Freitag, 30. November 2007

knacken in der leitung

"Diese vermaledeite Serie hält weiter an, ohne dass wir irgendwie vorankommen." Diese kurze Nachricht noch vermochte Martin telefonisch zu übermitteln, ehe die Leitung kurz knackte und dann starb. Pointierter immer noch, das ist sicher, als die Analyse so mancher Berichterstatter, deren Leitungen, obgleich länger als Interkontinentalkabel, niemals zu sterben scheinen.

Donnerstag, 29. November 2007

seitenwechsel #45

Einmal in der Woche, immer mittwochs, manchmal aber auch donnerstags, gibt es eine Institution im VfLog: Den Seitenwechsel mit den lieben Kollegen von Seitenwahl. Seit der vergangenen Saison schreiben wir uns Brand-, Schmäh- oder Liebesbriefe - mit noch immer wachsender Leidenschaft. Diesmal hat Mike mal wieder vorgelegt, mit einem thematischen Rundumschlag nach zwei Wochen Pause. Martin steigt voll ein und offenbart selbst seine Vorstellung einer guten Ehe – aber das steht ja bei Seitenwahl.

Lieber Martin,

wie schön, dass ich mal wieder mit Dir ein paar Gedanken austauschen kann! Dass wir dies in sportlich so ruhigen Zeiten tun können, erfüllt mich mit Freude. Zwar entstehen die besten Gedanken unter Druck und Ärger (also zumindest bei mir), doch will ich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, mit Dir einige Dinge zu besprechen, die sich seit dem letzten Briefwechsel unserer bescheidenen Online-Auftritte zugetragen haben.

Mit Erstaunen stellte ich in den vergangenen Tagen fest, dass Ihr Bücher zitiert. Was sage ich Bücher?, kommende Klassiker, deren Worte schon jetzt wie in Stein gemeißelt sind. Es ist kurios, dass ich gerade das seichte Reportage-Magazin "37 Grad" des ZDF sah, das "Sex mit dem Ex" thematisierte, und wenige Minuten später bei Eurem Weblog die subtilen Gedanken der Michaela Schaffrath lesen durfte. Zudem Euer Outing, ein Paar zu sein. Ich konstatiere demnach, dass der VfLog sich langsam, aber sicher von der kühlen und harten Berichterstattung und Kommentierung der Ereignisse verabschiedet und sich zu einem Becken der Emotionen entwickelt. Ich kann dies nur begrüßen, zumal sich in Mönchengladbach zurzeit ebenso alle lieb haben. Der Jos, der Christian, der Olli und wie sie alle heißen.

Lieb haben sich die Beteiligten in München derzeit eher weniger. Uli Hoeneß' Rede ist in den Tagen danach entsprechend durchgenudelt (Huch!) worden und dass Maik sich eine kleine Spitze in meine Richtung nicht verkneifen konnte, habe ich ihm natürlich verziehen. Weiß ich doch die Kollegen nahezu aller renommierter Medien argumentativ auf meiner Seite. Nun, ich kann Maiks angespannte Stimmung durchaus verstehen, schafft es der kleine VfL nicht so richtig, sich dem Tabellenkeller zu entziehen. Insofern sucht er nach Profil und liegt damit in Mode (die Grünen machen es vor). Solange Du in dieser Folge nicht den Oswald Metzger gibst und den Ausstieg verkündest, sollte das aufzufangen sein.

Ein letzter Blick auf unsere Borussia: Wie gefährlich die aktuelle Situation ist, zeigt der erneut dümmliche Versuch des Boulevards, Leben in seine in den vergangenen Wochen erlahmtes Blätter zu bekommen. Marcel Ndjeng wird in die Nationalmannschaft geschrieben, jetzt peilt Borussia die einst vom 1.FC Köln erzielte Marke von 40 erreichten Punkten in der Hinrunde an. Ein durchaus ehrenwertes Ziel, denn welche Mannschaft kann schon Weihnachten behaupten, den Klassenerhalt gesichert zu haben? Dennoch, es gilt, wachsam und konzentriert zu bleiben. Auch wenn zurzeit wenig nach Ernüchterung und sportlicher Tristesse aussieht, die Ratten in Mönchengladbach sind zwar ruhig in diesen Zeiten, aber sie leben noch.

Es grüßt wachsam vom Platz an der Sonne,
Mike

Mittwoch, 28. November 2007

das kleine bisschen gar nichts

"Fällt euch jetzt gar nichts mehr ein?" Dieser reizende Leserkommentar anlässlich unserer Herbst-Rezensionen (jaja, anderen geht's da schlimmer, die haben zur gleichen Zeit Depressionen) hat uns sehr erheitert, transportiert er doch vielschichtig gleich mehrere mögliche Interpretationsansätze.

a) Die Gattung "Buchrezension" ist an und für sich weniger als nichts. Setzte sich diese Einsicht flächendeckend durch, wäre das in der Tat ein Segen für so manchen Feuilletonteil vermeintlich ambitionierter Tageszeitungen.
b) Unser kleiner Familienblog ist schon seit jeher ein Quell der Langeweile. Schon vorher ist uns nicht viel eingefallen. Äh: Im Unterschied zu allen anderen Medien, die vorgaukeln, es gebe Neues, halten wir uns eben mit Gina Wild bei Laune. Was ist ehrlicher?
c) Womit wir beim "jetzt" sind, auf das wir souverän antworten müssen: Schon ewig nicht. Aber Kritik daran ist noch immer nicht erlaubt.

Und die VfLs? Trainieren. Geben Radiointerviews. Wählen Leute in Gremien. Toll.

Dienstag, 27. November 2007

seitenaus

An meinem 27. Geburtstag hielt ich ein ganz besonderes Geschenk in der Hand: meinen ersten Pornoschwanz. Es war der Schwanz von Rocco Siffredi, dem größten Männerstar der internationalen Pornoszene. Das war am 6. Dezember 1997. Am Nikolaustag.
Rocco Siffredi ist ein Bild von einem Mann. Der bestaussehende Pornodarsteller, den es gibt. Und er hat einen wunderschönen Schwanz. Groß und mächtig, nicht schief, sondern wohlgeformt.

Diese und viele wunderbare Zeilen mehr finden sich in der Autobiographie "Ich, Gina Wild. Eine Enthüllung" von Michaela Schaffrath. Sie ist erschienen im Heyne Verlag und wird von Amazon unter der Rubrik empfohlen: "Kunden, die 'Nummer eins' von Oliver Kahn gekauft haben, kauften auch:".

Montag, 26. November 2007

abseits

Auf der Terrasse eines guten Restaurants sitzen, mit wundervoller Aussicht und dem friedlichen Wunsch, alleine zu essen - das hätte schön sein können. Stattdessen nun konfrontiert mit einem jungen Mann, der die Ehe als Irrweg und glatte Überforderung der menschlichen Natur sieht und immerzu einräumt, die Wahrheit in irgendeiner Mitte zu suchen. Ich bat ihn, mich mit der Mitte zu verschonen, ich bin zu alt für sie. Ich sollte ihn so schnell nicht wieder loswerden.

Die Stufen der ehelichen Lustlosigkeit seien absehbar, sagt er. Ein durchsichtiges Negligé oder ein verzweifelter Tanga sorgten vielleicht noch für ein paar letzte Funken, dann komme unwiderbringlich die Stunde des Anwalts.
Ich kam ihm empirischer: Wie traurig schaut eine Zahnbürste aus, die einsam im Zahnglas steht, und wie oft fehlt mir am Abend ein Grund, um einzuschlafen, eine Umarmung etwa, ein Kuß, ein Streit meinetwegen, kurz etwas, das es mir erlauben würde, mich zur Wand zu drehen und als wohlig oder renitent Verkrümmter zu versinken?

(Nebenbei: Ist Ihnen auch schon aufgefallen, daß uns, sobald wir in die Toilette eines Hotelzimmers treten, die sogenannten Hygienebeutel für Damensachen empfangen? Und, wo wir schon einmal beim Thema sind: Die normalen Männerunterhosen sind systematisch von unzweckmäßigen Slips verdrängt worden, die keinen Eingriff mehr aufweisen und sich von den Damenslips kaum noch abheben, so daß in Sachen männlicher Unterwäsche von einer schleichenden Femininisierung und also Abschaffung der Differenz gesprochen werden muss.)

Immerhin konnte man über all das fabelhaft mit ihm plaudern. Als ich fragte, ob das Konzept von der Treue nicht notwendig, um real und wertvoll zu sein, der Versuchung bedürfe, oder noch besser: der vollzogenen Treulosigkeit, da verfing er sich wieder in seinem Sowohl-als-Auch. Was ich in meiner Freizeit tue, interessiere ihn, und er staunte, als ich antwortete, ich tue das, was mir vorschwebt seit meiner Geburt, nämlich nichts.

