Dienstag, 21. Februar 2006

gastkolumne: schlechte gewinner

Immer wieder einmal und sehr gern veröffentlichen wir Gast-Kolumnen. Heute einen Artikel über schlechte Gewinner, jedenfalls konnte sich der Autor nur bedingt über den samstäglichen Jubel zweier Gladbach-Stars freuen. Wenn auch Sie etwas zu sagen haben und ein prominentes Forum schätzen: Schreiben Sie uns!

Von Andy

Das ist wirklich ein netter Vorschlag: "Wir können uns aber auch (...) beschämt über drei Punkte freuen...". Diese Idee, die angesichts des "glorreichen" Spiels der Borussia gegen zehn tapfer kämpfende Kölner wirklich nahe lag, hatte sich leider bereits am Samstag um 17.30 Uhr erledigt: Da schnappten sich Kasey Keller, der erklärte Publikumsliebling der Gladbacher Fans und Jeff Strasser, Lieblingsspieler eines Autors des VfLog, das Mikrofon des Vorsingers der Gladbacher Fanszene und taten etwas, dass es in dieser unsportlichen und abstoßenden Art im deutschen Bundesliga-Fußball so wohl noch nie gegeben hat: Mit Worten, die schriftlich zu wiederholen sich mit etwas Anstand verbietet, beleidigten und demütigten sie ihre Gäste: die gegnerische Mannschaft und - vor allem - die noch im Stadion befindlichen Gästefans. Zur großen Begeisterung des johlenden Pöbels wurden Lieder angestimmt, die während des Spiels von Fans gesungen schon niveau- und geschmacklos sind - nach dem Spiel vorgetragen von hoch bezahlten Angestellten des gastgebenden Clubs aber bei vernünftigen Gästefans nur Kopfschütteln, bei unvernünftigen erhebliche Aggressionen auslösen müssen.

Wo war denn der sonst so redselige Stadionsprecher Opdenhövel, um dem unsportlichen Treiben ein Ende zu bereiten? Wieso kamen die Gladbacher erst am nächsten Tag - nachdem der Boulevard, aber auch die seriöse Presse die Vorfälle massiv angeprangert hatte - auf die Idee, sich für diese skandalösen Vorfälle zu entschuldigen? Wieso werden die genannten Spieler nicht mit vereinsinternen Sanktionen belegt? Kann es sein, dass auch der Club - wie offensichtlich die Mehrzahl der Gladbacher Fans - die singenden Profis nicht doch sehr lustig fanden?

Sicher - heute wird in jedem Stadion von allen Fangruppen und gerade in emotionsgeladenen Derbies viel Unsinniges skandiert, was auch schon mal unter die Gürtellinie geht. Da ist in Gladbach nicht schlimmer als in Köln, Schalke und Dortmund. Aber wie gesagt - es macht schon einen Unterschied, wann und von wem. Eine solche offizielle Verhöhnung des Gegners durch den Club selbst hat man bislang noch nie gesehen - und man kann für die Zukunft nur hoffen, dass das Gladbacher Beispiel keine Schule macht...

Vielleicht hätte man die Ausfälle noch mit großer Euphorie nach einem begeisternden Sieg der eigenen Elf erklären oder entschuldigen können. Wenn nicht der 1. FC Köln nach Meinung aller seriöser und neutraler Berichterstattern über weite Strecken des Spiels in Unterzahl die bessere Mannschaft gewesen wäre! Und: Jeff Strasser war schon zur Halbzeit ausgewechselt worden, also keineswegs noch unter Einfluss von Adrenalin nach einem spannendem Spielverlauf. Vielmehr gab Kasey Keller zu, man habe bereits die ganze Woche die Anti-Köln-Lieder auf einer CD gehört. Und einstudiert für den Fall eines Sieges?

Wahre Größe zeigt sich meist in der Niederlage. Aber manchmal auch im Moment des Sieges und in der Art, wie man ihn feiert. Das wäre mal ein Thema für den VfLog, der sonst so gerne für die sportliche und kultivierte Ausübung des Fußballsports eintritt!

Kommentare:

Markus hat gesagt…

Man darf in meinen Augen gerne ANTI-Gegner Lieder singen. Allerdings sollte es sich auf Lieder wie "Ihr könnt nach Hause fahrn ( oder schwimmen )" beschränken.

Kein Dom sollte brennen!

In der Kabine und Manschaftsitzungen wird die Stimmung gerade bei einem Derby angeheizt, damit die Spieler die Bedeutung des Spiels für die Fans nachvollziehen können. Was dort geschieht, kann uns egal sein.

Ein Profi darf sich aber nicht so verhalten, wie die 2 es getan haben. Ein Loblied auf den eigenen Verein wäre das richtige gewesen. Kein Hohn und Sott auf den Gegner.

