Sonntag, 25. Juli 2010

einwurf #6: petition für willi

Mit unserer Sommerpause ist es ja so eine Sache. Sie währt schon eine ganze Weile, aber kaum dass man mal die Klotten hinschmeißt, erinnert man sich erst recht an diejenigen, denen es so viel schlechter geht. Unseren Willi etwa. Das ist das kleine weiße Männchen im DFL-Logo, ein armer Mann, den die DFL seit langer Zeit gefangen hält. Wir haben viel probiert und alle Register der stillen Diplomatie gezogen, doch selbst der US-Sondergesandte Richard Holbrooke konnte nicht einmal eine Verbesserung der Haftbedingungen erwirken. Wir alle gemeinsam müssen weiter kämpfen! Schließen Sie sich deshalb dieser Petition an den DFL-Vorsitzenden Christian Seifert an! Unterschreiben Sie - und sagen Sie, wenn Sie mögen, Willi die besten Wünsche. Er freut sich immer so über Post!

Sehr geehrter Herr DFL-Vorsitzender Seifert,

wir begrüßen dankbar die Entschliessung des Europäischen Parlaments vom 14. Juli 2010, die auf die unverzügliche Freilassung des Ersten Sekretärs des Fußballgotts, Willi, aus der Gefangenschaft der DFL hinwirken möchte. Wir wenden uns an Sie mit der dringenden Bitte, dass Sie als Vorsitzender des GmbH im Namen der Deutschen Fußball Liga - und der Gerechtigkeit! - dieser Entschliessung sich anschliessen. Willi, der junge, weiße Mann in Ihrem - zugegeben - schicken Logo ist, wie Sie wissen, von einem Kommando der DFL entführt worden. Er wird seitdem - es sind jetzt zehn Jahre - gegen jegliches humanitäre Völkerrecht in Geiselhaft gehalten. Entgegen den internationalen Konventionen wurde ihm jeglicher Besuch von Außen verweigert. Auch Organisationen wie das Internationale Rote Kreuz hatten bisher keinen Zugang zu ihm. Das - mit Verlaub - menschenverachtende Verhalten der DFL muss als solches international geächtet werden. Auch Ihr Poker mit dem Fußballgott um einen Gefangenenaustausch hat jegliches internationale Recht gegen sich.

Wir bitten Sie, Ihr Gewicht in Sachen der Menschenrechte zur Unterstützung des Europäischen Parlaments in diesem Fall einzusetzen: Free Willi!

Für Ihre wohlwollende Prüfung unseres Anliegens danken wir Ihnen bestens.
Sincerely,
The Undersigned

Donnerstag, 22. Juli 2010

einwurf #5: keine rabatte, leider!

Liegengebliebenes aufarbeiten oder einfach selber liegen bleiben - dazu taugt unsere kleine Sommerpause. Doch kaum ist die Nacht vorbei, plagen einen die großen Niederlagen der letzten Saison: Zu gern etwa hätten wir unseren Lesern satt rabattierte Bundesligatickets angeboten. Dafür hätten wir, wieder einmal, auch unsere Seele verkauft und Werbung für eine irre gute Sache gemacht. Aber schon wieder hat es nicht geklappt. Lest selbst:

"Hallo", hieß es vor einiger Zeit in einer freundlichen Mail eines Herrn H. "Als ich das Internet nach interessanten Fußball-Blogs durchsuchte, bin auf deine Seite gestolpert und fand sie sehr unterhaltsam." (Nett, oder?) Herr H. ist, wie er schreibt, Redakteur einer Webseite, die Gutscheine und Rabattaktionen "des ganzen Internets" (Hut ab!) an einem Ort zu sammeln gesucht.

"Wir haben im Moment", kündet Herr H., "einen tollen Rabatt auf Bundesligakarten und dachten, es wäre vielleicht etwas, wofür sich deine Leserschaft interessieren würden." (Wenn wir das immr so genau wüssten.) Mit dem Gutschein jedenfalls sei es möglich, 10% Rabatt auf Bundesligakarten bei einem Online-Ticket-Dienst zu bekommen. Wenn wir noch Fragen hätten, dürften wir uns jederzeit melden, schreibt Herr H., ausweislich seiner Mail-Signatur nennt er sich "Site Editor".

Selbstverständlich ist das eine tolle Sache gewesen mit den Rabatten, trotzdem hatten wir noch eine Frage. Dies ist unsere Antwort:


Hallo,

danke für deine Nachricht, die mir von unserem Site-Editor leider erst spät weitergeleitet wurde. Sorry dafür. Dass du wegen eurer Bundesligakarten-Rabattaktion an unseren kleinen Familienblog gedacht hast, ist sehr freundlich.

Als grundsätzlich kritisches Verbrauchermagazin machen wir allerdings nur dann Werbung für Produkte und Dienstleistungen, wenn wir uns vorher von deren Seriosität und Qualität überzeugen konnten. Wie wäre es, uns zu Testzwecken zwei Tickets kostenlos zukommen zu lassen? Dann könnten wir uns so ein Bundesligaspiel mit Karten von XXX [des Online-Ticket-Dienstes] einmal ansehen.

Meld dich doch kurz, wie die Dinge stehen.
Viele Grüße,
Maik

--
Maik Gizinski
Senior Editor



Wir sind untröstlich. Herr H. hat sich nicht mehr gemeldet.

Montag, 19. Juli 2010

einwurf #4: neuzugänge

Unser Sommerpäuschen ist noch nicht zu Ende. Doch kaum sind drei, vier Wöchlein ins Ländchen gegangen, naht der nächste Anstoß im Hexenkesselchen. Da wird man sich doch kurz Gedanken machen dürfen um den Fortgang der Dinge.

