Donnerstag, 7. September 2006

lob der raute

Mein Herz, das hat vier Ecken.
Vier Ecken hat mein Herz.
Und hätt es nicht vier Ecken,
dann wär es nicht mein Herz.


Von Gladbachfans sagt man bisweilen, sie hätten "die Raute im Herzen". Das ist ein schöner Satz, solange man ihn metaphorisch versteht. (Problematisch wäre es, wenn es sich um eine medizinische Diagnose handelte, und sicher wüde auch manche Beziehung kriseln, wenn zum Geburtstag eine Torte in Rauteform auf dem Frühstückstisch steht, serviert mit der Bemerkung: "Schau mal, Schatz, ich habe Dir einen Kuchen in Herzform gebacken".) Was ist nun das besondere am Fohlenwappen, dass es VfLern so am Herzen liegt?

Zum einen, sicherlich, die Form. Runde Wappen gibt es zu Hauf. Sie mögen die Welt bedeuten, den Ball, aber bitte: Wie platt ist das denn? Dagegen eine Raute! Sie deutet den Fußballplatz an, aber in verdichteter, geradezu zugespitzter Form. Das Feld ist hier ein Ort, der nicht von links nach rechts bespielt wird, vielmehr liegen seine Pole oben und unten. Damit symbolisiert die Raute nicht nur die Bühne, die die Fußballwelt bedeutet, sondern zugleich das Auf und Ab der Spieltage und Saisons, die ins Land ziehen. Die spitzen Winkel der Raute lassen das Wappen zugleich förmlich in prekärer Lage balancieren.

Wirklich gelungen aber ist erst die farbliche Gestaltung. Schwarz und weiß! Mehr nicht. Wie lieb ich Dich! Die ganze Welt ist grau, die Zwischentöne, wie öden sie uns an. In Gladbach aber gibt es noch gut und schlecht, Borussia und Bayern, VfL und FC. Schwarz und weiß exisitieren nebeneinander, so ist es nunmal, es stehen gar sechs schwarze Flächen gegen nur vier weiße. Aber doch: wie das weiß strahlt, sich absetzt vom schwarzen Grund. So ist der VfL. Ein heller Lichtblick in einer dunklen Welt. Wundert es noch jemanden, dass wir die Raute auch im Herzen tragen?

Mittwoch, 6. September 2006

kantersieg

Alle erwarten heute abend einen Kantersieg. Wohl zurecht, auch wenn VfOli einmal mehr nicht in dem Umfang zum Einsatz kommt, wie er es verdient hätte. Aber es ist San Marino, bitte schön. Da wird ja wohl ein 13:0 möglich sein.

Viel schwerer wäre es, gegen den Rheydter SV anzutreten. Dass selbst hier ein hoher Sieg möglich ist, hat der VfL bereits gestern bewiesen. 6:0. Geht doch.

Dienstag, 5. September 2006

seitenwechsel #5

Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits beobachtet Seitenwahl für seine Leser das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit Beginn der Saison 06/07 gibt es nun den SEITENwechsel: Seitenwahl und VfLog haben einen Briefwechsel begonnen, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf Seitenwahl und auf dem VfLog dienstags nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.

Unten der fünfte Seitenwechsel. Diesmal hat zuerst Maik an Mike geschrieben, den Brief findet ihr bei Seitenwahl.
Unten Mikes Antwort.

Lieber Maik,

da hast Du mir zu Beginn Deines Briefes einen Schrecken eingejagt!
Gleichwohl ich sofort erahnen konnte, worauf Du hinaus willst. Dass Ihr diese zugegeben komplexe und schwierige Thematik erst wenige Tage vor der eigentlichen Entscheidung aufgreift, verdeutlicht mir nur allzu sehr, wie sehr Euch dies intern beim VfLog zerreißt. Die beharrliche Schweigsamkeit von Martin zu diesem Thema nährt diesen Verdacht umso mehr.

Doch, und hier setzt mein Widerspruch an, spricht in der Tat vieles gegen die angestrebte und im Grunde schon beschlossene Reform. Es kommt eben nur darauf an, aus welchem Blickwinkel man dies betrachtet. Gerecht wird dies nicht entschieden werden können, weil die Ansätz zu verschieden sind. Ganz gleich, wie es ausgeht, es wird böses Blut und Ärger geben. Lass mich erklären, warum ich das so sehe:

Wir haben zur Zeit 9 Oberligen mit je 18 Vereinen, das ergibt 162 Mannschaften. Der Großteil dieser Vereine wandert gezwungenermaßen von der
Viert- in die Fünftklassigkeit ab. Gerecht? Wettbewerbsverzerrung? Für diese Ligen bedeutet dies auch ein Absinken des schon jetzt spielerisch armen Niveaus, weiteres Ausbleiben von Fernsehgeldern, die bereits mit heutigem Stand verschwindend gering sind. Dazu die Schwemme von Zweitvertretungen der Bundesligisten, die zwar sportlich eine Herausforderung darstellen, aber keine Leute ins Stadion ziehen. Du löst das Problem, das bereits jetzt in der Regionalliga vermeintlich herrscht, nicht, sondern verschiebst es nur eine Liga weiter. Wurden die Oberligisten, Verbandsligisten, Bezirksligisten gefragt, was sie davon halten? Haben nicht auch der VfL Osnabrück, die Eintracht aus Braunschweig oder der FC St. Pauli eine Zweitvertretung in den Niederungen des deutschen Amateurfußballs? Werden nicht auch dorthin die Spieler gesandt, die in der ersten Mannschaft zur Zeit nicht zum Zuge kommen?

Kennst Du Manfred Vobiller? Der Mann ist Geschäftsführer des sympathischen SC Pfullendorf, Regionalliga Süd. Herr Vobiller stemmt sich als Einziger gegen die Meinung und den Willen der restlichen 37 Regionalligavereine. Und womit? Mit Recht, wie ich finde. Vobiller hegt große Zweifel an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des angedachten Modells: "Woher das Plus an Einnahmen kommen soll, konnte vom DFB auch keiner sagen. Lediglich bei den TV-Geldern wurde jetzt mal pro Jahr und Verein die Summe von 500.000 Euro in den Raum gestellt. bisher bekommen die Regionalligisten rund 370.000 Euro.
Dieser Unterschied allein würde den Kohl also garantiert auch nicht fett machen."

Hast Du Dir über die weiteren Kosten Gedanken gemacht? Welche (bisher in keinem Etat eingeplanten) Fahrtkosten kämen auf die Vereine zu? In diesem Zusammenhang steige ich direkt in die Diskussion um die erhöhten Zuschauerzahlen einer eingleisigen Regionalliga ein. Wie viele Pfullendorfer oder Unterhachinger würden sich denn am Sonntag auf dem Weg nach Lübeck machen? Ebenso verlangt die Professionalisierung der Regionalliga, dass bisher ehrenamtlich tätige Geschäftsführungen, wie es beim schon erwähnten Sportclub Pfullendorf der Fall ist, so nicht mehr zulässig wäre. Die Spieler würden ob dieser Tatsache sicher über die ein oder andere Gehaltserhöhung Gedanken machen, wenn sie dann schon offiziell als "Profi" geführt würden.

Rettig sagt bedeutungsschwanger "Gemeinwohl schlägt Einzelinteressen". Das klingt wahnsinnig klug, ist aber ziemlich kurz und egoistisch gedacht.
Letztlich streben die Wortführer dieser Reform - im Gros die Vertreter der tatsächlichen oder selbst ernannten Traditionsclubs - ene Vereinfachung an, die ihre Vereine schneller in den wirklich bezahlten Fußball zurückführt, weil sie sich höhere Einnahmen und dadurch größeren sportlichen Erfolg versprechen. Wenn man für eine solche Reform plädiert, dann soll man ehrlich bleiben und keine fadenscheinigen Gründe á la "Wettbewerbsverzerrung"
anbringen, die in meinen Augen nicht vorliegen. Jede Saison steigen vier Vereine trotz der diversen Zweitvertretungen in die Zweite Liga auf. Es dreht sich am Ende eben doch nur ums Geld, das verteilt werden will und soll.

Als Borusse bin ich klar gegen eine Änderung des status quo. Als Fußballfan hingegen habe ich für Deine Argumente durchaus Sympathien und Verständnis.

Beste Grüße
Mike

Montag, 4. September 2006

ich schweige weiter

Vor einigen Tagen hat Maik eine Lawine losgetreten. Ein Medienthema gesetzt, das uns noch einige Zeit beschäftigen wird. Man muss kein Insider zu sein, um zu wissen: Es geht um die Regionalliga-Reform. Das Thema birgt Sprengstoff zwischen VfL und VfL, und mein bisheriges Schweigen dazu lässt selbst den Fußballdeutungs-Granden und lieben VfLog-Freund Joachim Schwerin grübeln, ob es als Solidaritätsbekundung zu interpretieren oder eher "betreten" zu nennen ist.

Nun, für heute seien zwei Versprechen abgegeben. Morgen wird es an dieser Stelle und anderswo einiges mehr zur spannenden Frage geben, ob der eine VfL messiasesk für den anderen VfL absteigen soll. Aber nicht von mir. Ich schweige vorerst weiter. Und äußere mich vielleicht am Mittwoch abend auf dem ORF und bei RTL, betreten solidarisch oder umgekehrt.

Sonntag, 3. September 2006

im gleichschritt marsch!

Sonntags gehen verheiratete Paare spazieren. Und verliebte Pärchen, wenn die Liebe frisch, sprich: noch naiv ist, auch. Suchen Sie sich aus, was für die beiden VfLs zutrifft. Nach dem Unentschieden gestern gegen Wuppertal spazieren sie jedenfalls Hand in Hand - und teilen sich in der VftabelLe schiedlich friedlich den zweiten Platz. Nur Herzberg ist besser. Aber das sehen Sie ja selbst, wenn Sie den Blick sanft nach rechts unten senken.

Die ‚kleine’ Borussia übrigens trotzt dem VfL-Mitaufstiegskonkurrenten VfB Lübeck ein Unentschieden ab. Ein süßer Liebesbeweis. Die VfLs helfen sich gegenseitig, wo sie nur können. Und: Ein weiterer Beleg dafür, dass das ‚B’ im Vereinsnamen dem ‚V’ strukturell unterlegen ist.

Samstag, 2. September 2006

kurs (ge)halten

Das erste Saisonspiel gewinnt der VfL 3:1 gegen Düsseldorf. Die erste Niederlage folgt im zweiten Spiel auswärts in Erfurt – 0:2 gegen starke Thüringer, die sich zurecht Hoffnungen machen, zur nächsten Saison wieder zweitklassig zu sein. Daheim gegen Dresen heißt es nach einem intensiven und kampfbetonten Spiel auf hohem Niveau am Ende 1:1. Auswärts in Magdeburg gewinnen die Lila-Weißen erwartungsgemäß 3:0 gegen einen Aufsteiger, der sich erst noch finden muss. Gegen Wuppertal dann heute ein souveräner 2:0-Heimsieg. Das bedeutet: Zehn Punkte aus den ersten fünf Spielen, Tuchfühlung zur Tabellenspitze. Niemand hätte sich nach einem solchen Saisonstart beklagen können, im Gegenteil: Zufriedenstellend und hoffnungsvoll wäre er gewesen.

Nach anderen Ergebnissen hat der VfL jetzt zehn Punkte aus fünf Spielen geholt. Niemand wird sich über diesen Saisonstart beklagen können. Im Gegenteil: Zufriedenstellend und hoffnungsvoll ist er.

In einem Spiel gegen selbstbewusste Tabellenführer aus Wuppertal musste der VfL ohne seinen Stammsturm spielen, ohne Thommy Reichenberger und Markus Feldhoff. Das sind nicht irgendwelche Ausfälle! Dass Addy-Waku Menga nicht der eiskalte Goalgatter ist, überrascht niemanden, genauso wenig wie man ihm das vorwerfen kann. Menga ist jung und spielt unter Druck – und ohne erfahrenen Partner im Angriff – genauso erfolgreich wie Lukas Podolski. Das 1:1 hätte ohne weiteres auch ein 2:1 oder 3:1 sein können; einen Rückstand noch in einen Sieg umzuwandeln, hätte dem Wollitz-Team sicher einen weiteren Schub gegeben. Doch dies zu fordern, ist zu früh. Die Spielzeit ist jung, ganz selbstverständlich also, dass Träume noch nicht Anfang September Wirklichkeit werden.

Deshalb ist der VfL auf Kurs, ohne Frage. Er muss nun jedoch auswärts in Dortmund gewinnen, Mitte übernächster Woche. Ein Sieg auf der Roten Erde wäre nicht nur standesgemäß, sondern ist notwendig, um den eigenen Anspruch zu untermauern. Das wissen alle. Eine neue Auswärtsmisere, wie wir sie in der vergangenen Saison erlebt haben, würde ziemlich schnell ziemlich viel über den Haufen werfen. Doch vorerst ist wichtig: Nach Braunschweig müssen 13 Punkte auf der Habenseite stehen.