Anonym hat gesagt…

Also ich glaub ich spinne! Was ist passiert: bricht gerade die abendländische Kultur zusammen? Wurden die religiösen Gefühle einer Mehr- oder Minderheit mit Füssen getreten? Nein! Zwei Profis der Borussia haben zwei zugegeben niveaufreie Fan-Lieder angestimmt, deren einziger Zweck die Verhöhnung der gegnerischen Fans ist. Na und?! Sind wir beim Fußball oder beim Dressurreiten?
Bei der nächsten Niederlage unserer Borussia gegen den Äff-Zeh (ja-auch die wird kommen), wird man uns auf´s übelste verhöhnen - ob nur die Fans oder auch die Spieler ist völlig wurscht. Und wir? Wir werden es frustriert aber mannhaft ertragen und auf bessere Zeiten hoffen. Und warum? Weil Fußball und insbesondere ein Derby nunmal so ist - und das ist gut so!!!

Anonym hat gesagt…

Nene Kollege, so einfach ist das nunmal nicht.
Wenn solche Injurien aus der Fanecke intoiert werden, ist das ok!
Aber bitteschön doch nicht von Spielern.
Hier werden immerhin Berfufskollegen diskreditiert!!
Oder gehst Du in Deiner Firma als Angestellter ins Lager und brüllst "...oleeee scheiss Lagerassis, oleeolee..."?

Anonym hat gesagt…

Also wenn schon Vergleich, dann bitte richtig: die Kölner Profis haben zwar den gleichen Beruf, aber sie arbeiten für die Konkurrenz...
Im übrigen waren die schon längst in der Kabine.
Glaubst Du ernsthaft Jeff und Kasey hätten die Kölner Spieler gemeint? Doch wohl kaum!
Ich sag nur: Kirche - Dorf - Ende!!

Christoph hat gesagt…

Der Vorfall wird mehr als überbewertet. Das Singen solcher Lieder, das im Übrigen von beiden Seiten praktiziert wird, dient nichts anderem als der Unterhaltung, niemand hat ernsthaft vor einen Dom anzuzünden - ebensowenig wie man sich ein Rheinhochwasser wünscht. Es geht nur darum bei Panem et Ludi - Brot und Spiele - ein wenig Spaß zu haben, den Alltag für wenige Stunden zu vergessen, indem man auch mal so frech ist den Gegner zu verhöhnen, vor allem wenn man ein solch vorbelastetes Verhältnis zum Gegner hat. Außerdem ist das Singen von Liedern egal welcher Art eine Lapalie, bedenkt man, welches Fanlager im Jahre 2002 mit Pyrotechnik auf Spieler und gegnerische Fans schoss.
In diesem Fall sollte man mehr als ruhig bleiben es geht um nichts anderes als Brot und Spiele, eben das was den Fußball für den Zuschauer interessant macht. Wer das nicht teilt soll wirklich mal an Sportarten wie Eishockey oder American Football denken.
Vielen Dank

Stefan (Weltsicht Südtribüne) hat gesagt…

Hm, wenn ich die Kommentare von Anonymous (!) und Christoph lese, müsste ich als Kölner eigentlich sagen:
"Klar, Bauer bleibt Bauer."
Aber dann müsste ich mich vermutlich ganz schnell vom Acker machen. Wegen Diffamierung und so...

Christoph hat gesagt…

Stefan,
von mir aus kannst du Kölner sein und dich darüber freuen. Dass der Fußball, den ich mir wünsche anders aussieht als der, den du dir wünschst steht in keinem Verhältnis, weder in einem korrelativen, schon gar nicht in einem kausalen Verhältnis zueinander.
Dass du mich jedoch aufgrund meiner Anhängerschaft als "Bauer" abstempeln willst spricht nicht für dich, im Gegenteil; als Diffamierung sehe ich es jedoch nicht an, schließlich bin ich einer der Jenigen, die ebenso mit stereotypen Klischées um sich werfen, wenn ich es auch auf den Spieltag begrenze.
Des Weiteren gehe ich davon aus, dass diese Vorurteile nicht ernst gemeint sind, ebenso wie ich davon ausgehe, dass man meine Klischées nicht ernst nimmt.

Christoph hat gesagt…

Korrektur des 2. Satzes: Steht in keinem Verhältnis, weder von korrelativer, noch kausaler Natur zu meinem Geburtsort Mönchengladbach.
Vielen Dank

björn hat gesagt…

ich finde sowas gehört einfach dazu. die strafe durch den dfb ist ein witz, man kann das jetzt niveaulos empfinden oder lustig das ist halt ansichtssache aber hier ist ja nun niemand zu schaden gekommen, insofern halte ich den terz darum für völlig überzogen. im vergleich zu anderen ligen gehts bei den derbys in deutschland doch noch recht entspannt zu.