Sonntag, 22. Oktober 2006

noch drei tage und: zwischen prekariat und bourgeoisie

Ein "Schnäppchen" sei dieser Munteanu gewesen, der gestern die Wende für Cottbus gegen Aachen einläutete, befand die Kommentatorin des Sportstudios, und sogleich schallte ihr von Coach Petrik Sander entgegen: "Für uns war das eine Menge Geld", überhaupt sei dies eben das Problem seines und anderer Clubs der Liga, "dass es in der Bundesliga zwei, wenn nicht drei unterschiedliche Welten gibt".

Dem kann man wohl wenig entgegen setzen: Auch die Bundesliga hat ihr Prekariat (wie jüngst die Unterschicht von den professionellen Weltendeutern allenthalben genannt wird, damit sichergestellt ist, dass die, über die da gesprochen wird, von vorneherein von der Diskussion ausgeschlossen sind).

Seit geraumer Zeit nun hält sich Gladbach im Niemandsland der sich öffnenden sozialen Schere der Bundesliga auf, und wahrscheinlich ist es das, was die letzten Monate so kräftezehrend macht: Dass der Blick immer wechselnd angstvoll nach unten schweifen muss, wie auch sehnsüchtig nach oben schaut, letztlich aber doch einfach gar nichts passiert.

Im Mittelmaß haben sich die Borussen auch gestern wieder fein behaglich eingerichtet. Eine Auswärtsniederlage mehr, wer will überhaupt noch zählen? Richten wir den Blick also vorerst weder nach oben noch nach unten, sondern nach vorn. Jetzt geht es nach Osnabrück, um dort nicht gegen, sondern mit dem anderen VfL zu spielen. Diese Begegnung ist ein Fußballgottesgeschenk. Möge sie die beteiligten Kicker erleuchten.

Samstag, 21. Oktober 2006

sind wir nicht alle ein bißchen tschechow

"Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin", dieser beliebte Ruf der Sehnsucht hallt in ein paar Tagen wieder durch viele Stadien, wenn Amateure wie Profis darum kicken, im DFB-Pokal eine Runde voran zu kommen. Für den VfL führt der Weg nach Berlin über den VfL, und selten hat das Diktum, im Leben sei der Weg das Ziel, soviel Berechtigung wie in diesem Falle.

Borussia fährt allerdings auch heute schon nach Berlin, zu einem ganz normalen Auswärtsspiel gegen die Hertha. Wenn man das verliert, ist man nicht sofort ausgeschieden, ansonsten wären die Fohlen ja ohnehin bereits seit Jahren jeweils am spätestens zweiten Spieltag vom Spielbetrieb der Bundesliga ausgeschlossen worden. Ob wir nachher gewinnen? Keiner weiß es, aber, was schlimmer wiegt: Keiner glaubt es! Wenn Peter Pander einen Sieg ankündigt, dann hat dies viel gemein mit Figuren in Tschechow-Dramen, die in der tiefsten russischen Provinz versauern, stets davon reden "nach Moskau, nach Moskau!" zu reisen, aber doch immer dort bleiben, wo sie sind: Ob sie selbst noch glauben, jemals nach Moskau zu kommen?

Andererseits: Wären sie glücklicher, wenn sie aufhörten zu träumen? Vielleicht wären sie nicht einmal glücklicher, wenn sie irgendwann wirklich in Moskau wären (auch nach einem Auswärtssieg findet der gemeine Fan sicher noch genug zum meckern...). Der Witz bei Tschechow: Er schreibt melancholisch-traurige Dramen und nennt sie Komödien, aus tiefster Überzeugung. Diesen Geist sollten wir in Gladbach kultivieren: Schreiben wir über unsere Auswärtsspiele einfach "Komödie" und zelebrieren wir unsere nie erfüllten Sehnsüchte.

Freitag, 20. Oktober 2006

spitzengruppe

Kaum 24 Stunden sind vergangen, das spielt nicht nur die Borussia in einer Spitzengruppe mit; auch der lila-weiße VfL hat sich in einer solchen festgesetzt. Mehr noch: Nach dem 2:0 gegen Wilhelmshaven und der Berliner Niederlage in Düsseldorf ist der VfL bis auf einen Punkt an einen Aufstiegsplatz rangeklettert. Kompliment.

Addy Menga scheint sich zum verlässlichen Goalgatter zu entwickeln, der mittlerweile auch die wichtigen Tore macht. Daniel Chitsulo zum agilen, agressiven Sturmpartner. Und Thommy Reichenberger stellt den beiden die Erfahrung zur Seite, die sie so stark macht. Das ist eine vielversprechende Mischung in der Osnabrücker Offensive. Und auch hinten steht man dieser Tage stabil. Zu Null gespielt, keine wirklich gefährlichen Chancen zugelassen, auch das klingt gut. "Naja, war ja auch gegen einen Aufsteiger", mögen manche einräumen. Doch das ist nicht zwangsläufig ein gutes Argument, wie wir vergangene Saison gesehen haben.

Die alte Auswärts-Leier kommt jetzt nicht: Erstens, weil jedem, auch ohne darüber zu sinnieren, klar sein wird, dass ohne Auswärtspunkte aller Heimnimbus nichts ist. Zweitens weil als nächstes kommenden Mittwoch ein weiteres Heimspiel ansteht. Und zwar nicht irgendein Heimspiel, sondern das Heimspiel schlechthin. Der VfL kommt. Zu uns, zum Freudenfest, zum Fußballgipfel an die Bremer Brücke. Mit einem schöneren Geschenk können sich die VfL-Kicker nach dem Sieg heute nicht belohnen. Denn schon jetzt steht fest: Mittwoch gewinnen die richtigen!

Donnerstag, 19. Oktober 2006

heiße spur

Was für ein Anfang! Ausverkauftes Stadion, Klassestimmung, englische Fangesänge auf den Tribünen. Man fühlte sich um Jahre zurückversetzt. Nie zuvor wehte dieser Hauch internationalen Flairs durch den Borussia-Park; und der Tag, an dem der Bökelberg zuletzt so berauscht wurde, ist auch schon lange her. Der erste Spieltag der Gruppenphase im UEFA-Cup, der Fohlen-Ritt gegen die Tottenham Hotspurs heute Abend, macht Lust auf mehr. Auch, wenn am Ende "nur" ein 1:1 stand.

Der Gegner war nicht irgendeiner. Die Spurs, in der Liga nach acht Punkten aus acht Spielen nur auf Platz 14, haben sich für diesen UEFA-Cup viel vorgenommen! Die Jungs von der High Road in London wollen endlich zeigen, dass sie mehr sind als nur die Nummer Drei in der Stadt - hinter den schier übermächtigen Arsenal und Chelsea. Dementsprechend hat Coach Martin Jol das Team vor Saisonbeginn ordentlich verstärkt. Besonders der Sturm um Dimitar Berbatov und Robbie Keane ist Extraklasse, aber auch die Abwehr vor Nationaltorhüter Paul Robinon dürfte stärker sein als bisher in der Premier League gezeigt.

Gemessen daran hat sich die Borussia gut aus der Affäre gezogen, sehr gut sogar. Besonders auffällig spielten Bernd Thijs im defensiven Mittelfeld und der wirklich überragende Peer Kluge auf der linke Seite. Gemeinsam mit dem immer spielfreudigeren Oliver Neuville machte der VfL besonders kurz vor der Halbzeit und dann bis zur 70. Minute richtig viel Druck. "Da hat meine Mannschaft gezeigt, was sie kann. Da müssen wir weiter arbeiten, damit wir das irgendwann einmal 90 Minuten schaffen", sagte ein sichtlich zufriedener Jupp Heynckes.

Dann, in der 73. Minute schoss Hossam Ghali aus heiterem Himmel das 0:1. Marvin Compper sah dabei nicht gut aus und hätte die Flanke von Berbatov nicht zulassen dürfen. Hat er aber. Die Borussia war merklich geschockt. Und hatte Glück, dass a) Oliver Neuville gute Freistöße schießen kann und b) der gute Schiedsrichter Vollquartz aus Dänemark drei Minuten nachspielen ließ. "Das war kein Glück. Meine Mannschaft wollte eben unbedingt noch den Ausgleich machen", grinste Heynckes.

Zufrieden kann er sein. Daheim schafft er es regelmäßig, die Borussia gut aufzustellen. Mit dem begeisterten Publikum im Rücken färbt die Spielfreude auf jeden einzelnen Spieler ab. Gerade im UEFA-Cup kommt es jetzt jedoch darauf an, auswärts nicht einzubrechen. Siege zu Hause vorausgesetzt, muss Gladbach gegen die anderen Gruppengegner - Brügge, Bukarest und unsere Freunde aus Leverkusen - mindestens ein Mal auch auswärts punkten. Bis das klappt oder fehlschlägt, baden wir aber noch ein bißchen im UEFA-Cup-Gefühl.

Solange Eintracht Frankfurt im Europapokal mitspielt, ist für uns aus Prinzip auch die Borussia dabei. Alles andere wäre dem Ansehen des deutschen Fußballs im Ausland abträglich. Die Gruppenphase erreichte Gladbach, weil es in der ersten Runde ZSKA Sofia ausschaltete. Am Abend hieß der erste richtige Gegner heute Tottenham Hotspurs.

Mittwoch, 18. Oktober 2006

seitenwechsel #11

Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits beobachtet Seitenwahl für seine Leser das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit Beginn der Saison 06/07 gibt es nun den SEITENwechsel: Seitenwahl und VfLog haben einen Briefwechsel begonnen, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf Seitenwahl und auf dem VfLog immer dienstags der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.

Unten der elfte Seitenwechsel, diesmal hat wieder Mike zuerst geschrieben. Martins Antwort findet ihr bei Seitenwahl.


Lieber Martin, lieber Maik,

Journalisten sind so einfach zu durchschauen. Am heutigen Montag sind wirklich alle Kollegen auf den "Jugend"-Zug aufgesprungen, den Heynckes mit seiner Aufstellung und seinen Einwechslungen am Samstag gestartet hatte. Auch wenn zwei junge Spieler erst gegen Ende eingewechselt wurden, die Überschriften waren schneller verfasst als die Spielberichte. Man hatte seine Schlagzeile (irgendetwas mit "Fohlen"), die im Falle einer Niederlage natürlich ebenso gut zur Geltung gekommen wäre. Es ist schade, dass kaum Journalist distanziert und kritisch genug ist, um sich nicht von der allgemeinen Hysterie um den Jugendwahn anstecken zu lassen, sondern um das Spiel objektiv zu kommentieren. Die Geschichten interessieren eben mehr als das reine Geschehen.

Apropos Geschichte: als Peter Pander mir und einigen anderen Journalisten ein lockeres "Wir werden in Berlin gewinnen" in die Notizbücher zitierte, hätte Kim Jong Il ebenso "Ich gebe die Atombombe zurück" sagen können, die Gesichtsausdrücke wären wohl gleich gewesen. Es ist witzig zu beobachten, welche Maßnahmen inzwischen getroffen werden, um der im Grunde überflüssigen Auswärtsreise doch einen Sinn zu geben. Dumm ist nur, dass nach fast 90 Auswärtsspielen so ziemlich jede Maßnahme schon einmal da war. Aber das weiß Peter Pander natürlich nicht, insofern verzeihen wir ihm seinen löblichen Versuch.

Es wird mein vorletzter Brief, bevor es zum Duell unserer VfLs kommt. Das bedeutet für uns aber auch, dass wir zwei Auswärtsspiele in Folge haben. Vor dem Hintergrund, dass Borussia Heimspiele gegen Bayer Leverkusen nicht gewinnen kann, könnten nun vier sieglose Spiele folgen (zumal es nach dem Leverkusen-Spiel nach Hamburg geht; brauchen die nicht bald einen Aufbaugegner?). Eine ziemlich trübe Aussicht. Hatte ich schon erwähnt, mit welch toller und junger Mannschaft Borussia am Samstag gewonnen hat?

Beste Grüße
Mike

Dienstag, 17. Oktober 2006

in eigener sache #10: angst

Es gibt Spiele, die man nur verlieren kann. Prüfungen, an denen man wahrscheinlich scheitert. Vorhersehbare Überforderung. Immer wenn die VfLs auswärts auftreten zum Beispiel, neigt man schon im Vorwege zum Abschenken; wenn Kanzlerin Merkel als Marschroute die Politik der kleinen Schritte ausgibt und sich nichtsdestotrotz an der Gesundheitsreform messen lassen will, staunt man angesichts so viel Übermut; wenn das VfDuell im DFB-Pokal für uns das Spiel des Jahres ist, ahnen wir, dass wir uns daran überheben könnten.

VfL gegen VfL, das ist kein normales Fußballspiel. Das ist eine Sensation, eine Offenbarung im eigentlichen Sinne. Die Freude steigt nicht mehr nur langsam. Am kommenden Mittwoch treffen 22 Helden aufeinander, 90 Minuten lang, im ausverkauften Stadion an der Bremer Brücke. Die Zeit wird schneller vergehen als uns lieb ist, sie wird rasen bis nächste Woche, erst recht jedoch, wenn das Spiel erst einmal angepfiffen ist.

