Samstag, 10. Januar 2009

spice boys

Jetzt auch noch der andere VfL. Da ist man mal ein paar Tage nicht da, schon verpflichtet Osnabrück unaussprechliche neue Spieler. Djordjije Cetkovic. Der Einfachheit halber nennen wir ihn einfach Dee C. So wie Mel C.
Dee C kommt aus Rostock, diesem Klub mit denkwürdigen Ambitionen, der uns zu wunderbar unintellektuellen Bilderrätseln veranlasst. Aus Rostock wiederum hätten einige in Osnabrück ja gern einen anderen Spieler geholt, einen alten Bekannten. Doch Addy-Waku Menga wechselt lieber - ja, das darf man so sagen - nach Bremen, natürlich zu den Amateuren. (Wir irrten zwar insofern, als Osnabrück ihn gern verpflichtet hätte, dass das alles nicht klappt, war aber irgendwie absehbar.) Menga überzeugt dabei vortrefflich in der Rolle der Posh Spice: Die Realität vollends aus dem Blick verloren, hält er sich offenkundig für einen wahnsinnig guten, wahnsinnig wertvollen Fußballer, der jedem össeligen Zweitligisten wahnsinnig viel wert sein sollte. Gottlob hat der VfL aber seinen guten Geschmack nicht verloren.
Gerüchtehalber soll Dee C ein fröhliches "I turn to you" geträllert haben, als er seinen Vertrag in Osnabrück unterschrieben hat. Das klingt nach mehr als einem one hit wonder.

Freitag, 9. Januar 2009

die auflösung

Das Spiel Hansa Rostock gegen den VfL. Es stand 2:0 für Rostock. Wir haben den Liveticker nicht mehr ertragen, sondern Christolike verhüllt. Am Ende schaffte Osnabrück noch ein 2:2. Seither lässt sich Maik nur noch als Mr. Karo-Vodoo anreden.

Donnerstag, 8. Januar 2009

das vflog bilderrätsel


Wir sind unseren Lesern als Familienblog der rationalen, scharfen Analyse bekannt. Aber auch wir haben Emotionen. Zum Beispiel, wenn es einmal nicht so gut läuft mit den VfLs. Dann wird aus den kühlen Intellektuellen (schreibt man das so?) schnell ein glühender Künstler voller Affekte. Bei einem herbstlichen Besuch von Maik ist das obige gemeinsame Werk entstanden. Bis morgen dürfen unsere Leser rätseln: Was stellt es dar? Dann folgt die Auflösung.

Mittwoch, 7. Januar 2009

der vflog-schlagzeilen-sevice #7: o-niversal

Das wir da nicht selber drauf gekommen sind! Die Kollegen von vfl.de bieten seit Kurzem zu jedem Punktspiel auf Ihrer Website "O-Töne" an. O-Töne! Ja, wie geil ist das denn! Hut ab, liebe Sprachpoeten aus O-snabrück, das habt Ihr fein gemacht!

Damit wir nicht ganz mit leeren Händen dastehen, melden wir schon einmal Urheberrechte und Markenschutz für folgende neuen Rubriken an, die es in Kürze zu lesen geben wird: , "O-nein!" (Pleiten, Pech und Pannen), "O-ja!" (die schönste Aktion der Woche), "O-berhaus" (Nachrichten aus der 1. Liga), "O-O!" (Neues aus dem Abstiegskampf), "O-ffizieller" (Portraits von Schiedsrichtern" sowie natürlich "O-ho!", "O-lé!" und "O-je!".

...to be continued...

Dienstag, 6. Januar 2009

dramulett-dienstag #17: sibirien

In den Spielpausen sorgt das VfLog-Theaterensemble für gute Unterhaltung für die ganze Familie, dass Marcel Reich-Ranicki eine Freude daran hätte. Ab dieser Woche und bis zum Beginn der Rückrunde nehmen unsere Dramatiker wieder den regulären Spielbetrieb für den wöchentlichen Dramulett-Dienstag auf – mit einem fulminanten Musicalette.

Eine große Bühne in warmem Licht. Im Hintergrund Fenster auf eine kalte Winterlandschaft. Vorne knispert und flackert ein offener Kamin, auf einer großen Sofalandschaft fläzen Sportdirektor Max Eberl, Geschäftsführer Stephan Schippers und Präsident Rolf Königs und nippen an grün-schwarz-weißen Glühweintassen ("Die Chefs"). Stehend an der Tür Marko Marin im Fußballdress des FC Bayern.

