Samstag, 3. Dezember 2005

kaffeesatz im kaffeehaus

Noch drei Stunden. Und ich bin in der einerseits traurigen Lage, fast 1000 Kilometer vom Borussiapark entfernt zu sitzen, in der andererseits entspannten Situation, die Kaffeesatzleserei vieler Experten aus der Ferne im Kaffeehaus betrachten zu können. Meyer hin, Jansen her, Elbertrubel mei, Durststrecke ach, Erwartungsdruck hüben, Rücken zur Wand drüben – geh, jetz is auch mal gud. Nachher werden wir's doch wissen.

Meine Prognose ist auch ganz entspannt: Die Fohlen der letzten Wochen haben gezeigt, dass auch kleine Widrigkeiten, die man böswillig als Rückschläge, wohlwollend als Normalität interpretieren könnte, ihnen wenig anhaben. Dieses Team ist intakt und erfrischend wie schon lange keine Gladbacher Elf mehr. Was also soll denn heute schon passieren? Wir gewinnen und freuen uns. Ich halte dies für den wahrscheinlichsten, aber bei weitem nicht selbstverständlichen Fall. Oder wir spielen unentschieden und manch einer, der vorher von Pflichtsieg faselte, wird vielleicht Klagen anstimmen, aber na und? Selbst wenn wir verlieren: Ein Blick auf die Tabelle dieser Saison und aller vorherigen wird auch dann noch unglaublich entspannen. Das soll nicht heißen, dass mir eine Niederlage egal wäre. Aber auch dann noch würde ich genießen wollen, dass es uns endlich einmal so komfortabel gut geht, dass Katastrophenalarme derzeit nicht abzusehen sind. Wann war dies zuletzt in einem Dezember so?

Freitag, 2. Dezember 2005

freitag

Am Freitag hat Herr Taschenbier frei. Er freut sich schon auf morgen, denn morgen, am Samstag, kommt der Sams zurück. Schon beim letzten Besuch hatte er sich gewünscht, dass das Sams, wenn es das nächste Mal wiederkommt, als Fußball verkleidet im Regionalligaspiel VfL Osnabrück gegen Fortuna Düsseldorf erscheinen möge. Und einen zweiten blauen Wunsch-Punkt aus dem Samsgesicht hatte er investiert, indem er sich wünschte, das Sams dürfe erst dann wieder seine gewohnte Form annehmen, wenn es als "Tor" mindestens vier Mal hinter die Torlinie von Fortuna-Keeper Deuß gerollt sei. Am Sonntag scheint in Osnabrück übrigens voraussichtlich die Sonne. Und gestern donnerte es.

Donnerstag, 1. Dezember 2005

grund zur freude

Gladbachs Vizepräsident Siegfried Söllner wird heute auf borussia.de mit diesen Worten zitiert: "Ich wünsche Hans Meyer für seine Aufgabe beim 1. FC Nürnberg alles Gute und viel Erfolg. Am Samstag allerdings soll er keinen Grund zur Freude haben, die Punkte sollen im BORUSSIA-PARK bleiben."

Mal ehrlich, Hans: Drei Punkte für Gladbach wären doch ein Grund zur Freude für Dich, oder?

Mittwoch, 30. November 2005

man wird alt

Wenn man abends ausgeht, in ein kleines nettes Lokal mit einer umfangreichen Weinkarte und akzeptablen Preisen, und auf der Karte stehen neben Speisen und Getränken seit an seit Bonmots wie "Eine Flasche im Keller ist zu wenig, eine im Vorstand ist zuviel" und die ewig gleichen "lustigsten" Fußballerzitate ("Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien"), und man stellt fest, dass man diese Sprüche aber so was von gar nicht amüsant, sondern einfach nur ausgelutscht findet, hat man dann eine Flasche zu viel oder zu wenig im Bauch?

Dienstag, 29. November 2005

aggregatzustände

Aus Rücksicht auf die Eingeschlossenen von Ochtrup verlegt der VfL sein Heimspiel gegen den VfB Lübeck erneut. Die Bewohner des neuen Tals der Ahnungslosen im Münsterland sollen nicht darauf verzichten müssen, wenn der VfL das nächste Mal die Massen elektrisiert. Als nächstes steht dann am kommenden Samstag das spannungsgeladene Heimspiel gegen Düsseldorf an. Hoffen wir, dass sich in Ochtrup dann mehr als nur mitfiebern lässt. Bis Samstag jedenfalls können sich unsere VfL-Helden die Zeit mit Voltigieren vertreiben. Hauptsache, sie stehen am Wochenende auf dem grünen Rasen wieder mächtig unter Strom.

Nebenbei: Am Abend hat Nationalspieler Per Mertesacker das Krisengebiet in Westfalen besucht. Die Eingeschlossenen sind sich jedoch einig: "Am Per liegt es nicht, dass wir immer noch im Dunkeln hocken!"

Montag, 28. November 2005

zurück

Borussia ist seit Monaten endlich wieder da, ich bin es seit heute. Eine knappe Woche Auszeit am Meer hat mir den Beginn der großen Koalition erspart, aber auch die Ansicht bewegter Bilder der sich gegen Leverkusen und Hertha fortsetzenden grün-schwarz-weißen "Wir verlieren nie mehr"-Serie verwehrt. Alles in allem ein akzeptabler Deal, zumal ich verspreche, alles zu tun, damit mit mir auch die drei Punkte wieder zurückkehren. Gegen Nürnberg sollte das gelingen, schließlich ist HM bekanntlich dort angetreten, um Gladbach aus dem Abstiegskampf herauszuhalten.

Sonntag, 27. November 2005

glückskinder

Die Krake hat heute einmal mehr einen Punkt gerettet, mit Kahé jubelt die Borussia nunmehr auch brasilianisch, und sogar der Gegner spielt mit: Mit dem Eigentor von Arne Friedrich ist schließlich sogar das Glück zur Borussia zurück gekehrt. Auch wenn am Ende 'nur' ein 2:2 steht.

So ähnlich wie dem HSV oder - aufgepasst: den Bayern geht es mitunter auch uns VfLern mal wieder. Der Erfolg ist zurück. Das Standard-Anti-Bayern-Argument - das schrieb schon Axel Formeseyn in der 11 Freunde - will nicht mehr so richtig ziehen: "Die gewinnen doch eh immer!", das stimmt derzeit fast auch für die Borussia. Zumindest umgekehrt gilt: "Die verlieren nicht mehr!"

Vor der Saison hat der VfL ziemlich viel richtig gemacht. Ein konkretes Saisonziel wurde demonstrativ nicht ausgegeben, einzig Teil des Abstiegskampfes wollte man nicht mehr sein. Das - so weit aus dem Fenster darf man sich lehnen - ist schon jetzt geschafft. Das Team wurde dafür - auch das darf gesagt werden - mit zumindest fragwürdigen Mitteln ergänzt, die Transferpolitik unterschied sich nicht mehr sehr von Vereinen wie Schalke oder Dortmund. Dieser Kaufrausch hat zwar weniger Geld, trotzdem aber auch einige Sympathien gekostet. Die Fohlen wuchsen nicht mehr in der eigenen Jugend, stattdessen wurden vermehrt (über)reife Hengste eingekauft.

Das kann man kritisieren, man kann es in Kauf nehmen oder als echt und billig preisen. Wenn zählt, was hinten rauskommt, dann steht unterm Strich, dass die Rechnung offenbar aufgeht. Dazu gehört maßgeblich ein Architekt mit dem Anlitz eines Tischlermeisters: Horst Köppel darf sich dieses Verdienst zuerst anrechnen.
Das Unentschieden in Berlin ist nach der frühen Zweitoreführung womöglich etwas ärgerlich, sogar zurecht. Dennoch ist auch dieses Spiel ein Zeugnis des neuen Borussen-Geistes. Der VfL ist fester Bestandteil eines Zirkels von Vereinen, gegen die es sich nicht leicht gewinnen lässt, die mit ein bißchen Glück im nächsten Jahr nicht nur Ligaspiele austragen. Das gilt nicht für Leverkusen und auch nicht für Stuttgart. Wer hätte dass schon vor der Saison gedacht?

Nun darf nur eines nicht passieren, nämlich die Korrektur der Ziele. Offiziell einen einstelligen Tabellenplatz zu fordern, wäre arg blauäugig. In Nürnberg würde bereits der Meistertitel gefordert, anderswo bereits über die nächsten UEFA-Cup-Gegner gestritten. Ersparen wir uns das, denn Trainerwechsel und Trouble hatten wir in den vergangenen Jahren genug. Was jetzt zählt, ist der Mut, beständig und beharrlich weiterzuarbeiten. Auch, wenn in einigen Wochen wieder einmal Niederlagen folgen.

Samstag, 26. November 2005

was sind gute fans?

An sich ist das keine schwere Frage. Was sind schon gute Fans? Für meine Freundin Judith - gänzlich ohne Ballinteresse - zum Beispiel steht fest: Es gibt keine guten Fußballfans! Dagegen bezieht mein Freund Torben Stellung für den perfekten Fan: Mit voller Leidenschaft ohne jegliche Einschränkung! Irgendwann jedoch hilft all das nicht mehr weiter. Was tun, wenn die Mannschaft nicht mehr so tickt wie man es als Fan gern hätte, wenn Enttäuschungen sich häufen und auf eine 1:5-Auswärtsniederlage mit einem 0:4 nicht einmal vermeintlich Besserung folgt? Was tun also als VfL-Fan?

Kurzer Exkurs in die ruhmlose Vergangenheit: Vor nunmehr knapp zwei Jahren kam es in der Arena auf Schalke, wie heute, zum Spiel Schalke gegen Bremen. Bremen spielte damals gewöhnlich großen Fußball, führte mit 9 Punkten Vorsprung die Tabelle an, und auch Schalke begeisterte oftmals die Massen. Fußballdeutschland schaute an diesem Nachmittag nach Gelsenkirchen. Mein Bruder René und ich konnten ganz kurzfristig noch zwei Karten für das Spiel ergattern, in der allerletzten Reihe der Arena, und wir waren richtig gespannt. Was folgte war - wie immer, wenn ich einmal einen Fuß in ein Bundesliga-Stadion setze - eines der schlechtesten Bundesliga-Spiele, die ich je sah. Es endete 0:0, und skandalöserweise wurde dieser Grottenkick im Fernsehen noch relativ gut geheißen.

Was mich an diesem Erlebnis zusätzlich maßlos geärgert hat, war die nahezu haltlose Affimation der königsblauen Fans. Die zuvor gesehenen 90 Minuten duften nun zu vielem Anlass sein, zu Applaus und "Schalke, Schalke"-Sprechchören aber sicher nicht. Schauerlicher Fußball wurde aber wider Erwarten von den Rängen bejubelt, und die Schalker Spieler ließen sich von den Ovationen auf dem Rasen feiern. Wie weit darf nun Fanliebe gehen, oder: Was sind gute Fans?

Schalke-Fans sicher nicht. Sie sind einfach nicht mehr ernst zu nehmen. Wie aber - diese Frage stellt sich für meinen VfL derzeit sehr virulent - einerseits kritischer Begleiter sein, der Missstände nicht unter den Teppich kehrt, andererseits aber dennoch mit Leidenschaft? Nicht dass es schon soweit gekommen wäre: Aber darf man sich beispielsweise über eine weitere Niederlage freuen, trüge sie dazu bei, die vereinsfarbene Brille endlich abzulegen und gegen eine realistischere Sicht auf die Dinge einzutauschen? Ehrlicher als die Schalker Hudelei wäre dies allemal. Heißt das aber nicht auch immer, die eigene Leidenschaft zu verleugnen?

Kritischer Dialog - so nennen das Politiker oder Eheberater. Aber taugt ein solches Konzept für einen Fußballfan? Das hieße ja, einen Teil der eigenen Identität, die notwendig immer auch emotional besetzt ist, parallel kritisch, also unemotional, nämlich rational, zu begleiten. Ist das möglich? Es muss möglich sein. Auch fortan, sogar gerade fortan, wenn der Erfolg auf dem grünen Rasen einmal ausbleibt. Wenn der Versuch scheitert, man wäre nichts weiter als ein jämmerlicher Schalker, und das kann keiner wollen.

Daher ein weiterer erster Versuch: Ein Sieg gegen Lübeck wäre großartig. Probleme lösen wird er vermutlich trotzdem nicht. Zauberfußball am Dienstagabend wäre eine Offenbarung. Daran, dass in dieser Spielzeit einiges gehörig schief gelaufen ist und womöglich noch läuft, ändert das gar nichts.

Freitag, 25. November 2005

flutlicht am dienstag

Die Regionalliga-Partie VfL Osnabrück gegen VfB Lübeck ist wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgesagt und auf den Dienstagabend verlegt worden. Ist das nicht schön? Allein diese Meldung spiegelt den Reiz des unterklassigen Fußballs unmissverständlich wider. Früher war das der Regelfall: Es schneite oder regnete zu stark und lange, schon musste das Spiel abgesagt werden. Im Zeitalter moderner, womöglich sogar überdachter Arenen und verlässlicher Rasenheizungen ist dieser Fauxpas passé, er ist ein Relikt. Zumindest in der Bundesliga. Schade eigentlich, denn über die unvorhersehbaren Naturgewalten kommt der VfL nun zu einem Abendspiel, zu einem Spiel mit Flutlicht-Atmospähre. Ein wenig wehmütig mag nur werden, wer bedenkt, was dies für ein Kracher hätte sein können, wenn der VfL wirklich noch oben mitspielte. Aber auch so: Ein Hoch auf das Tief, das Niedersachsen derzeit kreuzt.