Jeder kennt das: Im Erleben wünscht man sich, alles Schöne möge von längerer Dauer sein. Jeder Minute, die vergeht, trauert man hinterher. Nicht mehr zurückholbar. In der Halbzeit wird man denken, diesem Spiel unmöglich gerecht werden zu können, jetzt, wo es schon halb um ist. Unbändige Freude mischt sich mit melancholischer Wehmut. Über allem lastet das Wissen, dass nur kleine Bruchstücke dieser seltenen Begegnung hinübergerettet werden können in die Ewigkeit. An weniges vermag man sich zu erinnern, und in Worte kleiden kann man es ohnehin nicht.

Dadurch droht ein Highlight wie Normalität behandelt zu werden. Weil die Worte fehlen. Weil das Unbegreifliche auch mit viel Vorlauf nicht begreifbar wird. Es wird wabern in unseren Köpfen und all die nicht erreichen, die nicht dabei waren; jedenfalls nicht mehr als wir sie mit Berichten von anderen VfL-Spielen errreichen.

Um es kurz zu machen: Wir haben Angst davor. Wir bitten um Mithilfe und Unterstützung. Mögliche Aufstellungen der beiden VfLs, auch den Spielverlauf und Stimmen zum Pokalfight sammeln wir schon von heute an, um auf alles vorbereitet zu sein. So vorbereitet, lässt sich kommenden Mittwoch womöglich ein wenig mehr hinüberretten, weil man länger Zeit hat, sich auf dieses Spiel einzulassen, es auszukosten. Darum schreiben Sie uns: Wie lautet das Endergebnis? Wer schießt die Tore? Gelbe oder rote Karten? Was sagen die Trainer nach dem Match? Schreiben Sie all das und was noch wichtig ist an vfduell@vflog.de.

Montag, 16. Oktober 2006

geschlossene fragen

Montage nach Fußballwochenenden bieten Zeit und Gelegenheit, das sportive Treiben beiseite zu lassen und sich der Metaebene zu widmen: Den geschlossenen Fragen.

Sportreporter sind seltsame Menschen. Zumeist haben auch sie Journalismus von der Pike auf gelernt, in Politik- oder Lokalressorts, bei Zeitungen oder sonstwo. Sie wissen also, dass sich geschlossene Fragen mit ja oder nein beantworten ließen. Sie wissen auch, dass das bei offenen Fragen unmöglich ist. Beispiel: „Sie haben heute ziemlich gut gespielt, oder?“ – „Ja.“ – „Wie schätzen Sie Ihre Leistung heute ein?“ – „Ich glaube schon, dass ich heute ein ganz gutes Spiel gemacht habe.“

Eingedenk dieser grundsätzlichen Befähigung, zwischen offenen und geschlossenen Fragen unterscheiden zu können, ist es doch verwunderlich, a) dass die geschlossene Frage unangefochten die Lieblingsfrage der Sportjournalisten ist und b) dass die Fußballer die wunderbare Chance, die darin schlummert, ungenutzt lassen, obwohl es eine hundertprozentige ist.

Die Vorliebe für die geschlossene Fragen greift immer mehr um sich. Ob Lierhaus oder Beckmann, besonders eklatant jedoch die unbekannteren Gesichter, die direkt am Spielfeldrand „interviewen“ – überall lauert sie. Und wird leider beantwortet. Es fehlt der geniale Fußballer, der antwortet, wie es sich eigentlich gehörte: Mit ja oder nein. Punkt.

Die Salve an vorbereiteten Fragen wäre schnell zu Ende: „Eine Klasseleistung, oder?“ – „Ja.“ – „Ist so ein Tor dann die Krönung?“ – „Nein.“ – „Wahrscheinlich hätten Sie sich nicht erst in der 73. Spielminute eingewechselt, oder?“ – „Doch.“ – „Und nächstes Wochenende geht’s nach Bochum?“ – „Ja.“

Das Ergebnis wäre ein entweder reichlich verdatterter Fragenonkel oder – umso schöner – ein kompetenter Journalist, der sich aus der Situation heraus zu manövrieren wüsste. Doch viel zu selten, nein: nie müssen die Journalisten ihre gedankenlose Fragetechnik ausbaden. Sie können gemeinhin damit rechnen, dass der Spieler schon reden wird. Schade. Allein Nürnberg-Coach Hans Meyer deutet manchmal in die richtige Richtung. Machte das Schule, würden die ohnehin komplett sinnfreien Spielschlussgespräche immerhin enorm heiterer.

Sonntag, 15. Oktober 2006

gebissen

Natürlich ist ein Heimsieg gegen Wolfsburg das Mindeste. Wenn Traditionsklubs nicht mal mehr gegen Wolfsburg gewännen, müsste man sich ernste Sorgen machen. Aber man kann gegen Wolfsburg auch leidenschaftslos 1:0 gewinnen. Das würde dem Gegner sogar gerecht, nur den eigenen Fans nicht. Der 3:1-Sieg der Borussia gestern war mehr als so ein Pflichtsieg.

Wenngleich auch gegen Wolfsburg in einigen Situationen spielerische Mängel offenbar wurden und schneller, sicherer Kombinationsfußball weitestgehend anders aussieht, ist die Stoßrichtung doch vielversprechend. Die Mannschaft spielt energisch nach vorn, sie kämpft und will Tore schießen – und sie strahlt Sicherheit und Selbstvertrauen aus. Deshalb gewinnt sie ihre Heimspiele hochsouverän, und deshalb wird sie alle 14 Tage von ihren Fans gefeiert.

Man muss indes erwarten, dass sich die Borussia bereits jetzt schön macht für das kommende Wochenende, um beim Spiel in Berlin ihr anderes, ihr Auswärtsgesicht zu zeigen. Und um sich hernach auch die dort zu vergebenden Punkte wieder abzuschminken. Die alte Leier eben. Sie bekümmert deswegen so sehr, weil man sich nur noch über, aber nicht mehr auf etwas freuen kann. Die gewonnen Punkte im Borussiapark sind zwar nicht nichts wert, aber doch deutlich weniger, wenn in der Ferne Spiel um Spiel verloren wird. Freude ohne Perspektive ist denn auf Dauer bedrückend. So ähnlich wie viele sich freitags nicht auf das Wochende freuen können, weil schon bald wieder der Montag dräut, verleidet die Auswärtsmisere vielen Fans die Heimspiele. Nichts vollends, aber latent.

Schließlich ist es emotional extrem anstregend, jede Woche aufs Neue die Hoffnungen, Träume, Ängste und Traumata neu zu justieren, zu allem Überfluss noch nicht einmal ganz neu, sondern im 14-Tages-Wechsel redundant. Eine Liebe, derer man sich alle 14 Tage aus denselben Gründen vergewissern muss, die so etwas wie nachhaltige Zuversicht nicht erlaubt, die stresst. Leidenschaft wird auf diese Weise zwar nicht zerstört, doch der Gedanke daran, wie einfach alles sein könnte, stimmt melancholisch. Und das ist kein gutes Zukunftsrezept.

Eheberater Heynckes könnte den gordischen Knoten zerschlagen. Aber so einfach geht das nicht. Vielmehr sind es die Kicker, die ihn kommende Woche zertreten müssen. Mit jedem gewonnenen Heimspiel, mit dem starken Wolfsburg-Auftritt im Rücken müsste das doch klappen können. Mag man meinen.

Samstag, 14. Oktober 2006

berliner dus(s)el

Auch von Ferne besehen muss man sich erstmal ärgern. Alle werden sich ärgern über dieses 2:2, besonders Andreas Schäfer, der den Endstand durch sein Eigentor kurz vor Schluss erst „ermöglichte“. Ein Dreier in Berlin hätte den VfL immerhin ganz weit nach vorn katapultiert, gerade weil Dresden gestern Abend schon gegen Lübeck verlor. Ein Auswärtssieg, ein nach einem 0:1-Rückstand umgebogenes Spiel, das wäre sehr viel wert gewesen für die junge Mannschaft. Das hätte klar vor Augen geführt, was sie zu leisten imstande ist.

Jetzt prägt Ärger und Frust das Bild. Aus den Versatzstücken „Typisch VfL!“, „Wichtige Spiele gewinnen die nie!“ und „Wollitz raus!“ lassen sich alle erdenklichen Meinungen zum Spiel zusammenflicken. Daran beteiligen wir uns nicht! Wir haben gestern schon mit dem Schlimmsten gerechnet, können nun also mit Bedacht und Augenmaß das 2:2 einordnen.

Sicher, man wünschte sich, dass das Klima in Osnabrück entspannter wäre. So entspannt, dass man sich nach einem Spiel wie dem heute einmal so richtig ärgern dürfte. Aber das geht nicht. Emotionen gehören zwar zum Fußball, und unmittelbar nach Abpfiff sollte man mal laut „Scheiße“ rufen dürfen, doch das ist in Osnabrück leider nicht geboten. Hier tummeln sich derzeit zu viele Nörgler und Ahnungslose, die jedes Wort gern mit Gold aufwiegen und anschließend womöglich meinten, sogar im VfLog bröckelte jetzt auch die Front der grundsätzlichen Zuversicht. Dem ist beileibe nicht so, deshalb zetern wir im Stillen.

Die Mannschaft ist hungrig, jung und unerfahren. Das ist in Spielen wie dem heute Fluch und Segen zugleich. Dass sie sich von dem erneut frühen Gegentreffer und mit der Auswärtsmisere im Gedächtnis nicht hat unterkriegen lassen, spricht für sie. Dass diese Leistung mit einer auf den ersten Blick merkwürdig anmutenden Aufstellung möglich gemacht wurde, spricht auch für sie – und ihren Trainer. Dass es am Schluss trotz Überzahl nicht zu einem Sieg reichte, spricht gegen ihre Cleverness.

Der VfL hat gezeigt, dass Berlin keine Übermannschaft ist. Klar ist aber auch, dass er nicht Woche für Woche erneut versäumen darf, die definitiv verlorenen Punkte gegen Magdeburg und Dortmund zurück zu erobern. Mit sechs Punkten mehr nämlich wäre der VfL Tabellenführer. Wenn Spitzenteams straucheln, muss Osnabrück auch einmal punkten. Sonst erntet die Mannschaft zwar Respekt für starke Leistungen, wird das ganz große Ziel aber verfehlen. Das wäre schade. Zumal es den Dauerpartisanen mit ihren „Typisch VfL!“-, „Wichtige Spiele gewinnen die nie!“- und „Wollitz raus!“-Parolen damit zu leicht gemacht würde.

Freitag, 13. Oktober 2006

therapie

Achja, die Herbstpause ist vorbei. Morgen jedenfalls. Nachdem wir mal wieder 14 Tage Däumchen gedreht und der Nationalmannschaft bei ihrem „Fußball“ gegen drittklassige Mannschaften aus Osteuropa zugeschaut haben, ist jetzt Gott sei Dank Schluss mit dem Tamtitam. Die VfLs sind zurück – gegen Wolfsburg und in Berlin.

Gehen wir mal vom schlimmsten aus, damit wir darauf vorbereitet sind: Die Fohlen versäumen es, gegen den „VfL“ Wolfsburg dreifach zu punkten. Und Osnabrück schreibt seine gloriose Auswärtsserie fort und verliert wehrlos 0:2 an der „Alten Försterei“. Man ist geneigt, derlei Spekulationen einfach so zu überlesen, böse Gedanken zu vertreiben. Doch nein, das wäre zu einfach. Drum noch einmal: Die Fohlen versäumen es, gegen den „VfL“ Wolfsburg dreifach zu punkten. Und Osnabrück schreibt seine gloriose Auswärtsserie fort und verliert wehrlos 0:2 an der „Alten Försterei“.

An diesem schmerzvollen Punkt angekommen, ist Hoffnung und Zuversicht fern. Um wieder Fuß zu fassen, braucht man etwas Abstand. Damit wir zu messerscharfen und zugleich ausgewogenen Analysen nach Spielende als erste fähig sind, fangen wir mit der Rosskur schon einen Abend eher an und gewinnen Zeit. Sollte der Gipfel der Enttäuschung morgen wirklich erklommen werden, wären wir also vorbereitet.

Jaja, soweit ist es schon gekommen. Die Gewöhnung an Rückschläge zwingt uns zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Aus Selbstschutz gewissermaßen. Und sollten schlussendlich doch sechs Punkte dabei rauskommen, feiern wir mit. Logo.

Donnerstag, 12. Oktober 2006

horst köppel muss weg!

Diese Erkenntnis, die sich in Gladbach erst nach langen lautstarken Rufen nicht zuletzt von uns durchsetzte, hat sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten nach nur vier Spielen breit gemacht. Erst schickte der VfL Hotte in die Wüste, jetzt will ihn selbst dort niemand mehr haben. Ein wenig leid kann der Mann einem schon tun. Kopf hoch, Horst, das wird schon wieder. Nur bitte, bitte nicht in Gladbach...

