Sonntag, Mai 18, 2008

alle ein stück vfl osnabrück

Eine ganze Stadt zittert. Der Grat zwischen absoluter Enttäuschung und grenzenlosem Jubel könnte schmaler nicht sein. Jeder steht unter Druck. Ottmar Hitzfeld versicherte uns: "Als ich gestern in Tränen ausbrach, dachte ich daran, dass Osnabrück absteigen könnte!" Markus Merk sagte: "Ich wollte mein letztes Spiel unbedingt an der Brücke pfeifen, es ist zum Heulen!" Theo Zwanziger verspricht: "Nochmal lasse ich mich von Eckel nicht verarschen!" Willi ist in seiner Zelle in einen zwischenzeitlichen Hungerstreik getreten. Die Mannschaft und ihr Trainer Pele Wollitz geben sich selbstbewusst, siegessicher, zuversichtlich, wie es sich für ein Team gehört, das Großes vorhat.

Das letzte Mal, dass Osnabrück derart unter Strom stand, ist nicht einmal ein Jahr her. Jetzt schon wieder. Und mit Offenbach kommt ein Gegner, der diese Alles-oder-nichts-Spiele genauso kennt. Beide Mannschaften sind gewissermaßen Spezialisten für größtmöglichen Nervenkitzel. Versuchen wir, dieses Finsh wenigstens ein bisschen zu genießen.

Jetzt gilt's, Jungs! Wenn der VfL absteigt, geht es planmäßig weiter. Gelingt der Klassenerhalt, ist das die Sensation! Thomas von Heesen hoffte gestern Abend: "Wenn Osnabrück gewinnt, hat sich unser Abstieg gelohnt."

Samstag, Mai 17, 2008

toter briefkasten

Eigentlich hatten wir heute ausschließlich über Christoph Daum schreiben wollen. Anfang der Woche hatten wir ihm nämlich eine Mail mit vier Fragen geschrieben, verbunden mit der Bitte, doch bis Freitag zu antworten. Unter anderem hatten wir wissen wollen, was für einen 1. FC Köln wir am Sonntag in Lautern erwarten können und warum Daum findet, dass Osnabrück zweitklassig bleiben soll. Leider hat Herr Daum nicht geantwortet, deshalb auch die Überschrift dieses Artikels. Eigentlich wollten wir es bei dieser kleinen Episode belassen.

Die Deutsche Fußball Liga verhagelt uns diese Bescheidenheit, zu Recht. Vor dem letzten Spiel gegen Offenbach, mahnt der VfL, seien die Statuten der DFL unbedingt einzuhalten, zum Beispiel ist "das Betreten des Rasens in der osnatel ARENA nach Beendigung des Spiels von Seiten der DFL strikt untersagt".
Auch wir möchten uns diesem Appell ausdrücklich anschließen: Die Gefahr für Leib und Leben der Spieler und die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs - jetzt kommen Sie bitte nicht mit so hanebüchenen Argumenten wie 'Ist doch eh letzter Spieltag!' - erfordern högschte Disziplin. Begeisterung oder Enttäuschung nach dem letzten Saisonspiel sind absolut unangebracht und, wenn nötig, ohne einander auszutragen. Ordnung ist das halbe Leben! Wer nach Schlussfeld das Spielfeld entert, wird erschossen! Keine Gnade für Verbrecher! Wer nicht hören will, muss fühlen! Leidenschaft können wir uns nicht leisten! Todesstrafe für Rasenschänder! Punktabzug für feiernde Fans. Lizenzentzug! Scheißbande! Extremisten!

Freitag, Mai 16, 2008

taz sitzt trittbrettfahrer auf: interview mit falschem fußballgott

Die taz veröffentlicht in ihrer heutigen Freitagsausgabe ein Interview mit dem Fußballgott. Dabei handelt es sich um ein Gespräch mit einem Trittbrettfahrer. Der echte Fußballgott, Herausgeber unseres Blogs und VfL-Sympathisant, verurteilt diese schäbigen Einlassungen aufs Schärfste und kritisiert "journalistische Naivität". Sein kurzes Statement erreichte uns soeben. Wir veröffentlichen es exklusiv und im Wortlaut.

Liebe Freunde,

vor einer Stunde störte mich mein Abteilungsleiter "Medien/Pressekooperation" beim Frühstück (Pfälzer Saumagen) und reichte mir aufgebracht den aktuellen Pressespiegel. Ich fiel aus allen Wolken des Fußballhimmels und stelle fest: Das als "Interview mit dem Fußballgott" betitelte Interview in der Deutschlandausgabe der taz ist ein Interview mit irgendwem, aber sicher nicht mit dem Fußballgott, davon wüsste ich schließlich.

