Freitag, 16. April 2010

block f, reihe 6, platz 21

Immer, wenn Fußballfans in Stadien Feuerwerkskörper werfen, randalieren oder Dietmar Hopp einen Unmenschen schimpfen, kommt die Rede auf Stadionverbote. Manchmal, wenn die Fans mit besonders rauchigen Feuerwerkskörpern gespielt, besonders brutal randaliert oder besonders flegelhaft geschimpft haben, spricht der betroffene Verein so ein Stadionverbot aus. Wer sich also schlecht benimmt, muss damit rechnen, dass er nicht mehr reingelassen wird. Das kann man nun gut oder schlecht finden oder wissen, dass es in vielen Fällen ungerecht ist, es ist nun mal so. Die schärfste Waffe allerdings wird in deutschen Stadien nicht sanktioniert, und das ist bedauerlich: Das Mundwerk.

Neulich an der Bremer Brücke saß nicht weit von mir, in Block F, ein Mann, Ende dreißig vielleicht und auf den ersten Blick friedlich. Doch der VfL spielte anfangs nicht so gut, geriet schnell in Rückstand und bot also Anlass zu Gram und Sorge. Was dann, von jetzt auf gleich, völlig überraschend und mehrmals eruptierte, gehört in eine psychiatrische Klinik, aber in kein Fußballstadion.

Von einer Sekunde zur nächsten weicht alles, was bis gerade noch zurückhaltend und entspannt schien, einem stieren, wahnhaften Blick. Mit von Aggression verzerrten Gesichtszügen steigt der schiere rote Zorn auf und entlädt sich wieder und wieder, binnen Minuten sicher vier, fünf Mal:
Der Schiedsrichter pfeift ein glasklares Abseits ab. „Du schwule Sau! Du Schwuchtel! Mach die Augen auf, du Arsch!“ Als ein VfL-Profi den Ball statt zum freistehenden Mitspieler zum Gegner spielt, springt der Mann auf, wie wild geworden. Er brüllt schon wieder. „Boaah! Spiel den Ball ab, du Penner! Penner!“ Er setzt sich und springt wieder auf und schreit weiter, die Adern in seinem Gesicht sind angeschwollen. Speichel spritzt aus seinem Mund bei den Tiraden.

Solche Leute machen mir Angst, mehr Angst als betrunkene Halbstarke mit nacktem Oberkörper, die Rauchbomben werfen, oder Hoffenheim-Neider, die Dietmar Hopp in ein Fadenkreuz malen. Solche Leute sind von einem Fußballspiel, wahrscheinlich von jedem Spiel, intellektuell überfordert. Sie verstehen nicht, was relevant ist und was bedeutungslos, und wie alle Überaggressiven werden sie maßlos und selbstgerecht. Es interessiert sie deshalb auch nicht, dass Kinder ein paar Plätze weiter sitzen. Vor solchen Leute kann man sich fürchten, weil man ihnen ihre Verdorbenheit nicht auf Anhieb ansieht. Sie ist einfach plötzlich da. Wenn in deutsche Stadien nicht wiederkommen darf, wer sich nicht benimmt, dann sollte man vielleicht mal damit beginnen, die richtigen auszusortieren.

Donnerstag, 15. April 2010

stürmertore

Der Mann im Radio heute Morgen hat erstmal den VfL Osnabrück mit dem VfL Wolfsburg verwechselt, nur so vom Namen, er hat sich versprochen, das kann ja mal passieren. Dann aber hat er erzählt, wie das so war gestern Abend. 60 Minuten lang habe der VfL gezittert, nervös gespielt, fahrig und nicht gerade selbstbewusst. Nach einem famosen 40 Meter-Solo von Aleksandar Kotuljac, der so das 2:1 von Henrik Bencik vorbereitete, sei dann aber alles anders gewesen, und nun gehe der VfL mit sehr guter Ausgangsposition ins Saisonfinish.

Das stimmt alles und wird voraussichtlich auch erst am Samstag wieder revidiert werden müssen, wenn Osnabrück bekanntlich auswärts ran muss. Mindestens bis dahin bleibt Osnabrück auch kommissarischer Tabellenführer. Und weil wir fortan gute Utilitaristen sein wollen, genießen wir diese schöne Zeit, legen uns in die Sonne und fangen erst dann an zu geißeln, wenn nichts mehr zu retten ist.

Am Ende hatte der Mann im Radio die Vereinsnamen in seinem Kopf übrigens wieder richtig sortiert: Braunschweig kämpfe weiter mit Osnabrück um den besten Nordklub der Liga. Wann von Wolfsburg im gleichen Atemzug die Rede sein darf, ist aber sicher nur noch eine Frage der Zeit.

