Freitag, 14. Juli 2006

"wenn du verlierst, taugst du als mensch nichts!"

Der zweite Teil des VfLog-Interviews mit VfL-Coach Claus-Dieter Wollitz. (Teil 1 | Teil 3 | Teil 4)

Dann ging es von Schalke nach Leverkusen und von Leverkusen nach Osnabrück. Wie war das damals? Wie sind Sie zum VfLer geworden?

Schalke war damals mein erstes Jahr Profifußball. Unglaublich, wie das gelaufen ist, dass ich direkt Stammspieler geworden bin und eine sehr, sehr gute Serie gespielt habe. Dann bekam Schalke aber finanzielle Probleme und hat mich nach Leverkusen verkauft. Das war, nachdem 1988 Holland unter Rinus Michels Europameister hier in Deutschland wurde. Michels wechselte dann nach Leverkusen. Es ist natürlich nach einem Jahr Profifußball eine Ehre, unter so einem Trainer spielen zu dürfen, und deshalb bin ich gern dorthin gegangen.
Ja, und dann habe ich einen Riesenfehler gemacht, dass ich nach einem Jahr in Leverkusen die Segel gestrichen habe, obwohl ich einen Vier-Jahres-Vertrag hatte. Ich wollte eben unbedingt spielen. In Osnabrück war dann Schafstall Trainer, der ja auch schon mein Coach in Schalke war, deswegen bin ich nach Osnabrück gewechselt. Jetzt im Nachhinein war Osnabrück für meine Entwicklung mit Familie und drei Kindern unglaublich wichtig. Es war hier super möglich, ein reiferer Spieler zu werden. Aber sportlich gesehen, mit den Möglichkeiten, die ich eigentlich hatte, hätte ich das in Leverkusen durchziehen müssen und dort ein bißchen mehr auf die Karte Geduld setzen sollen. Das habe ich leider nicht getan.

Insgesamt waren es dann einige Stationen als Spieler – unter anderem mit zwei Abstiegen und einem DFB-Pokal-Sieg. Was war denn die schönste Station in Ihrer Karriere?

Ich habe mich grundsätzlich eigentlich überall sehr wohl gefühlt. Sehr, sehr schön waren sicherlich die vier Jahre Osnabrück. Krefeld aber auch, weil wir da neun Jahre lang gewohnt haben. Da war ich Spieler, bin nochmal nach Köln gewechselt und hab dann meinen Trainereinstieg in Krefeld gefunden, das war auch toll.
Ich hab auch ein sehr schönes Jahr in Wolfsburg gehabt, weil wir als Außenseiter ins DFB-Pokalfinale gekommen sind und eine unglaubliche Serie gespielt haben. Wenn man das 1995 gesehen hat, dann ist damals eigentlich so richtig entstanden, was Wolfsburg jetzt ist. Ich war Kapitän der Mannschaft. Als neuer Spieler von Hertha da hin zu kommen und direkt Kapitän zu werden, das war auch unglaublich. In Wolfsburg war einfach toll, wie da eine Mannschaft von ihrem Zusammenhalt gelebt hat, von einem unglaublichen Charakter, von dem Willem, was zu erreichen.
Aber auch Kaiserslautern war sehr, sehr angenehm, weil ich da mit Weltklassespielern gespielt habe, wie Andreas Brehme und den beiden Tschechen Kadlec und Kuka, die seinerzeit sehr, sehr gut waren. Auch in Köln nochmal zu spielen unter Bernd Schuster und Ewald Lienen – da hab ich schon einiges erlebt.

Erinnern Sie sich an das Spiel Ihres Lebens? Ein Spiel, von dem Sie sagen: "Da war ich echt stark!"

An was kann ich mich erinnern? Ich hab mal das Tor des Monats im Europapokal geschossen, aus 40 Metern, mit Kaiserslautern gegen Bratislava. Das ist natürlich ein Highlight, das nicht so viele schaffen. Ich hatte eben das Glück, dass sich keiner angeboten hatte, dann hab ich einfach draufgeschossen – und der Ball landete im Tor. Sonst hab ich als Spieler erst relativ spät eine gewisse Konstante in meiner Leistung gefunden, so mit 27, 28. Ich glaube, so mit 28 waren schon viele Highlights dabei.

Sie haben unter vielen verschiedenen Trainern gespielt. Schafstall, Michels, Schuster und Lienen haben wir schon gestreift. Von wem haben Sie am meisten gelernt?


Grundsätzlich lernt man von jedem etwas. Wissen Sie, ich mag dieses Passive nicht, ich mag dieses Zurückhaltende nicht, ich will das Selbstbestimmende auf dem Platz und versuche auch, meine Spieler davon zu überzeugen. Zum Beispiel der Rinus Michels. Was das angeht, war der unglaublich. Immer versucht er, seine Mannschaft dahin zu bringen, dass die das Spiel bestimmen.
Ich finde Ewald Lienen hat außergewöhnliche Qualitäten. Lienen wird leider sehr verkannt in Deutschland, er wird in eine Schublade reingesteckt, die dieser Mann überhaupt nicht ist. Für mich ist das ein absolut professioneller Fußballfachmann, ein Kenner, der unglaublich gut analysieren kann.
Zu Jürgen Gelsdorf habe ich eine sehr, sehr enge Bindung, weil er in Uerdingen nochmal mein Cheftrainer wurde. Er hatte so eine Gabe, dass er bei gewissen Spielern mit seiner Art einfach im tiefsten Herzen ankam, und die haben das auf dem Platz mit einer außergewöhnlichen Leistung zurückgegeben. Das hat Gelsdorf verstanden wie ganz wenige.
Lienen und Gelsdorf sind Menschen, die ich nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb des Platzes sehr schätze. Die interessieren sich nicht nur für den Spieler als Fußballer, sondern auch für den Spieler als Menschen, und das ist sehr beeindruckend. Man hat das Gefühl gehabt, dass das erste, was zählt, der Mensch ist und nicht der Spieler. Das finde ich sehr positiv.

Haben Ihnen Ihre viele Stationen und Erfahrungen als Spieler besonders geholfen, als Sie Trainer wurden?

Diese vielen unterschiedlichen Typen, unterschiedlichen Charaktere und unterschiedlichen Strukturen in den Vereinen sind mir sicherlich zugute gekommen, den Trainereinstieg unter schwersten Voraussetzungen zu meistern. Uerdingen war damals total pleite, innerhalb der sechs Wochen Saison-Vorbereitung fing es schon an, dass die nicht mehr bezahlen konnten. Am Ende waren sie völlig zahlungsunfähig. Aber wir hatten eine Mannschaft, die in der Rückrunde aus 14 Spielen 29 Punkte geholt hat. Das war unglaublich! Ähnlich war es auch hier in beim VfL. Osnabrück hatte damals eine sehr, sehr verkorkste Saison hingelegt, war aus der 2. Liga abgestiegen. Sich als junger Trainer dann den Umbruch zuzutrauen, bis auf zwei Spieler, die eine hohe Identifikation mit dem VfL haben, eine komplette Mannschaft auszuwechseln, das ist nicht eben selbstverständlich. Mit dem Jo Enochs und dem Wolle Schütte da was neues anzufangen, das war sehr beeindruckend.

Mittlerweile sind Sie im vierten Trainerjahr angekommen. Was ist noch Traumjob, wo nervt es?

Eigentlich ist immer noch alles Traumjob. Was nervt, aber das wird wahrscheinlich jeder Trainer sagen, ist, dass du nach jedem Spiel neu beurteilt wirst. Wenn du verlierst, taugst du als Mensch nichts. Das finde ich einfach nicht richtig, weil sich hinter jeder Geschichte ein Mensch verbirgt. Der Mensch ist eigentlich das wichtigste, was wir auf dieser Welt haben. Klar macht man nicht immer alles richtig, und es ist wichtig, dass man kritisiert wird, damit man sich selbst hinterfragt. Das ist alles korrekt. Aber man sollte nicht ins Persönliche gehen, und man sollte nie die Achtung vor dem Menschen verlieren, wenn man sich auseinandersetzt. Im Fußball ist das nach Niederlagen sehr oft anders, und das finde ich bedauerlich. Ich kann auf der einen Seite die Leute verstehen, dass sie enttäuscht sind, wenn der VfL verliert und man viel für den Verein opfert – gerade speziell Jugendliche und Studenten und Lehrlinge, und dann besonders auch Arbeitslose, die ihr letztes Hemd und ihren letzten Cent für den VfL sparen und auf Urlaub verzichten und so. Das weiß ich alles. Aber es gibt, auf die Regionalliga bezogen, 19 Vereine. Zwei können nur aufsteigen und fünf müssen leider absteigen. Einige Vereine werden ihre Ziele also nicht erreichen, und ich glaube, dass man das auch mal zu akzeptieren hat. Wenn man kritisiert, sollte man vorher eine Analyse machen, was gut war und was schlecht war. Alles andere finde ich einfach ein bißchen oberflächlich, und ich bin nicht oberflächlich. Deswegen ist das manchmal sehr verletztend.

Lesen Sie Montag, warum Spieler immer Druck brauchen, dass der VfL eigentlich hätte absteigen müssen und wie es ist, mit 13 Spielern zu trainieren.

Donnerstag, 13. Juli 2006

doppelt hält besser: sportschau zeigt beide vfls

Jetzt ist es perfekt: Schon ab der kommenden Saison zeigt die ARD-Sportschau vor der Bundesligasendung 20 Minuten Regionalliga! Von 18:10h bis 18:30h gibt es Ausschnitte der spannendsten Spiele, leider auch aus der Regionalliga Süd.

Das prompte Engagement der Sportschau geht nicht zuletzt auf das kameradschaftliche Werben und das unverhohlene Schleichwerben des VfLog zurück. Nun haben es die Wollitz-Kicker selbst in der Hand: Spielt der VfL gut und bestenfalls oben mit, dann werden künftig Fußballfans in ganz Deutschland das ein oder andere lila-weiße Feuerwerk bestaunen.

Das Potenzial dafür sollte das Team haben. Das Gerüst der letzten Spielzeit steht weiter, und das ist gut so. Hinten mit de Jong und Schanda, mit Enochs und Nouri im Mittelfeld und im Sturm mit Menga, Feldhoff und Reichenberger steht ein Grundgerüst, das ohne Frage das eines Spitzenteams in der Regionalliga ist. Zur neuen Saison hat Pele Wollitz den Kader verbreitert. Wenn einige der Neuverpflichtungen einschlagen, dann könnte nächste Saison in Osnabrück die Post abgehen. Heute Abend spielt der VfL erst einmal gegen Preußen Lengerich. Ab August werden die Gegner dann schwerer.

Mittwoch, 12. Juli 2006

"das hat für mich nichts mit sport zu tun!"

VfLog-Interview mit Claus-Dieter "Pele" Wollitz

Er war auch zu aktiven Spielerzeiten nie unumstritten, aber auch damals schon hatte er selten ein Problem damit. Claus-Dieter Wollitz wandelte schon, als er noch selbst auf dem Platz stand, zwischen pomadigem Wahnsinn und mitreißendem Genie. Mal verwandelte er Freistöße wie im Tiefschlaf und spielte die entscheidenen tödlichen Pässe, und mal eben nicht. Als VfL-Trainer will der, den sie Pele (wohlgemerkt mit der Betonung auf der ersten Silbe, nicht brasilianisch auf der letzten) nennen, konstant gut sein. Dennoch geriet er in der vergangenen Saison massiv in die Kritik. Das hat ihn getroffen - und noch mehr motiviert. Wollitz will weiterhin offensiven Angriffsfußball spielen lassen, weil alles andere Käse sei.
Wir sprachen mit ihm vor dem ersten Testspiel gegen Haste über seine eigene aktive Zeit, über seine Erlebnisse als junger Trainer, die Diskussionen um seine Person, die vergangene verkorkste VfL-Saison, seine Fußballphilosophie, seine Leidenschaft zum Fußball und zu einer guten Flasche Wein. Im ersten Teil des Gesprächs, den wir heute veröffentlichen, geht es um den kleinen Claus-Dieter, der sich mir nichts dir nichts im Gelsenkirchener Parkstadion wiederfand. (Teil 2 | Teil 3 | Teil 4)

Bevor wir später ausführlich zum VfL kommen, starten wir mal mit ein paar Fragen zu Ihnen persönlich. Sie sind in Brakel in Nordrhein-Westfalen geboren worden. Wie hat denn der kleine Claus-Dieter damals zum Fußball gefunden?

In meiner Familie sind einfach alle Fußballer. Brakel ist zwar ein kleiner Ort, trotzdem gab es sehr, sehr viele in meinem Alter, die auf der Straße kickten. Da gab’s noch diese Straßenmeisterschaften, wo die Siedlungen gegeneinander gespielt haben. Ich war damals sehr klein, und ich war immer der jüngste, aber ich hatte schon ein gewisses Talent, deswegen durfte ich bei den Älteren mitspielen. Ich hab von morgens bis abends Fußball gespielt. Ich komme zwar aus einem gut-bürgerlichen Elternhaus, aber was den Fußball angeht, bin auf der Straße groß geworden. Für mich gab’s nur das. Und irgendwie habe ich dann ja auch den Weg in die Bundesliga geschafft.

Alle guten Spieler mussten früher in der Jugend immer Libero spielen, weil man bei denen sicher sein konnte, dass die hinten nichts anbrennen lassen. War das bei Ihnen auch so?

Nee, überhaupt nicht. Ich habe eigentlich nie im Defensivbereich gespielt. Im Prinzip nur später in der Bundesliga, in Köln. Sonst habe ich immer offensiv gespielt, offensives Mittelfeld, ganz oft sogar auch Stürmer.

Und was der Lieblingsverein als Kind?