Ich bin entsetzt, wie unverfroren und dreist über Versatzstücke aus meinen Gesprächen mit euch ein scheinbar aktuelles Interview konstruiert wird. Zwei Beispiele: Auf das Elend, "dass die Fans jeden Pleppospieler mit meinem Namen rufen", hatte ich schon in eurem preisgekrönten Interview aus dem Jahr 2005 aufmerksam gemacht, und ich pflege gewöhnlich nicht, mich zu wiederholen. Auch meine Hassliebe zum Kollegen aus Rom, dem Papst, wird in der taz ein zweites Mal aufgebrüht.

Es ist mir ein Rätsel, wie schnell und leichtgläubig prinzipiell ehrbare Journalisten einen Mann vergöttern, der dies offenbar nicht verdient. Diese journalistische Naivität gibt mir zu denken. Meine Hauptabteilung "XV/Inlandsaufklärung" recherchiert derweil, welcher Klub dafür zur Rechenschaft gezogen werden kann. Aktuell spricht vieles für eine konzertierte Aktion von verzweifelten Partisanen aus Kaiserslautern. Sollte sich das bewahrheiten, wird meine Reaktion am kommenden Sonntag entsprechend ausfallen.

Ihr, seid zuversichtlich: Ich werde der sein, der ich bin.
Euer Fußballgott (verärgert)

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Donnerstag, Mai 15, 2008

hammer

"Kann man auf Euren Blog eigentlich unbegrenzt Kacke raufstellen?", wurde ich heute gefragt und bin immer noch beleidigt. Rein theoretisch kann man das wohl, jedenfalls hat uns Herr Google, dem die Firma Blogger gehört, bis heute noch kein Limit für seinen Serverplatz benannt. Dafür ist es eigentlich einmal Zeit, Danke zu sagen: Danke.

Aber nur weil endlos Platz ist, hat man natürlich nicht endlos Ideen. Heute zum Beispiel fällt mir nichts zum Thema Fußball ein. Mein Kopf ist immer noch nur in Feierlaune und träumt tagein, nachtaus von Loga eins. So muss ich also von den wenigen Erfahrungen zehren, die man so im Laufe eines ganz normalen Tages macht. Heute zum Beispiel bin ich nach Köln gefahren, in die verbotene Stadt. Ich muss da etwas erledigen, beruflich, was soll man machen.

Die Fahrt von Mittelhessen nach Köln ist immerhin ein Vergnügen. Nicht nur kommt man dabei ja auch Gladbach immer näher, auch lässt man auf dem Weg nach Köln "Siegen" hinter sich. Wie passend. Auch "Wissen" wird passiert und zurückgelassen. Quod erat demonstrandum. Der größte Highlight ist aber zweifellos die Gemeinde Windeck mit ihrem Ortsteil Herchen. Der Ort hieß früher Hammer, und ein solcher ist bis heute die Bahnhofskneipe in Herchen. Die heißt nämlich Leck(h)erchen. Und spätestens ab da fühlen sich die Kölner wohl daheim. In der nächsten Saison fahre ich die Strecke dann wieder. Und mache auf dem Rückweg in Siegen halt. Ich freu mich schon.

Mittwoch, Mai 14, 2008

seitenwechsel #58

Langsam, langsam neigt sich die Saison dem Ende, doch - wie es so schön heißt - jedem Ende wohnt ein Zauber inne. Das hat das Ende mit dem Anfang und der Mitte gemeinsam. Bei uns heißt dieser Zauber Seitenwechsel: Mit den lieben Kollegen von Seitenwahl schreiben wir uns jede Woche Brand-, Schmäh- oder Liebesbriefe - mit noch immer wachsender Leidenschaft. Diesmal: Der alte Spargelstecher Maik erklärt die Welt bei Seitenwahl! Mike verspricht daraufhin Doktorspiele mit den eigenen Kindern und zaubert in mehreren ersten Ligen.

Lieber Maik,

nun, die Werbung lehrt uns, dass es Dinge gibt, die man nicht kaufen kann. Darüber hinaus existieren in unserem bescheidenen Leben ebensolche Dinge, die man auch nicht erklären kann. Warum 40 Prozent der Menschen (respektive deren Urin) nach Spargel riecht, das ist erklärbar. Die Liebe ist unzweifelhaft selten erklärbar. Belassen wir es also dabei und genießen den Augenblick. Borussia ist vergangene Woche aufgestiegen, ich bin bereits vor Wochen aufgestiegen, in meine ganz private 1. Liga. Aber lass Dir gesagt sein: sollte ich einmal Kinder haben, werde ich direkt nach der Geburt die erste Urinprobe nehmen, um festzustellen, ob es zu den 60 oder den 40 Prozent gehört.

