Dienstag, Juli 11, 2006

die wm im vflog

Sie ist vorbei - die offizielle FIFA-WM-TM 2006 in Deutschland. Allein: Für uns war nur selten Fußball. Meist gab es allen Grund, sich die Zeit zu vertreiben. Unsere Empfehlungen hier noch einmal alle auf einen Schlag!

Wegschauen |
Schriftsteller werden |
VfL sehen! #1 |
Hartmann huldigen |
VfL sehen! #2 |
Ausschlafen |
Neuzugang verpflichten |
VfL sehen #3 |
Schluss machen |
Ins Hallenbad gehen |
VfL sehen! #4 |
SV ARD anfeuern |
VfL sehen! #5 |
Esterházy |
VfL sehen! #6 |
Ein Gedicht aufsagen |
Holundersirup |
Joggen |
Französischen Wein trinken |
Stadien schrumpfen |
VfL sehen #7 und weghören! |
Portugiesischen Wein trinken |
In alten Zeiten schwelgen |
Kay-Sölve anschmachten |
VfL sehen #8 - Marcell statt Frings |
Auf die Bundesliga freuen |
Frech werden |
Generös sein |
Endlich richtig VfL sehen |
Auf die Regionalliga freuen |
Schluss: Mehr Licht |
Und als Bonbon: Weltexklusiv: Die Materazzi-Worte |

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weltexklusiv: die materazzi-worte

Was ist nicht alles gerätselt worden, was Marco Materazzi wohl zu Weltwunder Zizou gesagt hat, dass der nach allen Regeln der Kunst die 12. rote Karte seiner Laufbahn beim Schiedsrichter beantragt hat. Eine abfällige Bemerkung über Zidanes Mutter, spekulierten die einen, doch die Süddeutsche Zeitung weiß zu berichten, das Materazzis Mutter selbst früh verstarb und ein solches Verbalfoul für den Italiener daher tabu sei. Nicht auszuschließen sei hingegen eine Beleidigung anderer Zidane'scher Familienmitglieder.

Die Frage lässt der Welt keine Ruhe, und angesichts der bekannt schweigsamen Art des Franzosen fürchtete man vielerorts schon, sie werde auf ewig offen bleiben. Ein Glück, dass wir einen engen Draht zu Materazzi haben, der bisher offiziell nur verlauten ließ, er sei "zuerst provoziert" worden. Uns vertraute er dann aber auch an, dass er Zidane aus der Fassung brachte, indem er ihn an das wohl größte Manko seiner Karriere erinnerte: "Cannes, Bordeaux, Turin, Madrid ist ja ganz nett, alter Zauberer – aber wieso hast Du eigentlich nie in Gladbach gespielt?"

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Montag, Juli 10, 2006

empfehlung #31 und schluss: mehr licht!

30 Tage, eine ganze WM lang, haben wir nun unseren Lesern praktische Lebenshilfe gegeben, wie sie VfL-lose Tage erträglich gestalten können. Mal sollte Wein helfen, mal ein gutes Buch, mal sportliche Betätigung. Jetzt ist die WM vorbei, und auch wir hören mit unseren guten Ratschlägen auf und wenden uns den Mühen der Ebene zu, so wie es bald auch die Nationalmannschaft wieder tun muss, vor allem aber eben so, wie es unsere VfLs bereits jetzt in der Vorbereitung der nächsten Saison vormachen.

Das gute Leben, es führt über eine Straße namens VfL, soviel wissen unsere Leser ohnehin. Wer dennoch zum Abschluss unserer Empfehlungsorgie einmal mehr von unserem ausgesucht stilsicheren Geschmack profitieren will, dem sei zur Beschäftigung das unvergleichlich wunderbare Album "Lieder vom Ende des Kapitalismus" von Peter Licht empfohlen. Nach all dem Sportfreunde-Stiller-Tralala, dem spät-faschistoiden "Wer jetzt nicht geil drauf ist, ist ein Feind"-Geknödel eines Grönemeyer und dem triefenden Xavier Naidoo-Gehype sind sicherlich nur noch wenige Seelen in diesem Land zartfühlend genug, den Unterschied zwischen Scheiße und Musik auszumachen. Bei VfL-Fans haben wir Vertrauen.