"Viel hilft viel", lautet bekanntlich eine alte Apothekerweisheit, und wer, wenn nicht der VfL, wüsste davon ein Lied zu singen?! Zur vergangenen Saison vermochten es Manager und (neuer) Trainer gar, 16 Neuzugänge zu vermelden. Das konnte ja nur gutgehen. Entsprechend souverän ist das Team zurück in die zweite Bundesliga gestürmt.

Aber was für Drogen und gute Medikamente gilt, trifft eben auch auf neue Spieler zu: Sie sind teuer, und irgendwann fehlt das Geld, den Rausch weiter befeuern zu können. Das sind meist traurige, melancholische Momente, schließlich könnte alles so einfach und schön sein.
Zählen wir also: Benjamin Gorka, Innenverteidiger, und Manuel Riemann, Torwart, beide aus Burghausen, Sebastian Tyrala, Mittelfeld, von Dortmund II verpflichtet, Kristoffer Andersen, ebenfalls Mittelfeld, und Stürmer Nicky Adler aus Duisburg, und schließlich Altsternchen Momo Diabang (das ist nicht das Psychowrack aus der Lindenstraße!), Angreifer aus der schönsten Stadt der Erde, Wien. Macht sechs: Sechs Neuzugänge.

Um diese Statistik etwas zu schönen, zählen wir noch Alexander Krük (Abwehr) dazu, der zwar letzte Saison schon da war, aber eben nur als Ausgeliehener, und auch die drei Osnabrücker Jungprofis, denen, um die DFL-Regularien zu erfüllen, ein Profivertrag angeboten werden musste: Christian Pauli (Sturm), Daniel Latkowski (Mittelfeld) und Robin Twyrdy (Abwehr). Macht immerhin schon zehn. Und: Den neuen Co-Trainer Heiko Nowak lassen wir als Nummer Elf durchgehen. Das müsste doch reichen. "Oh wack'rer Apotheker, dein Trank wirkt schnell", sagt Shakespeares Romeo. Wir wollen hoffen, dass er recht hat.

Donnerstag, 15. Juli 2010

einwurf #3: keine nackten spieler, leider!

Jaja, offiziell machen wir immer noch Sommerpause. Aber kaum ist mal etwas Zeit zum Zurücklehnen, taucht so manche vergebene Chance der letzten Saison vor dem inneren Auge auf: Neulich etwa hatten wir wieder einmal Post bekommen, und wir kümmern uns immer sehr persönlich um Leser-Zuschriften. Ein Herr M. von einer großen deutschen Boulevardzeitung hatte uns geschrieben - mit einer dollen Idee. Und damit nicht genug: Wir hatten noch dollere Ideen! Doch irgendwie ist der Kontakt dann trotzdem abgebrochen. Lest selbst:

Der Herr M. schrieb, er sei "auf der Suche nach qualitativen nicht kommerziellen Fußballseiten" auf unseren kleinen Familienblog gestoßen. (Bis dahin hat Herr M. gut recherchiert.) "Sicher", schreibt er, "interessiert Sie die Möglichkeit aktuellste News und Videos zu Ihrem Lieblings-Bundesliga-Verein Borussia Mönchengladbach als embeded Code in Webseiten integrieren zu können". (Da irrt Herr M. nun.) Jedenfalls: Es gebe seit kurzem irgend so ein "Widget", vermittels dessen die große weite Fußballwelt Einzug in unseren kleinen Familienblog halten könnte, und das ganze auch noch im Bewegtbild. (Wenn wir das richtig verstanden haben.)

Herr M. würde sich nunmehr "sehr freuen", wenn wir in unserem süßen VfLog über sein "Widget" berichten würden (was wir hiermit gerne tun!) und stellt in Aussicht, dass die Online-Plattform des großen Boulevardblatts, für das er arbeitet, wiederum bald berichten wird, wie ihr "Widget" so im Internet aufgenommen wurde. (Man stelle sich das vor: Unser kleiner Familienblog verlinkt in den Leitmedien dieses Landes.)

Jedenfalls, schreibt Herr M. schließlich, mögen wir uns mit Fragen und Anregungen gern an ihn wenden. "Wir sehen Qualitäts-Blogger, wie Sie, als wichtigen Teil des Web2.0", lobt Herr M. aufrichtig, deshalb freue er sich auf unser Feedback und unsere Meinung zu diesem "Widget".

Natürlich haben wir geantwortet:


Sehr geehrter Herr M.,

verzeihen Sie bitte, dass ich mich erst so spät auf Ihre Nachricht melde, aber Ihre Mail war versehentlich automatisch in meinen Spam-Ordner sortiert worden; ich bin erst jetzt darauf aufmerksam geworden. Haben Sie herzlichen Dank für Ihren freundlichen Hinweis auf das "mein Klub"-Widget und die Möglichkeit, es auf unserer Website einzubinden. Wir halten zwar nicht besonders viel von embedded journalism, doch den embeded [sic!] codes gehört die Zukunft!

Erlauben Sie mir noch wenige Fragen:
Ihr Vorstandsvorsitzender bastelt derzeit bekanntlich eifrig an einer premium-content-Kampagne für Online-Medienangebote aus Ihrem Hause. Ausgewählte Blätter haben ja bereits damit angefangen, Geld für einen Teil ihres Angebots zu verlangen. Wird es die "mein Klub"-News und Videos auch künftig kostenlos geben?