Freitag, 1. September 2006

auszeit

Manchmal hat man nur ganz kurz Zeit. 10 Minuten, um einen 2-Tore-Rückstand aufzuholen. 1 Woche, um zum Champions-League-Finale wieder fit zu sein. 2 Jahre, um aus einer Gurkentruppe einen respektablen Gastgeber einer WM zu machen. All das kann glücken. Wenn man die Zeit zu nutzen weiß.

Nach einem Saisonstart irgendwo zwischen prächtig und mittelprächtig hat Gladbach jetzt 2 Wochen Zeit zur Besinnung. Ist das viel? Ist es wenig? Es ist in jedem Fall eine Auszeit, die einerseits den Fluss der Dinge stört, die Rückkehr der Bundesliga in unser Leben kurzzeitig aussetzt und das Wochenende ein wenig sinnloser macht. Andererseits aber die Pause zum Durchatmen sein könnte, um nun doch wirklich durchzustarten.

Jupp, carpe diem. Und Osnabrück lässt uns den Samstag nicht ganz fußballfrei sein. Drei Punkte müsst Ihr diesmal alleine holen!

Donnerstag, 31. August 2006

zweiund-zwanziger

Vollzug gemeldet hatten wir früh, früher als die meisten anderen. Bereits am 27. April diesen Jahres stand fest, dass es in naher Zukunft eine eingleisige Regionalliga ohne Profi-Amateure geben wird. Was vom Außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes nur noch abgenickt werden sollte, scheint jetzt erst einmal wieder auf Eis gelegt - wie das eben immer so ist mit visionären Reformprogrammen, die nah dran sind an einem großen Wurf.

Eine tragende Rolle-Rückwärts mimte diesmal unser Präsitheo. Derzeit noch auf Sommerurlaub in Lodz, verkündet Zwanziger: "Es ist nicht so, dass der Fußball unterginge, wenn wir bei einer zweigleisigen dritten Liga bleiben würden."

Die Exegese dessen überlassen wir VfLothar, der Zwanzigers Vorstoß als voll und gans "unverschämt" bewertet. Der VfL-Manager denkt, Zwanziger "will bei dem Bundestag, bei dem er zum alleinigen DFB-Präsidenten gewählt wird, keine Konflikte und keine Gegenstimmen. Seine Krönung soll störungsfrei verlaufen." Wahrlich, dieser Verdacht liegt nah.

Als Kompromiss darf da Gans' ganz eigener Vorschlag gelten: 22 Teams in einer eingleisigen Regionalliga mit vier Amateur-Mannschaften von Erst- bzw. Zweitligisten, außerdem Kooperationen zwischen Regional- und benachbarten Bundesligisten. Das hört sich klug an - und ist gleichsam ein unverkennbares Indiz dafür, dass es so ganz bestimmt nicht kommt.

Beachtlich - und dennoch nicht verwunderlich - ist nämlich die Lobby der Rummenigges und Allofs' dieser Welt. Diese Fußball-Heuschrecken machen einen glauben, eine ganze Herrschar an Fußball-Fans stünde hinter ihren Protesten gegen die ursprünglich auch von Zwanziger befürwortete Reform. Wer, fragt man sich, sind diese Protestierenden? Wo sind die Fußballfans, die mit den Großen für einen Verbleib der Amateurklubs streiten? Respekt jedenfalls an diejenigen, die es offenbar zumindest vorerst zu verhindern wissen, die Regionalliga noch attraktiver, spannender und den ersten beiden Ligen ebenbürtiger zu machen.

Mittwoch, 30. August 2006

petermännchen

Achja, es währte nicht allzu lange, da ist Peter Neururer um einen Rausschmiss reicher. Das heißt auch, wir müssen unsere ohnehin schlampig recherchierte Vielflieger-Statistik anpassen.

Mit vier Flügen neben Felix Magath (Hamburg, Nürnberg, Bremen, Frankfurt) im erweiterten Kreis:
Friedhelm Funkel, 52 Jahre alt, entlassen in Uerdingen, Duisburg, Rostock, Köln.

Bisher zu vernachlässigende sechs Mal gefeuert:
Ewald Lienen, 52 Jahre alt, mit den Stationen Duisburg, Rostock, Teneriffa, Köln, Gladbach, Hannover.

Mit sieben Flügen abgeschlagener Dritter:
Jürgen Gelsdorf, 53 Jahre alt, mit den Stationen Leverkusen, Gladbach, Bochum, Fortuna Köln, Uerdingen, Gütersloh und Essen. (Der VfL darf hier nicht auftauchen - Gelsdorf ging freiwillig nach sensationellem Aufstieg!)

Mit 11 Entlassungen, auch altersbedingt, in Lauerstellung:
Rolf Schafstall, 69 Jahre, mit dem MSV Duisburg, Rot Weiss Essen, VfL Bochum, Schalke 04, Fortuna Düsseldorf, Uerdingen, VfL Osnabrück, Stahl Brandenburg, Dynamo Dresden, Stuttgarter Kickers und Hannover 96.
Jörg Berger, 61 Jahre alt, bisher unfreiwillig gegangen worden bei Darmstadt 98, Fortuna Düsseldorf, Hessen Kassel, Freiburg, Frankfurt, Köln, Schalke, Basel, Karlsruhe, erneut Frankfurt und Rostock.

Mit zwölf Demissionen seit heute unangefochten vorn:
Peter Neururer, 52 Jahre alt, mit Rot Weiß Essen, Aachen, Schalke, Hertha, Köln, Saarbrücken, Hannover, Fortuna Düsseldorf, Offenbach, Ahlen, Bochum und Hannover.

Lass Dich jedenfalls von alldem nicht stressen, Peter, und gönn dir von der Abfindung mal ein leckeres Petermännchen Pils. Oder auch zwei.

Dienstag, 29. August 2006

seitenwechsel #4

Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits beobachtet Seitenwahl für seine Leser das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit Beginn der Saison 06/07 gibt es nun den SEITENwechsel: Seitenwahl und VfLog haben einen Briefwechsel begonnen, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf Seitenwahl und auf dem VfLog dienstags nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.

Unten der vierte Brief von Mike an Martin, Martins Antwort gibt es bei Seitenwahl.


Lieber Martin,

vielen Dank für Dein leckeres Rezept. Ich habe es zwar bis dato nicht ausprobiert, bin mir aber sicher, dass es Wirkung zeigen wird. An diesem Wochenende war eher Trost angesagt, nach der jämmerlichen Leistung Ihres Vereins in Jena. Doch genug der Worte über belanglose Zweitligisten!

Borussia gewinnt ihr zweites Spiel und steht nun auf dem vierten Tabellenplatz. Der VfL Osnabrück verlor zwar, doch sind neun Punkte aus vier Spielen immer noch genug, um von einem gelungenen Saisonstart zu sprechen. Friede, Freude, Eierkuchen also? Mitnichten, aber man soll die schönen Momente auch einfach mal genießen können.

Lass uns den Blick auf den Rest der Bundesliga werfen! Es ist irritierend, was sich in den letzten Wochen auf dem Transfermarkt ereignete. Da jagt der HSV in halb Europa jeden Stürmer, der nicht bei Drei auf den Bäumen war, um dann in bester Kurt-Beck-Manier der Region eine dicke Finanzspritze in Form des Transfers von Sanogo zukommen zu lassen. Immerhin profitierten hier beide Seiten von diesem Geschäft. Eine andere Entwicklung jedoch lässt aufhorchen. Waren es früher die bösen, großen Vereine, die auf dem Transfermarkt und außerhalb dessen herumwilderten, sind es in diesem Jahr die Spieler selber, die für Unruhe sorgen. Der HSV lässt seine komplette Innenverteidigung ziehen, da die Herren Boulahrouz und van Buyten die bessere „sportliche Perspektive“ bevorzugten. Selbst die großen Bayern erleben eine solche Rebellion, denn der Sportskamerad Hargraeves will nicht mehr in München, sondern möglichst bald in Manchester spielen, trotz Vertrags, ätsch! Ja, meine Herren, wo kommen wir denn da hin?

Die einzigen, die über Kommen und Gehen entscheiden, sind die Manager. Oder die Präsidenten. Manchmal auch die Mannschaft, wie man in Hannover zur Zeit beobachten kann. Dumm ist dabei vor allem, dass es meist die falschen Spieler sind, die um Ihren Transfer betteln. Oder ist Euch bekannt, dass vor einigen Wochen folgendes Gespräch im BorussiaPark stattfand: „Trainer, es reicht mir. Ich suche eine neue Herausforderung. Racing Straßburg will mich, das weiß ich. Seht zu, wie Ihr das regelt. Ich will weg!“

Beste Grüße
Mike

Montag, 28. August 2006

neuzugänge

Wenn es kein VfL ist, ist es auch kein Fußball. Unsere Leser wissen das, doch leider ist dies eben nur ein kleiner Familienblog für einen elitären Kreis. Die meinungsmachenden Massenmedien drucken und senden fleißig weiter unter der Rubrik "Fußball", selbst wenn Hannover 96 gegen Bielefeld spielt. Entsprechend erbärmlich sieht denn auch die Tabelle aus: Es wimmelt nur so von überflüssigen Einträgen. Ich sage nur: Frankfurt! München! Leverkusen! Cottbus! Usw. usf.

Daher haben wir die VftabelLe ins Leben gerufen (siehe rechte Spalte), mit der sich alle VfLs der ersten drei Ligen mit ihren Durchschnittspunkten pro Spiel untereinander messen können. Jeder VfL, der an einem regelmäßigen Ligabetrieb teilnimmt, ist eingeladen mitzumachen. Kurze Mail an vftabelle@vflog.de reicht, so wie es Christian G. für den VfL Herzberg 08 gemacht hat:

Liebe VfLogger,
spontan fällt mir da mein Heimatverein ein, für den ich selbst zwar nur in der E-Jugend gekickt habe, der mir aber natürlich als Leuchtturm meiner Heimatstadt am Herzen liegt.

Der VfL Herzberg 08!

Als Mannschaft schlage ich die 1. Herren vor. Nachdem diese tolle Truppe gerade so den Verbleib in der Bezirksliga sichern konnte, wurde sie leider zurückgezogen und spielt nun in der 1. Kreisklasse Staffel-ID 011138.
Grund genug, die Jungs aufzubauen, anzuspornen und in den VfLog aufzunehmen. Die Ergebnisse lassen sich problemlos über www.fussball.de einsehen. Momentan haben sie 6 Punkte aus 2 Spielen.

Herzberg liegt übrigens im wünderschönen Südniedersachsen und schmiegt sich anmutig mit seinen Fachwerkhäusern an den Harzrand. (So oder ähnlich steht es in den Reiseführern.) Nach dem Abitur zog es mich dann auch in die weite Welt.
Auf eine Zusage hofft daumendrückend
Euer C.G.


Gemacht! Ab heute ist der VfL Herzberg dabei, und dies gleich als Tabellenführer. Außerdem findet nach intensiver Lobbyarbeit auch der VfL Jesteburg Aufnahme in unser kleines Meisterschaftsrennen. Die Jesteburger sind ebenfalls herzallerliebste Leibesübungskollegen, die durch ihren begeisternden Einsatz in der Bezirksliga 2 in Lüneburg mit bislang 2 Punkten pro Spiel auch noch alle Chancen auf einen der oberen Plätze in der VftabelLe haben. Viel Erfolg!

Sonntag, 27. August 2006

erste niederlage

Für den einen VfL kam es früher, schon vergangenes Wochenende gegen Frankfurt, für den anderen etwas später. 0:2 ging die Partie gestern gegen Magdeburg verloren. Und alles war so absehbar.

Schön wäre es schon gewesen, hätte der VfL als letzte Mannschaft der Regionalliga seine niederlagenlose Weste beschmutzt. Nun jedoch währt die Serie für Union Berlin etwas länger. Das aber ist streng genommen auch egal.

Entscheidender ist, dass die Lila-Weißen gestern nicht überzeugend gespielt haben. Nach vorn gelang über weite Strecken des Spiels gar nichts, hinten stand man einfach zwei Tore lang zu unsicher. Die Durchschlagskraft, die Effizienz der ersten drei Spiele fehlte - was kein Wunder ist. Schließlich hat man Düsseldorf, Erfurt und Dresden nicht besinnungslos an die Wand gespielt, was auch gar nicht zu erwarten war. Peles Jungs haben solide und verhältnismäßig sicher, teilweise sogar begeisternd souverän die ersten drei Spiele gewonnen. Jetzt haben sie genauso solide ein Spiel verloren. So ist Fußball.

Hätte vor der Saison jemand neun Punkte aus den ersten vier Spielen prophezeiht, man hätte bedenkenlos einschlagen können in diesen Vorschlag. Man kann es getrost immer noch.

Samstag, 26. August 2006

dialog

Martin: Wie hat denn der VfL gespielt?
Maik: 2:1 verloren.
Martin: Gegen Bielefeld?
Maik: Und Magdeburg!
Martin: So'n Scheiß! Nichtmals ein Punkt?
Maik: Doch, eineinhalb.