Er fragte mich, ob ich die Welt hasse, und ich antwortete ohne das geringste Zögern: Von ganzem Herzen. Wer soll noch wittern, was vorgeht, wenn die Jungen vor lauter fahriger Betriebsamkeit, das heißt vor Apathie verblöden und die Alten vor lauter Nachsicht? Die Wahrheit ist, um Kleist zu berichtigen, dass sich auf dieser Erde nur Lumpen heimisch fühlen. Doch wo wir schon mal hier sind: Auf die Revolution der Schnecken! Auf ein Krachen im Gebälk!

Keine Geschichte ist aus und zu Ende. Es gibt nur den willkürlichen Abbruch an einem beliebigen Punkt. Und zum Glück kann man auch über Fußball reden.

Diese und viele wunderbare Zeilen mehr finden sich im Roman "Am Hang" von Markus Werner. Er ist erschienen im Fischer Verlag.

Sonntag, 25. November 2007

schnellleser

Unser Grundvertrauen in die VfL-Führung ist zwar nahezu unerschütterlich, aber manchmal wundert man sich trotzdem: Auf der nahenden Jahreshauptversammlung sollen nämlich die VfL-Mitglieder über eine neue Satzung abstimmen - und Satzungen sind für gewöhnlich einige umfangreiche Seiten lang. Um sich adäquat darauf vorbereiten und mitdiskutieren zu können, wird jedem Mitglied gar ein Exemplar der alten wie der neue Version ausgehändigt.
Nun will der VfL stets begierig lernen von der großen Politik und anderen Riesen, die ihre Abstimmungsvorlagen immer derart kurzfristig in die Runde werfen, dass sie möglichst niemand mehr lesen kann. Spät, das heißt direkt vor Versammlungsbeginn bekommt deshalb auch jeder VfL-Wahlberechtigte seine Informationen - der VfL bittet "aus diesem Grund um Verständnis dafür, dass Ihre Mitgliedschaft bei der Verteilung der Satzungen am Eingang geprüft wird". Herrlich. Fehlt nur noch, dass Manager Lothar Gans den Fans am Ende einer heißen Diskussion den Hoeneß machen muss.

Samstag, 24. November 2007

wie nennt man das gegenteil von beredtem schweigen?

Einfach mal Feiern. Freuen. Maul halten. So macht der Samstag nach so einem Freitag Spaß.

Freitag, 23. November 2007

ein bisschen barcelona

Sicher ärgert man sich über ein verdientes 1:1, wenn genauso auch ein glücklicher Sieg möglich war. Man ärgert sich auch, weil das bittere Ende einjeder absehen konnte. In der Halbzeit schrieb ich meinem Bruder im Stadion eine SMS: "Elfer u. Rot muss man nicht geben. Kann man aber. Trotzdem zu wenig, was?! Viele dümmliche Fouls." Gut 45 Minuten später ist der Ausgleich die logische Folge aus einem letzten dümmlichen Foul.

Vor dem Spiel musste gelten: Das Wichtigste ist, nicht zu verlieren, zur Not reicht auch ein Unentschieden.
Nach dem Spiel gilt: Das Elend errang gegen eben jene Not ein Unentschieden. Der Ärger bleibt noch ein paar Tage.
Andererseits: Das schwächste und über weite Strecken erbärmlichste Saisonspiel selbst gegen zehn Mann nicht zu verlieren, ist auch eine Leistung. Wer sich noch mehr freuen will, schaue nach Gladbach: Business as usual und Mission erfüllt.

Donnerstag, 22. November 2007

nur ein bisschen berghfest

So ziehen die Tage ins Land, und abgesehen von den wunderbaren Misserfolgen des Fußballzwergs England ist von nichts Mitreißendem zu berichten. Wie auch, die Liga der Herzen hat pausiert.
Ok, Johannes van den Bergh hat einen Profivertrag bei der Borussia bekommen, Jens Lehmann will offenbar dritter Torwart in Osnabrück sein, und Stefan Aust, die arme Wurst, kann einem wie mir nicht leid tun.
Sie alle haben nichts anderes verdient: Van den Bergh spielt gut und beim richtigen Verein, für Lehmann gilt das gleiche zur Hälfte, und Aust, tja, Aust: Wird beim Spiegel hinter vorgehaltenen Händen Mogulchen genannt muss sich bald nicht mehr mit konservativen Phrasendreschern vom Schlage eines Gabor Steingart rumschlagen. Alle drei sind also dabei, eine Menge zu erreichen. Aber richtig mitreißen kann uns das nicht.
Morgen hat das Warten ein Ende, wenn die Enkel Carl Zeiss' zu Besuch nach Osnabrück kommen und Gladbach von den Offenbacher Kickers heimgesucht werden.

Mittwoch, 21. November 2007

zensiert

Ich hatte so einen schönen Post geschrieben. Maik hat ihn wieder entfernt. Vielleicht kommt er nochmal wieder. Vielleicht nicht. In jedem Fall ist das ein starkes Stück. Es rumort schon in der Belegschaft. Auch die Erbengemeinschaft des Fußballgotts und die Manager des weltweit tätigen Verlagshauses, das eine stille Beteiligung an unserem Blog hält, begehrt langsam auf. Zudem wird Maik eine zu große Nähe zu einem großen, konkurrierenden Medienunternehmen in Norddeutschland nachgesagt. Wird er sich dennoch halten können? Endet er wie Stefan Aust? Bald wird man hier mehr lesen. Aus Respekt vor seinem Lebenswerk jedoch schweige ich jetzt. Vorerst.

Dienstag, 20. November 2007

für die gerichtsakten: hier ist satire

Die Titanic rühmt sich seit langem, das "endgültige Satiremagazin" zu sein. Damit hat sie lange recht gehabt und mühsamst Komik simulierende Blättchen wie den Eulenspiegel oder das kurzzeitig wiederbelebte Pardon in Schach gehalten. Selbst die von Ex-Titanic-Chef Sonneborn produzierte Spiegel-SPAM-Konkurrenz scheint mehr Spin-Off denn wirkliche Bedrohung zu sein.

Dies ist, erfahrene VfLog-Leser wissen es schon lange, natürlich längst vorbei. Als philosophisch gestählte Besserdenker wissen wir um die Endgültigkeit der Vorläufigkeit, und beanspruchen ab sofort und vorläufig endgültig den Status des "endgültigen Satiremagazins" für uns. Das schöne daran: das gibt noch mehr Rechtssicherheit als die Pressefreiheit. Endlich dürfen wir jetzt alles. Satire! Und wenn uns die Titanic verklagt, weil wir ihren Slogan klauen? Sorry, Jungs, Satire! (Und wenn uns die DFL verklagt, weil wir ihren Willi befreien? Tut leid, Kollegen, Satire!) Und in jedem Fall treffen wir die richtigen: Wirklich lustig ist die Titanic doch schon lange nicht mehr. Wir haben das mal mithilfe des wirklich lustigen Karikaturen-Baukasten verdeutlicht. Den haben wir übrigens, äh, auf der Homepage der Titanic gefunden:

Montag, 19. November 2007

redundanz bringt relevanz

Generell sind Leser dieses Familienblogs im Vorteil, schon seit knapp drei Jahren. Wir schreiben Wahres und nur Dinge, die die Welt bewegen. Manchmal wiederholen wir uns, aber nur, wenn es wirklich Not tut. Einen Artikel vom 9. September 2005 zum Beispiel können gar nicht so viele Leute gelesen haben, als dass es sich nicht lohnte, ihn aus aktuellem Anlass zu relaunchen. Am Wochenende nämlich spielt der VfL erneut gegen Carl Zeiss Jena:

Carl Zeiss wurde am 11. September 1816 in Weimar geboren. Der Mechaniker gründete die bekannte Firma Carl Zeiss Jena, die sich heute das 'Jena' im Namen spart. Die korrekte Schreibweise des Nachnamens lautete damals Zeiß.

Carl Zeiss hat schon während seiner Gymnasialzeit Lektionen an der Großherzhoglichen Gewerkschule besucht. Von 1834 bis 1838 geht Carl Zeiss als Mechanikerlehrling in die Lehre beim Universitätsmechaniker Dr. Friedrich Körner. Nachdem er seine vierjährige Lehre beendet und er sein Abgangszeugnis der Universität erhalten hatte, ging er, wie damals üblich, auf Wanderschaft. Von 1838-1845 war er in Stuttgart, Wien, Berlin und Darmstadt. Nach Osnabrück oder Mönchengladbach verschlug es ihn nicht. 1845 absolviert Carl Zeiss dann ein Studium in Chemie und Mathematik in Jena.

1846 gründete er eine feinmechanisch-optische Werkstatt in Jena. Ende 1847 wurden die ersten Mikroskope in der Werkstatt gefertigt. 1848 heiratete Carl Zeiss die Pfarrerstochter Bertha Schatter, die 1850 den Sohn Roderich Zeiss gebar und dabei starb. Im Jahr 1852 beschäftigte Zeiss bereits 10 Mitarbeiter in seiner Werkstatt, die hauptsächlich Mikroskope fertigten.