Donnerstag, 24. November 2005

herbstnachtstraum

Ein kalter Herbsttag in Deutschland, dazu noch einer ohne Fußball, stattdessen mit UEFA-Cup Spielen von Stuttgart und Hertha BSC. Das kann eigentlich keiner wollen, und müsste der VfL nicht am kommenden Sonntag gegen die Berliner ran, wäre das Spiel gänzlich bedeutungslos; so können wir immerhin noch auf eine gleichermaßen kräfte- wie selbstbewusstseinzehrende Niederlage der Hauptstädter in letzte Minute hoffen. Ach, irgendwann gestern in einigen Jahren wird es zu einem wirklichen Spitzenspiel, einem europäischen Leckerbissen, einem wirklichen Kracher kommen. Nämlich dann, wenn sich unsere beiden VfLs im Champions-League-Finale gegenüber stehen. Und das wird auch wieder ein warmer, sonniger Frühjahrstag sein.

Mittwoch, 23. November 2005

gast-kolumne: christmas-collection connection

Von Tim

Nicht nur der VfLog besitzt einen erstklassigen Fan-Shop. Auch die Borussia bietet ihren Anhängern ein phänomenales Textilien- und Utensilien-Repertoire. So freuen wir uns dieser Tage unter dem Motto „Grün-Weiße Weihnacht“ über Borussias Weihnachtskollektion. Große Freuden zu relativ kleinen Preisen. So wird dem Fan noch wärmer ums derzeit ohnehin recht wohl temperierte Herz.
Dem geneigten Betrachter wird allerdings schnell klar, dass es sich bei diesen Kleinoden nicht nur um Artikel für den Fan handelt. Es sind vielmehr sorgfältig ausgewählte, auf tiefenpsychologischen Erkenntnissen fußende und nicht in erster Linie zum Zwecke der Umsatzsteigerung produzierte Motivationswerkzeuge für die Spieler. Lesen Sie anhand einiger Beispiele, was die Connection um Köppel und Ex-Pander mit der Christmas-Collection bezweckt:

Der Borussia-Eiskratzer wird für den stets glasklaren Blick Richtung internationale Fußball-Bühne sorgen.

Der Borussia Adventskalender ist das Symbol für die 24 zu erzielenden Tore in den drei Dezember-Spielen gegen Nürnberg, Hannover und Frankfurt.

Die Borussia Christbaumkugeln sind eine Warnung an die Spieler, sich über die Feiertage nicht hängen zu lassen.

Der Borussia Nikolaus-Strumpf ist ein Heimtrainer für die Spieler, mit dem sie auch zu Hause üben können, wie man anderen erfolgreich einen einschenkt.

Der Borussia Fleecehandschuh ist das Prunkstück der Kollektion. Er dient als Fehdehandschuh, den es dem FC Könntichniemalsaussprechen vor dem Rückspiel im Februar vor die Füße zu werfen gilt.

Und wenn alles klappt wie geplant, gibt es in der Weihnachtskollektion 2006 als Belohnung die Borussia Ohrenschützer, mit denen unsere Spieler das Rumgeheule ihrer unterlegenen Gegner nicht mehr ertragen müssen.

Dienstag, 22. November 2005

7:5

Ein Tag wie dieser zeigt, dass Fußball das Wichtigste ist im Leben. Angela Merkel wurde zur ersten Kanzlerin unseres Vaterlandes gewählt. König Fußball muss fortan mehr sein als stille Opposition.
Der VfLog wagt einen Blick in die eigenen Reihen und zählt mit Blick auf die Kabinette des vergangenen Wochenendes die Mehrheiten aus. Wer hat wen gewählt?

Die Borussia spielte gegen Leverkusen mit:
Keller - nicht wahlberechtigt
Jansen - Grüne
Strasser - nicht wahrberechtigt
Zé Antonio - nicht wahrberechtigt
Fukal - nicht wahrberechtigt
Thijs - nicht wahrberechtigt
Kluge - SPD
El Fakiri - nicht wahrberechtigt
Polanski - CDU
Neuville - FDP


Der VfL beging das Emdener Debakel mit folgendem Gespann:
Berbig - Grüne
Koch - Linkspartei
de Jong - - nicht wahrberechtigt
Kügler - CDU
Enochs - nicht wahrberechtigt
Reichenberger - SPD
Nouri - SPD
Schäfer - FDP
Waku-Menga - nicht wahrberechtigt
Heidenreich - CDU
Wedau - Grüne


Ergebnis:
SPD - 3
CDU - 3
Grüne - 3
FDP - 2
Linkspartei - 1


Die linke Mehrheit steht. An einem Tag wie diesem darf man sich nicht der Realität geschlagen geben. Was zählt, ist die Zuversicht!

Montag, 21. November 2005

die liga der sympathen

Die Zeiten sind jämmerlich, und nach einem sieglosen VfL-Wochenende, schlimmer noch: Nach einer auch in der Höhe verdienten 0:4-Niederlage gegen Kickers Emden ist der Ruf nach Besserung laut. Nicht so laut jedoch, dass wir Positives überhört hätten, dass die gute Nachricht nicht mehr unser Ohr erreichen könnnte. Die Liga ist mehr denn je eine der Sympathen.

Soll heißen: Wenn wir schon Kaiserslautern in der ersten Liga ertragen müssen, dann nicht länger mit Michael Henke. Wenn Nürnberg sich nun bereits in der zweiten Spielzeit nacheinander am Heiligen Rasen der Liga versündigt, dann bitteschön mit Hans Meyer an der Seitenlinie. Und schließlich: Wenn der Hannover’sche Provinzsportverein sich mit der Entlassung des ehrenwerten Ewald Lienen verzettelt, hat er immerhin die Chuzpe, nicht auf Wolfgang Wolf oder Wener Lorant als Nachfolger zurückzugreifen; nein, er verpfichtet Peter Neururer.

Wann jemals zuvor arbeiteten bei den 18 Bundesligisten so viele tendenziell akzeptable, geradezu sympathische Coaches, die zugleich noch Sachverstand und Konzepte erkennen lassen? Ausreißer nach unten sind lediglich Eintracht Frankfurt und – hier jedoch als maßgeblicher Teil einer besonderen corparate identity nur konsequent – der VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen. Das ist eine insgesamt hervorragende Ausbeute.

Man denke an Zeiten zurück, in denen sich die Friedel Rauschs, Kurt Jaras und Rainer Bonhoffs die Klinke in die Hand gaben, um schließlich Otto Rehhagel in aller Öffentlichkeit schamlos als modernen Fußballtrainer anzupreisen. Die alle wollen wir nicht mehr sehen. Aber die Liga verschont uns derzeit sogar von so schmerzhaften Dauerbrennern wie Wolfgang Wolf oder Huub Stevens. Die Trainerneuzugänge der jüngsten Vergangenheit sind nahezu alle respektabel, einzig die Verpflichtung Michael Skibbes ist wirklich schmerzhaft. Schließlich jedoch wurde Skibbe von einem äquivalenten Klub angeheuert, der sich mit Schmerzen bestens auskennt.

Es macht Spaß, der Liga zuzuschauen. Auch der obligatorische Kamera-Blick auf die Trainerbänke ist kein Graus mehr, vielleicht nur dann, wenn Hertha gegen Frankfurt spielt und Falko Götz mit Friedhelm Funkel gleichzeitig im Bild ist. Ansonsten auffällig viel Sympathie, auffällig viele Typen. Steigerbar eigentlich nur noch durch ein neuerliches Engagement von Rolf Schafstall oder Eduard Geyer.

Nachtrag, 23:35 Uhr: Wolfgang Wolf ist neuer Trainer in Kaiserslautern. Das ist geschmacklos. Niemand konnte etwas dagegen unternehmen. Damit steht Kaiserslautern schon frühzeitig als erster Absteiger der Saison fest - aber das ist ja auch ganz angenehm.

Sonntag, 20. November 2005

erfolgsspuren

Noch immer ist nicht so richtig klar, warum. Aber der VfL kletterte nahezu unbesehen auf Rang 6, hat weniger Tore kassiert als Bremen und mehr geschossen als Schalke. Das alles unter Trainer Horst Köppel, einem Coach, dem im Sommer noch niemand mehr wirklich zugetraut hatte, eine Saison unter Echtzeitbedingungen, das heißt jenseits des akuten Abstiegskampfes, durchzustehen.

Köppel hat beachtliches geleistet, und - zugegeben - das geht mir schwer über die Lippen. Man mag immer noch ein vorsichtiges "scheinbar" einstreuen. Dazu aber gibt es derzeit absolut keinen Anlass. Eher im Gegenteil: Köppel hat aus einem eben nur scheinbar inhomogenen Haufen eine Mannschaft geformt und das geschafft, was Dick Advocaat nicht gelingen wollte. Köppel hat vollendet, was sein Vorgänger zumindest im Kopf hatte. Die Fohlen spielen wieder Fußball.

Wie konnte das passieren? Mit Geduld, und eben mit einem Papa wie Horschtl einer ist. Nicht immer zurückhaltend, auch mal aufbrausend und streng, aber fair und stets mit Blick auf das große Ganze. Das kann er offenbar, und damit hat er uns überrascht. Der VfL steht hinten robust, beängstigend fast, nach vorn spielt er direkt und mit dem nötigen Selbstbewusstsein vor dem Tor. Das sieht nicht immer klasse aus, das ist nur selten Zauberfußball. Aber was zählt, sind Punkte. Davon hat der VfL schon 20, gefühlt sind das mehr als in den vergangenen fünf Jahren zusammen. Das Patriachat trägt Früchte. Solange es nicht seine Kinder frisst, besteht Anlass zu Freude. Ohne Vorbehalt.

Samstag, 19. November 2005

0:4

Noch Fragen? Nein? Danke!
Vielleicht Vorschläge? Ratschläge? Auswege?

Freitag, 18. November 2005

hauptsache gesund

Morgen geht es also gegen Leverkusen. Die wirklich unnötigste Mannschaft am Rhein hat nichts zu holen im Borussiapark, soviel ist klar. Aber für die armen Menschen, die wegen eines widrigen Schicksals zu Fans der Werkself geworden sind, haben wir ein paar Tips, wie sie das Spiel besser ertragen werden. Bitte in folgender Reihenfolge einnehmen – und keine Sorge, es ist alles von Bayer:

Vor dem Spiel
Aspirin plus C
Fluanxol
Neurocil

Mit Anpfiff
Bepanthen Augensalbe
Atosil
Baymycard

Zur Halbzeitpause
Talcid
Lefax

Nach Abfiff
Aktren

Nach dem Duschen
Canesten
Priorin
Bolfo
Nimotop

Am Abend nach der Niederlage
Levitra
Ciatyl

Am nächsten Morgen
Alka Seltzer
Saridon

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Donnerstag, 17. November 2005

deutschland wird weltmeister

Das Feld hat sich gelichtet, und zum Vorschein kommt Zuversicht. Denn: Ein erneuter Durchmarsch der deutschen Nationalmannschaft bis ins WM-Finale ist nunmehr erwartbarer denn je. Jetzt, da die Konkurrenz von Klinsis Zauberkünstlern de facto feststeht.

Schauen wir einmal auf das Teilnehmerfeld und sondieren zuerst die potenziellen 8:0-Kantersieg-Gegner, als da wären: Saudi-Arabien (zum wiederholten Male), Elfenbeinküste, Togo (evtl. auch neun Tore denkbar), Angola, Trinidad&Tobago, Costa Rica, Ecuador, Iran und die Schweiz.

Übrig bleiben eine ganze Schar von Teams, die wir entweder bereits beim letzten Mal rausgekegelt haben oder qua nationalem nicht zu mehr taugen als zu Kanonenfutter. Wir zählen dazu: Australien, Tunesien, Ghana, Mexiko, USA, Paraguay, Südkorea, Japan, Serbien-Montenegro, Polen, Kroatien und die Ukraine.

Brasilien und Argentinien treffen im Viertelfinale aufeinander, der Sieger verliert im Halbfinale gegen die Niederlande. Somit sind keine außereuropäischen Teams mehr vertreten, die WM wird standesgemäß zur inoffiziellen Euro 2006.

Nun, im Feld sind nun noch die Elfmeter-Stars aus England, die wir - so viel Spaß muss sein - im Achtelfinale selbst und natürlich wieder vom Punkt aus besiegen; außerdem Spanien, das leider nicht einmal die Vorrunde übersteht; Tschechien, das zum Spanien des neuen Jahrtausends wird und niemals irgendeinen großen Titel gewinnen wird; Frankreich, diese vermeintlich große Fußballnation, gegen die wir ja schon in der Vorbereitung kein Tor kassierten und die immer noch von ihrem Triumph 1998 zehrt, währenddessen in der Folgezeit längst andere, große Mannschaften aktueller Vize-Weltmeister geworden sind, als man selbst mit null geschossenen Toren frühzeitig wieder abreiste; Schweden und Portugal, die einfach nicht Turniersieger werden, weil Schweden und Portugal als Weltmeister scheiße klingt und ungehörig ist, schließlich wird Feuerland auch nicht Südamerika-Meister; Italien, das leider wieder im entscheidenden Spiel entscheidend zu viele Fehler macht, nämlich im Halbfinale gegen uns, das wir - in memoriam 1970 - mit 4:3 gewinnen.

Das Finale gegen die Niederlande nun ist ein einziges Déjàvu und bedient alles, was ein Fußballspiel an Emotionen bedienen kann. Trotzdem ist der deutsche Sieg natürlich Formsache. Denn: Spielt im deutschen Team ein Eike Immel? Oder ein Gunnar Sauer? Nein? Eben!