Freitag, 25. August 2006

der feige hund

Dieses ist, nach dem allerersten vor langer, langer Zeit, erst der zweite Post, den Martin und ich zusammen schreiben. Dieses ist ein Festtag!

Das nächste VfL-Wochenende naht. Morgen spielt Lila-Weiß in Magdeburg und will die Tabellenführung verteidigen. Was für ein Gefühl! An der Spitze am Platz an der Sonne - das ist lang her. Leztmals stand der VfL am 24. Mai 2003 dort, nach dem 32. Spieltag in der Regionalliga Nord. Damals verlor der VfL 1:2 daheim gegen Verl. Im Tor der Ostwestfalen stand dereinst - Frederic Gößling. Das waren selige Zeiten, und jetzt haben wir sie wieder. Vielleicht bleibt's ja noch ein bißchen länger so.

Der andere VfL spielt morgen gegen Bielefeld. Und der feige Hund heißt: Ahanfouf. Er hat sich verletzt, und das ist ein Beinbruch, denn zum zweiten Mal binnen weniger Wochen geht es gegen einen VfL - und schon wieder fehlt er. Damit entzieht er sich zum zweiten Mal der gerechten Rache für sein brutales Foul an VfL-Torwartlegende Uwe Brunn, den er vor Jahren zum Invaliden machte. Wohl sollten wir dem Fußballgott danken, dass er mit seiner Ahanfouf zugefügten Fraktur ex machina die Fohlen davor bewahrte, sich mit dem Blut des Unwürdigen zu besudeln.

Donnerstag, 24. August 2006

das war einmal #10

Die Bundesliga geht langsam in ihre entscheidende Phase. Und Aachen wie Bochum haben noch keinen Punkt geholt. Da ist es verlockend, eine italienische Lösung zu suchen. "Wir prüfen bereits, welche Schiedsrichter uns am liebsten wären", sagt Aachens Coach Dieter Hecking. Kollege Koller aus Bochum pflichtet bei: "Wir können uns eine schwarze Null nicht länger leisten!" Ach, dabei hatten wir all das schon mal.

Angelehnt an die schöne WDR-Tradition, die 'Tageschau vor 20 Jahren' zu reanimieren, weil die alten Bänder einfach zu schön sind, um sie in den Archiven vergammeln zu lassen - diese Stücke sind immerhin holde Fernsehgeschichte -, widmen auch wir vom VfLog uns in unregelmäßigen Abständen unserer Best-of-Serie.

Heute: "Manipulation verschoben" vom 12. April 2005:

Die Nachverhandlungen über den Ausgang des heutigen Regionalligaspiels in Osnabrück sind gescheitert, der VfL trifft nun hoch motiviert auf den SC Paderborn. This Waterink, Verhandlungsführer der Paderborner Delegation und geübt im kleinschrittigen Manipulationgebaren, biss auf Granit: Letztlich soll der Deal daran gescheitert sein, dass der VfL neben einer ihm bereits zugesicherten siebenstelligen Eurosumme forderte, die Ex-VfLer und Hochverräter Guido Spork und Benjamin Schüßler dürften an der Bremer Brücke unter keinen Umständen auflaufen. Dies war für Waterink nicht verhandelbar. "Wer", so Waterink, "soll den dann das nötige eine Tor schießen? Die anderen sind doch zu blöd dafür."

In Expertenkreisen wird vermutet, der VfL sei von vornherein an keiner Einigung interessiert gewesen. "Wir verhandeln gar nichts mehr, damit haben wir nur schlechte Erfahrungen gemacht", wird Manager Lothar Gans von einem Vorstandsmitglied zitiert. Waterink kündigte derweil Verhandlungen mit dem VfB Lübeck und Eintracht Braunschweig an.

Wir dem auch sei: Um 19:30 Uhr wir die Partie angepfiffen, für den VfL geht es mal wieder um alles. Da reicht nicht die Unterstützung aus Kattenvenne, da müssen wir alle live dabei sein.

Mittwoch, 23. August 2006

die ruhige hand des peter pander

Die Süddeutsche berichtet heute von einer neuen Sitte, dass Spieler sich aus Verträgen mogeln möchten, um ihrem öden Dasein bei den Bayern oder anderswo zu entkommen, um sich einem ebenso öden Dasein in Manchester oder London zuwenden zu können. Da werden gerne einmal Verletzungen erfunden und das Wort Kopf-Grippe bekommt einen psychosomatischen Unterton.

Nicht so in Gladbach. Dort wollen die Spieler bleiben, aber Peter Pander sagt ihnen Adieu. Jeff ist weg. Milan wird gehen. Kommen neue Spieler als Ersatz für die dann dünne Defensivdecke? Nö. Sagt Pander auf borussia.de: "Die Frage stellt sich nicht, denn wir haben entschieden, nichst mehr zu machen." Und "nichst", der sogenannte Pandersche Superlativ des Nichts, das ist wirklich wenig.

Dienstag, 22. August 2006

seitenwechsel #3

Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits beobachtet Seitenwahl für seine Leser das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Zu Beginn der Saison 06/07 kommt es nun zum SEITENwechsel: Seitenwahl und VfLog beginnen einen Briefwechsel, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf http://www.seitenwahl.de/content/view/170/62/ und auf dem VfLog künftig dienstags nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.

Unten der dritte Brief von Mike an Martin, Martins Antwort gibt es bei Seitenwahl.


Lieber Martin,

ich fühle mich betrübt. Ich mag die vielen Lobeshymnen nicht lesen, die auf Borussias Leistung an der Noris gesungen werden. Wir haben verloren, wieder einmal. Das Frustrierende daran ist, dass man eine Woche warten muss. Wie sehr wünschte man sich das nächste Heimspiel am folgenden Tag, auf dass alle Nörgler und Pessimisten verstummen, wenn man eine solch langweilige Gurkentruppe wie Arminia Bielefeld mit 5:0 aus dem Stadion schießt. Die Regeln sind anders, so quält man sich das Wochenende hindurch und wird in Leserbriefen seiner mathematischen und geschichtlichen Unkenntnis erinnert. Grausam.

Das Wochenende! Privat ein wundervolles, harmonisches seiner Art, sportlich ein durchwachsenes. Nachdem mich meine wundervolle Freundin am Freitag abend in meinem Leid begleitete, schauten wir am Sonntag ihren FC, der Wacker Burghausen deklassierte. Nun, das überlegene Lächeln meiner Freundin lässt mich in solchen Momenten kalt. Allein die Tatsache, gegen Wacker Burghausen spielen zu müssen, ist schon Strafe genug, da kann dieser Karnevalsverein von mir aus 10:0 gewinnen (Schatz, wenn Du das liest: Sowas schreibe ich für die Leser, natürlich respektiere ich Deinen FC! Soll ich heute abend kochen?).

Doch, ein heller Punkt erleuchtet den dunklen Auswärtshimmel. Die U23 fährt den ersten Sieg der Regionalligasaison ein, der VfL Osnabrück erklimmt gar die Tabellenspitze. Hurra! Rechnet Maik schon die durchschnittliche Kilometerzahl der bevorstehenden Auswärtspartien in der Zweiten Liga aus? Ein weiterer kleiner Schritt in Richtung Eures großen Traums; dem Champions-League-Finale zwischen dem VfL Borussia Mönchengladbach und dem VfL Osnabrück. Wenn die Lila-Weißen in der nächsten Saison in Köln gastieren, meldet Euch bei mir. Und keine Bange, wenn es nicht klappen sollte. Eine Saison warten, dann habt Ihr Euer Spiel gegen den FC. (Schatz, vergiss die Frage: Ich werde kochen!)

SEITENwechsel!
Beste Grüße
Mike

Montag, 21. August 2006

vftabelle

Jede glückliche Beziehung, ja sogar jede leidenschaftliche Affäre ist dann am schönsten, wenn die Harmonie nicht grenzenlos ist. Ein bißchen frozzeln hier, etwas genüssliche Hochnäsigkeit dort – das tut immer gut, selbst bei uns im heimeligen Familien-Blog. Und weil die Bundesligatabelle von unwürdigen Ligakonkurrenten wie Wolfsburg oder Bielefeld unverhältnismäßig verzerrt wird, weil die Regionalligatabelle durch die vielen Profi-Reserve-Mannschaften keinen rühmlicheren Überblick über den Leistungsstand unserer VfLs gibt, rufen wir heute die VftabelLe ins Leben.

Jede Tabelle braucht Kanonenfutter, darum listen wir auch andere VfLs auf, vorerst nur aus den ersten drei Ligen. Das macht den Platz an der Sonne noch komfortabler, und am VftabelLenende könnte man sich im Zweifel sagen: „Wir sind zwar schlecht, aber wir sind nicht Bochum.“

Für die VftabelLe gilt: Anzahl der Punkte geteilt durch Spiele. Es ergibt sich ein repräsentativer VfüberbLick:

1. Osnabrück – 3
2. Gladbach – 1,5
3. Wolfsburg – 1
4. Gladbach II 0,75
5. Bochum – 0

Damit nicht genug – auch Sie dürfen mitmachen! Sind Sie begeisterter Anhänger eines ganz anderen VfL? Schnüren Sie gar noch selbst die Stiefel - vielleicht in der Bezirksliga von Sachsen-Anhalt oder der Kreisliga Hessens? Dann bewerben Sie sich, und auch Ihr VfL wird bald in der VftabelLe auftauchen! Ihre Bewerbungsunterlagen schicken Sie bitte – wie üblich – mit Anschreiben, Lebenslauf und möglichst auch Mannschaftsfoto an vftabelle@vflog.de.

Sonntag, 20. August 2006

es fügt sich

Als Pele Wollitz im großen VfLog-Interview den Satz "Am meisten gefreut habe ich mich..." ergänzte mit: "...dass Klinsmann jetzt den Erfolg hatte, den er sich gewünscht hat, den er sich hart erarbeitet hat und dass viele sich jetzt in den Allerwertesten beißen müssen, die ihn kritisiert haben. Das war nicht unter der Gürtellinie, sondern noch viel tiefer." – Da hatten einige aufgehorcht: Spricht da einer mit einer gehörigen Portion Ärger im Bauch, auch was seine eigene Situation angeht? Ja, bestimmt sogar.

Als Pele Wollitz in demselben Interview verraten hat, was ihm am Spiel der Lila-Weißen in der verganenen Saison nicht gepasst hat und warum er das nicht abzustellen vermochte, als er die Wichtigkeit von Standardsituation unterstrich, inbesondere in Zeiten, in denen die Leistungsdichte der Regionalliga-Mannschaften immer größer wird – da konnte man erkennen: Der Mann hat erstens Ahnung, zweitens einen Plan und drittens eine Menge ahnungs- wie planlose Kritiker.

Kaum jemals zuvor hat man lieber dabei zugesehen, wie ein Trainer des VfL seine Kritiker Lügen straft. Den Auftritt gestern gegen Dresden darf man souverän nennen. Die Defensive stand – abgesehen vom Anschlusstreffer – sicher, der Spielaufbau wirkte überlegt. Bayern München hätte ein solches Spiel a) nicht weniger berauschend und b) ähnlich kaltblütig gewonnen. Was für ein Kompliment!

Umso erheiternder die nach wie vor vielerorts lesbare Kritik, die nur kümmerlich ihre Lächerlichkeit kaschieren kann: Die Spiele bisher seien kein Hochgenuss gewesen, die Abwehr stehe nicht sicher genug, vorn gehe nur etwas bei Standardsituationen, die schweren Brocken kämen noch usf. Das, ehrlich gesagt, lesen wir gelassen: 9 Punkte aus 3 Spielen und 6:2 Tore heißen auch: Weiße Weste und Tabellenführer.

Samstag, 19. August 2006

dresden

Im Mittelpunkt des aufwändigen Zweiteilers um die Tabellenführung der Regionalliga steht die Liebesgeschichte der Osnabrücker Stürmer Thomas Reichenberger und des afrikanisch-stämmigen Bombers der Nation Addy-Waku Menga.

Osnabrück im August 2006: In der vom harten Ligaalltag bislang kaum versehrten Osnabrücker Mannschaft künden die Kampfrecken aus dem Osten vom Näherrücken der Tabellensitze. Auch wenn die lila-weiss.de-Propaganda ungerührt von der "absehbaren Kapitulation" tönt, sollen die wenigen Gelegenheiten zum Sieg bis dahin noch eiligst genutzt werden. Eine unbestimmte Anspannung liegt in der Luft.

Das grausame Gesicht dieses Aufstiegskampfes erfährt auch der junge Addy-Waku Menga, der sich als Stürmer der Lila-Weißen um die täglich wachsende Zahl an Torchancen kümmert. Er fühlt sich hingezogen zu dem Oberstürmer Thomas Reichenberger, der seine Kollegen während des Dresden-Spiels nach hinten in die Defensive schickt und vorn mit Addys Hilfe tollkühn weiter operiert.