Mittwoch, 14. April 2010

seitenwechsel #111

Kaum kann man noch die Jahre zählen, die es den wöchentlichen Briefverkehr mit unseren lieben Kollegen von Seitenwahl schon gibt. Ein Jubiläum reiht sich an das andere, und heute nun ließe sich die Schnapszahl der 111. Postille feiern. Doch Joachim und Martin sind aus anderen Gründen beschwingt. Joachim will gar seit langem zum ersten Mal wieder über "Fußball" sprechen, wie unten nachzulesen ist. Martin antwortet ganz beseelt und berichtet von Autos, die ihn nicht angefahren haben - nachzulesen wie immer bei Seitenwahl.

Lieber Martin,

Fußball! Ich beginne heute einfach einmal meinen Brief mit diesem Wort, nicht als Erinnerung daran, worüber wir hier schreiben, sondern als erfreuter Ausruf nach dem Frankfurt-Spiel. In dieser Partie sah die Leistung von Borussia nämlich verdächtig nach Fußball aus, und damit meine ich keineswegs allein das Ergebnis oder phasenweise Offensivbemühungen, sondern die gesamte Spielanlage sowie die Fähigkeit, das Tempo zu variieren und zum richtigen Moment wieder zu beschleunigen. Vielleicht das Schönste war für mich, daß erkennbar die Spitze der Fahnenstange noch nicht erreicht ist, denn manche Akteure offenbarten allzu deutlich, daß sie noch steigerungsfähig sind. Bleibt die Mannschaft zusammen und entwickelt sich weiter, dürfen wir uns auf die Zukunft freuen.

Gleichsam werde ich jetzt nicht mit Dir den Klassenerhalt feiern. Sicherlich passiert nach menschlichem Ermessen nichts Negatives mehr. Dennoch brauchen wir noch drei Punkte (oder wahlweise ein Unentschieden in Hannover), um mathematisch sicher zu sein. Ich bin alt genug und habe ausreichend Fußball erlebt, um die schwarze Magie von Negativserien und psychologischen Verknotungen am Saisonende zu kennen. 1993 hatte der 1. FC Saarbrücken nach 25 Spieltagen 23 Punkte (es galt noch die Zwei-Punkte-Regel) und feierte bei sechs Punkten Vorsprung auf Rang 16 bereits den Klassenerhalt. Dann verlor man neunmal am Stück und stieg als Letzter ab. Ich weiß, daß dies extreme Ausnahmen sind, aber die Vernunft gebietet, daß man feiert, wenn es etwas zu feiern gibt, und nicht vorher. Du feierst ja auch nicht Deinen Geburtstag am Tag vorher, nur weil Du weißt, daß er morgen kommen wird.

Somit bleibt der Schampus noch ein paar Tage im Kühlschrank. Es gibt ohnehin genug anderes zu besprechen. Beispielsweise, daß ein Spieler einen Zuschauer mit einer Flasche bewirft. Großartig, wie ich finde. Ich beispielsweise würde mich selbst auch manchmal mit einer Flasche bewerfen, wenn ich ein Spieler oder Trainer (gerne hier erwähnenswert: Peter Neururer) wäre und mir von mir manchen "Kommentar" anhören müßte. Oder nehmen wir das Gesocks auf den Rängen von Standard Lüttich, das beim Spiel gegen den HSV nicht zum ersten Mal Spieler mit Lasern geblendet, Unparteiische mit Feuerzeugen und anderen Gegenständen beworfen und auch sonst keine Gelegenheit zum Pöbeln ausgelassen hat. Offensichtlich sind ihnen die Waffeln durchgebrannt, und man müßte Spieler geradezu zwangsverpflichten, mit Gegenständen zurückzuwerfen. Macht man beim Schneeballwerfen ja auch, und warum muß man sich alles gefallen lassen, nur weil man Millionär ist?

Apropos Millionär: Hoppenheim steht wieder da, wo es hingehört, nämlich hinter uns. Erstaunlich, wie die letzten Jahre medial aufgebläht wurde, was letztlich langfristig betrachtet nur ein Furz im Wind der Geschichte bleibt. Ich schlage vor, daß die "Fans" vor Ort sich einen richtigen Verein suchen, beispielsweise Waldhof Mannheim (hehe…), wo man in kurzen Ausschnitten der Geschichte mehr Fußball geatmet hat als Software Sinsheim seit seiner Entstehung. Dann wird es auch wieder etwas mit den Emotionen.

