Freitag, 9. Mai 2008

4 sms von jos

Dass Jos Luhukay ein Fan von SMS ist, ist gemeinhin bekannt. Ab und an tauscht er sich gar mit Pele Wollitz aus, der ihm jüngst schon vorzeitig zum Aufstieg gratulierte. Nun haben auch wir JL um einige kurze Statements in SMS-Länge gebeten - über die Saison, den Aufstieg, die VfLiebe und die Aufs und Abs in Liga Zwo. Soeben klingelte unser Handy viermal:

Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg und zu einer unglaublich souveränen und konstanten Saison als Tabellenführer. Worüber an diesem großen Erfolg freuen Sie sich am meisten?

Vielen Dank. Ich freue mich am meisten für die Art und Weise, wie diese Mannschaft sich im Laufe der ganzen Saison präsentiert hat. Einen besseren Zusammenhalt habe ich noch nie erlebt, es hat unglaublich Spaß gemacht, mit diesen Jungs zu arbeiten.

Per SMS haben Sie Ihrem Kollegen Pele Wollitz und dem VfL Osnabrück im Namen des ganzen Borussia-Teams alles Gute im Abstiegskampf geschrieben und dass Sie den Osnabrücker den Klassenerhalt gönnen. Das ist ungewöhnlich. Wie kam es zu dieser SMS?

Ich kenne Pele vom Trainerlehrgang gut. Wir haben beide dieselbe Philosophie vom Fußball und verstehen uns einfach gut.

Warum, finden Sie, sollte Osnabrück in der zweite Liga bleiben?

Ich wünsche Osnabrück den Klassenerhalt, weil mir die Atmosphäre im Osnabrücker Stadion gut gefallen hat und der Club gute Arbeit macht. Sie werden am letzten Spieltag vor eigenem Publikum alles klar machen.

Pele Wollitz hat Ihnen, ebenso per SMS, geantwortet und scheu zum Aufstieg gratuliert. Noch ist es noch nicht ganz soweit, aber wie lautet Ihr Tipp: Wer sind die drei Aufsteiger, wer steigt ab?

Bei den Absteigern denke ich, dass es nur noch um Platz 15 geht. Da wird es sehr spannend und man kann eigentlich gar keine Prognose abgeben. Oben kann Köln jetzt mit einem Sieg gegen Mainz alles klar machen. Sollte der FC aber verlieren, wird er am letzten Spieltag in Kaiserslautern eine sehr unangenehme Aufgabe haben.

Donnerstag, 8. Mai 2008

heute geschlossen wegen feiern

Dafür spricht hier morgen Jos Luhukay zu unseren Lesern.

Mittwoch, 7. Mai 2008

Aufgestiegen aus Ruinen...

...und der Zukunft zugewandt!

Glückwunsch, Borussia! Glückwunsch, VfL!

Danke, Fußballgott!

Danke:
Uwe Gospodarek
Christofer Heimeroth
Frederic Löhe
Kasper Bögelund
Roel Brouwers
Marvin Compper
Filip Daems
Steve Gohouri
Tobias Levels
Alexander Voigt
Zé Antonio
Thomas Kleine
Alexander Baumjohann
Johannes van den Bergh
Soumaila Coulibaly
Robert Fleßers
Marko Marin
Marcel Ndjeng
Patrick Paauwe
Eugen Polanski
Sascha Rösler
Sebastian Schachten
Sebastian Svärd
Roberto Colautti
Rob Friend
Moses Lamidi
Oliver Neuville
Nando Rafael
Sharbel Touma
Jos Luhukay

DANKE!

seitenwechsel #57

Ein Mal in der Woche gibt es ihn, den Seitenwechsel mit den lieben Kollegen von Seitenwahl. Seit der vergangenen Saison schreiben wir uns gewöhnlich mittwochs, manchmal auch donnerstags Brand-, Schmäh- oder Liebesbriefe - mit noch immer wachsender Leidenschaft. Zwischendurch waren wir zwei Wochen mit anderen Dingen beschäftigt. Und auch heute ist alles immer noch ein bißchen seelenlos, angesichts des Wahnsinns in der Welt. Wem Mikes Brief zu deprimierend ist, der kann mit Martin verzweifelt feiern – in seiner Antwort bei Seitenwahl!