Für Minuten herrscht Stille und Regungslosigkeit. Dann beginnt sich eine Discokugel von der Decke zu senken, aus dem Orchestergraben fährt eine Bigband in Fohlenkostümen hoch und beginnt laut Musik zu spielen. Gesang!


Marin: I really can't stay
Die Chefs: But baby it's cold outside!
M: I've got to go away
C: Oh, baby it's cold outside
M: Last season has been So very nice
C: I'll hold your hands, they're just like ice
M: The Hoeness will start to worry
C: Beautiful, what's your hurry
M: Klinsi will be pacing the floor
C: Listen to that fireplace roar
M: So really I'd better scurry
C: Oh beautiful, please don't hurry
M: Well, maybe just half a season more!
C: Why don't you put some records on while I pour?

M: I simply must go
C: Oh baby, it's cold outside
M: The answer is no
C: You know it's cold outside
M: The fans they have been so nice and warm
C: Look out the window at that storm
M: Luca Toni will be suspicious
C: Oh, your feet they are delicious
M: Well maybe just a friendly match more
C: Never such a blizzard before

M: I've got to go to Bayern
C: Oh, baby, you'd freeze out there
M: Ach, lasst doch das Eiern!
C: You know it's up to your knees out there
M: You've really been toll...
C: I thrill when you touch the Ball!
M: But don't you see...
C: How can you do this thing to me?
M: There's bound to be talk tomorrow
C: Making my life long sorrow
M: At least there will be plenty implied
C: If you caught pneumonia and died
M: I really can't stay
C: Get over that old out
M&C: Ahh, but it's cold outside...


Marin zieht das Bayerntrikot aus, darunter kommt eine Gladbachkutte zum Vorschein. Die Chefs reichen Ihnen einen menschengroßen Vertrag mit der Aufschrift "Auf Lebenszeit", Marin greift zu einem grünen Füller und unterschreibt, mit einem Herzen auf jedem I als i-Punkt.

Black.

Montag, 5. Januar 2009

winter wunder land

Der Winter ist da. Es schneit. Und alle sind überrascht: Hoppala – Schnee! Im Winter?! Ja, wo gibt's denn sowas!?

Da trifft es sich gut, dass Borussia als einziges Bundesligateam seine Rückrundenvorbereitung daheim absolviert. Mit Handschuhen, Schal und Bommelmütze, so ist anzunehmen. Im Herbst hatte man die Sportplätze des ursprünglich ausgewählten Domizils in der Türkei einmal genauer angesehen und die Klassenfahrt in den Süden kurzfristig abgesagt, daheim habe man bessere Bedingungen. Heute nun trainiert man auf Kunstrasen, weil der Stadionrasen angesichts des Schnees nicht zu sehr belastet werden darf.

Gladbach ist wieder einmal Winterwunderland. Obwohl einen echten Fan eigentlich nichts mehr wundert.

Sonntag, 4. Januar 2009

scheiden tut nicht immer weh

Viel wird geschrieben über Borussias Hang zum Großeinkauf in der Weihnachtszeit. Und, ja, wenn wir ehrlich sind, hoffen auch wir dieses Mal, dass zumindest zwei, drei wirkliche Stützen dabei sein könnten. Viel weniger hört man über die ebenfalls schon Tradition gewordene zweite Seite der Gladbacher Raubtierkapitalismuspraxis. Es heißt nicht umsonst "hire and FIRE".

Und gefeuert werden nun auch noch einige weitere Spieler, für die man keine Perspektive mehr sieht. Gospodarek muss gehen, der wohl tatsächlich gegen Bailly und mit Heimeroth und Löhe auf der Liste keine Chance mehr haben wird. Ebenso Adieu heißt es für Voigt und Ndjeng, zwei Spieler, die in der letzten Saison nicht unmaßgeblich zum Erfolg beigetragen haben, so dass man sich schon fragen möchte, ob es wirklich nur Luhukay war, der angeblich ein guter Trainer nur in Liga zwei, nicht jedoch in der harten Welt der ersten Liga ist. Und dann wäre da noch Svärd, ein Spieler von dem sich zumindest Optimisten ebenfalls mehr erhofft hatten als sechs Einsätze ohne großen Erfolg.