Außerdem bietet die iPhone-App der Bildzeitung neuerdings das Bild-Girl zum Schütteln: am Anfang noch komplett eingekleidet, entblättert sich das Bild-Girl mit jedem Schütteln des iPhones ein bisschen mehr. Ist etwas Ähnliches künftig womöglich auch mit den Lieblingsspielern des jeweiligen Lieblingsvereins via "mein Klub"-Widget denkbar?

Und wie Sie wissen, widmet sich unser Familienblog ja nicht nur Borussia Mönchengladbach, sondern auch dem VfL Osnabrück. Selbstverständlich müssten wir auch aktuellste News und Videos vom VfL auf unserer Seite integrieren dürfen.

Melden Sie sich doch bitte kurz, ob das möglich ist oder wo es Schwierigkeiten geben könnte.



Bis heute haben wir dann jedoch nichts mehr von Herrn M. gehört.

Montag, 12. Juli 2010

einwurf #2: ehingen

Unsere kleine Sommerpause dauert an. Aber kaum hat sich die Weltmeisterschaft in Wohlgefallen aufgelöst (Naja, also außer für die 1.000 Beschäftigungslosen, die an einem schönen Montagmorgen - offenbar noch dazu einem Urlaubsmorgen! - nichts besseres zu tun haben, als zum Flughafen Frankfurt zu pilgern, um der heimgekehrten Nationalmannschaft nicht dabei zusehen zu können, wie sie das Gelände durch den Hinterausgang verlässt.), wollen wir uns gern endlich denjenigen zuwenden, die eine aufrichtige Gratulation schon so lange verdient haben: Nämlich der ersten Herrenmannschaft des VfL Ehingen 1947 e.V.!

Die Franken mit ihrem mitreißenden Tiki-Taka haben den lange zähen Kampf mit dem VfL Sindelfingen am Ende doch deutlich gewonnen und sich mit 0,12 Punkten Vorsprung die Krone der VftabelLe gesichert. (Die VftabelLe, rechts auf dieser Seite, ist die stärkste Liga der Welt. Logischerweise dürfen nur VfLs mitspielen. Die Punktzahl der teilnehmenden VfLs errechnet sich vermittels eines komplizierten Rechenverfahrens, an dessen Ende der Quotient aus gewonnen Punkten und absolvierten Ligapartien steht.) Der VfL Ehingen ist damit die stärkste Vereinsmannschaft der Welt. Herzlichen Glückwunsch, liebe Ehinger! (Übrigens misst sich Ehingen in seiner bayrischen Kreisliga "Nürnberg/Frankenhöhe" mit 14 anderen Teams. Dass der VfL in dieser 15er-Liga auf 29 Saisonspiele kommt, verdient gleich den nächsten Orden!)

Der Abstiegskampf in der VftabelLe war dieses Jahr schnell entschieden. Oldenburg, Bochum und leider auch Nürnberg, dessen Coming-out als VfL wir seinerzeit durch investigative Recherchen enthüllten, müssen absteigen und werden in der kommenden Spielzeit nicht mehr dabei sein. Wir wollen keine großen Worte mehr darüber verlieren. (Übrigens auch nicht über den Verbleib der gastgebenden VfLs, obwohl Gladbachs souverän errungener Klassenerhalt und Platz 15 knapp hinter Halle 96 aller Ehren wert ist!)

Wir suchen nun also drei Aufsteiger, denn der Fußballgott hat für die kommende Saison erneut zugestimmt, die VfLiga mit 18 Mannschaften zu bestreiten. Jeder VfL, der an einem regelmäßigen Spielbetrieb teilnimmt und mutig genug ist, kann mitspielen. Es winken viele, viele Lorbeeren! Kurze Mail an vftabelle@vflog.de reicht, ordentliche Bewerbungsunterlagen mit – wie üblich – Anschreiben, VfLebenslauf und möglichst auch Mannschaftsfoto machen natürlich einen besseren Eindruck.
Der Fußballgott strebt eine Erhöhung des Frauenanteils in der VftabelLe an und fordert daher qualifizierte Frauen zur Bewerbung auf. Auch VfLs mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen, die die geforderten Qualifikationskriterien erfüllen, werden ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert.

Samstag, 19. Juni 2010

einwurf #1: rüttgers

Unsere kleine Sommerpause dauert an: Aber kaum ist mal ein bisschen Zeit zum Durchatmen, fliegt hier ein Ideechen vorbei und zwitschert dort ein Vögelchen die dollsten Nachrichten. Bis es wieder los geht mit Fußball und diese so genannte Weltmeisterschaft vorbei ist, halten wir uns ab und an mit diesen Canapées bei Laune; bestenfalls auch unsere geneigten LeserInnen. Heute etwa...

... ist der nächste zurückgetreten: Jürgen Rüttgers. Er mag bald nicht mehr Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen sein (eröffnet aber stattdessen womöglich mit dem Papst eine Herrenboutique in Wuppertal (für 500.000 Euro) oder eine Logopädieschule, man weiß es nicht). Wenn das jedenfalls so segensreich weiter geht mit den Rücktritten, erwägen wir, unsere Sommerpause noch auszudehnen: Merkel könnte lauern, Westerwelle ist heißer Kandidat, und spätestens im September ist dann ja auch schon wieder Friedhelm Funkel dran.

Dienstag, 8. Juni 2010

rücktritt

Da sich die Nachfragen besorgter Leserinnen mehren, sei das Schweigen des VfLogs kurz erläutert: Wie unsere aufmerksamen und treuen Fans richtig bemerkt haben, hat der VfLog wieder einmal einen zukunftsweisenden, innovativen und folgenreichen Schritt unternommen. Wir haben unsere Arbeit niedergelegt. Erste Erfolge sind unübersehbar: Koch ist zurückgetreten. Köhler ist zurückgetreten. Nicht mehr lange, und auch Jogi Löw wird zurückgetreten sein. Alle folgen sie unserem Beispiel, und nach und nach wird die Welt ein schönerer Ort.