Wie bei so vielen auch: Bayern München. Früher gab’s ja noch diese Taschenbücher von Rummenigge, Breitner, Beckenbauer - die hab ich natürlich auch alle gelesen. Und wenn ich jetzt noch Bundesliga gucke oder Europapokal, wünsche ich das dann auch immer Bayern München, weil ich das anerkenne, dass sie über 30, 40 Jahre oben in der Spitze der Bundesliga ohne große Skandale kontinuierlich ihren Weg gegangen sind. Sie sind finanziell unglaublich abgesichert und können auf einem Top-Niveau spielen. Es gibt viele Vereine, die das kurzfristig schaffen, sich dabei aber so hoch verschulden, dass sie die Existenz und die Tradition auf’s Spiel setzen. Das ist nicht der Weg, den ich so gut finde.

Was das angeht, gibt es ja auch in der Regionalliga gute Beispiele.

Ja, es gibt überall genug Beispiele, wenn Sie bedenken, dass vor Jahren schon Nürnberg einmal in den UEFA-Cup gekommen ist. Aber da weiß man, dass das nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Wenn ich richtig informiert bin, sind dort sogar einige ins Gefängnis gegangen. Dafür jedenfalls mussten dann andere Vereine absteigen. Das hat für mich mit Sport nichts zu tun, das hat nichts mit Respekt oder mit Korrektheit zu tun. Ich finde, dass dann die Strafen auch drastischer sein müssten als sie es schon sind. Ein gewisses Risiko sollte jedem Verein vorbehalten bleiben, damit man gewisse Ziele erreichen kann, damit man eine gewisse Tradition aufrecht erhalten kann. Aber ich finde, dass man in den Planungen schon so arbeiten sollte, dass ich das, was ich einnehme, auch nur wieder ausgeben kann. Und dann muss man auch die Öffentlichkeit so darüber informieren, dass eben mehr nicht möglich ist. Das Problem ist, dass der Druck in manchen Städten oder Vereinen sehr, sehr groß ist, weil es dort immer Gremien gibt oder, meistens in Traditionsvereinen, viele ehemalige Spieler, die zu wissen meinen, wie das heutzutage zu gehen hat. Diese Störfaktoren beeinflussen im negativen Sinne einige Vereine.

Wenn wir uns die furchtbare Welt vorstellen, in der Fußball nie erfunden worden wäre, was wären Sie dann heute?

Och, da möchte ich mich gar nicht mit beschäftigen. Dann würde mir persönlich was fehlen. Ich bin sehr, sehr leidenschaftlich, was diesen Sport betrifft, ich führe den mit unglaublich viel Liebe und Herz aus. Mir sind auch nicht 18 Stunden zu viel, sondern ich könnte 24 Stunden dafür hergeben. Natürlich braucht man zwischendurch seine Ruhepause, aber ich habe, was das betrifft, sehr, sehr viel Energie und versuche das jetzt auch immer an meine Mannschaft zu vermittteln.

Was habe Sie denn nach der Schule gemacht damals?

Ich hab dann in Brakel Zimmermann gelernt. Dann kam eines Tages Rudi Assauer, und der hat mir einen Vertrag gegeben. Ich wurde Profi bei Schalke 04, seitdem bin ich in diesem Zirkus Fußball. Natürlich bin ich dafür sehr dankbar, weil Fußball eben das ist, was viele gerne zum Beruf machen möchten. Aber vielen fehlt dann dieses Talent, das man schon in die Wiege gelegt bekommt. Ich hatte das Glück.

Lesen Sie Freitag, warum Osnabrück eigentlich ein Fehler war, wie man aus 40 Metern ein Tor des Monats schießt und warum Ewald Lienen ein außergewöhnlicher Trainer ist.

Dienstag, 11. Juli 2006

die wm im vflog

Sie ist vorbei - die offizielle FIFA-WM-TM 2006 in Deutschland. Allein: Für uns war nur selten Fußball. Meist gab es allen Grund, sich die Zeit zu vertreiben. Unsere Empfehlungen hier noch einmal alle auf einen Schlag!

Wegschauen |
Schriftsteller werden |
VfL sehen! #1 |
Hartmann huldigen |
VfL sehen! #2 |
Ausschlafen |
Neuzugang verpflichten |
VfL sehen #3 |
Schluss machen |
Ins Hallenbad gehen |
VfL sehen! #4 |
SV ARD anfeuern |
VfL sehen! #5 |
Esterházy |
VfL sehen! #6 |
Ein Gedicht aufsagen |
Holundersirup |
Joggen |
Französischen Wein trinken |
Stadien schrumpfen |
VfL sehen #7 und weghören! |
Portugiesischen Wein trinken |
In alten Zeiten schwelgen |
Kay-Sölve anschmachten |
VfL sehen #8 - Marcell statt Frings |
Auf die Bundesliga freuen |
Frech werden |
Generös sein |
Endlich richtig VfL sehen |
Auf die Regionalliga freuen |
Schluss: Mehr Licht |
Und als Bonbon: Weltexklusiv: Die Materazzi-Worte |

weltexklusiv: die materazzi-worte

Was ist nicht alles gerätselt worden, was Marco Materazzi wohl zu Weltwunder Zizou gesagt hat, dass der nach allen Regeln der Kunst die 12. rote Karte seiner Laufbahn beim Schiedsrichter beantragt hat. Eine abfällige Bemerkung über Zidanes Mutter, spekulierten die einen, doch die Süddeutsche Zeitung weiß zu berichten, das Materazzis Mutter selbst früh verstarb und ein solches Verbalfoul für den Italiener daher tabu sei. Nicht auszuschließen sei hingegen eine Beleidigung anderer Zidane'scher Familienmitglieder.

Die Frage lässt der Welt keine Ruhe, und angesichts der bekannt schweigsamen Art des Franzosen fürchtete man vielerorts schon, sie werde auf ewig offen bleiben. Ein Glück, dass wir einen engen Draht zu Materazzi haben, der bisher offiziell nur verlauten ließ, er sei "zuerst provoziert" worden. Uns vertraute er dann aber auch an, dass er Zidane aus der Fassung brachte, indem er ihn an das wohl größte Manko seiner Karriere erinnerte: "Cannes, Bordeaux, Turin, Madrid ist ja ganz nett, alter Zauberer – aber wieso hast Du eigentlich nie in Gladbach gespielt?"

Montag, 10. Juli 2006

empfehlung #31 und schluss: mehr licht!

30 Tage, eine ganze WM lang, haben wir nun unseren Lesern praktische Lebenshilfe gegeben, wie sie VfL-lose Tage erträglich gestalten können. Mal sollte Wein helfen, mal ein gutes Buch, mal sportliche Betätigung. Jetzt ist die WM vorbei, und auch wir hören mit unseren guten Ratschlägen auf und wenden uns den Mühen der Ebene zu, so wie es bald auch die Nationalmannschaft wieder tun muss, vor allem aber eben so, wie es unsere VfLs bereits jetzt in der Vorbereitung der nächsten Saison vormachen.

Das gute Leben, es führt über eine Straße namens VfL, soviel wissen unsere Leser ohnehin. Wer dennoch zum Abschluss unserer Empfehlungsorgie einmal mehr von unserem ausgesucht stilsicheren Geschmack profitieren will, dem sei zur Beschäftigung das unvergleichlich wunderbare Album "Lieder vom Ende des Kapitalismus" von Peter Licht empfohlen. Nach all dem Sportfreunde-Stiller-Tralala, dem spät-faschistoiden "Wer jetzt nicht geil drauf ist, ist ein Feind"-Geknödel eines Grönemeyer und dem triefenden Xavier Naidoo-Gehype sind sicherlich nur noch wenige Seelen in diesem Land zartfühlend genug, den Unterschied zwischen Scheiße und Musik auszumachen. Bei VfL-Fans haben wir Vertrauen.

Licht liefert zudem den perfekten Post-WM-Depressions-Bewältigungs-Song: Er heißt "Es bleibt uns der Wind" und singt trefflich vom Leben nach der großen Party: "Und was uns bleibt am Ende eines langen Abends, es bleibt, es bleibt, es bleibt, es bleibt uns der Wind." (Nicht zu vergessen die wunderbare Zeile: "Wer saufen kann, kann auch ausschlafen und den Tag in die Matratze drücken, bis ihm das Kissen an der Backe klebt." Womit wir wieder beim Lob des Ausschlafens wären.)

Auch darf man all den Schnarchnasen bei ARD, ZDF und RTL danken, dass sie ein perfektes Lied übersehen haben, mit dem sich jeder WM-Beitrag über die deutsche Nationalelf hätte unterlegen lassen, bis auch dieser tolle Song vom falschen Leben des deutschen Fernsehens zerstört worden wäre. So aber bleibt "Wir werden Siegen" unbefleckt, und man darf an schlechten Tagen durch die Straßen latschen und ihn still im Kopf singen voll Hoffnung, dass wir "mindestens siegen".

Es gibt auf diesem Album kaum ein Stück, das einem nicht auf die eine oder andere Art bezaubern kann. Das "Lied vom Ende des Kapitalismus" lässt sich nicht auf die Frage nach einer Alternative zu unserem deprimierenden Wirtschaftssystem ein, sondern singt einfach aus einer künftigen besseren Welt: "Hast Du schon, hast Du schon gehört, das ist das Ende. Das Ende vom Kapitalismus, jetzt ist er endlich vorbei." Wenn dann der Chor einstimmt "Vorbei, vorbei, vorbei, vorbei. Jetzt ist er endlich vorbei", wer möchte da nicht befreit einstimmen: "Der Kapitalismus, der alte Schlawiner ist uns lang genug auf der Tasche gelegen."

Kurzum: Dieses Album sollte man sich nicht entgehen lassen. Und sicherheitshalber auch mit dem Ankauf nicht zu lange zögern, sondern noch in diesem Leben zugreifen und genießen. Denn wahrscheinlich hat Licht recht, wenn er Konstruktivisten und Workaholics gleichermaßen ins Stammbuch schreibt: "Letztes Leuchtfeuer: Was Du nicht kannst, ist mehrere Leben führen, auf mehrere Schiffe gehen. Und das schenkt uns die treue Realität. Der Rest ist Hobby."

Sonntag, 9. Juli 2006

empfehlung #30: auf die regionalliga freuen

Ah! Hm! Bald ist die Zeit des Wartens vorbei und es geht wieder los. Bald laufen sie wieder, und zwar die richtigen. Keine Anfänger aus Südamerika, keine alternden Portugiesen. Und das alles nicht bei einem Weltturnier, das nur ganz, ganz selten Weltklassefußball bestaunen ließ. In wenigen Wochen beginnt wieder der lange, unvergleichlich wunderbare Regionalliga-Alltag, bei dem man Woche für Woche hoffen kann und bangen, bei dem man mitfiebern kann und auch warten muss. Auf das nächste Spiel von Lila-Weiß. Dieses Warten, ach, was vermisse ich das!

Das Warten auf den Saisonstart ist nämlich ein gänzlich anderes als das Warten während der Saison. Auf den Saisonbeginn warten schmerzt, langweilt irgendwann, es macht ungeduldig. Auf das nächste Spiel warten, langweilt nie. Es will schließlich genügend Zeit sein, alle Spielmöglichkeiten während der Woche dutzendfach durchzurechnen. In weniger als einigen Tagen ließen sich die verschiedenen Überlegungen, wie man vom letzten Spiel am besten ins nächste gehen sollte, gar nicht hinreichend anstellen, schließlich muss man zwischendurch auch noch arbeiten, essen, schlafen und bei 'normalen' Freunden darum buhlen, den Stauts der Zurechnungsfähigkeit nicht aberkannt zu bekommen.

Das alles geht bald wieder los, und die kleinen Appetizer - oder, um mit den Worten des künftigen Weltmeisters zu sprechen, Apéritifs - schmecken schon ganz köstlich. 15:2 im Testspiel gegen Lüstringen ist nicht das Eckenverhältnis, sondern das Endergebnis, und auch der ernst zu nehmende Test gegen Enschede wurde verdient mit 2:1 gewonnen.

Was noch fehlt und bis Anfang August da sein muss? Klar: Mehr Power, mehr Druck, mehr gemeinsames Spielverständnis , mehr Zielstrebigkeit. Und: Ein großes Interview mit Trainer Claus-Dieter Wollitz. Für letzteres sorgt der VfLog ab kommenden Mittwoch, wie gewohnt in vier Teilen.

Samstag, 8. Juli 2006

empfehlung #29: endlich richtig vfl sehen

Es hätte auch das Finale sein können, keine Frage. „Jürgen weiß selbst, dass wir jetzt wohl im Finale stünden, wenn Marcell und Oli gegen Italien von Anfang an gespielt hätten. Deshalb lässt er sich ja jetzt auch so lange Zeit mit der Entscheidung, ob er nach der WM weitermachen soll.“ Sagte Oliver Bierhoff heute Morgen auf Anfrage des VfLog.

Jürgen, mach dir nichts draus. Es muss doch nicht immer Berlin sein. Stuttgart ist auch schön. Die Stadt hat lange Jahre mit Erwin Teufel und Gerhard Meyer-Vorfelder zwei äußerst sympathische Gesichter gehabt, sie hat fast einen VfL und überhaupt: Stuttgart ist die Perle des ääh ganzen äh Landes ääh Baden-Württemberg. Darum sehen wir heute Abend gern zu, wie unsere Nationalmannschaft sich dort gegen Portugal ins Zeug legt.

Dann spielt auch Marcell Jansen, sogar von Beginn an. Das erste Mal. Jürgen Klinsmann will Spektakel, keine sicheren Siege, deshalb habenVfOli und VfMarcell so selten gespielt. Jetzt im letzten Spiel gilt es aber, den dritten Platz zu sichern. So gewährleisten die beiden, wenn sie schon nicht Weltmeister werden, zumindest ein standesgemäßes Ende dieses Welt-Turniers.

