Sonntag, 31. Mai 2009
angst
"Dergleichen Angst und Qual wiederholte ich so oft, bis der Eindruck mir ganz gleichgültig war, und ich habe nachher bei Bergreisen und geologischen Studien, [aber auch im Abstiegskampf, die Redaktion] [...] von jenen Vorübungen großen Vorteil gezogen." Sagt Goethe in "Dichtung und Wahrheit".
Samstag, 30. Mai 2009
milch geben
Mit ein bisschen Abstand muss man sagen: Es gibt, sogar nach einer Saison der Rückschläge und Nachlässigkeiten, überhaupt keinen Grund, warum der VfL nicht gegen den Drittligisten Paderborn 2:0 oder 3:1 oder eben ausreichend hoch gewinnen können sollte. Allerdings müsste sich bis Montagnachmittag noch jemand finden, der in der Lage ist, einen durchdachten Angriff zu initiieren; und jemand, der es vermag, ein Tor zu schießen. Beides klingt einfach, im ersten Duell gestern aber spielte offenkundig niemand mit, der das konnte.
Völlig grundlos stellt sich plötzlich trotzdem Zuversicht ein. Marcel Schuon ist derzeit keine besonders große Stütze in der Abwehr, sein Kopfballspiel macht schwitzend und sein Mühe, das Offensivspiel anzutreiben, ist ehrenwert, doch wie eh und je ergebnislos. Matthias Heidrich ist außer Form und sehr, sehr langsam im Mitdenken, taktische Schnelligkeit sucht man bei ihm derzeit vergeblich. Fiete Sykora, hoch veranlagt in eigentlich jeder für einen Offensivspieler relevanten Hinsicht, steht neben sich, rennt, wenn es nicht Not tut, und steht, wenn er rennen sollte.
Omodiagbe spielt stark, bis auf einen entscheidenden Fehler; Geißer ist erwartbar noch nicht wieder fit genug für einen echten Spielmacher; Schäfer ist eine Bank auf der linken Seite, aber keine so stabile wie in der Hinserie; Cichon ist Chef mit Überblick, aber langsamer Chef mit Überblick; Reichenberger ist weniger als nicht in Form.
Mathias Surmann, der alte Mann, spielt nicht überragend, aber fast fehlerlos. Henning Grieneisen reißt keine Bäume aus, aber lässt so etwas wie Spielintelligenz aufblitzen. Nico Frommer kämpft. Diese drei - und der solide, ruhige Tino Berbig - müssen die anderen mitreißen. Mit einer Menge Glück, 16.000 Zuschauern im Rücken und: Zuversicht könnte es klappen. Könnte.
Die Startelf jedenfalls wird dann anders aussehen, das hat der Trainer schon angekündigt. Sich der breiten Qualität seines Kaders offenbar verstörend gewiss, habe er im Hinspiel gar den ein oder anderen Akteur geschont. Das hat Züge von Magath'scher Arroganz und verdient allein deshalb schon den großen Triumph. Jetzt müssen seine Spieler nur noch - wie Journalisten über gute Interviewpartner sagen - Milch geben. Ein Mal noch, wenigstens.
Völlig grundlos stellt sich plötzlich trotzdem Zuversicht ein. Marcel Schuon ist derzeit keine besonders große Stütze in der Abwehr, sein Kopfballspiel macht schwitzend und sein Mühe, das Offensivspiel anzutreiben, ist ehrenwert, doch wie eh und je ergebnislos. Matthias Heidrich ist außer Form und sehr, sehr langsam im Mitdenken, taktische Schnelligkeit sucht man bei ihm derzeit vergeblich. Fiete Sykora, hoch veranlagt in eigentlich jeder für einen Offensivspieler relevanten Hinsicht, steht neben sich, rennt, wenn es nicht Not tut, und steht, wenn er rennen sollte.
Omodiagbe spielt stark, bis auf einen entscheidenden Fehler; Geißer ist erwartbar noch nicht wieder fit genug für einen echten Spielmacher; Schäfer ist eine Bank auf der linken Seite, aber keine so stabile wie in der Hinserie; Cichon ist Chef mit Überblick, aber langsamer Chef mit Überblick; Reichenberger ist weniger als nicht in Form.
Mathias Surmann, der alte Mann, spielt nicht überragend, aber fast fehlerlos. Henning Grieneisen reißt keine Bäume aus, aber lässt so etwas wie Spielintelligenz aufblitzen. Nico Frommer kämpft. Diese drei - und der solide, ruhige Tino Berbig - müssen die anderen mitreißen. Mit einer Menge Glück, 16.000 Zuschauern im Rücken und: Zuversicht könnte es klappen. Könnte.
Die Startelf jedenfalls wird dann anders aussehen, das hat der Trainer schon angekündigt. Sich der breiten Qualität seines Kaders offenbar verstörend gewiss, habe er im Hinspiel gar den ein oder anderen Akteur geschont. Das hat Züge von Magath'scher Arroganz und verdient allein deshalb schon den großen Triumph. Jetzt müssen seine Spieler nur noch - wie Journalisten über gute Interviewpartner sagen - Milch geben. Ein Mal noch, wenigstens.
Freitag, 29. Mai 2009
tief
|punkt, der: tiefster Punkt, negativster od. bes. negativer Abschnitt einer Entwicklung, eines Ablaufs o. Ä.
Hoffentlich jedenfalls.
Hoffentlich jedenfalls.
Donnerstag, 28. Mai 2009
walter momper schweigt
Jeder Strohhalm, sei er noch so klein, ist es wert, dass man sich an ihn klammert. Schließlich weiß niemand, was aus der Wundertüte VfL am Ende dieser langen Saison noch so raus sprudelt. Die beiden Relegationsspiele gegen Paderborn geben Anlass zu ungewöhnlichen Schritten. Deshalb haben wir Walter Momper einen Brief geschrieben. Der SPD-Politiker ist Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin.