Licht liefert zudem den perfekten Post-WM-Depressions-Bewältigungs-Song: Er heißt "Es bleibt uns der Wind" und singt trefflich vom Leben nach der großen Party: "Und was uns bleibt am Ende eines langen Abends, es bleibt, es bleibt, es bleibt, es bleibt uns der Wind." (Nicht zu vergessen die wunderbare Zeile: "Wer saufen kann, kann auch ausschlafen und den Tag in die Matratze drücken, bis ihm das Kissen an der Backe klebt." Womit wir wieder beim Lob des Ausschlafens wären.)

Auch darf man all den Schnarchnasen bei ARD, ZDF und RTL danken, dass sie ein perfektes Lied übersehen haben, mit dem sich jeder WM-Beitrag über die deutsche Nationalelf hätte unterlegen lassen, bis auch dieser tolle Song vom falschen Leben des deutschen Fernsehens zerstört worden wäre. So aber bleibt "Wir werden Siegen" unbefleckt, und man darf an schlechten Tagen durch die Straßen latschen und ihn still im Kopf singen voll Hoffnung, dass wir "mindestens siegen".

Es gibt auf diesem Album kaum ein Stück, das einem nicht auf die eine oder andere Art bezaubern kann. Das "Lied vom Ende des Kapitalismus" lässt sich nicht auf die Frage nach einer Alternative zu unserem deprimierenden Wirtschaftssystem ein, sondern singt einfach aus einer künftigen besseren Welt: "Hast Du schon, hast Du schon gehört, das ist das Ende. Das Ende vom Kapitalismus, jetzt ist er endlich vorbei." Wenn dann der Chor einstimmt "Vorbei, vorbei, vorbei, vorbei. Jetzt ist er endlich vorbei", wer möchte da nicht befreit einstimmen: "Der Kapitalismus, der alte Schlawiner ist uns lang genug auf der Tasche gelegen."

Kurzum: Dieses Album sollte man sich nicht entgehen lassen. Und sicherheitshalber auch mit dem Ankauf nicht zu lange zögern, sondern noch in diesem Leben zugreifen und genießen. Denn wahrscheinlich hat Licht recht, wenn er Konstruktivisten und Workaholics gleichermaßen ins Stammbuch schreibt: "Letztes Leuchtfeuer: Was Du nicht kannst, ist mehrere Leben führen, auf mehrere Schiffe gehen. Und das schenkt uns die treue Realität. Der Rest ist Hobby."

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Sonntag, Juli 09, 2006

empfehlung #30: auf die regionalliga freuen

Ah! Hm! Bald ist die Zeit des Wartens vorbei und es geht wieder los. Bald laufen sie wieder, und zwar die richtigen. Keine Anfänger aus Südamerika, keine alternden Portugiesen. Und das alles nicht bei einem Weltturnier, das nur ganz, ganz selten Weltklassefußball bestaunen ließ. In wenigen Wochen beginnt wieder der lange, unvergleichlich wunderbare Regionalliga-Alltag, bei dem man Woche für Woche hoffen kann und bangen, bei dem man mitfiebern kann und auch warten muss. Auf das nächste Spiel von Lila-Weiß. Dieses Warten, ach, was vermisse ich das!

Das Warten auf den Saisonstart ist nämlich ein gänzlich anderes als das Warten während der Saison. Auf den Saisonbeginn warten schmerzt, langweilt irgendwann, es macht ungeduldig. Auf das nächste Spiel warten, langweilt nie. Es will schließlich genügend Zeit sein, alle Spielmöglichkeiten während der Woche dutzendfach durchzurechnen. In weniger als einigen Tagen ließen sich die verschiedenen Überlegungen, wie man vom letzten Spiel am besten ins nächste gehen sollte, gar nicht hinreichend anstellen, schließlich muss man zwischendurch auch noch arbeiten, essen, schlafen und bei 'normalen' Freunden darum buhlen, den Stauts der Zurechnungsfähigkeit nicht aberkannt zu bekommen.