Mittwoch, 16. November 2005

t & t

Trinidad/Tobago ist bei der Weltmeisterschaft in Deutschland dabei. Das ist Sprengstoff für das Turnier, und zwar allerbester. Nach einem mitreißenden Fußballspiel hat sich die Mannschaft gegen das Königreich Bahrain mit 1:0 durchgesetzt und das Deutschland-Ticket gelöst. Das Tor des Tages in Manama erzielte Dennis Lawrence (50.) per Kopfball.

Der Sieg war bereits im Vorfeld absehbar, weil Ex-VfL-Trainerlegende Wolfgang Sidka seinen Trainerjob in Bahrain Ende Juni abgegeben hatte. Trotzdem ist das Ausscheiden für die Königskinder bitter: Im Erfolgsfall hätte die Mannschaft aus Bahrain umgerechnet vier Millionen Euro erhalten. Zusätzlich hätte es 50.000 Euro pro Spieler, ein Haus, ein Auto und eine Sofortrente ab Juni 2006 von umgerechnet 2000 Euro gegeben. Das war im Vorfeld vom Parlament beschlossen worden.

Dienstag, 15. November 2005

fakten und fiktionen

Warum lese ich sie eigentlich noch, die Bild-"Zeitung" (natürlich nur online...!)? Manchmal ist sie unterhaltsam, ja, und manchmal weiß sie Dinge zuerst, die bald in aller Munde sind, gerade im Sport. Sehr oft aber behauptet sie auch, Dinge zu wissen, die niemand sonst je hörte. "Aussortiert und weg", so vermeldet das Blättchen nun, sei das Motto in vielen Vereinen vor der nahenden Winterpause. In Gladbach, so die Autoren, werde es Giovane Elber treffen: "Wird er bis Januar nicht fit, will Gladbach ihn unbedingt abschieben".

Was steht denn dazu im Kicker, fragte ich mich. Dies:
"Wir hatten eine hohe Fluktuation, aber in dieser Saison ist die Mannschaft gut zusammengestellt. Sportlich sind wir auf dem richtigen Weg, und es kommen auch noch einige Spieler zurück, die uns in der Rückrunde weiterhelfen können", so Königs.
Im Blick dürfte der Präsident dabei nicht nur Giovane Elber haben, der beim 5:1 im internen Duell gegen die Oberliga-Mannschaft drei Tore markierte (zudem trafen Kluge und Kahe) und weitere Fortschritte macht.
Aussortiert und weg, das sollte das Motto für die deutschen Kioske sein. Aber ach, die Zeiten sind nicht so.

Montag, 14. November 2005

die geburt der schönen bilder

Ullrich Tour-de-France-Sieger. Osnabrück in Liga 2. Deutschland Weltmeister. Gladbach in der ersten UEFA-Cup-Runde gegen Benfica Lissabon. Goleo Liebling des Monats. Der VfLog den Preisbloggen-Award-Titel verteidigt.

Sonntag, 13. November 2005

realitätsdiffusion & kontingenztremor

Dieses unabänderliche Zittern, ohne Kontrolle und Einhalt, vor allem ohne Ausweg. Noch schlimmer: Ohne sinnhaften Anfang, ohne eine bewusste Entscheidung dafür. Wissend, alles könnte genauso gut auch anders sein. Unvorstellbar. Nürnberg wäre auch denkbar. Oder Fürth. Gott sei Dank kann man sich auf das Zittern verlassen, es kommt jede Woche, eigentlich sogar öfter. Sogar dann, wenn die VfLs nicht spielen.

Mit der Gesamtsituation noch so unzufrieden, lässt es sich nicht abstellen. Das ist gut zu wissen. Ohne Zittern wäre die Welt behäbiger, ruhiger, nicht so spannend. Die Gnade wes Geburts auch immer hat es vermocht, uns das beste zu schenken, was der deutsche Fußball zu bieten hat: Zittern mit Gladbach und Osnabrück, Liebe und Zuneigung.

Die einen stehen relativ weit oben, ausnahmsweise gefahrlos und ohne genau zu wissen, wieso und was sie dort zu suchen hätten. Die anderen stehen relativ zu weit unten, gemessen an dem, was sie vor Saisonbeginn als Ziel ausgegeben hatten. Bei genauerem Hinsehen droht beiden Teams in diesem Jahr erstmals seit langem mal wieder ein typisches Wolfsburg-Dasein, nämlich ein absehbarer Platz im Tabellenniemandsland. Trotzdem oder womöglich gerade deswegen bleibt das Zittern. Und es macht stolz.

Samstag, 12. November 2005

kalte faszination

Ungemütliches Wetter, der Jahreszeit angemessen kalt, bewölkt. Herbst eben. So ein 2:0 gegen verunsicherte und schwache Erfurter kommt unter den gegebenen Umständen enorm karg daher. Besonders überzeugend ist es auch nicht. Natürlich freuen wir uns pflichtschuldig, wir saugen den hoch verdienten Sieg dankbar in uns auf und verbuchen ihn auf dem schmal bestückten Punktekonto. Mehr nicht.

Fußball ist derzeit nicht mehr der, der er mal war, und nicht der, der er sein sollte. Nicht an Tagen, an denen der VfL gegen Erfurt gewinnt und gleichzeitig Markus Feldhoff mehr und mehr seinen Ruf als intelligenter, fairer Vorzeigeprofi einbüßt. Auch nicht an Tagen, an denen zu allem Überfluss dann auch noch Deutschland ein Freundschaftsspiel in Frankreich bestreitet; immerhin können wir uns in Paris mal wieder als Friedensbringer profilieren, vielleicht ein bißchen erfolgreicher als beim letzten Mal.

Der Faszination des runden Leders aber kann diese Mission nichts anhaben: Sie ist derzeit so oder so arg beschädigt. Mindestens bis zum nächsten Wochenende. Dann spielen die VfLs in Emden und gegen Leverkusen.

Freitag, 11. November 2005

ästhetische prozesse

Angela Merkel wird nun also - nie waren die Anzeichen dafür deutlicher - Kanzlerin unseres schönen Heimatlandes.
Der VfL wird morgen endlich einmal wieder ein Spiel gewinnen, und zwar deutlich. Das absehbare, wenngleich auch annähernd bedeutungslose 4:1 gegen Rot-Weiß Erfurt wird ein Schmankerl der Saison und zugleich großer Regionalliga-Sport. Es wird die Bremer Brücke zum brodeln bringen.
Klinsis Helden von Paris werden am Abend dann erstmals seit vielen Jahrzehnten wieder gegen eine zumindest vermeintliche Spitzenmannschaft gewinnen. Das 2:1 im Stade de Frace macht Mut für die WM, es macht uns ein für allemal zum Titelfavoriten, der Doppelpack von Thomas Brdaric wird nicht der letzte in einem wichtigen Länderspiel gewesen sein.
Morgen bezaubert uns wieder die Schönheit des runden Leders. Bestimmt.

Donnerstag, 10. November 2005

die zähmung des blicks

"Everybody wants to be the man at the top", singt Bruce Spingsteen, "aim your gun, son, and shoot your shot". Jeder möchte immer oben stehen. Viele sind davon überzeugt, dass sie das auch schaffen können. Unter die ersten Zwei kommen, aufsteigen in die Zweite Liga, im zweiten Versuch zurück ins Profi-Geschäft.

Manche werden enttäuscht. Ziel verfehlt, Schuss daneben. Es zerplatzen Träume, man findet sich nach nicht einmal der Hälfte der Spiele näher an einem Abstiegs- denn an einem Aufstiegsplatz. Der Blick in der Tabelle wandert nach oben, er stockt schon bei Platz Sieben. Fünf Plätze zu früh. Weiter nach oben geht's nicht. Weiter oben schmerzt jedes Blinzel, Jena und Hertha BSC verursachen Schmerzen, merkliche, in der Brust und im Rücken. Die Luft wird knapp, man atmet kurz. Oben wird der Blick zu einem tödlichen. Er muss stehen bleiben, ziemlich genau in der Mitte. Stillstand ist manchmal notwendig. Um sich wieder zu finden. Manchmal dauert das länger. Manchmal ist Stillstand, obwohl alles andere schon marschiert. Es fällt nicht schwer, den Blick dann abzuwenden. Ihn zu zähmen, will gelernt sein.

Mittwoch, 9. November 2005

zwiespältige begierden

Eben noch wollten wir einen Artikel darüber schreiben, was es für unser Erfolgsduo Köppelandersen wohl bedeuten würde, wenn der Assistent der vermeintlichen Begierde aus Nürnberg nachgeben würde, um den Job anzutreten, den Peter "Verbalerotik" Neururer in schönstem Stil per Mailbox ablehnte. Der langmähnige Skandinavier Andersen, zuletzt gegen Hamburg für eine kleine auf Elber zeigende Geste in der 70. Minute gefeiert, hat wohl nicht unbedeutenden Anteil am Erstarken der Borussia. Und er bleibt. Nun, da sich abzeichnet, dass er nie ernsthaft Kandidat in Nürnberg war, hinterlässt seine leicht anbiedernde Sprechblasen-Stellungnahme ("eine reizvolle Aufgabe") allerdings einen fahlen Nachgeschmack: Hat da einer Ambitionen, bald Cheftrainer zu sein, möchte er lieber den ersten Mann im Sumpf als den zweiten auf dem Olymp geben?

Durch den Nürnberger Sumpf jedenfalls soll nun ein anderer, in Gladbach gleichfalls wohlbekannter Mann stapfen: Hans Meyer. Gottgleiche Figur und Idol auch unseres kleinen Familienblogs. Was bewegt einen solchen Mann nur, nach Nürnberg zu gehen? Ich kann nicht anders, ich wünsche Hans Meyer Glück! Aber vielleicht heißt Glück ja in diesem Fall doch: Abstieg und schnell zurück in den heimischen Rosengarten. Keine Schmach im Frankenland wird vergessen machen, was Du am Niederrhein erreicht hast, Hans!

Dienstag, 8. November 2005

sicht und einsicht

Geht es eigentlich nur mir so? Dieses seltsame Gefühl, in diesem Jahr finde die Bundesliga nur behelfsmäßig, sozusagen amputiert statt? Kaum hat sie begonnen, gibt es eine Spielpause nach der anderen, und kaum hatte man gedacht, die Zeit der vielen Unterbrechungen sei vorbei ... gibt es wieder eine Spielpause. Es scheint, als habe man beim DFL nach einem Prinzip gesucht, glücklichen Fans den Rhythmus zu nehmen, mit immer neuen tristen Nationalmannschafts-Werbeunterbrechungen im prickelnden Programm der Bundesliga.

Allein: Wer zu derlei depressiven Gedanken neigt, dem sei ein Blick auf die Tabelle empfohlen. Immer noch Platz sechs. Ja, das bleibt jetzt so für mindestens 10 Tage. Und aus Unglück wird doch so etwas wie Glück.

Montag, 7. November 2005

wie wirklich ist die wirklichkeit?

Wir hatten es schon: 'Die Wirklichkeit', es gibt sie nicht, jedenfalls nicht 'objektiv' für alle gleichermaßen. Oder anders mit Egon Friedell: "Die Wirklichkeit ist überall gleich, nämlich unbekannt." So kann man auch über das gestrige Spiel der Borussia gegen den HSV viele Geschichten erzählen, viele Wirklichkeiten beschreiben.

Nur knapp sei eingestanden, dass sich auch die Geschichte zweier verlorner Punkte formulieren ließe, die gegen eine fast durchweg unterlegene Hamburger Mannschaft verschenkt wurden. Aber nach Jahren, in denen so viel so viel schlechter lief, wer möchte nicht die sich mindestens ebenso bietende Gelegenheit verstreichen lassen, all die schönen Narrationen auszuformulieren, die da zeugen von Hoffnung, von Erfolg, von Spielfreude, von Erfüllung?

Da wäre also die Geschichte von einer Borussia, die Hamburg mit dem Anpfiff unter Druck setzt, die sich gegen den Tabellenzweiten grandiose Torchancen nicht nur erkämpft, nein: erspielt! Auch die Rückkehr des Giovane Elber, das noch glanzvollere Spiel des Eugen Polanski, das Antreiben und Fighten des Peer Kluge, die Schlenzkünste des Oliver Neuville, das Selbstbewusstsein des jungen und doch schon so großen Marcell Jansen, sie waren gestern eigene Novellen wert.

Viele der zu singenden Lobeshymnen wurden bereits gesungen, gestern abend auf den Rängen, heute in den Medien. Doch zwei exklusive Meldungen wollen wir noch anfügen: Gut gefiel mir der frustrierte Ruf eines Fans, gerichtet an den jungen, fast hoyzeresk stylishen Linienrichter, der sich ab und an nicht ganz auf der Höhe des Spiels, wohl aber stets auf der Höhe der Frisurenmode zeigte: "Nimm datt Gel aussem Jesischt, dann siehsse au watt!"

Und, nun muss es raus: Ich will mich, nach vielen impliziten Huldigungen, nun auch ausdrücklich entschuldigen bei Horst Köppel. Nicht nur sah er gestern, adrett mit Hemd, Pullover und Jackett so richtig gut aus; seine Mannschaft sieht schon lange gut aus wie lange nicht. Es ist bekannt: Nach dem Desaster des desolaten Kölnspiels habe ich eine solche Wandlung unserem Coach nicht zugetraut. Auch die erste Halbzeit gegen Bremen schien mir recht zu geben. Doch inzwischen hat er mich Lügen gestraft. Ich bin beeindruckt und sage sorry! Horst, die Spieler, die zu großen Teilen noch vor wenigen Wochen wie orientierungslose Legionäre wirkten, sie sind unter Dir ganz offensichtlich zu einer Mannschaft gewachsen, die willensstark, kämpferisch, spielstark und selbstbewusst ist. Hut ab, und: Danke, Horst Köppel!