Mittwoch, 11. Oktober 2006

schwergewichter

Bei der Arbeit stieß ich heute auf ein Stück Fernsehgeschichte. Ein schlecht vorbereiteter Moderator traf im Studio auf die beiden damals noch mäßig prominenten Klitschko-Brüder Vitali und Wladimir. Erster Höhepunkt war die Bemerkung, die beiden Boxer sähen ja außerhalb des Rings richtig elegant aus, so als könnten sie zum Beispiel in einem Krimi mitspielen, bestenfalls als Bösewichter. Richtig amüsant wurde es, als die beiden anschließend gefragt wurden, ob sie langfristig wieder zurück in die Ukraine wollten oder ob sie sich vielleicht in Deutschland einbürgern ließen. Die Klitschkos antworteten, sie seien in Kiew zu Hause und das bleibe auch so. "Wir sind Ukrainer!" Abgenommen wurde dieses Statement so lapidar wie wunderbar unbeholfen mit den Worten: "Ja, das merkt man auch."

Dass diese Episode mich bis in den Abend hinein erheitert, zeigt auch, dass heute kein Fußball ist. VfOli und Marcell sind wieder nicht dabei; mit ihnen würde die deutsche Mannschaft nach einer Halbzeit sicher höher führen als 3:0. Außerdem überkommt einen der Verdacht, Trollinger habe den DFB bei seinem Abgang vor wenigen Wochen um einiges Geld gebracht. Immerhin kann sich der Verband nicht einmal mehr ordentliche Trikots leisten, musste, wie es scheint, Bayer Leverkusen um einen Satz Leibchen aus den 90er Jahren bitten. Auch symbolisch zollt die Mannschaft dem geschiedenen Präsidenten Respekt: Keinen Trauerflor trägt sie, sondern gleich einen ganzen Trauerarm.

Das alles ist so traurig, dass unsere beiden Fohlen froh sein sollten, nicht dabei zu sein. Freuen wir uns auf Wolfsburg und Berlin am Wochenende. Und wünschen wir dem DFB den nächsten Jackpot - er kann ihn brauchen.

Dienstag, 10. Oktober 2006

seitenwechsel #10

Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits beobachtet Seitenwahl für seine Leser das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit Beginn der Saison 06/07 gibt es nun den SEITENwechsel: Seitenwahl und VfLog haben einen Briefwechsel begonnen, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf Seitenwahl und auf dem VfLog immer dienstags der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.

Unten der zehnte Seitenwechsel. Diesmal hat zuerst Maik an Mike geschrieben, den Brief findet ihr bei Seitenwahl.
Unten Mikes Antwort.

Lieber Maik,

melancholisch werde ich, wenn ich Deine Geschichte von Amateurplätzen, Bratwurstgeruch und philosophischen Gesprächen von in drei Generationen anwesenden Fans lese. Ich erwähnte bereits, dass Goethe der meistzitierte Dichter im Sportjournalismus sei. Und womit? Mit Recht, will ich meinen.
Fiel nicht auch Dir folgendes ein, als Du an der Bremer Brücke warst: "Ich höre schon des Dorfs Getümmel,/ Hier ist des Volkes wahrer Himmel,/ Zufrieden jauchzet groß und klein,/ hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!"?

Die Bezeichnung "wahrer Fußball" hat durchaus etwas Charmantes. Ist es nicht immer so, dass man sich nach Vertrautem, nach Bewährtem sehnt, wenn Dinge sich schneller entwickeln, als man es je gewünscht hat? Jede Entwicklung verursacht auch meist eine Wiederauferstehung längst vergessenen geglaubter
Dinge: Wir schwärmen von alten Autos, voll mit Chrom, großen Lenkrädern, ohne Kopfstützen und betörender Schönheit, während wir im vollklimatisierten, aerodynamischen und mit Airbags vollgestopften 08/15-Autos durch den Verkehrssumpf fahren; wir legen mit einem zufriedenen Lächeln alte Vinyl-Platten von Queen, Barclay James Harvest oder Bob Dylan auf, während im TV die üblichen Popsternchen rumhüpfen; und wir fühlen uns eben wohl, wenn wir, Bratwurst essend und Bier trinkend, auf einem kleinen Rasenhügel hocken und ein Kreisliga-B-Spiel des heimatlichen Dorfvereins schauen, während wir am Tag vorher inmitten von 50.000 pfeifenden und gröhlenden Modefans sitzen (oder stehen), dabei wahlweise von Deckenstrahlern beheizt werden, während wir am Arbeitsplatz mit WLAN-Anbindung einen Spielbericht in den Laptop hacken. Solche Erfahrungen, wie Du sie an der Bremer Brücke machst und ich heute Abend bei einem Meisterschaftsspiel einer Betriebssportgemeinschaft mache, erden, holen einen zurück.

Natürlich weiß Jupp Heynckes, wie es geht. Er bat heute Präsident Königs um Geduld, doch diese ist in Möchengladbacher noch seltener anzutreffen als Fans, die sich an Auswärtssiege erinnern können. Das große Ganze sieht keiner, will keiner sehen. Ich habe mit fast jedem Arbeitskollegen gewettet, der es wollte oder auch nicht wollte: Borussia wird in spätestens fünf Jahren in der Champions League spielen. Alle Voraussetzungen stimmen. Das Stadion, das Umfeld, die Jugendarbeit, die Sponsoren, die (Anzahl der) Fans, alles. Es wird Früchte tragen, da bin ich ganz sicher. Wird man Geduld haben? Bei einem etwaigen Platz 12 am Ende dieser Saison? Einen ersten Vorgeschmack auf das, was dann kommen könnte, konnte man bereits nach dem Spiel in Aachen erleben. Die blinde und krankhafte Hetzjagd nach Schlagzeilen und Stimmungen widert mich an, und man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, welche Schlagzeilen folgen werden, sofern der (vorausgesetzte) Erfolg ausbleibt.

Objektivität und Fußball sind zwei kaum in Einklang zu bringende Dinge.
Damals, als in den 80ern bei manchen Heimspielen im Schnitt 15.000 Zuschauer zum Bökelberg kamen, wurden auch Fehler gemacht, Spiele verloren, Grottenkicks geboten und Fehleinkäufe getätigt. Doch damals pfiff man im Stadion, schluckte seine Wut mit ein paar Bechern Bier hinunter und ging nach Hause. Heute beginnt dann erst das eigentliche Spektakel. Internet, Flatrates und DSL sei Dank, tauchen Stimmen auf, die man früher nie gehört hätte. Über die Presse werden Geschichten und Schlagzeilen forciert, die durch vermeintliches Insiderwissen auf der einen Seite, eigenem Beobachten auf der anderen Seite zu Tatsachen werden. Auf einmal will jeder wissen, welches Verhältnis der Sportdirektor zu Spieler X hat und dass Spieler Y sowieso schon einen neuen Verein sucht. Ein anderer sieht sich am zweiten Spieltag bestätigt, dass sich "gar nix geändert" habe und dass er das "sowieso schon wusste", als er die "Flaschen" gesehen hat, die der "blinde Manager" im Sommer verpflichtet hat.

Sofern ich nicht selber im Stadion bin, um den Spielbericht zu verfassen, meide ich seit Beginn dieser Saison sämtliche Foren oder Presseberichte der ersten Tage. Oder ich gehe zum Sportplatz um die Ecke, esse eine Bratwurst und sitze auf Grashügeln. Das öffnet den Blick für das Wesentliche und erdet, garantiert!

Beste Grüße
Mike

Montag, 9. Oktober 2006

vorteil der ferne

In Wien zu leben ist herrlich. Sicher, Köln, Berlin, Hamburg sind auch alles feine Orte. Aber Wien schlägt sie doch alle! Denn in Wien kann man ab dem 21.10. das Top-Spiel der deutschen Fußball-Bundesliga im Free-TV sehen, jeden Samstag ab 15:30 Uhr.

Diesen Deal mit der DFL hat jetzt der österreichische Privatsender ATV bekanntgegeben, und man kann sich denken, dass mein Herz höher hüpft seither. Besonders charmant war auch die Pressekonferenz, zu der ATV eigens DFL-Chef Christian Seibert und (warum auch immer) Hansi Müller gebeten hatte. Beide hatten substanzielle Demütigungen beizutragen. Seibert verkündete lächelnd, es sei doch fein, dass Franz Beckenbauer nun in seiner österreichischen Wahlheimat die Bundesliga im kostenlosen Fernsehen anschauen kann. Dass Seibert seine Liebe zum Free-TV entdeckt hat, davon profitiert ja bereits die Sportschau auf Kosten von Premiere, eben jenes Senders, dem Beckenbauer als Werbefigur und Experte exklusiv dient. Ein Schelm, dieser Seifert.

Noch eine Spur gemeiner wurde dann Hansi Müller. Er verkündete gar, der österreichische Fußball werde von der Übertragung der Bundesliga profitieren und könne nun endlich wieder erfolgreicher werden: "Mit Sicherheit werden sich viele Fußballer die Spiele ansehen. Es ist wichtig, dass man sich da was abschaut." Hoffen wir, dass wir in Österreich wirklich viel Fußball, also viel VfL, zu sehen bekommen.

Sonntag, 8. Oktober 2006

was weiß urs?

Wieder einmal müssen wir uns durch ein weitgehend fußballfreies Wochenende quälen, und natürlich schaut man da auch mal in die Länderspiele hinein. Zwei Beobachtungen: Österreichs 2:1 Zittersieg gegen Liechtenstein hat einmal mehr verdeutlicht, dass die Entscheidung, eine EM in dieses Land zu vergeben, sportlich der Entscheidung gleich kommt, eine Cricket-WM in Deutschland auszurichten.

Und die ZDF Übertragung des Deutschland-Spiels einschließlich anschließender Analyse durch den wie immer geradezu anstrengend sympathischen Mainzcoach Klopp, den wie immer ekelerregenden JBK und den wie immer völlig deplatziert wirkenden Urs Meier ließ einmal mehr die Frage aufkommen, welches dunkle Geheimnis der Schweizer von Kerner kennt, dass er immer noch seine zweifelhafte Visage in die Kameras halten darf, ohne je Substanzielles beitragen zu können. (Oder dient er nur dazu, dass im Vergleich Kerner kompetenter wirkt? Das, liebe Mainzer, klappt leider auch nicht.)

Samstag, 7. Oktober 2006

frei-tag

Manchmal sehen Martin und ich gemeinsam fern, Martin in Wien, ich in Hamburg. So trafen wir am vergangenen Montag Herrn Mohn auf der Mattscheibe, der - das nur nebenbei - irgendwo irgend etwas mit seiner Frau Liz zum besten gab. Am Dienstag hatten wir Dienst. Am Mittwoch war Mitte der Woche. Am Donnerstag donnerte es, zumindest in Hamburg. Darum mussten wir uns gestern, am Freitag, frei nehmen. Wenn alles gut geht, kommt dann heute das Sams zurück. Was wir uns wünschten, sollte klar sein.

Donnerstag, 5. Oktober 2006

flagge und königs-bild

Die Klubspitze von Borussia Mönchengladbach fordert Fohlenfahne, Präsidenten-Portrait und Niederrheinisch als Pflichtfach auch bei den Profis daheim. "Es ist viel über Integration geredet worden, aber nichts Konkretes bei rausgekommen", findet auch Coach Jupp Heynckes. Deshalb soll nicht nur auf dem Klubgelände, sondern auch in der Wohnzimmern der Profis Niederrheinisch "einzige Umgangssprache" sein und "an zentraler Stelle eine Gladbach-Flagge sowie das Bild unseres Vereinspräsidenten" aufgehängt werden.

"Wir denken, dass jeder sich mit dem Verein identifizieren muss, in dem er spielen will", begründet Heynckes das ungewöhnliche Vorgehen. Er sehe Flagge und Königs-Portrait als "ersten Schritt, Gladbacher Kulturgut zu vermitteln".

Die Gefahr: Der zweite Schritt kommt vor dem ersten. Unsere willkommenen ausländischen Mitspieler wie Bögelund, Insua oder auch Kahe müssen vor dem VfL-Feintuning erst einmal die deutsche Kultur assimilieren. Deshalb, so gewöhnlich gut informierte Kreise, werde darüber nachgedacht, "künftig das Deutschlandlied zum Trainingsauftakt zu singen, die Spielführerbinde wieder in den alten Farben rot-schwarz-weiß anzulegen und Adolfo [Valencia, die Red.] als Ehrenpräsidenten zu installieren".

Mittwoch, 4. Oktober 2006

neuzugang aus bückeburg

So schnell wie der VfL sich für DFB-Pokal-Hauptrunden qualifiziert, kann kein Pokalwettbewerb ausgespielt werden. Noch in freudiger, gespannter, würdevoller Erwartung des VfDuells gegen Mönchengladbach, dauert es nach dem 5:0 gegen den VfL Bückeburg nun schon wieder nur noch ein Spiel, bis der neuerliche Einzug in die erste Runde des DFB-Pokals 2007/2008 perfekt ist.

Weil uns die Bückeburger so wehrlos einen "Auswärtssieg" geschenkt haben und zudem noch VfL heißen, wollen wir sie als Ehrenmitglied in die VftabelLe (siehe rechte Spalte) aufnehmen. Bückeburg spielt in der Niedersachsenliga West.