Das alles geht bald wieder los, und die kleinen Appetizer - oder, um mit den Worten des künftigen Weltmeisters zu sprechen, Apéritifs - schmecken schon ganz köstlich. 15:2 im Testspiel gegen Lüstringen ist nicht das Eckenverhältnis, sondern das Endergebnis, und auch der ernst zu nehmende Test gegen Enschede wurde verdient mit 2:1 gewonnen.

Was noch fehlt und bis Anfang August da sein muss? Klar: Mehr Power, mehr Druck, mehr gemeinsames Spielverständnis , mehr Zielstrebigkeit. Und: Ein großes Interview mit Trainer Claus-Dieter Wollitz. Für letzteres sorgt der VfLog ab kommenden Mittwoch, wie gewohnt in vier Teilen.

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Samstag, Juli 08, 2006

empfehlung #29: endlich richtig vfl sehen

Es hätte auch das Finale sein können, keine Frage. „Jürgen weiß selbst, dass wir jetzt wohl im Finale stünden, wenn Marcell und Oli gegen Italien von Anfang an gespielt hätten. Deshalb lässt er sich ja jetzt auch so lange Zeit mit der Entscheidung, ob er nach der WM weitermachen soll.“ Sagte Oliver Bierhoff heute Morgen auf Anfrage des VfLog.

Jürgen, mach dir nichts draus. Es muss doch nicht immer Berlin sein. Stuttgart ist auch schön. Die Stadt hat lange Jahre mit Erwin Teufel und Gerhard Meyer-Vorfelder zwei äußerst sympathische Gesichter gehabt, sie hat fast einen VfL und überhaupt: Stuttgart ist die Perle des ääh ganzen äh Landes ääh Baden-Württemberg. Darum sehen wir heute Abend gern zu, wie unsere Nationalmannschaft sich dort gegen Portugal ins Zeug legt.

Dann spielt auch Marcell Jansen, sogar von Beginn an. Das erste Mal. Jürgen Klinsmann will Spektakel, keine sicheren Siege, deshalb habenVfOli und VfMarcell so selten gespielt. Jetzt im letzten Spiel gilt es aber, den dritten Platz zu sichern. So gewährleisten die beiden, wenn sie schon nicht Weltmeister werden, zumindest ein standesgemäßes Ende dieses Welt-Turniers.

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Freitag, Juli 07, 2006

empfehlung #28: generös sein

Langsam wurde Krisztian Lisztes ungeduldig. Er ist nicht mehr bei Borussia, sondern auf Vereinssuche, das Geld wird knapp, da sollte langsam mal der Bonus seines "stark leistungsbezogenen" Vertrags vom VfL ausgezahlt werden. Wir hatten uns einst als objektive Treuhänder bereit erklärt, die Höhe der fälligen Bonuszahlungen festzusetzen. Im Laufe der wechselhaften Zeit Krissens in Gladbach ist der Topf immerhin auf nicht zu verachtende €36,76 angestiegen. Nun sollte das Geld auch auf dem Konto des Familienvaters Lisztes landen.

Da Borussia bisher nicht überwiesen hat, begann Lisztes über die Medien Druck zu machen, insbesondere die lieben Kollegen von der Seitenwahl machten (auch auf diesem Blog) auf die überfällige Auszahlung aufmerksam. Nun ist es nicht an uns, das Geld herauszurücken, aber ein Anruf von uns bei Peter Pander, ein kurzer Smalltalk mit Präsident Königs, und die Sache war geregelt.

Von der schnelle Lösung der monetären Missstimmung begeistert, zeigte sich Kris generös. Er machte es Warren Buffett gleich und spendete 85% seines Vermögens der Bill-Gates-Stiftung, das sind beachtliche €31,25 (aufgerundet). Gates zeigte sich bereits dankbar und voller Demut: "Die Welt braucht Menschen wie Warren, Krisztian – und vor allem mich."