Doch zum Sportlichen: den Eintrag Eures Lesers habe ich ebenso vernommen. Mir stellt sich bei einer solchen Aussage unweigerlich die Frage: Was ist denn Gladbach? Meint er das Gladbach, das sich - mit einem kleinen Zwischenhoch 1994-96 - seit über 20 Jahren im unteren Mittelfeld der Bundesliga respektive in der zweiten Liga herumtreibt? Das Gladbach, das sich in den 80ern als heutiges Schalke oder Leverkusen - schön, aber eigentlich erfolglos? - präsentierte? Oder meint er immer noch das Gladbach, das in den 70ern existierte? Tradition belastet, und nur der, der die Tradition als Vergangenheit und nicht als Aufgabe begreift, wird erfolgreich sein. Der Verein Borussia Mönchengladbach wird in diesem Sommer 108 Jahre alt. Von diesen 108 Jahren waren ganze zehn - zugegeben - sehr erfolgreich. Aber lassen wir uns doch nicht davon verrückt machen, sondern akzeptieren einfach die Realität. Recht machen kannst Du es ohnehin keinem mehr. Es ist so, wie es Christian Ziege in einem Interview vor einigen Tagen vollkommen richtig konstatierte: Die ersten acht bis zehn Plätze in der Bundesliga sind mehr oder weniger fix vergeben. Dazu gehört leider auch der VfL Wolfsburg. Das Ziel muss demnach zu allererst lauten, zu den besten der unteren Tabellenhälfte zu gehören. Ist das die gefürchtete "graue Maus"? Vielleicht, aber entscheidend ist doch nicht die Platzierung, sondern das, was Du daraus machst. Wer in den vergangenen (Aufstiegs-)Tagen das inszenierte Spektakel in Mönchengladbach mitbekommen hat, der wird ahnen, was mal passiert, sollte Borussia auch nur annähernd so erfolgreich werden wie in diesem besagten zehnjährigen Zeitfenster. Der Fan muss begreifen, dass ich nicht beim 24-Stunden-Rennen ganz vorne mitfahren kann, wenn ich zwar den Motor, das Getriebe und das Fahrwerk eines Rennwagens habe, das Ganze aber im Chassis eines kultigen, knuffigen VW Käfers.

Es ist kurios: Ausgerechnet der VfL Osnabrück kann dafür sorgen, dass der 1. Beck'sche Fußballclub aus der Pfalz den Abstieg vermeiden kann. Die Osnabrücker brauchen einen eigenen Sieg gegen Kickers Offenbach, leisteten jedoch damit direkte Schützenhilfe. Selbst ein Sieg des FC Augsburg würde daran nichts ändern, sofern Lautern sein Heimspiel gegen Köln gewinnt. Ich höre schon Wolfgang Overath nach dem Schlusspfiff, wie er was von Traditionsvereinen faselt. Ausgerechnet der Präsident des Vereins, der Sponsoren präsentiert, die es gar nicht gibt und dessen Verein vor gerade mal 60 Jahren aus einer Fusion und unter dem Einsatz vieler Gelder entstand. Dass ein Kölner durchaus Sympathien für die Hinterzimmer-Machenschaften aus der Pfalz empfindet, sollte keinen überraschen. Ach, ich weiß, dass es im Fußball keine Gerechtigkeit gibt. Der eine findet es gerecht, wenn er mit seinem dicken Auto den besten Parkplatz bekommt, der andere hofft auf den Abstieg des 1. FC Kaiserslautern. Kann natürlich auch daran liegen, dass der eine zu den 40, der andere zu den 60 Prozent gehört. Wer weiß das schon?

Ganz egal, wie das am Sonntag ausgeht. Die Bundesliga der Herzen ist vorerst Geschichte. Unsere VfLs gehen ab sofort getrennte Wege. "Bundesliga der Herzen - Reloaded" wünsche ich mir - bei aller inzwischen entwickelten Sympathie für Deine Lila-Weißen - nicht wirklich. Robin Dutt ermahnte auf der Pressekonferenz vergangenen Sonntag: "Ich will Euch nie mehr in der 2. Liga sehen!" Würdest Du ihm widersprechen?