Doch machen wir uns nichts vor: Koch wird wiederkommen, als Berater der Deutschen Bank. Köhler wird wiederkommen, als Altbundespräsident, und spätestens wenn er 90 wird, werden Elogen auf seine Afrikapolitik verbunden mit einer allgemeinen Sehnsucht nach einer wichtigeren Rolle dieses klugen elder statesmen allüberall zu lesen sein. Löw wird wiederkommen, als Trainer von Hoffenheim. Und, na logo, auch wir werden wiederkommen. Und zwar noch vor all den anderen Rückkehrern, denn unserem eigenen Anspruch entsprechend werden wir auch hier die Vorreiter sein.

Nur gerade, gerade müssen wir mal durchatmen. Uns neu aufstellen. Neue Ideen entwickeln. Besser denn je werden. Schließlich ist so ein Familienblog ein Marathon, kein Sprint. Und nach über fünf Jahren ist einmal eine Sommerpause fällig. Bleiben Sie uns gewogen, schauen Sie bald wieder vorbei. We'll be back. Spätestens zur neuen Saison.

Und die WM? Geh, bitte! Schon vergessen? Wenn es kein VfL ist, ist es kein Fußball.

Dienstag, 18. Mai 2010

der echte mose

Alle Welt spricht von Syndes' Mose, doch wir zitieren lieber das Original. Im 4. Buch, Kapitel 32, Vers 6 etwa spricht er, an allerlei wehleidige Weicheier gewandt: "Eure Brüder sollen in den Kampf ziehen und ihr wollt hier bleiben?"

Dienstag, 11. Mai 2010

zweikampf an der spitze, abstiegskampf entschieden

Längere Zeit war sie nicht up to date, unsere VftabelLe (rechts auf dieser Seite). Irgendwie ging die stärkste Liga der Welt im Trubel des Osnabrücker Aufstiegsrennens unter. Aber jetzt ist alles wieder picobello.
Und der Zweikampf an der Spitze ist spannender denn je: Niemals vorher lagen so kurz vor Toreschluss zwei Teams so eng beieinander. Ehingen und Sindelfingen trennen nur 0,06 Punkte! Der Kampf um die Krone, den Titel 'Stärkster VfL der Welt" nämlich, dürfte die beiden Mannschaften am Wochenende ziemlich unter Druck setzen: Ehingen beim Auswärtsspiel gegen die Zweite von Dombühl, Sindelfingen beim VfL (!) Pfullingen. Herrje, das wird eine ziemlich aufregende Angelegenheit.

Der Abstiegskampf dagegen ist entschieden. Auch wenn einzelne VfLs ihre Saison noch nicht beendet haben, werden Nürnberg, Bochum und Oldenburg den unvermeidbaren Gang in die Bedeutungslosigkeit antreten müssen. Das ist, was den 1. FC Nürnberg angeht, besonders bitter, hatte unser kleiner Familienblog doch überhaupt erst exklusiv enthüllt, dass Nürnberg auch ein VfL ist. Wie dem auch sei: Selbst wenn der aktuelle Tabellenvierzehnte Halle 96 - das Team, das im Saisonverlauf am tiefsten gefallen ist - alle vier ausstehenden Saisonspiele verliert, ist Nürnbergs Marke von 0,91 Punkten nicht mehr zu unterbieten. Zum Abschied sagen wir leise servus.

Zwei Sonderlobe gehen nach Osnabrück und Gladbach: Gladbach hatte ausnahmsweise mal gar nichts mit dem Abstieg zu tun und rangiert mit 1,15 Punkten, hüstel, souverän über dem Strich. Und die Zweite aus Osnabrück kämpfte sich nach einem Besorgnis erregenden Desaster-Start noch ins sichere Mittelfeld. Erstmals seit Bestehen der VftabelLe mussten wir nicht zum Saisonende hysterisch Desaster-VfLs suchen, um die unteren VftabelLenregionen aufzustocken, damit alle Teams aus Osnabrück und Gladbach den Klassenerhalt schaffen. Hut ab dafür!

Ach, was die Zählweise angeht, die Anfänger verwirren dürfte: Die Punktzahl der teilnehmenden VfLs errechnet sich nach wie vor vermittels eines komplizierten Rechenverfahrens, an dessen Ende der Quotient aus gewonnen Punkten und absolvierten Ligapartien steht.

Montag, 10. Mai 2010

gewürzspekulatius II

Im Küchenschrank weit hinten habe ich vorhin eine angebrochene Packung Gewürzsspekulatius gefunden und geleert. Warum auch nicht? Alles fühlt sich derzeit an wie trüber November (wenn nur dieses selige Aufsteiger-Gefühl nicht wäre), und was passt da besser als der ein oder andere Adventskeks?

Im übrigen: Bevor wir uns, wie so mancher vermeintlich seriöse Berichterstatter, in Spekulationen ergehen was Neuverpflichtungen oder Vertragsverlängerungen angeht, essen wir sie doch lieber, die Spekulatius. Wenn das so weiter geht mit dem Herbstwetter, werden wir in der Sommerpause auch unseren sporadischen Adventskalender fortführen. Da ist dann wirklich die ein oder andere Überraschung drin, vielleicht sogar ein neuer Spieler.