Lieber Martin, abschließend die Frage der Woche: Steigt Osnabrück nun eigentlich auf, oder spielt Bochum nächste Saison gegen Aue? Nichts gegen Aue, ich war dort und fand es schön. Zudem ist das auch eine Bergarbeiterregion und paßt damit sehr gut zu Bochum. Aber es wäre schade um die kulinarischen Genüsse in der Zweiten Liga, denn diese herrlich verkohlte Bratwurst aus den Katakomben der westniedersächsischen Pferderennbahn ist kaum zu überbieten. Also: Wismut gegen Kohlwurst, wie lautet Deine Wahl?

Es grüßt Dich bei diesen Worten Hunger bekommend und einen Berliner verspeisend

Dein Joachim

Sonntag, 11. April 2010

nachosterhaas

Wenn Journalisten nichts mehr einfällt, womit sie ihre Seiten füllen können, führen sie in der Regel Interviews. Das geht schnell und bringt Masse. In den meisten Fällen ist das langweilig, oft sogar ärgerlich, und nur ganz selten entsteht dabei ein echtes Gedicht. Ein solches druckt heute die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Die hat den österreichischen Bestseller-Autoren Wolf Haas interviewt.
Der sagt an der schönsten Stelle des - zum Glück ausführlichen - Gesprächs, er sehe sich gern den "Doppelpass" im DSF an: "Das hat für mich eine unglaubliche Mischung aus Ekel und Faszination. Ich finde es interessant, wenn eine Bedeutung von Dingen behauptet wird, die in Wahrheit völlig bedeutungslos ist, das fasziniert mich, das finde ich auch sehr entspannend."

Samstag, 10. April 2010

aufstieg für lila-weiß

Nie war wahrscheinlicher, dass Lila-Weiß aufsteigt. Spätestens seit dem 0:3 in Aue wird nun zur höchstwahrscheinlichen Gewissheit [sic!], dass in der kommenden Saison zumindest ein lila-weißes Team zurück in die 2. Bundesliga kehrt. Das ist doch schon mal was. Bis heute Nachmittag war damit nicht zu rechnen.

Nach dem famosen Auftritt von Eric Agyemang, dem die Osnabrücker Hintermannschaft weder links noch rechts noch in der Mitte beizukommen wusste, steht Aue nun zwei Punkte vor dem VfL an der Tabellenspitze (wenn man, wie wir das immer tun, richtig rechnet). Zweiter ist Braunschweig, mit etwas Glück gefolgt schon vom VfL, der sich womöglich aber auch erst hinter Jena als Tabellenvierter einreihen darf.
Osnabrück ist bekanntlich längst aus seiner Favoritenrolle gefallen und kann mit jeder Niederlage ihre schwere Bürde weiter ablegen. Mehr noch: Der VfL ist vielmehr vom Gejagten zum Jäger geworden. Das könnte eine vielversprechende Ausgangsposition für das Saison-Finish sein, offenbar nur leider mit dem bedauernswerten Makel, dass die Mannschaft selbst ihre Situation so noch nicht erkannt hat.

Wie dem auch sei: Was die Tabellenarchitektur der Liga angeht, sind offenkundig Utilitaristen am Werk. Jene von Jeremy Bentham begründete Form der teleologischen Ethik geht davon aus, dass all das gut ist, was "das größte Glück der größten Zahl" hervor bringt, mit anderen Worten: Was möglichst viele glücklich macht.
Nun ist Glück bekanntermaßen keine ewige Kategorie. Es empfiehlt sich also, das Konzept zu temporalisieren: Es ist all das gut, was möglichst viele möglichst lange glücklich macht. In diesem Sinne mag man, wie immer die Sache schließlich ausgeht, hoffen, das Osnabrücks Konkurrenten sich noch möglichst lange Zeit lassen mit ihren Nachholspielen.

Freitag, 9. April 2010

hurrah!

Eintracht Frankfurt ist bekanntlich ein Club, den wir hier nicht besonders mögen. Er hat den falschen Michi als Trainer. Und wie unsere Seitenwechsel-Leser wissen, leiden sowohl Joachim als auch ich unter Kollegen, die Eintracht-Fans sind und meinen, der aktuelle Tabellenstand gäbe ihnen das Recht, sich wie Graf Koks aufzuführen, wenn es um Fußball geht.

