Donnerstag, 17. November 2011

in eigener sache #13: entfremdung

Der Prozess hält unübersehbar schon länger an, und zwischenzeitlich schien es gar, als sei das Schlimmste überwunden. Aber das ist nicht so. Im verflixten sechsten Jahr hat es uns erwischt: Derzeit läuft nicht mehr viel, unsere Beziehung zum VfL liegt einigermaßen auf Eis, und wie das immer so ist, haben beiden ihren Anteil daran. Unsereins vermag es dieser Wochen und Monate nicht mehr wie in den Jahren zuvor, Enthusiasmus aufzubringen für Lila-Weiß, ohne zu wünschen, dass auch etwas zurückkommt; und Lila-Weiss, nun ja, gibt eben nichts ansatzweise Heimeliges, Sympathisches zurück. Dabei müssten es Siege, so hilfreich sie wären, gar nicht sein, so erfolgsverwöhnt und vermessen waren wir nie.

Wie es soweit kommen konnte, dass sich eine Anspruchshaltung entwickelt hat, gegen die wir bisher immer so notorisch angeschrieben haben, wird sicher Thema in einem ersten Therapiegespräch sein. Solange aber können wir sie nicht leugnen. Allein der Zeitpunkt dieses geballten Kummers kommt dann doch überraschend: Denn nachhaltig erfolgreich war der VfL mit seiner Fußball-'Strategie' die letzten 25 Jahre nicht.
Peinliche Niederlagen, zuletzt eben gegen einen Fünftligisten im Pokal, gehören hier seit jeher zum guten Ton; Spieler und Trainer - mit Ausnahme von Jahrhundertcoach Wollitz - begreifen den Klub zumeist als Durchgangsstation und müssen das auch, so wie man mit ihnen umgeht; und das Kunststück, ein kalkuliertes Saison-Plus von 510.000 Euro in ein Minus von 40.000 Euro zu verwandeln, wohlgemerkt in einem Jahr in der 2. Bundesliga, reißt in Osnabrück auch keinen mehr vom Hocker. Das alles ist nicht wirklich neu. Nehmen wir die derzeitige Beziehungskrise vorerst also als etwas ganz Normales, was vorkommt und wieder geht. Bis dahin gibt es hier eben nur dann etwas vom VfL zu lesen, wenn sich das beiläufige Interesse doch einmal Gehör verschaffen will.

Wem es ähnlich geht und wer sich lieber mal mit was Anderem beschäftigen will: Zu viel Frohsinn führt in unserer Redaktion gerade
a) das famose Unplugged-Album von Udo Lindenberg,
b) die amerikanische Cop-Serie "24" (die wir seinerzeit, als sie neu war, klugerweise gemieden hatten),
c) eine Kreuzfahrt auf die Bermudas oder
d) ein Besuch auf der Trabrennbahn.
Probieren Sie es doch einfach mal aus!

Mittwoch, 28. September 2011

hinterher

Sieben Spieltage sind ins Land gezogen, dies hat unser Leser Ingo zum Anlass genommen, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Doch was soll man als Maßstab nehmen? Die letzte Saison? Dann kann man nicht bilanzieren, sondern nur fortwährend jubilieren. Ingo hat ein hohes Maß an Kompetenz und Fingerspitzengefühl bewiesen, denn er hat unsere eigene Prognose als Vergleichsgröße herangezogen, die wir -- überschrieben mit einem fröhlich-optimistischen "nein! (bzw. hurrah!) -- nach dem Sieg in München angestellt hatten.

Auch wir wollen noch einmal unsere Prognosen im Lichte der letzten Spiele beäugen und fragen uns: Ist man hinterher (nach 7 Spielen) wirklich schlauer als nur hinterher (nach einem Auswärtssieg bei Bayern)?

"1. Nein, Gladbach wird 2012 nicht deutscher Meister."
Dieser Satz erscheint uns nach wie vor richtig, angesichts der Performance des Rekordmeisters in den letzten sechs Spielen fast noch richtiger als an Spieltag 1. Leider.

"2. Nein, nach so einem Auftakt ist ein Euro-League-Platz nicht Pflicht."
Auch gegen diesen Satz bleibt nichts einzuwenden. Auch wenn Lucien Favre nach dem Nürnberg-Spiel erstmals nicht sein bisheriges "Das-wird-eine-ganz-ganz-schwierige-Saison"-Mantra angestimmt hat. Pflicht ist Klassenerhalt. Alles andere ist Kür, wobei die Chancen steigen, dass wir eine beachtliche Kür aufs Eis legen.

"3. Nein, in dieser Saison ist ein einstelliger Tabellenplatz keine Selbstverständlichkeit."
Siehe oben. Allen Euphorikern sei leise "Eintracht Frankfurt" ins Ohr geflüstert. Die waren in der letzten Saison zur Winterpause Siebter, und wähnten sich zwischenzeitlich auch im Rennen um internationale Plätze. Wo sie heute zu finden sind, weiß jeder, der Gladbach in der letzten Saison im Abstiegskampf begleitet hat...