Mein lieber Martin,

lange herrschte Ruhe in unseren Füllern. Die Zeit ließ keinen Gedankenaustausch zu, als stetig Gehetzter im alltäglichen Berufs-, Verkehrs- und Medienwahnsinn sind die wenigen Momente der Stille und inneren Einkehr der geliebten Freundin zugedacht oder der Borussia. Schaue ich auf die Worte unseres bis dato letzten SEITENwechsels, so handelten sie vom Aufstieg unseres VfL. Natürlich taten sie das! Und heute, in diesem Moment, in dem ich diese Worte zu Papier bringe? Es ist endlich soweit, der lang ersehnte Aufstieg ist nur noch ein Schritt weit entfernt. Und jetzt, wo das Ganze zu enden scheint, frage ich mich einmal mehr, wo die Zeit geblieben ist. Haben wir nicht erst gestern darüber sinniert, welche Folgen der letztjährige Abstieg für Borussia haben könnte?

Gut, die "Bundesliga der Herzen" ward geboren! Aber war das ein Trost für die geschundene Gladbacher Seele? War es nicht vielmehr ein verzweifelter, wenngleich charmanter Versuch Eurerseits, dem Ganzen etwas Sinn zu geben? Diesem Martyrium "2. Bundesliga" einen bunten Anstrich verpassen? Und freute es nicht Maik vielmehr, dass sein kleiner VfL nun auch offiziell in einer Liga mit unserem großen VfL zusammenspielen durfte? Nein, den ganzen Erfolgen und Wochen an der Tabellenspitze zum Trotz: ich genieße diese Liga nicht. Für die geschundene Seele mag die nun zu Ende gehende Saison Balsam gewesen sein, aber als Anhänger eines Vereins kann dies natürlich nicht der Anspruch sein.

Wie fühle ich mich also nun, angesichts vom endlich ausgebrochenen Frühling und großer Mega-Super-Hyper-Aufstiegsfete im Stadion und in der Innenstadt? Bedenklich seelenlos, die richtige Freude will einfach nicht aufkommen. Dazu habe ich speziell in den vergangenen Wochen und, rückblickend auf die gesamte Saison, zuviele Dinge gesehen, die mir Sorgen bereiten. Ob der aktuelle Kader auch stark genug für die Bundesliga ist? Werden Ziege und Luhukay erneut ein gutes Händchen bei Transfers haben? Wird aus dem guten Händchen ein noch besseres, wenn ein gut gefülltes Portemonnaie in selbiger liegt?

Doch genug der Skepsis und nachdenklichen Worte. Lasst uns Wehen schlagen, lasst uns aufsteigen. Wir haben es geschafft, Martin! Und richte Maik aus, dass es auch der VfL Osnabrück schaffen wird. Dies wünsche ich mir schon aus doppeltem Grunde heraus, denn das würde eventuell bedeuten, dass der 1.FC Kaiserslautern endlich aus dem Profifußball verschwindet. Und in diesem Fall scheiß ich auf Tradition.

Wir sind Bundesliga, mein lieber Freund.
Es atmet durch und grüßt herzlich
Mike

Dienstag, 6. Mai 2008

am ende wird es immer enger

Besonders überraschend ist dieses 0:0 nicht, zu allerletzt für Pessimisten. Vor einer Woche, vorm Unentschieden in Jena schon, sagte ich zu meinem Bruder, Osnabrück werde vor dem letzten Spieltag kein Spiel mehr gewinnen - und dennoch den Klassenerhalt schaffen. "Wenn Du absteigst, verlierst Du so ein Spiel wie heute 1:0, wenn Du drinbleibst, spielst Du 0:0", sagt auch der Trainer.
Fest steht: Der große Erfolg wird nur gelingen, wenn jetzt alle die Ruhe bewahren, auch wenn Osnabrück keinen feinen Fußball mehr spielt wie noch in der Hinserie über weite Strecken vieler Begegnungen. Das ist nicht so überraschend, bedenkt man, dass der Druck und die Realität des Abstiegskampfes gerade für die vielen jungen Spieler im Team mehr und mehr gegenwärtig und auch zur Belastung werden. Frisch und unbeschwert spielt da mancher nur noch selten auf - wen wundert's?!