Für uns findet damit ebenfalls ein Kapitel selbstloser Aufopferung ein Ende, wir stellen unser Chronistendasein der Lisztes'schen Leistung ein und entfernen den Bonus-Counter nächste Woche von unserer Seite. Mögen unser Leser ebenso großherzig sein wie der Ungar, der sich trotz seiner vielen Verletzungen das Gespür bewahrt hat für die, denen es noch schlechter geht als ihm.

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Donnerstag, Juli 06, 2006

empfehlung #27: frech werden

„Herrschaften,
vorhin im Flur habe ich wieder einmal diesen Mokel getroffen, der sich bei uns Geschäftsführer nennt. Und sogleich dachte ich an Sie alle, die versammelte Mischpoke, die diesem Mann den Rücken stärkt.“

So oder so ähnlich könnte man anfangen. Treiben Sie es mal wieder so richtig auf die Spitze. Werden Sie frech, und lachen Sie über die Warner und Kleinbeigeber. Lassen Sie es sich mal wieder richtig gut gehen. Im harmoniegeschwängerten, auf Freundlichkeit gekrempelten Deutschland dieser Wochen wird es uns doch wohl gelingen, ein bißchen Unmut zu sähen. Dieses WM-triefende Gemeinsamkeitsgewäsch ist schließlich nicht länger zu ertragen. Lassen Sie, ganz nach Belieben, auch Sentenzen dieser Art einfließen: „Sie kleinen Waschbären sind zwar alle zu arm, um sich ein Haus in Kalifornien leisten zu können, aber immerhin sind Sie genauso erfolglos wie Klinsi!“

Nie gab es einen besseren Zeitpunkt zum Frech werden. Am leichtesten geht das alles per E-Mail, aber auch das Firmenbriefpapier ward sicher lange nicht genutzt. Scheuen Sie sich nicht, grundlos persönlich zu werden, achten Sie aber darauf, dass Ihre Tiraden haarscharf nicht für eine fristlose Kündigung ausreichen. Schließlich wollen Sie sich nicht vorsätzlich um das spektakuläre innerbetriebliche Nachspiel bringen.

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Mittwoch, Juli 05, 2006

empfehlung #26: auf die bundesliga freuen

Erwartet jemand einen Satz zur WM? Etwas Aufbauendes vielleicht? Ein Plädoyer, dass Jürgen K. bleiben soll? Ein "die Arbeit war nicht umsonst, es ist beeindruckend was geleistet worden ist, darauf kann man aufbauen, diese Mannschaft wird in vier Jahren auf ihrem Höhepunkt sein, wer hätte das gedacht noch vor wenigen Monaten"? Geh, bitte, dann lesen Sie sich doch einfach irgendeine andere Zeitung oder Website durch. Dort finden Sie derlei zuhauf.

Unser knappes Fazit: Wer VfOli erst so spät bringt und VfMarcell gar nicht, der darf sich nicht beklagen, wenn er verliert. Traurig, fürwahr, aber wahr, fürwahr.

Nach bald vier Wochen Gekicke, das meist per definitionem kein Fußball war, ist es Zeit, sich auf die Bundesliga vorzufreuen. Gladbach startet mit einem Heimspiel in die Saison, Gladbach beendet die Saison mit einem Heimspiel und insgesamt können wir 34 Mal VfL in der ersten Spielklasse sehen. Darauf sollte man sich langsam eingrooven und vorfiebern, anstatt mit verheultem Deutschland-Makeup und hängendem Kopf durch triste Fußgängerzonen zu wandeln, in denen gestern am späten Nachmittag noch bedauernswerte Gestalten mit nacktem, fetten Oberkörper in jede zur Verfügung stehende Kamera hoffnunsgfroh "so sehen Sieger aus, so sehen Sieger aus" lallten.