Freitag, 7. Juli 2006

empfehlung #28: generös sein

Langsam wurde Krisztian Lisztes ungeduldig. Er ist nicht mehr bei Borussia, sondern auf Vereinssuche, das Geld wird knapp, da sollte langsam mal der Bonus seines "stark leistungsbezogenen" Vertrags vom VfL ausgezahlt werden. Wir hatten uns einst als objektive Treuhänder bereit erklärt, die Höhe der fälligen Bonuszahlungen festzusetzen. Im Laufe der wechselhaften Zeit Krissens in Gladbach ist der Topf immerhin auf nicht zu verachtende €36,76 angestiegen. Nun sollte das Geld auch auf dem Konto des Familienvaters Lisztes landen.

Da Borussia bisher nicht überwiesen hat, begann Lisztes über die Medien Druck zu machen, insbesondere die lieben Kollegen von der Seitenwahl machten (auch auf diesem Blog) auf die überfällige Auszahlung aufmerksam. Nun ist es nicht an uns, das Geld herauszurücken, aber ein Anruf von uns bei Peter Pander, ein kurzer Smalltalk mit Präsident Königs, und die Sache war geregelt.

Von der schnelle Lösung der monetären Missstimmung begeistert, zeigte sich Kris generös. Er machte es Warren Buffett gleich und spendete 85% seines Vermögens der Bill-Gates-Stiftung, das sind beachtliche €31,25 (aufgerundet). Gates zeigte sich bereits dankbar und voller Demut: "Die Welt braucht Menschen wie Warren, Krisztian – und vor allem mich."

Für uns findet damit ebenfalls ein Kapitel selbstloser Aufopferung ein Ende, wir stellen unser Chronistendasein der Lisztes'schen Leistung ein und entfernen den Bonus-Counter nächste Woche von unserer Seite. Mögen unser Leser ebenso großherzig sein wie der Ungar, der sich trotz seiner vielen Verletzungen das Gespür bewahrt hat für die, denen es noch schlechter geht als ihm.

Donnerstag, 6. Juli 2006

empfehlung #27: frech werden

„Herrschaften,
vorhin im Flur habe ich wieder einmal diesen Mokel getroffen, der sich bei uns Geschäftsführer nennt. Und sogleich dachte ich an Sie alle, die versammelte Mischpoke, die diesem Mann den Rücken stärkt.“

So oder so ähnlich könnte man anfangen. Treiben Sie es mal wieder so richtig auf die Spitze. Werden Sie frech, und lachen Sie über die Warner und Kleinbeigeber. Lassen Sie es sich mal wieder richtig gut gehen. Im harmoniegeschwängerten, auf Freundlichkeit gekrempelten Deutschland dieser Wochen wird es uns doch wohl gelingen, ein bißchen Unmut zu sähen. Dieses WM-triefende Gemeinsamkeitsgewäsch ist schließlich nicht länger zu ertragen. Lassen Sie, ganz nach Belieben, auch Sentenzen dieser Art einfließen: „Sie kleinen Waschbären sind zwar alle zu arm, um sich ein Haus in Kalifornien leisten zu können, aber immerhin sind Sie genauso erfolglos wie Klinsi!“

Nie gab es einen besseren Zeitpunkt zum Frech werden. Am leichtesten geht das alles per E-Mail, aber auch das Firmenbriefpapier ward sicher lange nicht genutzt. Scheuen Sie sich nicht, grundlos persönlich zu werden, achten Sie aber darauf, dass Ihre Tiraden haarscharf nicht für eine fristlose Kündigung ausreichen. Schließlich wollen Sie sich nicht vorsätzlich um das spektakuläre innerbetriebliche Nachspiel bringen.

Mittwoch, 5. Juli 2006

empfehlung #26: auf die bundesliga freuen

Erwartet jemand einen Satz zur WM? Etwas Aufbauendes vielleicht? Ein Plädoyer, dass Jürgen K. bleiben soll? Ein "die Arbeit war nicht umsonst, es ist beeindruckend was geleistet worden ist, darauf kann man aufbauen, diese Mannschaft wird in vier Jahren auf ihrem Höhepunkt sein, wer hätte das gedacht noch vor wenigen Monaten"? Geh, bitte, dann lesen Sie sich doch einfach irgendeine andere Zeitung oder Website durch. Dort finden Sie derlei zuhauf.

Unser knappes Fazit: Wer VfOli erst so spät bringt und VfMarcell gar nicht, der darf sich nicht beklagen, wenn er verliert. Traurig, fürwahr, aber wahr, fürwahr.

Nach bald vier Wochen Gekicke, das meist per definitionem kein Fußball war, ist es Zeit, sich auf die Bundesliga vorzufreuen. Gladbach startet mit einem Heimspiel in die Saison, Gladbach beendet die Saison mit einem Heimspiel und insgesamt können wir 34 Mal VfL in der ersten Spielklasse sehen. Darauf sollte man sich langsam eingrooven und vorfiebern, anstatt mit verheultem Deutschland-Makeup und hängendem Kopf durch triste Fußgängerzonen zu wandeln, in denen gestern am späten Nachmittag noch bedauernswerte Gestalten mit nacktem, fetten Oberkörper in jede zur Verfügung stehende Kamera hoffnunsgfroh "so sehen Sieger aus, so sehen Sieger aus" lallten.

Ob wir vielleicht am Ende der Bundesligasaison dann gern diesen Satz schreiben werden: "die Arbeit war nicht umsonst, es ist beeindruckend was geleistet worden ist, darauf kann man aufbauen, diese Mannschaft wird in vier Jahren auf ihrem Höhepunkt sein, wer hätte das gedacht noch vor wenigen Monaten"...?

Dienstag, 4. Juli 2006

empfehlung #25: vfl sehen – marcell statt frings

Was wird nicht alles gerätselt, wer heute abend den gesperrten Frings ersetzen soll. Borowski, die "offensivere Variante"? Oder doch eher Kehl? Gar beide, wie der Kicker spekuliert?

Die offensichtlichste Lösung fällt wieder einmal keinem ein: Marcell Jansen! Unser Gladbacher Allrounder kann gleichermaßen Sturm wie Abwehr spielen, da ist es ihm auch wurscht, ob er die Außenbahn entlang hetzt oder zentral für Furore sorgt. Besser als der Rest ist er allemal.

Da aber Klinsmann kein Freund der sicheren Siege ist, sondern viel mehr als Fußballtrainer ein Dramatiker ist, wird es so nicht kommen. Und, wie immer, wird deshalb lange alles offen sein. Und, wie immer, wird gegen Ende ein VfLer kommen und alles in letzter Minuter richten. Wie schon einmal, und wie davor auch schon und eigentlich immer.

Es gäbe auch eine einfache Version. Aber so werden Marcell und Oli halt kompliziert Weltmeister. Schade nur um die sympathischen Italiener!

Montag, 3. Juli 2006

empfehlung #24: kay-sölve anschmachten

Wenn überall die Ferienstimmung einsetzt, dann sollten gerade Menschen, die Urlaub haben, nicht vergessen: Andere müssen noch arbeiten. Über die schädlichen Auswirkungen einer Erwerbstätigkeit ließen sich ganze Bücher schreiben (und sie sind ja auch schon geschrieben worden – unser Tipp: "Anleitung zum Müßiggang" von Tom Hodgkinson). Da es nun aber doch sein muss, braucht man Trostinseln und Rituale, die den Arbeitstag erträglich machen.

Das erste Ritual ist in der Regel das Zu-lange-im-Bett-liegen-
bleiben, das Den-Wecker-noch-einmal-auf-Schlummerfunktion
-würgen, das Dann-gehetzt-unter-der-Dusche-zittern, das Schnell-einen-Espresso-und-eine-Portion-"Special K"-stürzen. Der einzige Trost in dieser trostlosen Praxis bietet sich in ZDF-Morgenmagazinwochen. Gerade in diesen Wochen ist man der Seelenpflege und Erbauung auch besonders bedürftig, sind sie doch allzu oft Cherno Jobatey-Wochen, in denen der Tag mit kenntnislos gequäkten Simulationen von Journalismus beginnt, mit dem Anblick dieses "nichtswürdigen Nichts", wie ihn Götz Alsmann einst treffend beschrieb.

Aber dann. Dann kommt zur vollen und zur halben Stunde – sie! Die Bezaubernde, die oft schelmenhaft Lächelnde, die frühmorgens manchmal noch leicht Zerzauste, die mal bebrillt Lehrerhafte, mal kontaktbelinst Kesse. Sie, die stets so mit Ben Wettervogel einen Flirt andeutet, dass der Zuschauer weiß: Eigentlich bin ich gemeint! Sie – Kay-Sölve Richter, die liebreizendste Nachrichtendame seit der Erfindung von Dagmar Berghoff.

Kay-Sölve-Richter-Wochen sind Wochen, in denen ich gern aufstehe. Sie paart journalistische Kompetenz mit Wortwitz, präsentiert die Nachrichten mit dem unausgesprochenen Einverständnis, dass so früh am Morgen ohnehin niemand wirklich hinhört und ein kleiner Kalauer am Schluss doch lebenswichtiger ist als die Frage, wie lange Merkel in der Nacht mit Kurt Beck Händel betrieben hat. Sie ist ein Vorbild der guten Laune am frühen Tag, doch stets mit dem Unterton, dass sie eigentlich lieber im Bett liegengeblieben wäre (wie auch wir). Kay-Sölve, Danke, dass es Dich gibt! Wir sehen uns morgen, so gegen acht.

Sonntag, 2. Juli 2006

empfehlung #23: in alten zeiten schwelgen

Was sich schon länger ankündigte, ist endgültig klar: Thomas Broich war ein VfLer. Jetzt ist er es nicht mehr. Er bleibt ein sympathischer Zeitgenosse, und im Grunde muss man ihm dankbar sein, dass er sich eine Klasse tiefer dafür ins Zeug legt, dass wir bald wieder in der Bundesliga gegen Köln gewinnen dürfen.

Etwas traurig ist dieser Wechsel dennoch. Schließlich hätten wir gern gesehen, wie er sich unter Jupp Heynckes zum Leistungsträger entwickelt. Die Hauptsache für ihn ist, dass er das Unmögliche möglich macht und in Köln glücklich wird. Die Hauptsache für die Borussia ist, dass dieser Wechsel nicht als erstes Anzeichen verfehlter Personalpolitik unter Heynckes missverstanden wird.

Wie dem auch sei: Was der VfL an Broich hatte, das darf man sich heute noch einmal vor Augen führen. Dafür muss man gar nicht so weit sehen, denn im März noch hat er uns Rede und Antwort gestanden.

Samstag, 1. Juli 2006

empfehlung #22: portugiesischen wein trinken

Portugal ist ein genau so schönes Land wie Frankreich. Es ist immer angenehm warm, es gibt Berge und Meer, eine wunderschöne Hauptstadt, und auch die Portugiesen sind entspannte Zeitgenossen, die sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen und die wissen, das Müßiggang der Sinn des Lebens ist.

Nur ganz selten schwingen sich empor und schlagen Schlachten, nur wenn es sich nicht verhindern lässt. Und wenn der Gegner, der Feind, hinreichend unsympathisch ist. Heute hat Portugal einen wunderbaren Kampf gewonnen, aber die Schönheit, die Eleganz dieses Sieges wird erst deutlich, wenn man umgekehrt formuliert: Heute hat England mal wieder ein wichtiges Spiel verloren.

Danke, Portugal. Traurige Fans von der Insel, Tore ins Herz der Engländer, bestensfalls dann, wenn diese - als Zeichen vermeintlicher Stärke - mal wieder ihre Nationalhymne auf den Rängen zelebrieren, verschossene Elfmeter im Angesicht der eigenen Unzulänglichkeit - was gibt es Schöneres! Wieder wähnten sich die Engländer als designierter Weltmeister, wieder fahren sie frühzeitig heim.

Fußballgott, du bist wunderbar! Du warst es auch, der dem Schiedsrichter beim vorentscheidenden Elfmeter die Chuzpe verlieh, einen bereits verwandelten englischen Strafstoß wiederholen zu lassen und auf diese Weise einen neuen Versager zum Leben zu erwecken. Mögest Du den Thommys nun die Kraft geben, ihre altbekannten Klagelieder anzustimmen, ihr larmoryantes Selbstmitleid auszuleben. Sicher, ihnen ist übel mitgespielt und sie sind benachteiligt worden, zu Unrecht ausgeschieden, waren die bessere Mannschaft, werden von den Schiedsrichtern nicht gemocht usf.

Wieder einmal macht uns dies alles große Freude. Und diesmal verdanken wir es - den Portugiesen. Nichts von alldem Schönen, für das Portugal steht, können wir so ohne weiteres haben. Aber ein Fläschchen portugiesischen Wein gibt es in jedem Supermarkt. Vielleicht sogar auch eine Forza-Euro 2004-CD. Machen Sie es sich gemütlich. Prost!

Freitag, 30. Juni 2006

vfoli leitet sieg ein

Danke!

empfehlung #21: vfl sehen und weghören!

Alle sind gespannt. Jetzt ist es an der Zeit, dieses knisternde Gefühl, diese Mischung aus Vorfreude, Nervosität, Unsicherheit, die in Siegesgewissheit umkippt um kurz darauf von Angst abgelöst zu werden, diesen emotionalen Ausnahmezustand in Worte zu fassen. Beliebt wäre etwa das Bild von der "Achterbahnfahrt" der Gefühle, für die Anspannung zitiert man gern die berühmte Stecknadel, die man fallen hören könne.

Allein, man kann keine Stecknadel fallen hören. Vielmehr hört man Xavier Naidoo, und zwar so laut, dass Jens Nowotny den Pegler runterdreht. Aber Poldi dreht dann wieder auf. So geht es zu in der deutschen Kabine, wie man heute in der Süddeutschen, die den verantwortlichen DJ Asamoah interviewte, lesen kann.

