Dienstag, 30. September 2008

so genannte "wm" in gladbach

Gladbach hat wirklich alles, was ein guter Liebhaber braucht. Sogar einen Bürgermeister mit viel Humor. Bierernst und ohne jeden Anflug von Ironie schaffte Norbert Bude es heute, sich über die nahende Frauen-WM im BorussiaPark zu freuen: "Das ist ein guter Tag für Mönchengladbach und ein Beweis dafür, dass wir weltmeisterschaftstauglich sind. Wir sind eine sportbegeisterte Stadt, die sich maßgeblich über den Fußball definiert. Wir stehen parat für das sportliche Großereignis." Rührig, oder?

Montag, 29. September 2008

kommt es am ende dick?

Um es zunächst einmal klarzustellen. Wir sind Fans von Jos Luhukay. Nicht nur wegen der SMS-Liebelei mit Pele Wollitz, Jos hat in Gladbach überzeugende Arbeit gemacht und ist mit den Fohlen souverän aufgestiegen. Unter ihm konnte man als Gladbachfan ein halbes Jahr lang siegessicher sein, wie dies seit Jahren nicht mehr der Fall war. Nun aber geht es Gladbach schlecht, und die ersten Rufe, Jos zu schassen, werden erwartbar laut und lauter. Das ist normal, und manche Trainerentscheidung des HSV-Spiels lässt auch uns stutzen. Da ist es also erste Fan-Pflicht sich auf dem Markt umzutun, und konstruktiv Material zu sammeln für ein evtl. Einstimmen in die Jos-Raus-Rufe, wenn es denn weiter alles trist bleibt am Borussiapark. Schließlich, so lehrt uns der Altkanzler, muss, wer irgendwo raus möchte, auch sagen, wo er rein möchte.

Da trifft es sich gut, dass der Spiegel Online heute berichtet, Dick Advocaat habe Heimweh nach seiner Familie und werde seinen Vertrag in Russland nicht verlängern. Ab Jahresende steht er zur Verfügung, und dies erklärt womöglich auch, warum man in Gladbach noch so fest zu Luhukay steht. Bis November gilt es noch durchzuhalten, dann kann mit dem mürrischen Holländer endlich wieder der Trainer zurückkommen, der in Gladbach bis heute wahrlich unvergessen ist. Feine Aussichten! Sollte Dick sich nicht noch einmal breit schlagen lassen, gibt es natürlich auch noch einen weniger orginellen Vorschlag: Mirko Slomka ist seit dieser Woche zurück aus seinem Praktikum bei Bernd Schuster in Spanien.

Sonntag, 28. September 2008

von anfang an am ende

Das war alles in allem ärgerlich. Vom Anfang - dem Abgewiesenwerden vor den Toren der Hamburger Arena, obwohl vorher bereitwillig Presseplätze zugesichert waren - bis zum Abpfiff - dem Ende eines trost-, aber leider nicht torlosen Fußballspiels, in dem Borussia bedrückend hilflos mitmischte - lag einiges im Argen. Über beides kann man sich nur wundern, und beides passt bestens zusammen: Fassungslos staunte man den lieben langen Nachmittag ob dieser großen Menge Unprofessionalität und Überforderung.

Dass Hamburg einen über weite Strecken erschreckend schlechten Fußball spielte, ist beruhigend, dürfen wir doch gewiss annehmen, dass der HSV auch künftig, wenn's drauf ankommt, verlässlich dilettieren wird, so dass niemals ein schöner Titel in diese abseits des Volksparks so wunderschöne Stadt wandert. Das ist gut.
Dass Gladbach nicht einmal annähernd den Eindruck erweckte, als wolle es aus dem Hamburger Gestochere Profit schlagen, ist erschreckend. So leicht wird Borussia künftig selten auswärts Punkte sammeln können.

Warum sitzen Marko Marin und Oliver Neuville bis weit in die zweite Hälfte hinein auf der Bank? Diese Frage muss Jos Luhukay entweder beantworten - oder, das dürfte klüger sein, er muss ihr beharrlich aus dem Weg gehen, denn darauf eine zufrieden stellende Antwort zu liefern, wird schwer fallen. Dass in dieser Gladbacher Elf kein Platz für die beiden Nationalspieler ist, darf jedenfalls jeden überraschen; zumal nach dem 0:1-Rückstand taktische Erwägungen irgendwann nicht mehr als Erklärung hinreichen; zumal Steve Gohouri und Marcel Ndjeng schon von Beginn an vom Tempo des Spiels [sic!] völlig überfordert waren und gerade im Spielaufbau enttäuschten; zumal mit Karim Matmour ein Stürmer verletzungsbedingt ausschied, der durchaus von einem Stürmer hätte ersetzt werden können. Der Trainer brachte Mittelfeldmann Coulibaly und ließ fortan lange alles beim Alten. Da stutzt der Laie, und das dürfte den Fachmann Luhukay eigentlich nicht wundern.