"4. Nein, Lucien Favre ist kein Hexer (den man bei Erfolg verehrt und in ein paar Monaten womöglich verbrennen möchte)."
Nun, dass Lucien Favre kein Hexer ist, da sind auch wir uns mittlerweile nicht mehr ganz so sicher. Aber dass man ihn nicht verbrennen sollte, auch wenn mal mehr als nur zwei, drei Spiele einmal nicht so laufen werden -- und die Zeit wird kommen --, dass bleibt nach wie vor richtig.

"5. Nein, wenn wir gegen Stuttgart zu Hause verlieren sollten, ist nicht alles hinfällig, was dieser Sieg heute angedeutet hat."
Gegen Stuttgart verlieren? Wir?? Lächerlich!!!

Dienstag, 27. September 2011

2 verpasste tore

Wie durch meine den korsischen Funklöchern abgetrotzten SMS unseren treuen Lesern bekannt ist, habe ich einen großen Teil des Septembers fernab vom Trubel der Bundesliga verbracht. Brenos Haus brennt, Oenning gefeuert, Rangnick zurückgetreten? Ich war wandern oder am Strand.

Das Einzige, was mich betrübte, war, dass ich dem VfL nicht so intensiv frönen konnte wie sonst. Doch auch hier lief alles bestens: Mir zuliebe hat Borussia während meiner Abwesenheit gegen Kaiserslauten und den HSV sechs Punkte eingefahren, also das maximal Mögliche, und dies mit nur zwei Toren. So muss ich wenigstens nicht stundenlang vor Youtube suchen, um wieder auf dem Stand zu sein. Zwei Tore, die hat man schnell aufgeholt.

Als es dann am Samstag gegen Nürnberg ging, saß ich schon wieder -- zwischen Koffern und dreckiger Wäsche -- vor dem Fernseher. Leider hatte ich wohl vergessen, den Fohlen Bescheid zu sagen. Erneut gab es "nur" ein 1:0, dabei hätten es nun meinenthalben auch das 3:0 werden können, das ebenso locker drin gewesen wäre. Diesmal habe nicht ich zwei Tore verpasst, sondern Reus & Co, mindestens -- anscheinend übte der grün-schwarz-weiße Sturm sich nach wie vor mir zuliebe in Zurückhaltung.

Nun, hiermit ist meine Rückkehr offiziell verkündet. Gegen Freiburg können wir also wieder auf mehr Tore hoffen. Falls die nicht neuerdings mit dem Papst im Bunde stecken -- oder der Mannschaftsbus von Borussia in den badenser Bächle hängenbleibt...

Montag, 19. September 2011

absage

Unsere lieben Freunde vom HSV, Deutschlands Rekordmeister und Aushängeschild im international Spitzenfußball, wenn nicht immer irgendetwas schief liefe und sich alle gegen den Klub verschwörten und nicht immer so viele verletzt wären und der Fußballgott und so, der Hamburger SV jedenfalls sucht mal wieder einen neuen Trainer. Manchem Übungsleiter fährt bereits der Schock in die Glieder. Weil VfL-Coach Uwe Fuchs sich verantwortlich fühlt für seinen Co-Trainer und dessen fachliches Vorankommen, stellt er heute frühzeitig klar: "Wir haben am Samstag ein Spiel gegen Unterhaching, und da sitzt Alexander Ukrow neben mir im Zug und fährt auch wieder mit zurück."

Sonntag, 18. September 2011

krankmeldung #2

Martin hatte sich zuletzt wegen "mentaler Erschöpfung" nach Korsika begeben. Er wird dort zwar immer noch stationär behandelt, doch die neue Kurznachricht, die er uns schickt, lässt hoffen: Er ist anscheinend zurück in dieser Welt. Ein zweiter Hans Castorp wird er nicht. Seine SMS im Wortlaut:

"Viel Wandern. Der Guide (T9 denkt: Guido) mahnt: 80% aller Unfälle passieren auf dem Rückweg vom Gipfel. Und: Der Abstieg fordert völlig andere Muskeln als der Web nach oben. Leider ist oben bleiben in der Regel keine Option, auch wenn der Ausblick sagenhaft ist."

Mittwoch, 14. September 2011

stille anteilnahme

So schnell geht das, da bläst der VfL schon wieder zum Angriff auf die Spitzengruppe. Das 2:0 in Heidenheim, souverän und geräuschlos eingespielt, lässt Osnabrück nach dem eher verschlafenen Saisonstart fast schon wieder versöhnlich dastehen, jedenfalls wenn die Mannschaft am Wochenende gegen Offenbach nachlegt. Das immerhin ist dankbar: In dieser Liga der grauesten Mäuse geht es aus Mangel an dominierenden Klubs recht schnell von unten nach oben und umgekehrt.

Die Gewinner von gestern sollen ruhig jubeln, es sind allen voran Doppeltorschütze Gerrit Wegkamp und Trainer Uwe Fuchs, der ein schlagkräftiges Team auf die Arbeitseinheit in Heidenheim gut vorbereitet hat. Wer nun aber eine sich findende Spitzenmannschaft gesehen haben will, möge das bitte für sich behalten. Wir freuen uns lieber gleichmütig, still und mittelmäßig über einen kleinen Fortschritt, statt vom nächsten 0:1, angespornt von allzu hohen Erwartungen, wieder allzu sehr enttäuscht zu werden. Das ist allemal gesünder.