Xavier Naidoo! Ich fasse es nicht! Ob VfOli und VfMarcell jemals wieder Fußball spielen können, wenn Sie aus diesem Höllencamp zurückkehren? Diese schwulstige Gesinnungsmucke, den plärrenden Heuler mit den plattesten Texte, er ist der musikalische Motivator des deutschen Teams. Ich muss mir sehr ernsthaft überlegen, ob ich heute Abend nicht doch für Argentinien sein muss.

Ansonsten ist aber alles bestens in Deutschland. Toni Polster jedenfalls, kompetenter VfLer ehrenhalber, befindet heute in einer Kolumne in der Wiener Gratis-Zeitung WM-Live: "Heute hat Deutschland mit seiner dunklen Vergangenheit endgültig abgeschlossen." Toni Polster war wohl nicht umsonst immer ein Stürmer.

Donnerstag, 29. Juni 2006

empfehlung #20: stadien schrumpfen!

So eine WM ist was Feines. Zum Beispiel für die FIFA. Oder für das Gastgeberland, das durch so eine Großveranstaltung ein wahres Konjunkturprogramm erfährt. Stadien werden gebaut, U-Bahnen verlängert, Autobahnen verbreitert und während des Festes kommen die Brauereien kaum mit der Produktion nach.

Aber dann? Dann versinkt das Land wieder in die Depression, wirtschaftlich wie mental. Auch ein WM-Titel für Deutschland würde diese notwendige Entwicklung nur verzögern, nicht aber verhindern. Cleverer ist man hier in Österreich, das gemeinsam mit der Schweiz die EM 2008 ausrichten wird. Dort wird zum Beispiel das erst vor drei Jahren eröffnete Salzburger Stadion Wals-Siezenheim von 18.800 auf 30.000 Plätze vergrößert. Für die EM, klar. 20 Millionen Euro lässt man sich diese Erweiterung kosten. Und man denkt heute schon weiter: Nach der EM wird das Stadion wieder auf seine ursprüngliche Größe geschrumpft. Die Konjunktur brummt also weiter, selbiges ist für Innsbruck und Klagenfurt geplant. Dortmunder, Kölner, holt schon mal die Spaten raus! Ab dem 9. Juli sollte sich auch in Deutschland niemand zu schade sein, die Stadien und Arenen aller falschen Borussias und rheinischer Provinzclubs auf eine angemessene Größe zu verkleinern.

Mittwoch, 28. Juni 2006

empfehlung #19: französischen wein trinken

Frankreich ist ein schönes Land. Es kann mit einigen Highlights aufwarten: Tollen Bergen zum Beispiel und Meer, warmem Klima im Süden, ordentlichem im Norden. Frankreich ist seit Jahren Austragungsort der Tour de France. Und in der französischen Gesellschaft gibt es noch Solidarität, die man dort Brüderlichkeit nennt. Wenn in Frankreich irgendeine Berufsgruppe steikt und nach höheren Löhnen oder besseren Arbeitsbedingungen ruft und wenn dann nichts mehr geht, dann haben alle Verständnis dafür. Frankreich ist ein kleines Stück Paradies.

Frankreich hat außerdem eine tolle Fußballnationalmannschaft. Wir gucken zwar abseits der VfL-Spiele keine WM, trotzdem hat uns die frohe Kunde erreicht, dass Frankreich gestern Abend gegen Spanien gewonnen hat. Wie herrlich! Schließlich gibt es nichts Schöneres, als enttäuschte spanische Fußballer, die möglichst noch anfangen zu weinen, weil es, ach wie traurig, wieder nicht geklappt hat bei einem großen Turnier. Diese stets wiederkehrende Tristesse bei den sich Jahr für Jahr erneut selbst zum Titelkandidaten erklärenden Spaniern ist einfach große Klasse. In diesem Jahr danken wir dafür - den Franzosen.

Nichts von alldem Schönen, für das Frankreich steht, können wir so ohne weiteres haben. Aber ein Fläschchen französischen Wein gibt es in jedem Supermarkt. Vielleicht sogar auch eine Chopin-CD. Machen Sie es sich gemütlich. Prost!

Dienstag, 27. Juni 2006

empfehlung #18: joggen

Es ist warm im Land, jedenfalls mancherorts. Anderswo ist es stürmisch, immer mal wieder regnet es. Dennoch: Heute ist der perfekte Tag, den persönlichen Fitnessplan 2006/07 anzugehen und mit dem Training zu starten. Fangen Sie mit leichtem Jogging an!

Morgen nämlich beginnt die Saisonvorbereitung beim VfL. Trainer Pele Wollitz hat den Kader für die kommende Saison zusammen. Er bittet seine 23 Schützlinge um 14 Uhr zum ersten Training auf die Illoshöhe. Wenn Sie also bald Höchstleistungen auf der Arbeit bringen, die Lila-Weißen aber den Saisonstart verschlafen sollten, können Sie sich vortrefflich als Meckerer hervortun, frei nach dem Motto: "Wenn die nur einen Tag eher mit der Vorbereitung angefangen hätten, so wie ich... Wenn die nicht so faul wären, dann würden die jetzt auch besser sein, so wie ich!"

Montag, 26. Juni 2006

empfehlung #17: holundersirup

Ein Mischgetränk aus sechs Teilen eiskaltem Sprudelwasser und einem Teil Holundersirup ist wahrlich eine köstliche Erfrischung in diesen heißen Tagen.

Sonntag, 25. Juni 2006

empfehlung #16: ein gedicht aufsagen

Wie schön, sich an Gedichte zu erinnern, die man einmal in der Schule lernen musste! Prometheus zum Beispiel noch in Klasse 12, aber das ist an dieser Stelle vielleicht zu starker Tobak. Mit Rücksicht auf die aktuellen Ereignisse in diesem Land gereichen wir lieber eines aus dem Sturm & Drang. Natürlich von Goethe. Es geht so:

Früh, wenn Tal, Gebirg und Garten
Nebelschleiern sich enthüllen,
und dem sehnlichsten Erwarten
Blumenkelche bunt sich füllen.

Wenn der Äther, Wolken tragend,
mit dem klaren Tage streitet,
und ein Ostwind, sie verjagend,
blaue Sonnenbahn bereitet.

Dankst du dann, am Blick dich weidend,
reiner Brust der Großen, Holden,
wird die Sonne, rötlich scheidend,
rings den Horizont vergolden.

Und an was erinnern Sie sich? An den Bundestrainer der Euro 2000? Oder an ein anderes? Denken Sie nach! Und dann auf den Hosenboden gesetzt und aufgesagt.

Samstag, 24. Juni 2006

empfehlung #15: vfl sehen!

Haben Sie es gesehen? Eben, in der 3. Spielminute und dann noch einmal in der 11.? Olli sagte zu Marcell: "Sag dem Poldi mal, dass er abziehen soll. Der wartet immer so lange!" Eine Minute später rief Marcell zu Poldi: "Schieß, du Sau!"

Zur Halbzeit steht es 2:0 für Deutschland. Auf Sat. 1 kommt jetzt übrigens "K11 - Kommissare im Einsatz", und Phoenix zeigt die "Todesboten aus Alamut".

Freitag, 23. Juni 2006

empfehlung #14: esterházy

Péter Esterházy ist zu beneiden. Er hat so hübsche Tüttelchen auf seinem Namen, hübscher noch als jene, mit denen früher die BILD das Wort DDR umzingelte. Doch würde ich mich auch Mártin nennen, könnte ich immer noch nicht schreiben wie der ungarische Schriftsteller mit den vielen Talenten.

Derzeit kann man ihn auf dreierlei Art erleben: Als Autor der 1986 erschienenen, nun neu aufgelegten unvergleichlichen "Einführung in die schöne Literatur", die nicht eben eine Einführung ist, sondern ein offenes Kunst- und Netzwerk, als Projekt ein Unikat und einfach lesenswert. Oder aber als Dramatiker, der für die diesjährige RuhrTriennale das Spiel "Rubens und das nicht-euklidische Weib" schrieb, von dem bisher wenig mehr als der Titel bekannt ist, auf das sich zu freuen jedoch sicherlich weniger vergeblich sein wird, als etwa auf einen WM-Titel der Deutschen zu hoffen. Schließlich, und hier kommen auch die fußballfixierten Leser auf ihre Kosten, hat Esterházy aber just auch sein Buch "Deutschlandreise im Strafraum" veröffentlicht, für das er jede Menge Provinzfußballplätze Deutschlands abklapperte und so von einer ganz anderen Seite der Fußballnation (und dabei en passant aus seiner eigenen Kickerjugend) berichtet.

Und übrigens: Wer da meint, Esterházy sei einst Profifußballer gewesen, hat nicht ganz unrecht. Der jüngere Bruder Márton war ungarischer Nationalspieler.

Donnerstag, 22. Juni 2006

empfehlung #13: vfl sehen!

Wo zwei oder drei in unserm Namen versammelt sind, da sind wir mitten unter ihnen. Jaja. Und heute Abend wird der dritte von den dreien die Segel streichen. Kasey Keller und seine tapferen Star-Fighter aus Amerika werden nach dem letzten WM-Gruppenspiel gegen Ghana wohl die Heimreise antreten müssen. Ein Grund mehr, uns am Abend noch einmal vor dem WM-Fernseher zu versammeln und Kasey zuzujubeln.

Wenn wir laut genug jubeln, dann geschieht vielleicht das kleine VfL-Wunder doch: Wenn Kasey den Bombenstürmern aus Ghana trotzt und seine Abwehrrecken gut in die Schlacht führt, wenn gleichzeitig Italien und Tschechien irgendwie so spielen, dass die einen nicht zu viele, die anderen nicht zu wenig Tore schießen und dann auch noch der richtige gewinnt.

Ansonsten könnte die WM schon am kommenen Samstag komplett vorbei sein, wenn Olli und Marcell wieder nicht von Anfang an spielen und Deutschland deswegen gegen Schweden ausscheidet. Vielleicht hilft nur noch beten.

Mittwoch, 21. Juni 2006

empfehlung #12: sv ard anfeuern!

Nein, keine Angst, die Borussia hat nicht als Sparringspartner im ersten Vorbereitungsspiel ein All-Star-Team der ARD klargemacht. Wir dürfen beruhigt sein: Künftig also kein von Reinhold "Holdi" Beckmann angeführtes Ensemble mit Monika "Red gun" Lierhaus im Sturm und Gerhard "Maurer" Delling als Ausputzer im Borussiapark. Vielmehr heißt der erste Neuzugang der Borussia Sebastian Svard!

Der 23-jährige Youngster aus Dänemark spielte zuletzt in Portugal beim Erstligisten Guimaraes. Bis er 26 ist, soll er nun VfLer sein. Herzlichen Glückwunsch, Basti. Wir vom VfLog übrigens rufen Svard von nunan "Basti Fantasti", schließlich wollen wir künftig irren Fußball sehen.

Peter Pander hat angesichts dieser frohen Kunde mal wieder seinen legendären Phrasenwürfel bemüht. Eigentlich fiel das Spielgerät auf "Er ist ein ungemein kampfstarker Defensivspieler, der aber auch Akzente nach vorn setzen kann und immer hochmotiviert ist". Pander erinnerte sich aber, dass er dieses Statement schon beim El Fakiri-Transfer gewürfelt hatte. Er wollte mal was neues sagen. Der nächste Versuch ergab: "Er ist ein sehr talentierter Spieler, der in der Defensive vielseitig verwendbar ist."

Dienstag, 20. Juni 2006

empfehlung #11: vfl sehen!

Naja, was sollen wir schon schreiben? Der VfOli wird's heute richten, vielleicht sogar von Beginn an. Und wenn es nach uns ginge, käme auch VfMarcell mal wieder zu einem glanzvollen Einsatz.

Die einzige offene Frage: Wie soll man als arbeitender Mensch dabei sein? Auch bei Audi, BMW und Mercedes laufen ja die Bänder. Vorwärts, vorwärts, vorwärts. In Italien dagegen streikt die Eisenbahn heute. Ach, hätten wir doch ein bißchen mehr Mittelmeer im Herzen!

Montag, 19. Juni 2006

empfehlung #10: ins hallenbad gehen

Draußen ist so heiß, wir gehen heute mal ins Hallenbad. Da ist kein Mensch, wir haben unsere Ruhe, und es ist die einzige Zeit im Jahr, wo das kalte Wettkampfbecken sich richtig angenehm anfühlt. Außerdem freut sich die Kassenfrau, wenn mal jemand vorbeischaut. Petri heil!

Sonntag, 18. Juni 2006

empfehlung #9: schluss machen!

(Für JWR)
Nicht jede Liebe kann ewig währen. Was VfL und VfL gelingt, es kann nicht jeder Jugendliebe, gegründet auf einem hormonellen Sturm der Leidenschaften, glücken. Manchmal stellt man dann nach einigen Jahren fest, dass man sich immer weniger zu sagen hat, dass es andere gibt, die einem längst vergessene Gefühle in Erinnerung rufen. Das ist zunächst stets eine sehr, sehr traurige Erkenntnis. Doch es hilft nichts: Dann muss man stark sein, sich tief in die Augen sehen, Danke sagen für die guten Zeiten und getrennte Wege gehen. Das Glück wartet auf einer Bank im Stadtpark. Also, K., worauf wartest Du noch?!

Samstag, 17. Juni 2006

empfehlung #8: vfl sehen!

Mal ehrlich, Amerika ist ja nun nicht die sympathischste Mannschaft. Italien ist da schon beeindruckender, trotz Wettskandal haben sie im ersten Spiel gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist. Und entgegen aller Catenaccio-Tradition wurde sogar mit schnellem Offensivspiel begeistert.
Aber für Fußball braucht man VfL. Und hierfür ist Kasey Keller gut. Heute abend also freuen wir uns, die Italiener siegen zu sehen. Und Kasey verhindert das 3:0 und das 4:0 mit Glanzparaden. Das wird schön!