"Es hilft alles nichts", denkt sich nun der tumbe Fan gemeinsam mit dem plumpen Journalisten - und beide stellen angesichts der bemerkenswert humpelnden Fohlen erwartbar die Trainer-Frage. Damit konfrontiert, dämmert es dann dem gemeinen Beobachter: Vielleicht hat es Gladbach einfach nicht besser verdient, als auch nach dem zweiten Wiederaufstieg kräftig und wenig nachhaltig gegen die Wand zu fahren. Das wäre allerdings mehr als nur ein Ärgernis, es wäre eine Tragödie.

Samstag, 27. September 2008

omma

Wenn es im "Mensch ärgere Dich nicht" einmal gar nicht gut lief, sich alle Würfel und alle Spieler verschworen hatten, auch ein stilles, heimliches Verrücken einzelner Figuren um wenige Felder nur ein unerheblicher Tropfen auf den heißen Stein wäre, die Welt insgesamt also ein unwirtlicher, fieser Ort war, an dem keine Hoffnung mehr auf einen Sieg oder auch nur eine achtbare knappe Niederlage mehr zu fassen war, dann pflegte meine Omma mit einer raschen, fast als anmutig zu bezeichnenden Handbewegung alle Figuren vom Feld zu wischen und ein trotziges "Ich tu nich mehr!" auszurufen, worauf sie sich zufrieden zurücklehnte und die Arme vor dem Oberkörper verschränkte; an solchen Abenden wurde dann nicht mehr weiter gespielt. Bitte, liebe DFL, dürften wir Gladbacher dies in den nächsten Spielen auch so handhaben, damit die Qual wenigstens keine vollen 90 Minuten dauert, wenn es einfach mal wieder so gar nicht läuft? Dankeschön.

Freitag, 26. September 2008

die pflicht rief

Man kann nicht sagen, der VfL hielte sich nicht an die strengen Vorgaben, die wir ihm machen. Mit beruhigender Regelmäßigkeiten wetzt er die Scharten aus, die er auswärts anrichtet, und spielt mit acht Punkten nach sechs Spielen eine völlig zufrieden stellende Rolle im Ligamittelfeld. Spiele gegen Mannschaften von Uwe Rapolder sind nie besonders angenehm, denn der Koblenzer Coach steht auch auf niedrigerem Niveau noch immer für das, womit er vor Jahren in Bielefeld den Durchbruch schaffte: Konzeptfußball. Koblenz spielt immer kompakt, taktisch sehr gut und sucht, wenn auch heute erfolglos, schnell den Abschluss. Selbst in Unterzahl boten sich dem VfL nur selten Gelegenheiten, einfach und effektiv Koblenzer Abwehrlöcher auszunutzen. Wenn es denn Chancen gab, versiebten meist Reichenberger oder Sykora unglücklich oder kläglich.

Über das verdiente und nach der großen Koblenzer Ausgleichschance am Ende doch wieder ein wenig glückliche 1:0 darf man sich zurecht immens freuen in Osnabrück. Acht Punkte nach sechs Spielen sind achtbar und zufriedenstellend, der VfL ist trotz gelegentlichen Aussetzern in Frankfurt (Pokal) und Ingolstadt und einem sehr glücklichen Erfolg gegen Frankfurt auch in diesem September in der Liga angekommen und hat den Abstiegskampf aufgenommen.
Besonders der deutlich verbesserte Marcel Schuon auf der rechten Verteidigerposition, der sehr engagierte Fiete Sykora im Sturm und der nach dem völlig missglückten Auftaktspiel in St. Pauli wieder rehabilitierte Dominic Peitz machen hoffen, dass der VfL eine gute Rolle im Mittelfeld der Liga spielen kann. Denn gemeinsam mit Schäfer hatte Schuon die Außenbahnen über weite Strecken unter Kontrolle, gemeinsam mit dem ungemein wertvollen Mathias Heidrich organisierte Peitz die Nahtstelle zu Abwehr und Angriff, und gemeinsam mit Thommy Reichenberger sorgte Sykora für einige gute Szenen im Sturm. Wenn nun noch Marvin Braun seine unermüdliche Quirligkeit mit taktischem Geschick paart, sieht das alles ganz gut aus.

