Freitag, 16. März 2007

die 70er

Desöfteren schon wähnte ich mich dreißig Jahre zu spät geboren. Früher muss vieles besser gewesen sein, leider kann ich das nicht mit Sicherheit sagen. Aber ich bin mir sicher: Hätte ich damals schon gelebt, dann wüsste ich, dass es stimmt. 1975 zum Beispiel das Springsteen-Konzert im Londoner Hammersmith Odeon, das vor zwei Jahren als wunderbare Jubiläums-Edition erschien und ein bißchen miterleben lässt, was das für eine Welt war: Was für eine Energie, was für eine unfassbare Atmosphäre - was für Typen! "I've never been here before", sagt Springsteen mit legendärer Wollmütze im stickigen Rund und erobert die Herzen von London, ja von ganz Europa.

So ein Konzert ist heute undenkbar. Solche Typen sind heute undenkbar. Und es waren beileibe nicht die einzigen, um die man die 70er beneiden muss: Willy Brandt, der tollste deutsche Bundeskanzler, der einem noch heute die Tränen in die Augen treibt, hat damals regiert. Sein Nachfolger, ja die ganzen Repulik musste ihrem größten Feind die Stirn bieten; der RAF-Terrorismus spaltete die Gesellschaft wie vielleicht nie wieder danach, und ohne sich deren Mitteln nur einen Deut anzudienen, steht nun einmal fest, dass das eine spannende, weil kontroverse Zeit war. Die DDR stand in voller Blüte, sofern man angesichts verdorbener linker Ideale von 'Blüte' sprechen darf. Überall lag etwas in der Luft, überall passierte nie Dagewesenes, überall gab es Typen. 1977, vor dreißig Jahren, wurde Borussia das letzte Mal Deutscher Fußballmeister.

"When the breakdown hit at midnight, there was nothing left to say." Singt Springsteen.

1 Kommentar:

Joachim Schwerin hat gesagt…

Manches Gute stammt gar schon aus den 60ern (nein, ich rede jetzt nicht von mir). Dieses hier beispielweise, vom Alten Mann von Duluth, das vielleicht den Auftakt für die lange Zeit bis zum Frankfurt-Spiel bilden mag:

"You must leave now
Take what you need, you think will last
But whatever you wish to keep, you better grab it fast.
Yonder stands your orphan, with his gun
Crying like a fire in the sun.
Look out the saints are comin' through
And it's all over now, baby blue.

The highway is for gamblers, better use your sins
Take what you have gathered from coincidence
The empty-handed painter from your streets
Is drawing crazy patterns on your sheets
This sky too, is folding under you
And it's all over now, baby blue.

All your seasick sailors, they are rowing home
All your reindeer armies, are all going home
The lover who just walked out your door
Has taken all his blankets from the floor
The carpet too, is moving under you
And it's all over now, baby blue.

Leave your stepping stones behind, someone calls for you
Forget the dead you've left, they will not follow you
The vagabond who's rapping at your door
Is standing in the clothes that you once wore
Strike another match, go start anew
And it's all over now, baby blue."