Angesichts der aktuellen Form scheint es keine deutliche Schwächung der Fohlen zu sein, auf diese vier Spieler zu verzichten. Fraglich bleibt eher, ob die paar Tage Extraurlaub ausreichen, damit sich neue Vereine für die Kicker finden. Die im Herbst aussortierten Kollegen sind bis heute jedenfalls nicht fündig geworden. Vor allem aber fragt man sich, wann Gladbach solche Arten der Mannschaftsentwicklung nicht mehr nötig haben wird...

Samstag, 3. Januar 2009

wie immer

Ein Dank für wunderbaren Sportjournalismus geht wieder einmal an die Süddeutsche, die gestern einen schönen Artikel über den Transfermarkt in der Winterpause brachte. Dabei setzte sie sich süffisant mit der empirisch belegbaren These auseinander, dass in der Regel die Aktivität auf dem Transfermarkt proportional zum Misserfolg in der Hinrunde verlaufe. Diese allgemeine Überlegung dient als Exposé für folgenden wunderschönen Satz:

"Das dramatischste Fehlereingeständnis kommt wie immer aus Mönchengladbach."

Für dieses "wie immer" möchte ich Christof Kneer gerne ein Bier ausgeben. Er möge sich bei mir melden.

Freitag, 2. Januar 2009

winterpause

Nach dem Besuch des großartigen Neujahrskonzerts in der Alten Oper in Frankfurt mit der mitreißenden Jungen Deutschen Philharmonie, der bezaubernden Cellistin Sol Gabetta (wer sie nicht kennt: der Link unten gibt eine schmachtenswerte Kostprobe) und dem wie immer dynamisch-groovenden Kristjan Järvi, stellt sich trotz aller Begeisterung doch eine Frage:

Warum eigentlich geht in Deutschland der Fußball in die Winterpause, wo doch beispielsweise die Briten beweisen, dass die Weihnachtszeit eine wunderbare Zeit für heiße Matches ist. In der Haupterkältungszeit würde dauerndes Husten, Rotzen, Schniefen, Räuspern, Schneuzen in einem mit 30.000 Menschen gefülltem, lauten Stadion nicht weiter stören. Statt des Fußballs sollte hingegen die klassische Musik eine Spielpause einlegen. Oder Platzverweise gegen sieche Röchler aussprechen.

Donnerstag, 1. Januar 2009

silvestercocktail

Wenn Sie heute einen schweren Kopf haben (zu viel Alkohol, VfLeiden, Neujahrsblues), empfiehlt der Sommelier einen schmackhaften Silvestercocktail.
Man nehme: Tomatensaft und die gleiche Menge kalte Brühe, etwas Zitronensaft, Tabasco, Worcestersoße, Salz, Pfeffer, Selleriesalz.
Damit kommen Sie ganz gewiss mit klarem Kopf durch.

Mittwoch, 31. Dezember 2008

das dramulett-silvester: vergangenheit und zukunft

Auch in dieser Winterpause zeigt das VfLog-Ensemble wieder mit kleinen Dramuletten seine Extraklasse auf der anderen Bühne, die die Welt bedeuten mag. Ab nächster Woche wie immer dienstags, geht es zunächst mit einer Sondervorstellung zu Silvester los – passend zwischen Dinner for One und dem morgigen Traumschiff-Abend.

Eine nur schwach beleuchtete Bühne. Von der Decke hängen Pyjamas und Putzeimer in großer Zahl. Schemenhaft erkennt man Kristian Lisztes und Paul Stalteri. Beide jonglieren mit je einem in der Dämmerung grün leuchtendem Fußball und versuchen, den Ball hochzuhalten.

Lisztes' Ball fällt hin.

KL: "Au! Aua! Meine Leiste! Mein Knie! Meine Rippen! Meine Ferse! Meine Wirbelsäule! Au! Mein Nacken! Aua!"

Er bückt sich, offenbar unter großen Schmerzen und hebt den Ball auf. Er jongliert weiter. Stalteri scheint KL nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Lisztes' Ball fällt erneut hin.