Freitag, 16. Juni 2006

empfehlung #7: neuzugänge verpflichten

Während anderswo drittklassige Kicker aus Osteuropa und überschätzte Superstars von Werweißwo um den Einzug ins Achtelfinale eines Turniers buhlen, das ohnehin von VfLern gewonnen wird, kümmert man sich an der Illoshöhe um das große Ziel: Den Aufstieg in der kommenden Saison.

Wenn Sie an einem Tag, an dem Mexiko (Mittelamerika) gegen Angola (Afrika) "spielt", mal etwas Vernünftiges machen wollen, dann schauen Sie sich doch einfach ein bißchen auf dem Transfermarkt um. Machen Sie sich abends mal wieder auf zum Training Ihres Dorfklubs oder schauen Sie bei der B-Jugend Ihres Neffen vorbei. Vielleicht findet sich ein Neuzugang für den VfL unter den Begutachteten. Mit Marian Unger, Frederik Gößling (beide Tor) und Hendrik Großöhmichen (Verteidigung) hat der VfL zwar mittlerweile schon die Neuzugänge sechs, sieben und acht zu verzeichnen, doch: Erstens reicht das nicht, zweitens kann die Borussia vielleicht auch noch wen gebrauchen.

Also: Scheuen Sie sich nicht, die Spieler während des Trainings anzusprechen, schicken Sie uns aktuelle Laktatwerte und fertigen Sie kurze Filmcollagen aus den besten Szenen der Übungseinheiten. Dann kann Ihre Neuentdeckung vielleicht bald schon beim Vf(Duel)L auflaufen. Wenn Ihnen das nicht genug Ansporn ist, schauen Sie eben WM. Aber dann lassen Sie sich hier bloß nicht wieder blicken!

Donnerstag, 15. Juni 2006

empfehlung #6: ausschlafen!

Heute gibt es wieder keinen VfL. Dafür ist Feiertag. Da kann man nur raten, möglichst viel zu schlafen, im Bett, im Freibad, auf der Terrasse, vor dem Fernseher. Wer lesen möchte, warum er schlafen sollte, statt zu lesen, dem sei Stanley Corens wunderbares Buch "Die unausgeschlafene Gesellschaft" ans Herz und auf den Nachttisch gelegt. Hier erfährt man im Detail, welch fatale Auswirkungen der Schlafmangel westlicher Gesellschaften hat. Gute Nacht!

Mittwoch, 14. Juni 2006

ole, oli, ole!

Fußball kann so schön sein. Danke, Oli!

empfehlung #5: vfl sehen!

Martialisch aufgeladen klingen die Töne, die über das heutige Spiel Deutschland-Polen gesprochen werden. "Mit dem Dolch im Gewande" (oder so ähnlich) vermutet mancher deutsche Kicker die östlichen Nachbarn, die vermeintlich "mit dem Rücken zur Wand" stehen. Dagegen muten die Worte des Generals Dick Advocaat nach dem gestrigen Geradnoch-Sieg seiner Koreaner wie süßlicher Minnesang an.
Egal, von Marcell Jansen und Oli Neuville hört man nur Friedfertiges bis gar nichts. Sie halten sich zurück und werden – hoffentlich! – heute abend Fußball spielen. Ohne sie wär es ja auch keiner.

Dienstag, 13. Juni 2006

empfehlung #4: hartmann huldigen

"Ich komm zum Glück aus Osnabrück." Verlieren wir nicht viele Worte über diesen Wahlspruch. "Meine Stadt scheint hell, dank VfL", dies wäre sicher auch ein hübscher Slogan für die Stadt. Heute aber hat ein Sohn des Orts Grund zur Freude und wir möchten gratulieren. Matthias Hartmann wird neuer Intendant des ehrenwerten Burgtheaters. Der Mann, der einst Bochum einen Iwanow schenkte, von dem man noch in Jahrzehnten schwärmen wird, der nun in Zürich dank Intervention der Stadt königlich in einem Anwesen am See residiert, er wird sich auch im k&k-Wien wohlfühlen. Alles Gute!

Montag, 12. Juni 2006

empfehlung #3: vfl sehen!

Heute ist Fußball. Craig Moore hat bereits bewiesen, was es heißt, einmal beim VfL gewesen zu sein. Sein Team hat gewonnen, logisch. Allerdings mit dem pikanten Kniff, dass die drei Siegtore erst fielen, nachdem "s'Craigle" (wie Hotte ihn nie liebevoll nannte) ausgewechselt worden war. Wäre er noch in Gladbach, der Fußballgott hätte ihn sicher gleich das erste Tor selbst schießen lassen.

In 15 Minuten dann heißt es einschalten und Kasey Keller die Daumen drücken. (Deswegen müssen die USA ja nicht gleich gewinnen...)

Sonntag, 11. Juni 2006

empfehlung #2: schriftsteller werden

Während andernorts so etwas wie Fußball gespielt wird, widmen wir uns an Tagen wie diesen angenehmeren, wichtigeren Dingen. Schließlich gilt es, pünktlich zum Saisonstart im kommenden August wieder fit zu sein, hungrig nach Erfolg und taktisch wie technisch gut aufgestellt. Dafür ist Erholung wichtig, auch, nein gerade sonntags.

Die Frage nur: Wie? Wie erholen? Oder besser gefragt: "Was tun am Sonntag?" Zum großen Glück hilft auch hier das Internet. "Was tun am Sonntag?" nämlich lotst den suchenden VfL-Fan zielstrebig auf die Homepage von Dr. rer. nat. Philipp Sonntag, wohnhaft in der Lepsiusstr. 45 in Berlin. Dort gewährt Dr. rer. nat. Philipp Sonntag Einblicke in sein belletristisches Oeuvre, so auch in das Meisterwerk "Mal was tun". Lassen wir Dr. rer. nat. Philipp Sonntag selbst zusammenfassen:

Es gibt vier Varianten derselben Geschichte eines Bankraubes, zwischen denen man hin und her wandern kann. Mal aus der Sicht des schüchternen Räubers Oliver, mal von seinem nervösen Komplizen Ulrich aus, mal aus dem Erleben des verschreckten Bankfräuleins Helga und schließlich aus der Sicht der Schutzengel Olschu, Ulschu und Helschu dieser drei Personen. Am Ende schreiben sich alle Personen Briefe, wobei der Leser die Emotion der Briefe mit bestimmen kann.

Angeleitet von so viel Neuheit, frischer Avantgarde und innovativem Literatur-Galopp, garniert mit dem Sonntags-Mut, mal eine andere Geschichte zu erzählen, eine, die so noch nie erzählt wurde, ist unser Wellness-Tipp für Sonntage wie diesen: Werden Sie Schriftsteller! Schicken Sie uns Ihr Exposé! Fesseln Sie uns mit großen Emotionen, mit einer neuen Anekdote aus dem Leben von Olschu, Ulschu und Helschu oder mit weiteren Varianten des Bankraubs (z.B. aus der Sicht von Bankfräulein Gerda oder Bausparer Horst)! Die tollste Geschichte veröffentlichen wir - natürlich an einem der kommenden Sonntage!

Samstag, 10. Juni 2006

empfehlung #1: wegschauen!

Sie wurden wieder durch die Talkshows getrieben, die unsäglichen Pseudointellektuellen, Literaten, all das selbsternannte Tiefsinnpack, das sich zur WM bemüßigt sieht, dem Fußball Dimensionen abzugewinnen, die er nur so lange haben kann, wie gerade diese Figuren nicht drüber reden, sondern schön fein ihr Maul halten. Allein, sie tun es eben nicht. Angesichts des allenthalben üblichen Geschwurbels ist somit wieder einmal Reduktion angesagt. "Das Runde muss ins Eckige" ist noch nicht die ganze Essenz des Fußballs. Der Kern lautet "Fußball ist, wenn ein VfL spielt". Ebenso gilt der logische Umkehrschluss: "Wenn kein VfL spielt, ist es kein Fußball." Gnädig wie wir sind, lassen wir Nationalmannschaftsspiele unter Beteiligung von VfLern gelten. Neuville, Jansen, Keller - sie sorgen dafür, dass wir auch in den nächsten Wochen Fußball sehen werden. Aber an Tagen wie heute herrscht Flaute.

Egal! Wir wollen Empfehlungen geben, was sich Sinnvolles mit der fußballfreien Zeit anfangen lässt. Die erste Übung hierfür richtet sich nicht auf eine gute Fernsehserie, auf kein Buch, keine CD. Der erste Schritt ist eine Meditation, eine Negation. Die erste Empfehlung heißt Wegschauen. Nein, man muss nicht alle Spiele sehen, vor allem aber: man muss nicht das Rahmenprogramm schauen. All die Fan- und Ticketparties der letzten Tagen waren wenig mehr als der hilflose Versuch, die Übertragungsrechte mit miesen Merchandisingflimmereien und Marketingshows zu refinanzieren. Ausmachen! Weg damit und einfach mal mit Gesicht zum Himmel durch den Nieselregen laufen. Dafür ist doch die Sommerpause der Bundesliga da.

Es gibt eine Faustregel, wann man in jedem Fall abschalten kann: Immer dann, wenn Moderatoren ihr Mikro nicht entweder in der Hand halten, oder am Sakko als Knöpfchen angebracht tragen, sonder mit einem dieser neumodischen albernen Bügel, die von Ohr bis unter die Nase reichen. Jahrhundertelang, so möchte man meinen, waren Fernsehshows auch ohne möglich, open air und in großen Hallen, und wahrlich die Sendungen schepperten nicht mehr als die albernen Headsets, die anmuten, als stammten sie aus der Konkursmasse eines gescheiterten Musicals. Wann immer ein Mann mit einem Mikropopel unter der Nase über den Bildschirm läuft, heißt es, sich anderswo des Lebens zu freuen. Und aus.

Freitag, 9. Juni 2006

countdown

Das ZDF zeigt an, dass in einer Stunde, neunundvierzig Minuten und fünfunddreißig Sekunden die Fußball-WM beginnt. Das ZDF zeigt seit gefühlten neun Jahren einen Countdown, wann die Fußball-WM beginnt. Was wohl wird das ZDF in nunmehr einer Stunde, achtundvierzig Minuten und siebzehn Sekunden anzeigen?

Ehrlich gesagt: Wir wissen es nicht. Was wir wissen, ist folgendes: Für uns im VfLog ist Fußball-WM eigentlich immer nur dann, wenn auch VfLer mitmischen. Heute zum Beispiel sind mit Olli und Marcell gleich zwei dabei. Freuen Sie sich jedoch auch auf die anderen Tage: Dann bieten wir Ihnen Ablenkung vom Fußball, dann kümmern wir uns um Wichtigeres.

Donnerstag, 8. Juni 2006

junge dinger

Christian Ziege, das ehemalige Fohlen, übernimmt bekanntlich die U17-Mannschaft der Borussia. Wie jetzt bekannt wurde, hatte sich auch Christian Wulff, der ehemalige Ehemann, um den Job beworben, bis Peter Pander ihm mitteilte, dass es sich um ein Buben-Team handelt. Wulff zeigte sich enttäuscht: "U17 hörte sich eigentlich ganz vielversprechend an." Ursula von der Leyen sagte dazu: "Kinder, Kinder, Kinder!"

Mittwoch, 7. Juni 2006

breitner, äh, äh, äh: müller

Von dem Tamtam, das die ganz große Fußballbühne dieser Tage bietet, können unsere sympathischen und vergleichsweise kleinen VfLs nur lernen. Gestern zum Beispiel hat Sepp Blatter Gerd Müller und Paul Breitner verwechselt.

Bei einem Empfang des bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber hat der FIFA-Chef demonstriert, wie man sich benimmt, wenn man zu Gast bei Freunden ist. "Ich begrüße Gerd Müller, den Schützen des deutschen Siegestors der WM 1974", sagte er in seiner Ansprache soweit noch richtig, zeigte dabei nun aber auf Paul Breitner. Nachdem Blatter seinen Fehler bemerkt hatte, beendete er seine Rede mit Giovanni Trapattonis geflügeltem Wort: "Ich habe fertig."

Die Fachwelt stutzt, doch Blatter ist ein Könner seines Fachs. Wohl wissend, dass Stoiber ihn eingeladen hatte, parlierte der FIFA-Boss souverän und mit großem Geschick auf einem rethorisch vergleichbaren Level. Den besten Eindruck machen Gäste schließlich immer noch, wenn sie Fehler machen, die auch ihren Gastgebern am laufenden Band passieren. Fehler nach Art des Hauses eben.

Merke: Wenn die Herren Königs und Rasch demnächst mit Meyer-Vorfelder die Schiedsrichter-Ansetzungen für die kommende Saison austüftlen, empfiehlt es sich, das Gespräch mit einem flockigen "Guten Tag Herr Zwanziger" zu beginnen und sodann Bundestrainer Biermann zum EM-Titel zu gratulieren!

Dienstag, 6. Juni 2006

nur die liebe zählt

Was bringt die WM nicht alles an Unfug hervor. Dies und das und einiges mehr. Wir lassen uns davon in der Regel nicht blenden und frönen weiter der wahren Liebe zu den VfLs, die ohnehin supranational ist.

Eine wirklich nette Idee hatten nun aber die Macher der akribischen Fußballpresseschau "Indirekter Freistoß" gemeinsam mit der Politikseite "Politik digital". Sie haben ein feines Gespür dafür, dass Fußball nur spannend ist, wenn man sich mit Haut und Haaren einer Seite verschreibt und mit ihr fiebert. Bei WM Vorrundenspielen ist dann bisweilen eine schwere Entscheidung zu treffen: Bin ich für Paraguay oder für Trinidad und Tobago? Zur Lösung derlei Fragen gibt es nun fussball-konflikte.de. Dort kann man zu jedem Spiel nachlesen, welche Stellvertreterkriege auf dem Platz ausgeübt werden. Und wenn mal politisch nichts zu finden ist, dann erklärt man etwa Japan-Kroatien immerhin noch zum großen Sportartikelhersteller-Streit. Oder Schweden-Tobago zum Kampf UEFA-FIFA, schließlich ist Tobagos Fußballchef Jack "the Ripper" Warner ein getreuer Blatterfan und Schwedens Johansson zugleich UEFA-Chef.