Dass dem nicht so ist, hat Borussia heute Abend eindrucksvoll bewiesen und damit vorerst die unangenehmen Höhenflüge der Adler gestoppt. Danke, richtiger Michi! Danke, Fohlenelf! Das hat Spaß gemacht. (Und weil wir heute so gut drauf sind, sprechen wir nicht weiter darüber, das am Ende sogar noch ein, zwei Tore mehr drin gewesen wären...) Hurrah!

Dienstag, 6. April 2010

anderson zurück beim vfl

Weil wir nicht in die Aprilscherzfalle tappen wollten, haben wir an dieser Stelle den bereits am 1.4. verkündeten Transfer von Bamba Anderson nach Gladbach noch gar nicht hinreichend gewürdigt. Andersons aktuelle Beziehungslage würde man im Englischen wohl mit "it's complicated" umschreiben. Er kommt von Fortuna Düsseldorf, verpflichtet wurde er allerdings vom brasilianischen Tombense Futebol Clube, der die Transferrechte gehalten hat. Aber viel wichtiger ist ohnehin, dass Anderson ein verlorener VfL-Sohn ist: Eine kurze Etappe seiner jungen Karriere hat er beim lila VfL in Osnabrück verbracht, und nach seinem Düsseldorfer Irrweg ist er nun wieder in der Familie angekommen. Recht so. Und Willkommen.
Eine letzte Frage haben wir allerdings noch: Warum sind die ersten Zeitungsnews zum Transfer, wenn man Bamba Anderson googelt, ausgerechnet die Wirtschaftsblätter Handelsblatt und FTD? Naja, das wird Zahlenfuchs Max Eberl schon im Griff haben...

Montag, 5. April 2010

auch der fußballgott schläft

Ostern: Heute Nacht müde in meinem Londoner Hotelzimmer durch die TV-Kanäle gezappt. Es gibt über 100! Allerdings senden einige um diese Zeit nicht mehr. Stutzig wurde ich allerdings, als ich beim zappen diese Nachricht erhielt: "The Ideal World. Back at 08:00h". Das gleiche stand dann aber auch beim "God Channel". Was ja durchaus verständlich ist. Also, gut's Nächtle Fußballgott!

Sonntag, 4. April 2010

hurra, verspielt!

Auch wenn der eine VfL dank des Siegs gegen die Bayern die Tabellenführung zwar nun doch fast wieder im Blick hat (die Nachholspiele wie immer mit eingerechnet), so dürfen wir uns heute doch vor allem freuen, dass der andere, der grün-schwarze VfL, dem schönen Vorbild von der Sandhausen-Partie gefolgt ist. 1:0 geführt, 2:1 verloren, dies ist für unsere VfLs die leichteste Übung, und so verhindert man schön, dass diese Bundesligasaison womöglich zum Saisonende doch noch so etwas wie eine eindeutig positive Färbung bekommt. Recht so. Wir lieben die Volatilität, auch weiterhin.

Samstag, 3. April 2010

jesus ist osnabrücker

Der VfL hat sein Heimspiel gegen Bayern München heute souverän 4:1 gewonnen. Das kann allerdings nicht weiter überraschen, steht doch seit heute Morgen fest, das Jesus höchstselbst ein VfLer war. Die österliche Doppelenthüllung von "Bild" und "Neue Osnabrücker Zeitung" lässt daran keinen Zweifel mehr. Der weinerliche Gesichtsausdruck, Bart, Haarschnitt und Boxershorts sind weitgehend identisch.

Das überzeugt auch sonst eher kritische Kirchenhistoriker, die in einer gemeinsamen Erklärung von einer "beeindruckenden und akribischen Recherche" der beiden Blätter sprechen. Sie fordern darüber hinaus eine "Neuausrichtung" der christlichen Ostertheologie. So weit wollen wir nicht gehen. Es reicht schon, könnte Jesus in den noch ausstehenden Saisonspielen am Wiederaufstieg in die zweite Bundesliga mitarbeiten.
Den Fußballgott, Schirmherr und Herausgeber dieses Familienblogs, lassen die jüngsten Enthüllungen indes kalt: "Jesus von Nazareth war immer schon ein intelligenter Mann, sonst würde er auch nicht so ewig leben. Und wer intelligent ist und ehrgeizig, der findet seinen Weg zum VfL", kommentiert der Fußballgott in einer Stellungnahme nüchtern. Weiter heißt es: "Ob mit oder ohne Jesus - mit mir werden die VfLs die sein, die sie sein werden."

osnabrücker gartenzwerge

Bei meinem Spaziergang durch eine Osnabrücker Kleingartensiedlung gestern hörte ich drei klassische Kleingärtner in ihrer Kleingärtnerkneipe lebhaft über den VfL diskutieren. Beziehungsweise, sie diskutierten nicht, die drei (über 55, bekleidet mit von der schweren Gartenarbeit abgewetzten Jeans und kariertem Hemd, prostend mit Bier und Schnaps, ohne Frauen) waren sich einig.
Unsere Quizfrage zum Wochenende nun: Welches Kleingärtner-Statement fand am meisten Zuspruch?