Es grüßt Dich herzlich
Mike

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Dienstag, Mai 13, 2008

sehen so absteiger aus?

video

Montag, Mai 12, 2008

absolute, äh, spannung

Ein Donnerschlag war das, ein denkwürdiger. „So einen emotionalen Auftritt haben wir hier auch noch nicht gesehen“, kommentierte der Pressesprecher der Münchener Löwen. Das alles hatte nichts mit dem Spiel zu tun, währenddessen es keinen nennenswerten Osnabrücker Donnerschlag und nur mit viel gutem Willen einen emotionalen Auftritt zu bestaunen gab. Es war Pele Wollitz’ Auftritt bei der Pressekonferenz, der von diesem neuerlichen Nicht-Endspiel in Erinnerung bleiben wird, denn der Trainer war außer sich: „Was am Donnerstag in Frankfurt abgegangen ist, ist das Unglaublichste überhaupt. Da hat man einen glasklaren Deal gemacht. Welche Situation sich ergeben würde, wäre alles beim Alten geblieben, sieht jeder, der auf die Tabelle guckt. Das ist eine absolute Sauerei, das ist eine absolute Unverschämtheit!“ Wer noch zweifelt, worum es geht: Um die Nun-doch-nicht-acht-sondern-nur-noch-sechs-Punkte-Strafe für die TuS Koblenz. „Wenn wir schon gerettet wären, hätte ich schon viel eher den Mund aufgemacht“, wetterte Wollitz weiter. „Jetzt wird die Strafe für ein Vergehen aus dieser Saison wieder teilweise in die nächste verlegt. Die vier Aufsteiger aus den Regionalligen haben alle einen Vorteil, den wir in diesem Jahr nicht hatten. Im Gegenteil: Wenn man das beobachtet, kann daraus eigentlich nur die Lehre sein: Zehn Millionen mehr ausgeben als man darf, 15 Punkte mehr holen, von denen dann erst acht abgezogen werden, um anschließend wieder zwei zurückzukriegen.“

Diese zehn Millionen hat Osnabrück nicht ausgegeben, und das sieht man auch, insbesondere am Ende dieser kräftezehrenden Saison. Enorm unter Druck, erstmals seit vier Jahren wieder auf einen Abstiegsplatz zu rutschen, lieferte der VfL in München das vielleicht schlechteste Auswärtsspiel der Rückrunde ab. Positiv: Es ging nicht verloren. Negativ: Der Druck wird vor dem nun alles entscheidenden letzten Spiel gegen Offenbach noch einmal wachsen.

„Wir sind glücklich 1:0 in Führung gegangen und haben glücklich das 1:1 über die Runden gebracht“, fasste Wollitz das Spiel korrekt zusammen, währenddessen Osnabrück trotzdem zeitweise den Klassenerhalt geschafft hatte, weil Kaiserslautern in Jena zurücklag. Eigentlich nur ein einziges Mal gelang es dem VfL, sehenswert nach vorn zu spielen: In der 14. Minute kombinierten Pierre de Wit, Thommy Reichenberger, Rouwen Hennings, Alex Nouri und Andreas Schäfer über links: Herauskam eine Chance, die gemessen am Rest gefährlicher Aktionen riesengroß war. Die zweite torgefährliche Aktion war das 0:1. In der zweiten Hälfte reichte es nur noch zu einer Schusschance von Paul Thomik, die man hätte verwandeln können, und einem Freistoß von Hennings, der knapp vorbei ging. Mehr nicht.

Anders sah es bei 1860 aus: Von Anfang an machten die Münchener Druck, und wenn sie über außen – egal ob rechts, aber lieber über links – angriffen, wurde es meist gefährlich vorm Osnabrücker Tor. Daniel Bierofka, der ein tolles Spiel im linken Mittelfeld machte und sich sehr oft als dritte Spitze zeigte, hätte das ein oder andere Tor machen können, Danny Schwarz fädelte immer wieder gefährliche Angriffe ein. Vor dem Strafraum gelang es 1860 immer wieder, die Osnabrücker beim Kurzpassspiel zu foppen und gute Distanzschüsse abzufeuern. Die hundertprozentige Chance vergab Kucokovic nach etwas mehr als einer Stunde. Die Münchener Spielfreude hatte ihre lila-weissen Gründe: Osnabrück stand oft viel zu tief, und die große Lücke zwischen Abwehrkette und Mittelfeld machte es den 60ern leicht, Überzahlsituationen zu erspielen.
Jo Enochs war von diesem Tempo offenkundig überfordert, hatte nach einer halben Stunde schon zwei Mal extrem dämlich foul gespielt und musste zu Recht noch vor der Halbzeit für Heidrich weichen. (Die andere Überraschung in der Startelf, Alex Nouri, konnte auch nicht glänzen, auch ihm schien das Spiel phasenweise zu schnell. „Zwei verdienten Spielern wollte ich etwas schenken“, dieser Plan von Wollitz scheiterte weitgehend, jedenfalls wenn er auf folgenreiche Reaktionen gehofft hatte.)
Jan Schanda versuchte auf ehrwürdigem Terrain, es seinem Kollegen Lucio nachzutun und schaltete sich ein ums andere Mal ins Angriffsspiel ein. Das sorgte mitunter für Gefahr, leider nicht nur vor dem Münchener Tor.
Paul Thomik tauschte die Positionen mit jedem seiner Mitspieler im Mittelfeld, leider ohne den Spielfluss der Münchener nachhaltig zu bremsen.
Thomas Cichon organisierte in erster Linie sich selbst statt seine Abwehr, und das oft nicht einmal auf gleicher Höhe; Reichenberger war völlig abgemeldet; Tino Berbig im Tor zeigte erneut deutliche Schwächen bei hohen Bällen und wirkte gerade am Anfang verunsichert.
Gut spielten lediglich Pierre de Wit, Andreas Schäfer, Matthias Heidrich und – ohne viel bewirken zu können – Rouwen Hennings.