Sonntag, 6. November 2005

abwärts

Solidarität sieht anders aus. Gewöhnlich streikt die Regionalliga geschlossen, heute aber haben sich einzig die VfL-Spieler an die Abmachungen gehalten, als sie ein Zeichen gegen die durch soziale Missstände ausgelösten Straßenrandalen in Frankreich setzten. Das Ergebnis ist eine leistungsgerechte 1:5-Niederlage bei Bremen II.

Der Spielbetrieb, über die Dauer nahezu der gesamten 90 Minuten eingestellt, wird voraussichtlich am kommenden Samstag gegen Erfurt wieder aufgenommen, jedenfalls, wenn nichts dazwischen kommt. Ein bißchen bitter, dass das Ost-West-Aufeinandertreffen dann vollends jenseits jeder Bedeutsamkeit stattfindet, das aber immerhin vor einer absehbaren Minuskulisse.

Warum die Lila-Weißen scheinbar unbeeindruckt von den ernsthaften Auftritten und erfolgreichen Ergebnissen der Konkurrenten geschlossen in der Streik getreten waren, ist noch unklar. Eine Aussperrung durch den Arbeitgeber war am Abend immer noch Thema in der Führungsetage. Manager Lothar Gans gab dem VfLog zu Protokoll, man wolle die Spieler jedoch in jedem Fall erst einmal zum Training kommen lassen, denn "dann hätten sie immerhin schon mehr gelaufen als heute auf dem Platz". Nicht nur für ihn war die Leistung der Wollitz-Mannen unerklärlich und nicht mal mehr ärgerlich.

Samstag, 5. November 2005

live von woanders: awd-arena, hannover

Was wird einem nicht alles präsentiert in Hannover. Eckbälle werden präsentiert, Tore auf anderen Plätzen, die aktuelle Zuschauerzahl wird präsentiert - das alles gibt es auch anderswo. Jedoch: In der AWD-Arena, wie wir das Hannoveraner Stadion redaktionsintern zärtlich nennen, wird sogar jeder noch so uninspirierte Freistoß im Mittelkreis präsentiert (und davon gab es heute eine Menge!), und zwar von einer städtischen Gebäude-Reinigungsfirma. Treffender als mit diesen vollends unsinnigen Placements lässt sich der provinzielle Charme der Expo-, Messe- und Nochkanzlerstadt nicht beschreiben, nicht einmal mit einer gehörigen Portion (erwartbarer) Fußballmagerkost von der Marke Hannover-Mainz.

Das Spiel war über weite Strecken grausam und in etwa so beschämend wie die Fans von 96. Hannover stand hinten eigentlich recht sicher, ohne Frage. Kopfballtore nach Ecken passieren, und wenn man versucht, einen Rückstand auszugleichen, fallen manchmal Konter-Tore, unbenommen. Irritierend war allein die wirklich erschreckende Ideenlosigkeit im Spiel nach vorn. Mainz war auch nicht viel besser, hat aber immerhin zwei Tore geschossen und sollte am Ende nicht unvedient mit 2:0 gewinnen. Ewald Lienen durfte als Hannover-Coach seinen Hut nehmen. Mit diesem Fazit werden jedenfalls eine Menge Hannover-Fans vor dem Schlusspfiff das Stadion verlassen haben. Wohl zu früh.

Den Lienen-Mannen gelang in fünf Minuten der Ausgleich, an den vorher gut 70 Minuten niemand mehr geglaubt hatte. Warum auch, es gab schlicht keinen Anlass für Zuversicht. Mit ein bißchen Glück endete das Spiel also 2:2, Lienen bleibt Trainer - jedenfalls vorerst -, und die einzigen wirklichen Verlierer ist die Handvoll Mainz-Fans, die sich schon im Gefühl des sicheren Sieges auf einer feucht-fröhlichen Rückfahrt wähnte. Jetzt wird sie eben nur feucht.

Was bleibt?
a) Das Spiel wird defintiv in meine persönliche Top 10 der fußballerisch besorgniserregendsten Spiele aufgenommen, bei denen ich live dabei sein durfte.
b) Der Pressebereich in Hannover ist eher enttäuschend. Nicht nur Yogi war nicht da, auch die Kollegen der BILD waren weit schüchterner als gewohnt, trotzdem: Das Catering war dem Spiel angemessen.
c) Hannover 96 hat bei der Bewerbung um die schlechtesten Fans der Liga heute gehörig zugelegt. Wo andere Teams bei Rückständen und mäßigen Leistungen angespornt werden, bedient man sich in Hannover schamlos und ohne Scheu des Holzhammers: Pfiffe, Trainer-Raus-Rufe, nicht zu vergessen natürlich das obligatorische Vom-Spielfeld-Abwenden. Einzig die Tribünengäste auf den Geraden ziehen bei dem beschämenden Prozedere noch nicht so überzeugt mit. Umso beachtlicher einige Transparente in der Nordkurve, die dem Vernehmen nach auch schon vor 65 Jahren unsere Truppen angefeuert haben. Zwischenzeugnis: Alles in allem noch nicht ganz so professionell wie in Berlin oder Kaiserlautern, aber auf dem richtigen Weg!
d) Wäre Ewald Lienen nicht und wäre man selbst nicht gefühlter Niedersachse, man hätte keine Argumente mehr, in einem Spiel gegen Mainz die Daumen für Hannover zu drücken.

Freitag, 4. November 2005

ein herz und ach zwei seelen

"Borussias Fans wünschen Mainz Glück", so berichten die lieben Kollegen von borussia.de heute. Eine Umfrage hat ergeben, dass sich Borussen im Abstiegskampf, an dem wir derzeit endlich einmal nicht teilhaben, am ehesten den Mainzer Kickern Glück wünschen. Diese Verbundenheit zu den Mannen von Trainer Klopp spüren wir schon lange, und schicken daher morgen Korrespondent Maik nach Hannover zum Spiel der 96er gegen Mainz. Doch dann schlagen zwei Seelen, ach, in unserer Brust. Denn auch des Nun-Niedersachsen Lienen gedenken wir immer wieder gern. Zerrissen zwischen diesen Gefühlen wird Maik aus der "AWD-Arena", wie wir das Hannoveraner Stadion redaktionsintern zärtlich nennen, berichten. Vielleicht trifft er sogar Yogi. Und am Sonntag ist dann wieder klar, wo unser Herz schlägt.

Donnerstag, 3. November 2005

zurück aus elba

Man will es ja gar nicht wieder aufwärmen. Der Coup des Elberkaufs, die Hoffnungen, die immer neuen Ankündigungen bald werde er aber spielen, die Enttäuschung nach dem Einsatz an der Elbe in der vergangenen Saison, die OP, die Krankschreibung, die Vorwürfe.

Wir haben darüber kaum berichtet, denn es war zu traurig. Traurig für den Bestenausländischenbundesligastürmerallerzeiten, traurig für die, die ihn verpflichtet haben, traurig für die, die auf den Rängen auf ihn hofften. Vorbei! Elber ist zurück, hat in der Nachwuchsrunde der Borussia Beachtliches geleistet (1 Tor, 2 Assists) und wird wohl am Sonntag gegen den HSV "schon" im Kader sein, erneut gegen die Hanseaten vielleicht gar einen Kurzauftritt haben.

Und warum sollte nicht alles diesmal besser laufen. 10 Minuten auf dem Platz, ein Schuss, ein Tor? In der letzten Saison hätte ich es auch kaum geglaubt. Aber in dieser Spielzeit, so scheint es ja schon länger, geht vieles auf einmal, was lange reine Träumerei war.

Mittwoch, 2. November 2005

winterzeit

"Eigentlich ist es ja jetzt schon 21 Uhr", pflegt eine Bekannte von mir entschuldigend zu murmeln, wenn sie am Sonntag der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit pünktlich zur Tagesschau (wie an jedem anderen Tag auch) eindöst. Es ist also wieder Winterzeit. Das heißt auch, dass ab sofort Sonntagsspiele der Bundesliga von Beginn an Flutlichtspiele und gegen Ende wahre Nachtkicks sind, denn es dunkelt schon merklich um 17.30.

Und gleich in dieser Woche dürfen wir ran, daheim im Borussiapark, antreten zu einem Flutlichtspiel gegen den HSV, neben Bremen vielleicht die Mannschaft, die zur Zeit die sehenswerteste der Liga ist, sieht man von unserem geliebten VfL einmal ab. Viele Flutlichtspiele werden wir nicht haben in dieser Saison ohne DFB-Pokal und internationalen Wettbewerb und ich freue mich auf jede Gelegenheit, diese besondere Atmosphäre einzusaugen.

Wenn jeder Spieler vier Schatten wirft, wenn der Blick gen Himmel statt einer sengenden Sonne tausend Augen des pantheistischen Fußballgotts funkelnd zeigt. Dann sind die Gänsehaut-Poren auf den Armen noch kesser als bei anderen Pflichtspielen, der Schauer auf dem Rücken fröstelt noch mehr, der Herzschlag geht noch drei, vier BPM schneller. Ich freue mich auf Sonntag!

Dienstag, 1. November 2005

rasch dementiert

+++ EILMELDUNG +++ EIMELDUNG +++ EILMELDUNG +++

VfL-Präses Dr. Dirk Rasch hat heute morgen energisch Gerüchten widersprochen, er werde bei der nächsten Mitgliederversammlung nicht mehr als Präsident kandidieren. Die Ereignisse überschlugen sich gestern, als immer neue Meldungen verlauteten, Rasch werde als Reaktion auf das verhältnismäßig knappe 3:0 gegen den HSV nicht mehr kandidieren. Rasch wurde vor dem Spiel und als Antwort auf die Frage, was die Folge eines womöglich nicht so hohen Sieg gegen Hamburg sein könne, mit den Worten zitiert: "Ihr wisst, was das für mich bedeutet." Beobachter schlossen daraufhin einen sofortigen Rücktritt nicht aus, rechneten aber spätestens mit einem Rückzug auf der nächsten Vollversammlung.

Rasch erklärt hierzu: "Ich habe nie an Rücktritt gedacht. Alle, die sowas behaupten, haben keine Ahnung. Bei der Aussagen stand im Mittelpunkt, dass ich mit Pele um 30 Liter Bier gewettet habe, dass wir Hamburg mit mindestens vier Toren Unterschied schlagen. Pele hatte daraufhin gesagt, bevor das passiere, wechsele er Wolfgang Schütte ein. Dann entstand das Zitat von mir, das einige hier gründlich missverstanden haben. Noch einmal: Ich bleibe, bis zum Champions-League-Finale."

Montag, 31. Oktober 2005

wo wir hingehören

Verloren. Zweimal in Folge, rechnet man den DFB-Pokal mit. Das ist nicht schlimm, im Gegenteil, es war unvermeidlich, irgendwann. Wir sind jetzt wieder da, wo wir hingehören: Emotional zurechtgestutzt von ungläubiger Euphorie auf wohlige Gemütlichkeit. Und in der Tabelle immer noch auf Platz fünf. Ich bin's zufrieden, genieße und: schweige.

Sonntag, 30. Oktober 2005

vorschau

Der VfLog feiert im Februar 2006 einjähriges Bestehen. Es ist uns bereits jetzt eine besondere Freude, Sie zu unserer großen Jubiläumsgala einzuladen. Als Gäste haben bereits einige Hochkaräter zugesagt. Nicht nur Theodor W. Adorno und der Fußballgott haben angekündigt, mal vorbeizuschweben. Auch Klinsi, Oliver und Yogi, Dietmar Hamann, Jörg Wontorra, Bundespräsident Horst Köhler, Star-Trainer Dick Advocaat, Thomas Berthold, Manolo, Josè Mourinho, DFB-Wettbeauftragter This Waterink, VfL-Evergreen Jürgen Gelsdorf, DFB-Boss Theo Zwanziger, DFL-Ost-Beauftragter Michael Henke, CDU-Sprachgenie Jürgen Rüttgers und sogar Pommes Fritze werden dabei sein.

Samstag, 29. Oktober 2005

3:0

Der Nörgler: "Typisch, gegen Hamburg II gewinnen sie deutlich, aber die wirklich wichtigen Spiele der letzten Wochen gehen verloren. Sowas ist doch keine Mannschaft. Die hat jedenfalls in der 2. Liga nichts zu suchen. Und dann noch mit diesem Trainer! Das muss doch jeder sehen, dass da mal was passieren muss. Wie kann ich die Mannschaft immer nur gegen so zweitklassige Gegner richtig motivieren? Da fehlt es doch auch an Professionalität. Und der Kader ist eh zu dünn, das hab ich ja schon vor Monaten gesagt. Mit sowas kann man vielleicht in der Regionalliga Fünfter werden, aber mehr auch nicht. Ne, ich guck mir das jetzt zwei Jahre an. Mit Lorkowski sind wir genauso auf der Stelle getreten."

Der Ostkurvler: "Super, drei Punkte! Kein berauschendes Spiel, aber gewonnen. Ist der Knoten geplatzt? Schaffen wir eine Serie? Kommen wir an die da oben nochmal ran? Mal sehen, nächste Woche in Bremen!"

Freitag, 28. Oktober 2005

der freitag vor dem samstag

Man hängt in der Luft. Morgen spielt der VfL zu Hause gegen die Zweite vom HSV. Das Schlimme: Nörgler könnten recht haben, wenn sie von einem tendenziell uninteressanten und - schlimmer noch: vorerst bedeutungslosen - Spiel ausgehen. Einen oder mehrere erneut liegen gelassene Punkte mag man sich gar nicht vorstellen, muss man aber auch nicht: Die notorischen Meckerer haben derzeit in jedem Fall verdammt gute Karten.