Sonntag, 9. Mai 2010

guter rat, billig

"Journalisten", schreibt Kurt Kister in seiner segensreichen Wochenendkolumne in der Süddeutschen Zeitung, seien "leider Leute, die einem unablässig mitteilen müssen, was zu tun ist. Noch schlimmer in dieser Hinsicht sind nur noch Linkspartei-Aktivisten, FDP-Spitzenpolitiker, manche Beamte, vor allem pensionierte, und natürlich Blogger."

Die von allerlei Bürgergesellschafts-Gefasel geschwängerte sogenannte Blogosphäre schert uns bekanntermaßen einen Dreck. Oder Teufel, je nachdem, wenn es etwa gegen Kaiserslautern geht. Deshalb machen wir sowas auch nicht: Leuten sagen, was zu tun ist. Im Gegenteil: Wir haben viel zu viel damit zu tun, uns selbst zu sagen, was zu tun ist: Freuen über den sensationellen Aufstieg/Klassenerhalt unserer VfLs und das maßgebliche Zutun unserer Zwillingstrainer Michi und Karsten. Zu einer anderen Bewertung dieser zu Ende gegangenen Spiel kann ein vernünftiger Beobachter freilich auch gar nicht kommen.

Samstag, 8. Mai 2010

aufgestiegen

Der VfL ist tatsächlich aufgestiegen. Das große Desaster vor nicht einmal einem Jahr ist damit zum Betriebsunfall verkommen, der sich im Nu korrigieren ließ, wenn auch mit einer nahezu komplett ausgestauschten Belegschaft. Mit Kunststück ist diese Leistung der VfL-Verantwortlichen um Trainer Karsten Baumann und Manager Lothar Gans nur unzureichend beschrieben. Osnabrück hat etwas geschafft, was - siehe Wiesbaden in Liga 3 oder Cottbus und Karlsruhe in der zweiten Bundesliga - alles andere als selbstverständlich ist: den direkten Wiederaufstieg.

De Art und Weise, wie die Mannschaft schließlich die Meisterschaft in der 3. Liga errungen hat, ist bemerkenswert und verhältnismäßig souverän. Taktisch und spielerisch war dieses Osnabrücker Team zu stark, um an seiner mitunter mangelnden Konstanz schließlich doch zu scheitern. Was für eine Aussicht: Im kommenden Jahr gibt es wieder Auswärtsfahrten nach Bochum, Berlin, Bielefeld und München. Es wird Zeit, dass die Sommerpause vorbei ist!

Mittwoch, 5. Mai 2010

seitenwechsel #114

Die Saison nähert sich dem Ende, da treten nicht nur auf dem Platz Abnutzungserscheinungen auf. Auch der Seitenwechsel, den wir uns Woche um Woche mit unseren lieben Kollegen von der Seitenwahl schreiben, liest sich in dieser Woche nicht ganz so funkensprühend wie sonst. Martin fing mit Tendeleien an, nachzulesen wie immer auf Seitenwahl. Und was macht Joachim? Statt dem lustlosen Martin sechs Hütten einzuschenken, stimmt er unten in das große Lamento ein. Wir fordern daher an dieser Stelle: Nächste Woche müssen wieder drei Punkte her!

Lieber Martin,

ich habe auch keine Lust. Du hängst Dich nicht rein, dann mache ich das auch nicht. Ich habe ohnehin heute nacht schlecht geschlafen. Die ganze Feierei nach der erfolgreichen letzten Woche ist mir irgendwie nicht gut bekommen. Und mein Frühstück war zu viel und zu fett. Ich laß mich hier gleich auswechseln und geh erst mal dahin, wo selbst John Wayne vom Pferd steigt.

Dumm für unsere Leser, die von weither gekommen sind, um sich vorfreudig an den PC zu setzen und diesen SEITENwechsel zu öffnen. Ey, Ihr Penner, beschwert Euch nicht. Ihr bezahlt mich nicht, das macht meine Bank. Mein Berater hat mir das wohl neulich etwas länger erklärt, aber ich habe das nicht kapiert. Ich feuer den Penner sowieso, wenn er mich nicht schnell bei der FAZ unterbringt.

Der Laktatpinscher aus der Redaktion macht mir auch keinen Druck. Ich hab ihm gesagt, nächstes Jahr strenge ich mich wieder an. Dann bin ich auch reifer. Hält ja keiner aus, 34 SEITENwechsel in nur einem Jahr. Wenn ich erst mal bei der FAZ bin, lassen sie mich nur dreimal im Jahr ne Kolumne füllen. Das erscheint mir, so beim näheren nachdings… rhm -denken meinen Ambitionen angemessen, mehr merkt sich sowieso kein Leser.

Ach ja, nächste Woche schreib ich noch mal was, dann ist schon fast WM. Irgendeiner meiner Opas war mal in Neuseeland, da kann ich immer behaupten, er war da mal verheiratet, und ich bin das Ergebnis. Obwohl, dafür musse ja gar nich verheiratet sein, hehe. Oder so. Buchführung kennen die da unten sowieso nicht, und der Heini mit den Blattern im interbationalen Schriftstellllerverband prüft das sowieso nicht nach. Paß auf und schalt die Kiste an, Alter, im Sohmer sieht Du mich als Berichterstatter bei der WM, und dann halte ich Hof und suche mir die Angebote aus – Reuters, BBC, Financial Times, was kostet die Welt. Dann baruch ich die FAZ nicht mehr, geschweige denn diesen VfBlock oder wie dat Ding heißt, der wo ich hier gerade am Schreiben bin.