Allein, bei den entscheidenden Spielen scheitert auch diese Seite. Zu Paraguay-Tobago eben verkündet sie nur "konfliktfreie Zone". Aber ist nicht genau das die Seltenheit, die nun dieses Spiel einer Liebesbotschaft gleich werden lässt, wie sie sonst nur ein Aufeinandertreffen von VfL zu VfL versprechen würde? Müssen wir nicht diese zwei Teams zu VfLs ehrenhalber erklären? Und bräuchte es nicht eigentlich statt www.fussball-konflikte.de eine Seite www.fussball-liebe.de? Eine rhetorische Frage, sicher. Es gibt sie ja schon. Bleiben Sie doch noch ein bißchen beim VfLog! Bussi!

Montag, 5. Juni 2006

verlobung

Nein: Das, was heute auf der VfL-Homepage prangt, ist nicht das kriminelle Ergebnis eines versierten Hackers, den wir dafür bezahlt haben. Es ist vielmehr ein nächstes offizielles Zeugnis der vom VfLog intendierten leidenschaftlichen Liaison der VfLs. Es ist sowohl eine romantische Liebeserklärung wie gleichfalls der visionäre Verweis auf eine goldene Zukunft. Auf der lila-weißen VfL-Homepage steht heute ganz oben: Das Wappen des anderen VfL, der einzigen Borussia.

In der kommenden Saison kommt es mindestens zwei mal zum direkten Duell der VfLs! Wenngleich noch 'nur' in der Regionalliga. Aber wie wunderbar ist es, dass wir durch den Aufstieg von Horst Wohlers' Mini-Fohlen eine Art Vorgeschmack bekommen, was in einigen Jahren einmal sein wird! Ein bißchen hat es sich offenbar doch gelohnt, dass der VfL beim Thema Aufstieg in diesem Jahr noch zwei anderen Mannschaften den Vortritt ließ, denn schon jetzt dürfen wir uns auf die beiden Aufeinandertreffen in der nächsten Spielzeit freuen.

Ein wahrer Fußballtraum wäre es, spielten die VfLs am letzten Spieltag gegeneinander und könnten gemeinsam Klassenerhalt und Aufstieg Arm in Arm feiern. Allein der Gedanke daran macht mich weinen. Spätestens dann hätten sich zwei gefunden, die niemals wieder auseinander gehören. Doch mit zwei Derbies nicht genug: Mit ein bißchen Losglück gibt's sogar noch ein drittes Aufeinandertreffen; im DFB-Pokal nämlich und dann gegen Jupps große Fohlen.

Sonntag, 4. Juni 2006

ein freier tag ein feiertag

Hören Sie, was machen Sie eigentlich hier? Immer noch nicht genug vom Fußball? In wenigen Tagen geht die WM los, da werden Sie das Spiel im Überfluss genießen können, oder auch daran verzweifeln. Sehen Sie es als kleines Geschenk vom Fußballgott an, dass es vorher noch ein langes Wochenende gibt, an dem man ein wenig abschalten kann, zum letzten Mal für einen langen Monat sich mit anderen Dingen beschäftigen.

Wenn Ihre Sucht zu groß ist, na, dann melden Sie sich vielleicht wirklich noch schnell bei unserem großartigen WM-Tippspiel an. Aber dann sollten Sie wirklich den PC ausmachen und wenigstens heute fußballfrei nehmen. Ehrlich. Abschalten! Und schöne Pfingsttage noch!

Samstag, 3. Juni 2006

freunde zu gast bei mir

Seit gestern Abend ist die Welt ein globales Dorf, und ich ihr Nationaltrainer. Nominiert wurde ein buntes Feuer- wie genauso ein raffiniertes Abwehrbollwerk, gespickt sogar auch mit fünf deutschen Spielern.

Folgende Sportfreunde habe ich, in enger Absprache mit dem Fußballgott, in meinen Kader berufen: Lehmann, Kahn, Keller - Nesta, Zambrotta, Lucio, Thuram, S. Campbell, Ashley Cole - Cocu, Riquelme, Schweinsteiger, Ronaldinho, Ballack, Vieira, Lampard, Kaka - Ronaldo, Klose, Saviola, Crespo, van Nistelrooy, Robinho.

Um es vorwegzunehmen: Es ist aussichtslos, gegen dieses Team beim Kicker-WM-Managerspiel anzutreten. Frust und Enttäuschung wären abzusehen. Ersparen Sie sich das! Spielen Sie statt dessen mit beim inoffiziellen VfLog-WM-Tippspiel. Erstens gibt es da Geld zu gewinnen, zweitens spiele ich nur halbe Kraft; schließlich lädt man keine Freunde zum Mitspielen ein, um selbst zu gewinnen.

Freitag, 2. Juni 2006

5:0 für lila-weiß

Was für ein fulminanter Start in die Sommerpause! Im internen Kontest ist der VfL mit nunmehr fünf Neuverpflichtungen in Führung gegangen: Daniel Chitsulo, Dominique Ndjeng, Mathias Surmann, Bilal Aziz und Marko Tredup markierten die Treffer.

Am Niederrhein wartet man derweil noch vergebens. Hinter vorgehaltener Hand munkeln gewöhnlich gut informierte Kreise, die Borussia wolle das Länderspiel am Abend verstärkt zum Scouting nutzen. Peter Pander wird zitiert mit den Worten: "Wieso auch nicht, wenn die Kolumbianer schon mal da sind? Dann können wir uns teure Flüge dahinten hin sparen, nach Afrika und wo die guten Fußballer alle herkommen. Vielleicht überreden wir heute gleich vier, fünf von denen, dass sie kommende Saison für uns spielen." Ja, vielleicht. Mal sehen.

Donnerstag, 1. Juni 2006

keine offline-kooperation

Die WM allein war Grund genug auszuwandern. Hype hier, Panik dort und echter Fußball, wie ihn Jeff Strasser verkörpert, ist nur in Testspielchen zu sehen. Das ist nichts für einen VfLer. Schon deshalb halten wir uns zurück, wenn es um Weltmeisterliches geht, gehen auch keine Online-Kooperationen ein. Soviel hat sich offenbar auch bereits herumgesprochen in der Branche der Kommunikationshuren, bei den PR- und Werbefuzzis. Deshalb senden sie uns keine Anfragen mehr für Online-Kooperationen, sondern schicken uns gleich ihre Offline-Medienangebote. Die arme Miriam Hofheinz von "PERRY RHODAN-Kommunikation" etwa verdient ihr Monatsgehalt derzeit anscheinend damit, die Impressi von Online-Fußballseiten zu recherchieren und die so gewonnenen Adressen mit Postsendungen zu beglücken.

"Guten Tag!
Ganz Deutschland ist im Fußball-Fieber, ach, was sag' ich, die ganze Milchstraße, das ganze Universum ... zumindest das PERRY RHODAN-Universum."

Und weiter:

"Die Fußball-WM hat auch vor Rastatt (...) nicht halt gemacht."

Spätestens hier wird man stutzig. Ganz Deutschland im Fußball-Fieber, diese Floskel ist mittlerweile so oft gehört, dass sie gar nicht mehr hinterfragt wird. Sicher, ganz Deutschland, selbst meine Freundin. Aber Rastatt?! Also, da kommen doch Zweifel auf. Wieso soll Rastatt in WM-Fieber sein? Nur weil der Perry Rhodan seinen Verleger dort hat, einen Konzern, der sich nicht zu schade ist, hinter den dümmsten Marketingzug zu springen, der auf absehbare Zeit durch Deutschland tuckert? So hören wir uns auch mitleidsvoll dies Flehen an:

"Wenn Sie weitere Informationen zur Berichterstattung oder ein Rezensionsexemplar wünschen, helfe ich Ihnen gerne schnell und unkompliziert weiter."

Ach, Miriam, schnell und unkompliziert klingt gut, aber ein Rezensionsexemplar macht uns dann doch nicht glücklich. Egal, zwei Wochen später haben wir eins im Haus. Unangefordert, unaufgefordert.
Miriam, mal ehrlich: Dass Du den Müll nicht bei Dir rumliegen haben willst, verstehen wir. Aber warum musst Du es denn deswegen gleich uns schicken? Bitte bald nur noch private Post, schnell und unkompliziert. Die zitieren wir dann auch nicht hier, versprochen.

Mittwoch, 31. Mai 2006

heititei im mai

Große Mannschaften spielen dienstags im Mai 2:2. Weil sich das reimt, denn was sich reimt, ist gut. So zauberte gestern nicht nur die deutsche Nationalmannschaft einen flotten Fußball-Walzer aufs Parkett und begeisterte die Massen. Auch der VfL erkämpfte sich ein wackeres 2:2. Gegen den BV Cloppenburg. Dass dann Verlängerung und Elfmeterschießen folgten, der VfL schließlich das Niedersachsenpokal-Finale mit 5:6 und damit das erste Pokalspiel seit zwei Jahren gegen einen Oberligisten verlor, lassen wir mal galant unter den Tisch fallen.

Dienstag, 30. Mai 2006

fifasicher

"Dradinettum... Der Kommissar geht um!", so sang einst Falco, der Fußballgott hab ihn selig. Falco ist tot, Kommissare gibt es aber wie eh und je. Selbst die FIFA hat eigene, die gehen Streife im WWW.

Vor einer "kleinen aber feinen Abmahnwelle" warnt daher derzeit Spreadshirt, der Host auch von unserem sowohl kleinerem als auch feinerem kleinen Devotionalienshop. Diesmal traf es einen armen Mensch, der sich über das Spreadshirt-Modul ein Shirt "WM 2006 / Iran-Angola / Ich war dabei" drucken lassen wollte, und das Shirt in seinen nirgendwo beworbenen Shop einstellte. "WM 2006", die Marke gehört doch der lieben FIFA! Dumm gelaufen.

Wir machen daher alles anders. Stellen in unseren Shop nur unsere eigene Marke, den VfLog. Und machen dafür richtig fett Werbung. Und zwar hier: Leute, kauft mehr VfLog-Shirts! (Hier gehören natürlich im aktuellen Werbefeuer mindestens drei Ausrufezeichen hin. Aber vielleicht ist es eine willkommene Abschweifung, dass ich der Sitte, mehr als ein Ausrufezeichen zu setzen, sehr skeptisch gegenüberstehe? Das sieht doch nicht aus.) Denn erstens leben wir davon (ja, wirklich!) und zweitens sind die garantiert FIFA-sicher. Mit denen macht ihr immer eine gute Figur, dürft in jedes Stadion und bekommt nie eine Abmahnung.

Aktuell zu empfehlen: Das immens schicke Girlyshirt, das wir auch schon unseren liebsten Spielerfrauen vermacht haben. Kommt immer gut, der Onlinekauf spart Schlangestehen in der H&M-Umkleide und ein fesches Geschenk hebt die Stimmung vor der WM. Also: Zugreifen!

Montag, 29. Mai 2006

ein spiel hat 70 minuten

Oh Gott, war uns langweilig! Die vergangene Saison hat uns nicht glücklicher gemacht, und wir haben keinen Hehl daraus gemacht. Nun stellen wir fest: Andere haben noch mehr gelitten und machen sich so ihre Gedanken, wie das Spiel wieder attraktiver werden könnte.

Ganz vorne marschiert Jürgen Flimm, der als Intendant der RuhrTriennale zwar ganz oben in der ersten Kulturliga spielt (bald allerdings nach Salzburg wechselt, wo er womöglich die dortigen Festspiele in "Red Bull Salzburg Festival" umbenennen muss), im Fußballfach jedoch noch avantgardistischer agiert: In einem "Offenen Brief" an Jürgen Klinsmann, den das "Polit"magazin Cicero in der Juni-Ausgabe veröffentlicht, fordert er, Fußballer sollten ihre Gegner knutschen, HipHop und Tokio Hotel die National-Hymne ersetzen und das Spiel könne auch auf 70 Minuten verkürzt werden. Noch was? Ach ja, weniger Spieler reichten, der Torwart sei eh überflüssig.

Obacht, da klingelt aber der Ironie-Alarm! Wettert hier ein Altmeister gegen die Verdummung des Volkes, das alte Klassiker nicht mehr zu schätzen weiß (Nationalhymnen), dessen Aufmerksamkeitsspanne gerade noch für 2x35 Minuten reicht und das lediglich auf den geilen Kick des schnellen Tors spekuliert, dem ja ohnehin der Torwart nur im Wege steht? Brandmarkt hier einer gar das neoliberale Effizienzdenken, das womöglich bald auch im Fußball 20% Einsparungen von Humankapital fordern wird? Ja? Na dann, Hut ab! Und wir dachten schon, hier hätte einfach einer ein paar Euro vom Cicero für einen Artikel überwiesen bekommen und irgendwie so gar keine Ahnung gehabt, was um alles in der Welt er schreiben soll. Wär ja auch keine Schande. Geht uns fast täglich so - nur ohne die Kohle.

Sonntag, 28. Mai 2006

hand in hand

Seit Februar vergangenen Jahres arbeiten wir fleißig und mit kleinen Schritten am großen Ziel. Viel hat sich seitdem getan. Als seien sie schon ewig ein Paar und wie es sich für gute, alte Freunde gehört, beendeten die VfLs ihre Spielzeiten Hand in Hand.

Die Borussia in der Bundesliga wird am Ende Zehnter, genauso wie der VfL in der Regionalliga. Nach 34 Spielen hat Gladbach 42 Punkte auf dem Konto, Osnabrück zählt nach 36 Spielen 49 Punkte. In der Heimtabelle liegen beide Klubs auf Platz 5, und in der Auswärtstabelle teilen sie sich den 16. Platz. Hier haben sie mit -17 gar noch dieselbe Tordifferenz.