Schuld an der VftabelLe sind - Stammleser wissen es - die meinungsmachenden Massenmedien. Sie drucken und senden fleißig weiter unter der Rubrik "Fußball", selbst wenn Hannover 96 gegen Bielefeld spielt, obwohl klar ist: Wenn es kein VfL ist, ist es auch kein Fußball. Entsprechend erbärmlich sieht denn auch die Tabelle aus: Es wimmelt nur so von überflüssigen Einträgen. Ich sage nur: Frankfurt! München! Leverkusen! Cottbus! Usw. usf.

Daher haben wir die VftabelLe ins Leben gerufen, mit der sich alle VfLs der ersten drei Ligen mit ihren Durchschnittspunkten pro Spiel untereinander messen können. Jeder VfL, der an einem regelmäßigen Ligabetrieb teilnimmt, ist eingeladen mitzumachen. Kurze Mail an vftabelle@vflog.de reicht.

Dienstag, 3. Oktober 2006

seitenwechsel #9

Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits beobachtet Seitenwahl für seine Leser das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit Beginn der Saison 06/07 gibt es nun den SEITENwechsel: Seitenwahl und VfLog haben einen Briefwechsel begonnen, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf Seitenwahl und auf dem VfLog dienstags nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.

Unten der neunte Brief von Mike an Martin, Martins Antwort gibt es bei Seitenwahl.


Hallo Martin,

es ist einer dieser faden und langweiligen Tage. Am Wochenende wie erwartet verloren, heute ein Brückentag, an dem ich arbeiten gehe, und dazu noch zwei Wochen Bundesligapause, weil Länderspiele auf dem Programm stehen. Ich fühle mich leer, gelangweilt und müde.

Die fast resignierende Haltung, die man nach einer neuerlichen Auswärtsniederlage an den Tag legt, könnte schon beängstigen. Inzwischen hat man schon alle Haltungen nach einem solchen Tag gezeigt und sie auf Papier gebracht: von reißerischen Artikeln über zynische Kommentare bis zu sachlichen Analysen. Inzwischen gehen mir und der Redaktion die Ideen aus. Faszinierend bleibt für mich, dass diese Misere schon seit Jahren anhält. Wir haben inzwischen mehrmals den kompletten Kader samt Trainer, Co-Trainer und sogar den Stadionsprecher gewechselt. Liegt es am Trikot? Ist es der Status "Spieler von Borussia Mönchengladbach", der einem verbietet, auch auswärts Fußball zu spielen? Liegt ein Fluch über diesem Verein? Sollte man vielleicht den Busfahrer austauschen?

Je mehr ich jetzt darüber nachdenke, desto mehr steigt die Wut in mir wieder hoch. Ein Gefühl, das ich an den Spieltagen selber kaum mehr verspüre. Scheint ein Schutzmechanismus meiner Seele geworden zu sein. Ich habe das Gerede der Fans in den Foren der vergangenen Jahre oft abgetan, wenn über Borussias mangelnde Fähigkeit, die emotionalen BigPoints zu setzen, gesprochen wurde. Doch es ist die Wahrheit. Reflektiert man die vergangenen Saisons, so stellt man fest, dass im Prinzip jedes wichtige Spiel vergeigt wurde. Der Klassenerhalt wurde mit einigen Unentschieden und brav herausgespielten 1:0-Heimsiegen bewerkstelligt. Wie gerne hätte ich auf manchen Heimsieg verzichtet, wenn dafür zwischendurch ein 4:2-Auswärtssieg gelungen wäre. Aus heiterem Himmel! Einfach so! Ein solcher Auswärtssieg, dem eine 1:4-Heimklatsche folgt, wo man jedoch selber noch fünfmal den Pfosten getroffen hat. Spiele, die einen emotional berühren. Das bietet Borussia nicht und nicht mehr, und das gilt auch und speziell für den Kader. Wo sind die Spieler, an denen man sich reiben kann? Dass jede Saison ein Spieler von den Fans zerrissen wird, so what? Aber man vermisst förmlich einen Marek Heinz, einen Arie van Lent, einen Jörg Stiel, natürlich auch einen Stefan Effenberg oder Martin Dahlin. Die Dich begeistert haben, aber auch zum Fluchen brachten. Was ist heute? Wann hat Borussia zuletzt fünf Tore in einem Spiel geschossen? Wo ist das Wilde, das Unberechenbare, das mich einst zur Borussia trieb? Wenn die Mannschaft verliert, dann verliert sie kollektiv. Dann versagen alle, und zwar komplett. Braver, bieder Durchschnitt, mehr nicht. Man könnte fast von der "El-Fakirisierung" der Mannschaft oder des Fußballs sprechen.

Am Donnerstag läuft Sönke Wortmanns "Deutschland. Ein Sommermärchen" in den Kinos an. Sehe ich den Trailer, sehe ich Klinsmanns Ansprachen in der Kabine und denke danach an das Spiel am Samstag (oder das Auswärtsspiel davor oder davor oder....), tut es nochmal richtig weh.

In diesem Sinne: auf ein 1:4-Debakel gegen Wolfsburg.
Es grüßt
Mike

Montag, 2. Oktober 2006

tabellenletzter

Es ist soweit, jetzt auch bei uns: Nach dem vergangenen Wochenende ist die Borussia unwiderruflich Tabellenletzter. Ausweislich der unbestechlichen VftabelLe (siehe rechte Spalte) rangiert der Fohlen-Nachwuchs mit nur 0,60 Punkten pro Spiel noch hinter Wolfsburg und Bochum.

Herzberg führt das Ranking unangefochten an, und die beiden erwachsenen VfLs kabbeln sich um Platz Zwei - je nachdem wer gerade zu Hause spielen durfte...
Wenn Ihr VfL auch noch mitmachen will: Kein Problem. Nur Mut!

Sonntag, 1. Oktober 2006

eine ehrliche haut

Es waren nicht einmal drei Minuten gespielt gestern im Regionalliga-Match gegen Hertha II, da ermahnte der gute Schiedsrichter Josef Maier VfL-Coach Pele Wollitz erstmals zur Ruhe. Wollitz zeigte sich reumütig, streckte die Hand zum Shakehands, und Maier schlug ein. In diesem Moment, den einige Zuschauer im Gedenken an einen anderen Meier als willigen Anlass für „Kopfnuss“-Sprechchöre nahmen, war bereits klar: Es geht um viel, und Wollitz steht unter Hochspannung. Wie immer. Zugleich konnte jeder, der wollte, hier bereits zum ersten Mal sehen, dass Wollitz genau weiß, wann er Grenzen überschritten hat und dass er dafür sofort „Sorry“ sagt.

Anschließend konnten 5.500 Zuschauer, darunter 27 Fans aus Berlin, ein ganz launiges Regionalliga-Spiel mit ansehen. Vieles von dem, was sich ganz zu Anfang abzeichnete, sollte sich bis zum Schluss nicht ändern: Die erste Chance für Daniel Chitsulo zum Beispiel führte in der 14. Minute nicht zum Tor: Nouri hatte sehenswert auf Menga gepasst, der sich – zweite Konstante – unglaublich zweikampfstark durchsetzte und traumhaft auf Aziz weitergab, letzterer flankte – und Chitsulo verwertete nicht. Außerdem trat der VfL auffällig offensiv auf. Die beiden Außen in der Viererkette – Marko Tredup und Andreas Schäfer – stießen immer wieder mit in die Offensive vor und sorgten oft für genau das Überzahlspiel, aus dem dann sehenswerte Chancen resultierten.

Diese drei Konstanten führen notwendig zum Endergebnis: Chitsulo versuchte unermüdlich, ein Tor zu schießen, was ihm teilweise haarsträubend misslang; der VfL gewann deshalb nur 2:0. Menga machte folgerichtig beide Tore. Und hinten war der VfL das ein oder andere Mal anfällig für Konter, weil gerade im Umschalten von Angriff auf Abwehr noch nicht alles so funktioniert, wie Wollitz sich das vorstellt.

So weit, so gut. Das darf man trotzdem sagen, denn der VfL gewann das Spiel gegen die Hertha Amateure hochverdient und eigentlich zu knapp. Menga schoss in der 19. Minute ein Traumtor, als er den Ball mit dem Rücken zum Tor am Sechzehnmeterraum zugepasst bekam und in die Luft hob, sich tänzelnd um einen Gegner drehte, volley abzog und zusehen konnte, wie der Ball links unten im Tor einschlug. Menga schoss in der 82. Minute makaayesk das 2:0, nachdem er fabelhaft von Aziz freigespielt wurde und von halblinks allein auf Torhüter Pellatz zulief. Das war eine Gala-Vorstellung. Sie zeigte, wie stetig und doch auch explosionsartig sich Menga seit der vergangenen Saison entwickelt hat. Hertha-Trainer Karsten Heine sagte anschließend in der Pressekonferenz, die beiden Angriffsspitzen des VfL seien für Regionalliga-Verhältnisse erste Sahne. Die hätten gewirbelt, „das war schon toll!“

Die Rückkehr von Alexander Nouri ins lila-weiße Team ist außerdem gar nicht überzubewerten. Wie er als Schnittstelle zwischen Abwehr und Angriff die Fäden wenn einmal nicht selbst zieht, so doch zumindest immer in der Hand hält, wie er aufmuntert und als Führungsspieler anerkannt wird, das ist mehr als offensichtlich. Gut, dass er zurück ist. Mit ihm und mit den starken Bilal Aziz, Jo Enochs und Dominique Ndjeng hatte der VfL, abgesehen von einigen wenigen Aussetzern, stets die Oberhand. Teilweise wurde im Spiel nach vorn gar schon ansehnlich, klug, sicher und schnell kombiniert. Hier muss Wollitz anknüpfen, die Unsicherheiten hinten muss er abstellen, und er muss dafür sorgen, dass all das künftig auch auswärts funktioniert.

Schwach agierte gestern einzig Jan Schanda, bei dem man sich noch immer fragt, ob die Position im defensiven Mittelfeld für ihn die richtige ist. Vielleicht ist die taktische Variante aber auch nur mangelnder Alternativen geschuldet. Mathias Surmann und Daniel Cartus wurden nicht eingesetzt, und Pele Wollitz stellte im Nachhinein klar: „Die habe ich geschont. Wäre es wirklich um etwas gegangen, hätten beide gespielt!“ Rechnung aufgegangen.

Am Ende steht ein Sieg, der den VfL auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze nach Berlin fahren lässt. Die Tabelle rein gerechnet, steht Osnabrück vier Punkte hinter Union und drei hinter Dresden auf Platz Drei. Nicht so schlecht. Dazu passt Wollitz’ Bitte in der Pressekonferenz. Man möge der Mannschaft Zeit geben, nicht mit jedem Rückschlag immer gleich alles in Frage stellen, man solle sachlich Kritik üben und nach Niederlagen nicht sofort einen so enormen Druck aufbauen. „Das ist nur eine Bitte.“ Gerade die jüngeren Spieler hatte in der Vorbereitung auf das Hertha-Spiel „überrascht, wie schwankend das alles ist“. Dieser enorme Druck sei ein Problem, sagte Wollitz. Und zudem sei er gänzlich umsonst, denn es gebe nun einmal keine Übermannschaft in dieser Regionalliga, es gebe viele gute Mannschaften, „dazu gehören auch wir“.

„Wenn diese Mannschaft Zeit bekommt, dann können wir hier einiges Großes erreichen. Dann können wir mindestens unter die ersten Sechs kommen!“ Keiner lacht. Man merkt, es ist ihm ernst. Für ihn wäre nicht nur ein Aufstieg am Ende ein Erfolg, sondern unter bestimmten Umständen auch weniger. Das ist ehrlich, und das tut gut.

Samstag, 30. September 2006

alles wie immer

Im Bremer Weserstadion fand heute ein Fußballspiel statt, das der SV Werder in nur fünf Minuten mit 3:0 für sich entschied. Hunt, Schultz und Diego machten das, was in den vergangenen Jahren ihre Kollegen ebenso vortrefflich hinbekamen: Gegen Gladbach gewinnen. Umgekehrt war es zuletzt am 21. März 1987, damals immerhin mit 7:1. Dass bis zum nächsten Borussia-Sieg in Bremen mindestens 20 Jahre lang das Wasser am Weserstadion vorbei fließen muss, ahnte damals noch niemand.

Nun sind uns die Bremer aus zwei Gründen sympathisch: Erstens heißt ihr Stadion noch immer nicht Kik-Dome oder B-Win-Arena. Zweitens machen sie keinen Hehl daraus, dass sie gerne eine genauso schöne Raute als Vereinswappen hätten. Das nötigt uns aber noch lange nicht, ihnen den Sieg heynckesk zu gönnen. Im Gegenteil, die Niederlage ist mehr als ärgerlich.

Über Gründe und Sinnhaftigkeit von Auswärtsniederlagen haben wir an dieser Stelle schon oft gestritten, öfter noch. Wir lassen es heute bleiben. Wir stellen nur ganz nüchtern fest: Spielte die Borussia so wie heute auswärts auch daheim, hätte sie in der Bundesliga nichts zu suchen. Und: Wenn die VfLs in der Fremde nicht bald zu Sinnen kommen und zumindest aufopferungsvoll kämpfen, werden die Fans ohne viel Mühe eine angenehmere Wochenendbeschäftigung finden.