Sehr geehrter Herr Momper,
im Streit um den verbindlichen Ethik- und Religionsunterricht in Berlin haben Sie vor kurzem als Schirmherr der Initiative "Pro Ethik" einen Erfolg errungen: Beim Volksentscheid haben die Berlinerinnen und Berliner bekanntlich dafür gestimmt, alles beim Alten zu lassen: Ethik allein bleibt Pflichtfach an Berlins Schulen. "Pro Reli" hat mit seinem Ansinnen verloren.
Wir vom "VfLog", einem Online-Magazin für Fußballkultur, würden uns sehr freuen, wenn Sie den Spaß mitmachen würden, uns in einer ganz ähnlichen Sache ein schriftliches Statement zu geben: Denn wir kämpfen aktuell gegen hartnäckige Gegner von "Pro Rele".
Der Hintergrund: Der VfL Osnabrück muss am kommenden Freitag und Montag zwei Relegationsspiele gegen den SC Paderborn bestreiten. Es geht darum, wer künftig in der 2. Fußball-Bundesliga spielen darf.
In Osnabrück gilt es nun ähnlich wie seinerzeit bei Ihnen in Berlin, Mittel und Wege zu finden, die alten Verhältnisse beizubehalten. Das heißt: Der VfL gehört auch künftig in die zweite Liga, Paderborn muss drittklassig bleiben. Die lästige "Pro Rele"-Bewegung darf keinen Erfolg haben.
Deshalb möchten wie Sie herzlich bitten, uns die folgenden drei Fragen zu beantworten:
1. Nach dem Volksentscheid in Berlin sagten Sie: "Ich bin froh, dass sich die Berliner nicht haben einlullen lassen." Wie können es die Osnabrücker am besten schaffen, sich nicht von den "Pro Rele"-Gegnern aus Paderborn einlullen zu lassen?
2. Mehr als 360.000 Menschen konnten Sie in Berlin auf Ihre Seite ziehen. In Osnabrück reichten schon gut 16.000 - mehr passen nicht ins Stadion. Plus elf auf dem Rasen. Wie schafft man es in unsicherer Lage, so viele Menschen für die gute Sache zu elektrisieren?
3. Wichtig wird sein, den Fußballgott zu überzeugen, dass "Pro Rele" irrt. Verraten Sie uns bitte Ihr schlagendstes Argument, warum der VfL Osnabrück auch künftig in die zweite Liga gehört.
Walter Momper stammt aus der Nähe von Diepholz und ist gebürtiger Niedersachse. Trotzdem antwortet sein Sprecher, "dass Herr Momper sich nicht an Ihrer Aktion beteiligen möchte". Dem Mann ist nicht mehr zu helfen. Doch wer hilft nun unserem VfL?
Sehr geehrter Herr Momper,
im Streit um den verbindlichen Ethik- und Religionsunterricht in Berlin haben Sie vor kurzem als Schirmherr der Initiative "Pro Ethik" einen Erfolg errungen: Beim Volksentscheid haben die Berlinerinnen und Berliner bekanntlich dafür gestimmt, alles beim Alten zu lassen: Ethik allein bleibt Pflichtfach an Berlins Schulen. "Pro Reli" hat mit seinem Ansinnen verloren.
Wir vom "VfLog", einem Online-Magazin für Fußballkultur, würden uns sehr freuen, wenn Sie den Spaß mitmachen würden, uns in einer ganz ähnlichen Sache ein schriftliches Statement zu geben: Denn wir kämpfen aktuell gegen hartnäckige Gegner von "Pro Rele".
Der Hintergrund: Der VfL Osnabrück muss am kommenden Freitag und Montag zwei Relegationsspiele gegen den SC Paderborn bestreiten. Es geht darum, wer künftig in der 2. Fußball-Bundesliga spielen darf.
In Osnabrück gilt es nun ähnlich wie seinerzeit bei Ihnen in Berlin, Mittel und Wege zu finden, die alten Verhältnisse beizubehalten. Das heißt: Der VfL gehört auch künftig in die zweite Liga, Paderborn muss drittklassig bleiben. Die lästige "Pro Rele"-Bewegung darf keinen Erfolg haben.
Deshalb möchten wie Sie herzlich bitten, uns die folgenden drei Fragen zu beantworten:
1. Nach dem Volksentscheid in Berlin sagten Sie: "Ich bin froh, dass sich die Berliner nicht haben einlullen lassen." Wie können es die Osnabrücker am besten schaffen, sich nicht von den "Pro Rele"-Gegnern aus Paderborn einlullen zu lassen?
2. Mehr als 360.000 Menschen konnten Sie in Berlin auf Ihre Seite ziehen. In Osnabrück reichten schon gut 16.000 - mehr passen nicht ins Stadion. Plus elf auf dem Rasen. Wie schafft man es in unsicherer Lage, so viele Menschen für die gute Sache zu elektrisieren?
3. Wichtig wird sein, den Fußballgott zu überzeugen, dass "Pro Rele" irrt. Verraten Sie uns bitte Ihr schlagendstes Argument, warum der VfL Osnabrück auch künftig in die zweite Liga gehört.
Walter Momper stammt aus der Nähe von Diepholz und ist gebürtiger Niedersachse. Trotzdem antwortet sein Sprecher, "dass Herr Momper sich nicht an Ihrer Aktion beteiligen möchte". Dem Mann ist nicht mehr zu helfen. Doch wer hilft nun unserem VfL?
Mittwoch, 27. Mai 2009
feine ironie
Gibt's eigentlich irgend jemanden, der unseren süßen Text über Relegationsspiele seinerzeit nicht als Ironie verstanden hat, als gar nicht so ernst gemeint? Regelationsspiele, klaro, haben "immer einen Pepp, immer was Außergewöhnliches. Vom Reiz, vom Druck, vom ganzen Drumherum sind das zwei fantastische Spiele. Ich finde das einfach toll".