Rülps, jetzt krieg ich auch schon diese roten Rechtschreibfehlerdinger. Ich sitz gerade so weit von meinem Duden weg, und wie gesagt, ich bin sowieso nicht motiviert.

Schließ ich heut mal ohne Gruß, und Du mich auch,

Dein Joachim

Freitag, 30. April 2010

live von woanders: sheffield, crucible theatre

Es ist eine andere Welt, und sogar eine wunderbare. The "Jester from Leicester" und the "Thunder from Downunder" spielen hier die Hauptrollen, ausserdem ist natuerlich "The Rocket" in aller Munde, obwohl laengst ausgeschieden. Wenn der Stadionsprecher, der hier ein ja Theatersprecher ist, Ronnie O'Sullivan als den "most naturally talented player who ever graced the game" vorstellt, dann ist man schon mittendrin in diesem aussergewoehnlichen Auswaertsspiel und will gar nicht wieder weg.

Meine kurze Reise zur Snooker-WM in Sheffield duerfte fuer laenger die legendaerste Auswaertsfahrt in meiner Groundhopper-Karriere bleiben. Wer jenseits der Weltmeisterschaft hierher kommt, wird die Magie eines in die Jahre gekommenen 80er Jahre-Baus nicht spueren koennen, aber das Crucible ist fuer zwei Aprilwochen im Jahr ein Mekka fuer wirklich grossen Sport. Wenn der Prophet Mohammed das Snookerspielen - nein, lassen wir diese Vergleiche, sonst geht unser kleiner Familienblog bald gar in Flammen auf.
Wer auf Fernsehgottesdienste steht, kann nachher auf Eurosport den "Thunder von Downunder" kennen lernen. Gegner ist dann der "Captain Ali Carter". Die Predigerrolle auf Eurosport uebernimmt seit Jahren schon Rolf Kalb, auch der ist mittlerweile legendaer. Aber all das ist kein Vergleich zum Sitzplatz in Reihe G, Purple Door, Nummer 27.

Uberigens stand gestern selbstverstaendlich auch ein kurzer Besuch an der Bramall Lane und in Hillsborough auf dem Programm. Letzteres bereitet sich schon auf das alles entscheidende Spiel von Wednesday gegen Crystal Palace am Sonntag vor. Aber Sonntag, ja, Sonntag wird im Crucible zum Finale angestossen. Und wer erst einmal hier ist, fuer den sind Fussball und Kiel und alles Weltliche sehr weit weg.

Donnerstag, 29. April 2010

seitenwechsel #113

In der vergangenen Woche kam es im Seitenwechsel zum Eklat. Joachim schrieb uns einen Brief, engagiert und liebevoll wie immer. Doch Martin blieb ihm eine Antwort schuldig. Diese Woche nun hat er bei den lieben Kollegen von der Seitenwahl sein Schweigen erläutert. Und Joachim ist nicht nachtragend, sondern antwortet umgehend, wie wir es von ihm gewohnt sind. Nämlich hier:


Lieber Martin,

Du hast Dich zwar bemüht, Deine jüngste Unpäßlichkeit wortreich zu erklären, und ich verzeihe Dir natürlich. Dennoch beschleicht mich das Gefühl, daß jetzt, wo der SEITENwechsel kurz vor dem Saisonabschluß steht und bereits den Klassenerhalt gesichert hat, der Schlendrian einkehrt. Verschollen, kein Internet, soso. Gibt es denn keine Brieftauben mehr? Zumindest die traditionelle Schneckenpost sollte noch funktionieren. Oder warst Du einfach in südlichen Gefilden und hast Dir die Sonne auf den Pelz brennen lassen, wie Du an späterer Stelle in Deinem Brief andeutest? Gegönnt sei es Dir, doch Disziplin muß sein. Frag mal van Gaal. Ein wenig Geduld noch, dann ist Sommerpause (eine besonders lange dazu) und Zeit für den wohlverdienten Urlaub.

Schön, daß immerhin Borussia sich nicht hängen läßt, wenngleich noch zwei Spiele ausstehen und man vorher nicht zu viel Lob versprühen sollte. Mir kam beim Betrachten des Bayern-Spiels in Lyon in den Sinn, daß ich Ivica Olic am Samstag im Spiel gegen uns gar nicht gesehen habe. Ich weiß ehrlich nicht, ob der da in der Startaufstellung war oder nicht. Gegen Lyon schießt er dann einen Hattrick, so kann Fußball sein. Sollte er am Samstag mitgespielt haben, ist es natürlich eine Auszeichnung für unsere Mannschaft, daß er so unauffällig war. Andererseits möchte ich das Resultat gegen die Bayern auch nicht überbewerten. Die Bayern sind ein Meister darin, dosiert das Nötigste zu machen. Ich denke also jetzt nicht, daß wir besser sind als Lyon, vielmehr reichte den Bayern gegen uns ein Punkt, und den haben sie erzielt. Schön für uns, schön für die Bayern, aber das war es dann schon.

Im übrigen verstehe ich, warum sich Leverkusen jüngst die Bezeichnung Vizekusen hat schützen lassen, denn Schalke könnte bald ebenfalls auf solche Bezeichnungen aus sein. Vizekirchen statt Gelsenkirchen wird bald Konjunktur haben, warte es nur ab. (Und siehe da: Meine Rechtschreibkontrolle zeigt mir Vizekusen als Fehler an, nicht jedoch Vizekirchen – dies ist also bereits ein feststehender Begriff!)