Ob wir vielleicht am Ende der Bundesligasaison dann gern diesen Satz schreiben werden: "die Arbeit war nicht umsonst, es ist beeindruckend was geleistet worden ist, darauf kann man aufbauen, diese Mannschaft wird in vier Jahren auf ihrem Höhepunkt sein, wer hätte das gedacht noch vor wenigen Monaten"...?

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Dienstag, Juli 04, 2006

empfehlung #25: vfl sehen – marcell statt frings

Was wird nicht alles gerätselt, wer heute abend den gesperrten Frings ersetzen soll. Borowski, die "offensivere Variante"? Oder doch eher Kehl? Gar beide, wie der Kicker spekuliert?

Die offensichtlichste Lösung fällt wieder einmal keinem ein: Marcell Jansen! Unser Gladbacher Allrounder kann gleichermaßen Sturm wie Abwehr spielen, da ist es ihm auch wurscht, ob er die Außenbahn entlang hetzt oder zentral für Furore sorgt. Besser als der Rest ist er allemal.

Da aber Klinsmann kein Freund der sicheren Siege ist, sondern viel mehr als Fußballtrainer ein Dramatiker ist, wird es so nicht kommen. Und, wie immer, wird deshalb lange alles offen sein. Und, wie immer, wird gegen Ende ein VfLer kommen und alles in letzter Minuter richten. Wie schon einmal, und wie davor auch schon und eigentlich immer.

Es gäbe auch eine einfache Version. Aber so werden Marcell und Oli halt kompliziert Weltmeister. Schade nur um die sympathischen Italiener!

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Montag, Juli 03, 2006

empfehlung #24: kay-sölve anschmachten

Wenn überall die Ferienstimmung einsetzt, dann sollten gerade Menschen, die Urlaub haben, nicht vergessen: Andere müssen noch arbeiten. Über die schädlichen Auswirkungen einer Erwerbstätigkeit ließen sich ganze Bücher schreiben (und sie sind ja auch schon geschrieben worden – unser Tipp: "Anleitung zum Müßiggang" von Tom Hodgkinson). Da es nun aber doch sein muss, braucht man Trostinseln und Rituale, die den Arbeitstag erträglich machen.

Das erste Ritual ist in der Regel das Zu-lange-im-Bett-liegen-
bleiben, das Den-Wecker-noch-einmal-auf-Schlummerfunktion
-würgen, das Dann-gehetzt-unter-der-Dusche-zittern, das Schnell-einen-Espresso-und-eine-Portion-"Special K"-stürzen. Der einzige Trost in dieser trostlosen Praxis bietet sich in ZDF-Morgenmagazinwochen. Gerade in diesen Wochen ist man der Seelenpflege und Erbauung auch besonders bedürftig, sind sie doch allzu oft Cherno Jobatey-Wochen, in denen der Tag mit kenntnislos gequäkten Simulationen von Journalismus beginnt, mit dem Anblick dieses "nichtswürdigen Nichts", wie ihn Götz Alsmann einst treffend beschrieb.

Aber dann. Dann kommt zur vollen und zur halben Stunde – sie! Die Bezaubernde, die oft schelmenhaft Lächelnde, die frühmorgens manchmal noch leicht Zerzauste, die mal bebrillt Lehrerhafte, mal kontaktbelinst Kesse. Sie, die stets so mit Ben Wettervogel einen Flirt andeutet, dass der Zuschauer weiß: Eigentlich bin ich gemeint! Sie – Kay-Sölve Richter, die liebreizendste Nachrichtendame seit der Erfindung von Dagmar Berghoff.

Kay-Sölve-Richter-Wochen sind Wochen, in denen ich gern aufstehe. Sie paart journalistische Kompetenz mit Wortwitz, präsentiert die Nachrichten mit dem unausgesprochenen Einverständnis, dass so früh am Morgen ohnehin niemand wirklich hinhört und ein kleiner Kalauer am Schluss doch lebenswichtiger ist als die Frage, wie lange Merkel in der Nacht mit Kurt Beck Händel betrieben hat. Sie ist ein Vorbild der guten Laune am frühen Tag, doch stets mit dem Unterton, dass sie eigentlich lieber im Bett liegengeblieben wäre (wie auch wir). Kay-Sölve, Danke, dass es Dich gibt! Wir sehen uns morgen, so gegen acht.