Carl Zeiss heiratete 1853 ein zweites Mal, und zwar erneut eine Pfarrerstochter. Mit Ottilie Trinkler hatte er in der 35jährigen Ehe noch einen Sohn namens Karl Otto und zwei Töchter: Hedwig und Sidonie.
Ab 1857 fertigte Zeiss die ersten zusammengesetzten Mikroskope. Für seine Leistungen wurde Carl Zeiss am 27. Oktober 1860 zum Universitätsmechanikus ernannt. 1866 wurde das 1000. Mikroskop gefertigt.

Da Carl Zeiss erkannte, dass eine weitere Verbesserung der von ihm produzierten Mikroskope nur auf Basis solider Berechnungen erfolgen konnte, arbeitete er ab 1866 über viele Jahre mit Ernst Abbe zusammen. Trotz anfänglicher Rückschläge verlor Carl Zeiss dabei nie die Geduld und legte damit die Grundlage für den späteren Aufstieg seiner Firma zum führenden Produzenten für Mikroskope und andere feinmechanisch-optische Geräte. Bis 1875 stieg die Anzahl der Beschäftigten auf etwa 60 Mitarbeiter.

1880 erhält Carl Zeiss die Ehrendoktorwürde der Universität Jena. Die Fertigung des 10.000. Mikroskops 1886 wurde kurz nach seinem 70. Geburtstag mit einem Fest gefeiert.
Ab März 1888 wurden auch fotografische Objektive bei Zeiss gefertigt. Im September des gleichen Jahres wuchs die Belegschaft auf 327 Mitarbeiter an.

Nach mehreren Kuraufenthalten und qualvollen Wochen starb Carl Zeiss am 3. Dezember 1888 in Jena. Er wurde auf dem Alten Friedhof, dem Johannisfriedhof, am Philosophenweg in Jena beigesetzt.

Das Spiel des VfL gegen den FC Carl Zeiss Jena beginnt Freitagabend um 18.00 Uhr an der Bremer Brücke.

Sonntag, 18. November 2007

"ja, wir sind ein paar!"

Ob es nun Not tat, weil es Publicity bringt, oder ob es erforderlich wurde, weil der Boulevard andere Leichen im Keller gefunden hat und sich sein Schweigen teuer bezahlen lässt, verraten wir nicht. Martin und ich jedenfalls machen dem Versteckspiel ein Ende und stellen ganz nüchtern fest: Ja, wir sind ein Paar!

Es ist die Liebes-Sensation des Jahres. In festlichen dunklen und figurbetonenden Abendkleidern tuschelten der bernsteinblonde Martin und ich, der schöne Maik, bei Rotbarsch und Scherfel vom Ochsen miteinander, und wir lächelten uns an. Künftig aber wollen wir unser Privatleben privat halten.

Der Programmdirektor des VfLog, der Fußballgott, sagte zum Liebesbekenntnis seiner Moderatoren: "Mit wem die beiden ihr Leben teilen, ist ganz und gar ihre Privatsache. Mich interessiert nur, wie sie ihren Job machen - und den machen sie grandios."

Samstag, 17. November 2007

unterstützer

Etwas unbeholfen noch und orthografisch nicht ganz einwandfrei, aber doch aller Ehren wert ist das Commitment einer international agierenden Juwelierkette, gemeinsam mit uns den armen Willi aus den Armen der DFL zu befreien. Danke dafür! Nur so kann es gehen!

Freitag, 16. November 2007

ohne macht kein spaß

Ohne kostet extra. Nerven und Lebensfreude zum Beispiel. Denn ohne fehlt einfach der besondere Kick, das Innehalten, gespannt warten, ob's gut geht oder alles schief läuft, ob man ohne jede Sorge richtig vergnügt sein darf oder sich schämen und über Tage geknickt sein Leben fristen muss.

Von wegen ohne seien die Gefühle intensiver! So ein Wochenende ohne Fußball ist einfach langweilig.

Donnerstag, 15. November 2007

betr.: uli hoeneß

"Das wird einem doch abgewöhnt", antwortet Felix Magath im
11 Freunde-Interview auf die Frage, wann er mal richtig ausflippe. "Der Trainer darf heute keine negativen Emotionen in der Öffentlichkeit zeigen. [...] Wenn dann ein Kraftausdruck fällt, wird sofort von den Medien die Moralkeule geschwungen."
Wie recht er hat, sieht man dieser Tage, denn die Moralkeule schwingt und schwingt und schwingt. Zwar ist Uli Hoeneß nicht Trainer, sondern Manager, trotzdem gilt der von Magath treffend erkannte Mechanismus auch für ihn.

Die Hoeneß'sche Brandrede war wunderbar, hatte Witz, war höchst unterhaltsam und traf völlig der Kern. Auch ist davon auszugehen, dass Hoeneß klug genug ist, den Sturm, der jetzt über ihn hereinbricht, leicht amüsiert ertragen zu können. Ähnlich wie José Mourinho hat auch Hoeneß die wunderbare Gabe, erst richtig auszuteilen und dann beim Einstecken sich selbst und die Aufregung der anderen zu belächeln. Und ja: Das alles macht ihn zu einem Typen. Man muss nicht Kleingeist sein, um ihn dafür als arrogant misszuverstehen, das passiert auch Leuten, die sonst recht klug sind.

"Das ist eine populistische Scheiße!" Jemandem, der diesen Satz seinen eigenen Leuten sagt, müsste man eigentlich einen Preis verleihen. Viel zu selten wird in Deutschland Klartext gesprochen. Wer sagt, was er denkt, ist der Dumme, nicht der Held. Anders wäre alles viel unterhaltsamer.
Hans-Christian Ströbele, als der Bundestag über den Kriegseinsatz im Kosovo abstimmt, zu seinem grünen Außenminister: "Das ist eine populistische Scheiße!"
Michael Ballack, als die Nationalmannschaft berät, nach dem gewonnenen Spiel den 3. Platz bei der WM noch nach Berlin zum Feiern zu fahren: "Das ist eine populistische Scheiße!"
Josef Ackermann zu einigen FDP-Abgeordneten, die ihn für sein unverschämtes Gehalt kritisieren: "Das ist eine populistische Scheiße!"
Allesamt wären das große Worte gewesen!

Nun bleiben sie Uli Hoeneß vorbehalten, und das ist eigentlich standesgemäß. Man muss ihn nicht mögen und man muss die Bayern nicht mögen, man muss auch nicht - wie ich - mögen, welche Worte er für seine Schelte wählte, aber man darf durchaus schätzen, dass Uli Hoeneß kein Blatt vor den Mund nimmt - ob es um fremde oder die eigenen Leute geht. Und man muss feststellen, dass Hoeneß nie ganz ohne Grund lospoltert. Auch neuerdings steht eines außer Frage: Hoeneß hat mit allem, was er sagt, recht.
Zu WM-Zeiten war in der Münchener Arena die Stimmung spitze, obwohl das Verhältnis Logengäste zu kleinem Mann so war wie heute bei den Bayern-Heimspielen; vermutlich saß gar auch auf den normalen Plätzen noch eine Menge Business-Publikum mehr. Wenn nun bei Bayern-Auftritten keine rechte Stimmung aufkommen will, gibt es dafür unter anderem einige tausend Gründe, die 7 Euro für ihr Ticket ausgegeben haben.

Schätzen wir uns glücklich, dass unsere VfLs zusammen mit ihren Fans immer für eine tolle Kulisse sorgen. Und sparen wir uns, was diesen Hoeneß-Streit angeht, bitte die künstlich reanimierte Debatte über Tradition und Kommerz im deutschen Fußball, sparen wir sie uns für Anlässe, bei denen es lohnt, darüber zu streiten. Freuen wir uns lieber mit Uli Hoeneß, dass er wieder einen aus dem Hut gezaubert hat, denn derlei Hüte passen nur noch wenigen im Fußballgeschäft.

(Achja: Wer anderer Meinung ist, möge schweigen und kicker lesen oder Bild der Frau. Denn es kann nicht sein, dass wir dafür kritisiert werden, dass wir uns hier den Arsch aufreißen.)

Mittwoch, 14. November 2007

seitenwechsel #44

Einmal in der Woche, immer mittwochs, gibt es eine Institution im VfLog: Den Seitenwechsel mit den lieben Kollegen von Seitenwahl. Seit der vergangenen Saison schreiben wir uns Brand-, Schmäh- oder Liebesbriefe - mit noch immer wachsender Leidenschaft. Weil dort, wo Borussia ist, derzeit offenbar oben ist, erkundigt sich Maik nach Hilfe für die gebeutelte SPD. Dies und natürlich auch Vernünftiges lest ihr bei Seitenwahl. Mike antwortet im Stile eines Topjournalisten.