KL: "Aua! Au! Mein Knie! Meine Hüfte! Meine Leiste! Mein Nacken! Au! Meine Wirbelsäule! Meine Leiste! Au!"
PS: "Die Leiste hattest Du schon, die war jetzt zweimal."
KL: "Die hat auch zweimal wehgetan."
PS: "Reiß Dich halt zusammen. Mir tut auch alles weh, aber ich lass es nicht so raushängen."
KL: "War denn die ärztliche Untersuchung noch nicht?"
PS: "Doch, aber da bist Du ja auch durchgekommen damals."
Beide lachen.

Black.

Dienstag, 30. Dezember 2008

borussias einkäufe


In der Winterpause geht Borussia bekanntlich gerne shoppen. Wir haben beinhart recherchiert und in einer Gladbacher Kneipe diesen Einkaufszettel gefunden. Ganz offensichtlich haben hier einige Kicker eine Liste für die bevorstehende Silvesterparty verloren. Die zu besorgenden Utensilien sind einschlägig und lyrisch zugleich:
"Sangria (Putzeimer)" lässt den Abstiegskampf vergessen, ebenso wie Sekt und Schnäpschen. Doch was verbirgt sich hinter "Normales"? Geheimnisvolle Zaubertränke? Gladbacher Dopingmittel? Oder einfach nur Bier?

Auch die Mottosuche scheint noch unabgeschlossen, kreist jedoch um eher melancholische Themen zum Jahreswechsel. Eine verschlafene Pyjama-Party für die Schlafmützen in der Abwehr? Oder lieber eine Hartz IV-Party in Andenken an die entlassenen Kollegen (und in Antizipation des eigenen Schicksals)? Man darf gespannt sein, wie am Niederrhein das neue Jahr eingeleitet wird. Für Putzeimer ist jedenfalls gesorgt. Während der Party werden sie sicher ebenso nützlich sein wie danach.

Montag, 29. Dezember 2008

der sporadische adventskalender: türchen 33

Erst am 30. Januar rollt der Ball wieder. Bis dahin sind es noch 33 lange Tage. In dieser herzlosen Zeit öffnen wir ab und zu, also: sporadisch ein virtuelles Türchen. Wie bei jedem Adventskalender weiß man vorher nicht, was für ein Leckerli drin ist. Ein Zitat? Ein langer Text? Ein Bild gar? Heute: Thomas Mann.

Nichts kann das Jahr besser zum Ende geleiten als die Tagebücher von Thomas Mann. Bestürzend und heiter zugleich schreibt er etwa zum "Jahresausklang 1951" am 29. Dezember:

"10 Uhr zu Dr. Wolf zur Untersuchung. Natürlich liegt organisch nichts vor. Für Mittwoch Erprobung des Verdauungstrakts angesetzt - notorisch lästig und bestimmt überflüssig, da alles nervös und psychisch. Früher stimmte die Bestätigung meiner körperlichen Tüchtigkeit mich heiter, ich glaube, sie tut das nicht mehr."

Und nur als Beleg, dass dies keine Eintagsfliege ist und die Lektüre wirklich lohnt: Am 26. Dezember desselben Jahres schrieb Mann schon:

"Champagner. Appetitlos, müde und leidend. Früh hinauf. Am besten ist schlafen. Wache ungern."

Sonntag, 28. Dezember 2008

kommt er oder kommt er nicht?

Wir glauben: Er kommt nicht. Schließlich hat er sich seit eineinhalb Jahren wohl nicht mal ein Bisschen weiter entwickelt. Er stagniert. Er steht seit Mai 2007 auf der Bremse, und das in einem Alter, in dem permantetens An-sich-Arbeiten unter Wettkampfbedingungen - siehe Andreas Schäfer - Gold wert ist. Richtig ist zwar auch: Er versteht sich bestens mit Pele Wollitz und schaut seit seinem Wechsel immer mal wieder in Osnabrück vorbei. Doch wir glauben trotzdem: Das wird nicht reichen. Normalerweise nämlich nimmt Wollitz, was seine Mannschaft angeht, keine Rücksicht auf Sentimentalitäten. Ein "Könnte-Einschlagen-Transfer", auf die Schnelle in der Winterpause, wird ihn nicht sehr reizen. Addy-Waku Menga wird also, obwohl Rostock ihn loswerden will, nicht zurück nach Osnabrück kommen.