Das alles ist natürlich so nicht geplant gewesen. Offenbar haben sich die VfLs einander noch viel mehr lieben gelernt als wir uns das in unseren kühnsten Träumen ausmalten. Für die kommende Saison werden wir den Teams klar machen, dass eine harmonische Partnerschaft nicht immer identische Lebenswege erfordert. Wenn die Borussia dann Siebter wird und der VfL aufsteigt, dann täte das der gegenseitigen Leidenschaft keinen Abbruch - im Gegenteil.

Samstag, 27. Mai 2006

over and out

Endlich, der letzte Spieltag ist gespielt, die Regionalliga-Saison 2005/2006 vorbei. Wie Sie sich nach einem Blick auf die Ergebnisse denken können, hatte der VfL - zumindest für uns - wieder einmal spielfrei. Jetzt gottlob sogar für ein paar Wochen.

Freitag, 26. Mai 2006

in vergessenheit

Die Regionalliga-Saison ist noch nicht vorbei. Jenseits der nationalen Front in Genf kämpfen weniger bedeutsame Partisanen noch im Landesinneren, wenngleich sie scheinbar in Vergessenheit geraten sind. Offiziell findet am Samstag noch ein - diesmal nicht einmal nur für den VfL - bedeutungsloser Spieltag statt. Essen und Jena sind längst aufgestiegen, dazu herzlichen Glückwunsch. Und Wattenscheid genau wie Münster dürften angesichts des Drei-Punkte-Rückstands und eines jämmerlichen Torverhältnisses nicht mehr vor dem Abstieg in die Oberliga zu retten sein. An der spannendsten Entscheidung des letzten Spieltags ist also der VfL beteiligt: Der Kampf um Platz 8.

Derzeit stehen dort die Lila-Weißen, Wuppertal und Emden lauern jedoch mit einem Punkt bzw. drei Punkten dahinter. Nicht nur der mit fragwürdigem Glanz winkende achte Tabellenplatz also steht auf dem Spiel, sondern - und hier stellt hoffentlich auch für die VfLer eine Frage der Ehre - ein einstelliger Tabellenplatz. Wenn auch die schlechteste Regionalliga-Platzierung des VfL nicht mehr zu verhindern ist, ein zehnter Platz muss es dann auch nicht werden.

Nun ist der Gegner morgen kein gewöhnlicher: Nicht nur, dass Lübeck genauso wie der VfL das Duell an der Lohmühle ursprünglich als Anlass nehmen wollten, gemeinsam zu feiern, dass sie künftig eine Liga höher gegeneinander kicken dürfen. Was für den VfL jedoch schon ein gutes halbes Jahr klar ist, steht seit vergangener Woche endgültig auch für Lübeck fest: Nix ist mit Aufstieg, stattdessen heißt es: Wunden lecken. Hinzu kommt, dass Lübeck letzte Woche die stilsichere Verve besaß, vor dem letzten Spieltag der Saison Trainer Stefan Böger zu beurlauben. Weil an der Lohmühle also letzte Formen des Anstands gewahrt werden, dürfte der VfL ganz gute Karten haben, dass der VfB, wie es sich als Gastgeber gehört, auf einen Sieg morgen verzichten wird. Die Wollitz-Truppe könnte mit dem ersten Auswärtssieg seit geschätzten neun Jahren also nicht nur sich selbst einen Gefallen tun, sie könnte auch Böger eine letzte Ehre erweisen. Wenn es denn sonst schon niemand tut in Lübeck.

Donnerstag, 25. Mai 2006

mission impossible?

Die Borussia hat einen echten Hoffnungsträger als neuen Trainer verpflichtet. Sensationell wurde ein altes Fohlen präsentiert, eines aus der Glanzzeit des VfL, 61 Jahre jung und hochmotiviert. Allenthalben Freude über Jupp Heynckes' Rückkehr in seine Heimat, Kritik nur von ganz wenigen Unverbesserlichen. Und es stimmt: Dieser Jupp Heynckes, dieser Welttrainer, der in Gladbach schon zeigte, dass er nachhaltig bei einem Verein arbeiten kann, der in München sein Meisterstück machte und der mit dem einzigen königlichen Verein der Welt die Champions-League gewann - dieser Mann ist ein Glücksfall für die Borussia. Beziehungsweise er könnte einer werden.

Genau an dieser Stelle setzt die Skepsis ein; es könnten gleichermaßen auch Geschichten von anderen Klubs und ihren Trainern erzählt werden, vom VfB Stuttgart, Hannover 96 oder - wer wüsste das besser als Heynckes selbst- von Schalke 04. Die Frage ist immer dieselbe: Lassen sie den Trainer zum Glücksfall werden?

Schlimmstenfall könnte Heynckes der etwas fade Beigeschmack zum Verhängnis werden, den die Demission von Horst Köppel hatte - und den Beigeschmack stellen sogar wir unumwunden fest, doch Kritik an Köppel formierte sich schon viel früher, nämlich bevor die Ergebnisse sich den Leistungen der Mannschaft anpassten. Was Heynckes damit zu tun hat? Es ist nicht ausgemacht, dass Gladbach umgehend besser spielt unter ihm. Oder aber sie starten prima, brechen dann aber ein - the same procedure as last year. Präsident Rolf Königs hat in vorauseilendem Gehorsam schon versprochen, man werde Heynckes nicht mit übertriebenen Zielforderungen unter Druck setzen, man werde ihm Zeit geben, seine Borussia zu formen.

Wenn sich irgendein Trainer darauf verlassen kann, dann vermutlich noch am ehesten Jupp Heynckes bei der Borussia. Trotzdem: Auch andernorts hat man nach so manchem gelungenen Saisonstart die Ziele flugs nach oben 'korrigiert'. Man mag nicht nur Heynckes, sondern allen Borussen wünschen, dass ihm das erspart bleibt. Wenn nicht, hat es der VfL nicht besser verdient - und Heynckes hätte die Professionalität, die in Gladbach obwalte, deutlich überschätzt. Wenn doch, dann könnte er in Gladbach etwas Besonderes aufbauen.

Eine junge Mannschaft, die feurigen Fußball spielt, die sich zerreißt für einen strahlenden Coach an der Seitenlinie - und die am Ende womöglich Tabellensiebter wird. Oder Achter. Vielleicht auch Sechster. Lange Zeit schien eine solches Ziel nicht mehr so nah wie heute. Freuen wir uns über diese Aussicht und einen außergewöhnlichen Trainer! Sein Verein bleibt so lange ein außergewöhnlicher, bis er dem "Projekt Heynckes" eilig die Gefolgschaft verweigert. Soweit also darf es nicht kommen!

Mittwoch, 24. Mai 2006

hicks

ichbinimmernochganzbesoffenvomvielenfeiernesistjasoschönda
sswirsoeinenklasseneuentrainerhabendemichwirklichgroßeszut
rauedasganzeosramgenölekannichaberheuteschonnichtmehrhö
rendaswarvielleichtmalvorvierzigjahrenwitzigaberjetztisteseinf
achnurödechampionsleaguewäreechtmalgeilzumindestdiequalia
berjetztnichtgleichzugroßeerwartungenkriegenletztlichistköppe
lauchgenaudarangescheitertwobeiköppeleigentlicheheranderep
roblemehattederistauchineinemperfektenumfeldkeintrainerfür
einebundesligamannschaftehwurschtdiezeitensindjagottseidank
vorbeiderjuppkannjajetztnochgarnichtsrichtigmachenmalsehen
obdienocheinetolleverpflichtungkriegenistwirklichgutdasssichd
asnochrelativschnellgeklärthatjetztkannernochdieganzenächst
esaisonplanenfreumichrichtigaufdaserstespielmitihmdaverblass
tauchdiewmfastgegenobstrasserwohlkapitänbleibtherrlichwenn
esendlichwiederspaßmachübergladbachnachzudenkenuswusf

Dienstag, 23. Mai 2006

eilmeldung & trainerroulette #6

Jupp Heynckes, so wissen gut informierte Kreise zu berichten, wird neuer Trainer in Gladbach. Nach kurzem Nachdenken haben wir uns entschlossen, ihn gnadenlos zu feiern. Er strahlt zwar nicht unbedingt die neue Frische aus, die ein Ralf Rangnick bedeutet hätte. Aber wir beim VfLog hatten ja immer schon ein Herz für knurrigere Typen wie weiland Hänschen Meyer und Dick Advocaat.
Am fußballerischen Verstand des Champions League-Gewinners können ohnehin wenig Zweifel bestehen und ein alter Gladbacher Held ist er sowieso. Zwar stand er in Schalke für hässlichen Fußball, aber was soll man auf Schalke auch machen? In Gladbach hat er jetzt alle Möglichkeiten, Tradition und Moderne erfolgreich zu verbinden. Jupp, viel Erfolg!

vfl 2006/2007 #2 & trainerroulette #5

Bereits am Sonntag haben wir begonnen, uns den Kopf um den VfL im neuen Kleide zu zerbrechen. Doch alle Mannschaftsteile auf einmal zu beackern, das wäre dann doch etwas viel auf einmal gewesen. Darum folgt hier der zweite Teil unser Saison-Vorschau.

Mittelfeld:
Michael Kügler, besonders aber Björn Joppe sind zwei der großen Enttäuschungen der vergangenen Saison. Warum? Suchen Sie sich einen Grund aus: Niemals in einer Verfassung, diehäte helfen können, den VfL in der Spitzengruppe zu festigen, stets meckernd und ohne kostanter, verlässlicher Rückhalt für die Offensivfraktion zu sein. Die beiden werden wohl kein weiteres Jahr beim VfL kicken. Auch hier: Gut so, wenngleich schade ist, dass Joppe offenbar nicht in der Lage ist, sein ohne Frage vorhandenes Potenzial auszunutzen. Das gleiche trifft für Shergo Biran und Marcus Wedau zu, einzig ob man sie los wird, ist offenbar fraglich. Ob sie von der nächsten Spielzeit an begreifen würden, was es heißt, das VfL-Trikot zu tragen, leider auch. Auch der sympathische Edgar Bernhardwird wohl wechseln, und auch das ist gut so: Er kann dem VfL in der Regionalliga (noch) keine Stütze sein, hat es aber verdient, sich anderswo weiter zu entwickeln. Mathias Koch ist verletzt, der VfL wird ihm wohl ermöglichen, sich im Kreis der Lila-Weißen wieder fit zu machen; ob er noch einmal das lila-weiße Trikot überstreifen wird, darf indes gleichwohl bezweifelt werden. Wolfgang Schüttes Zukunft scheint noch ungewiss. Ob er geht oder bleibt, ist eigentlich aber auch zweitrangig. Sein Urgestein-Habitus in allen Ehren, er hilft dem VfL aber spielerisch nicht wirklich weiter. Gehen wird davon aus, das Kämpfen ab der kommenden Spielzeit wieder zur Selbstverständlichkeit wird, brauchen wir aber gute Fußballer.
Es beiben also: Jo Enochs, der soeben operierte Alexander Nouri, Andreas Schäfer und wohl auch Florian Heidenreich. Für alle vier sollten wir dankbar sein, denn sie sind alle überdurchschnittliche Regionalliga-Fußballer. Sie können das Mittelfeld-Gerüst eines mitreißenden VfL werden. Die Neuzugänge Bilal Aziz und Mathias Surmann könnten das VfL-Mittelfeld passend ergänzen. Allein: Sie reichen nicht. Es fehlen noch zwei gute Mittelfeldspieler, gerade auf Außen!

Sturm:
Mit Verlaub, aber: Das Prunkstück des VfL, wenn nicht der Liga. Mit Markus Feldhoff, Thommy Reichenberger und Addy-Waku Menga ist der VfL auch ohne Verstärkung schon konkurrenzfähig, doch das reicht nicht. Erst recht nachdem Shooting-Star Marc Heider offenbar nicht zu halten war - der Youngster wird kommende Saison zum Storch -, braucht der Verein noch einen neuen Stürmer. Einzig teuer darf er nicht sein, denn Neuverpflichtungen für das Mittelfeld haben sicher Vorrang. Merke: Keinen dritten Faroni oder Jank, sondern eine echte und doch günstige Verstärkung für den Angriff. Das wird vielleicht das schwierigste Unterfangen für kommende Saison.

Was Peter Pander dazu sagt? "Alten Schmierzettel von Hochstätter gefunden. 'Schafstall' steht da in großen Lettern. Köppel fragen, ob er den persönlich kennt."

Montag, 22. Mai 2006

genf & trainerroulette #4

Es gibt so viele Statistikfreaks. Die machen Statistiken. Die meisten davon braucht kein Mensch, aber viele sind dennoch, oder eher gerade deswegen hübsch und dienen tauglichst zum Smalltalk, wenn das Wetter wieder einmal versagt (also die Statistiken, die Freaks seltener). Aber auf die Schnelle finde ich keine Tabelle, in der mal die Mannschaften danach sortiert werden, wieviele heimische Nationalspieler sie stellen. (Ja, gibt's bestimmt irgendwo, aber bis ich das gefunden haben, mach ich's lieber selbst.) Also mache ich's selbst:

1.
FC Bayern 4 Spieler

2.
Werder Bremen 3

Borussia" Dortmund 3
4.
VfL 2

VfB Stuttgart 2
Bayer Leverkusen 2
5.
Hertha BSC Berlin 1

Hannover 96 1
Schalke 1
Wolfsburg 1
FC Köln 1
Arsenal 1
Chelsea 1


Ziel der Übung: Die Schadenfreude in mathematisch objektivierte Bahnen lenken. (Laa, la, lalaa, Schalke hat nur einen Spieler, bähäää!)

Aus PPs Schmierzettel können wir heute nichts enthüllen, da steht nur unleserliches Gekrakel. Muss ganz schön in Eile gewesen sein, unser Manager. Sieht aus wie "die scharfe Braut aus der sportsbar: 0173-65944xxx" [Angabe aus Datenschutzgründen gekürzt.] Könnte aber auch "Ralf Rangnick" heißen.