Damit auch das mal ausgesprochen ist, obwohl es immer klar war: Es kann auch schlecht laufen, es muss nicht gut gehen, und es wäre keine besonders große Sensation, wenn Osnabrück am Ende doch noch absteigt. Umgekehrt hätten Pele Wollitz und seine Mannschaft die Sensation geschafft, wenn sie die Klasse halten. Voraussichtlich wird das erst am letzten Spieltag entschieden, so wie es der Trainer seit jeher betont, sei es, um Erwartungen klein zu halten oder weil er wirklich überzeugt davon ist. Verdient hätte es die Mannschaft, die bis heute nicht einen Moment lang auf einem Abstiegsplatz stand, allemal.

Für alle guten Rechner hier das Restprogramm der üblichen Verdächtigen. (Wir wagen den eigentlich gar nicht so gewagten Tipp: Es reichten schon zwei Unentschieden.)

VfL (36 Punkte):
1860 (A)
Offenbach (H)

Koblenz (37 Punkte):
Aue (H)
Aachen (A)

Augsburg (37 Punkte):
Fuerth (A)
Jena (H)

Offenbach (37 Punkte):
Hoffenheim (H)
VfL (A)

Lautern (35 Punkte):

Jena (A)
Koeln (H)

Montag, 5. Mai 2008

vfliebeleien

Jos Luhukay zückt das Handy und tippt eine SMS an Pele Wollitz. (Die beiden kennen sich ja aus Köln.) Die Borussia, schreibt er im Namen des ganzenTeams, gönne Osnabrück den Klassenerhalt und glaube auch fest daran, dass das klappt. Wollitz antwortet, ebenfalls per SMS, während der Gladbach-Gala in Offenbach und gratuliert unter Vorbehalt zum Aufstieg.
Was sollen wir dazu noch sagen?

Sonntag, 4. Mai 2008

7 ha ha ha zu hi hi 1

Oh, wie ist das schön! Oh, wie ist das schön! 7:1 gewonnen, das tut gut nach unmerklich lauter werdenden Zweifeln in den letzten Spielen. Ok, Offenbach hat's uns leicht gemacht, aber 7:1 muss man trotzdem erstmal gewinnen.

Und somit können wir am Mittwoch schon den Aufstieg feiern, wenn wir nur wollen. Oh, wie wär das schön! Oh, wie wär das schön!

PS. Köln scheinen wir nun doch noch mitzunehmen in Liga 1. Es soll uns recht sein, sind die Spiele gegen den FC doch irgendwie Teil des Kalenders wie Totensonntag und Aschermittwoch. Aber wie diese Mannschaft um Clown Daum sich da wieder oben reinmogelt, das ist doch einmal mehr echt kölsch. Souverän sieht anders aus. Souverän ist grün schwarz weiß.

Samstag, 3. Mai 2008

einen punkt gewonnen, zwei punkte verloren, drei punkte vor

Immerhin haben die Falschen nicht gewonnen, der richtige VfL aber leider auch nicht. Es reichte gestern Abend (nur) zu einem 1:1 in Jena, das jetzt gemeinsam mit Paderborn und Aue wohl endgültig kein Konkurrent mehr im Abstiegskampf ist. Das Spiel war in der ersten Halbzeit mehr, in der zweiten sehr viel weniger ansehnlich: Energisch, viele Zweikämpfe, wenig spielerische Glanzlichter, so wie schon seit einigen Wochen fußballerische Leckerbissen nur noch manchmal zu bestaunen sind. Aber darum geht es auch gar nicht auf diesen letzten Metern in der Bundesliga der Herzen.