Mein geschätzter Maik,

welch überraschenden Anfang hast Du diesmal gewählt! Ein kleiner Ausflug in die deutsche Politik, gespickt mit einigen Spitzen. Daher will ich mich natürlich nicht lumpen lassen, sondern direkt einsteigen. Nun, die Sozialdemokraten können einiges vom großen VfL lernen. Immerhin dürften die Gladbacher mehr Punkte gesammelt haben als die SPD in Prozenten bei den Umfragewerten. Für die Roten ist der Abgang Franz Münteferings sicherlich ein Verlust, wenn nicht gar für die gesamte Sozialdemokratie in Deutschland. Kurt Beck, den "ich-rette-meinen-Lieblingsclub-mit-Steuergeldern"-Landesfürsten aus der (oder dem?) provinziellen Rheinland-Pfalz, wird diesen Abgang sicherlich verschmerzen. Auch wenn seine ersten Reaktionen mit heuchlerischer Boshaftigkeit etwas anderes suggieren könnten. Tja, der liebe Kurt soll ruhig lachen, denn in die Bundestagswahl als Kanzlerkandidat geht er ganz sicher nicht. Und was heißt hier "lernen"? - Die SPD hat in ihren Reihen nicht nur mindestens einen hervorragenden Politiker, sondern dazu einen leidenschaftlichen Gladbach-Fan, und das in einer Person. Ob Scholz uns allerdings den Rösler macht? Eher den Ivo Ulich: dabei sein, ohne aufzufallen und am Ende fragen sich alle, was er eigentlich in der Truppe gemacht hat.

Doch genug der politischen Ausflüge, kommen wir zum Kern: ganz unverblümt forderst Du Schützenhilfe, wenn ich das richtig erkannt habe zu später Stunde. Nun, zuerst wird und sollte Borussia auf sich selber gucken. Dafür wirst Du und werden alle Anhänger der Lila-Weißen Verständnis haben. Wenn als Nebenprodukt eine echte Schützenhilfe herausspringt, umso besser. Wobei Du die Leistungen der Osnabrücker nicht zu sehr in den Himmel loben solltest, vor allem nicht vor dem Hintergrund des Themas "Schützenhilfe". Von Deinen recht großspurigen Ankündigungen zum Spiel in Kloppo-Town ist nicht viel übrig geblieben. Da gab´s nur Kloppe (entschuldige dieses schlechte Wortspiel!), und ein Mainzer Punktverlust hätte der Borussia in die Karten gespielt. Aber es spricht für Dich und Deinen Mut, dass Du die völlig verdiente Niederlage der Osnabrücker im BorussiaPark als Grundlage für den Aufschwung der vergangenen Wochen siehst.

Der Aufschwung hält also weiter an. Das 0:0 in München geht in Ordnung. Die "Löwen" hatten die meisten, Gladbach die besseren Chancen. So ähnlich verlief das Spiel in Fürth, oder auch in Koblenz. Hätte man diese Maßstäbe umgesetzt, wären sowohl Toumas Schuss als auch Friends Kopfball iin die Maschen geflogen. Prädikat: nicht besser gewesen, aber gewonnen. Das pragmatische "Wir-müssen-auch-mal-mit-einem-Punkt-zufrieden-sein"-Gefasel kommt natürlich reflexartig. Bei einer Niederlage wäre sowas wie "Irgendwann musste es ja passieren. 1860 war ein starker Gegner. Jetzt müssen wir uns die Punkte im Heimspiel holen. Der Aufstieg ist noch drin!" gekommen. Austauschbar, das alles. Insofern messe ich dem weniger Bedeutung zu. Was allerdings zu beobachten war: entweder haben sich die Gegner inzwischen besser auf Borussia eingestellt, oder die Fohlen durchleben zurzeit ein kleines Formtief. Ich höre die Schreie der Leser schon jetzt, aber bereits im Heimspiel gegen Jena stockte die vorher so treff- und kombinationssichere Offensive merklich. Wäre dies nach diesen Wochen so verwunderlich?

Aber, ich möchte nicht mit schlechten Gedanken diese Zeilen beenden: der status quo tut nach wie vor sehr gut. Als Lokalreporter mögen diese Wochen relativ langweilig sein (was das völlig übertriebene Stilisieren der "Disko-Affäre" eindrucksvoll bewies), ich hingegen genieße das sehr. Arbeitssieg gegen Jena, gutes Unentschieden beim Verfolger. In der vergangenen Saison wäre diese Spiele bei gleicher (nämlich abnehmender) Form aller Wahrscheinlichkeit nach verloren gegangen. Mit Degen und mit Insua, diesen Weicheiern! Aber jetzt sind wir Tabellenführer, und das ist gut so, liebe Genossinnen und Genossen.

Womit ich meiner journalistischen Pflichtaufgabe, einen Artikel thematisch so enden zu lassen, wie er angefangen hat, mal wieder vollends nachgekommen bin.

Zufriedene Grüße
Mike

Dienstag, 13. November 2007

der bart des propheten

Wehe dem, der heute jammert. Wehe dem, der auch nur eine Sekunde mit dem Gedanken spielt, wir hätten gestern auch gewinnen können. Hätten wir, ja. Wir hätten aber auch verlieren können. Also lassen wir die Konjunktive.

Ein Punkt ist ein Punkt ist nicht nur ein Punkt. Gestern haben wir das 10. Spiel in Folge nicht verloren. 1860 ist Tabellenvierter. Es war ein Auswärtsspiel. Allein dieses Wort hat vor nicht allzu langer Zeit noch zu Schlottern, Weinen und Zähneklappern geführt. Ein Fohlenteam zu sehen, das in München auf Sieg spielt - und sei es auch "nur" gegen die Löwen in Liga 2, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist beeindruckend wie Jos Luhukay seine Linie verfolgt und schön zu sehen, wie seine Arbeit fruchtet. (Bitte als Satz für meine posthum zu veröffentlichende Aphorismen-Sammlung vormerken: Manche Männer sollte man nicht nach ihrem Bart beurteilen.)

Zwei hochkarätige Chancen hat Gladbach zwar gestern knapp vergeben (1860 hat eine ganze Menge gute Gelegenheiten eher fahrlässig vergeben), aber die ganz große Chance wurde genutzt: realistisch und entspannt im Saisonfahrplan voranzukommen. Jetzt ist wieder einige Zeit bis zum nächsten Spiel und der Blick auf die Tabelle macht Spaß. Es geht ja nicht nur um die Tabellenführung, die 5 Punkte zu Rang 4 sind das, was letztlich zählt. Überhaupt: Gladbach, Freiburg, Mainz – wenn man das liest, wer wünscht da nicht, die Saison wäre schon zu Ende? Diese Aufsteiger würden der sogenannten ersten Liga gut tun.

(Und nun? Fordern wir unsere Leser auf, sich endlich einen Jos-Bart wachsen zu lassen. Die Zeit bis zum Spiel gegen Kickers Offenbach sollte reichen. Wenn genug mitmachen, kann Luhukay nach dem Sieg dann ein Bart in der Menge nehmen. Ok, diesen Satz bitte nicht in meine Aphorismensammlung aufnehmen. Ich höre jetzt besser auf.)

Montag, 12. November 2007

einkehr statt auswärts

Wenn Freunde sich beschämt abwenden und Bekannte mitleidig die Augen verdrehen, sobald die Rede auf Leidenschaften kommt, die die längst nicht mehr postmoderne Gesellschaft zu disziplinieren sucht, ist es wichtig, einen Rückhalt in der eigenen Familie zu finden: Eine Mutter, die schützend die Hand über einen legt, einen Vater, der milde lächelnd Aufmerksamkeit immerhin erahnen lässt, oder einen sorgenden Bruder. Sie alle sind in schweren Zeiten ein großes Geschenk.

Die VfLeidenschaft ist so eine Sache: Von vielen als heilbares Übel abgetan, dessen man sich vermittels psychologischer Hilfe ohne weiteres entledigen könne. Verständnisvolle Mittäter sind rar gesät, und oft lernt man sie gar nicht kennen, weil nur die Mutigsten sich trauen, damit hausieren zu gehen, was von den meisten als Makel indiziert wird.
Ein Glück, wie gesagt, wer einen großen Bruder hat, der manchmal mit ins Stadion kommt und Händchen hält, grundsätzlich im Stande, das, was wie um sich greifender Wahnsinn aussieht, gütig als menschliche Schwäche anzunehmen: "Dennoch bewegt mich die große Sorge", schreibt er dieser Tage, "der VfL könnte Deinem Verstande mehr und mehr abträglich sein. Die Kunde von Deiner Anwesenheit bei einem über 500 Kilometer entfernten Auswärtsspiel ließ mich jedenfalls zusammenzucken."

Dieses Zusammenzucken muss aufhorchen lassen. Wenn selbst die engsten Fahrensmänner zweifeln, ist Vorsicht geboten. Es könnte wirklich etwas im Argen liegen. Gemach also die nächsten Spiele angehen! Erstmal eine Woche Pause machen! Die Auswärtsfahrten nach Jena, Aue und Fürth jedenfalls sind bereits storniert.