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Sonntag, Juli 02, 2006

empfehlung #23: in alten zeiten schwelgen

Was sich schon länger ankündigte, ist endgültig klar: Thomas Broich war ein VfLer. Jetzt ist er es nicht mehr. Er bleibt ein sympathischer Zeitgenosse, und im Grunde muss man ihm dankbar sein, dass er sich eine Klasse tiefer dafür ins Zeug legt, dass wir bald wieder in der Bundesliga gegen Köln gewinnen dürfen.

Etwas traurig ist dieser Wechsel dennoch. Schließlich hätten wir gern gesehen, wie er sich unter Jupp Heynckes zum Leistungsträger entwickelt. Die Hauptsache für ihn ist, dass er das Unmögliche möglich macht und in Köln glücklich wird. Die Hauptsache für die Borussia ist, dass dieser Wechsel nicht als erstes Anzeichen verfehlter Personalpolitik unter Heynckes missverstanden wird.

Wie dem auch sei: Was der VfL an Broich hatte, das darf man sich heute noch einmal vor Augen führen. Dafür muss man gar nicht so weit sehen, denn im März noch hat er uns Rede und Antwort gestanden.

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Samstag, Juli 01, 2006

empfehlung #22: portugiesischen wein trinken

Portugal ist ein genau so schönes Land wie Frankreich. Es ist immer angenehm warm, es gibt Berge und Meer, eine wunderschöne Hauptstadt, und auch die Portugiesen sind entspannte Zeitgenossen, die sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen und die wissen, das Müßiggang der Sinn des Lebens ist.

Nur ganz selten schwingen sich empor und schlagen Schlachten, nur wenn es sich nicht verhindern lässt. Und wenn der Gegner, der Feind, hinreichend unsympathisch ist. Heute hat Portugal einen wunderbaren Kampf gewonnen, aber die Schönheit, die Eleganz dieses Sieges wird erst deutlich, wenn man umgekehrt formuliert: Heute hat England mal wieder ein wichtiges Spiel verloren.

Danke, Portugal. Traurige Fans von der Insel, Tore ins Herz der Engländer, bestensfalls dann, wenn diese - als Zeichen vermeintlicher Stärke - mal wieder ihre Nationalhymne auf den Rängen zelebrieren, verschossene Elfmeter im Angesicht der eigenen Unzulänglichkeit - was gibt es Schöneres! Wieder wähnten sich die Engländer als designierter Weltmeister, wieder fahren sie frühzeitig heim.

Fußballgott, du bist wunderbar! Du warst es auch, der dem Schiedsrichter beim vorentscheidenden Elfmeter die Chuzpe verlieh, einen bereits verwandelten englischen Strafstoß wiederholen zu lassen und auf diese Weise einen neuen Versager zum Leben zu erwecken. Mögest Du den Thommys nun die Kraft geben, ihre altbekannten Klagelieder anzustimmen, ihr larmoryantes Selbstmitleid auszuleben. Sicher, ihnen ist übel mitgespielt und sie sind benachteiligt worden, zu Unrecht ausgeschieden, waren die bessere Mannschaft, werden von den Schiedsrichtern nicht gemocht usf.

Wieder einmal macht uns dies alles große Freude. Und diesmal verdanken wir es - den Portugiesen. Nichts von alldem Schönen, für das Portugal steht, können wir so ohne weiteres haben. Aber ein Fläschchen portugiesischen Wein gibt es in jedem Supermarkt. Vielleicht sogar auch eine Forza-Euro 2004-CD. Machen Sie es sich gemütlich. Prost!

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Freitag, Juni 30, 2006

vfoli leitet sieg ein

Danke!

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empfehlung #21: vfl sehen und weghören!