Unterm Strich stehen, so ihre schwer widerlegbare Bilanz, drei folgenschwere Niederlagen: In Essen, wo man sich dümmlich vier rote Karten eingefangen hat. In St. Pauli, wo man zuerst nicht auf dem Platz und am Ende nicht in der Lage war, die drückende Überlegenheit in Tore umzuwandeln. Und gegen Mainz, wo man es versäumt hat, in die 3. DFB-Pokalrunde einzuziehen, obwohl die Chance da war. Was bringen da drei Punkte gegen HSV II? Sie bringen wenig. Fast schon zu wenig, um sich mit einem Sieg rehabilitieren zu können.

Die Nörgler nörgeln, sie sind enttäuscht oder - die unerträgliche Variante - führen stolz an, die Entwicklung schon vor Saisonbeginn vorausgesehen zu haben. (Das ist die Spezies Nörgler, die vor jeder Spielzeit und meist unabhängig von guten Gründen nörgelt, um damit etwa 8 Spielzeiten auf die Nase zu fallen und zu schweigen, hingegen umso lauter aufzutrumpfen, wenn der - womöglich nur kurzzeitige - Anlass es nach dieser langen Wartezeit erlaubt.) Zugegeben: Es ist allzu verlockend einzustimmen. Doch halt! Morgen, in einem Spiel wie dem gegen den HSV, zeigt sich, ob die Mannschaft intakt ist, ob sie lebt und: Ob sie an sich glaubt!

Der Wert dieses Spiel ist theoretisch gesprochen ein selbstreferenzieller. Ein Spiel ohne Fremdreferenz. Kein Maßstab, außer dem eigenen. Das böse A-Wort ist bis auf weiteres verboten, und es ist auch gänzlich unnötig, es zu reanimieren. Wenn die Jungs Spaß haben am Spiel miteinander, ist alles gewonnen. Wenn die Nörgler auch dann nicht an das Team glauben, sei's drum: Wir tun es.

Donnerstag, 27. Oktober 2005

katergedicht

Lila
Weiß
Weiß
Rot
Zu
Schlagen

Mittwoch, 26. Oktober 2005

die heiligen drei könige

Sie sind hellhörig geworden, spätestens seitdem gestern St. Pauli den VfL Bochum überrannte und mit Eintracht Frankfurt ein weiterer zweitklassiger Verein eine vermeintliche Bundesliga-Spitzenmannschaft deklassierte. Jetzt sind sie heute wieder in den Stadien, Klinsi hat extra seinen Deutschland-Aufenthalt verlängert. Wer sitzt wo? Der Chef, Klinsi, sitzt natürlich bei seinem neuen Spezi Uli in Aue, Jogi hat sich ins Olympiastadion in Berlin gewagt, und Oliver "Golden Goal" Bierhoff harrt der nächsten erwartbaren Überraschung an der Bremer Brücke in Osnabrück. Alle drei liegen auf der Lauer, alle drei spähen nach neuen Hoffnungen für die nahende WM. Und alle drei sind Kommunikationsprofis, das ist bekannt. Über die Dauer der gesamten Spielzeit sind sie per Handykonferenz verbunden. Es ist 19:28 Uhr...

Klinsi (in Aue): Mann, ich bin ja schon mal sehr, sehr glücklich, dass ich dieses Stadion hier gefunden habe bei den Scheiß-Ossis. Großer Auftritt gestern von Michi. Hätt mir auch passieren können, dann wär der Hoeneß wieder wegen Ballack steil gegangen. Egal. Warum sind hier erst so wenig Menschen? Wo sind die Spieler?
Jogi (in Berlin): Jürgen, für dich geht es erst um halb neun los.
Klinsi: Bitte? Halb neun? Mist, hätt ich Debbie doch noch zum Flughafen bringen können. Die ist heut schon zurück. Wir wollten nicht alle Tickets verfallen lassen. Reicht ja, wenn ich bei diesem Scheißwetter noch hierbleiben muss.
Oliver (in Osnabrück:) Jungs, seid ihr schon online? Ich hatte hier Probleme mit dem Einlass. Die haben mich nicht erkannt. Hatte aber Gott sei Dank das 96er-Video dabei. Weißt Du noch, Jürgen, damals hatte ich ja in der Verlängerung...
Jogi: Oli, lass die alten Kamellen, ok. Wir kennen sie alle auswendig. Jetzt mal Ruhe, ich will hier so tun, als würde mich das Spiel interessieren. Auf wen muss ich achten, Jürgen?
Klinsi: Oliver und Marcell.
Jogi: Bitte?
Klinsi: Neuville und Jansen.
Jogi: Danke. Boa, kann das von hier oben echt kaum lesen, die Namen auf den Trikots.
Oliver: Sorry, war kurz abgelenkt, hier überschlagen sich die Ereignisse. Bayern war in Führung gegangen, gleich in der ersten Minute. Torschütze irgendein Antoneli. Hab ich nie gehört. Dann der Ausgleich von Aue drei Minuten später.
Klinsi: Oli, ich bin hier bei Aue gegen Bayern. Du bist in Osnabrück bei Osnabrück gegen Mainz.
Oliver: Ich glaube, Du irrst, Jürgen, hier spielt Lila-Weiß gegen Rot. Ich weiß ja nicht, wo du bist, aber ich bin in...
Klinsi: Oli, glaub's mir: Die Lila-Weißen sind Osnabrück, Rot ist Mainz.
Oliver: Wenn Du meinst. Muß ich auch auf wen achten?
Klinsi: Nö, mach dir einfach 'nen geilen Abend. Wenn wer drei Tore schießt und jünger als 23 ist, dann merk ihn dir, der spielt dann beim nächsten Mal auch bei uns. Ich hol mir jetzt erstmal 'ne Wurst.

20:10 Uhr, Jogi: 1:0 für Berlin, hab's aber nicht gesehen.
Jürgen: Macht nix, guck einfach beim nächsten Mal besser hin. Ich bin schon mal sehr, sehr froh, dass du überhaupt da hingefahren bist. Hab aber schlechten Handy-Empfang hier, bin in der Lounge bei Uli, wir essen gemeinsam 'ne Wurst. Echt ein netter Kerl, wenn man ihn besser kennt.
Oliver: Hier ist Halbzeit, 1:1 also, obwohl Baye... äh Mainz besser ist. Ganz nett, dieses alte Stadion hier. Töppi ist vom ZDF da. Vielleicht geh ich mir nachher noch mit dem einen brennen. Also: Ich bin auch mal kurz weg für ein Lachsschnittchen und die Haare machen.
Jogi (lacht beherzt): Ja, das Problem hab ich ja nicht.

20:30 Uhr, Klinsi: Endlich geht's hier los. Mit meinen ersten zaghaften "Weinheim, Weinheim"-Sprechchören wollte keiner mitgehen. Das kommt noch, wartet's ab.
Oliver: Mach dich nicht gleich wieder unbeliebt. Sach mal, bevor es hier weitergeht: Der Michi in Kaiserslautern, der wär doch eigentlich auch was für unser Team, oder?
Jogi: Ach, hör mich auf mit dem. Was sollen die Jungs denn von dem lernen? Faust ballen und mit Hitzfeld jubeln? Die Tour hat Jürgen ja nun mal heftig vermasselt damals...
Klinsi: Hehe, ja, das war großer Sport. Sag mal, Jogi: Laufen die Spieler denn noch in Halbzeit 2? Oder stehen die schon wieder alle nur noch rum? Hab den Liga-Trainern heute 'ne E-Mail geschrieben, Titel: "Wie wär's mal mit Fitneß?" Bin gespannt, wie lang es dauert, bis das wieder die Runde macht.
Oliver: Ruhe jetzt, hier geht's weiter. Ist spannend.
Jogi: Hier auch. Dieser Neuville spielt übrigens ganz gut.
Klinsi: So, jetzt lasst mich hier mal in Ruhe Fußball gucken. Warum spielt Ottl nicht? Hatte den schon auf dem Zettel für 2006...

20:33 Uhr, Oliver: Tooor für Osnabrück. 2:1. Da wirst du bekloppt.
Jogi: Mensch, Oli, du bist ja voll dabei, was? Gute Stimmung an der Ulmer Brücke?
Oliver: Bremer Brücke, Schatz, Bremer. Geile Stimmung hier, und mit jedem Tor soll man ein herrliches Herforder trinken, sagt der Stadionsprecher. Recht hat er. Wohlsein!

20.39 Uhr, Jogi: Hier 2:0, Cairo ist der Torschütze. Ist der deutsch?
Klinsi: Weiß nicht, klingt deutsch, oder?
Jogi: Ich frag mal Schily, der sitzt hier auch rum, Moment.
...
Jogi: Ist kein Deutscher. Im Gegenteil: Holländer. Kann er auch nichts machen, sagt Schily. Aber er will mal bei Schäuble anrufen. Vielleicht kann der da was ins Rollen bringen.
Oliver: Berbig heißt der Torhüter von Osnabrück. Der hält super und ist jung. Wollen wir uns den Spaß mal erlauben und den einladen? Jürgen, komm, folgender Deal: Wenn Kahn nicht zu Null spielt gegen die Ossis, spielt bim nächsten Mal Berbig?!
Klinsi: Ok, gebongt.

21:04 Uhr, Oliver (lautstark): Mist, verdammter. Ausgleich, 2:2.
Klinsi: Was? Wie bitte? Ups, ich war eingenickt. Grottiges 0:0 hier. Wie sieht's bei dir aus, Jogi?
...
Klinsi: Jogi?
Jogi: Sorry, ich spiel gerade Black Jack in der VIP-Lounge. 2:0 noch für Berlin, ist langweilig.
Klinsi: Bitte, Jogi, setz dich wieder nach draußen. Mach's für mich, ok?!

21:08 Uhr, Jogi: Shit, 3:0, hab ich verpasst, war nicht schnell genug zurück. Sorry. Schily sagt, Marx war der Torschütze. Ging ihm nicht leicht über die Lippen.

21:20 Uhr, Jogi: Du, Oliver, hier ist Schluss, 3:0 für Berlin, Gladbach raus. Treffen wir uns noch auf ein Bier in Wolfsburg. Ist halbe Strecke für uns beide?
Oliver: Ey, hier hat gerade die Verlängerung begonnen. Ich kann doch jetzt nicht weg.
Jogi: Och, komm, den Rest kannst'e dir auch im Radio anhören.
Oliver: Ja, hast'e eigentlich recht. Ok, dann in einer guten Stunde am Stadion, ok? Jürgen, wir haun ab. Wenn du willst, komm nachher auch noch.
Klinsi: Am liebsten würd ich jetzt gleich mitkommen. 0:0, das kann ich mir auch schenken. Und der Hubschrauber wartet eh vorm Stadion.
Jogi: Alles klar, dann bis nachher. Ich sag Holger auch noch Bescheid.
Klinsi: Gut, bin dabei. Ist eh gerade Halbzeit. Ich sag nur Hoeneß noch tschüss. Was sag ich dem, warum ich weg muss?
Oliver: Irgendwas mit Debbie.
Klinsi: Ok. Fahrt vorsichtig, Jungs.

finale ohoo...

Es sind zwei schwere Spiele. Aber der VfL wird gewinnen und der VfL wird gewinnen. Und dann? Dann bleibt zu hoffen, dass eine adrette, 18jährige halb-brasilianische Langstreckenläuferin (oder welche C-Promi-Sportlerin die Sportschau diesmal aus der Kiste kramt) nicht für ein Duell der VfLs schon in der nächsten Runde sorgt. Denn diese Konfrontation, die doch nur ein Familientreffen wäre, behalten wir uns für das Finale in Berlin vor. Als Vorgriff auf das dereinstige Champions-League-Endspiel.

Dienstag, 25. Oktober 2005

das war einmal #3

Wir die Zeit vergeht: Unseren kleinen Familienblog gibt es schon seit einem Dreivierteljahr, und an Robert Hoyzer, eine Art Gründungspatron, erinnert sich fast keine Sau mehr. Wir schauen kurz zurück.

Angelehnt an die schöne WDR-Tradition, die 'Tageschau vor 20 Jahren' zu reanimieren, weil die alten Bänder einfach zu schön sind, um sie in den Archiven vergammeln zu lassen - diese Stücke sind immerhin holde Fernsehgeschichte -, widmen auch wir vom VfLog uns in unregelmäßigen Abständen unserer Best-of-Serie.

Heute: "Hoyzer VfL-Fan?" vom 11. Februar 2005:

Die fünfte Jahreszeit dauert an - spontanes Feuerwerk auf dem Bökelberg: Nach neuen, jedoch bisher unbestätigten Erkenntnissen der nicht geschäftsführenden DFB-Drossel Trollinger war Robert Hoyzer VfL-Fan.

Der Skandal greift damit auch in der 1. Liga um sich. Hoyzer steht im Verdacht, die beiden Schiedsrichter-Kollegen Wolfgang Stark und Uwe Kemmling erpresst zu haben. Hoyzer werde sie irgendwann in ihrem Leben mit zu Johannes B. Kerner schleifen, wenn Sie nicht nach seiner Pfeife tanzten, soll er gedroht haben. Bei den neuen Ungereimtheiten geht es um das Gladbach-Spiel am 3. Spieltag in Freiburg (1:1) und um das Heimspiel am 8. Spieltag gegen Kaiserslautern (2:0). Hoyzer sah sich dazu veranlasst, weil es sein Gerechtigkeitssinn nicht erlaubt habe, nur einem VfL den Marsch zu blasen. In der Regionalliga besorgte er am 3. Spieltag höchstselbst das 3:2 von Osnabrück in St. Pauli vermittels eines hanebüchenen Strafstoßes in Minute 80 und am 16. Spieltag das 4:1 in Krefeld. Nach dem Abpfiff habe er eine regelrechten Bringschuld dem anderen VfL gegenüber empfunden. Alle vier Spiele waren kein Thema beim umfassenden Geständnis Hoyzers, was unter diesen Umständen jedoch auch nicht weiter verwundert: Hoyzer war offenbar VfL-Fan.