Samstag, 27. Dezember 2008

jubiläum

Ist eigentlich irgendjemandem klar, dass wir mit dem Post vom 23. Dezember ganz unscheinbar den 1.500 Beitrag auf unserem kleinen Familienblog geschrieben haben? Nein? Uns auch nicht. Jetzt fällt es auf, und zum Feiern ist es eigentlich zu spät. Müssen wir wohl noch 1.500 mehr schreiben und dann den 3.000 feiern. Ihr seid dabei? Dann ist ja gut.

Ansonsten: Gladbach kauft und kauft. Das will gewürdigt werden. Aber man traut sich ja gar nicht recht, Kommentare abzugeben, weil eh am nächsten Tag schon der nächste Transfer kommt. Und es geht doch ums Gesamtpaket. Daher heute erst einmal nur tentativ: Die ersten drei stimmten skeptisch. Dante gut, alles gut. Ein Stürmer aber fehlt noch. Toni Polster ist unseres Wissens derzeit ablösefrei zu haben.

Freitag, 26. Dezember 2008

weihnachtsgruß vom fußballgott

Liebe Freunde der Leibesübungen,

verzeiht, ich bin einen Tag später dran als gewöhnlich, aber was hier oben im Fußballhimmel los war, könnt ihr euch nicht vorstellen. Irgend einer meiner Pappenheimer von Engeln hat sich kurz vor Weihnachten klammheimlich eine neue Versandoption für mein Demagogen-Shirt ausgedacht. "Lieferung garantiert bis zum Heiligen Abend", stand da auf einmal auf dem Bestellschein. Nicht genug, dass ich seit Tagen ununterbrochen Shirts nähe, nein: Jetzt musste ich auch noch bei der Auslieferung mit anpacken. Das Deluxe-Paket mit beflockter Rückennummer 20 und dem Spielernamen "Theo" habe ich vorgestern Abend höchstselbst in die Otto-Fleck-Schneise nach Frankfurt gebracht. Dabei hab ich mich schlimm erkältet. Gestern war deshalb an Schreiben nicht zu denken. Sorry nochmal, doch ich habe euch ganz bestimmt nicht vergessen.

Das war wieder ein Jahr für die VfLs, was?! Und ich kann verstehen, dass ihr viele Fragen habt. Meine Gnade und Güte mag Euch manchmal verborgen bleiben, doch seid gewiss: Ihr seid mein A und O. Der Reihe nach:

Willi. Er sitzt noch immer bei Wasser und Brot in seiner Zelle im Frankfurter Westend, dieser Tage jämmerlicher denn je, so ganz ohne Fußball und deshalb auch ohne öffentliche Aufmerksamkeit. Die Spendenmoral der Deutschen lässt zu Weihnachten alle Jahre wieder zu wünschen übrig. Alles geht an arme Kinder im Ausland, an Willi denkt niemand. Armer Tropf, das stimmt. Warum ich nichts tue? Liebe Freunde, verkennt nicht, dass ich tue, was ich kann. Vergesst nicht, dass ich der war, der ich gewesen sein wollte, als ich durch Euch vor einem Jahr die "Free Willi"-Bewegung auf den Weg brachte. Seitdem haben wir viel erreicht, auch wenn die Despoten der Fußball- und Leibesübungen (DFL) nicht locker lassen und Willi nach wie vor malträtieren. Wir müssen weiter kämpfen. Einfach in Frankfurt einmarschieren und alles platt machen, das ist meine Sache nicht. Steht mit mir auf und protestiert! Das ist unsere Wahl!