Wir können von Glück sagen, dass derzeit jeweils ein VfL pro Wochenende zu Hause spielt - und gewinnt. Zum Osnabrücker 2:0 gegen Hertha II morgen mehr im VfLog.

Freitag, 29. September 2006

gruppenphase

"Wenn man dieses Spiel gesehen hat, muss man sagen, dass einfach die falsche Mannschaft weitergekommen ist!" Sagte Plamen Markov, Coach von ZSKA Sofia. Jupp Heynckes traute seinen Ohren nicht, legte seine Stirn in ungläubige Falten und dachte sich seinen Teil. Der Konter folgte ein paar Minuten später, als er auf der Pressekonferenz seine Sicht auf die Dinge bot: "Wenn der Kollege meint, die bessere Mannschaft habe verloren, dann war meine Mannschaft eben nur die cleverere. Auch das soll mir recht sein."

Das 2:0 im Rückspiel gegen ZSKA Sofia war nicht hochklassig, doch es war verdient nach einem mitunter einseitigen Kick. Und: Es war ein Sieg mit zwei Toren Unterschied! Das wiederum lag daran, dass nicht nur Kahe, sondern auch Marcell Jansen traf. Die Borussia hat also die Gruppenhase im UEFA-Pokal erreicht. "Das ist zweifelsfrei das wichtigtste", befand Heynckes. "Wie wir gespielt haben, vor allem nach dem Führungstor, das hat mir nicht gefallen. Das müssen wir aggressiver nach vorn spielen, meine Mannschaft muss sich zutrauen, das Spiel zu machen." Auch damit hat er recht. Nach Kahes Kopfball in der 22. Minute passierte 75 Minuten lang sehr, sehr wenig. So wie auch schon in der Bundesliga spielt Gladbach zwar erfolgreich und effizient, aber nicht schön. Das muss Heynckes noch ändern - und glücklicherweise will er selbst das auch!

"So eine Mannschat wie Sofia, die ja schon im Hinspiel nur hinten drin gestanden hat, die spielt man nicht einfach so an die Wand. Aber wir müssen es wenigstens versuchen", haderte der Coach mit den behäbigen Seinen. Spätestens zur Rückrunde will Heynckes die Fohlen soweit haben, dass sie attraktiven Fußball spielen. Das kostet Kraft und Spielintelligenz, und dafür braucht es Training. Warten wir also geduldig ab!

Jansens 2:0 in der 85. Minute war dann die viel umjubelte Entscheidung. Beiden Toren waren individuelle Fehler von Iliev und Tunchev vorausgegangen, ansonsten stand die bulgarische Abwehr sattelfest. Von diesen beiden Szenen abgesehen, wurde es in beiden Strafräumen nur durch Standardsituationen gefährlich. Das macht Markovs Ärger wohl verständlich, verdient hatte die Borussia den Sieg dennoch. Besonders Ze Antonio und Insua überzeugten, bei letzterem hatte man den Eindruck, der Knoten habe sich noch ein bißchen mehr gelockert. Die gut und gern 43.000 Zuschauer honorierten das mit Sonderapplaus.

Jetzt warten Knaller in der Gruppenphase. Nach dem gloreichen Ausscheiden von Schalke und Hertha wollen wir nur eines nicht hoffen: Ein direktes Aufeinandertreffen mit Eintracht Frankfurt. Der Traum jedenfalls geht vorerst weiter!

Solange Eintracht Frankfurt im Europapokal mitspielt, ist für uns aus Prinzip auch die Borussia dabei. Alles andere wäre dem Ansehen des deutschen Fußballs im Ausland abträglich. Gestern abend stand für Gladbach das Rückspiel der 1. Runde daheim gegen ZSKA Sofia auf dem Spielplan.

Donnerstag, 28. September 2006

mascot launch

Gestern feierte die UEFA mit einigen Sponsoren das EM 2008 "Mascot Launch". Mit viel Tamtam und Trara und lauter, schlechter Musik. Und das gleich unter meinem Bürofenster im Wiener MuseumsQuartier.

Die Fans sind nun aufgerufen, Namen für die zwei rot-weiß-grinsenden Pseudo-Freiheitsstatuen zu finden. Eine Idee habe ich schon: "Dick und Doof". Aber wie soll dann der andere heißen?

Mittwoch, 27. September 2006

media family

Ein schwarzer Tag für den internationalen Fußball! Dieser heutige Mittwoch hat viel Leid gebracht über Europa. Nicht nur, dass wir vom VfLog uns kurzzeitig versucht sahen, unseren etwas eingerosteten, aber noch reanimierbaren Schlagzeilen-Service wieder aufleben zu lassen - u.a. "Wolf im Schaafstall" drängt sich nach dem bitteren Lastminute-Tor von Barcelonas Lionel Messi gegen den SV Werder geradezu auf!

Nein, mehr noch. Es erreichte mich heute eine E-Mail von der UEFA. Der Inhalt - höchst unfreundlich:
"Unfortunately we are unable to recognise you as a member of the media family. Before we can grant you access to the UEFA online accreditation service, we kindly ask you to send us more background information on yourself and some examples of your work in the football media."

Es stellt sich also die Frage: Was wollen die wissen? Und: Was verraten wir denen? Antwortvorschläge bitte an family@vflog.de.

Dienstag, 26. September 2006

seitenwechsel #8

Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits beobachtet Seitenwahl für seine Leser das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit Beginn der Saison 06/07 gibt es nun den SEITENwechsel: Seitenwahl und VfLog haben einen Briefwechsel begonnen, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf Seitenwahl und auf dem VfLog dienstags nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.

Unten der achte Brief von Mike an Martin, Martins Antwort gibt es bei Seitenwahl.


Lieber Martin, lieber Maik,

ein Wochenende mit gemischten Gefühlen, wahrlich. Borussia ist zwischenzeitlich Tabellenführer, der VfL aus Osnabrück verliert auswärts. Ob das am Kürzel "VfL" liegt? Vielleicht sollten wir uns einmal die Mühe machen, die Auswärtsstatistik von Mannschaften mit dem Kürzel "VfL" zu untersuchen. Letztlich werden wir merken, dass sowieso nur der Fußballgott dahinter steckt, den ich irgendwann - trotz aller bereits erlebten Strafen - durchschauen werde. Irgendwann werde ich sie haben, die große Formel des Fußballs. Ich werde alles erfahren, alles aufdecken: warum man als "VfL" auswärts nicht gewinnen kann, warum es keine homosexuellen Fußballer zu geben scheint, warum jedes Pokalspiel der Bayern im TV gezeigt wird, warum Johannes B. Kerner nicht nur Koch-, sondern auch Fußballsendungen moderieren darf und wo der tiefere Sinn von OnlineMagazinen steckt.

Auf der Suche nach DER Formel gibt es im Büchermarkt und Internet einige interessante Hinweise und Anhaltspunkte. Ich habe mich mal auf die Suche gemacht, getrieben vom Ehrgeiz, DIE Formel zu finden. Eine Studie z.B. besagt, dass eine offensivere Ausrichtung der Mannschaft durch taktische Einwechslungen seltener zum Erfolg führt, als wenn die Trainer ihrer Anfangstaktik treu blieben. Oder wusstet Ihr, dass Goethes Faust der meistzitierte deutsche Text im Sportjournalismus ist, wenn auch meist zweckentfremdet? Von "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust" über "Grau, teurer Freund, ist alle Theorie" und "Hier bin ich Mensch" bis zu "Ein garstig Lied! Pfui! ein politisch Lied", der deutsche Sportjournalist liebe Goethe. Es finden sich herrlich viele nützliche, kuriose und unwichtige Dinge. Kaum ein Gebiet, das bis dato nicht erforscht wurde. So stellten Musikwissenschaftler beim Spiel des 1.FC Köln gegen Borussia Dortmund am 07.12.1996 verblüfft fest, dass der Kölner Fanblock den Schmähgesang gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf ("Wir singen Gladbach, Gladbach, zweite Liga - oh ist das schön, euch nie mehr zu sehn") sauber in Fis-Dur (mit sechs vorgezeichneten Kreuzen) zu Gehör brachte - eine Herausforderung, an die sich kaum ein Leiter eines Kirchenchors heranwagen würde. Nun, gönnen wir den Kölner ihre Sangeskunst. Heute, zehn Jahre später, wissen wir alle, wo das hingeführt hat beim Domstadtclub.

Forschen wir weiter, und kommen langsam unserem Ziel näher: Köln ist laut Sportsoziologe Hans Stollenwerk, der sich mit den Mentalitäten verschiedener Fangruppen in NRW beschäftigt hat, die Hauptstadt der Nörgel-Fans. Mehrere zehntausend Stadionbesucher wurden per Fragebogen nach ihrer Beziehung zum jeweiligen Verein, aber auch nach generellen Lebensumständen befragt. In Köln gibt es deutschlandweit die meisten Nörgler (wundert das jemanden bei diesem Verein?). Anders in Mönchengladbach (aha!): Hier gehen vor allem die unteren sozialen Ränge ins Stadion (pfui!), jedenfalls war das am alten Bökelberg so. Und die Gladbacher Fans sind besonders treu, so Stollenwerk: Der Anteil der Zuschauer, die besonders stark emotional engagiert sind, ist in Mönchengladbach so hoch wie nirgendwo sonst (klar, oder?). Diese Beobachtung geht allerdings einher mit einem extrem niedrigen Frauenanteil unter den Besuchern von nur 14 Prozent. Attraktiv finden Frauen besoders die Leverkusener BayArena. Soviel dazu!

Dann wurde ich fündig: Evolutionsbiologen von der Universität Northumbria (Newcastle) haben das Hormon Testosteron als Grund für den Heimvorteil ausgemacht. "Wie andere Tiere, die ihr Revier bewachen und beschützen, sind Fußballspieler energiegeladener, aktiver und selbstsicherer, wenn sie von auswärtigen Gruppen bedroht werden", sagt Nick Neave von der Uni in Northumbria. Die Arbeit seiner englischen Kollegen nutzte der Düsseldorfer Psychologe Clemens Kirschbaum zu dem Ratschlag an notorisch auswärtsschwache Teams, zur Erhöhung des Testosteronlevels doch einfach die Ehefrauen mitzunehmen, wenn es auf Dienstreise in fremde Stadien geht! Ha, wäre doch gelacht, wenn wir das nicht hinbekommen. Herr Heynckes, Herr Pander, Auftrag erkannt?

Eine Sache hat mich dann doch schockiert. Der Sportpsychologe Bernd Strauß hat festgestellt, dass der weit verbreitete Glaube an die Spielbeeinflussung durch Schlachtrufe nur ein Mythos sei. Eine Auswertung aller Bundesligaspiele zwischen 1963 und 1995 hat ergeben, dass der normalerweise angenommene Heimvorteil sich immer dann ins Gegenteil verkehrte, wenn besonders viele Zuschauer ins Stadion kamen. Es gebe zwar Studien, die besagen, dass die Heimmannschaften 60 Prozent der Spiele für sich entscheiden können, sich dieses Verhältnis bei wichtigen Spielen, wenn es also um Meisterschaft und Abstieg dreht, umkehre. Es ist anscheinend so, dass Anweisenheit und Lautstärke der eigenen Fans zwar dazu führen, dass sich die Spieler mehr anstrengen und vielleicht schneller laufen, aber die Konzentration nimmt deutlich ab und damit die Fehlerquelle zu.

Was sagt uns das resümierend? Borussia und der VfL Osnabrück fahren zum nächsten Auswärtsspiel mit Ehefrauen und ohne Fans. Wenn Fans mitkommen, sollen sie bitte leise sein. Achja, und rote Trikots tragen. Mannschaften oder Sportler in roten Trikots sind im Durchschnitt erfolgreicher als der Rest.

Wahrlich viele Informationen. Aber letztlich alles nur Puzzleteile, die es zusammenzulegen gilt. Wollt Ihr es versuchen?

In diesem Sinne
Euer Mike

P.S.: alle Ergebnisse sind nachzulesen in "Macht Köpfen dumm? - Neues aus der Fußball-Feldforschung", Armin Himmelrath, HERDER spektrum-Verlag

Montag, 25. September 2006

international denken, lokal handeln

Hat schonmal jemand auf die Tabelle geschaut? Nach diesem 5. Spieltag steht Gladbach auf... Platz 5! Da die Tabelle nach unten begrenzt ist, müssen wir uns kein Sorgen machen, nach 34 Spieltag auf Platz 34 zu stehen. Und warum sollte man dann nicht hoffen, naja: träumen, noch ein Weilchen in den aktuellen Gefilden zu bleiben... Darf man kurz ans internationale Geschäft denken? Nein, man darf eigentlich nicht. Das bringt Unglück, schürt überzogene Erwartungen, führt am Ende nur wieder zu Enttäuschung, wo gar keine solche sein müsste. Und doch, UEFA-Cup, einmal wieder UEFA-Cup... Der Gedanke will mir heute nicht aus dem Kopf. Getreu der Devise "international denken, lokal handeln", gehe ich jetzt in die Kneipe. Und trinke auf die Bundesliga, in der es sich nach einem Wochenende wie diesen auch ganz gut leben lässt. Und was dereinst sonst noch so kommen mag, das nehmen wir gerne mit. Am Tresen wie auf dem Fußballplatz.