Montag, 12. September 2011

im gleichschritt

Die beiden VfLs gehen süß wie Verliebte im Gleichschritt voran. Osnabrück und Gladbach siegen beide 1:0 nach überschaubar sehenswerten 90 Minuten Arbeitsfußball und weisen beide 10 Punkte auf. Gut, Osnabrück brauchte dafür zwei Spiele mehr, aber so ist das mit kleineren Geschwistern: Für dieselbe Strecke brauchen sie eben ein paar mehr Schritte.
Auch, was die Gesamtsituation angeht, dürften sich die beiden VfLs mittelfristig annähern: Gladbach wird nicht Dritter bleiben und Osnabrück nicht Dreizehnter. Hohe, womöglich absurd hohe Erwartungen werden sie damit wohl beide enttäuschen.

Samstag, 10. September 2011

derby

Es gilt wieder als chic, Preußen Münster zu Auswärtsspielen zu begleiten. Das liest man dieser Tage, und sollte das stimmen, hätte der Klub binnen weniger Jahre imagemäßig eine tatsächlich bemerkenswerte Kehrtwende hingelegt, vergleichbar mit dem Trainerwechsel in der Nationalelf von Völler zu Löw, nur dass Münster zuvor noch nicht einmal erfolgreich gespielt hat. Zu Zeiten, in denen der VfLog noch in Münster beheimatet war, galten die Preußen extremen Masochisten als Sammelbecken. Und viele von denen mochten auch gerne hirnlosen Scheiß erzählen und Bussscheiben einschlagen. Wenn sich das alles geändert haben sollte, könnte das Derby heute sogar Spaß machen.

Es ist immerhin mal wieder was los, wenn der VfL Fußball spielt. Die vier Partien gegen Münster und Bielefeld sind in einer sonst beispiellos unattraktiven Liga deshalb die einzigen richtigen Feiertage, an denen sich viel Kredit gewinnen und verlieren lässt. Aus dem Heimspiel gegen Bielefeld vor fünf Wochen ist der VfL "plus/minus Null" rausgegangen. Seitdem hat das Team um Uwe Fuchs nicht viel eingezahlt auf das Konto "Lust und Leidenschaft der Anhänger", das es doch so dringend prall füllen muss, damit auch die anderen Rechnungen des Klubs aufgehen. Sollte der VfL nachher gewinnen, würde das zwar auch nur drei Punkte, aber einen ungleich üppigeren Vorschuss auf jenes Konto bringen; im Falle einer Niederlage dürfte vielen Fans die Spendierlaune bis zum nächsten Feiertag vergehen.

Weit davon entfernt, das Leistungspotenzial und die Perspektive der Mannschaft auch nur annähernd einschätzen zu können, hoffen wir also auf eine neue Welle der Begeisterung. Nur auf den ersten Blick bringt das nichts Zählbares.

Freitag, 9. September 2011

spitzenmarmelade und noch ein saisonstart

Was soll man groß sagen: Wir waren über Wochen, über Monate so siegestrunken, dass wir das sensationelle Endergebnis der VftabelLe aus der Saison 2010/11 nicht so einfach auf Null setzen wollten! Um ein Haar hätten Gladbach und Osnabrück bekanntlich den Gang in die Bedeutungslosigkeit antreten müssen, besonders Lila-weiß schwebte bis zuletzt in akuter Abstiegsgefahr. Nur dank der tatkräftigen Hilfe unserer treuen Leser konnten mit Pirna-Copitz und Oker zwei VfLs gefunden werden, die die Rolle als Absteiger noch überzeugender spielen sollten als Osnabrück. Dafür noch einmal: danke! Das Zeugnis dieses Kraftaktes war nun über eine lange Zeit Mahnmal und Ansporn zugleich: So etwas soll es nie wieder geben!

Die VftablLe, rechts auf dieser Seite, hat ihrem Ruf als stärkste Liga der Welt mal wieder alle Ehre gemacht: Nie war das Titelrennen spannender, nie der Abstiegskampf dramatischer! Adé sagen wir nun nicht nur Pirna-Copitz und Oker, auch der VfL Sassenberg, vier Jahre lang fester Bestandteil der Crème de la Crème des Weltfußballs, muss weichen. Durchschnittlich 0,78 Punkte waren am Ende zu wenig. Vielleicht gibt es im kommenden Jahr ein Wiedersehen!

Unser aufrichtiger Glückwunsch geht in den hohen Norden, in die Marmeladenstadt Bad Schwartau! Der dortige VfL hat sich in einem spannenden Dreikampf gegen Jesteburg und Osnabrück II durchgesetzt. Im Schnitt 1,96 Punkte reichten in diesem Jahr, damit sich Bad Schwartau verdienter Meister und damit beste Fußballmannschaft der Welt nennen darf. Auch der Fußballgott, Schirmherr dieses Blogs, gratuliert: "Die Meisterschaft in der VftabelLe ist etwas besonders, das viele von Ihnen vielleicht nur ein Mal in Ihrem Leben erreichen werden. Erinnern Sie sich immer daran, wenn es einmal nicht so gut läuft! Und lassen Sie's jetzt ordentlich krachen!"