Anfangs war der VfL ordentlich unter Druck. Besonders ein unglücklich verteidigender Jan Schanda eröffnete Jenas Allagui gleich zwei Großchancen, Schanda war es auch, der sich gemeinsam mit Paul Thomik übertölpeln ließ, als Schied eine weitere Hundertprozentige auf Hansen auflegte. Das alles blieb folgenlos, und nach einer halben Stunden waren diese Nachlässigkeiten abgestellt, die Innenverteidigung hatte ins Spiel gefunden.
Osnabrück hätte genauso in Führung gehen können: Thomas Cichon brachte eine Flanke von Bilal Aziz nicht im Tor unter; Thomik flankte nach feinem Doppelpass zwischen Henning Grieneisen und Nico Frommer auf Mathias Surmann, der verpasste; Thomik bediente nach schönem Solo über rechts Frommer, der den Ball elf Meter vor dem Tor nicht unter Kontrolle bringen konnte; Rouwen Hennings köpfte an die Latte.
Nach einer guten halben Stunde ersetzte Thommy Reichenberger den extrem unkonzentriert spielenden Aziz, der sich bis dahin schon einige sehr lässige Fehlpässe geleistet hatte und nicht den Eindruck machte, als gehe es gerade um alles. Als Trainer Pele Wollitz nach dem Spiel mokierte, einige seiner Spieler hätten in der Körpersprache alles Selbstvertrauen vermissen lassen, meinte er wohl nicht zuletzt Aziz. "Aber das kriege ich bis Dienstag wieder hin, das ist meine Stärke", sagt der Trainer.
Tröstlich war: Wenn das Spiel einmal plätscherte, war auf den grotesk ahnungslosen Premiere-Reporter Verlass. Anfangs schon hatte er durch die treffende Analyse überzeugt, "die Osnabrücker schienen ja vor zwei Wochen schon gerettet", nachdem aber das Hin und Her um die TuS Koblenz "die Tabelle ordentlich durcheinandergewirbelt hat", trennten den VfL aktuell nur noch zwei Punkte vom Abstiegsplatz. (Wir rufen unsere poetisch ambitionierten Leser auf, ähnliche Bonmots zu formen. Z.B.: "Das Essen hatte gut geschmeckt, aber am nächsten Tag schien die Sonne und der Frühling begann." Oder: "Der Mord geschah an einem Mittwoch, doch abends wurde es dunkel und der ICE nach Passau startete pünktlich.")
Dass dem Premiere-Mann die gelbe Karte gegen Müller nach dem mehr als offensichtlichen Foul an Hennings kurz vor der Pause auch nach mehrfacher Zeitlupe nicht einleuchtete, war ein weiteres Highlight.

In der zweiten Halbzeit fielen die beiden Tore, eins wie das andere aus dem Nichts. Beiden Mannschaften hatten Chancen, das Spiel zu gewinnen, was keine tat, Tino Berbig spielte Frederik Gößling und machte keinen besonders sicheren Endruck bei hohen Bällen, und nachdem Pele Wollitz drei Mal ausgewechselt hatte, fasste unser Lieblingsreporter zusammen: "Die taktische Ausrichtung des VfL Osnabrück ist weitaus offensiver als noch zu Beginn des Spiels." Abgesehen davon, dass die taktische Ausrichtung über die komplette Spielzeit identisch geblieben war, wird er sicher recht gehabt haben, immerhin hatten sich einige Namen geändert und Spieler wechselten ihre Positionen. Alle drei Eingewechselten sorgten übrigens für ordentlich neuen Wirbel.

Am Dienstag kommt jetzt Fürth, das seit gestern gottlob alle Aufstiegsambitionen begraben kann. Ich alter Pessimist hatte Mitte letzter Woche trotzdem zu meinem Bruder gesagt, der VfL gewinne bis zum Saisonfinale gegen Offenbach kein Spiel mehr. Wir waren uns einig, dass das trotzdem reichen würde. Dennoch: Ein anderer Lauf der Dinge wäre wunderbar.

Freitag, 2. Mai 2008

lauterer wettbewerb

Man darf staunen über das Selbstverständnis des 1. FC Kaiserslautern. Alten, greisen Weltmeistern wollen wir nachsehen, wenn sie mit der Zeit an Zurechnungsfähigkeit einbüßen; so halten wir es mit Franz Beckenbauer immerhin auch seit ehedem. Aber Horst Eckel ist nur Symptom eines Übels, das große Teile von Kaiserslautern erfasst. Dieser Verein hält sich wirklich für eine nimmermüde Institution des deutschen Profifußballs. Doch: Es stirbt nichts, wenn Kaisersleutern in den Niederungen der Regionalliga versinkt, außer ein kleines Häuflein Pfälzer Fußballkultur, was bei Licht besehen ein erneutes Paradoxon ist. Auf was also könnten wir Menschen mit Geschmack leichter verzichten?