Addy, der sein Faible für kontrollierte Defensive wegen der höheren Ziele in Osnabrück aufgegeben hat, imponieren Thomas' fußballerische Kompetenz und Entschlossenheit. Mit seinem Heiratsantrag stellt Thomas sich jedoch eher unbeholfen an. Addy ist verletzt, dass Thomas bereits das Einverständnis ihres Chefs, des Trainers Pele Wollitz, eingeholt hat, sagt aber dennoch ja.
In dem von unzähligen Dresdner Fernschüssen entfachten Feuersturm werden Addy und Thomas mit allen lila-weißen Mannschaftskameraden einen ganzen Nachmittag lang verzweifelt um ihr Leben kämpfen.

Freitag, 18. August 2006

nürnberg

Nürnberg, das ist Hans Meyer und Lebkuchen. Hans Meyer war der letzte Trainer, der Gladbach glücklich gemacht hat. Lebkuchen ist das Gebäck der heimelig-zimtenen Weihnachtszeit. Wie soll man da nicht melancholisch werden... (Mit einem Auswärtssieg?)

Donnerstag, 17. August 2006

verwirrungen

Manche Tage beginnen harmlos, nicht unbeschwert, aber doch in der schlussendlich zuversichtlichen Gewissheit, dass wir sie rumkriegen. Manche von diesen Tagen enden grausam. Der VfL gewinnt sein Pokalspiel gegen einen Oberligisten gestern im Elfmeterschießen. Nicht grausam, aber auch nicht gerade souverän. Immerhin gewonnen. 6:4, nach einem langen Kampf. Soll man gratulieren nach einem Kampf, der zwar nie aussichtslos war, von dem man aber nicht so recht weiß, ob der Sieg am Ende Sieg ist oder doch irgendwie auch Niederlage?

6:4 ist knapp, es hätte auch in letzter Sekunde noch anders ausgehen können. Hätte eine Niederlage mehr Kraft, mehr Konzentration bedeutet für die wirklich wichtigen Ziele? Oder gilt umgekehrt: Mit einem gewonnen engen Pokalfight im Rücken nimmt man auch die Alltagshürden leichter, selbstverständlicher; der Sieg beschwingt also, ermuntert?

Manchmal sind auch die Tage grausam, die mit einem 6:4 enden. Immerhin, sie enden. Unwiderbringlich. Das ist tröstlich. Sieg, Niederlage, Scheitern oder Fortschritt – das klärt ohnehin erst die Retrospektive, und zwar nach dem nächsten 6:4 oder 4:6 oder 3:0.

„Was war und ist, kommt und bleibt, es tut uns nicht leid. So sieht’s aus unterm Strich.“ Singen Kettcar. „Also was ist? Zu erkennen, dass man glücklich war, ist leicht. Na also, was wird? Zu erkennen, dass man glücklich ist, ist Kunst.“ Recht haben sie. Samstag geht’s gegen Dresden.

Mittwoch, 16. August 2006

helden

Am Abend spielt sie wieder, unsere Nationalmannschaft. Das komplett bedeutungslose Freundschaftsspiel gegen Schweden ist die Premiere von Jogi, dem neuen Klinsi, und zugleich die Neuauflage des WM-Achtelfinals. Es interessiert trotzdem keinen. Wir vertreiben uns die Zeit besser mit anderen Dingen, zum Beispiel mit Heldenverehrung: Wir gedenken der lila-weißen Nationalspieler.

Matthias Billen war 1936 der erste Osnabrücker Kicker im DFB-Dress, nur drei Jahre später, immer noch in der "guten alten Zeit" (G. Grass) folgte ihm Heinz Flotho. Jaja, das war großer Fußball damals. Aber es sollte noch besser kommen: Nicht nur wurde Adenauer neuer Kanzler, 12 Jahre später fiel auch das erste lila-weiße Tor für Deutschland. Hans Haferkamp hieß der glücklich Schütze, der eine bis heute nur von wenigen Auswahlspielern erreichte Trefferquote aufweist: der Hafer(kamp) stach in jedem zweiten Spiel. Anders gesagt: Er machte in den Jahren 1951/52 zwei Tore in vier Spielen. Der letzte stolze VfL-Nationalspieler war 1956 Theo Schönhöft. Schönhöft stellt sogar Haferkamp in Sachen Effizienz in den Schatten. Er machte nur ein Spiel für Deutschland - durfte aber fortan behaupten, in jedem Länderspiel getroffen zu haben.
Wann gibt es wieder goldene Jahre für die deutsche Nationalmannschaft? Wann spielen die nächsten Osnabrücker im DFB-Team?

Ach, übrigens gibt es heute abseits von melancholischen Rückblicken und langweiligen Länderkämpfen auch sinnhaften Fußball: Der VfL spielt im niedersächsischen Pokal gegen Eintracht Nordhorn. Besser als gar nichts.

Dienstag, 15. August 2006

seitenwechsel #2

Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits beobachtet Seitenwahl für seine Leser das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Zu Beginn der Saison 06/07 kommt es nun zum SEITENwechsel: Seitenwahl und VfLog beginnen einen Briefwechsel, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf http://www.seitenwahl.de/ und auf dem VfLog künftig dienstags nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.

Unten der zweite Brief von Mike an Martin, Martins Antwort gibt es bei Seitenwahl.


Lieber Martin,

welch erfolgreiches Wochenende! Osnabrück und Borussia starten mit Siegen in die neue Saison, wenn auch beide etwas holprig. Die Floskel „Hauptsache drei Punkte“ kommt mir als Ästheten zwar schwerlich über die Lippen, doch möchte ich mich nicht vollends der Realität entziehen. Zum Sieg benötigt man eben nicht nur das eigene Glück, sondern oft auch das Unvermögen des Gegners.

Dein Wunsch, dass das Umfeld ruhig bleiben solle, hatte bis zur Halbzeitpause am Samstag Bestand, als ein Pfeifkonzert die Spieler in die Kabine begleitete. Man muss sich damit abfinden, dass in Mönchengladbach die Ansprüche gestiegen sind. Auf welcher Grundlage sie stiegen, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis. Wer sich noch vor einigen Jahren fußballerischen Größen der Marke van Houdt, Pletsch, Korzynietz, Stassin und Carnell angetan hat, der müsste heute in Ehrfurcht erstarren, sähe er den aktuellen Kader. Doch Zufriedenheit ist, so weiß der Betriebswirt, lediglich der Quotient aus Erwartung und Erfüllung. Hat das Ergebnis ein negatives Vorzeichen, so nennen wir es Enttäuschung. Doch ist der Fan im Allgemeinen sehr leicht zufrieden zu stellen. Gewinnt die eigene Mannschaft, und darum dreht es sich schließlich, wird der Frust der just erlebten Grausamkeiten schnell vergessen. Der Fußball ist wahrlich faszinierend! Er füllt inzwischen gar Feuilletons, erweckt Nationalgefühle, schafft pseudo-intellektuelle Weblogs und Online-Magazine und am Ende beschränkt sich alles auf die Differenz zweier Zahlen, die durch einen schlichten Doppelpunkt getrennt werden.

Und der Rest der Liga? Das Wochenende verhieß anfangs nichts Gutes, als die DFL den Zuschauer mit einer „Eröffnungsfeier“ konfrontierte, die peinlicher nicht hätte sein können. Das pathetische Abspielen der Nationalhymne, die tanzenden Gestalten auf dem Rasen, das Feuerwerk zu den Klängen von Robbie Williams´ „Let me entertain you“, all dies sind böse Ankündigungen eines Zustandes, den die Liga und das Fernsehen so dringend, die Fans aber umso weniger wollen: das Fußballspiel wird ein „Event“!
Doch solange die Schnoors und Strassers der Liga weiter über den Rasen rennen, grätschen und fehlpassen, bleibt ein Stück echter Fußball erhalten. Borussia hat seinem Strasser, Jeff Strasser, nun den Laufpass gegeben. Ein Mann für den anderen VfL?
Honi soit, qui mal y pense!

SEITENwechsel !
Mike

Montag, 14. August 2006

wirre nachrichtenlage

Die Deutsche Presseagentur meldete soeben, um 14:37, folgendes:

Mannschaften und Statistik Fußball-Bundesliga
2. Spieltag:
1. FC Nürnberg - Bor. Mönchengladbach 1:3 (0:1)
1. FC Nürnberg: Stephan - Wolf, Glauber, Heffernan, Huber -
Kristiansen, Mintal, Mnari - Reinhardt, Pagenburg, Saenko
Bor. Mönchengladbach: Melka - Strasser, Helveg - Degen, Delura,
El Fakiri, Fukal - Neuville, Rafael, Sonck, Sverkos
Schiedsrichter: Fleischer (Sigmertshausen) - Zuschauer: 40 000
Tore: 0:1 Degen (34.), 1:1 Mintal (56.), 2:1 Glauber (78.)
Gelbe Karten: Glauber (1) / -

Was mag das bedeuten? Ist die dpa von VfL-Sehern unterwandert? Haben sich Strasser und Melka zurück ins Team geputscht? Welches Endergebnis stimmt denn nun? Alles sehr mysteriös.

Sonntag, 13. August 2006

so'nntag, so wunderschön wie heute

Faust geht am (Oster-)sonntag spazieren. Doch glücklich wird er nie. Wir aber genießen diesen Sonntag und rufen heute "Augenblick, verweile doch, Du bist so schön!" Der Ball rollt wieder, beide VfLs gewinnen, da kann man die freien Stunden genießen und die gute Laune des ersten Fußballkomplettwochenendes der Saison umarmen. Hoffen wir, die blendende Stimmung bleibt noch länger bestehen. Aber warum sollte sie nicht? Heute ist nicht der Tag zum Grübeln.

Samstag, 12. August 2006

blühende landschaften?

Es waren Zeiten der Träumer, der Hans-Guck-in-die-Lufte: "Nur der Staatsvertrag gibt die Chance, dass Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Sachsen bald wieder zu blühenden Landschaften werden können, in denen es sich für jeden zu leben und zu arbeiten lohnt."

Helmut Kohl sprach diesen denkwürdigen Satz. Am 21.06.1990, bei einer Debatte im Bundestag. Offenbar hat er fortan bei den Falschen Geld gesammelt. Zumindest in Thüringen und Brandenburg kann man auch 16 Jahre später nicht mithalten mit dem westdeutschen Fortschritt. 2:1 gegen Erfurt und 2:0 gegen Cottbus - das sind die Antworten der VfLs. Und Kohl? Guckt in die Röhre. Ehrenwort.

Freitag, 11. August 2006

ohne worte

Erinnern Sie sich noch an den 24. August 2005? Nicht? Dann wollen wir mal nicht so sein: Hier! Das war bis heute Abend der letzte Auswärtssieg des VfL, wenn wir mal den ein oder anderen Pokalkick außer Acht lassen.

Und jetzt? Jetzt ist alles anders, und mir fehlen die Worte. Mal wieder. Das Sprechen über Auswärtsauftritte der Lila-Weißen hatte der VfLog im Februar eingestellt, weil es einfach nichts mehr Neues zu sagen gab. Der Ärger, der Frust, das Unverständnis, das Hoffen - alles war redundant geworden. Sogar die Klage über die Redundanz war redundant geworden. Also haben wir geschwiegen.

Und jetzt? Jetzt gewinnt der VfL 2:1 in Erfurt. Letztlich souverän, unangefochten. Einfach so. 2 Spiele, 6 Punkte. 2 Tore durch einen Neuzugang, durch Standardsituationen. Ein Traum? Vielleicht. So wenig, wie es Worte gab, die vielen Enttäuschungen adäquat zu beschreiben, so schwer fällt es mir, diesem Sieg gebührend Respekt zu zollen. Jungs, heute Abend seid ihr Spitze gewesen!

Wie die Saison jetzt weitergeht, steht in den Sternen am Fußballhimmel. Dass sie so perfekt begonnen hat, stimmt zuversichtlich. Die Mannschaft ist beileibe (noch) nicht so gefestigt, so stark, dass der Galopp unvermindert anhält oder der VfL gar die Liga beherrschen könnte. Aber das muss er auch gar nicht. Der VfL muss auch nicht aufsteigen. Er muss einfach nur mitreißenden Fußball spielen, sich reinhängen, alles probieren für ein gutes Ergebnis - jede Woche aufs Neue. Der Anfang ist gemacht. Wenn es so ähnlich weitergeht, dann ziehen wir nicht nur heute den Hut vor Peles Team, sondern noch ganz oft in dieser Saison.

Übrigens: Sogar für die Unkenrufer, die Haar-in-der-Suppe-Sucher, die notorischen Kritiker wird heute Abend gesorgt. Warum singt Reamon "Supergirl" zur Bundesliga-Eröffnung? Warum hofft Wolfgang Nadvornik nassforsch schon vor Saisonbeginn, die Schale möge in München bleiben? Was ist mit Werner Hackmann passiert? Also: Zerreißt euch das Maul!

Donnerstag, 10. August 2006

jeff, mein jeff!