Pele Wollitz fand es „nicht zwingend erforderlich, jetzt vor dem letzten, entscheidenden Spiel große Analysen zu machen“, jedenfalls nicht im Beisein von Journalisten. Intern wird er deutlicher werden, so deutlich wie in Sachen Koblenz zur versammelten Pressemeute. Die genaue Häufigkeit des Wortes „absolute“ – wahlweise gebraucht in Verbindung mit „Frechheit“, “Sauerei“, „Unsportlichkeit“ oder „Unverschämtheit“ – während der Pressekonferenz ist schwer zu überschlagen. Die absolute Zusammenfassung von Wollitz’ Brandrede passt dennoch in einen Satz: „Wenn die dann aus der Sitzung kommen und sagen: ‚Das war eine Entscheidung für den Sport.’ Da kann ich nur sagen: Nein! Das war keine Entscheidung für den Sport, sondern eine Entscheidung gegen Mannschaften, die absolut keine Lobby haben!“
1860-Geschäftsführer Stefan Ziffzer pflichtete dem VfL-Coach bei, mehr noch: Er wies auch auf eine weitere fragwürdige Liaison in dieser Liga hin, nämlich die bemerkenswerte Millionen-Schützenhilfe der Stadt Kaiserslautern für den FCK. Wollitz horchte seinen Worten, applaudierte, rief „Danke!“ – und verschwand. Sein Team darf sich an diesem energischen, trotzigen Auftritt ein Beispiel nehmen, denn im Endspiel gegen Offenbach muss der VfL besser spielen, und zwar deutlich.

(Ok, Theo Zwanziger hat gerade noch die Kurve gekriegt und sich keinen Eckel’schen Teufel aufbinden lassen. Jedenfalls vorerst nicht.)

Sonntag, Mai 11, 2008

ergebniskommission patzt - augsburg, koblenz und wohl auch lautern gerettet

In der Nacht haben Theo Zwanziger, Horst Eckel und wir die ausstehenden Endergebnisse für die Vereine Koblenz, Augsburg und Kaiserslautern ausgehandelt. Der Fußballgott hatte aus gesundheitlichen Gründen an dem Treffen nicht teilnehmen können, deshalb schaffte es Horst Eckel, sich in die Runde mogeln: Der DFB-Präsident hatte seine Brille vergessen und hielt Eckel im Eifer des Gefechts für den Fußballgott. Auch auf unser mehrmaliges Insistieren weigerte er sich zu veranlassen, dass seine Frau Inge ihm die Brille bringe. Damit war unsere Verhandlungsposition denkbar schlecht, sehendes Auges mussten wir das trojanische Pferd passieren lassen. Eckel lachte sich ins Fäustchen, und nach der 43. Anekdote aus der guten alten Zeit war Zwanziger weichgeklopft: "Mensch, Fußballgott, heute machst du aber einen auf sentimental, oder!? Das kenne ich sonst gar nicht von dir. Wenn ich's nicht besser wüsste, müsste ich mich sorgen, aber ok: Lautern macht noch vier Punkte!" Eckel erlitt daraufhin bedauerlicherweise einen Schwächeanfall - und ohne die vermeintlich göttlichen Weihen traute sich Zwanziger nicht, die beiden ausstehenden Ergebnisse von Offenbach und Osnabrück zu bestimmen.