Nun aber geht es weiter, und alles steht wieder auf Null - beziehungsweise schon nicht mehr. Schließlich hat die aktuelle Spielzeit längst begonnen.
Neu dabei sind, Martin zuliebe, der VfL Neckerau - Martin lebt jetzt in dieser Region, da mag man ihm diese kleine Gabe gönnen. Und zurück im Kreise der Besten ist auf ausdrücklichen Wunsch von Marcus vom sympathischen Blog "18:48" der VfL Bochum, der vor zwei Jahren abgestiegen war.

Die VfLiga startet mit 16 Teams in die neue Saison, der Fußballgott hat aber bereits zugestimmt, noch zwei weiteren Mannschaften die Lizenz zu erteilen, wenn sie alle Voraussetzungen erfüllen. Es braucht dafür weder eine Liquiditätsreserve noch eine Rasenheizung; spielberechtigt sind alle VfLs, die an einem regelmäßigen Ligaspielbetrieb teilnehmen.
Eine kurze Mail an vftabelle@vflog.de reicht, ordentliche Bewerbungsunterlagen mit – wie üblich – Anschreiben, VfLebenslauf und möglichst auch Mannschaftsfoto machen natürlich einen besseren Eindruck. Der Fußballgott strebt eine Erhöhung des Frauenanteils in der VftabelLe an und fordert daher qualifizierte Frauen zur Bewerbung auf. Auch VfLs mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen, die die geforderten Qualifikationskriterien erfüllen, werden ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert.

Donnerstag, 8. September 2011

krankmeldung #1

Martin hat zuletzt viel gearbeitet für unseren kleinen Familienblog. Jetzt hat es ihn erwischt: Wegen "mentaler Erschöpfung" hat er sich nach Korsika begeben und wird dort stationär behandelt. Die Kurznachrichten, die er uns von dort schickt, zeugen von nichts Gutem: Das Krankheitsbild ist kompliziert, Martin leidet offenbar auch unter akuten Wahnvorstellungen. Seine SMS im Wortlaut:

"Gestern in einer kleinen Bar im korsischen Hinterland. Terrasse unter Bäumen, Blick in die endlose Macchia. In der Stube zeigen sie Frankreich gegen irgendwen. Vier, fünf alte Korsen schauen zu, es ist unklar, ob sie für oder gegen Frankreich sind. Am Ende steht es Nullnull, nur die Macchia hat in der Zeit schon wieder Land gewonnen."

Montag, 29. August 2011

saisonstart

So langsam gibt es keinen Grund mehr, sich nicht mit dem VfL auseinanderzusetzen. Der Urlaub ist endgültig vorbei, das Warten auf den Sommer nachhaltig müßig, und Gladbach ist nicht länger Tabellenführer. Osnabrück also.
Es gibt wahrlich dankbarere Aufgaben. All jene, die sich in diesen Wochen Leidenschaft für den VfL abringen, sind Jakobsweg-Wanderern oder Taizé-Pilgern jedenfalls keinerlei Respekt schuldig. Mit anderen Worten: Der letzte Text in unserem kleinen Familienblog, der sich mit dem lila-weißen VfL auseinandersetzte, ist 76 Tage alt. Es gibt, ehrlich gesagt, keine triftigen Gründe, daran jetzt etwas zu ändern. Aber es schadet ja auch nicht.

Trainer ist jetzt Uwe Fuchs. Spieler sind ein Haufen hoffentlich ambitionierter Kicker, die ich zum überwiegenden Teil nicht kenne. Das war vor zwei Jahren schon einmal so, und seinerzeit ist es dem Verein gelungen, den "Schnitt", wie er immer genannt wird, als Aufbruch zu verkaufen. Die Fans fieberten von Anfang an mit.
Dieses Mal nimmt sich der Schnitt erneut wie ein Axtschlag aus, doch weil man sich bekanntlich ungern zwei Mal auf dieselbe Weise betrügen lässt, fällt die Annäherung an die aktuellen Verhältnisse deutlich distanzierter aus. Bei allen legitimen Hinweisen auf schmale Budgets und übersteigerte Erwartungen: Wenn das selbst gesteckte Saisonziel "oben mitspielen" lautet und der VfL nach sieben Spielen mit sieben Punkten und ohne Heimsieg auf Tabellenplatz 15 verharrt, muss sich niemand schlecht fühlen, der sich samstagnachmittags ein schönes Wochenende macht statt ins Stadion zu gehen.

Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass sich all das wieder ändert, und damit meine ich nicht unbedingt den Tabellenplatz. Womöglich vermag auch ein runderneuerter VfL, der im Mittelfeld der 3. Liga spielt, zu begeistern. Doch das Streichholz, dessen Funke überspringen könnte, ist noch ganz tief unten in der Schachtel. Bis heute sind allemal Nuancen erkennbar.
Der neue Trainer Fuchs arbeitet immerhin sichtbar daran, die konsequent junge Mannschaft so Fußball spielen zu lassen, dass es den Anschein hat, es stünde ein System dahinter. Das letzte System war bekanntlich vor zwei Jahren nach Cottbus gewechselt. Aber eine mitreißende, hungrige Truppe, die mehr ist als zusammengewürfelt, ist allenfalls erahnbar. Das ist nicht einmal verwunderlich. Wer sich aber noch einmal vergegenwärtigt, wie arg geschäftig der VfL in der vergangenen Saison offenbar mit seinen Mitarbeitern umgegangen ist, darf sich berechtigte Sorgen machen, ob das Umfeld stimmt, um daran etwas zu ändern.

Bis Osnabrück nun zum Friedensgipfel gegen Münster antritt, gehen erst einmal noch paar mehr Tage ins Land. Es gibt Schlimmeres.

Mittwoch, 24. August 2011

danke, herr watzke!

Die Tinnitus-Attacke aus Hoffenheim u.a. gegen Fans des BVB überdeckt derzeit eine Debatte, die innerhalb der DFL intensiv geführt wird, aber in der Öffentlichkeit überraschend wenig diskutiert wird. Es geht um die Verteilung der Werbeeinnahmen der Liga zwischen den Vereinen. Auch hier läuft die Front u.a. quer zwischen Traditionsklubs wie dem BVB und "Werksmannschaften" wie den Hoffenheimern. BVB-Vorstand Hans-Joachim Watzke hat schon vor zwei Jahren einen neuen Verteilungsschlüssel gefordert. Nun hat er einen konkreten Vorschlag in der DFL unterbreitet, wie die Süddeutsche unlängst berichtet hat.

Für diesen Vorschlag kann man als Gladbach-Anhänger nur ein herzliches "Merci!" in Richtung falsche Borussia rufen. Denn er würde gerade Vereine wie den VfL deutlich besser stellen als bisher. Hintergrund der Überlegungen ist, dass nicht allein der sportliche Erfolg, sondern auch der "Markenwert" eines Vereins in den Verteilungsschlüssel eingehen soll. Klubs wie Hoffenheim, die zwar über einen gut gefüllten Geldbeutel, aber wenig Fans verfügen und in Sachen Zuschauerzahlen (im Stadion, aber auch bei Sky) stets am Ende der Tabelle rangieren, würden weniger Geld erhalten als bisher -- Traditionsvereine mit großer Bekanntheit und breiter Anhängerschaft wie Gladbach (aber wohl auch Kaiserslautern oder die lieben Nachbarn vom "F"C Köln) würden profitieren.

Das Interessante: Für Vereine wie Bayern oder eben den BVB würde sich kaum etwas ändern, denn die sind ohnehin durch ihren sportlichen Erfolg ganz oben bei der Verteilung der Fernsehgelder durch die DFL dabei.

Was soll man sagen? Merci, Herr Watzke! Hoffen wir, dass die DFL den Vorschlag annimmt und umsetzt.

Dienstag, 23. August 2011

vorne hinten überall

Haben wir schon erwähnt, dass Zeitunglesen viel mehr Spaß macht, seit Lucien Favre in Gladbach ist? Ach ja, hatten wir. Auch in dieser Woche fällt beim Blättern der einschlägigen Postillen Interessantes auf: Urheber des Erfolg gegen Magaths Exploit-Team ist vor allem Marco Reus (der Mann des Spieltags, laut Kicker). Bzw. Filip Daems (so die Rheinische Post, denn der "geht voran"). Bzw. Havard Nordtveit (findet die FIFA in einem Portrait auf fifa.com, der norwegische "Exportschlager"). Bzw. Favres "Verhüterli-Taktik" und die "geilste Abwehr aller Zeiten" (so die BILD). Bzw. der "büffelstarke Boba" Raul Bobadilla (wie der EXPRESS analysiert).

Was lehrt und das? Dass die zitierten Kollegen sich uneins sind, ja. Aber ausnahmsweise aus gutem Grund. Denn unter Favre spielt die gesamte Mannschaft nicht nur besser, sondern auch homogener, also im besten Sinne des Wortes als Team. Da fällt es leicht, immer gerade den zum Matchwinner zu erklären, von dem man gerade ein Interview ergattern kann. Denn stark sind auf einmal alle. Dieses Ergebnis ist auch ein interessanter Kommentar zur von Oliver "Ich weiß nicht mehr, was ich auf dieser Welt soll, seit ich keinen Fußball mehr spiele" Kahn angestoßenen Debatte um die Notwendigkeit von Führungsspielern ("Wir müssen über Hierarchien reden, und zwar nicht über flache.") . Klar, Führung ist wichtig. Aber im 21. Jahrhundert führt man auch im Fußball nicht mehr über Beißattacken. Jedenfalls, wenn man einen Trainer wie Favre hat.