Meine Lieblings-Champagnermarke, lieber Martin, möchte ich Dir derzeit nicht nennen: Das Produkt ist zwar lecker, aber ich kenne die Leute, die es herstellen, und die sind nicht lecker, daher möchte ich hier nicht kostenlos werben. Ich versteigere hiermit vielmehr den Werbeblock im folgenden SEITENwechsel. Gegen Zusendung einer Bootsladung Prozentbeladenem könnte hier IHRE Werbung stehen, selbst wenn es Weißbier wäre.

Dafür verrate ich Dir auf Deine Nachfrage hin, was man sonst noch von Frankreich lernen kann (Fußballspielen ist es nicht). Beispielsweise, wie man drei Wochen zur besten Sendezeit Werbung für die eigenen Tourismusregionen macht, indem man die schönsten Landschaftsbilder filmt, ein paar Radfahrer hinzunimmt und das Ganze Tour de France nennt – bald wieder im Lehnsessel mit einer Bouteille Rotem und einer Palette stinkigem Schimmel herrlich zu genießen. Denn eines ist klar, lieber Martin: Wir werden diesen Sommer viel Zeit haben, spätestens nachdem Deutschland im Achtelfinale der WM gegen Algerien durch einen Hattrick Karim Matmours ausgeschieden ist. Den verkaufen wir dann für € 53 Millionen nach Madrid, legen das Geld bei der Sparkasse an und kaufen für die Zinsen Griechenland, Portugal und Irland, einschließlich der jeweiligen Nationalmannschaften. Zumindest zwei oder drei Spieler könnten es davon in unsere erste Elf schaffen, mit dem Rest werden wir Regionalligameister und steuern auf eine große Zukunft zu.

Es grüßt Dich im Hintergrund die Fäden spinnend und im Vordergrund die Marseillaise auf Deutsch trällernd

Dein Joachim

Sonntag, 25. April 2010

spröde borussia

Man tut sich schwer, das Spiel der Borussia richtig einzuordnen: Mit fehlendem Selbstvertrauen ließe sich dieses 1:1 gegen den FC Bayern erklären, genauso mit mangelnder Motivation, überschaubarer Lust und einfach freundlicher Harmlosigkeit gegenüber dem gestressten Rekordmeister.

Die gute Nachricht ist: Schalke 04 wird wieder nicht Meister, diesmal weil sie nicht genug Tore geschossen haben. Wünschenswert wäre jetzt nur noch, dass Bayern am letzten Spieltag gegen die dann schon abgestiegene Hertha nicht gewinnt - Schalke aber auch in Mainz nur unentschieden spielt, möglichst mit dem Mainzer Ausgleich durch ein Abseitstor in der Nachspielzeit.

Die schlechte Nachricht ist: Gladbach wirkt nicht locker, nicht beschwingt und nicht leidenschaftlich. Obwohl die Borussia ganz gut gespielt hat, taktisch klug sortiert war und Bayern gar nicht erst die Chance ließ, das Spiel zu bestimmen, machten die Fohlen auch nicht den Eindruck, als wollten sie dieses Spiel unbedingt gewinnen. Manchmal schien es, als glaubten sie, sie könnten es auch gar nicht gewinnen. Nach gewonnenen Zweikämpfen fielen die Fohlen in Lethargie, das Aufbauspiel blieb unenergisch und vielversprechende Angriffssituationen, sogar in Überzahl, verpufften einfach so ohne große Mühe. Das war befremdlich, erst recht weil regelmäßige Beobachter im Borussia-Park versichern, das gehe schon die ganze Saison so.

Nach der Führung dachte man, jetzt aber! Jetzt müsste Gladbach doch merken, dass hier eine Sensation möglich ist. Jetzt müssten sie doch selbstbewusst dafür rackern, den Tabellenführer zu stürzen. Doch statt dessen ging es weiter wie vorher: Ganz ansehnlich und organisiert, aber nicht übermäßig engagiert. Am Ende machte Bayern das 1:1.

Sicher, das Unentschieden gegen das Star-Ensemble ist ein beachtliches Ergebnis. Es reicht ja auch. Gladbach steigt nicht ab und hat sich damit offenbar ganz gut arrangiert. Nach den vielen Desastern der Vergangenheit gibt es dafür sogar stehende Ovationen. Es soll also wohl alles richtig sein.

Samstag, 24. April 2010

sieg wie bestellt

Dass Osnabrück das Spiel in Dortmund 2:1 gewinnen würde, hatten wir ja schon früh gemeldet. Nur in einer Sache haben wir uns geirrt: Es war kein Auswärtsspiel. 8.000 Osnabrücker sorgten im Westfalenstadion für eine lila-weiße Invasion. Entsprechend ging der VfL auch nicht, wie immer bei Auswärtsspielen, in Führung, sondern geriet, wie immer bei Heimspielen, in Rückstand. Der Rest lief dann wie erwartet.

Jetzt steigt Osnabrück vielleicht wirklich auf, womöglich gar direkt als Tabellenzweiter. Bedauerlich daran wäre allein, dass ein heiteres Relegationsduell gegen die Unsympathen aus Rostock ausfallen müsste. Aber darauf könnten wir auch getrost noch ein Jahr warten.