Nicht nur die beteilgten Vereine, auch andere Funktionäre aus den europäischen Top-Ligen stärken den Kollegen Kemmling und Stark unterdessen den Rücken: Das Bedrohungsszenario, das Hoyzer gezeichnet hatte (Kerner), entschuldige das mögliche (un)parteiische Fehlverhalten und sei einmal mehr Zeichen für die "Durchtriebenheit des unverfrorenen Herrn Hoyzer". Kerner selbst war für ein Statement nicht zu erreichen, ließ aber verlauten, die neuen Vorwürfe in einer Sondersendung zu diskutieren. Es müsse langsam Schluss sein mit dem Schmusekurs. Ein Kamerateam eines unbekannten Senders fragte indessen bei Hoyzers mutmaßlichem siebenjährigen Sohn, der in Erfurt lebt, nach, ob er sich seines Vaters nicht schäme.

Montag, 24. Oktober 2005

wir fahren nach berlin und grinsen

So gut wie seit 10 Jahren nicht mehr. Ich bin immer noch sprachlos vor Freude. Wann hatte man das zuletzt als Borusse, dass man von Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen angesprochen und beglückwunscht wurde. "Bei Euch läufts ja richtig gut, was!" Oh ja. Ein kaum noch gekanntes, schönes, so schönes Gefühl!

Andererseits traut man sich kaum, dem Braten zu trauen. Der Rückschlag kommt bestimmt, so nicht der Wunsch, aber doch die nicht ganz zu verdrängende Sorge. Doch was soll's! Selbst wenn, heute und jetzt macht es einmal richtig Spaß! Und selbst wenn die Niederlagen wieder kommen werden (und sie werden irgendwann kommen, unvermeidlich), dann haben wir doch schon ein Punktepolster, dass nicht so schnell schlafraubend ist wie in den letzten Jahren.

Nun aber geht es erstmal nach Berlin. Da fahren wir hin und gewinnen. Oder auch nicht. Ich würd ja gern noch mehrfach in die Hauptstadt, dann auch zum Finale und endlich mal den Titel holen, den wir seit 1977 öfter nahe waren als jedem anderen. Aber wenn nicht, ist es auch nicht so dramatisch. Dann guck ich auf die Tabelle und grinse weiter.

Sonntag, 23. Oktober 2005

spannungsverhältnis

Es ist nicht leicht, nach einem Spiel wie in St. Pauli die richtigen Worte zu finden. Es war nicht nur ein Gebot geteilter Freude, dem Sieger des Wochenendes den Vortritt in seiner feucht-fröhlichen Spiel-Analyse zu lassen; es war auch schlicht notwendig, um das in Hamburg Gesehene angemessen beäugen zu können. Ein Dreieck aus Enttäuschung, Ärger und Stolz bildet ein Spanungsfeld, in dem man sich nicht - jedenfalls nicht glaubwürdig und überzeugend - für eine Ecke entscheiden kann. Eingetreten ist jedoch allemal das, was lange nicht mehr Fakt war an der Bremer Brücke: Eine Saison des langweiligen Mittelmaßes beginnt, an Konturen zu gewinnen.

Im Block A am Millerntor war diese Unentschiedenheit unter den Fans zu spüren, das war vielleicht das schönste an dem Nachmittag gestern. Den Stab über die Mannschaft brechen, das konnte, das wollte man nicht. Dafür hatten die Lila-Weißen auch gerade in der zweiten Halbzeit zu aufopferungsvoll gekämpft. Es klappte nicht viel, es misslang sogar einiges, und beizeiten zweifelte der ein oder andere an den fußballerischen Fertigkeiten der Herren Schäfer oder Waku-Menga; letzterer konnte, entgegen der erwartbaren Lobhudeleien in so manchen Spielanalysen, einmal mehr nicht überzeugen, im Gegenteil: Belebung sieht anders aus. Dennoch: Die Mannschaft, das war zu sehen, war drückend überlegen, sie stemmte sich gegen die Niederlage, sie fightete - wenn auch die Mittel derzeit offenbar nicht langen.

Das macht das Urteil schwierig: Der Zuschauer ist gefangen. Spielten die Wollitz-Kicker indiskutabel schlecht, fehlte es an Einsatz und Willen - man könnte einfach und berechtigt sauer sein und hätte etwas, das der Mannschaft vorzuwerfen wäre. Aber weit gefehlt: Man kann den Spielern 'nur' vorwerfen, ihre Möglichkeiten nicht genutzt, einige Großchancen leichtfertigst vergeben zu haben. Die Situation ist ähnlich der eines Roy Makaay in München: Man kann niemandem wirklich böse sein, nirgendwo ist Gleichgültigkeit im Spiel. Niemand wird ausgepfiffen. Man fühlt mit, man leidet mit - und ist gleichsam machtlos der Enttäuschung ausgesetzt. Das wiederum ist der Grund allen Ärgers.

Das einzige, was sich Pele Wollitz und die Vereinsführung vorwerfen lassen muss, ist das, was ihnen zurecht schon seit Saisonbeginn vorgeworfen wird, jedenfalls von uns; es tritt gerade in solch bitteren Spielen besonders deutlich zu Tage: Mit Außenspielern wie Koch, Schäfer und auch Ewertz ist der VfL schwach und deutlich nicht zweitligatauglich besetzt. Das abzustellen, dazu ist jetzt ein Dreivierteljahr Zeit.
Die Auswechslungen von gestern - also die Entscheidung, mit Flottmann und Heider irgendwie, mit Biegen und Brechen etwas an dem zu ändern, was offenbar nicht zu ändern war - nun jedoch als Anlass für eine Trainerdiskussion oder - ähnlich dumm - Einwechselspieler-Schelte zu missbrauchen, das weist den vermeintlichen Kritiker als Deppen aus - mit Verlaub.

Wie dem auch sei: "Aufstieg" jedenfalls ist ein Wort, das der VfLog erst wieder bemüht, sollte der VfL sich noch einmal auf wenigstens vier Punkte an die ersten beiden Plätze herangekämpft haben. So lange bleibt das Wort tabu. Das Wort "Aufstieg" macht gemeinsam mit "Vollbeschäftigung" und "Champions-League-Finale" Ferien. Auch wenn es schwer fällt.

Samstag, 22. Oktober 2005

der sommelier empfiehlt

Aimery
Crèmant de Limoux
Blanc de blanc
brut
11,5%

Danke, Gladbach! Und Prost.

Freitag, 21. Oktober 2005

von lachenden und weinenden augen

Das war gestern schon ein seltsamer Borussia-Tag. Eigentlich ist Donnerstag Pressekonferenz-Tag, und dann geht es um das jeweils kommende Bundesliga-Spiel der Gladbacher. "Ich gehe von einem Sieg aus", soviel durfte Straßennamengeber Köppel zum Spiel gegen die verteufelt schwachen Pfälzer sagen. Doch eigentlich ging es um weitaus Größeres, weitreichenderes. Und wie so oft ist es der Fußball, der uns im Alltag verhetzten, geplagten und stets abwesenden Menschen wieder die Dimensionen des Lebens vor Augen führte: Freud und Leid, sie gehen eben oft Seit an Seit. Christian Ziege, Käptn unserer Elf, der doch weit häufiger Bandagen als die Binde anlegte, beendet seine Karriere. Ach hätten sich unsere Wege doch ein paar Jahre früher getroffen, wer weiß, welche güldene Zeiten Chris an den Niederrhein hätte bringen können – immerhin ist Borussia die Lieblingsmannschaft seiner vestorbenen Mutter, wie der Vorzeigeprofi sichtlich bewegt bekannte. Und während man mit ihm fast eine Träne der Trauer verdrücken wollte, hat der Fohlenfan doch zugleich ein breites Lächeln im Gesicht: Marcell Jansen bleibt uns erhalten, so verkündete Peter 'pacta sunt ser'Pander, und zwar gleich bis 2009. Danke Chris, Danke Marcell für Vergangenheit und Zukunft! Und auch wenn es nicht soo wichtig ist: Ein Sieg gegen Kaiserslautern wäre schon auch toll!

Donnerstag, 20. Oktober 2005

vfl boomt

Beharrliche Öffentlichkeitsarbeit und unbeirrbare Kärnerarbeit haben es vermocht, das mediale Interesse regelrecht ungeschützt und komplett auf meinen lila-weißen VfL zu fokussieren. Anders jedenfalls ist eine E-Mail aus St. Paulis Pressestelle nicht interpretierbar. Auf meine Anfrage, mich für das kommende Spiel am Millerntor zu akkreditieren, antworten die freundlichen Hamburger leider abschlägig, "da der starke journalistische Andrang für das kommende Spiel und die eingeschränkten Platzverhältnisse im Medienbereich nur die Vertreter der aktuell berichtenden Medien zulassen". Der starke journalistische Andrang ist offenbar bei anderen Pauli-Heimspielen nicht die Regel. Der VfL dürfte, nachdem die Kanzlerfrage nun geklärt ist, die nächste mediale Hauptattraktion sein, und wir vom VfLog sind als inaktuell berichtendes Medium berüchtigt: Dafür zahl' ich gern - solange nur die Platzverhältnisse im Medienbereich eingeschränkt sind!

Mittwoch, 19. Oktober 2005

niemals bayer(n), immer beyer!

Wir sind zu spät, leider. Aber besser spät als nie, darum einen herzlichen Glückwunsch an unseren Präsidenten aus den besten Tagen Borussias, der heute, nein, ähem, gestern 80 Jahre alt geworden ist. Wie sagte er der WZ zu seinem Engagement als Vorsitzender des Ehrenrats des VfL: "Alte Liebe rostet nicht." Schön, wenn Liebe nach so vielen Jahren noch gegenseitig ist!

Dienstag, 18. Oktober 2005

das vflog-fußball-abc #10: vertrag

Ver|trag, der; -[e]s, Verträge [spätmhd. (md.) vertraht, rückgeb. aus mhd. vertragen = übereinkommen]: Ein Vertrag wird gemeinhin zwischen einem Verein und einem Spieler/Trainer/Manager geschlossen. Er hat eine Dauer von unbestimmt vielen Jahren - Frank Pagelsdorf bei Hansa Rostock hat soeben einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben, Volker Finke in Freiburg hat hingegen einen geschätzten 40-Jahres-Vertrag (auch: Rentenvertrag).
Der Vertrag regelt Rechte und Pflichten beider Vertragspartner für eine Zusammenarbeit; die beiden wichtigsten Pflichten dürften sein: Der Verein garantiert die Überweisung eines erklecklichen Einkommens, der Spieler/Trainer/Manager verbürgt sich im Gegenzug für sensationelle Leistungen auf/neben dem Platz.

Interessant an Verträgen sind gewöhnlich die so genannten Klauseln oder Optionen (vgl. Peter Pacult: Obduktionen): Pagelsdorf kann es ja nur deshalb relativ egal sein, ob seine Verträge Ein-, Zwei- oder 40-Jahres-Verträge sind, weil er dereinst für sein Engagement in Hamburg eine entsprechend lukrative Klausel hatte raushandeln können: Im Falle einer vorzeitigen Trennung sollten ihm etwa 358 Milliarden Mark (~176 Millarden Euro) zuteil werden. Dass der HSV sich diese Klausel hat aufschwatzen lassen bzw. eine vorzeitige Trennung dann wirklich angestrengt hat, spricht einmal mehr für das überaus pfiffige Hamburger Management. Ein ausdrückliches Lob dafür aber nochmal an den Trainer: Wirklich großer Sport!
Die geläufigste Option ist die Ein-Jahres-Option: Der Vertrag wird vorerst für ein Jahr abgeschlossen, er verlängert sich jedoch automatisch um ein weiteres, wenn bestimmte Saisonziele erreicht werden (kein Gegentor in den letzten 11 Spielen, mindestens Platz 9 am Saisonende, höchstens 10 Saisonsiege zwecks Einsparung von Siegprämien usf.).

Das vielleicht wundersamste an Verträgen ist ihre Laufzeit für den Fall, dass die so genannte intraverträgliche Vertragskommunikation einsetzt. Folgende Konstellation: Hans Behr spielt beim Chemnitzer FC, wird aber zeitgleich von Real Madrid umworben. Was nun einsetzt, sind entweder die Mechanismen der doppelten Verneinung ("Ich werde zu keinem Zeitpunkt nicht zu Real wechseln.") bzw. der doppelten Bejahung ("Ich bleibe, wo ich bin. Ich habe schließlich noch Vertrag!"). Im Ergebnis sind die Strategien dieselben: Hans Behr wird eher heute als morgen seine erste Trainingseinheit in Madrid mitmachen - Vertrag hin oder her.