PS: München ist übrigens eine tolle Stadt. Stadion auch cool. Schon seit drei Stunden voll was los in der Arena...

Sonntag, 11. November 2007

da ist mein hut

Am Sonntag soll man ruhen. Das ist schön. Das macht mir so viel Spaß, dass ich fortan viel mehr ruhen möchte. Meine aufreibende, zeitintensive und nervenraubende Tätigkeit als Chefredakteur des VfLog und Stellvertreter des Fußballgottes auf Erden muss dran glauben: Ich werfe meinen Hut. Aber natürlich nicht zu Boden, dafür ist es ein viel zu schöner Hut. Ich werde ihn mit einem grazilen Schwung in die Arme von Maik, der ihn sich – hepp! – schon aufgesetzt hat. Was sich für unsere Leser ändert? Natürlich nichts. Nur die DFL wird eben künftig Maik verklagen, wenn wir mit unserer "Free Willi"-Aktion richtig durchstarten. Glück gehabt. Aber heute ist ja auch Martinstag.

Der Posten des Chefredakteurs ist im VfLog seit jeher ein sensibles Thema. Anfang 2005 schon gab es eine üble Schmutzkamapgne, die simoniseske Züge trug. Im Sommer desselben Jahres, zur Zeit, als Gerhard Schröder die Vertrauensfrage stellte, trugen wir den gewaltigen Umbrüchen, die dem Blog bevor standen, Rechnung und ordneten Neuwahlen an.

Samstag, 10. November 2007

mainz singt und lacht

Wer so spielt wie Osnabrück gestern Abend in Mainz, verliert die zweite Halbzeit völlig verdient mit 0:3. „Viereins“, antwortet schließlich ein stolzer Mainz-Fan auf dem Heimweg einem noch ahnungslosen Passanten auf die Frage „Wie hamse gespielt?“, und er erntet, nachdem geklärt ist, „für wen“, ein anerkennendes „Boah!“. Für den VfL heißt das: Einsvier bei Nullfünf und die sechste Auswärtsniederlage in Folge – bei der man dem Gegner in der ersten Halbzeit noch gezeigt hat, wie richtig guter Fußball aussieht. Aber wer mag das schon glauben angesichts dieses Endergebnisses? „Der Gesamteindruck ist verheerend“, befand dann auch Trainer Claus-Dieter Wollitz, „und dafür, dass mir jetzt alle sagen, wie toll wir Fußball spielen, kann ich mir nichts kaufen.“ Insgesamt nichts Neues also. We call it a ‚Klassiker’.

Mainz war stark angefangen und der VfL geriet in den ersten Minuten ordentlich unter Druck. Daniel Gunkel hatte gleich zu Beginn nach einer Mainzer Ecke die Chance zum 1:0, schoss aber knapp vorbei. Bis dahin spielte Osnabrücks Rouwen Hennings noch neben Thommy Reichenberger die zweite klassische Spitze, danach ordnete sich die Mannschaft von Wollitz als 4-1-4-1-Formation neu: Vor der Abwehrkette, in der Uwe Ehlers als rechter Innenverteidiger debütierte, spielte Mathias Surmann im defensiven Mittelfeld, davor eine zweite Viererkette aus Hennings, Mathias Heidrich, Marcel Schuon und Bilal Aziz, einziger Stürmer blieb Reichenberger.
Diese Umstellung zeigte sofort Wirkung. Osnabrück besann sich auf seine Heimstärken: Schnelle und flache Pässe in den Fuß, zweikampfstark, dabei variables Flügelspiel und variantenreiche Kombinationen. Zwar blieb Mainz gerade über die rechte Seite, wo Tim Hoogland und zuerst Miroslav Karhan, später Damit Vrancic, gut mit den beiden Stürmern Felix Borja und Ranislav Jovanovic harmonierten, stets gefährlich, doch das Spiel machte der VfL – die besseren Chancen waren logische Folge: Schuon vergab eine gut und gern Hunderprozentige, und Reichenberger versenkte den Ball nach schönem Schuon-Zuspiel sogar im Mainzer Tor, stand aber knapp im Abseits. Dann fiel das 1:0 für Mainz. We call it…

Anschließend zeigte Gößling mal wieder eine Glanzparade, als sich Andreas Schäfer von Hoogland düpieren ließ, dessen Flanke den Kopf von Jovanovic erreichte – nur fast das 2:0. Nach diesen Schockmomenten war Osnabrück weiter das bessere, klüger spielende Team. Gerade die Mainzer Innenverteidigung war anfällig, sobald der VfL schnell und kurz in die Spitze spielte, und das klappte einige Male ganz gut. Dementsprechend fassungslos war Mainz’ Präsident Harald Strutz nach dem Spiel: Osnabrück hätte nach der ersten Hälfte schon 3:1 führen müssen, ihm sei völlig schleierhaft, wie dieses Endergebnis zustande kam. Es lag daran, dass der VfL nur ein Tor schoss: In der 44. Minute wieder durch einen Kopfball von Reichenberger, Hennings hatte zuvor den Freistoß getreten.

„Das einzige, was nicht stimmt, ist das Ergebnis“, sagte Wollitz seinen Jungs in der Halbzeit. „Da gebe ich Pele 100 Prozent Recht“, entgegnete Jürgen Klopp nach Spielende. Klopps Mannschaft allerdings hatte die zweite Hälfte alles das besser gemacht, was ihnen nach den ersten starken zehn Minuten nicht mehr gelingen wollte, und spielte nun Fußball. Wollitz’ Truppe dagegen stellte das Fußballspielen im zweiten Durchgang über weite Strecken ein. Sofort nach Wiederanpfiff vergab der eingewechselte Wellington millesk die Mainzer Führung; Schäfer hatte zuvor erneut einen Zweikampf verloren, der diese Chance erst möglich machte. Überhaupt verlor der VfL jetzt öfter einfache Bälle und wichtige Zweikämpfe. So ergab sich das erneute Mainzer Führungstor aus einer Situation, als der VfL in Ballbesitz war: Schuon und Aziz passten nicht auf, Thomik musste Wellington passieren lassen, der Borja bediente: Nicht ein schöner Mainzer Angriff, sondern individuelle Osnabrücker Fehler bahnten den Weg zur Niederlage. We call it…

Wollitz wechselte und brachte mit Alexander Nouri (für Schuon) und Nico Frommer (für Hennings) zwei frische Kräfte, die sich leider nur nominell als frisch erwiesen, ihr Kurswert war mehr als mäßig. „Die beiden waren natürlich sauer, dass sie nicht von Anfang an spielen, das kann ich auch verstehen. Aber wenn sie dann kommen, dann müssen sie brennen, Bälle fordern, was kreiieren. Das habe ich alles nicht gesehen“, kritisierte Wollitz seine Einwechselspieler. Dass nach dem 2:1 für Mainz Nouri im zentralen Mittelfeld ‚agierte’, Aziz auf links und Heidrich auf rechts wechselte und dass Wollitz wieder auf ein klassisches 4-4-2 mit den zwei echten Spitzen Reichenberger und Frommer umstellte, verpuffte dementsprechend.
Der VfL brach in dieser Phase einigermaßen zusammen, und Mainz entdeckte im gleichen Zug die Freude am Spiel. (Es war auch der Zeitpunkt, als man sich fragte, wieso das tolle Publikum im Stadion am Bruchweg eines Stadionsprechers bedarf, der als Wochenmarkt-Schreihals sicher eine tolle Nummer wäre. Die Stimmung jedenfalls wäre ohne sein ständiges „Auf geht’s“ und „Jetzt aber“ auch nicht schlechter gewesen.) Wellington, Chadli Amri und Borja vergaben die größten Mainzer Chancen, ehe Heidrich den entscheidenden Zweikampf verlor und Amri das 3:1 schoss. Allein weil es für VfLs in Mainz zum guten Ton gehört, 4:1 zu verlieren, zeigte Schiedsrichter Sippel in der Nachspielzeit noch einmal auf den Punkt, damit Gunkel per Elfmeter den obligaten Endstand herstellen konnte.

Thommy Reichenberger war nach dem Abpfiff völlig ratlos. „Das ist unheimlich bitter, wie wir hier am Ende untergehen. Eine Kopfsache kann das eigentlich nicht sein. Wie sollten wir sonst zu Hause Spiele umdrehen und Siege über die Zeit retten können, wenn das ein Kopfproblem wär?“, fragte er, sich selbst nicht sicher, was jetzt zu tun sei. „Weitermachen, immer weitermachen“, hat Oliver Kahn mal gesagt, und er hat natürlich Recht. Irgendwann wird das Auswärtsspiel kommen, währenddessen der VfL nicht wegen eines individuellen Fehlers in Rückstand gerät und die Mannschaft ihr sehenswertes Fußballspiel über 90 Minuten zeigen kann. Vielleicht würde sogar schon reichen, die sich bietenden Chancen zu nutzen. Bis dahin muss man sich Sorgen machen.