A) Ach, ich liebe meinen VfL, wie er so oft scheitert, sich aber immer wieder aufrappelt.
B) Besonders, wie in Auswärtsspielen die Innenverteidiger oft als Sechser agieren und der defensive Mittelfeldspieler aufrückt in die eher zentrale Position, ist taktisch überzeugend.
C) Ich sehe mir lieber Fechten an, das ist der intelligentere Sport.
D) Ach (verächtlich hingeschnoddert), wenn ich den VfL dieses Jahr schon wieder sehe, da kann mir keiner was erzählen: Einige von denen wollen doch gar nicht aufsteigen.

Freitag, 2. April 2010

vfl verspielt tabellenführung

Endlich ist dieser Druck weg. Gejagt zu werden, kann ganz schön anstrengend sein. Das hat jetzt ein Ende. Mit dem bemerkenswerten 2:3 in Sandhausen, wohlgemerkt nach souveräner 2:0-Führung, verspielt der VfL nach einigen Wochen redlicher Mühe endlich die Tabellenführung. Mit 53 Punkten liegt Osnabrück jetzt hinter Ingolstadt und Heidenheim, das die bessere Tordifferenz hat, nur noch auf Rang Drei. (Natürlich erst, wenn man die Tabelle vom Kopf auf die Füße stellt.)
Das sieht also alles ganz passabel aus. Denn jetzt kann der VfL das weite Feld in aller Ruhe von etwas weiter hinten beobachten, im Zweifel aufrollen oder sich im besten Fall auf die Relegationsspiele gegen Cottbus freuen.
Und es gibt noch mehr Gründe zur Freude: Das zweite Stürmertor im Jahr 2010 ist gefallen, und nachdem der lästige Spitzenreiter-Platz verspielt ist, kann Osnabrück gegen die Bayern endlich wieder leidenschaflich Vollgas geben. Wenn der Fußballgott Sonntag dann sein traditionelles Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Mittelkreis) spricht, dann weiß man, wer gemeint ist.

Donnerstag, 1. April 2010

punktabzug droht

Es ist wieder einmal nicht zu fassen: Während der "F"C Köln praktisch Woche für Woche mit Horden von Fans für Anspannung bei den Sicherheitsbehörden sorgt und zur Strafe nur ein halbes Geisterspiel in Hoffenheim aufgebrummt bekommt, wollen DFB und DFL nun offenbar an Borussia ein Exempel über Fairness auf der Fantribüne statuieren. Ein bisher medial kaum beachteter Zwischenfall am Rande des Heimspiels gegen den Hamburger SV sorgt für Sorgenfalten bei den Verantwortlichen des VfL: Ex-Ultra-Anführer Klaus-Günther Meister, der mittlerweile ein komfortables Saisonticket in der ersten Reihe der Gegengerade sein eigen nimmt, soll den Unparteiischen in der Halbzeitpause als "blinder Osterhase" beschimpft haben und ihn mit lila Schokoeiern beworfen haben. Umstehende Ordner sind -- angeblich auf Anweisung von Michi Frontzeck! -- untätig geblieben. Gladbach droht in einem nun vom DFB angestrengten Strafverfahren ein Punktabzug von bis zu 6 Punkten. Unklar ist, ob bei einer entsprechenden Entscheidung des Sportgerichts, die bereits nächste Woche erwartet wird, der Punktabzug für die laufende oder für die kommende Saison wirksam werden würde.

Mittwoch, 31. März 2010

seitenwechsel #110

In dieser Saison der Aufs und Abs ist das einzig Konstante der wöchentliche Seitenwechsel mit unseren lieben Kollegen von Seitenwahl. In dieser Woche sucht Joachim nach dem Sinn dieser Saison und macht Martin ganz melancholisch - nachzulesen wie immer bei Seitenwahl.