Montag, 22. August 2011

VFiLosophie

Der Fußballgott, mit dem wir auf diesem kleinen Familienblog auf bekannt gutem Fuße stehen, ist ein entspannter Kerl. Die wöchentlich neu ausgerufenen Heilsfiguren scheren ihn nicht. Doch gut möglich, dass er in Lucien Favre einen wahren Propheten gefunden hat. Die mahnenden Hinweise, nach drei Spieltagen nicht in kindische Euphorie zu verfallen, werden da nicht etwa mit der Härte teutonischer Ratio untermauert, sondern mit einem Gefühl: "Ich spüre, dass es eine schwere Saison wird und wir um jeden Punkt kämpfen müssen". Weitere Statements aus der Pressekonferenz lesen sich weniger wie die Analyse eines Fußballspiels, als vielmehr wie ein Glaubensbekenntnis: "Jedes Spiel ist anders und jedes Spiel wird seine eigene Geschichte haben. Wir dürfen es nicht übertreiben. Es geht schnell im Fußball – genauso wie im Leben…"

Seit Jahren schon wird von jedem zwei Spieltage lang erfolgreichem Trainer behauptet, er habe eine ganz spezielle Philosophie. Max Eberl suchte gar dereinst in einem Opus Magnum von über 500 Seiten die Philosophie des VfL festzuhalten. Bisher jedoch war das meiste Philosophie-Gerede im Profisport eher trauriges Gewäsch, das bestenfalls aus Zitate-Sammlungen von "Goethe für Gestresste" bis "Philosophie für Dummies" zusammengeklaubt war. Klinsmanns Buddhas waren einer von vielen traurigen Höhepunkten dieser Welle.

Doch womöglich bricht nun wirklich eine Hochzeit einer neuen Liaison zwischen Philosophie und Fußball an. Intellektuelle wie Javier Marias haben schon lange das Tiefenpotential des Fußballs genutzt. Vielleicht kommt nun auch der Feingeist auf der Trainerbank zum verdienten Erfolg. Neben Favre ist auch Frankreichs Frauennational-Coach Bruno Bini ein Beleg für diese These. Von ihm stammen nicht nur so zeitlos-pragmatische Sätze wie dieser: "Wenn du Taler auf dem Konto hast, dann kriegst du auch Geld geliehen. Wenn du keine Taler auf dem Konto hast, dann kriegst du nix geliehen." Er war auch das bewundernswerte Beispiel von Gelassenheit, der nach dem Ausscheiden seines Teams verkündete: "Das Leben bleibt schön" und auf die Frage, ob er denn trotz der Niederlage stolz auf sein Team sei, erklärte: "Natürlich. Ein Trainer der nicht mehr stolz auf sein Team ist, muss gehen." Bini und Favre - von diesem Holz könnte der Fußball mehr vertragen.

Sonntag, 21. August 2011

das spielen der anderen

Ja, sicher. Auch wir, gerade wir auf diesem kleinen Familienblog wissen, dass der dritte Spieltag der dritte Spieltag ist und nicht der dreißigste. Wir werden auf dem Teppich bleiben, egal ob die nächsten drei Spiele genauso erfolgreich sind wie die ersten drei oder auch alle in die Hose gehen.

Aber allen völlig richtigen "Momentaufnahme"-, "Übermut tut selten gut"- und "Von drei Spielen können wir uns am Ende der Saison nichts kaufen"-Rufen zum Trotz möchten wir doch auf folgende Bilanz hinweisen:

1. Gladbach hat Bayern geschlagen. Die anderen Spiele des FCB gingen 5:0 und 1:0 aus.
2. Gladbach hat gegen Stuttgart einen Punkt geholt. Stuttgart hat in seinem Saisonauftakt 3:0 gewonnen.
3. Gladbach hat Wolfsburg deklassiert. Die Wölfe waren mit einem 3:0 in die Saison gestartet und hätten gegen den FCB mindestens einen Punkt holen können, wenn sie nicht um das Helmes-Tor gebracht worden wären.

Die aktuelle Momentaufnahme basiert also keinesfalls auf 3 Spielen gegen Abstiegskandidaten, sondern eher gegen einige der Big Names der Liga, die auch durchaus ihre Fähigkeiten schon zum Saisonstart demonstriert haben. Vor diesem Hintergrund darf man durchaus hoffen, dass Gladbachs Erfolge mehr als nur Zufall und Glück waren. Auch wenn wir am Ende der Saison sicher nicht mehr da stehen werden, wo wir heute noch in der Tabelle rangieren.

Samstag, 20. August 2011

fabelhaft

Ein junger Mann träumt von einer Reise in ein wunderschönes Land. Doch leider: Das Land liegt weit entfernt, fast unerreichbar, und es ist bekannt als teures Pflaster. Der junge Mann weiß, er wird dieses Land nur sehen können, wenn er eisern spart, sich Freuden versagt, fokussiert eine lange Zeit durchhält, um sich diese eine Reise dereinst gönnen zu können. "Per aspera ad astra", so murmelt er manchmal vor dem Einschlafen, wenn er mit einem Lächeln, die Augen schon geschlossen, sich wieder an seinen Sehnsuchtsort träumt.