Insgesamt, das wissen wir, ist diese "Einigung" absolut unbefriedigend. Sie nimmt folgende Gestalt an:

Koblenz-Aue 3:0
Aachen-Koblenz 0:0
(41 Punkte)

Fürth-Augsburg 2:1
Augsburg-Jena 2:0
(40 Punkte)

Jena-Lautern 1:3
Lautern-Köln 1:1
(39 Punkte)

Samstag, Mai 10, 2008

grand in münchen

Mit Karo- und Kreuzbube, zwei Assen und Zehnen in Herz und Pik, dazu Pik-Dame und Pik-Acht kann man eine Grand souverän gewinnen; eine schlimme Niederlage ist aber genauso drin. Der VfL hat sich entschlossen, auf den Grand zu reizen, es also spannend zu machen, anstatt in den vergangenen Wochen ein einfaches Pikspiel zu gewinnen. Jetzt muss er ihn gewinnen. Morgen in der Allianz-Arena kommt es drauf an, ob der Gegner mit der richtigen Karte rauskommt und wie die Trümpfe verteilt sind.

München zeigt sich derweil von seiner schönsten Seite: Sommer, Sonne, Leidenschaft, alles in zartes Lila getüncht. Durch den Augustiner Biergarten schallten bereits gestern Abend schüchterne VfL-Rufe, das gleichnamige Bier - übrigens das leckerste bayrische Bräu - schmeckte famos, und nach einem Maß in praller Sonne war die Welt in Ordnung. Mit fortschreitender Ernüchterung geriet sie wieder aus den Fugen: Die Spannung steigt unermesslich; wie schlimm das erst für die Mannschaft sein muss. Der gemeine Beobachter muss nicht mit diesem Druck umgehen können, er muss lediglich darauf vertrauen, dass das Team professionell und stark genug dafür ist; das allerdings hat sein Trainer immer wieder bekräftigt.
Wenn 1860 morgen zu Beginn ein Karo-As ausspielt, was tun? Sofort abstechen oder abschenken?

München-Schwabing hat wunderbare Ecken, und der Englischen Garten liegt direkt nebenan. Schöner lässt sich kaum frühstücken als im Café Reitschule, und die erste Maß im Biergarten am Chinesischen Turm schmeckt auch. Wäre da nicht dieses stete Unwohlsein. Unabhängig von irgendeiner Tabellenkonstellation wäre es nicht überraschend, verlöre der VfL bei 1860. Unabhängig vom bisherigen Saisonverlauf wäre es nicht überraschend, rutschte der VfL auf einen Abstiegsplatz. Überhaupt: Der Klassenerhalt wäre bemerkenswerter als das Gegenteil, daran gilt es immer wieder zu erinnern, auch um die mögliche Enttäuschung abzufedern, die nicht völlig ausgeschlossen ist. Der VfL spielt, gemessen an seinen Konkurrenten, in den vergangenen Wochen am unerfolgreichsten, dieser Trend ist Fakt. Fakt ist auch, dass Osnabrücks Spielanlage vielfach sehenswerter ist als die von Lautern und Offenbach, dass der VfL den Klassenerhalt verdient hätte.
Wer den Karo-Stich mitnimmt, muss auf verteilte Buben hoffen - und mutig mit Kreuz rauskommen.

Endspiele sind nichts für schwache Nerven. Gut ausgeruht muss sein, wer ihnen standhalten will. Gut eingecremt muss sein, wer sich nicht an der Hitze des Gefechts verbrennen will. Noch 24 Stunden.
Hinlegen, in den Englischen Garten. Auf Jos vertrauen. Und: Vergessen, dass ein einfaches Pik-Spiel auch ok gewesen wäre.

Freitag, Mai 09, 2008

4 sms von jos

Dass Jos Luhukay ein Fan von SMS ist, ist gemeinhin bekannt. Ab und an tauscht er sich gar mit Pele Wollitz aus, der ihm jüngst schon vorzeitig zum Aufstieg gratulierte. Nun haben auch wir JL um einige kurze Statements in SMS-Länge gebeten - über die Saison, den Aufstieg, die VfLiebe und die Aufs und Abs in Liga Zwo. Soeben klingelte unser Handy viermal:

Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg und zu einer unglaublich souveränen und konstanten Saison als Tabellenführer. Worüber an diesem großen Erfolg freuen Sie sich am meisten?

Vielen Dank. Ich freue mich am meisten für die Art und Weise, wie diese Mannschaft sich im Laufe der ganzen Saison präsentiert hat. Einen besseren Zusammenhalt habe ich noch nie erlebt, es hat unglaublich Spaß gemacht, mit diesen Jungs zu arbeiten.