Lieber Martin,

es wimmelt nur so von Klarstellungen. Borussia hat nichts gegen eine Disco im Nordpark. Der Klassenerhalt ist noch nicht gesichert. Colautti geht, Jaures bleibt, van Nistelrooy war schon da und ist vorzeitig wieder weg, grußlos. Köln liegt am Niederrhein, aber irgendwie auch im Rheinland. Felix Magath könnte selbst mit Viktoria Aschaffenburg Meister werden, nicht aber mit Bayer Leverkusen (sonst wäre er Jesus; leider ist er nur Fußballgott). Bruno Labbadia wird demnächst Hoffenheim trainieren: Beide sind Meister der Hinrunde, danach geht's abwärts. Kreisliga zwo kann ja auch ganz chic sein.

Ich frage Dich, Martin: Wen interessiert das alles eigentlich, wo die Gefühlslage eine ganz andere ist? Der Klassenerhalt ist nach menschlichem Ermessen sichergestellt, und wir jubilieren. Gleichsam bleibt die Anspannung erhalten, denn das Ziel ist nicht zuletzt, vor Köln zu enden. Spannung pur, sage ich Dir also. Zudem: Wer geht, das ist von wenig Belang, wer kommt, das interessiert jedoch um so mehr. War Giovane Elber schon beim Audi-Händler in Gladbach? Boulevard, übernehmen Sie! Im Sommer dann die Frage aller Fragen: Wird Deutschland Weltmeister oder doch Roel Brouwers? Du siehst, die Themen gehen uns nicht aus, nur weil wir jetzt Hamburg besiegt haben. Ach ja, und dann ist da noch Osnabrück, die steigen auf und spielen bald gegen Bochum. Herrlich!

Dämlich nur, daß wir bis zum Wochenende warten müssen, um wieder ernüchtert zu sein. Ich bin entzückt zu lesen, wie sich jetzt alle auf das Kräftemessen in Stuttgart freuen, dabei ist die Frage doch nur, wie hoch wir verlieren. Seien wir ehrlich: Das Saisonziel ist zwar so gut wie erreicht, das Potential der Mannschaft bleibt aber unausgeschöpft, und selbst der Sieg gegen Hamburg gibt wenig Anlaß, nun auf säckeweise Punkte gegen Stuttgart, Bayern oder Schalke zu hoffen. Und Leverkusen? Naja, das ist eine eigene Geschichte. Vielleicht steht uns ja doch noch Großes bevor, wenn und weil wir Leverkusen besiegen. In der Tat dürfte die einzige Meisterschaftschance Leverkusens vielleicht darin bestehen, vierunddreißig Mal gegen uns zu spielen. Ansonsten vergeigen sie es, egal wie die Umstände sind.

Du siehst an allen Windungen meines Geistes (man könnte auch Blähungen sagen), daß mir allmählich der Sinn für das große, den Rest der Saison beherrschende Thema abhanden kommt. Trösten wir uns: Fußballdeutschland geht es nicht anders. Das derzeit beherrschende Thema ist schließlich, ob Jogi Löw Kevin Kuranyi begnadigt oder nicht? Ja haben denn alle einen Sprung im Nutella-Glas? Selbst Max Eberl äußert sich inzwischen offiziell hierzu, mit einem entschiedenen „Vielleicht!“, wie auf borussia.de nachzulesen ist. Wenn unser Wohl und Wehe von dieser Frage abhängt, Martin, dann wandern wir besser gleich nach Liechtenstein aus. Die haben nur sieben Fußballklubs, da könnten wir endlich mal den zehnten Rang unter Köppel pulverisieren.

Es grüßt Dich, im Hoffenheim-Trikot die Breite Straße in Köln entlangspazierend und alte Omas erschreckend, damit der DFB demnächst wirklich für ein Geisterspiel sorgen kann,

Dein Joachim

Montag, 29. März 2010

das große vereinsranking

Nachdem der Blick sich seit gestern zumindest temporär von den Abstiegsplätzen entfernt, sind neue Saisonziele gefragt. Nach unten ist der Abstand zu Nürnberg und Bochum recht komfortabel, aber der "F"C bleibt mit dem Sieg in Hannover den Fohlen auf den Fersen. Wir halten also fest, Saisonziel Nummer eins ist und bleibt wie immer, vor Köln in der Tabelle zu stehen. Dieses Ziel ist noch lange nicht erreicht.
Und wenn man dann auch noch höhere Ziele setzen will, dann gibt es den einen oder anderen Verein in umittelbarer Nähe, den es zu überholen gilt:
Hoffenheim, punktgleich mit Borussia. Hier sollten wir doch nicht nur bei den Zuschauerzahlen vorne stehen. Leider werden dann die Abstände auch schon wieder größer, und Mainz gönnen wir ja grundsätzlich auch einmal einen Erfolg. Aber Wolfsburg, diesen V(W)fL und Magath-Meister (das hat ja, wie man nun an Schalke sieht, nichts mit dem Verein zu tun), die noch zu kriegen, wie schön wäre das! Und dann natürlich Frankfurt, der Club mit dem anderen, dem ganz ganz falschen Michi... Es gibt noch viel zu erreichen in dieser Saison!