Dienstag, 26. Mai 2009
die farbe lila
Kümmern wir uns kurz um wichtigeres, nämlich die Europawahl. Mit etwas Rafinesse und guter Lobbyarbeit in Brüssel sollte es uns über kurz oder lang gelingen, ein Champions League-Endspiel zwischen den beiden VfLs am grünen Tisch zu erwirken. Richtig einleuchten kann nämlich nicht, warum ManU und Barcelona um den Titel wetteifern, der qua Vereinsnamen den VfLs viel besser zu Gesicht stünde. Sei's drum, wir arbeiten ja dran. Die Frage ist nur: Wen wählen am 7. Juni?
Zwar haben die Kollegen vom Wahl-O-Mat die Causa Champions-League-Finale in ihrem Fragenkatalog vergessen, trotzdem mag ihre Adresse als erste Anlaufstelle hilfreich sein. Deren Wahlvorschlag empfiehlt mir in dieser Reihenfolge die Systemparteien "Grüne", "Linke" und "SPD" (das ist die kleine Splitterpartei, die gern mal mehrfach gegen dieselbe Wand rennt). Auf Platz 4 aber folgt die rührige "Partei für soziale Gleichheit, Sektion der vierten Internationale". Das klingt possierlich und dürfte allemal hinreichen für eine starke Mönchengladbacher Fraktion.
Wer indes lila-weiß ist, aus Osnabrück kommt und mehr Demokratie für die gute Sache wagen will, für den bleiben nur "Die Violetten für spirituelle Politik". Die Politprofis schreiben: "Alles ist Schwingung vom Gedanken bis zur Materie." Wer soll da was gegen haben?
Zwar haben die Kollegen vom Wahl-O-Mat die Causa Champions-League-Finale in ihrem Fragenkatalog vergessen, trotzdem mag ihre Adresse als erste Anlaufstelle hilfreich sein. Deren Wahlvorschlag empfiehlt mir in dieser Reihenfolge die Systemparteien "Grüne", "Linke" und "SPD" (das ist die kleine Splitterpartei, die gern mal mehrfach gegen dieselbe Wand rennt). Auf Platz 4 aber folgt die rührige "Partei für soziale Gleichheit, Sektion der vierten Internationale". Das klingt possierlich und dürfte allemal hinreichen für eine starke Mönchengladbacher Fraktion.
Wer indes lila-weiß ist, aus Osnabrück kommt und mehr Demokratie für die gute Sache wagen will, für den bleiben nur "Die Violetten für spirituelle Politik". Die Politprofis schreiben: "Alles ist Schwingung vom Gedanken bis zur Materie." Wer soll da was gegen haben?
Montag, 25. Mai 2009
wer findet den fehler?
Heute zum Welttag der Chauvinisten spielen wir das beliebte Spiel mit dem Fehler im Bild. Wer ihn findet, den wird nicht länger verwundern, warum der VfL gestern in Duisburg zeitweise etwas beteiligungslos wirkte: Die Mannschaft wähnte sich schlicht im falschen Wettbewerb. Und was nun einmal richtige Gentleman sind, die wollen vornehm gefallen und nicht allzu aggressiv.
Sonntag, 24. Mai 2009
pro rele
Übrigens, mit einem Sieg hätte der VfL die Saison heute als 13. beschlossen. Die Relegationsspiele über Pfingsten hätten dann die Pudel aus Frankfurt bestreiten müssen. Es ging also um einiges. Dies nur, weil es zeitweise schien, als sei einigen Akteuren in lila-weiß die Tragweite dieser 90 Minuten von Duisburg nicht ganz klar. Doch das täusche, bat Trainer Pele Wollitz anschließend in der Pressekonferenz um Nachsicht.
Dennoch forderten viele der schätzungsweise knapp 9.000 Fans, die sich auf den Weg ins Ruhrgebiet gemacht hatten, lauthals: „Wir wollen euch kämpfen sehen!“ In einem Alles-oder-Nichts-Spiel! Im letzten Saisonspiel! In einem Spiel, dessen drei Punkte einen Triumph bedeuteten! „Es ist verständlich, dass die Fans enttäuscht sind und vielleicht auch mal denken: ‚Die kämpfen ja gar nicht.’ Aber das ist nicht so. Alle kämpfen, da bin ich mir sicher“, antwortete Wollitz.
Nun darf man fünf Tage hoffen, dass er recht hat. Denn allein die zurückhaltende Körpersprache, der nicht erkennbare hundertprozentige Wille und analog dazu die nachlässige Spielanlage machen für die Relegationsspiele bange, nicht die Niederlage in Duisburg an sich.
Der MSV hat eine Klassemannschaft, besonders wenn Duisburg über die rechte Seite nach vorne spielt. Mit Cedrick Makiadi, Maicon, Dorge Kouemaha und Sandro Wagner klappte das oft so zügig und ballsicher, dass die VfL-Defensive des öfteren alt aussah. Sei’s drum, das war erwartbar.
Auch erwartbar, aber mit jeder Wiederholung ärgerlicher werden die kläglichen Pannen im Spielaufbau des VfL. In der Vorwärtsbewegung den Ball verlieren und dann flugs ein Gegentor fangen, darin hat es Osnabrück in dieser Spielzeit zur Meisterschaft gebracht. Beim ersten Tor Peitz, beim dritten Geißler, beim vierten Thomik – das Muster ist immer gleich: Der VfL nimmt Fahrt auf, eine viel versprechende Offensivaktion zeichnet sich auf dem Rasen ab, die Spieler schalten im Kopf um auf „Angriff“ und ändern dementsprechend die taktische Formation – und dann passiert ein Fehler. So schnell, wie gute Gegner nun kontern, kommt der VfL nicht mehr hinterher. Vieles spricht dafür: Die Qualität fehlt vorne, womöglich noch im defensiven Mittelfeld, jedenfalls nicht hinten in der Viererkette, die gemeinhin – und wenn das Spiel nicht ohnehin schon entschieden ist – recht stabil steht.