Wenn die aktuelle Tabelle auch die Abschlusstabelle wäre, hätte die Saison nicht wunderbarer zu Ende gehen können: Wegen eines kleinen Törchens müsste Lautern dann einem ordentlichen Klub in der 2. Bundesliga Platz machen. Doch es könnte anders kommen: Es wäre eine Ironie des bösen Schicksals (und insofern gar nicht einmal so unwahrscheinlich!), wenn Kaiserslautern aus der Koblenzer Misswirtschaft seinen Nutzen zöge und wegen des 8-Punkte-Abzugs der TuS die Klasse hielte. Rufen wir uns kurz ins Gedächtnis: Kaiserslautern war es, das seinerzeit wegen kruder finanzieller Verwicklungen einen Punktabzug eben nicht umgehend auferlegt bekam, sondern für die kommende Spielzeit; andernfalls wäre uns der Abstiegskmnapf mit den roten Teufeln in dieser Saison womöglich erspart geblieben, weil der Klub viel früher dort hinein gegangen wäre, wo er hingehört: In die Annalen. Wenn es schlecht läuft und der Fußballgott zu viel Kraft aufbringen muss für Aufstieg und Klassenerhalt der VfLs, dann dürfte Kaiserslautern wieder die Kurve kratzen. Damit es so nicht kommt, muss Mainz heute Abend sein Heimspiel gewinnen. "Für ein Rheinland ohne Pfalz", lautet ein beliebter Schlachtruf kluger Süddeutscher. Stimmen wir ein!

Osnabrück darf währenddessen seine Hausaufgaben nicht vergessen, allein es kämpft sich leichter, wenn man nicht nur für, sondern auch gegen etwas kämpft. Mit einem Sieg in Jena auch dem letzten greisen Pfälzer zu zeigen, wo der moderne Fußballhase lang läuft, dürfte Ansporn genug sein.
In Jena wird der VfL womöglich erstmals seit langer Zeit ohne Thommy Reichenberger in der Startelf beginnen; dass das gerade auswärts Sinn machen könnte, hatten wir schon vor einem guten halben Jahr erwogen. Stattdessen wird wohl Rouwen Hennings stürmen; der ist zwar kein alter Weltmeister, aber aktueller Nationalspieler, und dessen Knoten muss irgendwann auch einmal platzen.

Donnerstag, 1. Mai 2008

feiertagsprogramm

Bei der Beobachtung des Programmplatzes, auf dem in eineinhalb Jahren auch die UEFA-Cup-Auftritte der Borussia gezeigt werden könnten, stellen sich folgende Fragen: Allergie? Schlägerei? Mords-Kater? Oder was ist der Grund für Kai Pflaumes sagenhafte Augenringe? Wünschen wir ihm, dass er bis zum sicher wieder völlig kenntnisfreien Interview mit Franz Beckenbauer nach dem Abpfiff durchhält.

Mittwoch, 30. April 2008

kluge kinder werden niemals fußballprofi

Während die Jungs trainieren, sitzt unsereins auf dem Balkon in der Sonne und stellt fest: Alles ist gut. Viele kleine Jungen wollen später, wenn sie groß sind, Profifußballer werden. (Ketzer munkeln mittlerweile: Auch Mädchen!) Kluge kleine Jungen, die schon früh irgendwie einen Riecher für Kosten und Nutzen hatten, wollten das nie: Zu anstrengend, zu viel Öffentlichkeit, zu viele Vollbunken, die mittenmang dabei sind.
Viel begehrenswerter ist die Position des Chronisten, der schreiben kann über die anstrengende Trainingseinheit am sommerlichen Mittwochabend, über die nach News gierende Öffentlichkeit, die gerade am Ende einer Saison in ihrem Hunger kaum zu bändigen ist - und über die Vollbunken.

Wie bescheiden die Aussicht, morgen am Feiertag, am 1. Mai, am Tag der Arbeit, beruflich nach Jena zu müssen! Aus der Ferne schlaumeiern, ohne selbst vor Ort zu sein, wie das erfahrene Berichterstatter können, ist, weiß Gott, die ungemein angenehmere Alternative. Der VfL hat übrigens noch nie ein Pflichtspiel gegen Jena gewonnen, auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld sogar bisher immer verloren. Die laue Maisonne würde sich bestimmt mühen, auch über eine neuerliche Niederlage hinwegzutrösten. Das, so viel ist gewiss, würde ihr schließlich aber doch nicht gelingen. Man säße unleidlich auf dem Balkon, über die vergebenen Chancen hadernd und ein "Den hätt' ich doch mit Links reingemacht!" auf den Lippen.