Sonntag, 28. März 2010

waterkant

Hurra, Gladbach bleibt volatil! Auf und nieder geht es in dieser Saison, und derzeit geht es gerade wieder einmal auf. Hamburg geschlagen, wer hätte das gedacht! Auch wenn man es sicher nicht sagen soll: mit dem Abstieg müsste es das ja nun bitte gewesen sein, wobei das Restprogramm es in sich hat. Während Borussia sich nun zumindest vorübergehend freigeschwommen hat, steigt der Alsterpegel bei den Jungs von der Waterkant zunehmend bis Oberkante Unterlippe.

Freitag, 26. März 2010

lethargie

Obwohl schon ein paar Tage länger aus dem Urlaub zurück, wirkt das zähe Aufstiegsrennen in der 3. Liga lähmend. Während nur wenige Mannschaften, wie etwa der VfL, zu all jenen Spielen auflaufen, zu denen es aufzulaufen gilt, machen sich andere Teams - vorgeblich witterungsbedingt - rar. Das führt mitunter zu kruden Tabellensituationen und munteren Plaudereien mit dem Schlendrian in Bord-Bistros der Deutschen Bahn nahe Stuttgart. (Der Rotwein dort ist übrigens nicht der schlechteste, aber wem sagen wir das?!)
Das alles ändert nun nichts daran, dass die Liga einen mächtig verschlafenen und unspannenden Eindruck macht, so verzerrt, wie sie sich von Wochenende zu Wochenende weiter schiebt. Mannschaften wie Regensburg oder Aue haben gefühlt noch überhaupt nicht gespielt in diesem Jahr. Wie will man da Fahrt aufnehmen geschweigedenn sich freuen auf ein, hüstel, mitreißenden Heimspiel gehen Wehen?

Mehr als das Tabellenelend ein wenig zu lichten, lässt die freitägliche Lethargie also nicht zu. Aber immerhin: Nehmen wir an, die Konkurrenz absolviert seine diversen (Nachhol-)Spiele so glücklich und erfolgreich wie der VfL selbst, führt Osnabrück die Tabelle nur noch mit einem schmalen Pünktchen Vorsprung an.

1. VfL, 52
2. Ingolstadt, 51
3. Aue, 51
4. Heidenheim, 50
5. Jena, 49
6. Braunschweig, 47
7. Offenbach, 43

Hurra, jetzt kommt Spannung auf.

Donnerstag, 25. März 2010

seitenwechsel #109

Nach dem Derby herrscht über Wochen Deutungsbedarf am Rhein. Was wäre besser geeignet für die ultimative Analyse als unser Muster an Kompetenzjournalismus, der Seitenwechsel. Woche für Woche brillieren wir mit unseren lieben Kollegen von Seitenwahl im Genre des philosophischen Briefwechsels. Doch diese Woche spricht Martin bei Seitenwahl übers Kino und Joachim träumt in seiner Antwort vom Leben als TV-Impressario. Mit dem Derby hat das aber trotzdem etwas zu tun.

Lieber Martin,

gerne rede ich mit Dir über Filme, zumal es mich an Zeiten erinnert, als es noch kein Internet gab und ich jung war. Als ich beispielsweise bis kurz vor Start der Kinovorführung zitterte, ob die Mindestzahl von drei Zuschauern zusammenkommen würde, damit im Programmkino „In China fällt ein Reissack um“ in der Originalsprache mit aramäischen Untertiteln gezeigt würde. Einmal, ein einziges Mal, wurde mir diese Qual erlassen, und ich hatte einen ganzen Kinosaal für mich allein. Herrlich! Störend war nur, daß mitten im Film die Putzfrau erschien und damit begann, ihre Sachen aufzuräumen. Das störte die Atmosphäre doch empfindlich.

Ähnlich gestört fühltest Du Dich durch das Unentschieden in Köln. Das ist nachvollziehbar, doch ich finde es weniger furchtbar, zumal es mir erläßt, jetzt hier voller Zorn im Karree zu titschen. Natürlich bin ich nicht zufrieden, zumal wir in der Rückrunde weniger Punkte geholt haben als Hertha BSC. Andererseits ist der komplette Absturz vermieden, und ich sehe wieder mit Hoffnung auf das Spiel gegen den HSV. Bundesligafußball ist eben etwas anderes als zum Beispiel Pokal und verlangt einen langen Atem: eher eine Serie als ein Spielfilm, um in Deinem Bild zu bleiben.