Per SMS haben Sie Ihrem Kollegen Pele Wollitz und dem VfL Osnabrück im Namen des ganzen Borussia-Teams alles Gute im Abstiegskampf geschrieben und dass Sie den Osnabrücker den Klassenerhalt gönnen. Das ist ungewöhnlich. Wie kam es zu dieser SMS?

Ich kenne Pele vom Trainerlehrgang gut. Wir haben beide dieselbe Philosophie vom Fußball und verstehen uns einfach gut.

Warum, finden Sie, sollte Osnabrück in der zweite Liga bleiben?
Ich wünsche Osnabrück den Klassenerhalt, weil mir die Atmosphäre im Osnabrücker Stadion gut gefallen hat und der Club gute Arbeit macht. Sie werden am letzten Spieltag vor eigenem Publikum alles klar machen.

Pele Wollitz hat Ihnen, ebenso per SMS, geantwortet und scheu zum Aufstieg gratuliert. Noch ist es noch nicht ganz soweit, aber wie lautet Ihr Tipp: Wer sind die drei Aufsteiger, wer steigt ab?

Bei den Absteigern denke ich, dass es nur noch um Platz 15 geht. Da wird es sehr spannend und man kann eigentlich gar keine Prognose abgeben. Oben kann Köln jetzt mit einem Sieg gegen Mainz alles klar machen. Sollte der FC aber verlieren, wird er am letzten Spieltag in Kaiserslautern eine sehr unangenehme Aufgabe haben.

Donnerstag, Mai 08, 2008

heute geschlossen wegen feiern

Dafür spricht hier morgen Jos Luhukay zu unseren Lesern.

Mittwoch, Mai 07, 2008

Aufgestiegen aus Ruinen...

...und der Zukunft zugewandt!

Glückwunsch, Borussia! Glückwunsch, VfL!

Danke, Fußballgott!

Danke:
Uwe Gospodarek
Christofer Heimeroth
Frederic Löhe
Kasper Bögelund
Roel Brouwers
Marvin Compper
Filip Daems
Steve Gohouri
Tobias Levels
Alexander Voigt
Zé Antonio
Thomas Kleine
Alexander Baumjohann
Johannes van den Bergh
Soumaila Coulibaly
Robert Fleßers
Marko Marin
Marcel Ndjeng
Patrick Paauwe
Eugen Polanski
Sascha Rösler
Sebastian Schachten
Sebastian Svärd
Roberto Colautti
Rob Friend
Moses Lamidi
Oliver Neuville
Nando Rafael
Sharbel Touma
Jos Luhukay

DANKE!

seitenwechsel #57

Ein Mal in der Woche gibt es ihn, den Seitenwechsel mit den lieben Kollegen von Seitenwahl. Seit der vergangenen Saison schreiben wir uns gewöhnlich mittwochs, manchmal auch donnerstags Brand-, Schmäh- oder Liebesbriefe - mit noch immer wachsender Leidenschaft. Zwischendurch waren wir zwei Wochen mit anderen Dingen beschäftigt. Und auch heute ist alles immer noch ein bißchen seelenlos, angesichts des Wahnsinns in der Welt. Wem Mikes Brief zu deprimierend ist, der kann mit Martin verzweifelt feiern – in seiner Antwort bei Seitenwahl!

Mein lieber Martin,

lange herrschte Ruhe in unseren Füllern. Die Zeit ließ keinen Gedankenaustausch zu, als stetig Gehetzter im alltäglichen Berufs-, Verkehrs- und Medienwahnsinn sind die wenigen Momente der Stille und inneren Einkehr der geliebten Freundin zugedacht oder der Borussia. Schaue ich auf die Worte unseres bis dato letzten SEITENwechsels, so handelten sie vom Aufstieg unseres VfL. Natürlich taten sie das! Und heute, in diesem Moment, in dem ich diese Worte zu Papier bringe? Es ist endlich soweit, der lang ersehnte Aufstieg ist nur noch ein Schritt weit entfernt. Und jetzt, wo das Ganze zu enden scheint, frage ich mich einmal mehr, wo die Zeit geblieben ist. Haben wir nicht erst gestern darüber sinniert, welche Folgen der letztjährige Abstieg für Borussia haben könnte?

Gut, die "Bundesliga der Herzen" ward geboren! Aber war das ein Trost für die geschundene Gladbacher Seele? War es nicht vielmehr ein verzweifelter, wenngleich charmanter Versuch Eurerseits, dem Ganzen etwas Sinn zu geben? Diesem Martyrium "2. Bundesliga" einen bunten Anstrich verpassen? Und freute es nicht Maik vielmehr, dass sein kleiner VfL nun auch offiziell in einer Liga mit unserem großen VfL zusammenspielen durfte? Nein, den ganzen Erfolgen und Wochen an der Tabellenspitze zum Trotz: ich genieße diese Liga nicht. Für die geschundene Seele mag die nun zu Ende gehende Saison Balsam gewesen sein, aber als Anhänger eines Vereins kann dies natürlich nicht der Anspruch sein.