Bisher erschienen: Verein | Versager | verlieren | VIP | Verteidiger | verdient | Vollpfosten | Vorentscheidung | Vielflieger |

Montag, 17. Oktober 2005

stuttgarter rückschau

1. Vier Minuten Trauer, Ärger als aus drei Punkten nur noch einer ward, waren sehr schnell wieder verflogen. Denn:
2. Was ein Spiel! Welch tolle Aktionen! Wie selbstbewusst diese Gladbacher! Wie mutig mancher Pass (der dann gerne auch mal ins Leere laufen darf, ist doch der Versuch der Kreativität notwendig riskant, aber doch soviel besser als der Hasenfuß-Ball ungezählter früherer Kicks)! Das Ergebnis:
3. Wir stehen weiter oben dabei. Wir haben lange nicht verloren. Mit 15 Punkten bisher und der Tendenz der letzten Wochen kann man zufrieden sein. Am wichtigsten aber:
4. Es macht endlich wieder richtig Spaß, mit Borussia zu verreisen! Nebenbei:
5. Keine Sekunde Groll über Strasser, den ich weiterhin verehre. Ein ehrlicher Kämpfer soll auch mal ein geniales Tor machen dürfen, selbst, wenn es in den eigenen Kasten geht. Im übrigen:
6. Wir haben den Schwaben das 'w' genommen. Wir können stolz auf diese Fohlen-Mannschaft sein.

Sonntag, 16. Oktober 2005

sonntag

Sonntag ist bestimmt für manchen
Kleinen Geist ein Tag
An dem sich trefflich Sonntag
Feiern lässt.

Sonntag ist ein dunkler Tag
Der traurig und verdorben
Immer nur beweist
Was Samstag schon als sicher gelten darf.

Montag ist des Sonntags hoffnungslose
Folge die einen schon am Sonntag
Alle Freude nimmt
Und Leidenschaften tagelang begräbt.

Samstag, 15. Oktober 2005

beachtlicher prolog

Der Beginn der Tour de Force war vielversprechend, wenngleich nicht überraschend. Mit dem 2:0 gegen Köln II stehen die Lila-Weißen dort, wo Jan Ullrich seit geschätzten 100 Jahren nach dem Eröffnungs-Zeitfahren zu Beginn der Frankreich-Rundfahrt steht.

Das Skandalspiel in Essen ließ keine andere Wahl: Die Uhren mussten auf 'Null' gestellt werden. Auf einmal fand sich der VfL nämlich im Liga-Mittelmaß wieder. Nun geht die Jagd aufs gelbe Trikot also etwas verspätet von vorn los. Verloren ist noch nichts, aber es wird - wieder einmal, siehe Ullrich - schwer.

Der Prolog gegen Köln war keine Enttäuschung, er war beachtlich und doch eher erwartungsgemäß, obschon die Wollitz-Mannen noch etwas geschwächt waren - siehe, einmal mehr, Ullrich. Das heißt: Gewonnen wurde die Etappe nicht, ein Start nach Maß sieht anders aus. Der Rückstand auf die Spitzengruppe jedoch ist noch nicht so immens, dass das gelbe Trikot gänzlich unerreichbar wäre. Nun muss der VfL das Feld von hinten aufräumen. Die nächste Etappe in St. Pauli wird, wie im übrigen alle folgenden 24 Etappen, richtungsweisend - Dummschwätzer würden sagen: vorentscheidend - sein. Macht der VfL uns den zweiten Ullrich? Oder steigt er doch noch auf?

Freitag, 14. Oktober 2005

k(ris klagt)nie

Er wäre gern mitgefahren zu seinen ehemaligen Kollegen nach Stuttgart, doch sein lädiertes Knie machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Es kommt knüppeldick für Krisztian Lisztes. Denn er möchte nicht nur endlich für die Borussia zaubern, er ist auch auf die Bonuszahlungen seines leistungsabhängigen Vertrags angewiesen. Bisher beläuft sich der Verdienst von Kris beim VfL ja erst auf 7,40 Euro. Die Phrasenschwein-Rendite und der Nationalspieler-Gedächtnistaler sind nun aufgebraucht. Lisztes war in der vergangenen Woche gar zwei Mal mit dem Bus zum Training gekommen, weil er sich wegen der hohen Mineralölpreise nicht mal den Sprit für seinen Wagen leisten konnte. Aber Kris klagt nicht, er kämpft.

Er muss wieder auf die Beine kommen, und zwar schnellstmöglich. Der VfLog verhilft dem maladen Lockenkopf zur Genesung. Wir spenden weitere 29,30 Euro zur Finanzierung von zwei DELWA-Kniemanschetten. "Die Kniemanschette läßt sich einfach anlegen und mittels praktischem Klettverschluß problems befestigen", schreiben die Medizinaltechniker. Und weiter schwärmen sie davon, dass die "individuelle Anpassung an das jeweilige Knie möglich" sei - wenn das nicht das Richtige ist! Allein die Portokosten muss Krisztian noch selber zahlen.

Donnerstag, 13. Oktober 2005

auf no schwaben

Auswärdssieg, Auswärdssieg, hajo, so isch des! Angesichds vom ungeahnde Erschdarkens dr Fohle machds erschdmals seid Jahre wiedr recht Lusch, si scho Tag vorhr auf d Fahrd zum nächschden Auswärdsschbil z konzendriere – no daz no oir Woche Schbielbause. Scho morge gehds für mi also no Schduddgard. Dem Bluade no oi halbr Schduddgardr kann i am Samschdag nohoch voll und ganz zur Borussia halde, noh i endschdamm oir waschechde Kiggerer-und-Andi-VfB-Familie (im normale Lebe allerdings au nix, wouuff man schdolz sai kann, zugegebe). Oi Schbielberichd folgd, nachdem i mi vom Freidendauml am Samschdag erhold hend werd.

(Diesr Texd endschdand mid freindlichem Dank an den Schwobifyr.)

Mittwoch, 12. Oktober 2005

das war einmal #2

Angelehnt an die schöne WDR-Tradition, die 'Tageschau vor 20 Jahren' zu reanimieren, weil die alten Bänder einfach zu schön sind, um sie in den Archiven vergammeln zu lassen - diese Stücke sind immerhin holde Fernsehgeschichte -, widmen auch wir vom VfLog uns jetzt in unregelmäßigen Abständen unserer Best-of-Serie.

Heute erklärt Martin, weshalb er eher ganz auf Gladbach im Fernsehen verzichtet, als sich die Premiere-Bundesligakonferenz ansehen zu müssen. "Mittendrin, doch nie dabei" vom 13. Februar 2005.

Einen richtig guten Torjäger, so wie es Toni Polster zuletzt beim VfL einer war, so wie es Sverkos vielleicht einmal einer wird, einen richtig guten Torjäger sieht man an manchen Spieltagen 89 Minuten lang nicht. Aber dann ist er da, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort – und macht das entscheidende Tor zum Sieg. Mit der Premiere Bundesligakonferenz verhält es sich genau umgekehrt: Man sieht sie volle 90 Minuten, aber nie, nie, nie ist sie am richtigen Ort.

Man kann ihr auch gar keinen Vorwurf machen, im Gegenteil: ihr didaktischer Wert ist es, den gierigen Fußballahnungslosen, die keinen Verein haben, mit dem sie fiebern wollen, 90 Minuten am Stück, die einfach nur samstags Fußball sehen wollen, weil ihr Leben sowieso sinnlos ist und sie für Premiere ja bezahlt haben, die immer überall mitreden wollen, alles live erlebt haben wollen, von ihrem Plüschwohnzimmersessel aus, denen also eins zu beweisen: you can't have the cake and eat it. Zu deutsch: Du mußt dich entscheiden – willst Du die Torte haben oder essen.

Der Konferenzgucker will beides. "Live" das Topspiel sehen, aber auch wissen, wie es bei Bielefeld gegen Mainz steht. Über den verschossenen Elfer von Ballack schimpfen, aber auch über die nicht geahndete Notbremse in Bremen lachen können. So wählt er die Konferenz, und im Glauben, nichts zu verpassen, alles zu sehen, sieht er: nichts!

Die Konferenz zerfasert, zerreißt, zerstückelt. Um den Preis, jedes Tor möglichst 'zeitnah' zu sehen (live sieht man eh die wenigsten), weiß man überhaupt nicht mehr, warum die Tore fallen: War der Ausgleich verdient, glücklich, ein Witz? Keine Ahnung, denn eben waren wir noch ganz woanders und gleich sind wir auch schon wieder weg. Selbst in einem 60 Sekunden Tagesschaubeitrag ist mehr Spannung, mehr Kontextualisierung, kurz: mehr Fußball, als in der Premiere-Konferenz.

Man frage einen Konferenz-Gucker nach 30 Minuten, wer denn so spiele und wie es überall stehe. Gewöhnlich wird er maximal zwei, drei Spiele nennen können, oft mit falschem Ergebnis. Wer Konferenz guckt, guckt immer auch "Alle Spiele alle Tore". Aber anders als der Ein-Spiel-Schauer nicht im Modus der gespannten Erwartung des bei jedem Spiels wieder Mitfiebern-Könnens, sondern im Alzheimer-ähnlichen Modus des "ach ja, so war das, genau". Die Konferenz ist etwas für Menschen, die glauben, beim Fußball ginge es nur um Tore. Nicht ganz falsch. Mit gleichem Recht kann man behaupten, beim Sex geht es nur um den Orgasmus. Auch nicht ganz falsch, aber man bringt sich mit so einer Einstellung doch um jede Menge Spaß.

Die Konferenz ist der fernsehgewordene Beweis, daß man eben nicht immer am richtigen Ort sein kann. Sie hat nur einen Wert: sie bestraft die Dummen, Zögerlichen, Entscheidungsschwachen mit 2x45 Minuten Nullmedium á la Enzensberger vom Feinsten. Die Eingeweihten wählen lieber ein Spiel in voller Länge – und haben als Nicht-Konferenzler gleich noch einen Distinktionsgewinn.

Dienstag, 11. Oktober 2005

du bist oli neuville

Du hast viel gesehen in der Welt. Viel Elend, vor allem. Warst im Süden, im Osten, gar in Leverkusen – und überall waren die Menschen behäbig, schäbig, dumm. Heute weißt Du, was Glück ist, wo Glück ist. Glück, das ist am Niederrhein, in einer kleinen Stadt nahe der holländischen Grenze. Wo Mythen noch leben, wo Klein und Groß den gleichen Traum leben, wo eine Gemeinschaft geeint wird durch die grün-schwarz-weiße, an manchen Tagen auch leicht lila Liebe. Doch manchmal musst Du raus aus diesem Idyll. Musst wieder in die Welt. Dann findest Du Dich zum Beispiel mit 20 Vollseppen im Flieger nach Istanbul. Kurze Zeit später stehst Du mit den unfähigen Humplern in einem Stadion und musst mit ansehen, wie sie versuchen Fußball zu spielen – und doch nicht einmal wissen, was es ist. Wenn dann so ein blonder Typ zu Dir kommt und sagt "Gehscht halt rausle, Oli, spielscht au no zähn Minütle, isch ja eh wurscht hoit", dann weißt Du: Du bist Oli Neuville. Du scheißt auf all die Irren um Dich rum. Du machst ihn rein! Und wenn außer Deinem Niederrheiner Freund Marcell auch niemand in der Nähe nur annhähernd in der Lage ist, Deine Genialität zu erahnen, bei Dir zu Hause freut man sich. Denn Du bist: Oli Neuville!

Montag, 10. Oktober 2005

reaktionen

VfL-Trainer Horst Köppel erklärt zu der von Deutschlands erster Kaisern heute ausgerufenen "Koalition neuer Möglichkeiten":
"Das ist alles kalter Kaffee. Koaltionen neuer Möglichkeiten hatten wir hier schon seit Ende der 90er mit Bonhoff, Rausch, Fach und Advocaat. Ja, und irgendwie ja auch jetzt mit mir. Alles Spitzenkräfte, die ihr bestes für eine ordentliche, starke und vorwärts gewandte Regierung in die Waagschale geworfen haben. Und was hat's gebracht?"

VfL-Trainer Pele Wollitz erklärt zu der von Deutschlands erster Kaisern heute ausgerufenen "Koalition neuer Möglichkeiten":
"Mir wäre eine Koaltion alter Möglichkeiten lieber gewesen. Stellen Sie sich vor, wir könnten alte Möglichkeiten noch einmal neu verhandeln? Konkret: Könnten wir all die alten Möglichkeiten aus der letzten Saison jetzt im Nachhinein in Tore umwandeln, wir spielten ja umgehend in der 2. Liga."

Sonntag, 9. Oktober 2005

deutsche fohlen

Lassen wir die Details des Spiels mal außen vor, hüten wir uns, das 1:2 gegen die Türkei auf mangelhaftes Spielermaterial zu schieben. Viel wichtiger ist doch: Mit Marcell Jansen und Oliver Neuville spielten gestern zwei Fohlen im Nationaldress. Wann hat es das zuletzt gegeben? Haben Stephan Paßlack und Stefan Effenberg einmal gemeinsam als Gladbacher im Nationaltrikot gezaubert? Oder müssen wir noch weiter zurückblättern in den Geschichtsbüchern der güldenen VfL-Historie?

Samstag, 8. Oktober 2005

die kalte schulter

Die Zeiten sind hart, die Zeiten sind bitter - mindestens für den einen VfL. Dem ganzen Land geht es schlecht. Beim VfL sieht man entschieden zu viel rot, im Rest des Landes viel zu wenig. Was tun? Wie kommt der Karren, festgefahren wie er ist, wieder aus dem Dreck?

Helfen Sie mit, die Binnenkonjunktur anzukurbeln, den deutschen Mittelstand auf Trab zu bringen und Arbeitsplätze zu schaffen! Sorgen Sie nebenbei noch für den Erhalt der ein oder anderen fernöstlichen Textilfabrik!
Kaufen Sie Shirts aus dem VfLog-Shirt-Shop!