Sonntag, 24. September 2006

nordlichter

Ein Kollege gestern auf der Pressetribüne der AOL-Arena sprach zwei sehr, sehr wahre Sätze. Der erste lautet: „Ist auch irgendwie langweilig, immer über den Klub zu schreiben, den man eh gut findet!“ Der Klub, den er eh gut findet, ist nicht der HSV, deshalb jubelten wir beide bei Borowskis 1:0 für den SV Werder. Bremen verdient nicht zuletzt deshalb Zuspruch, weil es seit kurzem unter Gladbacher Flagge segelt.

Das hat der VfL aus Osnabrück nun gründlich falsch verstanden. Die 1:3-Niederlage gegen die Amateure des SV Werder lässt – wir sprachen darüber – Erinnerungen an die Tour de Force der letzten Auswärtssaison wach werden. Warum nur? Warum ist es offenbar so schwer möglich, auswärts guten Fußball zu spielen? Antworten müsste einer haben: Claus-Dieter Wollitz.
Sollte er sie haben, darf er sie getrost für sich behalten, intern diskutieren und in zwei Wochen zur Wiedervorlage bringen: In Berlin muss der VfL, will er oben ein Wörtchen mitreden, von grundauf anders auftreten, mehr noch: er muss -trumphen.
Sollte er sie nicht haben, wird das in zwei Wochen und in denen danach offensichtlich werden. Das wäre schlecht.

In der AOL-Arena, im alten Volksparkstadion, nahm das Spiel für den HSV ein besseres Ende. Das 1:1 von Bastian Reinhard war einer der wenigen weiteren Höhepunkte in einem zwar temporeichen und spannenden, nicht aber hochklassigen Bundesligaspiel. Weitere waren:
In der 19. Minute tut sich Werder-Spielmacher Diego mit einem äußerst dummen Foul hervor, so dreist und dämlich, dass Schiedsrichter Wolfgang Stark nicht etwa Gelb zückte, sondern Diego mit einem wunderbar ungläubigen Blick abstrafte.
In der 24. Minute schrie der bemerkenswert jähzornige Vater ein paar Sitzreihen weiter neben seinem etwa zwölfjährigen Sohn ohne jeden Anlass die eventuell wahren Worte: „Hau ab, du Sau. Immer wieder...“
In der 43. Minute fällt auch dem letzten kundigen Zuschauer auf, dass Frank Baumann ein sehr starkes Spiel macht, dass er hinten unglaublich effektiv Zweikämpfe gewinnt und Hamburger Angriffe unterbindet, dass er nach vorn klug das Spiel aufbaut.
In der 47. Minute begann die Sonne auf die Pressetribüne zu scheinen und tauchte die versammelte Journalisten-Schar bis zum Abpfiff in güldenes Licht.

Bleibt nur noch, das Spiel, das Wochenende, womöglich das ganze Leben zusammenzufassen. Der zweite wahre Satz, den der Kollege so unbedacht wie weise sprach, lautete: „Naja, immerhin was für den Teint getan.“

Samstag, 23. September 2006

das war einmal #11

Ach, Lübeck verliert, auch Dresden endlich einmal wieder. Grunsätzlich also beste Voraussetzungen, in den Tabelle zu einen gewaltigen Srpung nach oben anzusetzen. Doch gemach, der VfL verliert auch, natürlich, mag man anfügen. Das zweite Mal in dieser Saison gegen eine Amateurmannschaft, das dritte Mal hintereinander auswärts. Das ist wirklich jämmerlich.

Angelehnt an die schöne WDR-Tradition, die 'Tageschau vor 20 Jahren' zu reanimieren, weil die alten Bänder einfach zu schön sind, um sie in den Archiven vergammeln zu lassen - diese Stücke sind immerhin holde Fernsehgeschichte -, widmen auch wir vom VfLog uns jetzt in unregelmäßigen Abständen unserer Best-of-Serie - heute aus aktuellem Anlass.

Heute: Schweigegelübde

Bisher erschienen: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5 | Teil 6 |
Teil 7 | Teil 8 | Teil 9 | Teil 10 |

Freitag, 22. September 2006

das verborgene spiel

Dies ist die Saison, in der die Freitagsspiele zurück in die erste Liga kamen. Was waren das schöne Erinnerungen! Im Stadion herrscht die berühmte "Flutlichtatmosphäre", bis heute ist es rational kaum zu erklären, warum bei kalten Temperaturen, schwarzem Himmel die Faszination steigt. Der vierfache Schatten der Spieler im künstlichen Licht jedenfalls entspricht der vierfachen Gänsehaut, die sich bei nächtlicher Atmosphäre breitmacht.

Doch auch wer nicht im Stadion sein kann, hat Freitagsspiele lieb gehabt, damals. Zwei Kicks am Freitag abend, gerad rechtzeitig im Fernsehen, dass man danach noch ausgehen konnte, vorher eine Pizza backen und ein erstes Feierabendbierchen zum Wochenende genießen. Viel mehr kann man von einem gewöhnlichen Abend nicht erwarten.

Und nun? Nun entpuppt sich das Freitagspiel der Bundesliga als wahre Mogelpackung, denn es findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Kein SAT.1, kein DSF, keine Sportschau, nur Arena darf berichten. So findet sich der stadionferne Fan zurückverbannt in die Welt des Videotexts, vielleicht noch der Internet-Liveticker, so er sich zur technophilen Avantgarde rechnen darf. Die Freitagsspiele finden nicht mehr unter Flutlicht sichtbar statt, sie werden nur noch von einem medialen Glimmen begleitet.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat Borussia heute 1:0 gegen "Borussia" gewonnen, zumindest zwischenzeitlich die Tabellenspitze erklommen, und aus zwei Heimsiegen eine kleine Dreierserie gemacht. Kahês Siegtreffer sei wahrlich brasilianisch, so der borussia.de-Ticker, gewesen. Ach, könnte ich doch wenigstens dies Tor schon heute abend sehen, ich würde auch elende DSF-Werbeinseln hinnehmen.

Donnerstag, 21. September 2006

das vflog-fußball-abc #13: verreisen

ver|rei|sen : eine [längere] Reise unternehmen, auf Reisen gehen: An manchen Tagen gibt es auch für VfL-Fans nur noch einen Ausweg: Die Flucht. Zum Beispiel an jämmerlichen Donnerstagen, an denen nichts, aber auch gar nichts passiert. Nur fragt sich: Wie vfl-gerecht verreisen? Ganz einfach:

Sie wachen morgen auf, können nicht glauben, dass es schon so spät ist, und merken: Heute wird ein schwieriger Tag. Sie genehmigen sich eine Cola zum Frühstück. Erstmal richtig wach werden. Die Arbeit läuft schleppend an. Sie nicken mehrfach ein. Sie verschwinden kurz zu Kaffee Partner nach gegenüber und brauchen dringend einen großen Pott schwarzen Kaffee. Ihr Chef sagt, Sie sähen heute schlecht aus und schickt Sie heim. Aus einer Bierlaune raus kaufen Sie sich auf dem Heimweg im Kiosk ein herrliches Herforder. Sie haben keine Lust, Mittag zu kochen. Ein guter Homann-Kartoffelsalat tut's auch. Nachmittags schlüpfen Sie in Ihren neuen Uhlsport-Trainingsanzug und machen es sich zu Hause bequem. Sie telefonieren drei Stunden mit Ihrem besten Freund - kostet ja nichts mit Osnatel. Sie naschen die gute Björnsted-Schokolade, die Mama zum Geburtstag geschenkt hat. Und dann der Geistesblitz: Sie könnten Urlaub brauchen. Sie surfen bequem vom Sofa aus zu Travelcheck und buchen eine Woche Lastminute nach Kuba. Weil heute Ihr Glückstag ist, spielen Sie Lotto. Auf dem Weg zurück von der Annahmestelle schließen Sie schnell noch eine Reiseversicherung bei der CiV ab. Wieder daheim packen Sie geschwind Ihren Koffer. Sie drucken mit Ihrem neuen Kyocera-Drucker die Flugtickets aus, packen noch ein Wegbier, natürlich Jever, ins Handgepäck und: Ab geht's!

Bisher erschienen: Verein | Versager | verlieren | VIP | Verteidiger | verdient | Vollpfosten | Vorentscheidung | Vielflieger | Vertrag | V | Vorführung |

Mittwoch, 20. September 2006

borussia bremen

Ach, die lieben Kollegen von der Bild sind doch heimliche VfLer. Sicher, ein Duell VfL-VfB wäre in jedem Fall mitreißender als ein Auftritt der Stadtmusikanten. Durch die unverhohlene Kampagne der Bild lassen sich sicher noch ein paar mehr Stuttgarter Fans mit zum Auswärtsspiel lotsen. Immerhin geht's gegen Gladbach, gegen die Fohlen, gegen Jupp und überhaupt: Wer ist Werder?

Wie das schon anfängt! Mit "W"! Also einem doppelten "V". Überheblich eben. Unsouverän. Eben nicht das Wahre. Doch nutzt die Raute getrost, so sie euch weiterhilft! Tragt sie ruhig fett auf. Das "B" immerhin stimmt ja irgendwie. Doch zwischen "Borussia" und "Bremen" liegen mehr als gut 400 Kilometer. Aber das werdet ihr spätestens im Heimspiel gegen Gladbach merken.

Dienstag, 19. September 2006

seitenwechsel #7

Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits beobachtet Seitenwahl für seine Leser das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit Beginn der Saison 06/07 gibt es nun den SEITENwechsel: Seitenwahl und VfLog haben einen Briefwechsel begonnen, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf Seitenwahl und auf dem VfLog dienstags nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.

Unten der siebte Brief von Mike an Martin, Martins Antwort gibt es bei Seitenwahl.


Lieber Martin, lieber Maik,

ja, inzwischen glaube ich auch den Fußballgott, an seine Macht und die Tatsache, dass Er alleine die Geschicke der Fußballwelt bestimmt. Persönlich abgestraft hat er mich, und das zurecht. Großspurig und in bester Uli-Hoeneß-Manier verkündete ich im letzten SEITENwechsel, wie die Dinge zu laufen haben. Ich entschied, dass Borussia kein dankbarer Aufbaugegner mehr sein wird und dass das Duell VfL vs. VfL, wenn überhaupt, erst in Berlin stattfinden wird. Das war dem Fußballgott dann doch des Guten zuviel. Gleichwohl auch der Fußballgott, wie Minister Steinbrück, ein regelmäßiger SEITENWAHL-Leser ist (sehen wir an seiner IP), erlaubt er es auch nicht mir, mich in seine Angelegenheiten zu mischen.

Seine Antworten waren unmissverständlich. Nachdem ich am späten Samstagabend immer noch wie ein geprügelter Hund im Wohnzimmer saß, die Szenen und Gesänge des am Mittag Erlebten nicht aus dem Kopf bekommend, nahm ich die Auslosung nahezu regungslos zur Kenntnis. Ich sank sofort auf die Knie und wimmerte: "Lieber Fußballgott, es tut mir so Leid. Nie wieder werde ich mir anmaßen, die Geschehnisse im Fußball vorhersagen zu können. Ich erkenne Deine Wut und akzeptiere die Strafe einer Derbyniederlage und eines undankbaren Pokalspiels."

Als ob das alles nicht genug wäre, erreichte mich wenige Minuten später eine SMS eines guten Bekannten. Dieser junge Mann, der hier unerkannt bleiben möchte, ist glühender Anhänger der Düsseldorfer Fortuna, insofern mit dem VfL Osnabrück bestens vertraut. Der Wortlaut seiner Nachricht: 'Gratuliere zur Pokalreise nach Wollitzhausen. Da kannste das HB-Männchen mal live und in Farbe wüten sehen." - Ja um Gottes Willen! Herr Wollitz, einst mit dem Spitznamen "Pele" gesegnet, ein cholerischer Wüterich am Spielfeldrand? Was treibt ihn zur Weißglut? Die kargen Darbietungen seiner ihm Anvertrauten? Doch, keine Bange. Im VfL-Duell wird er allen Grund zur Ruhe haben. Solche Spiele pflegt Borussia in beachtenswerter Regelmäßigkeit zu verlieren. Bei einem Heimspiel gegen Schalke oder Bayern hätte ich weniger Sorgen. Schaut man ins offizielle Forum des VfL Osnabrück, muss man Sachen wie "Och, Gladbach ist auswärts keine große Nummer, die packen wir" lesen. Von Fans eines Regionalligisten, wohlgemerkt. Fußball kann so bitter sein!

Übrigens: ein geschätzter Leser schrieb bereits am Samstag besorgt in unser Forum, dass das "an sich viel versprechend begonnene Projekt SEITENwechsel nun wegen eklatanter Vorhersehbarkeit uninteressant" werde. Lieber sternburg, da ich weiß, dass Du das hier liest: Mit dem Begriff "Vorhersehbarkeit" wäre ich in diesen Tagen sehr, sehr vorsichtig.