Freitag, 9. November 2007

und 5 meerschw.

An einem Tag, an dem über das heutige Spiel in Mainz schon alles und das Gegenteil gesagt worden ist, über das Montagsspiel von Gladbach noch nicht viel zu sagen ist, kann man einmal wieder in Archiven wühlen. Gerade in Gladbach hat Tradition ja Tradition. Manche empfinden sie als Last, für andere ist sie das letzte, was den Club noch von anderen Profiballfirmen unterscheidet. Ein Hoffenheimer kann eben nicht seufzend sinnieren über, ach!, Netzer, Bökelberg, die Meisterjahre... Selbst wir Jüngeren haben inzwischen eine lange Geschichte mit Patrick Anderssons, Uwe Kampsens, Toni Polsters.
A propos Toni Polster: Über diesen Gladbacher Heroen, der unsere Liebe nicht zuletzt durch seine Fahnenflucht aus Köln verdiente, ist uns nun ein brisantes Papier zugespielt worden, in dem private Details aus dem Leben des österreichischen Superstars zu erfahren sind. In einem Schreiben aus Gladbacher Zeiten, das er an eine von ihm unterstützte Tierschutzorganisation verfasste, erklärt er nicht nur unter Bedauern, dass er "diesmal" nicht hilfreich sein könne, man aber gern ein Autogramm und Zitat von ihm nutzen dürfe ("Spruch können Sie jeden nehmen" - so "schreibt" Franz Beckenbauer sicher bis heute seine Kolumnen...), er zeigt sich auch als praktizierender Tierfreund: "P.S. Haben 1 Katze und 5 Meerschw." Ein echter Polster! So wie er auch auf dem Feld jeden überflüssigen Weg scheute, setzt er auch sprachlich auf Effizienz und Verknappung. "Meerschw." wird von mir hiermit als Wort des Jahres vorgeschlagen. Und wir werden uns künftig auf diesem Blog an Toni ein Beisp. nehmen. Es leb. di. Abkürz.

Donnerstag, 8. November 2007

der sieg ist mainz

Morgen um kurz nach halb Acht, in der 83. Spielminute, schießt Markus Feldhoff das goldene Tor zum 2:1-Sieg in Mainz. Anschließend feiert der VfL das überwundene Auswärtstrauma. Nach Freiburg und Köln hat man einen weiteren Aufstiegsfavoriten knapp geschlagen. (Diese wahnsinnigen Zeilen seien Beleg, dass wir auch anders können!)

Die lange Leidenszeit von Feldhoff könnte indes wirklich zu Ende gehen. Nachdem er beim Heimspiel gegen Köln erstmals wieder im Kader stand, naht morgen das Comeback auf dem Rasen, denn dass Osnabrück gegen die heim- und spielstarken Mainzer in Rückstand gerät und sodenn umso kompromissloser offensiv spielen muss, ist so unwahrscheinlich nicht. Es ist jedenfalls wahrscheinlicher als, wie gegen Köln, schnell 2:0 in Führung zu gehen, um diesen Vorsprung anschließend zu verteidigen.

"Wir dürfen uns auswärts bei den Eins-gegen-Eins-Situationen einfach keine Fehler leisten und müssen hinten stabiler stehen", bringt Trainer Pele Wollitz das Rezept gegen eine anhaltende Auswärtsflaute auf den Punkt. "Außerdem brauchen wir eine bessere mentale Vorbereitung und eine größere Überzeugung!" Wenn es nur so einfach wäre: Sollen sich seine Spieler entscheiden, sich auf dem Platz die teilweise phantastischen Leistungen an der Bremer Brücke oder doch lieber die nachlässige Harmlosigkeit der bisherigen Auftritte in der Ferne zu vergegenwärtigen, fällt ihnen letzteres offenbar deutlich leichter, so dass Osnabrück auf dem besten Weg ist in eine Endlosschleife von sich selbst erfüllenden Prophezeihungen: Auswärts können wir einfach nicht!

Damit sich daran morgen wirklich etwas ändert, braucht es nicht nur hochkonzentrierte Verteidiger. Hilfreich wäre auch, wenn Mainz das Fußballspiel der Osnabrücker unterschätzt. "Eigentlich sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass Osnabrück eine sehr gute Spielphilosophie hat", sagt Pele Wollitz, "darum wundere ich mich schon, wie manche Mannschaften gegen uns spielen!" Mit etwas Glück wundert sich morgen nicht nur Wollitz, sondern auch sein Kollege Klopp, nachdem Feldhoff...

Mittwoch, 7. November 2007

seitenwechsel #43

Einmal in der Woche, immer mittwochs, gibt es eine Institution im VfLog: Den Seitenwechsel mit den lieben Kollegen von Seitenwahl. Seit der vergangenen Saison schreiben wir uns Brand-, Schmäh- oder Liebesbriefe - mit noch immer wachsender Leidenschaft. Diesmal hat Mike mal wieder vorgelegt: Er will sich gelassen über rein sportliche Themen unterhalten. Ob Martin das mit sich machen lässt? Martins Antwort lest ihr bei Seitenwahl.

Meine verehrten Kollegen,

nach einer längeren Pause unseres familiären Gedankenaustausches melde ich mich wieder bei Euch. Zwischen meinem letzten Brief an Euch und diesem ist einiges passiert, das es aufzuarbeiten gilt. Nun, Borussia ist nach wie vor Tabellenführer. Ein souveräner Sieg in Fürth, eine unglückliche Niederlage nach gutem Spiel in München, nun der just erlebte Arbeitssieg gegen Carl Zeiss Jena. Was bleibt in der Summe? Die Borussia agiert mit einer erstaunlichen Konstanz, und alle Zeichen stehen auf Wiederaufstieg, wenngleich dieses Wort in dieser frühen Phase der Saison noch mit Vorsicht zu genießen ist. Dennoch: Beobachtet man die Darbietungen der Elf vom Niederrhein in den vergangenen Wochen, so muss konstatiert werden, dass sie zurzeit alle Kriterien einer Spitzenmannschaft erfüllt. Ein 2:1-Sieg gegen den Tabellenvorletzten aus Thüringen ist in der Bedeutung noch höher anzusetzen als das beeindruckend coole 3:1 in Fürth. Die Jungs von Jos Luhukay haben sich in diesen Tagen zum Top-Favoriten in der Bundesliga der Herzen gemausert, und dies wird von allen Konkurrenten so akzeptiert. Es gibt Städte, da wird so etwas mit "elitärer Arroganz" bezeichnet. Aber in diesen Städten spricht man auch verächtlich über die Lila-Weißen, indem man die Wollitz-Truppe als "besseres Regionalliga-Team" bezeichnet. Eine seltsame Form von Selbstbewusstsein beim FC, der seit 1,5 Zweitligajahren im grauen Mittelfeld der Liga herumdümpelt.

In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob und mit welcher Deutlichkeit Borussias Weg zurück in die Bundesliga beschritten werden wird. Die Duelle gegen 1860 München und den SC Freiburg sind insofern richtungsweisend, als dass man hier weitere Ausrufezeichen setzen kann. Bei Niederlagen rückt das obere Tabellendrittel näher zusammen. Werden diese Spiele offen oder gar siegreich gestaltet, winkt uns Gladbachern die Tabellenführung in der Weihnachtszeit.

Welches Geschenk wünscht man sich in Osnabrück? Ein erstes hat man dem größeren VfL schon bereitet, als man den 1.FC Köln mit 2:1 hat schlagen können. Eine wahrlich beeindruckende Heimbilanz, die der VfL Osnabrück damit untermauert hat! An dieser Stelle würde mich eine Bewertung Eurerseits interessieren. Wie sieht das erste Zwischenfazit aus? Der kleine VfL kann sich bislang nicht entscheidend von der Abstiegszone absetzen, rutscht aber auch nicht richtig rein. Sieben von zwölf Spielen wurden nicht verloren, und hält man den bisher erzielten Punkteschnitt, dürfte es am Ende recht sicher für den Klassenverbleib reichen.

Es gab Zeiten, in denen unsere Worte voller Wirrungen, Ängste, Nöte und Sorgen waren. Borussia befand sich im Abstiegskampf, der VfL Osnabrück bangte um den Aufstieg. Es gab Trainerdiskussionen, Streit in den und über die Medien. Es ist mitunter angenehm, wenn man sich aus einer Position der Gelassenheit heraus über rein sportliche Themen unterhalten kann. So beende ich diese Zeilen unaufgeregt und freue mich auf Eure Antwort!