Gestern schon war es zu lesen. Ich wollte es nicht wahrhaben. Und habe mich betrunken. Heute kann ich nicht schreiben. Der Kopf. Das Herz. Ich weiß, er ist kein großer Fußballer. Kein Brasilianer, wie die ewig Ironisierenden sagen und dabei kichern, als hätten sie diesen Ausspruch just erfunden.
Jeff hat gekämpft. Jeff hat gegeben, was er konnte. Das war mal mehr, mal weniger, aber immer alles. Und das wiederum ist sehr viel mehr, als viele andere leisteten, die zwar aus einem größeren Bottich Talents schöpfen konnten, sich aber meist einer kleinen, löchrigen Kelle bedienten. Nicht so er. Jetzt spielt er keine Rolle mehr. Ist freigestellt. Soll sich einen anderen Verein suchen. Unsere Abwehr wird vielleicht sicherer dadurch, ich geb's zu. Aber in meinem Herz wird eine Lücke klaffen, die noch größer ist, als jene, die Jeff an schlechten Tagen in unsere Defensive riss.

Mittwoch, 9. August 2006

erfolgreicher auftakt

Das war ein Start nach Maß. Das 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf ist in seiner Bedeutung für den weiteren Saisonverlauf gar nicht überzubewerten. Der Kaltstart gegen die schon Samstag warmgelaufenen Düsseldorfer ist geglückt.

Die erste Halbzeit war mehr als man erwarten konnte: Druckvoller, in Teilen toller Offensivfußball, eine gut organisierte lückenlose Abwehr. Das war gut!
In der zweiten Halbzeit passierte das, was man - mit einem 1:0 im Rücken und nach dem furiosen Start - erwarten konnte: Eine der jüngsten Mannschaften der Liga wurde nervös. Mindestens 12.000 Fans an der Bremer Brücke freuen sich über die Führung, da beginnt man, sich Gedanken zu machen: "Wir spielen super, wir liegen 1:0 vorn, wir sind eine neu zusammengewürfelte, junge Mannschaft, wir spielen gegen einen (Mit-)Aufstiegsfavoriten - halten wir das durch?" Und schwupps, ist die Nervosität da. Es klappt nicht mehr viel, Fehlpässe häufen sich. Gleichzeitig erhöhte natürlich Düsseldorf die Schlagzahl. Raus kommt eine 2. Halbzeit, die auf lila-weiss.de, dem noch nur inoffiziellen Freizeit-Bundestrainer-Forum, in einer Art besprochen wird, dass man sich Sorgen macht um die Zurechungsfähigkeit so mancher VfL-'Fans'. Dass Markus Feldhoff, ein erfahrener Mann, in einer Phase, in der die Osnabrücker Defensive enorm unter Beschuss steht und dringend Entlastung braucht, für Jan Schanda eingewechselt wird, sollte man den Hobby-Bundestrainern womöglich noch einmal als sinnvollen Schachzug nahelegen.

Düsseldorf gehört trotz Fehlstart ohne Frage zu den stärkeren Mannschaften der Liga. Der VfL hat 1:0 gewonnen. Für höhere Ziele muss er an Sicherheit, an Selbstbewusstsein und Konstanz gewinnen, ohne Frage. Aber das Tor hat mit Bilal Aziz ein Neuzugang geschossen, dazu aus einer Standardsituation. Darüber darf man sich ohne Abstriche freuen.
Notorische Kritiker kritisieren natürlich trotzdem notorisch. Sie wollen, wenn die Saison doch nicht so traumhaft läuft wie erhofft, immerhin noch sagen können, sie hätten es ja von Anfang an gewusst. Das ist überall so, nicht nur in Osnabrück. Darauf kann man überall verzichten, nicht nur in Osnabrück. Aber auch gilt: Sie darf man überall belächeln, erst recht in Osnabrück. Das nächste Mal hoffentlich am Freitag, in Erfurt.

Dienstag, 8. August 2006

seitenwechsel #1: der anfang

Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits blickt Seitenwahl für seine Leser auf das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Zu Beginn der Saison 06/07 kommt es nun zum SEITENwechsel: Seitenwahl und VfLog beginnen einen Briefwechsel, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf www.seitenwahl.de und auf dem VfLog künftig dienstags nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.

Unten der erste Brief von Mike an Martin, Martins Antwort gibt es bei Seitenwahl.


Lieber Martin,

zack, da war es geschehen ! Nach einem im eigenen Befinden konzentrierten und äußerst professionell gehaltenen Beginn watschte Jupp Heynckes mich ab. Ich spürte sofort, wie der Fan in mir und mit mir durchgegangen ist, der Journalist in mir wich. Ein schlichtes „Wo ?“ schallte mir entgegen, als ich von „begeisternden und offensiv geführten Spielen“ in der letzten Saison sprach und ich hatte Mühe, meinen Faden wieder zu finden. Im Grunde hatte er ja Recht mit dem, was er sagte. Doch musste er mir so deutlich zeigen, dass ich wie viele andere schlicht ein Ahnungsloser bin ? Meine letzte Hoffnung blieb Markus Aretz, dem ich die Abschrift einen Tag später per Email zusandte. Doch Pustekuchen, der Passus wurde nicht gestrichen. Und zur Krönung wurde dieses Interview gar in den Pressespiegel von Borussia.de aufgenommen. Somit konnte die halbe Welt lesen, welch Ahnungsloser ich bin. Ja, ich bin ahnungslos, aber ja, ich vertraue ihm, Josef Heynckes, meinen Verein an, der eigentlich mehr seiner ist als meiner.

In meiner Redaktion nehme ich – wie jede Saison – den Part des Optimisten ein. Den Spott, den man damit erntet, nehme ich locker hin. Das überlegende Grinsen zeige ich zwar, aber man sieht es nicht. Pessimismus und Skepsis galten schon immer als Zeichen der Gebildeten, der Intellektuellen. Nur Dummköpfe verfallen in Jubelarien. Pah, da lobe ich mir den VfLog! Ihr unterstützt die einzig wahren VfL (Achtung: das Pluralisieren von Abkürzungen ist verboten !) bedingungslos und das für jeden ersichtlich. Konsequent, wie Ihr Thomas Broich von der Startseite verbannt habt! Soll er doch nach Köln gehen und sich dort mit den üblichen Floskeln einschleimen! Wir kommen nun in den Genuss von Insua, wir werden No-Look-Pässe sehen, in Gladbach! An dieser Stelle frage ich mich, ob der Begriff „No-Look-Pass“ nicht inhaltlich falsch ist, denn der Spieler guckt ja schon in eine Richtung, nur nicht in die richtige. Aber gut, lassen wir das.

Es wird Zeit, dass es beginnt. Nein, es wird nicht Zeit, dass sich was dreht. Das ist Gott sei Dank vorbei. So einnehmend der sportliche Wettkampf während der Weltmeisterschaft war, so nervend war die Wir-müssen-jetzt-jeden-Tag-feiern-Stimmung in Deutschland. Während dieser Zeit wurden aus Fußballfans Ahnungslose, aus sonst-nicht-Fußballfans noch größere Ahnungslose („Wo spielt Podolski eigentlich ?“ – „Ist mir egal, der ist sooooo süß !“) und in den Medien war Sammelpunkt der Ahnungslosen. Und das sage ich, der Ahnungslose.

SEITENwechsel, lieber Martin.
Beste Grüße,
Mike

Montag, 7. August 2006

(im)perfekte geschichten

Mit einem durchaus legendär bezeichenbaren Auftritt nutze 'Star'-Friseur Gerhard Meir gestern Abend die Unterhaltungssendung 'Sabine Christiansen' als Sprungbrett für eine ganz große Fernsehkarriere.

Mit seinem Wechsel zu Al-Wahda in Abu Dhabi ebnete Ex-VfL-Coach Hotte Köppel den Weg für einen absehbar gloriosen Abtritt von der 'großen' Fußballbühne.

Mit dem ersten Saisonspiel morgen gegen Fortuna Düsseldorf bestreitet der 'kleine' VfL den Auftakt zu einer großen, zu einer fabelhaften Saison.

Im Präteritum klänge der letzte Satz noch schöner.

Sonntag, 6. August 2006

tippelbrüder, vereinigt euch

Der VfLog ist - durch seine gelebte Leidenschaft für den Ballsport aus Gladbach und Osnabrück quasi per definitionem - immer auch Ombudsblog für die einfachen Leute und sonstwie Benachteiligte. Mit unserem Tippspiel, dem Trollinger-Championat, bieten wir künftig auch Tippelbrüdern eine Heimstatt.

Erinnern wir uns: Das Tippeln war im Mittelalter eine notwendige Voraussetzung, um Meister werden zu können. Für dieses große Ziel dürfen weder Kosten noch Mühen gescheut werden. Der Vorteil hier im VfLog: Ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Einträge - gewöhnlich übliche Voraussetzung - ist für das Mittippeln nicht erforderlich. Auch müssen Mittippelbrüder nicht um jeden Preis in der Öffentlichkeit immer ihre Kluft tragen bzw. stets gepflegt erscheinen und sich einer rechtschaffenen Lebensweise befleißigen - wenngleich das wünschenswert wäre. Sind das Argumente genug? Dann melden Sie sich an!

Samstag, 5. August 2006

sommerpause vorbei

Sie rollt wieder, die Kugel. Es ist endlich vorbei, das Warten. Wenn sich auch die prominentesten Gäste immer etwas bitten lassen, der VfL also am ersten Regionalliga-Spieltag noch aussetzt, hat das Fußvolk schon wieder zu spielen begonnen. Und wie!

Zwei Überraschungen gab es gleich zum Auftakt, zumindest auf den ersten Blick: St. Pauli (1:3 in Wuppertal) und Düsseldorf (0:3 daheim gegen Ahlen) verlieren auffällig deutlich. Damit zeichnet sich womöglich gleich zu Beginn ab, was unser kleiner Familienblog immer schon gesagt hat: St. Pauli hat alles, aber keine Mannschaft, die absehbar aufsteigen oder – was einzelne Tagträumer schon dachten – die Liga dominieren kann. Und Düsseldorf ist ein recht wagemutiger Geheimtipp. Bei beiden Teams hat sich im Vergleich zur letzten Saison vielleicht personell etwas getan; beide Teams stehen aber, was die Saisonprognose angeht, an genau der gleichen Stelle: St. Pauli steigt auf, wenn alles perfekt läuft – und wann tut es das schon mal? Und Düsseldorf steigt nicht auf.

Leider hat der Borussia heute bereits zum zweiten Mal binnen weniger Tage gegen RWE verloren. Zwar steht das „E“ heute für Erfurt, nicht für Essen, trotzdem schmerzt das 0:1 für die Wohlers-Truppe – erst recht, weil das Gegentor bei der Regionalliga-Premiere der Föhlchen durch einen Foulelfmeter fiel. Sei’s drum: Der Ball rollt wieder, und ein gleich ganz anderer Zauber weht durch die Hochsommer-Luft! Bald greifen auch die großen Fohlen ein, und vorher schon der lila-weiße VfL: Im Heimspiel gegen Düsseldorf können Peles Jungs den ersten Klub in den Tabellenkeller schießen – und einem vermeintlichen Mitkonkurrenten den Saisonstart so richtig versauen.

Freitag, 4. August 2006

sommerpause

Was ist nur mit diesem Sommer los? Eine weitgehend fußballfreie WM feiert er mit Traumwetter ab, zersengt jede Chance einer kurzen Atempause nach dem Großevent mit Höllengraden, aber auf einmal wird er nervös. Jetzt, wo die Sonne im Herzen bald endlich wieder aufgehen wird, geht die Sonne draußen auf Sommerpause. Im Spontan-Oktober sitzen wir im Kämmerlein und zählen: Noch 7 Tage. Dann – !

Vorher gilt es für Gladbach noch den FC Fulham zu schlagen, um die peinliche RWE-Schlappe zumindest ein wenig vergessen zu machen. Aber letztlich sind die Vorbereitungsspiele auch wurscht. Bald ist Cottbus, und darauf freuen wir uns. Wer hätte das einmal gedacht?

Donnerstag, 3. August 2006

das vflog-fußball-abc #12: vorführung

Vor|füh|rung, die; -, -en: das Vorführen: die V. eines Vereins. Irgendein schlauer Fußballlehrer hat einmal gesagt, wer jede Woche Theater sehen wolle, der solle in den Zirkus gehen und nicht ins Fußballstadion. So ähnlich verhält es sich auch mit der V. Wer regelmäßig eine V. sehen will, möge ins Theater oder in den Zirkus gehen; beim Fußball ist sie sehr selten.

Vorführungen sind Bedingung und Folge einer klassischen win-lose-Situation: Einer Mannschaft gelingt nur dann eine V., wenn das gegnerische Team bereit ist, dieselbe zu ertragen. Leider waren die VfLs in der jüngeren Vergangenheit eher das gegnerische Team. Beispiele sind das Osnabrücker 0:5 in Bielefeld oder der Gladbacher 2:8-Albtraum gegen Leverkusen. Eine V. braucht demnach die eklatante Überlegenheit einer Mannschaft, die sich zusätzlich in einem überdeutlichen Spielergebnis niederschlagen muss.

In Sonderfällen können auch einzelne Spieler vorgeführt werden. Der Schritt zum Vollpfosten ist dann nur noch ein kleiner. Wer die Einzel-V. gegnerischer Verteidiger liebt, kommt deshalb am verlässlichsten mit einer Dauerkarte in Bremen (Klose), Gladbach (Oli) oder Osnabrück (Thommy) auf seine Kosten.