Wie fühle ich mich also nun, angesichts vom endlich ausgebrochenen Frühling und großer Mega-Super-Hyper-Aufstiegsfete im Stadion und in der Innenstadt? Bedenklich seelenlos, die richtige Freude will einfach nicht aufkommen. Dazu habe ich speziell in den vergangenen Wochen und, rückblickend auf die gesamte Saison, zuviele Dinge gesehen, die mir Sorgen bereiten. Ob der aktuelle Kader auch stark genug für die Bundesliga ist? Werden Ziege und Luhukay erneut ein gutes Händchen bei Transfers haben? Wird aus dem guten Händchen ein noch besseres, wenn ein gut gefülltes Portemonnaie in selbiger liegt?

Doch genug der Skepsis und nachdenklichen Worte. Lasst uns Wehen schlagen, lasst uns aufsteigen. Wir haben es geschafft, Martin! Und richte Maik aus, dass es auch der VfL Osnabrück schaffen wird. Dies wünsche ich mir schon aus doppeltem Grunde heraus, denn das würde eventuell bedeuten, dass der 1.FC Kaiserslautern endlich aus dem Profifußball verschwindet. Und in diesem Fall scheiß ich auf Tradition.

Wir sind Bundesliga, mein lieber Freund.
Es atmet durch und grüßt herzlich
Mike

Dienstag, Mai 06, 2008

am ende wird es immer enger

Besonders überraschend ist dieses 0:0 nicht, zu allerletzt für Pessimisten. Vor einer Woche, vorm Unentschieden in Jena schon, sagte ich zu meinem Bruder, Osnabrück werde vor dem letzten Spieltag kein Spiel mehr gewinnen - und dennoch den Klassenerhalt schaffen. "Wenn Du absteigst, verlierst Du so ein Spiel wie heute 1:0, wenn Du drinbleibst, spielst Du 0:0", sagt auch der Trainer.
Fest steht: Der große Erfolg wird nur gelingen, wenn jetzt alle die Ruhe bewahren, auch wenn Osnabrück keinen feinen Fußball mehr spielt wie noch in der Hinserie über weite Strecken vieler Begegnungen. Das ist nicht so überraschend, bedenkt man, dass der Druck und die Realität des Abstiegskampfes gerade für die vielen jungen Spieler im Team mehr und mehr gegenwärtig und auch zur Belastung werden. Frisch und unbeschwert spielt da mancher nur noch selten auf - wen wundert's?!

Damit auch das mal ausgesprochen ist, obwohl es immer klar war: Es kann auch schlecht laufen, es muss nicht gut gehen, und es wäre keine besonders große Sensation, wenn Osnabrück am Ende doch noch absteigt. Umgekehrt hätten Pele Wollitz und seine Mannschaft die Sensation geschafft, wenn sie die Klasse halten. Voraussichtlich wird das erst am letzten Spieltag entschieden, so wie es der Trainer seit jeher betont, sei es, um Erwartungen klein zu halten oder weil er wirklich überzeugt davon ist. Verdient hätte es die Mannschaft, die bis heute nicht einen Moment lang auf einem Abstiegsplatz stand, allemal.

Für alle guten Rechner hier das Restprogramm der üblichen Verdächtigen. (Wir wagen den eigentlich gar nicht so gewagten Tipp: Es reichten schon zwei Unentschieden.)

VfL (36 Punkte):
1860 (A)
Offenbach (H)

Koblenz (37 Punkte):
Aue (H)
Aachen (A)

Augsburg (37 Punkte):
Fuerth (A)
Jena (H)

Offenbach (37 Punkte):
Hoffenheim (H)
VfL (A)

Lautern (35 Punkte):

Jena (A)
Koeln (H)

Montag, Mai 05, 2008

vfliebeleien

Jos Luhukay zückt das Handy und tippt eine SMS an Pele Wollitz. (Die beiden kennen sich ja aus Köln.) Die Borussia, schreibt er im Namen des ganzenTeams, gönne Osnabrück den Klassenerhalt und glaube auch fest daran, dass das klappt. Wollitz antwortet, ebenfalls per SMS, während der Gladbach-Gala in Offenbach und gratuliert unter Vorbehalt zum Aufstieg.
Was sollen wir dazu noch sagen?