Jürgen, der Dorfverein, die EM. Manchmal sitze auch ich einfach nur auf meinem Thron, tendel ein bisschen mit meinem alten Azteca rum und amüsiere mich. Etwa wenn hochbegabte Übungsleiter wie Falko Götz wahrhaftig wieder einen nächsten Job bekommen, oder wenn der FC Bayern in Ermangelung meiner selbst einen eigenen vermeintlichen Fußballgott einkauft. Wenn sich der Transfer als weniger segensreich entpuppt als geplant, haben die Bayern glücklicherweise genug Geld, um diese Sünde mit dem ein oder andere Ablasshandel auszulöschen und Qualität nachzuverpflichten. Liebe Borussen, nehmt euch dieses goldene Kalb nicht zum Beispiel. Vertraut auf meine Kraft, das ist recht und billiger! Es schmerzt mich, das sagen zu müssen, aber nehmt euch doch ein Beispiel an dieser Mannschaft aus Haffenholm, diesem kleinen gallischen Dorf, das den Großen Paroli bietet. Dafür braucht man kein Geld, dafür reicht Leidenschaft und Engagement. Kennt Ihr diese Tugenden noch in Gladbach?
Im Sommer jedenfalls kanntet ihr sie noch. Damals, erinnert Ihr Euch, war die Borussia gerade aufgestiegen und hatte einen tollen Trainer, und auch der andere VfL sonnte sich glückselig im Erfolg. Das war schön im Sommer, so sorgenfrei, dass ich meinen ganzen Jahresurlaub auf einmal genommen habe. Ich war in Spanien, trank Rotwein in Massen und weinte vor Freude, wie damals am siebten Tage, als ich ruhte, nachdem ich am sechsten die beiden VfLs geschaffen hatte. Ich war so zufrieden, dass ich den Spaniern keinen Wunsch abschlagen konnte.

Die beiden VfLs. Ihr wart artig und sehr fromm, im ersten halben Jahr 2008! Nichts machte mich so stolz wie euch Wochenende für Wochenende zuzuschauen. Die Borussia stürmte von Sieg zu Sieg und war schneller am Ziel, als selbst ich es für möglich gehalten hatte. Und der andere VfL machte mich verlegen, so groß war das Opfer, das die Osnabrücker mir brachten. Bis zum letzten Spieltag ließen sie sich Zeit für den ganz großen Sieg. So süß war das, dass ich aus dem Bauch heraus entschied, mit Pele auf dem Balkon den Fans zuzujubeln. (Der Mann rechts auf dem zweiten Bild im, hüstel, rosa Hemd!) Ihr seid mir welche!
Und aktuell? Osnabrück ist mir nach wie vor eine helle Freude, doch Ihr Borussen, Ihr armen Tore, macht mir Kummer. Was veranstaltet Ihr bloß für Götzentänze? Für nichts und wieder nichts? Was mögt Ihr damit bezwecken? Ihr macht mich glauben, es sei Euch ernst mit Eurer Abkehr vom Guten und Richtigen. Ihr macht mich glauben, Ihr verleugnetet mich, doch ich weiß, Ihr werdet künden bald, dass Ihr irrtet. Meine Arme lassen Euch nie los. Dies wird sein in einem halben Jahr: Ich werde Euch den kleinen Finger reichen in der 2. Liga und Euch von Herzen wünschen, Ihr nähmt die ganze Hand.

Vergebung. Der Donner meines Zorns war grausam, als ich im Frühjahr von diesem Tölpel im Gotteskostüm Kenntnis bekam, und meine Hauptabteilung "XV/Inlandsaufklärung" hat schnell ganze Arbeit geleistet. Der Schuldige wurde ausgemacht und abgestraft, mit aller gebotenen Härte und ohne die Gnade, deretwegen ihr mich so schätzt. Doch jetzt ist gut. Am Ende eines Jahres möge auch dieser arme Sünder wieder leben dürfen. Er macht künftig ein Bühnenpraktikum am Berliner Ensemble.

"So sei es, und so wird es werden", sprach der Hirte Pal zum Engel Ernst. "Ich werde bei euch sein alle Tage", antwortete ich. Vertraut drauf!
Ach, und gebt nicht zu viel auf das Wort von diesem Christus. Geht lieber öfter mal ins Stadion!

Frisch auf!
Euer Fußballgott

Donnerstag, 25. Dezember 2008

um himmels willen

Von: Fußballgott
0700-38722554688

An: Martin & Maik, VfLog
0700-586437

Telegramm

Verzeihung. +++ Hier Hölle. +++ Trotz Himmel. +++ Weihnachtsgruß nicht vor morgen Nachmittag. +++ Bin im Stress. +++ Und krank. +++ Trotzdem frohes Fest! +++ LG, Fg.

Dienstag, 23. Dezember 2008

der sporadische adventskalender: türchen 39

Erst am 30. Januar rollt der Ball wieder. Bis dahin sind es noch 39 Tage. In dieser herzlosen Zeit öffnen wir ab und zu, also: sporadisch ein virtuelles Türchen. Wie bei jedem Adventskalender weiß man vorher nicht, was für ein Leckerli drin ist. Ein Zitat? Ein langer Text? Ein Bild gar? Heute: Die Phrasendreschmaschine.