„Das wichtigste ist: Wir dürfen uns jetzt nicht selbst bemitleiden. Wir haben heute verloren, sind aber noch nicht der Verlierer.“ Seiner Wort- nun die Ballakrobatik seiner Kicker anzupassen, das wird das Ziel von Pele Wollitz für die Spieltage 35 und 36 sein. Ob’s klappt? Duisburgs Zampano Peter Neururer wünschte rührig „von ganzem Herzen alles, alles Gute“, denn der VfL gehöre absolut in die zweite Liga. Warum eigentlich?
Wenigstens der Fans wegen: „Wenn ein Spieler nicht verstanden hat, was es heißt, vor diesem unglaublichen Publikum zu spielen, hat er auf dem Platz nichts zu suchen“, mahnte Wollitz seine Kicker und hofft zu Pfingsten auf ganz besondere Feiertage. Bestenfalls verwandelt die Mannschaft das ‚wenigstens’ dann am kommenden Wochenende in ein ‚mindestens’! „Wir werden bereit sein!“ Verspricht der Trainer.
Es ist übrigens, das nur nebenbei, ein Armutszeugnis und zeugt nicht gerade von übermäßiger Qualität, wenn in der zweiten Bundesliga vier Teams, unter Umständen mit dem VfL gar fünf, den Klassenerhalt mit zum Teil deutlich weniger als 40 Punkten bewerkstelligen.
Dennoch forderten viele der schätzungsweise knapp 9.000 Fans, die sich auf den Weg ins Ruhrgebiet gemacht hatten, lauthals: „Wir wollen euch kämpfen sehen!“ In einem Alles-oder-Nichts-Spiel! Im letzten Saisonspiel! In einem Spiel, dessen drei Punkte einen Triumph bedeuteten! „Es ist verständlich, dass die Fans enttäuscht sind und vielleicht auch mal denken: ‚Die kämpfen ja gar nicht.’ Aber das ist nicht so. Alle kämpfen, da bin ich mir sicher“, antwortete Wollitz.
Nun darf man fünf Tage hoffen, dass er recht hat. Denn allein die zurückhaltende Körpersprache, der nicht erkennbare hundertprozentige Wille und analog dazu die nachlässige Spielanlage machen für die Relegationsspiele bange, nicht die Niederlage in Duisburg an sich.
Der MSV hat eine Klassemannschaft, besonders wenn Duisburg über die rechte Seite nach vorne spielt. Mit Cedrick Makiadi, Maicon, Dorge Kouemaha und Sandro Wagner klappte das oft so zügig und ballsicher, dass die VfL-Defensive des öfteren alt aussah. Sei’s drum, das war erwartbar.
Auch erwartbar, aber mit jeder Wiederholung ärgerlicher werden die kläglichen Pannen im Spielaufbau des VfL. In der Vorwärtsbewegung den Ball verlieren und dann flugs ein Gegentor fangen, darin hat es Osnabrück in dieser Spielzeit zur Meisterschaft gebracht. Beim ersten Tor Peitz, beim dritten Geißler, beim vierten Thomik – das Muster ist immer gleich: Der VfL nimmt Fahrt auf, eine viel versprechende Offensivaktion zeichnet sich auf dem Rasen ab, die Spieler schalten im Kopf um auf „Angriff“ und ändern dementsprechend die taktische Formation – und dann passiert ein Fehler. So schnell, wie gute Gegner nun kontern, kommt der VfL nicht mehr hinterher. Vieles spricht dafür: Die Qualität fehlt vorne, womöglich noch im defensiven Mittelfeld, jedenfalls nicht hinten in der Viererkette, die gemeinhin – und wenn das Spiel nicht ohnehin schon entschieden ist – recht stabil steht.
„Das wichtigste ist: Wir dürfen uns jetzt nicht selbst bemitleiden. Wir haben heute verloren, sind aber noch nicht der Verlierer.“ Seiner Wort- nun die Ballakrobatik seiner Kicker anzupassen, das wird das Ziel von Pele Wollitz für die Spieltage 35 und 36 sein. Ob’s klappt? Duisburgs Zampano Peter Neururer wünschte rührig „von ganzem Herzen alles, alles Gute“, denn der VfL gehöre absolut in die zweite Liga. Warum eigentlich?
Wenigstens der Fans wegen: „Wenn ein Spieler nicht verstanden hat, was es heißt, vor diesem unglaublichen Publikum zu spielen, hat er auf dem Platz nichts zu suchen“, mahnte Wollitz seine Kicker und hofft zu Pfingsten auf ganz besondere Feiertage. Bestenfalls verwandelt die Mannschaft das ‚wenigstens’ dann am kommenden Wochenende in ein ‚mindestens’! „Wir werden bereit sein!“ Verspricht der Trainer.
Es ist übrigens, das nur nebenbei, ein Armutszeugnis und zeugt nicht gerade von übermäßiger Qualität, wenn in der zweiten Bundesliga vier Teams, unter Umständen mit dem VfL gar fünf, den Klassenerhalt mit zum Teil deutlich weniger als 40 Punkten bewerkstelligen.
Samstag, 23. Mai 2009
danke hannover, danke frankfurt!
Es zeigt sich, wer Charakter hat. Leverkusen lässt sich schlachten. Bremen lässt sich schlachten. Aber Frankfurt kämpft für Funkel und bringt den HSV zu Fall (wenn alles so bleibt), und Hannover schießt das Führungstor gegen Bielefeld. Obwohl es für alle um nix mehr geht. Jetzt sieht es doch beruhigend aus...
ausgleich!
...aber der hsv hat auch zwei tore kassiert. damit würde es doch für dortmund reichen. borussenfrieden ab jetzt?
drunterdrüber
Wolfsburg marschiert, Bayern führt, aber vor allem: Hamburg führt. Noch mehr Druck auf den BVB. Ist das gut oder schlecht?
live von woanders
Ein amerikanisches Hotelzimmer. 08:30h Ortszeit. WDR2 im Livestream. Ein türkischer TV-Sender im ruckligen Bild. Der Süddeutsche Liveticker in einem weiteren Fenster.