Dienstag, 29. April 2008

die null muss stehen

Ganz so mir nichts, dir nichts sind sie eben doch nicht aufzustöbern, die Desaster-VfLs, die Osnabrück den Klassenerhalt endgültig sichern. Unser Leser Markus schlug schon vor Wochen aus der Verbandsliga Mittelrhein wahlweise die VfLs aus Alfter oder Rheinbach vor. Wir zögerten, die Klubs schienen uns dann doch nicht ganz erfolglos genug; mittlerweile steht bei Rheinbach gar die 1 vor dem Komma. Das ist zu gefährlich. Denn, immer noch stimmt: In der stärksten Liga der Welt spielt Lilaweiß ausweislich der VftabelLe (rechts auf dieser Seite) mit dem Feuer. Mit 1,13 Punkten pro Spiel muss Osnabrück nun die Aufholjagd von Bremen 07 fürchten, die sehr lange noch ganz unten im Keller dümpelten. Aktueller denn je bleibt unsere Stellenausschreibung aus dem März: Wir suchen weiter Verstärkung! Gut abgesichert, müsste sich der VfL dann nicht mehr um sein Überlegen unter den ganz Großen sorgen, und er könnte sich voll und ganz dem auch nicht ganz unwichtigen Abstiegskampf in der Bundesliga der Herzen widmen. Also: Bewerben!

Übrigens, wer kommenden Sonntag um 15.30 Uhr noch Zeit zum Daumen drücken hat: Dann trifft der VfL Hamm im Heimspiel der Kreisliga Westerwald/ Sieg auf den SV Niederfischbach. Noch hat Hamm null Punkte auf dem Konto, was ein Paradoxon ist. Auch das Torverhältnis von 5:123 (-118!) kann sich sehen lassen. Wenigstens ein Punkt wäre ihnen doch zu gönnen!

Montag, 28. April 2008

restprogramm reloaded

Gemessen am Stand vor zehn Tagen hat sich - im Guten (Theo) wie im Bösen (Kloppo) - noch das ein oder andere getan. Wir notieren einen neuen Abstiegskandidaten und einen zusammengeschrumpften Abstand von nur noch zwei Punkten zum Abgrund. Die Sache wird immer heikler und das Restprogramm Chronistenpflicht.

VfL (34 Punkte):
Jena (A)
Fuerth (H)
1860 (A)
Offenbach (H)

Augsburg (37 Punkte):
Aachen (A)
Koeln (H)
Fuerth (A)
Jena (H)

Offenbach (34 Punkte):
Gladbach (H)
Freiburg (A)
Hoffenheim (H)
VfL (A)

Koblenz (32 Punkte):
Wiesbaden (H)
Hoffenheim (A)
Aue (H)
Aachen (A)

Lautern (32 Punkte):

Mainz (A)
St. Pauli (H)
Jena (A)
Koeln (H)

(Immerhin das Schlussprogramm von Jena, Aue und Paderborn ist völlig irrelevant.)

Wir verhandeln weiter beharrlich mit DFB-Präsident Theo Zwanziger um die Endergebnisse der noch ausstehenden Begegnungen. Sobald eine Einigung vorliegt, informieren wir alle betroffenen Klubs per Presseerklärung.

Sonntag, 27. April 2008

ein punkt ist zu wenig

Bis zur Halbzeit marschierten unsere VfLs heute einmal wieder im Gleichschritt. Wehrdienstverweigerer, die wir sind, finden wir Gleichschritt nicht gut, und so stand es auch in Gladbach wie in Osnabrück zur Halbzeit trotz anfänglicher Führung 1:2. Nach der Pause war es dann aber zu Ende mit der Duplizität der Ereignisse, Gladbach konnte durch einen Elfer von Neuville noch das 2:2 und einen Punkt holen, während Osna trotz einer beeindruckenden Sturm- und Drangphase kein Tor mehr gelingen wollte.