Zum Beispiel dieses chice One-Shoulder rechts in feinsten VfL-Farben. Und lassen Sie sich nicht beirren: Zwar fehlt dem guten Stück ein Arm bzw. eine Schulter liegt frei, aber : "Das trägt man heute so", wie Mama schon seit Jahren zu hören bekommt. Wes Schulter dieses Kleinod freilegt, des Mundes Lippen mag der VfL-Fan küssen. Und außerdem: Weniger ist oft mehr! Das zeigt seit etwa drei Wochen der andere VfL, der aus bescheidenen Mitteln Optimales herausholt. Wenn Sie auch mal schlecht spielen, aber trotzdem gewinnen wollen: Kaufen Sie unsere Shirts!

Freitag, 7. Oktober 2005

mach dir ein schönes wochenendes, kris!

Eigentlich wollten wir ihm etwas Gutes tun, dem Krisztian Lisztes. Daher haben wir dafür gesorgt, dass die Bonuszahlungen seines leistungsabhängigen Vertrags bei Borussia nicht von knausrigen Kämmerern, sondern von uns generösen Gönnern bestimmt werden. Bis zu 30.000 Euro für einen großartigen Einsatz dürfen wir bewilligen, doch bisher reichte es nur für fünf Euro für das Phrasenschwein.

Es ist Zeit für eine Taschengelderhöhung. Gerade in dieser öden Zeit der Länderspiele, in der die coolen Hechte ausschwirren, um mit stolzer Brust ihre Nation zu repräsentieren. Kris, einst ganz oben, muss daheim am Niederrhein bleiben und gegen Viersen und Verl kämpfen, während beispielsweise Marci, Oli und Tommy internationale Weihen erfahren. Kopf hoch, Junge! Wir spendieren Dir, einfach so, € 2,40 für den Bonus-Counter. (Zitat Mathe-Maik: "Mach die Elfe voll!" -- Er meinte die Quersumme des nun aktuellen Counter-Stands von € 7,40. Die 40 Cent stammen aus seiner Privatkasse.) Kauf Dir mal ein Eis an diesen sonnigen Herbsttagen – aber gib nicht alles auf einmal aus!

Donnerstag, 6. Oktober 2005

auch in der ferne ist horst bei uns



Mit diesem schönen Bild melde ich mich nach gut zehn Tagen des Urlaubens in Deutschlands Norden zurück zum Dienst. Auch wenn ich noch weiter als ohnehin schon vom Borussiapark fort sein musste, Gladbach war doch stets in meinem Herzen – und oft auch vor meinen Augen ganz nah. In Hamburg jedenfalls, nahe der Langen Reihe, die den zartfühlenden unter unseren Lesern ein Begriff sein müsste, war gar eine ganze Straße nach unserem unvergleichlichen Trainergott benannt. Kann es überraschen, dass es eine Einbahnstraße war?

Mittwoch, 5. Oktober 2005

schiedsrichter-obmann erstattet anzeige gegen vfl

Jetzt ist es amtlich, der VfL ist endgültig zu weit gegangen: Noch bevor die vermeintlichen manipulierten Spielszenen aus Essen einer sportgerichtlichen Prüfung unterzogen werden, hat DFB-Schiedsrichter-Obmann Volker Roth nun Anzeige gegen den VfL erstattet - wegen ganz anderer Vergehen. Es handelt sich um Reaktionen von VfLern nach den Spielen in Kiel, gegen Jena und Leverkusen II.

Andreas Schäfer hatte nach dem Spiel gegen Leverkusen II gesagt: "Der Schiedsrichter hatte in der ersten Halbzeit einen Freistoß für Leverkusen gegeben, den man nicht hätte geben müssen. Sonst hat er eigentlich fehlerfrei gepfiffen."
Gegen Jena moserte Berbig: "Der Schiri hat bei der einen Ecke in der ersten Hälfte nicht so gut gestanden, da hätte er foul geben können. Ich kann Dave (de Jong, die Red.) da keinen Vorwurf machen. Aber: Sei's drum, ist ja eh nichts passiert!"
Schließlich richten sich die Vorwürfe gegen Michael Kügler, der den Schiedsrichter nach dem Spiel in Kiel angegangen haben soll: "Ihre Pfeife war irgendwie leiser als sonst - ich hab oft einfach den Pfiff nicht gehört, sorry."

Dass das Sportgericht Ermittlungen aufnimmt, steht für Roth außer Frage. Der Schiri-Obmann zeigte sich sogar zuversichtlich, dass den Spieler hohe Strafen bevorstehen. "Die Vorwürfe sind schließlich ganz schön happig."

Dienstag, 4. Oktober 2005

einspruch eingelegt

Der VfL hat Einspruch gegen die Wertung des Spiels in Essen eingelegt. VfL-Manager Lothar Gans erklärte anschließend gegenüber dem VfLog: "Entweder muss er fünf Spieler runterstellen und damit wenigstens für ein Höchstmaß an Unterhaltung sorgen, weil dann ja das Spiel hätte abgebrochen werden müssen; oder aber er muss es anständig und konventionell zu Ende bringen. So jedenfalls war das mutlos, nichts halbes und nichts ganzes. Mit unkonsequentem Mittelmaß geben wir uns in Osnabrück nicht so einfach ab, da sind wir anderes gewohnt."

Montag, 3. Oktober 2005

teilzeit

Das erste Saisondrittel ist rum in der Regionalliga, noch lange ist keine Zeit für eine Halbzeit-, wohl aber für eine Teilzeit-Bilanz. Sie fällt für den VfL nicht rosig aus. Die womöglich enttäuschenden Ergebnisse der vergangenen Wochen sind aber lange kein Grund, beschrittene Wege grundsätzlich in Frage zu stellen.

5 Siege, 3 Unentschieden, 3 Niederlagen sind gleich 18 Punkte, Tabellenplatz 8 und zehn Punkte hinter einem Aufstiegsplatz, der als Saisonziel ausgegeben wurde - und vorerst richtigerweise aufrecht erhalten wird. Insgesamt ist das zu wenig. Insgesamt tritt der VfL auch zu wenig überzeugend und allen voran zu wenig konstant auf, er tritt sogar etwas auf der Stelle: Immer wieder und unerklärlicherweise folgen horrende zweite Halbzeiten auf tolle erste, oder umgekehrt. Dies abzustellen, ist bisher nicht gelungen. Den VfL wie eine Aufstiegsmannschaft auftreten zu lassen auch nicht. In der vergangenen Saison war das anders: Nicht nur die Fans, insbesondere auch die gegnerischen Mannschaften konnten sich darauf verlassen, dass der VfL zu jeder Zeit in der Lage war, ein Spiel zu drehen und ihm seinen Stempel aufzudrücken. Derzeit fehlt vielleicht nicht nur der Glaube daran.

Dies ist auch ein Problem des Selbstbewusstseins, und das ist recht erstaunlich: Nach einer famosen Rückrunde, wäre es eigentlich der VfL gewesen, der selbstsicher und voll Zuversicht in die neue Saison hätte starten können. Auch der Auftakt in die Spielzeit war vielversprechend, sogar vielversprechender, als so mancher den Wollitz-Mannen zugetraut hatte. Woran hakt es jetzt? Ist es der durch all die Erfolge gestiegene Druck, der die Mannschaft so verunsichert?

Hinzu kommen die vielen Verletzten. Diese Ausrede ist zwar oft nur eine willkommene Ausrede: Schließlich gibt es anderswo ähnliche Miseren, wenn nicht jetzt, dann später in der Saison. Dennoch: Um die gegenwärtige Situation beim VfL richtig einzuschätzen, muss beachtet werden, dass wichtige Spieler und Neuzugänge (Heidenreich, Nouri, Wedau, Schanda, auch Feldhoff) lange Zeit schon ausfallen oder immer mal wieder nicht richtig fit sind, in jedem Fall der Mannschaft nicht zur Vergügung standen, als es darum ging, sich einzuspielen. Das ist ein riesiges Problem, gerade zu Saisonbeginn.

Schließlich kommen Spiele dazu wie jetzt in Essen oder auch gegen Jena. Gegen vier Platzverweise ist genauso wenig ein Kraut gewachsen wie gegen einen äußerst ärgerlichen Treffer in letzter Sekunde einer ohnehin viel zu langen Nachspielzeit. Mit viel "wenn" und "hätte" stünden jetzt 5 Punkte mehr auf dem Konto - und alles sähe freundlicher aus.

Nun aber starten abenteuerliche Diskussionen: So habe Pele Wollitz am Samstag in Essen - mal wieder - falsch gewechselt: Der - trotz mäßiger Leistungen ohnehin oft unverständlich hoch gejazzte - Waku-Menga habe nicht ausgewechselt werden dürfen gegen den manchmal unsicher agierenden Defensivmann Flottmann. Merke: Der VfL spielte zu diesem Zeitpunkt schon zu neunt, vor dem Wechsel noch mit zwei Stürmern. Es bedarf schon eines recht verwegenen Fußball(fach)verstandes, ist man der Ansicht, müsse auch unter diesen Umständen weiter mit zwei Stürmern, also mit Waku-Menga, operieren, um etwaige Entlastungsangriffe zum Erfolg bringen zu können. Mit Verlaub: In einer solchen Situation gibt es keinen Abwehrspieler, der zu unsicher sein könnte, um nicht trotzdem eingewechselt werden zu müssen; es sei denn, Waku-Menga sei selbst in der Lage, Defensivarbeit zu verrichten, aber das kann ehrlicherweise keiner wollen.

Im Gegenteil also: Pele Wollitz bleibt der richtige Trainer für unseren VfL, und zwar ohne Einschränkungen. Es tut gut zu sehen, dass es nur eine Minderheit ist, die ihn jetzt zur Disposition stellen will. Wollitz ist ein Trainer, der viel von dem zusammenführt, was andere gute Coaches an der Bremer Brücke zurück gelassen haben, ein kluges taktisches Spielverständnis zum Beispiel und die absolute, mitreißende Identifikation mit dem Klub.
Der VfL ist sicher nicht optimal gestartet, Wollitz weiß dies als erster - und es ärgert ihn vermutlich am meisten. Er bleibt jedoch auch der erste, der dem VfL am meisten helfen kann, dorthin zurück zu finden, wohin er in der letzten Spielzeit beinahe schon vorgestoßen war: Eine Liga höher.

Sonntag, 2. Oktober 2005

die nächsten vier

Der VfL hat heute fristgerecht die Rotsünder für das kommende Heimspiel gegen Köln II an den DFB gemeldet. Vom Platz gestellt werden dann Berbig (41. Spielminute), Koch (55.), Waku-Menga (79.) und voraussichtlich Nouri (88.).

Samstag, 1. Oktober 2005

plugged

13:59 Uhr Der VfL spielt weit weg, genau 512,6 Kilometer. In Flensburg regnet es gerade einmal nicht, es ist aber bedeckt, 14 Grad. Der Kontakt zur wichtigen Außenwelt besteht für mich mal wieder nur per Liveticker: Was ist in Essen los?

14:05 Uhr Der VfL geht 1:0 in Führung. Joppe trifft. Ein Traumstart! Wenn das so weitergeht, brauchen wir keinen zweiten Toni Micevski für die Entscheidung...

14:42 Uhr
Der VfL schlägt sich tapfer und führt weiterhin hauchdünn. Scheint ein Klassespiel zu sein. Essen hätte wohl schon ein, zwei Mal ausgleichen müssen, auch der VfL spielt aber weiter chancenreich nach vorn.
In Flensburg in genüsslicher Ruhe ein Stück Käsekuchen und eine Tasse Kaffee einverleibt. Die Leute im Café gucken schon, was für ein Spinner da verstört auf den PC starrt...: "Schröder hat das Koksen gestanden?" "Merkel hat ein gemeinsames Kind mit Lafontaine?"

14:46 Uhr Halbzeit. Auch bei mir. Bitte noch einen Kaffee und noch ein Stück Kuchen.

15:07 Uhr Wolfgang Schütte, seit sieben Minuten mit von der Partie, wird mit Gelb-Rot unter die Dusche geschickt. Es fällt schwer, über so viel übermotivierte Dämlichkeit nicht auch gut 500 Kilometer entfernt noch laut zu fluchen. Schütte ist unter solchen Umständen einfach nicht haltbar. Sexmachine hin oder her.

15:11 Uhr Öfter mal was Neues. Ab jetzt neun gegen elf, weil Markus Feldhoff die Rote Karte sieht. Warum, ist nicht ganz klar. Gut, wenn's denn Essenern hilft, spielen wir eben die letzte halbe Stunde gleich verschärft in Unterzahl. Das kann heiter werden...

15:30 Uhr Ok, ab jetzt wird's zur Farce. Gelb-Rot gegen Björn Joppe, ohne nennenswerten Grund. Dann mögen die Essener jetzt doch bitte auch noch ihr Tor schießen, wenn sie's denn gegen acht Gegner schaffen.

15:34 Uhr
Endlich. 1:1.

15:39 Uhr Na, dann hat's ja doch noch geklappt. 2:1 für Essen. Puh! Dafür war ja einiges nötig.

15:41 Uhr All ihr, die ihr im Stadion sein könnt, tut mir wirklich leid. Dieser Skandal hat durch Euch aber immerhin gut 2.000 Zeugen.
Es ist aber, das kann ich Euch auch sagen, ähnlich schwer, mit allem Ärger und aller Wut an sich halten zu müssen: Denn die Bedienung hier in Flensburg kann nun wirklich nichts dafür.

15:42 Uhr Gelb-Rot gegen Jo Enochs. Hehe, großer Sport. Sieben gegen elf. Es sollten nun taktische Überlegungen einsetzen, ob nicht eine weitere rote Karte...

15:44 Uhr: Glückwunsch nach Essen für diesen verdienten 2:1-Sieg, denn dies war eine zweitligareife Vorstellung.