Näher ran komme ich heute nicht.
Und zittere.
Näher ran komme ich heute nicht.
Und zittere.
Freitag, 22. Mai 2009
seitenwechsel #85
Bald ist alles vorbei. Sei's drum: Unterhaching gegen Gladbach und Osnabrück gegen den 1. FC Heidenheim sind doch spannende Duelle. Bis es soweit ist, trösten wir unverbesserlichen Pessimisten uns mit dem wöchentlichen Seitenwechsel: Zum 85. Mal spielen wir schicke Kurzpässe und lange Flanken mit den lieben Kollegen von Seitenwahl. Joachim legt vor und macht sich heuer in Chemitz auf die Suche nach der Blauen Mauritius. Martin antwortet und orakelt bei Seitenwahl über das Leistungsprofil von 19jährigen Publizistikstudentinnen.
Lieber Maik, lieber Martin,
die Saison neigt sich dem Ende zu, und mit den Nerven steht es nicht zum besten. So auch beim SEITENwechsel, zumindest schließe ich das aus der Tatsache, daß Ihr Euch noch nicht festlegen konntet, wer denn nun auf diesen Brief antworten muß und somit für kostbare Minuten aus der geistigen Vorbereitung auf den letzten Spieltag gerissen wird. Dabei könnte alles so viel einfacher sein, etwa mit dem Beharren auf ein gepflegtes Phlegma.
Die ganze Spielzeit habe ich – mit wenigen umnachteten Aussetzern – darauf beharrt, daß wir die Klasse halten, und wo stehen wir derzeit? Eben! Irgendwie habe ich nach wie vor nicht im mindesten das Gefühl, wir könnten doch noch absteigen. Ich weiß, daß ich mich da furchtbar irren kann, aber das Gefühl ist nun mal da. Mit Grausen erinnere ich mich noch an 2001, als wir vor dem letzten Spiel gegen die bereits abgestiegenen Chemnitzer drei Punkte und so etwa zehn Tore Vorsprung auf Platz vier in der Zweiten Liga hatten und ich trotzdem die ganze Woche vor dem Spiel völlig fertig war, weil ich dachte, das kann trotzdem noch schiefgehen. Nun ist die Gefahr, daß es schiefgeht, objektiv deutlich größer, und dennoch bin ich die Ruhe selbst. Warum, weiß ich nicht, aber ich denke, daß das letztlich so ist wie bei Bergsteigern: je mehr Erfahrung Du hast und je weiter Du hinauf willst, desto höher werden die objektiven Risiken, aber das läßt sich durch Reduktion der subjektiven Risiken kompensieren. Einfacher ausgedrückt: Wir haben schon so viel Schlimmes mit Borussia mitgemacht, daß uns die derzeitige Situation nicht stressen kann.
Wenn Hans Meyer dies liest, würde er mich vermutlich für ahnungslos, wenn nicht gemeingefährlich irre erklären, aber da sage ich nur: Hinterher kann ich mich ja immer noch ärgern. Wozu die Feiertagsfreude verhageln lassen? Deswegen, lieber Maik/Martin, lautet die Devise: Wer ist Dortmund? Sollen sie sich die ganze Woche auf ihrem Trainingsgelände einschließen, wir werfen ihnen hier und heute entgegen: Gebt die Punkte schon mal her. Ich fange hier gar nicht von Unentschieden an, denn wie Felix Magath (auf oder in der Nähe des Münchner Rathausbalkons) richtigerweise sagte: Wir können gar nicht auf ein Unentschieden spielen (nicht, daß wir auf irgendwas spielen könnten, geschweige denn einem Bierdeckel, aber es klingt gut, und wer weiß, vielleicht stimmt es ja auch – obwohl so eine Relegation gegen Nürnberg natürlich ihren Charme hätte).
Sehr positiv habe ich übrigens diese Woche beim VfLog zur Kenntnis genommen, daß die üblichen Attacken gegen meinen Heimatverein TuS Koblenz unterblieben sind. Es hat zwar gedauert, aber irgendwann hat sich selbst Euer Osnabrücker Sportdirektor – oder watt datt da is – zu Wort gemeldet und auf einen Einspruch gegen die Spielwertung gegen St. Pauli verzichtet, unbeleckt von der Erkenntnis, daß er sowieso kein Einspruchsrecht gehabt hätte. Ich frage ja auch bei jedem Spiel, das ich sehe, vor Anpfiff nach dem Bogen mit den Mannschaftsaufstellungen und wundere mich in den Amateurligen (also Zweite Liga und tiefer) häufig, wer dieses Gekritzel eigentlich fabriziert hat und wer das lesen soll. Um so schöner ist es, jetzt zu wissen, daß das wie bei Briefmarken ist: Von derselben Art sind mehrere in Umlauf, und manche weisen Fehler auf, die fast so teuer werden können wie die Blaue Mauritius. Hauptsache, nach dem 34. Spieltag sind keine fehlerhaften Tabellen in Umlauf, sondern nur korrekte, die zudem unsere Vereine oberhalb des imaginären Strichs ausweisen!