Das Wesen und der Charakter der V. sind eng verwandt mit dem Phänomen des Versagers. Hier wie dort entstehen Mythen und unvergessliche Erinnerungen, hier wie dort treffen schlimme Schmerzen auf schier unfassbare Freude. Vorführungen sind außergewöhnliche Ereignisse, die durch ihre Seltenheit ihren unschätzbaren, auch kulturellen Wert gewinnen. Theater und Zirkus gibt es jeden Tag – die V. im Fuball ist kostbarer.

Bisher erschienen: Verein | Versager | verlieren | VIP | Verteidiger | verdient | Vollpfosten | Vorentscheidung | Vielflieger | Vertrag | V |

Mittwoch, 2. August 2006

von der lippe

Wenn jemand sein journalistisches Handwerk bei der Lippischen Rundschau und Radio Lippe gelernt hat, dann bei VIVA Redakteur war, schließlich als Moderationsware durch die Fernsehfleischtheken der Gammelsender von VOX bis SAT1, von RTL2 bis ProSieben gereicht wurde, wenn jemands größter Erfolg heute bei 9 Live als Wiederholung läuft, dann kann man sicher sein: Dieser Jemand wird sich für eine große Bereicherung der deutschen Medienlandschaft halten. Denn die Gelassenheit fängt sehr viel weiter oben an, und die Demut hört in diesem Geschäft schon sehr viel weiter unten auf. Dazwischen regiert die Arroganz, die sich vor laufenden Kameras gern als Selbstironie tarnt.

Solche Menschen müssen dann schon ein besonderes Merkmal haben, um doch sympathisch zu wirken. Zum Beispiel könnten sie Stadionsprecher bei Borussia Mönchengladbach sein. Ab dieser Saison muss ich Matthias Opdenhövel nicht mehr sympathisch finden. Mir wird das leicht fallen. Sollte ihn jemand vermissen: Von nun an verkauft er sein breites Lächeln bei Arena.

PS. Dass eine Karriere, die bei Radio Lippe beginnt, auch ganz anders verlaufen kann, beweist Kay-Sölve Richter. Aber das hatten wir ja schon...

Dienstag, 1. August 2006

neue unbekannte

0:2 hat der VfL sein vorletztes Testspiel gegen Arminia Bielefeld verloren und in der ersten Halbzeit eine ansprechende Leistung gezeigt. Bielefeld war so clever, keine alten Bekannten einzusetzen. Kein Jörg Böhme, kein Abdelaziz Ahanfouf - kein Ex-Borussen-Versager also und kein Uwe-Brunn-zum-Invaliden-Treter, nur ein durch und durch friedlicher Bernd Korzynietz.

Das hat unsere VfLer enorm Motivation gekostet. Denn: Warum gegen eine graue Erstliga-Maus alles geben? Weshalb gegen Arminia Bielefeld das ganze Regionalliga-Können aufblitzen lassen? So dürfen wir mit dem Ergebnis schlussendlich zufrieden sein und haben allerlei Grund zur Hoffnung, das Pele auf dem besten Weg ist, eine schlagkräftige Truppe für die neue Saison zu formen.

Montag, 31. Juli 2006

den papst in der tasche


Die neue Saison beginnt in Bälde und allenthalben legen Sportartikelhersteller neue Trikots auf, um an Ihr Geld zu kommen. Eine durchschaubare Masche, die "billig" zu nennen allein deshalb fehl am Platze ist, weil die feilgebotenen Pseudofetische alles andere als eben dies sind. Doch, freuen Sie sich: Es geht auch anders.

Unser kleiner Familienblog bietet ebenfalls Fanartikel feil, und dies zu humanen Preisen, an denen wir praktisch nix verdienen (nur unser VIP-Shirt kostet richtig, aber dafür ist es ja auch das VIP-Shirt...). Ja, das neue Gladbachtrikot mag schick sein. Aber gegen unsere Waren? Ich bitte Sie! Und neben Bekleidung haben wir nun auch anderes im Angebot, eine Einkaufstasche etwa, mit der Sie Ihren Glauben an den Fußballgott bekennen können und im Gegenzug stets den Papst in der Tasche haben werden. Oder eine praktische "Messenger-Bag", mit der Sie die Grundmessage unseres geliebten Sports deutlich und doch charmant transportieren: Wenn es kein VfL ist, ist es auch kein Fußball. Diesen Satz umherzutragen, hat doch unvergleichlich viel mehr Würde, als als Werbefläche für die Adidasse, Pumas, Asicse und Wasweißichnochs dieser Welt spazieren zu gehen. Na also, Sie überlegen auch schon, sich ein VfLog-Artikelchen zuzulegen? Just do it!

Sonntag, 30. Juli 2006

schein weiter

Auf der borussia.de-Seite gibt es eine hübsche kleine Zusammenfassung des Galatasaray-Spiels von Freitag, auf der man sich nicht zuletzt das Ole-Oli-Ole-Hacke-Traumtor noch einmal anschauen kann. Unterlegt haben die lieben Kollegen den Zusammenschnitt mit dem Song "Shine On" der Band Apoptygma Berzerk. Das Lied trällert zwar ganz hübsch vor sich hin, auf der Suche nach einem tieferen Sinn kann es aber nur als Selbstkritik verstanden werden. Die schmale Lyrik enthält neben dem beschwörend wiederholten "Shine On"-Refrain vor allem diese Zeile:

I don't know, why it's just this world's so far away / But I won't fight, well, not today.

Sooo schlecht war Gladbach doch gar nicht.

Samstag, 29. Juli 2006

beleidigendes lenkrad

Genau rechtzeitig zur Saisoneröffnung im Borussia-Park kehre ich heim aus dem Urlaub. Bis in das Stadion habe ich es nicht geschafft, aber immerhin bis vor den Fernseher, wo man sich wieder vergewissern konnte, dass Rundfunkgebühren nicht ganz sinnlos sind. Was sind schon ein paar GEZ-Kröten gegen die wiederkehrende Frage des sogenannten Kommentators, ob wohl Jupp Heynckes oder Christoph Daum neuer Trainer in Gladbach sei, dies verbunden mit der Bitte, doch mit der rechten Antwort anzurufen, es gehe um die Chance auf 30.000 €.

Für 30.000 € würde ich mein Herrschaftswissen bezüglich der Identität des Köppel-Nachfolgers noch mit dem DSF-Mannen teilen, allein die Chance erschien mir jedoch ein zu geringer Anreiz, um zum Hörer zu greifen. So konnte ich voller Aufmerksamkeit ein akzeptables 1:1 und einen auch insgesamt beeindruckend ahnungslosen Kommentator verfolgen. Die rundheraus mediokre Leistung krönte das selbsternannte Deutsche Sportfernsehen nach dem Spiel mit der Ankündigung eines Interviews mit wahlweise Jupp Heynckes oder Christoph Daum, gleich nach der Werbung. Auf die folgte aber lediglich eine Einblendung "Aus technischen Grpünden (sic!) können wir nicht mehr nach M'gladbach schalten."

Aus technischen Grpünden möchte ich wiederum mir heute noch kein Urteil über "unsere neue 10" Aka Insúa erlauben. Er war ok, würde ich sagen. Was da noch kommt, werden wir sehen. Auf der Suche nach Hintergrundinformation aus seiner Heimat durchstöberte ich jedenfalls schon einmal ein paar argentinische Sportseiten, die ich jedoch nur mit Hilfe von Babelfish entschlüsseln konnte. So lernte ich, dass Gladbachs Sportdirektor für Insúa die "Position des beleidigenden Lenkrades" vorgesehen habe, so jedenfalls mein Übersetzungsprogramm. Das klingt stark nach den Fußstapfen Zidanes und lässt also Großes erwarten. Auch weiß ich jetzt, dass unser neues Lenkrad mit seinem alten Auto, pardon Verein, bereits das "südamerikanische Glas" gewonnen hat. Auch dies mehr als sympathisch.

Freitag, 28. Juli 2006

la dolce vita #3

Der VfLog hat seine eigene Inter-Novela. Held der höchstens sechsteiligen Schmonzette ist Martin, zurzeit im Urlaub in Italien. Im ersten Teil hat er einen umstrittenen italienischen WM-Helden gebändigt, im zweiten hat er sich als Wirtschaftswissenschaftler einen Namen gemacht. Lesen Sie nun den dritten Teil von "La Dolce Vita".

Gestern Abendessen mit dem Fußballgott, der auch in Italien Urlaub macht. Hab ihm nach vier Grappa das Versprechen abgerungen, dass Deutschland 2010 Weltmeister wird, wenn bei uns Bayern, BVB und Schalke zwangsabsteigen und wir die konservative Regierung abwählen.

Donnerstag, 27. Juli 2006

endlich verloren

Puh, jetzt ist es endlich passiert. Gestern haben die Wollitz-Kicker ihr erstes Vorbereitungsspiel auf die neue Saison verloren, mit 1:3. Dass dafür ein Erstligist herhalten musste, ist ganz beruhigend.

Es wäre ein überaus schlechtes Omen gewesen, ganz ohne Testspiel-Niederlage in die neue Saison zu starten. Eine solche Serie hätte einen katastrophalen Saisonstart geradezu herausgefordert. Nun ist alles gut, und noch mehr: Mit der Niederlage im Rücken kann der VfL dem nächsten Sparring gegen Arminia Bielefeld beschwingt entgegensehen. "Jetzt müssen wir gegen Bielefeld immerhin nicht mehr halbe Kraft spielen, sondern können unser Übergewicht in Abwehr, Mittelfeld und Angriff ohne Skrupel in Tore ummünzen", sagte Pele Wollitz am Rande des morgendlichen Trainings auf der Illoshöhe.

Mittwoch, 26. Juli 2006

was schreiben an einem mittwoch wie diesem?

Wenn der eine VfL ein Testspiel gegen einen Ligakonkurrenten des anderen VfL verliert und das vollkommen Banane ist; wenn der andere VfL am Abend ein mindestens so mitreißendes Testspiel gegen Eintracht Frankfurt (Hessen, Bundesliga) bestreitet; wenn sonst auch nichts Bemerkenswertes passiert. Dann fragt man sich (und Google): "Was schreiben an einem Mittwoch wie diesem?"

Und dies ist die Antwort: Ein wunderbares Spiel mit dem Titel "Schreiben, knicken, malen"!
Jeder Spieler erhält einen Stift und ein Blatt. Darauf schreibt er oben einen Satz, von dem er annimmt, dass man ihn auch zeichnen kann. Anschließend knickt er sein Blatt unterhalb des Satzes um und gibt es weiter. Nun versucht jeder, den Satz, den er bekommen hat, zu zeichnen. Ist er fertig, knickt er das Blatt unterhalb der Zeichnung und gibt es weiter. Nun muss aus der Zeichnung wieder ein Satz gemacht werden, dann daraus eine Zeichnung usw. Wenn die Blätter voll sind, wird alles entfaltet und herum gegeben.

Auch möglich sind die Evergreens "Ich sehe was, was du nicht siehst" oder "Alle Vögel fliegen hoch". Wie dem auch sei: Viel Spaß dabei!

Dienstag, 25. Juli 2006

protestnote

Man ist dieser Tage ein wenig verwundert, was die Online-Kollegen in der VfL-Geschäftsstelle in der Osnabrücker Scharnhorststraße so umtreibt. Eine ganze Menge, so scheint es, widmet man sich der aktuellen Regionalliga-Tabelle doch allzu stiefmütterlich. Grundsätzlich ehrenwert zwar, sich überhaupt die Mühe zu machen, die 19 Teams schon einmal in der Tabelle zu verorten, wenngleich die Klubs bisher nicht ein einziges Spiel ausgetragen, kein Tor kassiert und auch keins geschossen haben. Schnuckelig auch, die doch so nahe liegende alphabetische Platzierung konsequent zu verweigern. Was die Aufstiegsplätze angeht: Kompliment für die Weitsicht. Doch weiter unten folgt der Eklat!

Dass man die beiden einzigen aufsteigbaren Mannschaften, die mit „V“ beginnen, auf den ersten beiden Plätzen findet, ist mehr als angemessen. Mit dem VfB Lübeck hat der VfL einen akzeptablen Partner auf dem gemeinsamen Weg in die 2. Liga. Dass unsere Freunde aus Ahlen auf dem letzten Platz gelandet sind, entspricht ebenso vortrefflich der bahnbrechenden Begeisterungsfähigkeit und langen Fußball-Tradition in Münsters idyllischem Vorort. Doch dann lauert der Skandal.

Die „Zwote“ des anderen VfL schneidet als Vorletzter ab und steht damit auf einem Abstiegsplatz! Das darf nicht sein. Deshalb unser Aufruf: Protestieren Sie dagegen! Schreiben Sie eine E-Mail an info@vfl.de. Unterstützen Sie unsere Petition, und wenn Ihnen selbst nichts besseres einfällt, kopieren Sie folgenden Text einfach in Ihre Mail.

