauen vermissen lassen, meinte er wohl nicht zuletzt Aziz. "Aber das kriege ich bis Dienstag wieder hin, das ist meine Stärke", sagt der Trainer.
Tröstlich war: Wenn das Spiel einmal plätscherte, war auf den grotesk ahnungslosen Premiere-Reporter Verlass. Anfangs schon hatte er durch die treffende Analyse überzeugt, "die Osnabrücker schienen ja vor zwei Wochen schon gerettet", nachdem aber das Hin und Her um die TuS Koblenz "die Tabelle ordentlich durcheinandergewirbelt hat", trennten den VfL aktuell nur noch zwei Punkte vom Abstiegsplatz. (Wir rufen unsere poetisch ambitionierten Leser auf, ähnliche Bonmots zu formen. Z.B.: "Das Essen hatte gut geschmeckt, aber am nächsten Tag schien die Sonne und der Frühling begann." Oder: "Der Mord geschah an einem Mittwoch, doch abends wurde es dunkel und der ICE nach Passau startete pünktlich.")
Dass dem Premiere-Mann die gelbe Karte gegen Müller nach dem mehr als offensichtlichen Foul an Hennings kurz vor der Pause auch nach mehrfacher Zeitlupe nicht einleuchtete, war ein weiteres Highlight.

In der zweiten Halbzeit fielen die beiden Tore, eins wie das andere aus dem Nichts. Beiden Mannschaften hatten Chancen, das Spiel zu gewinnen, was keine tat, Tino Berbig spielte Frederik Gößling und machte keinen besonders sicheren Endruck bei hohen Bällen, und nachdem Pele Wollitz drei Mal ausgewechselt hatte, fasste unser Lieblingsreporter zusammen: "Die taktische Ausrichtung des VfL Osnabrück ist weitaus offensiver als noch zu Beginn des Spiels." Abgesehen davon, dass die taktische Ausrichtung über die komplette Spielzeit identisch geblieben war, wird er sicher recht gehabt haben, immerhin hatten sich einige Namen geändert und Spieler wechselten ihre Positionen. Alle drei Eingewechselten sorgten übrigens für ordentlich neuen Wirbel.

Am Dienstag kommt jetzt Fürth, das seit gestern gottlob alle Aufstiegsambitionen begraben kann. Ich alter Pessimist hatte Mitte letzter Woche trotzdem zu meinem Bruder gesagt, der VfL gewinne bis zum Saisonfinale gegen Offenbach kein Spiel mehr. Wir waren uns einig, dass das trotzdem reichen würde. Dennoch: Ein anderer Lauf der Dinge wäre wunderbar.

Freitag, 2. Mai 2008

lauterer wettbewerb

Man darf staunen über das Selbstverständnis des 1. FC Kaiserslautern. Alten, greisen Weltmeistern wollen wir nachsehen, wenn sie mit der Zeit an Zurechnungsfähigkeit einbüßen; so halten wir es mit Franz Beckenbauer immerhin auch seit ehedem. Aber Horst Eckel ist nur Symptom eines Übels, das große Teile von Kaiserslautern erfasst. Dieser Verein hält sich wirklich für eine nimmermüde Institution des deutschen Profifußballs. Doch: Es stirbt nichts, wenn Kaisersleutern in den Niederungen der Regionalliga versinkt, außer ein kleines Häuflein Pfälzer Fußballkultur, was bei Licht besehen ein erneutes Paradoxon ist. Auf was also könnten wir Menschen mit Geschmack leichter verzichten?

Wenn die aktuelle Tabelle auch die Abschlusstabelle wäre, hätte die Saison nicht wunderbarer zu Ende gehen können: Wegen eines kleinen Törchens müsste Lautern dann einem ordentlichen Klub in der 2. Bundesliga Platz machen. Doch es könnte anders kommen: Es wäre eine Ironie des bösen Schicksals (und insofern gar nicht einmal so unwahrscheinlich!), wenn Kaiserslautern aus der Koblenzer Misswirtschaft seinen Nutzen zöge und wegen des 8-Punkte-Abzugs der TuS die Klasse hielte. Rufen wir uns kurz ins Gedächtnis: Kaiserslautern war es, das seinerzeit wegen kruder finanzieller Verwicklungen einen Punktabzug eben nicht umgehend auferlegt bekam, sondern für die kommende Spielzeit; andernfalls wäre uns der Abstiegskmnapf mit den roten Teufeln in dieser Saison womöglich erspart geblieben, weil der Klub viel früher dort hinein gegangen wäre, wo er hingehört: In die Annalen. Wenn es schlecht läuft und der Fußballgott zu viel Kraft aufbringen muss für Aufstieg und Klassenerhalt der VfLs, dann dürfte Kaiserslautern wieder die Kurve kratzen. Damit es so nicht kommt, muss Mainz heute Abend sein Heimspiel gewinnen. "Für ein Rheinland ohne Pfalz", lautet ein beliebter Schlachtruf kluger Süddeutscher. Stimmen wir ein!

Osnabrück darf währenddessen seine Hausaufgaben nicht vergessen, allein es kämpft sich leichter, wenn man nicht nur für, sondern auch gegen etwas kämpft. Mit einem Sieg in Jena auch dem letzten greisen Pfälzer zu zeigen, wo der moderne Fußballhase lang läuft, dürfte Ansporn genug sein.
In Jena wird der VfL womöglich erstmals seit langer Zeit ohne Thommy Reichenberger in der Startelf beginnen; dass das gerade auswärts Sinn machen könnte, hatten wir schon vor einem guten halben Jahr erwogen. Stattdessen wird wohl Rouwen Hennings stürmen; der ist zwar kein alter Weltmeister, aber aktueller Nationalspieler, und dessen Knoten muss irgendwann auch einmal platzen.

Donnerstag, 1. Mai 2008

feiertagsprogramm

Bei der Beobachtung des Programmplatzes, auf dem in eineinhalb Jahren auch die UEFA-Cup-Auftritte der Borussia gezeigt werden könnten, stellen sich folgende Fragen: Allergie? Schlägerei? Mords-Kater? Oder was ist der Grund für Kai Pflaumes sagenhafte Augenringe? Wünschen wir ihm, dass er bis zum sicher wieder völlig kenntnisfreien Interview mit Franz Beckenbauer nach dem Abpfiff durchhält.