Sonntag, 21. Mai 2006

vfl 2006/2007 #1 & trainerroulette #3

Sicher, es steht - nach dem unterhaltsamen, doch dennoch nicht der Rede werten Sieg im letzten Heimspiel gestern - noch ein weiterer Spieltag aus, bis diese Saison endlich vorbei ist. Trotzdem kümmern wir uns schon einmal um interessantere Dinge, nämlich eine Aussicht auf die kommende Spielzeit. Wer kommt? Wer geht? Wer sollte noch kommen? Wer sollte noch gehen?

Tor:
Unser Torwart Tino Berbig wird den Verein verlassen. Für ihn sollte es kein Problem sein, in der 2. Liga einen neuen Klub zu finden, dafür hat er in den vergangenen Jahren für den VfL zu gut gespielt. Fast schon leider. Tobias Langemeyer ist sicher ein Klasse-Ersatzmann, aber noch keine Bank für den Aufstiegskampf. Darum wird der VfL auf der Suche sein nach einem überdurchschnittlichen Torwart, möglichst schon mit Erfahrung in der 1. oder 2. Liga.

Abwehr:
Auch in einer insgesamt schwachen Saison die Schwachstelle, natürlich auch, weil Leistungsträger lange verletzt waren. Mit Thomas Cichon, Jan Schanda, Dave de Jong und Heimkehrer Marko Tredup ist das Abwehrgerüst des VfL jedoch ganz gut aufgestellt. Fabian Ewertz wird wohl keine weitere Saison für den VfL auflaufen, und das ist gut so. Daniel Flottmann wird voraussichtlich bleiben; das ist nett, hilft dem VfL aber (noch) nicht entscheidend bei dem Plan aufzusteigen. Ergo: Es fehlen zwei weitere Verteidiger, die den Klub beim avisierten und lang ersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga helfen können.

Lesen Sie am Dienstag unsere Sicht auf die Mannschaftsteile Mittelfeld und Angriff. Und: Schreiben Sie uns Ihre Meinung, widersprechen Sie und vor allem: Machen Sie Vorschläge für Neuzugänge.
Peter Pander sagt zu diesem Thema übrigens: "Daum anrufen und ihm weismachen, dass er mich über ein paar Linien kennt. Brauchen einen, der die Jungs bis in die Haarspitzen motivieren kann!"

Samstag, 20. Mai 2006

keine online kooperation & trainerroulette #2

"Anfrage: Online-Kooperation", so lautet der Betreff einer Mail, die hoffen macht. Schreibt da ein FC-Köln-Weblog, der mit uns eine Bindung zur Völkerverständigung eingehen will? Oder hat uns endlich perlentaucher.de entdeckt und möchte uns als Kolumnisten gewinnen? Winkt gar das große Geld und Bertelsmann möchte uns enger an sein Online-Imperium winken?

Nichts von alledem, denn die Welt ist eben so, wie sie ist. Und schickt uns als potentiellen Kooperationspartner weder Ruhm noch Ehre noch Geld. Sondern eine Anfrage der "Phenomedia", die ihr neues Spiel "Moorhuhn-Soccer" promoten möchten. Der Lohn dafür, dass wir tüchtig die Werbetrommel rühen sollen? Ein Eintrag in einer erbärmlichen kleinen Linkliste auf der Moorhuhn-Sucker-Homepage. Na, Danke! Da verzichten wir doch. (Und verschlafen wahrscheinlich gerade den Riesen-Hype der Fußball-WM: "Moohrhun-Soccer, der neue hypertrophe Freizeitspaß!" wird uns sicherlich bald allenthalben entgegenschallen. Denn die Welt ist wie sie ist, und die dümmsten Deppen setzen die größten Trends und benutzen Fremdwörter, deren Bedeutung sie nicht kennen.)

Was bleibt uns? Die zweite Runde unserer investigativen Enthüllung von Panders Trainersuche-Notizzettel:
"Sehe gerade, Duos sind total angesagt (Lodda/Trap in Salzburg). Vielleicht wären die zwei Jungs vom VfLog was für uns. Mal Aretz fragen, ob die ne Trainerlizenz haben."

Freitag, 19. Mai 2006

trainerroulette #1

50 Namen habe er auf seinem Zettel, mit Trainern die er kenne, so ließ sich Peter Pander nach HKs Entlassung in den Medien zitieren. Und mit der Suche lasse man sich nicht unter Zeitdruck setzen, schließlich habe man bisher mit niemandem gesprochen, man hatte ja einen Trainer. (Seltsam nur, dass die in Stilfragen zuletzt wenig zimperlichen Borussenoberen hier eine Loyalität demonstrierten, die geradezu naiv anmutet: Jeder wusste, das Köppel würde gehen müssen, nicht zuletzt wegen der Aversion des Managements gegen den eigenen Coach. Trotz dieses offenen Geheimnisses hatte man wohl Sorgen, den schwarzen Pander zugeschoben zu bekommen, wenn vorzeitige Verhandlungen bekannt geworden wären. Leicht hätte Köppel dies zu seinen PR-Gunsten nutzen können.)

Wie auch immer, zwei bis drei Wochen Geduld fordert die VfL-Führung von den Fans. Das sind 14 bis 21 Tage. Nicht ganz genug, um alle 50 Zettelnamen vorzustellen. Aber immerhin einige wollen wir in den nächsten Tagen vorstellen, uns liegt nämlich Panders Geheimskribbel vor, und wir werden jeden Tag einen Namen samt Panders Originalnotizen enthüllen, bis der neue Trainer feststeht.

Heute #1:
"Bernd Schuster – war der nicht sogar mal bei Gladbach?"

Donnerstag, 18. Mai 2006

reisebericht

Eigentlich deutete alles auf einen Erfolg hin. Man hofierte den Gast aus Deutschland angemessen: Ich wurde als einziger Fahrgast in einem großen Bus vom Flughafen Mallorca an den Verhandlungsort kutschiert, in den sechsten Stock eines ganz schmucken Hotels. Ein traumhafter Ausblick über die Cala Agulla bot sich meinem noch bleichen Auge, einem Fleckchen Mittelmeerküste, das mit anderen spanischen Buchten darum streitet, der schönste Platz an der Sonne zu sein.

Es schien angerichtet, den RCD Mallorca heim ins, äh auf die gute Seite zu holen: Real sollte VfL und der leidgeprüften Geschichte der Fußball-Insulaner ein Ende gesetzt werden. Dem Abstiegsgespenst soeben noch entwischt, wird man auch künftig Erstliga-Fußball auf Mallorca bestaunen, einzig erfolgreicher sollte er sein als bisher. Dafür, VfLog berichtete, wollte man sich umtaufen lassen in VfL Mallorca.

Doch dann geschahen merkwürdige Dinge: Die mächtigen Seilschaften traditionalistischer Fußball-Funktionäre des RCD hatten den Ältestenrat des Vereins zu den Verhandlungen geschickt. Abgeschirmt von attraktiven, forschen Ideen, die die Zukunft des Klubs hätten prägen können, war man abgerückt von der Bereitschaft zum Wandel und noch hinter die Verhandlungslinine des vergangenen Jahres zurückgewichen.

Den guten Willen kann man den Mallorcinern zwar nicht absprechen. So erfüllten sie Bedingung c) unserer nicht verhandelbaren Prämissen umgehend: Horst Köppel wurde das Traineramt für die kommende Saison angetragen, was in Gladbach den Weg frei machte für seine Demission. Das zumindest ist ehrenwert und geschah sogleich noch am Sonntag. Doch gleichwohl war es zu wenig. Ein Champions-League-Endspiel zwischen Osnabrück und Gladbach wollten sie unter keinen Umständen kampflos hinnehmen, und der Kölner Dom war ihnen egal, weniger noch: Seitdem Papst Benedikt zum Jugendtag da war, hatten sie ihn sogar ins Herz geschlossen. Also den Dom.

Unter diesen Bedingungen war für uns kein Vorankommen, denn den Status VfL gibt es nicht zum Nulltarif. Schlussendlich stellten die RCD-Vertreter noch in Aussicht, sie könnten alle drei Bedingungen nur dann erfüllen, wenn VfL-Star David Odonkor künftig die Stiefel für Mallorca schnüre, das schien ihnen ein angemessenes Geschäft. Darauf hingewiesen, der spiele nicht beim VfL, sondern in Dortmund, außerdem sei er künftger Weltmeister und damit wohl deutlich zu wertvolle Verhandlungsmasse für einen Deal wie diesen, entgegneten die Mallorciner: "Aber Borussia ist doch Borussia, außerdem werde der WM-Kader erst morgen bekannt gegeben, das könne ich also gar nicht wissen!" Kurz zuvor noch mit Klinsi telefoniert, brach ich die Gespräche an dieser Stelle ab. Die Zeit sollte mir recht geben.

Fortan bleibt Real Real. Und was aus den VfLs künftig wird, davon gibt es an dieser Stelle schon bald wieder neue Kunde. Lila-Weiß hat jedenfalls mit Marko Tredup und Bilal Aziz bereits zwei Neuverpflichtungen für die kommende Spielzeit bekannt gegeben. Ob wir uns über die beiden freuen, überlegen wir uns bis morgen.

Mittwoch, 17. Mai 2006

fleischhauer

Vor wenigen Tagen lobten wir einen Wettbewerb aus, feinsinniger als jede WM und mit einem hübscheren Hauptpreis dazu: Unsere Leser sollen uns Fotos von Geschäften schicken, die den Namen von VfL-Spielern tragen. Zur Illustration haben wir Juwelier Strasser aus Krems an der Donau vorgestellt. Nun schickt uns unser Leser Thomas folgende kritische Zeilen. Weitere Einsendungen erwünscht!



Sehr geehrte Kollegen,
trotz totaler Unkenntnis möchte ich an dieser Stelle gerade heraus behaupten: "Wer sich im Uhrmacherhandwerk einen Namen machen will, der benötigt mindestens eine zwingende Grundvoraussetzung. Das Talent und den Hang zur filigranen Arbeit!" Wer mich hinsichtlich meiner Behauptung eines Besseren belehren kann und möchte, der kann das gerne tun. Muß aber nicht wirklich sein.

Im Bezug auf Eure Aktion möchte ich daher ein weitaus treffenderes Foto präsentieren. Gefunden ebenfalls in Österreich. Genauer gesagt, in Wien. Anbei möchte ich allerdings auch erwähnt wissen, das ich keineswegs danach trachte, unseren stets aufopferungsvoll kämpfenden Kapitän, einen wirklich sympathischen Führungsspieler (das darf ich aus eigener journalistischer Erfahrung behaupten), an dieser Stelle mit meinem Vergleich zu diskreditieren. Aber aus einem luxemburgischen Fußlümmler wird über Nacht halt auch kein Brasilianer mehr.

Übrigens, es gab mal eine Zeit, ist schon länger her, da tobte ein allseits geschätzter Borusse namens Jörg Neun die Seitenlinien an der Bökelstraße herauf und herunter und versetzte gegnerischen Spielern einen gehörigen Schrecken, spürten sie vor der Grätsche seinen hechelnd, heißen Atem in ihrem Nacken. Zu dieser Zeit pflegten einzelne Fans in der Ostgeraden, den gelernten Metzger vom Bieberer Berg mit gezielten "Faß Jörg!"-Rufen auf seine Gegner zu hetzen. Meistens mit Erfolg. Stärken erkennen und gezielt fördern, der wahre
Schlüssel zum Erfolg. Das sei allen Fans und Hobbytrainern rund um den Borussia-Park an dieser Stelle mit auf den Weg gegeben. Das goldene Handwerk Jeff Strassers ist zwar rustikal, aber auch das muß man erst mal können. "Diamonds are a girls best friend" und teure Uhren sind etwas für Männer mit zu kurz geratenen, primären Geschlechtsmerkmalen. Aber an einer schönen, leckeren Fleischsemmel aus eigener Herstellung gibt es wirklich nichts zu kritisieren.

Mit sportlichen Grüßen
Thomas

Dienstag, 16. Mai 2006

verhandl. gescheitert

Maik weilt derzeit in Sachen Fußball auf Mallorca, VfLog berichtete. Nun gibt es schlechte Nachrichten. Uns erreicht just diese Eil-SMS:

"Verhandl. gescheitert. RCD schickt nur Ältestenrat zu Gespr. Attrakt., junge Ideen Fehlanz. Den Spaniern nicht zu helfen! Immerhin: VfL unabsteigbar."

Montag, 15. Mai 2006

die neue ehrlichkeit

Noch ein kurzes "Chapeau!" an unsere lieben Kollegen von Borussia.de. Nur einen Tag nach der Entlassung (pardon, der Vertragsauflösung) von Köppel findet sich von dem Mann, der doch immerhin den Abstieg verhindert hat, auf der Startseite schon kein Wort mehr. Dafür die Meldung "4,8 Millionen Euro Gewinn". Und klickt man dann auf "weitere News", um zu sehen, ob wenigstens dort noch etwas zu finden ist, liest man gleich die Nachricht "Jetzt wird erst einmal gefeiert". So soll es sein.

alles gesagt

Was soll man noch sagen? Es ist passiert, was alle wussten, VfLog-Leser besonders früh. Hier und hier, auch hier und hier war die Rede davon: Köppel musste weg, und Rangnick ist unser Favorit.

Vieles spricht so dafür, dass unser Leser Sebastian seine Wette gewinnen würde – hätte nur irgendjemand gegengehalten...

Was bleibt? Zufriedenheit? Dafür war die letzte Saison zu deprimierend, dafür ist die Zukunft zu ungewiss. Aber die Hoffnung, dass dem VfL bessere Zeiten blühen, unterhaltsamere, die besteht. Mehr dazu bald hier, wenn Peter Pander eine Namen nennt.