Alle sind gespannt. Jetzt ist es an der Zeit, dieses knisternde Gefühl, diese Mischung aus Vorfreude, Nervosität, Unsicherheit, die in Siegesgewissheit umkippt um kurz darauf von Angst abgelöst zu werden, diesen emotionalen Ausnahmezustand in Worte zu fassen. Beliebt wäre etwa das Bild von der "Achterbahnfahrt" der Gefühle, für die Anspannung zitiert man gern die berühmte Stecknadel, die man fallen hören könne.

Allein, man kann keine Stecknadel fallen hören. Vielmehr hört man Xavier Naidoo, und zwar so laut, dass Jens Nowotny den Pegler runterdreht. Aber Poldi dreht dann wieder auf. So geht es zu in der deutschen Kabine, wie man heute in der Süddeutschen, die den verantwortlichen DJ Asamoah interviewte, lesen kann.

Xavier Naidoo! Ich fasse es nicht! Ob VfOli und VfMarcell jemals wieder Fußball spielen können, wenn Sie aus diesem Höllencamp zurückkehren? Diese schwulstige Gesinnungsmucke, den plärrenden Heuler mit den plattesten Texte, er ist der musikalische Motivator des deutschen Teams. Ich muss mir sehr ernsthaft überlegen, ob ich heute Abend nicht doch für Argentinien sein muss.

Ansonsten ist aber alles bestens in Deutschland. Toni Polster jedenfalls, kompetenter VfLer ehrenhalber, befindet heute in einer Kolumne in der Wiener Gratis-Zeitung WM-Live: "Heute hat Deutschland mit seiner dunklen Vergangenheit endgültig abgeschlossen." Toni Polster war wohl nicht umsonst immer ein Stürmer.

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Donnerstag, Juni 29, 2006

empfehlung #20: stadien schrumpfen!

So eine WM ist was Feines. Zum Beispiel für die FIFA. Oder für das Gastgeberland, das durch so eine Großveranstaltung ein wahres Konjunkturprogramm erfährt. Stadien werden gebaut, U-Bahnen verlängert, Autobahnen verbreitert und während des Festes kommen die Brauereien kaum mit der Produktion nach.

Aber dann? Dann versinkt das Land wieder in die Depression, wirtschaftlich wie mental. Auch ein WM-Titel für Deutschland würde diese notwendige Entwicklung nur verzögern, nicht aber verhindern. Cleverer ist man hier in Österreich, das gemeinsam mit der Schweiz die EM 2008 ausrichten wird. Dort wird zum Beispiel das erst vor drei Jahren eröffnete Salzburger Stadion Wals-Siezenheim von 18.800 auf 30.000 Plätze vergrößert. Für die EM, klar. 20 Millionen Euro lässt man sich diese Erweiterung kosten. Und man denkt heute schon weiter: Nach der EM wird das Stadion wieder auf seine ursprüngliche Größe geschrumpft. Die Konjunktur brummt also weiter, selbiges ist für Innsbruck und Klagenfurt geplant. Dortmunder, Kölner, holt schon mal die Spaten raus! Ab dem 9. Juli sollte sich auch in Deutschland niemand zu schade sein, die Stadien und Arenen aller falschen Borussias und rheinischer Provinzclubs auf eine angemessene Größe zu verkleinern.

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Mittwoch, Juni 28, 2006

empfehlung #19: französischen wein trinken

Frankreich ist ein schönes Land. Es kann mit einigen Highlights aufwarten: Tollen Bergen zum Beispiel und Meer, warmem Klima im Süden, ordentlichem im Norden. Frankreich ist seit Jahren Austragungsort der Tour de France. Und in der französischen Gesellschaft gibt es noch Solidarität, die man dort Brüderlichkeit nennt. Wenn in Frankreich irgendeine Berufsgruppe steikt und nach höheren Löhnen oder besseren Arbeitsbedingungen ruft und wenn dann nichts mehr geht, dann haben alle Verständnis dafür. Frankreich ist ein kleines Stück Paradies.