Ich selbst werde das erst später überprüfen können, denn das Wochenende wird stressig für mich. Ich möchte in so vielen Stadien wie möglich anwesend sein, denn nie wieder habe ich derartige Chancen, den Cheftrainerposten eines Profivereins angetragen zu bekommen. Neulich machten wir hier Witze über die Anstellung von Jupp Heynckes, und wir dachten, vielleicht wird ja gar in der Halbzeitpause des letzten Spieltags noch jemand gefeuert. Bielefeld ist inzwischen weit auf diesem Weg fortgeschritten und hat tatsächlich nach dem 33. Spieltag – grundlos, wie sie selber wissen – den Trainer entlassen. Das läßt auf mehr hoffen. Das Prinzip kann somit für Samstag und Sonntag nur lauten, sich möglichst nahe an möglichst vielen Präsidenten möglichst angeschlagener Vereine aufzuhalten, und schwupps sitzt Du auf der Bank. Bist Du dann noch in Bayern, ist die Chance als (Ex-)Borusse noch wesentlich höher: Nach Heynckes und Köppel haben sie doch glatt noch Lienen dort untergebracht. Samstag bei den Bayern, Sonntag in Nürnberg (wenn die nach 45 Minuten Platz 2 zu verpassen drohen, eieiei, da ist das Saisonziel Aufstieg in Gefahr…), ich denke, ich weiß, wo ich hin muß. Abends siehst Du mich dann im Fernsehen, nachdem ich den Erfolg eingewechselt habe. Ich muß bis dahin nur herausfinden, welche Rückennummer dieser Erfolg hat – und ob er auf wenigstens einem der parallel kursierenden Aufstellungsbögen steht…
Es grüßt Dich das Ziel fest im Auge und jeden berechtigten Zweifel kujonierend
Dein Joachim
Lieber Maik, lieber Martin,
die Saison neigt sich dem Ende zu, und mit den Nerven steht es nicht zum besten. So auch beim SEITENwechsel, zumindest schließe ich das aus der Tatsache, daß Ihr Euch noch nicht festlegen konntet, wer denn nun auf diesen Brief antworten muß und somit für kostbare Minuten aus der geistigen Vorbereitung auf den letzten Spieltag gerissen wird. Dabei könnte alles so viel einfacher sein, etwa mit dem Beharren auf ein gepflegtes Phlegma.
Die ganze Spielzeit habe ich – mit wenigen umnachteten Aussetzern – darauf beharrt, daß wir die Klasse halten, und wo stehen wir derzeit? Eben! Irgendwie habe ich nach wie vor nicht im mindesten das Gefühl, wir könnten doch noch absteigen. Ich weiß, daß ich mich da furchtbar irren kann, aber das Gefühl ist nun mal da. Mit Grausen erinnere ich mich noch an 2001, als wir vor dem letzten Spiel gegen die bereits abgestiegenen Chemnitzer drei Punkte und so etwa zehn Tore Vorsprung auf Platz vier in der Zweiten Liga hatten und ich trotzdem die ganze Woche vor dem Spiel völlig fertig war, weil ich dachte, das kann trotzdem noch schiefgehen. Nun ist die Gefahr, daß es schiefgeht, objektiv deutlich größer, und dennoch bin ich die Ruhe selbst. Warum, weiß ich nicht, aber ich denke, daß das letztlich so ist wie bei Bergsteigern: je mehr Erfahrung Du hast und je weiter Du hinauf willst, desto höher werden die objektiven Risiken, aber das läßt sich durch Reduktion der subjektiven Risiken kompensieren. Einfacher ausgedrückt: Wir haben schon so viel Schlimmes mit Borussia mitgemacht, daß uns die derzeitige Situation nicht stressen kann.
Wenn Hans Meyer dies liest, würde er mich vermutlich für ahnungslos, wenn nicht gemeingefährlich irre erklären, aber da sage ich nur: Hinterher kann ich mich ja immer noch ärgern. Wozu die Feiertagsfreude verhageln lassen? Deswegen, lieber Maik/Martin, lautet die Devise: Wer ist Dortmund? Sollen sie sich die ganze Woche auf ihrem Trainingsgelände einschließen, wir werfen ihnen hier und heute entgegen: Gebt die Punkte schon mal her. Ich fange hier gar nicht von Unentschieden an, denn wie Felix Magath (auf oder in der Nähe des Münchner Rathausbalkons) richtigerweise sagte: Wir können gar nicht auf ein Unentschieden spielen (nicht, daß wir auf irgendwas spielen könnten, geschweige denn einem Bierdeckel, aber es klingt gut, und wer weiß, vielleicht stimmt es ja auch – obwohl so eine Relegation gegen Nürnberg natürlich ihren Charme hätte).
Sehr positiv habe ich übrigens diese Woche beim VfLog zur Kenntnis genommen, daß die üblichen Attacken gegen meinen Heimatverein TuS Koblenz unterblieben sind. Es hat zwar gedauert, aber irgendwann hat sich selbst Euer Osnabrücker Sportdirektor – oder watt datt da is – zu Wort gemeldet und auf einen Einspruch gegen die Spielwertung gegen St. Pauli verzichtet, unbeleckt von der Erkenntnis, daß er sowieso kein Einspruchsrecht gehabt hätte. Ich frage ja auch bei jedem Spiel, das ich sehe, vor Anpfiff nach dem Bogen mit den Mannschaftsaufstellungen und wundere mich in den Amateurligen (also Zweite Liga und tiefer) häufig, wer dieses Gekritzel eigentlich fabriziert hat und wer das lesen soll. Um so schöner ist es, jetzt zu wissen, daß das wie bei Briefmarken ist: Von derselben Art sind mehrere in Umlauf, und manche weisen Fehler auf, die fast so teuer werden können wie die Blaue Mauritius. Hauptsache, nach dem 34. Spieltag sind keine fehlerhaften Tabellen in Umlauf, sondern nur korrekte, die zudem unsere Vereine oberhalb des imaginären Strichs ausweisen!