Sehr geehrte VfLer in Osnabrück,
die beiden einzig wahren VfLs müssen zusammen halten! Klar, der lila-weiße VfL gehört in die 2. Liga; die „Zwote“ der Borussia hat aber in der Regionalliga eine angemessene Heimstatt gefunden. Empört stellen wir fest, dass Sie die Borussia in der aktuellen Regionalliga-Tabelle auf einem Abstiegsplatz verortet haben. Ändern Sie das! Gemeinsam sollen die beiden VfLs am vorletzten Spieltag feiern – den Klassenerhalt der Borussia und den lila-weißen Aufstieg!

Montag, 24. Juli 2006

la dolce vita #2

Der VfLog hat seine eigene Inter-Novela. Held der höchstens sechsteiligen Schmonzette ist Martin, zurzeit im Urlaub in Italien. Im ersten Teil hat er einen umstrittenen italienischen WM-Helden gebändigt. Lesen Sie nun den zweiten Teil von "La Dolce Vita".

Lehrstück über den Zusammenhang von Fußball und Wirtschaft: Ein Land, in dem 1l guter Wein im Restaurant 10€ kostet, 1l Wasser 2,50€ und ein Espresso 1,10€, kann nicht ganz zu Unrecht Weltmeister sein.

Sonntag, 23. Juli 2006

das vflog-fußball-abc #11: v

v, V, das; - (ugs.: -s), - (ugs.: -s) [mhd., ahd. v]: zweiundzwanzigster Buchstabe des Alphabets. Mit dem "V" beginnen die Namen der beiden wunderbarsten Fußball-Klubs der Welt. Es steht gemeinhin für Verein, darf aber immer auch als Verweis auf das zu erwartende Endergebnis gelten, indem man es als Abkürzung für "victory" übersetzt.

Vielerorts wird das "V" missbräuchlich und inflationär verwandt. VW zu Beispiel nutzt im Prinzip drei "V"s, reicht aber dennoch nicht an den Ruhm und den Glanz heran, den das "V" Osnabrück und Gladbach verleiht. Schlimmer noch: VW hängt fortwährend der irren Annahme nach, mit dem VfL Wolfsburg etwas Adäquates geschaffen zu haben.

Auf die Spitze treibt es der VVV Venlo. Auch mit vier "V"s gelingt es den Niederländern nicht, das Maß an Esprit, Spielwitz und Begeisterungsfähigkeit zu entfachen, das den Mythos VfL auszeichnet. Damit die Holländer ihr Handicap nicht sofort erkennen, hat die Borussia das Testspiel gestern galanterweise mit 1:2 verloren. Jupp Heynckes hat dafür als freundlicher Gast aus Deutschland alles gegeben: "Diesmal sind nicht die Spieler schuld, diesmal ist der Trainer schuld. Die Jungs waren platt."

Bisher erschienen: Verein | Versager | verlieren | VIP | Verteidiger | verdient | Vollpfosten | Vorentscheidung | Vielflieger | Vertrag |

Samstag, 22. Juli 2006

la dolce vita #1

Der VfLog startet heute seine eigene Inter-Novela. Held der höchstens sechsteiligen Schmonzette ist Martin, zurzeit im Urlaub in Italien. Was er erlebt, wie er fühlt und wen er lieben lernt - lassen Sie sich überraschen. Wenn seine Zeit es zulässt, erreichen uns seine Erzählungen per SMS. Lesen Sie nun den ersten Teil von "La Dolce Vita".

Neue Gelassenheit: Habe Luftmaterazzi beschimpft. Stoische Gleichmut. Selsbt als ich mich auf ihn geworfen und ihn getreten hab, hat er nur leise "pffft" gemacht...

Freitag, 21. Juli 2006

trollinger-championat 2006/2007

Verehrte Leserinnen, geschätzte Leser,
passend zu den heißesten Tagen des Jahres liefern wir das heißeste Tipp-Spiel! Die VfLs bereiten sich penibelst auf die neue Saison vor, bolzen Kondition und üben das grazile Spiel nach vorn. Zahlt sich das aus? Und davon ab: Tippen Sie, ob Hans Meyer länger im Amt bleibt als Klaus Augenthaler, trauen Sie wenigstens einem VfL den Pokalsieg zu und verraten Sie, wer der zweite Aufsteiger aus der Regionalliga Nord sein wird!

Hier sind, das liegt auf der Hand, Fachleute gefragt, und deshalb ist das Trollinger-Championat nichts für jedermann, sondern exklusiv für VfLog-Leser und alle ihre Freunde. Rühren Sie ordentlich die Werbetrommel, melden Sie sich an und: Verdienen Sie sich eine lila-grüne Nase!

Donnerstag, 20. Juli 2006

nach italien!

Ich fahre gleich auf Recherche zum Weltmeister und kehre nicht eher zurück, bis ich entweder ein totsicheres Betrugskonzept oder eine unerschütterliche Spielstrategie für unsere VfLs mit nach Hause bringen kann. Ob ich keine Angst vor Pöbeleien habe? Aber nein, denn: Isch 'abe übba-aupt keine Swester.

Mittwoch, 19. Juli 2006

"die leute haben spektakel verdient!"

Der vierte Teil des VfLog-Interviews mit VfL-Coach Claus-Dieter Wollitz. (Teil 1 | Teil 2 | Teil 3)

Im ersten Saisonspiel geht es gegen Düsseldorf. Was für eine Mannschaft werden wir da erleben?

Ich werde meiner Linie, was das Offensivspiel betrifft, treu bleiben. Fußball muss nach vorne gespielt werden. Sowieso finde ich, dass die Leute das verdient haben: Spektakel. Spektakel im gegnerischen Strafraum. Ich glaube, was die erzielten Tore betrifft, sind wir da seit zwei Jahren über dem Schnitt. Aber ich muss die Mischung finden. Die Spieler, die nach vorne spielen, die müssen auch bereit sein, nach hinten zu arbeiten, sonst geht es nicht. Das gilt es jetzt zu finden. Dabei sind mir Namen egal. Es muss einfach passen. Und diese Mannschaft wird dann am 9. August um 19.30 Uhr gegen Düsseldorf auflaufen und hoffentlich eine erfolgreiche Saison einläuten.

Viele Neuzugänge sind zum VfL gekommen. Lassen Sie uns nur auf einen näher eingehen: Daniel Chitsulo, der offensichtlich auch beim FC St. Pauli im Gespräch war. Sie haben gesagt, der sei nach Osbabrück gekommen, weil er hier mehr gemeinsame Entwicklungschancen habe. Warum sind die in Osnabrück besser als in St. Pauli?

Das ist eine sehr, sehr gute Frage. Wenn man die letzten zwei Jahre zugrunde legt und die Statistiken sieht, wieviele junge Spieler hier zum Einsatz gekommen sind – Flottmann, Heider, Bernhardt, Schäfer, Kügler, Koch –, die konnten sich ja hier entwickeln. Ich setze auf junge Spieler, die eine gewisse Dynamik haben, die so eine gewisse Reife noch nicht besitzen und die mit Lust und Liebe jeden Tag zum Training kommen. Die wollen sich verbessern. Diesen Daniel Chitsulo, den beobachte ich schon seit dreieinhalb Jahren in Köln. Der ist sehr klein, hat aber ein unglaubliches Timing zum Kopfballspiel, ist unglaublich variabel, kann links spielen, kann rechts spielen, kann als Stoßstürmer spielen, kann hinter dem Stoßstürmer spielen und hat eine Schnelligkeit, die sehr wichtig ist. In den Gesprächen hat er uns immer das Gefühl gegeben: "Bitte nehmt mich doch. Ich möchte nicht nach St. Pauli oder nach Darmstadt!" Weil er natürlich auch sieht: Wenn er zum Spielen kommt, in einem tollen Verein, in einem tollen Stadion, dann kann er sich weiterempfehlen. St. Pauli ist auch ein toller Kult-Klub, aber ich glaube, dort hätte er nicht so viele Spielchancen bekommen wie hier. Darauf setzt er, und sowas fördere ich. Das ist genauso wie bei Aziz. Der ist 20 Jahre. Da fragt sich jeder: Wie kann der nach Osnabrück wechseln? Der hat 16 Tore in der Oberliga gemacht und 28 oder 29 vorbereitet – ein wirklich sehr, sehr guter Vorbereiter, ein richtig guter Linksfuß. Der kommt, weil wir uns schon seit September um den gekümmert haben. Oder Ndjeng, 25 Jahre, hat in der 2. Liga eine wirklich gute Serie gespielt, sich richtig gut entwickelt. Den wollten wir ja schon vor eineinhalb Jahren haben. Und die Spieler haben dann auch in den Gesprächen gemerkt: Die wollen in Osnabrück was aufbauen, da kann man unter positivem Druck Fußball spielen, sich weiterentwicklen und sich weiterempfehlen.

Wenn die Mannschaft sich draußen vor dem Spiel warm läuft, dann ist der Trainer nie dabei. Was machen Sie eigentlich so kurz vorm Spiel?

Das ist ein gewisses Ritual, mit dem ich in Krefeld angefangen habe. Damals spielten wir das erste Meisterschaftsspiel gegen Holstein Kiel. Ich bekam vom Betreuer die Aufstellung von Kiel. Da ich die in der Vorbereitung schon mehrfach beobachtet hatte, bin ich dann alle möglichen Eventualitäten durchgegangen: Was passiert, wenn der oder der eingewechselt wird? Was passiert bei diesem oder jenem Ergebnis? Und das habe ich dann auf mehrere Taktik-Zettel geschrieben, wie ich dann reagieren werde, damit ich in der Situation nicht lange überlegen muss. Das hat letztlich so viel Zeit eingenommen, dass die Spieler schon wieder reinkamen, als ich gerade damit fertig war. Seitdem gehe ich nicht mehr raus. Sicher auch, weil ich kein Trainer bin, der beim Warmmachen nochmal zu jedem Spieler hingeht, mit ihm redet, spüren will, ob er denn wirklich voller Leidenschaft ist, genug Spannung hat, um gut Fußball zu spielen. Damit würde ich die nur verrückt machen. Ich möchte die alleine lassen. Sie sollen sich so warm machen, wie sie das meinen. Damit bin eigentlich bisher gut gefahren. Sich da draußen hinzustellen und zu gucken, ob der eine drei Sprints oder vier Sprints macht, ich glaube das ist es nicht.

Wie immer in VfLog-Interviews sind Sie nun aufgerufen, einige kurze Satzanfänge zu beenden. Wir beginnen einfach!


11. Fußball ist...
...die schönste Nebengeschichte der Welt.

10. Nur in Osnabrück...
...(denkt nach, wiederholt "Nur in Osnabrück") muss ich erstmal schieben, darauf antworte ich gleich.

9. Manchmal beneide ich Arminia Bielefeld um...
...ich beneide keinen Verein, und ich beneide auch keine Menschen.

8. Am meisten gelitten habe ich in den letzten Jahren, als...
...ich leide nicht, weil ich mir das alles selbst ausgesucht habe. Ich bin manchmal enttäuscht über gewisse Sachen, die passieren, aber leiden tue ich nicht.

7. Am meisten gefreut habe ich mich...

...(denkt lange nach) dass Klinsmann jetzt den Erfolg hatte, den er sich gewünscht hat, den er sich hart erarbeitet hat und dass viele sich jetzt in den Allerwertesten beißen müssen, die ihn kritisiert haben. Das war nicht unter der Gürtellinie, sondern noch viel tiefer.

6. Meine am meisten unterschätzte Eigenschaft...
...ich weiß nicht, wer was bei mir unterschätzt. Was mich ein bißchen ärgert, ist eben, dass viele meinen, dass ich nur ein Motivator bin. Motivation gehört zum Job, klar. Ich glaube aber, dass die Leute, die sehr eng mir mir arbeiten, auch sehen, dass ich sehr akribisch bin und sehr gewissenhaft und immer top vorbreitet, sowohl auf das Training als auch auf den Gegner.

5. Wenn ich Freunde zu mir einlade, koche ich am liebsten...

...ich kann leider nicht kochen, ich bin dann für den Wein zuständig. Ich glaube, davon ein bißchen zu verstehen. Das Kochen überlasse ich meiner Frau, was sie sehr, sehr gut macht.

4. Mit Borussia Mönchengladbach verbinde ich...

...nicht viel, freue mich aber trotzdem, dass Jupp Heynckes dort Trainer geworden ist. Obwohl ich die Arbeit von Horst Köppel, also das, was ich aus der Ferne beobachtet habe, sehr geschätzt habe. Er hat die beste Saison nach dem Aufstieg gespielt, und damit hätte man ein bißchen fairer umgehen können. Aber Heynckes ist ein Fachmann. Ich glaube, dass er Osnabr… ääh Borussia Mönchengladbach ein bißchen weiter nach oben führen kann. In Gladbach - mit dem auch sensationellen Publikum, dem fantastischen neuen Stadion, dem fantastischen Umfeld und mit der Tradition - ist das der richtige Mann am richtigen Ort.