Beste Grüße
Mike

Dienstag, 6. November 2007

niederlagen in mainz und münchen absehbar

Eine positive Lebenseinstellung, damit trauen sich dieser Tage Wissenschaftler aus den USA und den Niederlanden hinter dem Ofen hervor, schütze vor Krankheit und verlängere somit das Leben. (Über dieses "somit" allein ließe sich schon stundenlang diskutieren.) Notorische Pessimisten oder chronische Bedenkenträger, so die beiden Studien weiter, forderten hingegen den Tod heraus. Die niederländischen Forscher errechneten gar, bei ihren knapp 1.000 Probanden sei die Sterberate von Optimisten nur halb so groß wie die der Zweifler und Skeptiker.

Eines muss man den Wissenschaftlern lassen: Einen besseren Zeitpunkt hätten sie nicht wählen können, um sich mit diesem alten Hut zu schmücken. Der eine VfL ist Tabellenführer, der andere grüßt von einem mehr als achtbaren zehnten Tabellenplatz.

Das indes macht der Forscher naives Ansinnen nicht ehrenwerter. Genauso schick und hip wie ein anderer großspuriger Spinner, der Neoliberal-, schmückt sich der Optimismus gar noch im Kleide des ewigen Lebens. Wie jämmerlich! Wer in Ruge'scher 'Alles wird gut'-Zuversicht dümpelt, mag selig lächelnd alt werden, doch diese Lebensbejaher machen uns bessere Menschen eben unser Leben zur Hölle. Das subtile Glück des Pessimisten ist eine Form des Protests der feinen Geister.

Außerdem: Wie langweilig eintönig allein schon die Vorstellung ist, künftig immer vom guten Ende auszugehen. "Osnabrück? Steigt nicht ab: Wir schaffen das!" "Gladbach? Auch, wenn's nochmal Niederlagen gibt: Wir steigen auf!" Bah, das ist unsere Sache nicht. Nicht nur, dass wir uns ungern von Gegnern verhöhnen lassen, die - dann für uns unerwartet - gegen die VfLs gewonnen haben; das Maß an Freude ist im - für uns immer unerwarteten - Erfolgsfall ungleich größer. Rechnen wir also damit, dass Osnabrück am Freitag in Mainz wieder nicht punkten wird. Und Gladbach wird es bei den Münchener Löwen auch nicht leicht haben - irgendwann müssen sie ja mal wieder verlieren.
Was die Statistik angeht, die uns die 1.000 Probanden glauben machen wollen, gehen wir einfach mal fest davon aus, dass wir ihr ein Schnippchen schlagen.

Montag, 5. November 2007

wenn ich mal kurz zwischendurch schwärmen darf

Was ein Tor. Was ein Tor! WAS EIN TOR! WAAAAASSSSS EIN TOOOOOOOOOOOR!

Danke, Oli! Kaum zurück im Sendegebiet vom DSF macht Fußballschauen wieder richtig Spaß.

Sonntag, 4. November 2007

zurück

video

Der Himmel. Das Wasser. Rauschen. Endloses Kommen und Gehen der Wellen. Spaziergänge gegen den Wind, durch leichten Regen, dann heiße Duschen, Tee, Lebkuchen, Kerzenschein, ein gutes Buch.

Auf Dauer ist das sehr langweilig.

Deswegen bin ich von meiner Kurzkur in Holland zurückgekehrt und werde mich wieder ganz dem VfLeben widmen. Morgen schon gilt es gegen Jena, die Bundesliga-der-Herzen-Serie, die der alberne DFB-Pokal nicht brechen kann, fortzusetzen. Natürlich habe ich über all die Fußballabstinenz ein wenig den Anschluss verloren. Kann jetzt nicht so recht mit(fach)simpeln, ob es wohl sinnvoll wäre, Colautti zu bringen oder nicht. Ich weiß nicht einmal so genau, ob wir Jena jetzt dafür bestrafen sollten, dass sie den armen Meyerhans, undankbares Pack, aus dem Pokal gekickt haben, oder ob wir sie vor unserem Sieg zumindest dafür ein wenig beglückwünschen sollen. Irgendwie geht mir dies ewige Idol inzwischen ziemlich auf die Nerven. Seine Dauerironie, sein unwirsches Poltern, die Verehrung allenorten, für den, der sich den Medien scheinbar widersetzt und doch gerade damit inzwischen zum Darling zumindest der besserdenkenden Journaille von SZ bis FAZ geworden ist, puh! Was einst charmant wirkte, hat für mich heute vor allem den Ruch des alten Mannes, der es sich erlauben kann, nach Lust und Laune rumzuraunzen. Eigentlich nicht schlimm, dass er ausgeschieden ist. Und irgendwie schön, dass Jena deswegen morgen Abend nach der Niederlage nicht allzu traurig sein muss. Schließlich sind sie im Pokal eine Runde weiter als wir. Aber was ist schon der Pokal?! Da zitiere ich gern den stets klugen, witzigen, sympathisch-ironischen Trainergenius Hans Meyer nach seinem Ausscheiden gegen Jena: "Man kann nicht jedes Jahr Pokalsieger werden. Und wenn man es nicht wird, dann ist es eigentlich egal, ob man jetzt ausscheidet oder drei Runden später. Aber stell dir vor, du verlierst das Endspiel. Dann hast du richtig die Brille auf." Guter Mann! Und, nein, ganz auf der Höhe fühle ich mich immer noch nicht, Danke der Nachfrage.

Samstag, 3. November 2007

die bedingungen der möglichkeit

Natürlich hadert jeder mit der Unzulänglichkeit der Umstände. "Das Glück ist eine heikle Sache", vermutet Houellebeqc ganz richtig, "es ist unmöglich, es in uns selbst, und schwierig, es anderswo zu finden."

Die großen Zampanos, die uns ermöglichen, diesen kleinen Familienblog Tag für Tag mehr gedeihen zu lassen, haben zum Beispiel verschiedene Ergänzungen, die wir durchaus gerne nutzten, nicht mitprogrammiert. Und Willi ist sicher auch nicht freiwillig ein Sklave seiner Herrchen.
"Müssen wir das Beste draus machen", tröstet Martin mich immer wieder neu. "Und die Besten müssen es machen", schwöre ich uns im Überschwang der Überzeugung ein.

Die Zampanos ermöglichen uns immerhin hier und da eine Spielerei, die uns milde stimmt. Neuerdings: Videobotschaften. Was hier wie ein billiger, amateurhafter Anfang aussieht, bedeutet sogleich doch einen Aufbruch in eine neue Zeit. Künftig werden Martin und ich die Enzyklika des Fußballgottes regelmäßig und höchstselbst zum Volke sprechen. Da mag froh sein, wer vorerst nur unscharfe Handyvideos von schlechter Tonqualität ertragen muss.

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Übrigens: Willis Herrchen dürfen beruhigt sein. Alles ist in rechter Ordnung, das Spiel gegen Köln war längst abgepfiffen, und Filmen war auch für klein Doofi wieder erlaubt.

Freitag, 2. November 2007

geißböcke abgeschossen

Spätestens diese Chance hätte das entscheidende dritte Tor sein müssen. Nico Frommer macht relativ viel richtig, nimmt den Steilpass aus dem Mittelfeld gekonnt mit, umkurvt Kölns TorwartFaryd Mondragón - schießt dann jedoch nicht ins Tor, sondern irgendwo anders hin. Anschließend gibt es noch eine Ecke für Köln, die dritte Minute der Nachspielzeit ist längst vorüber, Mondragón macht sich mit auf nach vorn und lässt alle Böses schwanen. Wird, wer vorher offensichtlich Ecken und Einwürfe - und damit: Zeit - schindet, dafür noch bestraft? Wird Frommer zum Depp, weil er der letzte Osnabrücker war, der eine Großchance nicht verwerten konnte, bevor die Kölner den 2:2-Ausgleich schießen?

"Uns hat das Glück und die Genauigkeit gefehlt, obwohl wir in der 2. Halbzeit das Spiel ganz gut gestalten konnten", sagt Kölns Trainer Christoph Daum hinterher. Ab der 9. Minute hat auch Osnabrück das Glück und die Genauigkeit gefehlt, jedenfalls im Abschluss. Viel früher hätte der VfL dieses Spiel gewinnen müssen als erst in der dritten Minute der Nachspielzeit. Gaetano Manno zum Beispiel köpfte in der 27. Minute nach einem tollen Spielzug und einer Flanke von Rouwen Hennings knapp rechts vorbei. Und kurz vor der Halbzeit vergab Paul Thomik, der von Henning Grieneisen in Szene gesetzt wurde, eine gute Chance, die Manno und der klug spielende Thommy Reichenberger eingeleitet hatten. Glücklicherweise stand es zu diesem Zeitpunkt schon 2:0 für Osnabrück. Marcel Schuon hatte eine Mondragón-Faust'abwehr' volley ins linke Eck verwertet und verdankt diesen Treffer sicher auch einer gefährlichen Hennings-Flanke; davon übrigens gab es zahlreiche. Sekunden später war das zweite Tor gefolgt, als Matthias Heidrich - wie so oft - mit großer Spielübersicht einen Angriff auf die rechte Seite verlagerte, Thomik flankte und Reichenberger per Kopf (!) verwandelte.