Ich selbst werde das erst später überprüfen können, denn das Wochenende wird stressig für mich. Ich möchte in so vielen Stadien wie möglich anwesend sein, denn nie wieder habe ich derartige Chancen, den Cheftrainerposten eines Profivereins angetragen zu bekommen. Neulich machten wir hier Witze über die Anstellung von Jupp Heynckes, und wir dachten, vielleicht wird ja gar in der Halbzeitpause des letzten Spieltags noch jemand gefeuert. Bielefeld ist inzwischen weit auf diesem Weg fortgeschritten und hat tatsächlich nach dem 33. Spieltag – grundlos, wie sie selber wissen – den Trainer entlassen. Das läßt auf mehr hoffen. Das Prinzip kann somit für Samstag und Sonntag nur lauten, sich möglichst nahe an möglichst vielen Präsidenten möglichst angeschlagener Vereine aufzuhalten, und schwupps sitzt Du auf der Bank. Bist Du dann noch in Bayern, ist die Chance als (Ex-)Borusse noch wesentlich höher: Nach Heynckes und Köppel haben sie doch glatt noch Lienen dort untergebracht. Samstag bei den Bayern, Sonntag in Nürnberg (wenn die nach 45 Minuten Platz 2 zu verpassen drohen, eieiei, da ist das Saisonziel Aufstieg in Gefahr…), ich denke, ich weiß, wo ich hin muß. Abends siehst Du mich dann im Fernsehen, nachdem ich den Erfolg eingewechselt habe. Ich muß bis dahin nur herausfinden, welche Rückennummer dieser Erfolg hat – und ob er auf wenigstens einem der parallel kursierenden Aufstellungsbögen steht…
Es grüßt Dich das Ziel fest im Auge und jeden berechtigten Zweifel kujonierend
Dein Joachim
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Kommentare
Donnerstag, 21. Mai 2009
oranje boven
Von Holland lernen heißt siegen lernen. Denkt Bayern, denkt Borussia. Während in München ein Niederländer das Training leiten soll, vertraut Gladbach hier zwar weiterhin auf die Kaderschmiede DDR. Dafür ist Borussia zur Vorbereitung auf das Spiel gegen sich selbst und "Borussia" am Samstag ins Tulpenland gefahren, wo a Ruh is, wie wiederum die Bayern sagen würden.
Außerdem wurde bereits die erste Verpflichtung für die neue Saison bekanntgegeben, Marcel Meeuwis, allem Anschein nach ein vielversprechender Spieler und potentieller Ersatz für den (derzeit verletzten) wohl nach der Saison aus der Mannschaft scheidenden Stalteri. An Meeuwis wundert nur, warum er auch einen Vertrag für die 2. Liga unterschrieben hat. Vertraut er Hans Meyer nicht?
Somit rückt der Niederrhein noch etwas näher an die Niederlande, als es ohnehin der Fall ist. Orangene Kringelstutzen wie der letzte UEFA-Pokalfinale Verlierer der Cupgeschichte wird Gladbach dennoch bis auf weiteres nicht tragen, zum Leidwesen modebewusster Fußballfans. Da ist Hans Meyer und die DDR davor.
PS. Wer so kurz vor einem Schicksalspiel ernsthafte Analysen erwartet, der zittert nicht angemessen. Ich jedenfalls kann seit Tagen nicht mehr denken.
Außerdem wurde bereits die erste Verpflichtung für die neue Saison bekanntgegeben, Marcel Meeuwis, allem Anschein nach ein vielversprechender Spieler und potentieller Ersatz für den (derzeit verletzten) wohl nach der Saison aus der Mannschaft scheidenden Stalteri. An Meeuwis wundert nur, warum er auch einen Vertrag für die 2. Liga unterschrieben hat. Vertraut er Hans Meyer nicht?
Somit rückt der Niederrhein noch etwas näher an die Niederlande, als es ohnehin der Fall ist. Orangene Kringelstutzen wie der letzte UEFA-Pokalfinale Verlierer der Cupgeschichte wird Gladbach dennoch bis auf weiteres nicht tragen, zum Leidwesen modebewusster Fußballfans. Da ist Hans Meyer und die DDR davor.
PS. Wer so kurz vor einem Schicksalspiel ernsthafte Analysen erwartet, der zittert nicht angemessen. Ich jedenfalls kann seit Tagen nicht mehr denken.
Mittwoch, 20. Mai 2009
anderswo wär besser
Osnabrück hat 36 Punkte und -16 Tore. Damit steht der VfL auf dem 16. Tabellenplatz, mit einem Punkt Rückstand zum rettenden Ufer; die Relegation ist sehr wahrscheinlich.
In der ersten Bundesliga wäre Osnabrück mit derselben Bilanz souveräner 13., sogar Platz 11 wäre am letzten Spieltag noch in Reichweite.
In der vergangenen Zweitligasaison wäre der VfL mit derselben Bilanz schon uneinholbar gerettet gewesen.
Gönnen wir uns noch ein paar Tage Hadern und Schimpfen, wir können es uns leisten. Zu verlieren gibt es am kommenden Sonntag nämlich nichts mehr.
In der ersten Bundesliga wäre Osnabrück mit derselben Bilanz souveräner 13., sogar Platz 11 wäre am letzten Spieltag noch in Reichweite.
In der vergangenen Zweitligasaison wäre der VfL mit derselben Bilanz schon uneinholbar gerettet gewesen.
Gönnen wir uns noch ein paar Tage Hadern und Schimpfen, wir können es uns leisten. Zu verlieren gibt es am kommenden Sonntag nämlich nichts mehr.
Dienstag, 19. Mai 2009
schritt nach vorn, blick zurück
Ob die alten Zeiten in Erinnerung bleiben? Das ist keine simple Frage. Das ist für jeden Melancholiker existenziell. Glücklicherweise dürfen die Gespräche und Erfahrungen mit alten Menschen, Omas und Opas, hoffen machen. Was lange zurückliegt, wird offenbar nicht von neuen neuronalen Verknüpfungen versperrt, im Gegenteil: Die jüngere Vergangenheit scheint zuerst hintan gestellt zu werden. Es lohnt sich sehr zu wünschen, dass das zutrifft.
Seit der Abend begann, laufen hier Platten aus vergangenen Zeiten. Sie befördern so manches vergessen Geglaubte zutage. Wie oft hat man nicht zu jener Musik schon dies gemacht und zu dieser das. Und mit wem erst! Was für ein traurig-wunderbarer Abend.