Nach mehr als zehn Jahren ist einiges Geld gespart, und überraschend kommt noch ein kleiner Geldsegen aus ferner Verwandtschaft hinzu. Der junge Mann ist nicht mehr ganz so jung, doch er fühlt sich jugendlich, voll Tatendrang und bricht auf. Im wunderschönen Land angekommen ist er wie beseelt: Es ist wirklich alles schön. Berauschend, betörend und zauberhaft, fast besser noch als in seinen Phantasien.

Doch der Mann ist ein Grübler. Rasch schon steigt in ihm das Gefühl auf, dass er nicht an diesen Ort gehört, dies alles Freuden sind, die anderen gelten, nicht ihm, der es doch gewohnt ist zu darben und sich in der Entsagung fast schon behaglich eingerichtet hatte. Er hat gelernt, Freuden skeptisch gegenüber zu stehen. Jetzt auf einmal soll er zugreifen, genießen -- und das ohne Zweifel, ohne an morgen zu denken, an die unvermeidliche Rückreise!

Zunächst gelingt es ihm nicht. Zu unwirklich scheinen all die Höhepunkte, zu fremd und ungewohnt, zu deutlich ist die Erinnerung an die Askese, das Grau der letzten Jahre, zu bewusst die Gewissheit, dass all diese Schönheit vergehen wird, oder, schlimmer noch, erhalten bleibt, doch nicht für ihn, sondern für andere strahlen wird.

Der Mann grübelt und grübelt. Dann atmet er einmal tief durch, streckt sich, reckt die Arme in den Himmel und seufzt, kaum hörbar: "Ist das geil."

Freitag, 19. August 2011

asiatische schweiz

Seit Favre am Niederrhein in Amt und Würden ist, macht Borussia wieder richtig Spaß. Das liegt zum einen an Favre selbst, der höchste Kompetenz mit knuffigem Sympathentum vereint wie wenig Trainer in der Bundesliga außer ihm. Es liegt aber auch an den Nebeneffekten, die der Schweizer Trainer nach Gladbach gebracht hat.

Da wäre zum einen die mit dem sensationellen Klassenerhalt zurückgewonnene mediale Aufmerksamkeit, die dazu führt, dass die Fohlenelf nicht mehr als ewiger Möchtegern und Running Gag in den "Was machen die ruinierten Traditionsklubs denn so"-Spalten der Zeitungen rangiert. Die Süddeutsche brachte letzten Samstag einen Artikel über Gladbach in ihrer Wochenendbeilage. Fast jedes Blatt widmet dem Saisonstart der Borussia eine längere Betrachtung. Und selbst Ekelblätter wie der Express nehmen rundum unterhaltsame Passagen in ihre Zeitung, etwa wenn Ewald "Ihr kennt meinen Spitznamen" Lienen zitiert wird: "Gladbach sollte man immer auf dem Zettel haben."

Ein anderer Effekt ist aber noch bemerkenswerter, wir wollen ihn den "Asiatische Schweiz"-Effekt nennen. Bekanntermaßen lurgen diverse Bundesligisten seit Jahren neidvoll zu anderen europäischen Klubs, die mittlerweile beachtliche Anteile ihrer Einnahmen im boomenden asiatischen Fan- und damit Marketingmarkt verdienen. Ein kleines Trainingslager hier, die Verpflichtung eines einschlägigen Nationalspielers dort -- prompt schnellen Trikotverkäufe, Fernseheinnahmen und was noch alles in Fernost in die Höhe. Ja, manche asiatische Zeitung stellt dann gar einen Korrespondenten ab, nur um einen Spieler auf Schritt und Tritt in der großen Bundesliga zu begleiten.

Den analogen Effekt erleben wir nun auch. Nur, dass sich die lokalpatriotischen Wilhelm Tell-Kinder in Gladbach tummeln, um immer informiert zu sein, was das Landeskind Favre so in der Bundesliga erlebt. Jede Woche überschlägt sich die Schweizer Presse mit stolzgeschwellter Brust, mittlerweile finden sich sogar in der ehrwürdigen Neuen Zürcher Zeitung lange Stücke über die Heldentaten des Lucien Favre. Und die sind allemal lesenswert. Denn bekanntlich ist nicht nur die NZZ eine großartige Zeitung, sie pflegt auch die liebenswerte Schweizer Spezialterminologie, die nicht von "Eckball" sondern von "Corner", nicht von "Elfmeter" sondern von "Penalty" (aber ja nicht englisch aussprechen, sondern schön brav "Penn-nalti", als wäre es eine Babycreme) spricht und vieles mehr.

So lernen wir aus der Vorberichterstattung zum heutigen Kick, dass Wolfsburg ein "von Coach Magath kreierter (und zusammengekaufter) Exploit" sei, Magaths Zeit auf Schalke wird treffend als "burleskes Intermezzo" charakterisiert. So witzig und fein sind selbst SZ und FAZ auf ihren Sportseiten nicht alle Tage. Allein, wenn es um Favres Borussia geht, wird man ganz ernst und mitfiebernd, wenn man angesichts zahlreicher Verletzungen und Brouwers' Sperre "Wunschelf ade" verkünden muss. Nicht nur Borussia, auch das Zeitungslesen macht dank Favre wieder Spaß.