3. Der VfLog darf sich künftig mit meinem Zitat schmücken, dass...
...ich ein sehr netter Gesprächspartner war. (grinst)

2. In 10 Jahren ist Osnabrück...

...ja, dann hoffentlich da, wo die Leute den Verein gerne sehen würden.

1. In 10 Jahren bin ich...

...also, ich gucke jetzt auf die Saison 2006/2007, und da bin ich aktuell Trainer vom VfL Osnabrück.

Jetzt müssen wir die geschobene Frage 10 noch nachholen: Nur in Osnabrück...
...(denkt wieder lange nach, raunt "is ’ne schwierige Frage", wiederholt nochmal "Nur in Osnabrück...", lacht, zetert) Was ich auch sage, werde ich dann natürlich auch immer eingeschenkt bekommen in den nächsten Jahren. ‚Da hat er das gesagt, und so hat er das gesagt.’ Da muss man ja vorsichtig sein heutzutage, und ääh... (zetert weiter, "Nur in Osnabrück...") Ist für mich jetzt echt schwierig zu beantworten, muss ich ehrlich sagen. Tut mir leid.

Auch kein Problem. Herr Wollitz, vielen Dank für das Gespräch.

Dienstag, 18. Juli 2006

zeichner gesucht: käptn panther und hein kess

Die neue Saison naht, und auch wir möchten neu werden, noch neuer, als wir es eh schon sind. Jetzt wollen wir die Multimedia-Möglichkeiten des Internet noch besser ausschöpfen und fangen ganz behutsam an: mit Bildern.

Alle, die zeichnen können, sind aufgefordert, uns einen Entwurf für die Hauptfiguren einer neuen VfL-Comic-Serie zu malen. Im Mittelpunkt steht ein freundlicher, kompetenter Erfolgstrainer mit Namen "Hein Kess", in allen Lebenslagen unterstützt von "Käptn Panther". Die schönste Einsendung wird prämiert. Also her mit den Skizzen an comic@vflog.de.

Montag, 17. Juli 2006

"mit der auswärtsbilanz steigst du normalerweise ab!"

Der dritte Teil des VfLog-Interviews mit VfL-Coach Claus-Dieter Wollitz. (Teil 1 | Teil 2 | Teil 4)

Vergangene Saison ist einiges nicht so gelaufen, wie sich das alle beim VfL vorgestellt haben. Sie haben schon eingestanden, dass auch Sie Mitschuld daran tragen, beispielsweise weil Sie sich bei den Neuverpflichtungen verschätzt haben. Wie kann das passieren, dass gleich ein paar Spieler, die dazukommen, nicht die Leistung bringen, die man sich vorstellt?

Ein paar Spieler ist ja vielleicht ein bißchen hochgegriffen. Es waren drei Spieler: Florian Heidenreich, Marcus Wedau und Shergo Biran. Wir hatten vorher eine intakte Mannschaft, die sehr, sehr gut gespielt hat. Dann sind wir davon ausgegangen, dass wir nur noch auf einigen Positionen ergänzen müssen. Das hat dann einfach nicht gepasst. Ich trage dafür die Verantwortung, ich habe kein Problem damit. Von zwei Spielern haben wir uns schon getrennt: Von dem Biran, der eigentlich nie richtig gespielt hat für den VfL, der uns betrogen hat bei der Vertragsunterschrift, weil er eine Verletzung nicht gemeldet hat. Und von Marcus Wedau, der hier nie seinen Rhythmus gefunden hat. Er hat sich nie so richtig frei machen können von dem Druck. Bei Florian Heidenreich setze ich jetzt eben auf das zweite Jahr. Er hat ja ein gewisses Potenzial. Nur das Potenzial alleine reicht nicht. Um sich zu entwickeln, muss der Spieler auch mitarbeiten. Das kann nicht nur vom Trainer ausgehen, da muss eben auch der Spieler mitmachen wollen und seinen Teil beisteuern.

Wieso haben die, die fit waren, trotzdem so enttäuscht?

Weil ich keine Alternativen hatte. Die Spieler sind ja alles Superjungs und herzensgut, aber wenn sie keinen Druck haben und nie mit Konsequenzen rechnen müssen, nach schlechten Spielen auch mal auf die Bank oder auf die Tribüne zu kommen, dann hast du keine Möglichkeiten mehr. Eine Eigenmotivation haben die wenigsten Spieler. Sie brauchen immer das Wissen: "Oh, das ist mein Konkurrent. Wenn ich jetzt diese Woche nicht gut trainiere und der trainiert sehr, sehr, sehr gut, dann spielt der." Darauf haben wir jetzt versucht zu reagieren, wir haben den Kader breiter gemacht, ich finde auch in der Breite stärker. Es gibt mehr Alternativen, und das war die einzige Konsequenz aus dem letzten Jahr, die man ziehen konnte.

Was war der Punkt, an dem Sie in der letzten Saison selbst gemerkt haben, dass es nicht mehr weiter nach oben geht, sondern Sie vielmehr aufpassen müssen, nicht unten rein zu geraten?

Das war schon in der Winterpause mein internes Ziel mit der Mannschaft, weil ich eine Tendenz schon in der Hinrunde gesehen habe. Ich gewinne als Spitzenmannschaft zu Hause, dann verliere ich nicht jedes Mal auswärts. Das ist eine Tendenz, die spürt man, die riecht man. Das habe ich auch intern gegenüber dem Vorstand angesprochen. Ich habe schon relativ früh im September/Oktober erkannt, dass gewisse Spieler nicht bereit sind, ohne Druck und ohne Konsequenzen alles aus sich herauszuholen. Die, die mit angepackt haben, das waren sehr wenige. Viele andere waren verletzt. Ein Nouri ist für diese Mannschaft VfL Osnabrück, selbst jetzt noch, schwierig zu ersetzen, weil er für die Regionalliga außergewöhnliche Qualitäten besitzt, allein vom läuferischen und weil er in beide Richtungen spielen kann - nach vorne, aber auch sehr, sehr konsequent und sehr mannschaftsdienlich nach hinten. Jetzt bei der WM hat man das auch bei der Nationalmannschaft gesehen, mit Frings und Ballack, um nur mal das Mittelfeld-Zentrum zu nennen. Die gestalten das Spiel nach vorn, arbeiten aber auch sehr konsequent in der Defensive. Das konnten wir in der vergangenen Saison nicht. Und hinten konnten wir auch nicht den Ausfall von de Jong kompensieren. Dann ist uns noch der Torwart acht Spiele wegen eines Virus' weggefallen. Naja, das alles hat man dann irgendwann gespürt, und dann muss man einfach sagen: So schlimm wie es ist, aber der 10. Platz ist ok – mit der Auswärtsbilanz steigst du normalerweise ab. Das ist die Wahrheit, das ist schon ganz anderen Vereinen passiert. Nur das will in Osnabrück sowieso keiner wahr haben. Ich kann das ja sogar nachvollziehen, weil der Anspruch hier immer hoch ist. Ich finde, der Anspruch soll auch hoch sein, trotzdem aber muss man auch mit Niederlagen umgehen können.

In Ihrem ersten Jahr hier spielte die Mannschaft viel begeisternderen Fußball als in der letzten Saison. Da gab’s ganz oft diese Diagonalpässe aus dem defensiven Mittelfeld in die Spitze, die das Spiel dann ganz schnell machten. Diese Art zu spielen kam mit Ihnen nach Osnabrück. Warum gab es das in der letzten Saison gar nicht mehr?

Das hängt erstens zusammen mit Unbekümmertheit und mit Selbstvertrauen. Außerdem braucht man dafür eben die Vorbereiter für diese Situationen. Und da sage ich: Wedau nie richtig angekommen, Björn Joppe leider immer neben sich gestanden, Nouri nie da gewesen. Dann ist das Kreative schon weg. Diese Spielsituationen können nur gewisse Leute herbeispielen und vorbereiten, andere Spieler mit anderen Qualitäten können das nicht. Ich habe das auch oft genug gesagt, aber das möchte dann vielleicht keiner hören: In einer Fußballmannschaft muss die Balance stimmen, und wenn die Balance nicht stimmt, kann ich solche Spielsituationen nicht einmal trainieren. Wenn ich über Monate mit zwölf oder dreizehn Mann trainiere und ich spiele 6 gegen 7, kann ich das nicht trainieren. Ich kann natürlich 11 gegen 2 spielen, aber das bringt nichts. Da brauche ich 20 Leute oder wenigstens 18, um was zu stellen. Ich muss versuchen, sehr, sehr spielnah zu trainieren, damit ich diese Situationen dann auch am Wochenende spüre, wenn der Gegner dabei ist. Sonst fehlt hinterher einfach die letzte Spielkonsequenz, um dieses Tempo gehen zu können, das wir im ersten Jahr unglaublich gespielt haben und wofür wir überall gelobt wurden. Dafür fehlte in der letzten Saison einfach diese Kompaktheit der Mannschaft, und das wiederum hängt auch mit Fitness zusammen. Diese Fitness erarbeite ich mir aber auch im Training in spielnahen Situationen. Die erarbeite ich mir nicht, wenn ich zehn Mal um den Platz laufe. Dafür brauche ich eine gewisse Anzahl an Spielern beim Training, und die hatte ich leider nicht.

Sie haben sich außerdem sehr beklagt über die mangelnde Gefahr bei Standardsituationen. Der Ball ruht, das ist eigentlich die einfachste Möglichkeit, den Ball gefährlich an den eigenen Mann zu bringen. Wie genervt ist man da, wenn das immer wieder scheitert?

Da sagen Sie was, was auch ich sehr, sehr schwer nachvollziehen kann. Das ist eine Situation ohne Gegenspieler, normalerweise also ein Vorteil. Die meisten Spiele werden heutzutage durch Standardsituationen entschieden, weil die meisten Mannschaften auf Augenhöhe spielen und sich nur durch Kleinigkeiten unterscheiden. Das ist eben auch eine Sache von Konzentration, von Wille, sich dann auch im Training gewisse Sachen zu erarbeiten. Aber wenn ich im Training schon den Ball nicht über den ersten Pfosten kriege, wie soll ich ihn denn dann im Meisterschaftsspiel über den ersten Pfosten kriegen? Da spreche ich ja die ganze Zeit von: Wenn ich mit Konsequenzen nicht rechnen muss, dann tut sich nichts. Ich kann nicht einen Jan Schanda eine Ecke schlagen lassen oder ich kann nicht Wolfgang Schütte Freistöße schießen lassen. Die haben andere Qualitäten. Die anderen Spieler haben einfach in ihren Standardsituationen nicht das gebracht, was man bringen muss, um in der Regionalliga oben in der Tabelle mitzuspielen. Jetzt habe ich versucht, darauf zu reagieren. Ich denke, dass mit Bilal Aziz aus der Oberliga ein sehr, sehr guter Servicespieler dazugekommen ist, dazu Cartus, dann hoffe ich natürlich, dass Nouri jetzt relativ zügig zurückkommt, dann hätten wir drei. Dave de Jong kann das auch, dann hätten wir irgendwann mal vier, und das wäre ganz beruhigend. Ich bin ganz zuversichtlich, künftig das ein oder andere Spiel auch mal über eine Standardsituation zu gewinnen, eben mit gewissen Kopfballspielern und auch mit Spielern, die bereit sind, dahin zu gehen, wo du natürlich auch mal Ellbogen abkriegst - die verteilen wir übrigens auch. Wir haben glaube ich in der Saison 2004/05 48% der Tore aus Standardsituationen erzielt, letzte Saison lag die Quote bei 11%. Das sagt alles aus. Ich war früher ja selbst ein Mann des ruhendes Balles. Da kann man gar nicht nachvollziehen, was daran so schwer ist.

Lesen Sie Mittwoch im letzten Teil des Interviews, warum Osnabrück besser ist als St. Pauli, was Wollitz ganz kurz vorm Spiel macht und warum er Arminia Bielefeld um nichts beneidet.

Sonntag, 16. Juli 2006

traumlos

So ungelenk Claus Lufen die Sportschau auch moderierte: Die Auslosung der 1. DFB-Pokalrunde hätte besser nicht laufen können. Der eine VfL darf nach Rossbach reisen. Interessanter aber: Der andere VfL empfängt Eintracht Braunschweig.

Möge das ganze Land sensationslüstern nach St. Pauli (gegen Bayern) oder Pirmasens (gegen Bremen) schauen. Was aber für ein Glück, dass dieser Kelch vorerst am VfL vorüber gegangen ist. Viele hatten sich in den vergangenen Tagen Braunschweig gewünscht und vom guten alten Niedersachsen-Derby geträumt. "Bitte, bitte erstmal ein machbarer Gegner, der ein volles Stadion garantiert. Am besten Braunschweig. Danach, in einer möglichen 2. Runde, gern gegen einen großen Klub und ein zweites Mal kassieren!"

Das ist sehr klug, und darum ist Braunschweig das Traumlos! Weiter träumen ist aber auch erlaubt: Ein VfL-Derby wäre das wunderbarste Ereignis des Jahres!

Samstag, 15. Juli 2006

auswärtssieg!

Borussia gewinnt 5:1 in Wegberg. Ich hab ein gutes Gefühl!