Jeder, der etwas von Fußball versteht und also einem Traditionsklub anhängt, einem VfL, einem der beiden einzig denkbaren VfLs, hat dieses Problem in gesteigertem Maß: Die guten, alten Zeiten kommen nicht wieder, sie sind aber jede Erinnerung wert. Dieses Dilemma ist nicht auszuschalten. Manchmal könnte man wünschen, mit diesem Schwelgen einfach nicht mehr aufzuhören, unmerklich darin zu verweilen bis in alle Ewigkeit. In der Vergangenheit leben, nennen das abschätzig die Undankbaren, die nie das Glück des wohligen Zurückdenkens erfahren durften, das unschätzbare. Die Gewissheit, dass das Beste immer schon vergangen ist, geht mit dem Erinnern einher, das ist nun mal so; es gibt nichts absolut Gutes in Gegenwart und Zukunft. (Was gut ist, wie sollte man sich sonst daran erinnern?)
Die Dümmlichen, die ungebremst im Hier und Jetzt stehen und sich klug wähnen, stets nach vorn zu sehen, unterstellen auch gern, die finsteren Zeiten würden ausgeblendet im Rückblick, sie zeihen den Erinnernden unehrlich. Dabei ist die Rückschau nicht immer ungetrübt, auch Tiefschläge sind erinnernswert. Am 28. Oktober 1988 etwa das 0:0 gegen Homburg. Wie kommt man jetzt gerade auf dieses jämmerliche schlimme Spiel? Und wieso ahnte man damals noch nicht, wie schön es sein würde, dem Spektakel 19 Jahre später nachzusinnen. Oder, gar nicht so lange her, am 14. September 2004 das 1:2 gegen Dortmund II; ich habe es mit meinem Bruder im Stadion Rote Erde gesehen. Schön war das.
Zu selten sitzt man nur da und denkt nach, was schon so war. Es war nämlich schon eine ganze Menge.
Unser kleiner Familienblog darf es sich gottlob auch in der alles entscheidenden Saisonschlussphase leisten, nur an sich zu denken und an keinen unserer Leser. Egoismus, friedlich und ohne dass jemand darunter litte, gibt es schließlich nur noch allzu selten. Denen, die trotzdem bis hierher durchgehalten, sei gesagt: Es ist wünschenswert und dann allemal tröstlich, noch irgendwann in vielen Jahren zu wissen, wie das alles war, damals vor dem großen Spiel in Duisburg, das gewonnen werden musste. Zumal wir dann auch wissen werden, wie es ausgegangen ist.
Seit der Abend begann, laufen hier Platten aus vergangenen Zeiten. Sie befördern so manches vergessen Geglaubte zutage. Wie oft hat man nicht zu jener Musik schon dies gemacht und zu dieser das. Und mit wem erst! Was für ein traurig-wunderbarer Abend.
Jeder, der etwas von Fußball versteht und also einem Traditionsklub anhängt, einem VfL, einem der beiden einzig denkbaren VfLs, hat dieses Problem in gesteigertem Maß: Die guten, alten Zeiten kommen nicht wieder, sie sind aber jede Erinnerung wert. Dieses Dilemma ist nicht auszuschalten. Manchmal könnte man wünschen, mit diesem Schwelgen einfach nicht mehr aufzuhören, unmerklich darin zu verweilen bis in alle Ewigkeit. In der Vergangenheit leben, nennen das abschätzig die Undankbaren, die nie das Glück des wohligen Zurückdenkens erfahren durften, das unschätzbare. Die Gewissheit, dass das Beste immer schon vergangen ist, geht mit dem Erinnern einher, das ist nun mal so; es gibt nichts absolut Gutes in Gegenwart und Zukunft. (Was gut ist, wie sollte man sich sonst daran erinnern?)
Die Dümmlichen, die ungebremst im Hier und Jetzt stehen und sich klug wähnen, stets nach vorn zu sehen, unterstellen auch gern, die finsteren Zeiten würden ausgeblendet im Rückblick, sie zeihen den Erinnernden unehrlich. Dabei ist die Rückschau nicht immer ungetrübt, auch Tiefschläge sind erinnernswert. Am 28. Oktober 1988 etwa das 0:0 gegen Homburg. Wie kommt man jetzt gerade auf dieses jämmerliche schlimme Spiel? Und wieso ahnte man damals noch nicht, wie schön es sein würde, dem Spektakel 19 Jahre später nachzusinnen. Oder, gar nicht so lange her, am 14. September 2004 das 1:2 gegen Dortmund II; ich habe es mit meinem Bruder im Stadion Rote Erde gesehen. Schön war das.
Zu selten sitzt man nur da und denkt nach, was schon so war. Es war nämlich schon eine ganze Menge.
Unser kleiner Familienblog darf es sich gottlob auch in der alles entscheidenden Saisonschlussphase leisten, nur an sich zu denken und an keinen unserer Leser. Egoismus, friedlich und ohne dass jemand darunter litte, gibt es schließlich nur noch allzu selten. Denen, die trotzdem bis hierher durchgehalten, sei gesagt: Es ist wünschenswert und dann allemal tröstlich, noch irgendwann in vielen Jahren zu wissen, wie das alles war, damals vor dem großen Spiel in Duisburg, das gewonnen werden musste. Zumal wir dann auch wissen werden, wie es ausgegangen ist.
Montag, 18. Mai 2009
klassenerhalt!
Hurra! Dank der tatkräftigen Hilfe des VfL Maschen haben Gladbach und Osnabrück den Klassenerhalt perfekt gemacht. Auch im nächsten Jahr sind die beiden besten VfLs der Herzen in der stärksten Liga der Welt dabei, sie bleiben unverzichtbarer Teil der VftabelLe (rechts auf dieser Seite). Ds muss doch Kraft geben für den Endspurt im vergleichweise einfachen Abstiegskampf der beiden Bundesligen!
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