Donnerstag, 18. August 2011

skadal, die zweite

Nicht nur in Köln gehen die Wogen derzeit hoch. Auch in Hoffenheim leistete man sich schon früh seinen ersten Saison-Skandal. Offenbar seit längerem schon wird die Fankurve der Auswärtsmannschaft dort zwar nicht mit einer Fäkal-Attacke, aber doch mit Akustik-Terror gestraft, wann immer Schmählieder gegen die Hoffenheimer und vor allem gegen ihren Mäzen Dietmar Hopp angestimmt werden.

Schon dieses Vorgehen an sich ist bemerkenswert. Auf unserem kleinen Familienblog waren wir noch nie Fans von dümmlichen Gesängen und Beleidgungen. Wer in Sinsheim ins Stadion geht und keine originelleren Ideen hat, als Hopp als Abkömmling einer Prostitutierten zu verunglimpfen, der kann einem nur leid tun. Es gäbe so viel, das sich wirklich zu beleidigen lohnt: Das absolut idiotische Vereinslied ("Hoffe, Hoffe, wir sind Hoffe") zum Beispiel, das eindeutig die erste Übung in Akustik-Terror war, bevor man nun konsequent gleich in die Tinnitus-Schublade gegriffen hat.

Wirklich stutzig machen jedoch die Kommentare, mit denen sich Verantwortliche aus Hoffenheim nun in den Medien äußern. Natürlich will bisher niemand etwas bemerkt haben, keiner wusste von der Aktion des angeblichen Einzeltäters. Nun bekundet Dietmar Hopp, er wäre "todunglücklich", wenn der Verantwortliche seinen Arbeitsplatz in Hoffenheim verlieren müsse. Schon vor zwei Tagen befand Hopp, man solle "ja nicht vergessen, dass das nur eine Reaktion auf eine jahrelange Aggression war. Und der Mann hat halt noch irgendwo ein Gerechtigkeitsgefühl."

Aus Sicht eines der reichsten Männer Deutschlands ist es also "gerecht", dass eine ganze Fankurve in Sippenhaft genommen wird, wenn eine Gruppe unschöne, aber doch durchaus stadionübliche Schmähgesänge anstimmt. Dass dabei auch Nicht-Sänger betroffen sind und sich dem Tinnitus-Terror nicht ohne weiteres entziehen können, ist offenbar ein Kollateralschaden, den man vernachlässigen kann. Mit solchen Aussagen bestätigt Hopp erst das schlechte Image, das zumindest wir bisher von ihm gar nicht hatten.

Mittwoch, 17. August 2011

skandal, die erste

Unsere liebsten Konkurrenten aus der Domstadt hatten einen derart desaströsen Saisonauftakt, dass man sich als Gladbachfan schon nach zwei Spieltagen Sorgen machen muss, ob wir auch 2012-13 noch auf 6 Punkte gegen den "F"C hoffen darf. Kein Wunder, dass da mit manchem Anhänger des Geißbock-Klubs schon früh in der Spielzeit die Nerven durchgehen. Was der Kölner Boulevard euphemistisch "Fäkal-Attacke" nennt, lässt einen staunen: "F"C-Fans haben beim letzten Spiel mit Scheiße um sich geschmissen. Als Kommentar zum Spiel wäre dies noch durchgegangen, als Attacke auf andere Fans ist es doch ein Niveau, das in der Bundesliga bisher kaum gesehen ward.
In der aktuellen amerikanischen Vanity Fair lässt sich eine Reportage über die deutsche Wirtschaft, vor allem aber über die deutsche Seele lesen ("It's the economy, Dummkopf!"), der eine Faszination für alles Anale zugeschrieben wird. Ich habe den Text für idiotisch gehalten. Aber vielleicht war der Autor auch einfach nur in Köln zur Recherche?

Dienstag, 16. August 2011

die nummer vier

"Kein Mensch, kein Tier - die Nummer Vier!" Dieser Ausruf aus seligen Manndeckungszeiten ist in Zeiten spätmodernen Fußballs wohl vergessen und selbst auf die unter Favre sichtlich modernisierte Borussia passt der Spruch nicht. Eine klassische "Nummer vier", einen Wadenbeißer wie einst Terrier Vogts haben wir nicht mehr. Oder besser: wir brauchen sie nicht mehr, seit unter Favre das Abwehrverhalten der Fohlen so systematisch eingeübt worden ist, dass man das eigene Team kaum wiedererkennen mag. Auch gegen Stuttgart war es vor allem die Verteidigung, die Gladbach weitgehend souverän beherrscht hat, so dass die mit immerhin 3 Toren in die Saison gestarteten Schwaben verdientermaßen mit einem Unentschieden zufrieden sein mussten. So hat der Gladbacher Saisonstart doch der Nummer Vier eine Bedeutung gegeben. Vier Punkte, vierter Platz. Hoffentlich heißt es Freitag Abend: Vier gewinnt!