Ach, reizend, unser Papst. Heute morgen hat er sich in seinen kleinen Benediktiner-Kopf gesetzt, mal wieder ein bisschen gegen Gott und die Welt zu moppern. Seit sein Vorgänger Johannes Paul II. verschieden ist - bekanntlich ein enger Freund unseres Schirmherrn -, ist Benedikt ja so eine Art Uli Hoeneß der katholischen Kirche.
Jüngst hat er gegen seinen Bruder Georg eine Wette verloren (Wer wird Herbstmeister?). Deshalb galt es heute, die Wettschuld einzulösen. Georg erbat sich, sein kleiner Bruder Karl müsse die traditionelle Ansprache zum Jahresende mithilfe der Phrasendreschmaschine (Link unten) bestreiten.

Das Ergebnis ist bekannt. Benedikt fabulierte vom gottgewünschten Zusammenleben von Mann und Frau und deutete sanft an, wer das missachte, befördere die "Selbstzerstörung des Menschen und so die Zerstörung von Gottes eigenem Werk". Es gelte, die "Natur des Menschen gegen ihre Manipulation zu verteidigen".
Nun sitzt er sicher mit zwei Gläschen Mariacron und seinem Bruder Georg im weihnachtlichen Kämmerlein im Petersdom und giggelt, dass sie alle reingefallen sind auf seinen greisen Blödsinn. Die üblichen Verdächtigen jedenfalls (Volker Beck, andere Schwule, eine Lesbe aus Großbritannien) sind ordentlich auf Zinne.

Probieren Sie sich doch selbst mal an einer Weihnachtsrede mithilfe eigens ermittelter Phrasen. Dann lernen Sie schätzen, wie wacker sich Benedikt geschlagen hat!

Montag, 22. Dezember 2008

der sporadische adventskalender: türchen 40

Erst am 30. Januar rollt der Ball wieder. Bis dahin sind es noch 40 Tage. In dieser herzlosen Zeit öffnen wir ab und zu, also: sporadisch ein virtuelles Türchen. Wie bei jedem Adventskalender weiß man vorher nicht, was für ein Leckerli drin ist. Ein Zitat? Ein langer Text? Ein Bild gar? Heute: Eine Art Gedicht.

Damit es Weihnachten Geschenke gibt, das lehren Mama und Papa vom Anfang aller Tage, muss man artig sein oder, quasi als Notablass in letzter Minute, etwas Ungewöhnliches aufführen. Ein Gedicht aufsagen zum Beispiel.
Unser Gedicht, nunja, muss man wohl unter konkrete Poesie verbuchen. Jedenfalls befindet es sich im Gewand der VftabelLe rechts auf dieser Seite. Damit es im Mai Geschenke gibt (Klassenerhalt, zwei Mal), haben wir, ganz verrückt, die Rangliste auf den Kopf gestellt. Ist mal was anderes, mutet an wie ein Akt des Protests, und Gladbach steht endlich wieder oben. Das ist gut für die Seele in der sonst so tristen, fußballfreien Winterzeit. Schön, oder?

Ach, wer es noch nicht begriffen hat: Die VftabelLe ist die stärkste Liga der Welt und listet entsprechend kohärent ausschließlich VfLs. Gezählt wird der Quotient aus gewonnenen Punkten und bestrittenen Spielen. Auch verkappte VfLs wie Lotte oder Nürnberg und die Handball-Kollegen aus Gummersbach dürfen mitmachen.Wenn auch Sie noch einen VfL kennen, der an einem regelmäßigen Ligabetrieb teilnimmt: Keine Bange, früher oder später werden wir wieder auf Desaster-VfLs angewiesen sein.

Sonntag, 21. Dezember 2008

vierter advent

Die Torwartlegende Buffon schreibt in seiner (muss es heißen: ihrer? Geht das grammatische Geschlecht vor oder das natürliche?) Autobiographie, Mönchengladbach habe stets zu seinen Lieblingsfußballklubs auf der ganzen Welt gehört. Das Wort sei so schön, so unaussprechlich, so mysteriös. Dies lese ich gerade in einer alten Süddeutschen. Und fühle mich mit einem Schlag ganz weihnachtlich. Ganz unaussprechlich schön und mysteriös. Wie dieser dumme wunderbare Verein.