"Bisher haben die das immer aufgeholt", sinnierte ein Köln-Anhänger neben mir, "vielleicht ist es ganz gut, wenn die mal auf die Fresse kriegen!" Ganz gut war das sicher für den VfL. Der grenzenlose Fatalismus beim FC indes darf für die wachen Augen von Realisten ruhig ein Rätsel bleiben. Wenn sich Kölns starker Stürmer Milivoje Novakovic bei Sport 1 ärgert, "gegen eine Mannschaft von Regionalliga-Rang zu verlieren", darf man der Kölner Selbstverständnis genauso belächeln wie die Pfiffe für Christoph Daum zur Halbzeit. In diesem ersten Durchgang spielte Osnabrück phasenweise großen Fußball: Nahezu alle Pässe flach in den Fuß, kombinationssicher und schnell. "Das war phantastisch. Und wenn du dann das 3:0 machst, ist so ein Spiel normalerweise entschieden." Auch die einzelnen Mannschaftsteile überzeugten. Gößling behielt immer die Übersicht und war besonders bei Flanken sehr sicher. Die Innenverteidiger Cichon und Ndjeng standen extrem sattelfest. Die Paare auf den Außenbahnen - Schäfer mit Hennings und Thomik mit Grieneisen - harmonierten bemerkenswert gut, zumal Thomik irrsinnig viele Kilometer zurücklegte. Vorn wechselten Reichenberger und Manno mehrfach ihre Positionen und sorgten für einige gefährliche Szenen, und Manno hat sich bei seinem Partner offensichtlich abgeguckt, dass man oft auch dann den Ball erobert, wenn man im letzten Moment nicht das Kopfballduell sucht, sondern auf den Abpraller des Gegners wartet.

Ab etwa der 35. Minute kündigte sich jedoch das an, was in der zweiten Hälfte fast zwei Punkte gekostet hätte. Zufriedenheit machte sich breit, Osnabrück zog sich zu weit zurück und spielte zu passiv. Die Kölner wurden nicht mehr schon beim Spielaufbau gestört, sondern erst viel später: Bei den entscheidenden Zweikämpfen 30 Meter vor dem Osnabrücker Tor. Diese Zweikämpfe wurden zwar zunächst immer gewonnen, so dass Köln in der ersten Hälfte zu so gut wie keiner Chance kam, dennoch ist dieses Spiel gefährlich.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte der VfL zwar noch zwei gute Chancen: Zuerst setzte Thomik sich auf rechts durch, tunnelte Kölns Ümit Özat und passte auf Reichenberger, der einmal mehr Übersicht bewies und Manno in Schussposition bediente, doch der Ball ging drüber; dann eroberte Heidrich im Mittelfeld den Ball, passte wieder auf Reichenberger, der - während Manno die Kölner Abwehr foppte - schön für Heidrich auflegte, allerdings auch folgenlos. Dann kam Köln.

Novakovic durfte den Ball am Strafraum seelenruhig mit der Brust annehmen und schoss rechts vorbei, Youssef Mohamad verwertete anschließend eine Novakovic-Flanke und zielte haarscharf links vorbei - und der VfL verlor mehr und mehr Zweikämpfe im Mittelfeld und griff zu spät an. Zwar ging dem Anschlusstreffer eine strittige Situation direkt voraus, als Schiedsrichter Perl bei einer Attacke gegen den wieder starken Andreas Schäfer nicht auf Foul erkannte und den Kölnern eine Überzahlgelegenheit ermöglichte, doch hatte sich dieses Tor ohnehin angekündigt. Patrick Helmes schloss einen sehenswerten Kölner Konter souverän zum 2:1 ab. Köln war jetzt endgültig im Spiel angekommen. Zwar hatte auch in der zweiten Hälfte der VfL die besseren Torchancen (Manno nach Thomik-Steilpass, Grieneisen nach Manno-Rückpass, Reichenberger nach Strafraum-Getümmel), doch durch die sehr große Lücke zwischen Defensive und Offensive ermöglichte Osnabrück den Kölnern immer öfter, schnell das VfL-Mittelfeld zu überbrücken und ihrerseits gefährliche Konter zu fahren. Deshalb büßte der VfL einerseits an Souveränität und Spielwitz ein, andererseits zeigte Köln aber auch, dass es ebenfalls stark Fußball spielen und dagegen halten kann.

Schließlich wurde das Osnabrücker Spiel durch drei Wechsel wieder stabiler. Matthias Surmann und Nico Frommer ersetzten die sichtlich erschöpften Hennings und Manno, später erlöste Jo Enochs den ebenfalls kaputt gekämpften Henning Grieneisen. Köln hatte schlussendlich keine andere Wahl mehr, als alles auf eine Karte zu setzen: "Die haben teilweise Harakiri gespielt, mit sechs Mann auf einer Linie. Das müssen wir eigentlich ausnützen, doch da fehlt dann vielleicht ein Spieler wie de Wit, der eben nicht quer spielt, sondern den entscheidenden Pass in die Spitze", haderte Wollitz am Ende ein klein bisschen damit, dass seine Mannschaft es so spannend gemacht hat. Deshalb war es am Ende kein Osnabrücker Stürmer, der den Sieg perfekt machte, sondern Keeper Frederik Gößling. In der 79. Minute parierte Gößling mit einem sensationellen Reflex eine schöne Direktabnahme von Novakovic. Danach hatte man nicht mehr das Gefühl, es könne noch viel anbrennen. Tat es ja auch nicht.

Osnabrück hat nun 25. Ligaspiele in Folge zu Hause nicht verloren und seine Klasse gegen hoch veranlagte Gegner wie Aachen, Freiburg und Köln unter Beweis gestellt, obwohl die Mannschaft von einem Trainer trainiert wird, der "nie ganz pflegeleicht war und doch das ein oder andere Mal aus der Reihe getanzt ist. Hätte man mich vor 20 Jahren gefragt, ob der Claus-Dieter das mal packt, hätte ich ganz klar gesagt: Ne!" Christoph Daum sprach's, grinste, zollte Respekt und lobte die Arbeit seines Ex-Schützlings über den grünen Klee. Wollitz dankte artig - und der Fußballgott wird ganz sicher eine Träne verdrückt haben.

Donnerstag, 1. November 2007

gottesgeschenke

Hehe, mal abseits aller Favoritensiege (Jena und so...) in nunmehr zweitklassigen Pokalwettbewerben: Am Abend spielt Osnabrück gegen Köln, das ganze läuft live im DSF, und daran ist der DFB-Pokal nicht ganz unschuldig: Seinerzeit führte der Fußballgott ja bei der Auslosung der ersten Runde die Hände von Silke Rottenberg und bescherte uns ein Neuauflage des VfduelLs im Pokal. Viel geklagt wurde darob, weil es sich nicht zieme, dass die beiden besten Mannschaft des Wettbewerbs sich gleich in Runde Eins gegenseitig ausschalten. Nun zeigt sich einmal mehr, wie weise diese Losung war.

Nur wegen des Pokal-Aus' von Osnabrück kann es heute zum DSF-Live-Spiel kommen. Denn Osnabrück-Köln ist die einzige Begegnung des 12. Spieltags, in der beide Kontrahenten nicht mehr im Pokal ran mussten. Der Fußballgott schenkte uns dereinst mehr als einen Pokalknüller, nämlich zusätzlich auch eine Menge Fernseh-Ruhm. Nicht nur wird der Spieltag heute republikweit an der Bremer Brücke eröffnet, am Montagabend wird er genauso prominent im BorussiaPark beschlossen. Ein gebührenderer Rahmen ist für die Bundesliga der Herzen kaum vorstellbar.

Gegen Köln versucht Osnabrück, zum 25. Mal in Folge bei einem Ligaheimspiel ungeschlagen zu bleiben. (Die letzte Niederlage an der Bremer Brücke datiert vom 6. Mai 2006, damals gegen Bremens Amateure.) Wie Wollitz und seine Mannschaft das schaffen wollen, ist nicht ganz klar. Osnabrück wird wohl mit dem zuletzt überzeugenden Dominique Ndjeng in der Innenverteidigung starten und - wie in der 2. Halbzeit in Koblenz - Marcel Schuon als Außenverteidiger aufbieten. Das schafft Möglichkeiten für's Mittelfeld: Spielt Thomik von Beginn an? Ja, nur für wen? Muss Manno weichen? Oder Enochs? Oder Grieneisen?

Der VfL kann es sich jedenfalls eigentlich nicht leisten, nur ordentlich mitzuhalten, guten Fußball zu zeigen, schlussendlich aber wieder nicht zu punkten. Darin verstehen sich die VfLs zwar ganz gut (wie gesagt: Koblenz. Und Bayern München.), doch wäre es schön, würde Osnabrück nach einem Drittel der Saison auch ein Drittel der notwendigen Punkte für den Klassenerhalt auf dem Konto haben.