Tatsächlich beginne ich mich am Gedanken zu erwärmen, Borussia könne eine Daily Soap um das Geschick des Vereins entwickeln. Über den Titel denke ich noch nach. „Schlechte Zeiten, sehr schlechte Zeiten“ heben wir für den ÄffZeh auf. „Die Schuldenberatung“ trifft auf die falsche Borussia zu, und „Theo gegen den Rest der Welt“ ist sowieso vergeben. Die „Bökelberger“ klingt eher nach Fred Feuerstein und ist von den Ereignissen überholt, „Einsatz am Mordpark“ wirkt hingegen zu reißerisch. Ich plädiere daher vorläufig für „Geschäftsstelle Hennes-Weisweiler-Allee“ und bereite mal ein paar Drehbücher vor. Das erste beginnt damit, daß Bobadilla morgens vergeblich seinen Stiel sucht und dabei durch ein Fenster im dritten Stock fällt. Glücklicherweise steht unten Rainer Calmund und… (wer mir die Rechte abkaufen will, mailt an dagobert-duck-productions@entenhausen.euro).

Tja, lieber Martin, derzeit wird es also noch nichts aus unserer zweimonatigen Wanderung durch den Schwarzwald. Erstens bin ich gerade brutal kreativ, und zweitens hat mich diese Woche ein Kollege provoziert, der Fan von Eintracht Frankfurt ist – sagte er doch glatt zu mir, daß wir in dieser Saison keine direkten Konkurrenten seien. Ich habe ihn nur deshalb nicht erschlagen, weil wir zusammen in einer wichtigen Sitzung saßen und er stärker ist als ich. Ich bitte Dich, Martin, was sind schon sieben Punkte? Wenn die Griechen einfach sagen können, was sind schon ein paar hundert Milliarden Euro, dann sage ich: Rechnerisch schreiben wir das internationale Geschäft noch nicht ab. Und Frankfurt packen wir sowieso. Wenn nicht jetzt, dann gleich, ganz im Geiste unserer unendlichen Fernsehserie: Irgendwann stehen wir vor Frankfurt. Und vor den Bayern. Und vor Rosenkohl Montevideo. Und dann sind wir da, wo wir hingehören. Die Drehbücher für die paar tausend Folgen bis dahin kriegen wir hier doch locker voll, was, Martin?

Es grüßt Dich, voller Verwunderung, daß mein Sprachkontrollprogramm das Wort „Reissack“ als Fehler markiert und mir als gültige Alternativen „Reisesack“, „Reis sack“ und „Reiz sack“ anzeigt (hat da jemand einen Clown gefrühstückt?),

Dein Joachim

Mittwoch, 24. März 2010

ohne fans

Der "F"C Köln muss lt. Kicker "ohne Fans" zum Auswärtsspiel gegen Hoffenheim reisen. Dies ist die Strafe für die schlechten Manieren der Anhänger aus der Domstadt bei fünf bisherigen Partien. Ob dies ein gerechtes Urteil ist? Allenthalben rühmen sich nun die Beteiligten, immerhin sei das drohende Szenario eines Geisterspiels vermieden worden.

Das verstehe ich nicht. Ein Spiel in Hoffenheim ohne Fans der Gastmannschaft, was ist das denn anderes als ein Geisterspiel?

Dienstag, 23. März 2010

war da noch was?

Nach den Ausfällen der letzten Tage gibt es natürlich einiges nachzuarbeiten hier. Zunächst einmal das Derby. Jaaaa, das Derby. Also: Das Derby. Ringdingding, das Derby. Was soll ich sagen, ich glaube, ich mag gar nichts dazu sagen. Die ganzen Weltendeuter haben sich ja schon ausgiebig mit dem Einseins befasst und sind zu den unterschiedlichsten Schlüssen gekommen.

Jedenfalls hat Borussia jetzt schon so viele Punkte wie zum Ende der letzten Saison. Das ist zweifellos ein Erfolg. Dass Max Eberl sich allerdings dazu hinreißen lässt, man sei dem Ziel, "eine stabile Saison" zu spielen, nun sehr nahe, macht mich schmunzeln. Eine Saison (weitgehend) ohne Abstiegsangst, da ist Borussia auf einem guten Weg. Aber stabil? Stabil ist die Leistung des VfL nur nach Maßstäben von Wackelpudding, der ja im weitesten Sinne auch stabil ist...