Frankreich hat außerdem eine tolle Fußballnationalmannschaft. Wir gucken zwar abseits der VfL-Spiele keine WM, trotzdem hat uns die frohe Kunde erreicht, dass Frankreich gestern Abend gegen Spanien gewonnen hat. Wie herrlich! Schließlich gibt es nichts Schöneres, als enttäuschte spanische Fußballer, die möglichst noch anfangen zu weinen, weil es, ach wie traurig, wieder nicht geklappt hat bei einem großen Turnier. Diese stets wiederkehrende Tristesse bei den sich Jahr für Jahr erneut selbst zum Titelkandidaten erklärenden Spaniern ist einfach große Klasse. In diesem Jahr danken wir dafür - den Franzosen.

Nichts von alldem Schönen, für das Frankreich steht, können wir so ohne weiteres haben. Aber ein Fläschchen französischen Wein gibt es in jedem Supermarkt. Vielleicht sogar auch eine Chopin-CD. Machen Sie es sich gemütlich. Prost!

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Dienstag, Juni 27, 2006

empfehlung #18: joggen

Es ist warm im Land, jedenfalls mancherorts. Anderswo ist es stürmisch, immer mal wieder regnet es. Dennoch: Heute ist der perfekte Tag, den persönlichen Fitnessplan 2006/07 anzugehen und mit dem Training zu starten. Fangen Sie mit leichtem Jogging an!

Morgen nämlich beginnt die Saisonvorbereitung beim VfL. Trainer Pele Wollitz hat den Kader für die kommende Saison zusammen. Er bittet seine 23 Schützlinge um 14 Uhr zum ersten Training auf die Illoshöhe. Wenn Sie also bald Höchstleistungen auf der Arbeit bringen, die Lila-Weißen aber den Saisonstart verschlafen sollten, können Sie sich vortrefflich als Meckerer hervortun, frei nach dem Motto: "Wenn die nur einen Tag eher mit der Vorbereitung angefangen hätten, so wie ich... Wenn die nicht so faul wären, dann würden die jetzt auch besser sein, so wie ich!"

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Montag, Juni 26, 2006

empfehlung #17: holundersirup

Ein Mischgetränk aus sechs Teilen eiskaltem Sprudelwasser und einem Teil Holundersirup ist wahrlich eine köstliche Erfrischung in diesen heißen Tagen.

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Sonntag, Juni 25, 2006

empfehlung #16: ein gedicht aufsagen

Wie schön, sich an Gedichte zu erinnern, die man einmal in der Schule lernen musste! Prometheus zum Beispiel noch in Klasse 12, aber das ist an dieser Stelle vielleicht zu starker Tobak. Mit Rücksicht auf die aktuellen Ereignisse in diesem Land gereichen wir lieber eines aus dem Sturm & Drang. Natürlich von Goethe. Es geht so:

Früh, wenn Tal, Gebirg und Garten
Nebelschleiern sich enthüllen,
und dem sehnlichsten Erwarten
Blumenkelche bunt sich füllen.

Wenn der Äther, Wolken tragend,
mit dem klaren Tage streitet,
und ein Ostwind, sie verjagend,
blaue Sonnenbahn bereitet.

Dankst du dann, am Blick dich weidend,
reiner Brust der Großen, Holden,
wird die Sonne, rötlich scheidend,
rings den Horizont vergolden.

Und an was erinnern Sie sich? An den Bundestrainer der Euro 2000? Oder an ein anderes? Denken Sie nach! Und dann auf den Hosenboden gesetzt und aufgesagt.

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Samstag, Juni 24, 2006

empfehlung #15: vfl sehen!

Haben Sie es gesehen? Eben, in der 3. Spielminute und dann noch einmal in der 11.? Olli sagte zu Marcell: "Sag dem Poldi mal, dass er abziehen soll. Der wartet immer so lange!" Eine Minute später rief Marcell zu Poldi: "Schieß, du Sau!"

Zur Halbzeit steht es 2:0 für Deutschland. Auf Sat. 1 kommt jetzt übrigens "K11 - Kommissare im Einsatz", und Phoenix zeigt die "Todesboten aus Alamut".

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