Ein Punkt aus zwei VfL-Spielen ist zu wenig, das reicht weder oben noch in der Abgrenzung nach unten, um Gewissheit zu erlangen. Doch während Gladbach noch ein sattes Pölsterchen zu Platz vier hat, wird es bei den Kollegen doch noch eng. Nur zwei Punkte trennt Lila von der roten Zone. Allerdings steht schon am Freitag ein hoffentlich dankbares Spiel gegen demoralisierte Jenaer an, die heute eine 5:0-Packung gegen Hoffenheim erhielten. Und Gladbach könnte mit einem Sieg gegen die Kickers aus Offenbach nicht nur einen deutlich größeren Schritt gen sicheren Aufstieg machen als heute, sondern den mit Offenbach punktgleichen Osnabrückern zugleich wichtige VfschützenhiLfe bieten.

Samstag, 26. April 2008

lauter newcomer

Die Nacht war hart. Sodbrennen plagte mich, was an der amerikanischen Steaksosse gelegen haben koennte. Das Bett schien zu klein, das Kissen zu voluminoes. Irgendwann begann ich zu phantasieren. Ich waehnte mich am Stadion beim Heimspiel gegen Mainz. Neben mir sassen die Kollegen der Neuen Osnabruecker Zeitung. VfoffizielLe reichten die Mannschaftsaufstellungen an. In der ersten Elf liefen, abgesehen von Cichon, Thomik, Heidrich und Reichenberger ausschliesslich voellig unbekannte Akteure auf. Noch nicht einmal ihre Namen waren mir jemals untergekommen, doch ich stutzte nicht. "Das ist aber mutig", sprach ich. Keine Reaktion der Kollegen. Ob es womoeglich daran liegen koennte, dass Pele mit den wechselhaften Auftritten zuletzt nicht zufrieden war und kurz vor dem Saisonfinale ein Zeichen setzen wollte, fabulierte ich. Niemand reagierte. Niemand stutzte. Alle waren gespannt auf die Vorstellng der Mannen, die keiner kannte. Ein Fiebeling spielte zum Beispiel im Mittelfeld, Dierk verstaerkte die Abwehr. Ich wachte auf und trank einen Schluck Wasser. Das Sodbrennen verschwand gegen vier Uhr.

willi will's wissen #8

Willi darbt immer noch in seinem roten Käfig im Frankfurter Westend und zählt die Stunden. Tag ein, Tag aus schießt er seinen weißen Ball an die Wände seiner Zelle, und seine Peiniger stellen ihn trotzdem wie keinen zweiten als Sinnbild für den freien Wettbewerb hin. Wie dem auch sei: Abgeschnitten von der Welt bleibt ihm derzeit nichts anderes übrig, als sich von seinem Anwalt Gerd-Christian Heubele das Wichtigste erzählen zu lassen. Heubele nun ist gottlob so weise, seine völlige fußballerische Ahnungslosigkeit nicht zu kaschieren und Willis Freunde um Rat zu bitten - also uns. Wir beantworten ihm jede Woche die drei Fragen, die ihm am drängendsten auf der Seele brennen.

1. 8 Punkte Abzug für Koblenz, funkt der Gefängnisflur. Habt ihr das über Theo eingefädelt?
Nun ja, Willi, was sollen wir sagen. Es gibt Dinge, über die spricht man besser nicht in der Öffentlichkeit. Aber wir haben dem Theo damals ganz schön geholfen, den Trollinger von der DFB-Speisekarte streichen zu lassen, wenn Du weißt was wir meinen. Und Ehrenmann, der der Theo ist, vergisst er sowas nicht. Aber dabei sollten wir es dann auch belassen, wenn Du eines schönen Tages frei bist, erzählen wir Dir mal die ganze Geschichte. Aber unter vier Augen.

2. Wo ist Maik? Ich rate: Abgetaucht in den Untergrund, um mich gewaltsam hier raus zu holen?
Ach, Willi! Wie schön, dass Du in Deiner Zelle den Glauben an das Gute im Menschen nicht verlierst. Leider ist Maik nicht wirklich im Untergrund, bestenfalls im Subway's... Er macht einen auf Erholung und lustwandelt durch New York. Aber sei ihm nicht gram: Er hat sich das redlich verdient. Deine Befreiung bleibt unser oberstes Ziel, keine Frage. Aber wir geben Herrn Heubele mal ein paar Brecht-Bändchen mit für Dich zum Lesen. Erst kommt das Fressen, dann die Moral...