Donnerstag, 22. April 2010

seitenwechsel #112

Woche um Woche steht an dieser Stelle der Seitenwechsel, den wir uns mit den lieben Kollegen von Seitenwahl schreiben. Nur in dieser Woche, da stand er hier nicht. Denn Martin hat versagt. Immerhin steht er jetzt hier, quasi ex post. Und unsere asiatischen Leserinnen dürfen gespannt sein, in der nächsten Ausgabe viele Demuts- und Entschuldigungsfloskeln zu lernen. Heute aber gilt es Nachhilfe in Sachen Feiern uns Selbstbewusstsein zu nehmen. Wie das geht, weiß Joachim:

Lieber Martin,

ich bin empört. Meine Empörung resultiert daher, daß Du meinst, ein Klassenerhalt sei kein Grund zum Feiern. Falsch. Ich habe von einer früheren Chefin gelernt, daß kein Anlaß nichtig genug ist, um eine Flasche Champagner zu öffnen (sie war Französin – von Französinnen lernen heißt Feiern lernen, wie wir alten Preußen sagen). Natürlich, wenn man obskure Derivate nimmt wie Altbestände von Rotkäppchen-Sekt, die seit Hans Meyers Zeiten noch in den Katakomben des Borussia-Parks verrotten, dann magst Du recht haben. Ich saufe jedoch das, mit dem der Schumi immer feiert (bald wieder, wart's ab), daher sage ich Dir: "Santé!"

Natürlich weiß ich, woher Deine Entsagung kommt, und in gewisser Hinsicht verstehe ich Dich sogar. Als ich jung war, also als die Kanzler noch Helmut hießen und wir Island präventiv zerbombt hätten, bevor irgendein Vulkan Asche auf uns hätte spucken können, da gab es drei Arten von Spielzeiten. In einer guten Saison wurden wir Meister, in einer erträglichen spielten wir bis zum letzten Spieltag um die Meisterschaft mit, und in einer schlechten war bereits vorher der Titel nicht mehr drin. Heute gibt es ebenfalls drei Arten von Spielzeiten. In einer schlechten steigen wir ab, in einer erträglichen retten wir uns am letzten Spieltag, und in einer guten sind wir bereits vorher gesichert. Das ist sicherlich ein Rückschritt, aber innerhalb dieses Rückschritts stehen wir derzeit gut da.

Ich gestehe zu, daß man den Jubel auch nicht übertreiben muß. Auf dem Briefkopf stehen nach wie vor Titel und nicht Klassenerhalte, insofern haben wir in den vergangenen Monaten nicht gerade Sportgeschichte geschrieben. Es ist in diesem Zusammenhang übrigens instruktiv, sich geballt die Abschlusstabellen der letzten anderthalb Jahrzehnte anzuschauen, also seit wir zuletzt im Europapokal vertreten waren. In rund der Hälfte der Fälle standen wir so ähnlich da wie diesmal, also irgendwo zwischen 36 und 42 Punkten und auf oder knapp unterhalb von Rang 10. Irgendwie scheint dies inzwischen die Spitze der Fahnenstange für uns zu sein, und ich teile den Frust, der hieraus resultiert. Ich hoffe wohl, daß wir inzwischen so weit sind, endlich diese Grenze nach oben zu durchbrechen. Die nächste Saison wird das weisen.

Bis dahin aber feiere ich den Klassenerhalt durchaus, und dann fange ich an, mich über jeden weiteren Platz zu freuen, den wir nach oben klettern. Und jedes Mal öffne ich einen guten Schluck. Wer kurbelt in diesen Zeiten die Wirtschaft an, wenn nicht wir, lieber Martin? Wir, die wir überlegen, den FC Liverpool zu kaufen, der gerade auf den Markt gekommen ist, ihn aber erst mal zur Begutachtung vorspielen lassen, man vertraut ja schließlich seit Moris und Kahês Zeiten nicht mehr auf diffuse DVDs. Und so sage ich Dir: Gegen Bayern müssen drei Punkte her, dann ist feiermäßig alles paletti auf der Andrea Doria. Oder so.

Ich habe übrigens gerade entdeckt, daß der van Bommel gegen uns gesperrt ist, das ist genau die Position, wo wir bei Kontern… Das stecke ich jetzt mal ganz schnell dem Trainer, dann kann er sich schon mal auf unseren Sieg freuen. Ich muß also mal schnell weg, sonst erzählt ihm das der Typ von Fohlen-Herpes oder wie dieses famose Investigativ-Portal da heißt, und dabei habe ich es zuerst gewußt! Over and out,

Dein Joachim

Mittwoch, 21. April 2010

vfl wieder zweiter

So kann es weitergehen. Der VfL spielt gar nicht und klettert dennoch unermüdlich weiter in der Tabelle. Mittlerweile, unseren Freunden aus Kiel sei Dank, ist Lila-weiß gar wieder auf einem Aufstiegsplatz angekommen. Damit die Saison sich nun nicht vorzeitig in Wohlgefallen auflöst, dürfte man eigentlich darauf bauen, dass der nächste, verlässliche Rückschlag schon am Samstag kommt, weil der VfL dann mal wieder bei einem der heiß geliebten Auswärtsspiele mitmachen muss. Andererseits: Es geht eben gegen Dortmund, die einzige Mannschaft, gegen die Osnabrück in dieser Saison schon zwei Mal gewonnen hat. Und weil bekanntlich aller guten Dinge drei sind, ist ein - Achtung! - Auswärtssieg (!) mehr als wahrscheinlich. Herrje, langsam geht der Stoff zum Nörgeln aus.

Dienstag, 20. April 2010

entwarnung: keine vfl-profis in sexskandal verwickelt

Wenn auch Franck Ribéry offenbar mittenmang dabei war beim Sex mit einer minderjährigen Prostituierten, ermitteln die französischen Staatsanwälte nicht gegen andere Superstars in Deutschland. Alle aktuellen und ehemaligen VfL-Profis sind fein raus! Es wurden weder Haftbefehle ausgestellt noch Wohnungen durchsucht! Auch Welt Online meldet nichts Gegenteiliges!