Es grüßt
Mike

Montag, 18. September 2006

gegendarstellung

In Ihrem Artikel "zwei königskinder" vom 9. September 2006 verbreiten Sie über mich falsche Tatsachenbehauptungen.

Sie schreiben, ich hätte zur mir selbst gesprochen und zitieren mich mit den Worten: "Menschenskinder, da hat der Jürgen ausnahmsweise mal Recht gehabt."
Hierzu stelle ich fest: Das habe ich niemals gesagt, nicht einmal zu mir selbst.

Kalifornien, den 19. September 2006
Der Jogi

Wir sind nach dem Pressegesetz verpflichtet, eine Gegendarstellung ohne Prüfung der Tatsachen abzudrucken. Wir bleiben bei unserer Darstellung.

Sonntag, 17. September 2006

so viel, so viel, so viel

Heute weiß man gar nicht, wohin mit seinen Gedanken. Noch einmal nach Aachen, sich gehörig ärgern? Oder die Zeit vorspulen bis zum 24. oder 25. Oktober, wenn es zum DFB-Pokal-Freundschaftsspiel VfL-VfL kommt?

Vielleicht zuerst die gute Nachricht. Endlich einmal wieder sehen sich VfL also auf dem Fußballfeld wieder in die Augen, endlich sind die Handshakes vor dem Anpfiff keine geheuchelten Gesten der Sportlichkeit, sondern die ersehnte Chance, endlich verstohlen die Händchen zu halten, an die man jeden Abend vor dem Einschlafen denkt. Endlich wird einmal das Champions-League-Finale vorweg genommen, das dereinst kommen wird, ganz sicher. Der eine oder andere mag hadern, gewiss. Musste diese Begegnung so früh kommen? Ein VfL wird auf der Strecke bleiben, nicht in die nächste Runde einziehen. Aber wozu am Fußballgott zweifeln? Er wird sich schon etwas dabei gedacht haben, als er die Lose lenkte. Und wir freuen uns auf das Spiel des Jahres. Wenn in gut 7 Wochen das Flutlicht angeht, werden auch unsere Herzen überlaufen.

War noch was? Ach ja, Aachen. Aber jetzt sind wir so in Stimmung, hüllen wir den Mantel des Schweigens über diesen Kick. Nur so viel: Nein, es war wohl kein Elfer, aber bitte: Muss man 4:2 verlieren, wegen einer Fehlentscheidung? Und, Jupp: Ja, es war ein guter Einstieg für Frontzeck, der ein Gladbacher Jung ist, aber Du trainierst die Fohlen, nicht die Ex-Fohlen. Bitte auf einen Zettel schreiben und jeden Morgen und Abend dreimal aufsagen. Danke.

Samstag, 16. September 2006

+++ eilmeldung: fußballgott schlägt zurück +++

"Ha", dachte sich der Fußballgott, "auf billige Muslimen-Schelte habe ich kein Bock! Aber wenn der Papst meint, sich so Gehör verschaffen zu müssen, dann versau ich ihm die Tour. Und mache meinen beiden Freunden vom VfLog ein Geschenk. Mit einem Paukenschlag!"

In der zweiten DFB-Pokalrunde spielen die VfLs gegeneinander, folglich kann es nur einen Sieger geben. Weihnachten und Ostern und Silvester und so, alles auf einem Tag. Wir hatten ja schon sowas geahnt. Prosit. Welcome again, Jogi. Und: Danke.

vater der gedanken

Immer wieder nach den bestrittenen 90 Minuten das wiederkäuen, was passiert ist und zumal zigfach auch anderswo erzählt wird, ist langweilig. Erst recht, wenn vorstellbar ist, sich nach 15:45 Uhr über eine Heimniederlage ärgern zu müssen. Schließlich kommt mit dem VfB Lübeck heute kein kompletter Nobody an die Bremer Brücke. Darum spielen wir den erwartbaren und vor allem: wünschenswerten Verlauf der 90 Minuten mal schnell vorher durch.

Das bayrische Schiedsrichtergespann pfeift püntklich an, weil es am Abend noch zum zünftigen Gelage auf der Wies'n verabredet ist. Osnabrück und Lübeck fechten zu Beginn defensiv; keins der beiden Teams traut sich, ordentlich Gas zu geben. Reichenberger und Menga werden in den ersten zwanzig Minuten wunderbar freigespielt, ein Mal von Surmann, das andere Mal von Cartus, machen jedoch nichts aus den Chancen. Auf der anderen Seite steht Bärwolf frei vor Gößling, spielt aber, anstatt selbst die Lübecker Führung zu machen, den besser postieren Heun an; der steht im Abseits. Kurz vor der Halbzeit zeigt Schiedsrichter Perl auf den Punkt: Tredup hatte Baltes ungeschickt attackiert, Lübeck führt 1:0 per Elfmeter.

In der zweiten Halbzeit spielt der VfL wie verwandelt. Pele Wollitz hat in der Kabine offenbar deutliche Worte gefunden. Druckvoll und engagiert drängen die Lila-Weißen jetzt auf den Ausgleich. Der Ball wird, so er verloren ward, sofort zurück erkämpft, besonders hinten bestechen Ndjeng und Surmann. Das Spiel nach vorn ist im Vergleich zum Dortmund-Desaster nicht wieder zu erkennen. Cartus, Heidenreich und Enochs spielen klug miteinander und können auch Menga das ein oder andere Mal fein in Szene setzen. Schließlich passiert das, was nicht mehr für möglich gehalten wurde: Der VfL biegt einen Rückstand noch um, und das ganz ohne Zuhilfenahme von Standardsituationen. Im Strafraumgetümmel ergattert sich Menga in der 68. Minute das Leder und schießt trocken ins linke untere Eck - 1:1. Der eingewechselte Nouri wird in der 79. Minute zum Matchwinner. Nach einem Abwehrschnitzer von Hirsch schlenzt Nouri den Ball aus sechzehn Metern über Torwart Frech zur 2:1 Führung ins Netz. Der Endstand.

Der VfL holt drei wichtige Punkte und setzt sich oben in der Tabelle fest. Damit baut Osnabrück seine positive Bilanz gegen Lübeck aus. Im 25. Aufeinandertreffen war das der 14. Sieg - gegenüber 3 Unentschieden und 8 Niederlagen.

Sollte der Spielverlauf ein anderer sein: Schicken Sie uns Ihre Sicht der Dinge. Den zweitschönsten Spielbericht zum Lübeck-Spiel drucken wir ab. Den schönsten haben Sie soeben gelesen.

Freitag, 15. September 2006

erwachen aus dem schlummerschlaf

Früher beim Zahnarzt, da wurde noch gebohrt, gezogen, gerüttelt und geklopft ganz ohne Betäubung. Die einzig menschliche Geste war die Ankündigung "Das kann jetzt gleich kurz weh tun", bevor die Höllenqualen begannen. Die Zeiten sind vorbei. Schon lang werden kunstvoll Spritzen gesetzt vor jedem Eingriff, der auch nur entfernt einen Nerv tangieren könnte; bald wird wohl gar vor der Zahnsteinentfernung anästhesiert. Vor größeren Operationen, etwa der Entfernung von Weisheitszähnen gibt es inzwischen gar eine ganze Fülle von Ruhigstellungen, die zur Wahl stehen. Zur lokalen Betäubung und der Vollnarkose gesellt sich seit einiger Zeit der "Schlummerschlaf".

Wer meint, diesen künstlich erzeugten sedierten Zustand nicht zu kennen, der irrt. Die letzten zwei Wochen waren just dies. Man ist nicht ganz weg, aber eben bei weitem auch nicht recht da. Man ahnt noch dumpf, dass es so etwas wie eine Welt irgendwo gibt, aber wie sie ausschaut...? Achselzucken. Jetzt, wo das Erwachen einsetzt, sind viele Fragen offen. Vor zwei Wochen, war da was? Ach ja, Nationalmannschaft. Und letztes Wochenende, da war aber doch kein Fußball? Oh doch, DFB-Pokal, jaja. Alles müde Surrogate für das rechte Rennen, das nun endlich wieder startet. Aufwachen!

Und was ist am Schlummerschlaf das Schönste? Manchmal kann man sogar träumen.

Donnerstag, 14. September 2006

torlos in sofia

Solange Eintracht Frankfurt im Europapokal mitspielt, ist für uns aus Prinzip auch die Borussia dabei. Alles andere wäre dem Ansehen des deutschen Fußballs im Ausland abträglich. Heute abend stand für Gladbach das Hinspiel der 1. Runde bei ZSKA Sofia auf dem Spielplan.

Ungewöhnlich heiß war es in Sofia. Eigentlich ist es um diese Jahreszeit schon deutlich kühler hier, aber knapp 30 Grad und eine ungeheuer hohe Luftfeuchtigkeit waren schlechte Voraussetzungen für ein klasse Fußballspiel. Knapp 35.000 Zuschauer sahen dann auch ein dementsprechend standesgemäßes 0:0.

Sofia spielte von Anfang an so, wie Jupp Heynckes schon vor dem Spiel prophezeiht hatte: Hinten unglaublich dicht gestaffelt und mit wenig Drang zum Tor. Die Null sollte stehen, und sie stand.
Genau das muss man der Borussia zum Vorwurf machen. Auch wenn in der ersten Halbzeit Kahe und Ze Antonio und in der zweiten Hälfte gleich drei Mal Oliver Neuville zu sehr guten Chancen kamen – ein Tor sollte nicht fallen. Gladbach ließ sich vom behäbigen Spiel des Gegners einlullen. Auch der – so sagen Ohrenzeugen – donnernde Halbzeit-Appell von Heynckes konnte daran nichts ändern: Die Borussia spielte viel zu zurückhaltend und fabrizierte zum Teil haarsträubende Fehlpässe im Mittelfeld; hinten ließ die Abwehr gegen die wahrlich schwachen Bulgaren zwar keine nenneswerte Torchance zu, doch im Spiel nach vorn passierte viel zu wenig. Heynckes greinte. Eine zurückhaltende Borussia mag er nicht. Torlose Spiele auch nicht.

Immerhin: Unterm Strich hat die Borussia nach vielen Jahren ein europäisches Comeback zu Stande gebracht, das zuversichtlich macht. Nach einem 0:0 gegen diesen Gegner ist es mehr als machbar, daheim im Borussia-Park in die 2. Runde einzuziehen. Mit der Aussicht darauf – und rückblickend auf das Zittern, das Kribbeln, auf die glänzenden Augen von uns allen bei der Rückkehr des VfL auf die europäische Fußballbühne – kann man nur schmachtend resümieren: War das schön!

Mittwoch, 13. September 2006

aus traumstart erwacht

Langsam kommt der Schmerz zurück. Niederlagen gegen Magdeburg und Dortmund II sind keine Ausrutscher. Sie spiegeln den Leistungsstand des VfL wider. Das ist so. Die Mannschaft spielt, wenn der Anlass es gebietet, super. Das konnte sie jedoch immer. Das Problem, das es in den Griff zu kriegen gilt, ist die Konstanz, die spielerische Verlässlichkeit. Die ist (noch) nicht da.

Ohne Frage hat der Kader des VfL – anders als in der vergangenen Saison – das Potenzial, oben, ganz oben mitzuspielen. Es wird keine Mannschaft geben, die den VfL dominiert und an die Wand spielt. Gerade das jedoch ist an Abenden wie diesen eher deprimierend denn tröstlich: Ein Spiel wie das gegen Dortmund II wird nicht verloren, weil man nicht in der Lage ist, besseren Fußball zu spielen, sondern weil man es versäumt hat, mit der richtigen Einstellung, mit der unerlässlichen fußballerischen Geradlinigkeit auf den Platz zu gehen. Das schmerzt besonders.

Drei verschenkte Punkte. Drei Punkte an einen Gegner, der den Sieg verdient hat, ihn sich gewissermaßen qau Unterlassung des VfL verdient hat. Das ist bitter, und das ist Claus-Dieter Wollitz’ Baustelle. Das Gerüst steht. Für die Feinarbeit ist nicht mehr viel Zeit. Will der VfL weiter oben mitspielen, müssen Auftritte wie gegen Dresden oder Erfurt die Regel sein – nicht die Ausnahme.

Dienstag, 12. September 2006

seitenwechsel #6

Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits beobachtet Seitenwahl für seine Leser das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit Beginn der Saison 06/07 gibt es nun den SEITENwechsel: Seitenwahl und VfLog haben einen Briefwechsel begonnen, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf Seitenwahl und auf dem VfLog dienstags nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.

Unten der sechste Brief von Mike an Martin, Martins Antwort gibt es bei Seitenwahl.


Lieber Maik, lieber Martin,

es ist der 11. September! Keine Bange, ich werde im Folgenden nicht über den Anschlag 2001 und seiner Folgen für die Welt referieren. Dafür gibt´s Experten (die zur Zeit alle im TV sein müssen). Müde von den endlosen Was-haben-Sie-damals-gemacht Interviews aus TV, Print und Radio, sitze ich nun auf meinem sonnendurchfluteten Balkon, nasche ein wenig ALDI-Schokolade, schlürfe am frischen Kaffee und rauche gemütlich eine Zigarette.