3. Eine Millionen-Ablöse vorausgesetzt: Wäre Clos Wollukay nicht ein toller Trainer für den HSV?
Ein toller Trainer fürwahr! Aber was soll den ein toller Trainer beim HSV? Willi, wenn es so ernst um Dich steht, dann kommt Maik vielleicht doch früher aus seinem Urlaub zurück, um Dich aus diesem Verließ zu holen. Deine Degeneration nimmt ja bestürzende Formen an!

Freitag, 25. April 2008

wenn's denn sein muss

Herrgott, Leser! Reißt Euch halt mal ein paar Tage zusammen! Es gibt doch auch noch andere Dinge im Leben als Fußball. Müssen wir Euch denn wirklich täglich einen Brocken zu Lesen hinschmeißen?! Schaut halt mal ein bißchen mehr fern! Kocht etwas mit Freunden, mäht den Rasen, geht in den Hobbykeller basteln, ja, was weiß denn ich!

Nein, das geht nicht?

Ohne Euren täglichen Vflog-Brocken erscheint Euch das Leben nicht mehr lebenswert? Naja, gut, wir können es ja verstehen. Also, heute hat die Liga der Herzen ja auch wieder getagt. Lautern schlägt die Aachener, das ist schlecht. Paderborn schlägt Koblenz, das ist gut. Köln verspielt zweimal eine Führung gegen Aue, das ist lustig. Lila bleibt damit selbst im schlimmsten Fall zwei Punkte vom Abstiegsplatz entfernt. Grünschwarzweiß bleibt in jedem Fall sechs Punkte vor einem Nicht-Aufstiegsplatz, mindestens. Souveräner sind nur die Bayern, die potentiell sogar schon an diesem Wochenende Meister werden könnten. Aber deswegen ist ja auch die Bundesliga der Herzen die Liga der Herzen, und nicht die öde FCB-Liga.

Donnerstag, 24. April 2008

new york, new york

Man stelle sich einmal vor, was passierte, wenn wir hier eine Woche nicht über Fußball schreiben.

Mittwoch, 23. April 2008

i want to be a part of it

Sehnsuchtsvoll berichten wir auch heute aus der doppelten Leerstelle unseres Lebens. Kein ernstzunehmender Fußball seit Tagen, und Maik im fernen New York. Die aktuelle Ballberichterstattung nehmen wir wieder am Freitag auf. Bis dahin schwelgen wir Daheimgebliebenen in der Vergangenheit und in Träumen von Fernreisen.

Gestern haben wir es zumindest bis Wien gebracht. Da findet in diesem Jahr die Fußball-EM statt. Und unsere treuen Leser werden sich erinnern, dass Underdogs nicht chancenlos sind, schließlich haben wir einst Lettland bis ins Finale geführt. Ob Österreich es also über die Vorrunde schafft? Ich jedenfalls werde zum Viertelfinale im Stadion in Wien sein. Man streiche sich heute schon den Tag im Kalender an.

Dienstag, 22. April 2008

i'm leaving today

Diese ereignisarmen Tage, in denen der Kollege in New York weilt und dort von Wien träumt, erlauben es mir, eine kleine Anekdote aus der Hauptstadt der Sachertorte zu berichten. Dort sah ich einst einen jungen Crooner, der aufs trefflichste Dean Martin coverte. Allerdings auf Österreichisch. Aus "Memories are made of this" (genau: So schön, schön war die Zeit...), wurde eine Hymne auf den Käsekrainer, eine Bratwurst mit Käsefüllung (im Volksmund auch passend "Eitrige" genannt), die gebraten köstlich, gekocht jedoch höllisch wird: Der flüssige, kochende Käse spritzt beim ersten Bissen stets zielsicher am anderen Ende hervor und zu fairen Teilen auf die eigene Kleidung und einem etwaigen Gegenüber ins Gesicht. Im Song in der Wiener Fassung heißt es deswegen auch nicht "So schön, schön war die Zeit", sondern "Ka schaas, haas is da Kaas / so'n schaas, haas is da Kaas".

Was das mit Fußball zu tun hat. Nichts. Wir reden ja gerade über Österreich.