Wie ich auf VfLog.de sehe, arbeitet Ihr auf eine Neuauflage des Duells VfL gegen VfL hin und Maik erinnert gar rühmlich an das desaströse 1:4 des schwarz-weißen gegen den lila-weißen VfL. Martin, da stellt sich mir die Frage, wieviel Handschuhe Dir Maik noch vor die Füße werfen muss, bis Du das Duell annimmst? Es ist doch offensichtlich, dass er den Aufstand probt. Zuerst die Diskussion um die Regionalligareform, nun das Stochern in längst verheilt geglaubte Wunden. Oder glaubt Maik allen Ernstes daran, dass der - wenn auch geschätzte - VfL Osnabrück die große Borussia aus Mönchengladbach auf ihrem Weg nach Berlin aufhalten könne?

Diesen Weg werden Werder Bremen, der Hamburger SV, Energie Cottbus, Mainz 05 und Arminia Bielefeld nur noch einmal einschlagen können: zum Auswärtsspiel gegen Hertha. Gut, die üblichen „Sensationen“, die es jedes Jahr gibt. Bremen und Hamburg schonen sich für ChampionsLeague und Meisterschaft, Cottbus und Bielefeld sind an einem durchschnittlichen bis schlechten Tag ohnehin nicht besser als ein gutes Regionalligateam und die Mainzer merken langsam, dass sie nicht mehr everybody´s darling sind. Den Kultstatus hat ihnen für diese Saison Alemannia Aachen abgenommen. Die Zutaten sind einfach: im Grunde hoffnungslos unterlegener Kader, kleines, altes Stadion, einigermaßen verrückte und leidensfähige Fans und treue Angestellte. Halt! Dieter Heckings Flucht nach Hannover passt nun gar nicht in die heile Welt des ach so kultigen Clubs aus Aachen. Kommt Borussia hoffentlich nicht unrecht, auch wenn man in den letzten Jahren sehr gerne ein prima Aufbaugegner war. Wo immer eine Mannschaft gerade kriselte oder ein neuer Trainer seinen ersten Sieg benötigte, so wollte es der Spielplan, dass just Borussia der nächste - meist dankbare - Gegner war.

Am Samstag werden zwei Fragen beantwortet sein: 1. War Borussia erneut der passende Gegner für einen kriselnden Club? 2. Kommt es zum Duell VfL vs. VfL in der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals?

Ich sage in beiden Fällen „nein“, und ich gehe gar noch weiter: Aachen wird absteigen und wir treffen uns erst im Finale! Eine schöne Vorstellung. Darauf einen tiefen Zug an der Zigarette und einen kräftigen Schluck aus dem Kaffeebecher.

SEITENwechsel!

Euer Mike

Montag, 11. September 2006

11. september

So, wer es noch nicht gemerkt haben sollte, dem kommen wir kurz vor Mitternacht mit dem Holzhammer: Heute ist der 11. September! Mit diesem Tag ist nichts mehr so, wie es einmal war. Der 11. September ist kein Tag wie jeder andere. Der 11. September entscheidet über Schicksale, er begründet Traumata und erinnert an viel Grauen.

Heute, am 11. September, ist Holger Fach als Trainer von Alemannia Aachen ins Gespräch gekommen. Sie erinnern sich? Der große schlanke Mann mit Bart. Der Mann, der mit seiner Vierer-Abwehr-Achse des Bösen so viel Schlechtes über den VfL brachte. Jetzt reichert er bald Aachen mit seinem Fachverstand an. Gibt's dort keine Aufsichtsbehörde?

Sonntag, 10. September 2006

jetzt die kür?

Das letzte und bisher einzige Duell VfL-VfL im DFB-Pokal endete 4:1 - für Osnabrück wohlgemerkt. Am 10. Oktober 1992 war das. Pele Wollitz traf zum 2:1 per Foulelfmeter, und Jürgen Gelsdorf war Trainer - bei Gladbach. Die unvergesslichen Miroslav Dreszer und Jerzy Wijas kickten für Lila-Weiß.

Nach dem 4:1 der Borussia heute beim SV Roßbach und nachdem gestern Abend schon Osnabrück seine Pflicht gegen Braunschweig erledigt hat, ist eine Neuauflage möglich. Wenngleich unseretwegen gern auch erst in der dritten Runde - wie damals.

Samstag, 9. September 2006

zwei königskinder

Jawoll. Mit dem fulminanten 3:1-Sieg gegen Eintracht Braunschweig ist dem VfL ein Paukenschlag gelungen. Genau diesen Lauf der Dinge hatten wir schon unmittelbar nach der Erstrunden-Auslosung vorhergesehen. Umso schöner, dass es wirklich so gekommen ist, und das sogar vor den Augen der neuen DFB-Doppelspitze: Bundes-Jogi und Bundes-Hansi waren auf der Suche nach einem versierten Stürmer zu Gast an der Bremer Brücke. Als letzte Amtshandlung hat Ex-DFB-Präsi Trollinger die beiden exklusiv für den VfLog verkabelt - mal wieder! Beide haben nichts gemerkt, sondern wähnten sich oben auf der Haupttribüne gut versteckt.

18:37 Uhr, Jogi (hat seinen Sitzplatz gefunden, zu sich selbst): Menschenskinder, da hat der Jürgen ausnahmsweise mal Recht gehabt. Wirklich schmuckes Kästchen, diese Neusser Brücke. Hätten die sich auch als Stadt-Wahrzeichen aussuchen können, statt ewig auf diesen Stadtmusikanten rumzureiten. Wo bleibt Hans-Dieter denn? Muss ihn anrufen!
Hansi: Flack... äh, Flick. Wer da?
Jogi: Hans-Dieter, du geiles Pferd. Wo steckst du?
Hansi: In Lotte.
Jogi: Erspar mir Einzelheiten, alter Schwerenöter. Ich dachte, mit deiner Frau ist wieder alles bueno?!
Hansi: Lotte ist ein Stadtteil von Osnabrück, Jogi. Hab mich verfahren. Gib mir noch zwanzig Minuten, dann bin ich im Stadion. Bringe dir gleich 'ne Wurst mit zum Platz.
Jogi: Hervorragend. Ciao Sescu.

19:13 Uhr, Jogi (kämmt sich den Scheitel tief ins Gesicht, zu sich selbst): Solang ich hier alleine sitze, stöber ich noch ein bißchen im Stadionheft. Gegen Braunschweig also heute. Sieh an, zweite Liga spielen die. Soll dann wohl ein spannendes Spiel werden. So, jetzt mal sehen, wie dieser Menga aussieht. Vielleicht können wir den gebrauchen. Mit Miro und Poldi, den alten Flachpfeifen, schießen wir nie 40 Tore pro Spiel. (zückt das Handy, Hansi ruft an) Ja? (...) Kein, kein Senf. Den gibst du doch gleich schon genug dazu.

19:16 Uhr, Hansi: Moinsen. Schon was passiert?
Jogi: Hans-Dieter, grüß dich. Nö, 0:0. Hab bis gerade gelesen. Diese Menga ist übrigens gar kein Deutscher, der kommt aus dem Kongo.
Hansi: Ist mir doch Wurst. Das kriegen wir schon hin. Zur Not muss Trollinger nochmal ran und Sepp mit nem Tässchen Kräuterjauche überreden. Hier, iss erstmal!
Jogi: Danke.

19:34 Uhr, Jogi (geht ans Handy): Jürgen, alte Felge, was gibt's? Schaue mir grad Osnabrück gegen Braunschweig an. (...) Ja, Hans-Dieter sitzt neben mir. (...) Nein, keine Sorge, der hält die Klappe. (...) Wieso fragst du Debbie nicht selbst? (...) Achso, verstehe. Ja, ich rufe sie an. Jetzt sofort? (...) Klaro. Meld mich. Tschüssikowski. (zu Hansi) Jürgen ist in Berlin. Will nachher noch mit uns saufen. Ich kenn 'ne geile Kneipe in Wolfsburg, da waren wir letztes Jahr schon. Muss eben mal Debbie anrufen und ihn freipressen. (wählt Debbies Nummer) Debbie? Joachim hier. Du, ich hab eine Bitte: Ich muss dringend in Ruhe mit Jürgen sprechen. Du weiß ja, mir haben fünf, sechs Co-Trainer abgesagt, und jetzt hab ich diesen Flick an der Backe. Der hat von nichts 'ne Ahnung, kann nicht mal Abseits erklären. (...) Ja, Bestnote ja. Aber weißt du, bei wem er den Lehrgang gemacht hat? (...) Ja, Rutemöller, eben. Deshalb muss ich dringend mal mit einem Fachmann sprechen. Meinst du, du kannst Jürgen noch einen halben Tag länger entbehren? Dann wär er morgen Abend zurück. (...) Das ist so nett! Dank dir, Debbie. Die Nationalmannschaft und das ganze Land danken es dir. (...) Ja, natürlich ich auch. Debbie, see you! (zu Hansi) Sorry, war nicht so gemeint. Aber anders ging es nicht.

19:49 Uhr, Hansi: Halbzeit. Ganz gutes Spiel eigentlich. Menga agnem..., äh agil, aber Buden macht der auch nicht.
Jogi: Nun warte mal ab. Mal mal nicht so schwarz. Hol doch lieber zwei Bierchen raus, dich kennt da drinnen ja keiner.
Hansi: Jo, ich häng mich einfach rasch an den VfL-Präsi dran. Der geht auch grad zur Theke.

20:08 Uhr, Jogi: Ganz schön kühl, mir läuft die Nase. Kannst du mir ein Taschentuch spenden, Hans-Dieter?
Hansi: Ha, wenn sich mit Spenden jemand auskennt, dann ich. (klopft sich auf die Schenkel) Hier!
Jogi (schneuzt): Die gehen aber ganz schön ran, die Braunschweiger da im eigenen Sechzehner. Als Schiri hätt ich da gleich mal die Schnauze voll.
Hansi: Stimmt, die Osnabrücker kämpfen aber auch wie ein Löw. (klopft sich erneut auf die Schenkel)

20:21 Uhr, Hansi: 2:0, nicht schlecht, Herr Specht.
Jogi: Ach, so ein Scheiß! Was faulen die depperten Braunschweiger da hinten immer! Elfmeter kann ich dir auch reinschießen. Würden die werten Herren den Menga vielleicht mal Tore aus dem Spiel heraus schießen lassen. Wieso bin ich sonst denn hierher gekommen?

20:29 Uhr, Jogi: Na, endlich mal. 3:0. Die Braunschweiger Abwehr erinnert auch mehr an einen Flickenteppich.
Hansi: Was? Bitte? Ich soll auf dem Teppich bleiben? Du, sorry, ich hab grad Trap 'ne SMS geschickt. Der hat den Lodda ja jetzt allein an der Backe, der Arme. War unaufmerksam. Was hast'e gesagt?
Jogi: Steht 3:0, Menga aus dem Spiel heraus. Guter Mann. Müssen wir einladen.
Hansi: Ja, finde ich auch. Die Spanier werden sich 'nen Wolf ärgern. Stell dir vor, wir spielen bei der EM gegen die, und die rufen immer "Menga, menga!"
Jogi: Hans-Dieter, komm wir hauen ab. Jürgen ist um halb Elf in Wolfsburg. Hier ist eh die Luft raus.
Hansi (beim Verlassen der Tribüne): Menga, menga!

Freitag, 8. September 2006

sturmprobleme

Wir erinnern uns: Damals, als man selbst noch die Stiefel schnürte, da war es nicht so einfach, beim Stand von 5:0 weiter Vollgas zu geben. Dass am Ende einmal ein 9:0 dabei rauskam oder gar ein 13:0 war selten. Man spielte hochüberlegen, die gegnerische Mannschaft hatte nicht den Hauch einer Chance, aber irgendwann fielen die Tore nicht mehr so regelmäßig wie zu Beginn des Spiels.

Bei der WM der Menschen mit Behinderung haben in der Gruppe D die ersten drei Mannschaften nach der Vorrunde, also nach drei Spielen, sechs Punkte auf dem Konto. Polen als Tabellendritter ist leider ausgeschieden - mit einem Torverhältnis von 27:3 (!). Für das Viertelfinale haben sich qualifiziert: Die Niederlande (55:7) und Saudi-Arabien (45:4).

Es ist mehr als bemerkenswert, wie die Jungs mit Engagement und schier unstillbarem Torhunger Fußball spielen! Das gibt auch Jogi Löw zu denken. Das 13:0 gegen San Marino ist nicht mehr als ein Anfang, gemessen an dem 50:2 der Niederlande gegen Australien oder dem 41:0 von Saudi-Arabien gegen die Känguruhs.

Auf der Suche nach neuen, guten und treffsicheren Stürmern (neben VfOli) ist Bundes-Jogi gemeinsam mit seinem neuen Intimus Hansi Flick heute zu Gast an der Bremer Brücke. Beim Pokalspiel gegen Braunschweig im Fokus der Späher: Natürlich, Addy-Waku Menga und Daniel Chitsulo. Der VfLog wird berichten.