Sorgen musste man sich dagegen kurzzeitig um Oliver Faßnacht. Der VfL war schon spät dran und wachte erst nach 25 gespielten Minuten auf, um die Koblenzer energischer zu attackieren. Faßnacht, der Premiere-Reporter, der das Spiel kommentierte, gestattete sich eine noch längere Auszeit. Besonders rührig sein Statement "Das, was Sie hören, sind die Koblenzer Fans", denn das, was wir hörten, sang mühelos verständlich "Olé Osna. Osnabrück. Olé". Vorher schon wollte er gesehen haben, wie der VfL hinten eine Abseitsfalle in Szene setzte, was man angesichts der jämmerlichen (Passives)-Abseits-Regelung wohl getrost ausschließen darf. Und schlussendlich gab er unermüdlich zum Besten, nach dem 1:0 (!) des VfL sei das Spiel gekippt. Das war über weite Strecken besorgniserregend, ging dann in der zweiten Halbzeit aber irgendwann wieder besser. Puh.

Donnerstag, 25. September 2008

luhukay: "der wurm drin!"

Die Borussia lässt derzeit einiges zu wünschen übrig. In unserer Textilfabrik in Bochum jedenfalls gilt bis Ende des Jahres Urlaubssperre, so dass Produktionsengpässe bei der Fertigung der Gladbach-darf-nicht-absteigen-Gedächtnis-Schleife ausgeschlossen sind.
Und ohnehin ist Besserung in Sicht: Jos Luhukay hatte heute ein Vier-Augen-Gespräch mit Oliver Neuville. Die Abschlussschwäche des Topstürmers gibt beiden zu denken. Der VfLog dokumentiert exklusiv den Wortlaut des Gesprächs.

Der Stürmer sagt zum Trainer: Trainer, ich treff das Tor nicht.
Der Trainer sagt zum Stürmer: Stürmer, du triffst den Ball nicht.
Stürmer: Das muss aber unter uns bleiben.

Dann sagt der Trainer: Dat is' 'n Ball!
Und der Stürmer sagt: Kann ich den nochmal sehen?
Und der Trainer sagt: Als erstes anlaufen, Augen schließen, Hymne singen, abziehen! Und dann: Gucken was der Ball macht! Rollt er links, ist alles in Ordnung, rollt er nach rechts, ist auch nicht schlecht. Nur wenn er ganz ruhig liegen bleibt, dann ist der Wurm drin.

Mittwoch, 24. September 2008

drei elfer, keine ecke

Ich habe meinen depressiven Worten von gestern (siehe dort) nichts hinzuzufügen.

Außer dies noch vielleicht:

Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh
hhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh
hhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh
hhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Dienstag, 23. September 2008

um die ecke gedacht

So, ich bin zurück aus dem Urlaub. Und Borussia, hurrah!, ist auch zurück. So lese ich jedenfalls beruhigt auf borussia.de. Viel besser habe man schon gespielt gegen Hertha als noch gegen Hannover! Ja, man habe sogar "nicht nur" das Eckenverhältnis mit 12:2 "für sich entschieden".

Wer diesen Hinweis aus der Schule "drei Ecken, ein Elfer" schon peinlich genug findet (was hat man denn noch für sich entschieden? Den Rasen-mit-dem-schönsten-Grün-Contest? Den Goldenen Preis für den rundesten Mittelkreis? Den Silbernen Senkel für die schönste Schleife am Schuh eines Außenverteidigers?), der öffnet den Artikel und liest weiter:
"Rein statistisch führt jede 27. Ecke zum Torerfolg - daher hätte Borussia rein theoretisch noch 15 Ecken benötigt, um einen Treffer gegen die Berliner aus einem Eckstoss zu erzielen."
Oh Gott! Wenn jetzt schon ein PR-Magazin wie borussia.de nur noch auf Ecken hofft und wir 27 Ecken pro Tor brauchen, wie soll denn dann der gemeine Fan noch Hoffnung hegen?! Selbst wenn wir pro Spiel 12 Ecken hätten (was viel wäre!), wären dies in einer Saison nur 408 Ecken, mithin nur 15,1 Tore! Selbst Hansa Rostock, der schlechteste Sturm der letzten Saison hatte 30!

Schnell mal auf den Liveticker vom Pokalmatch gegen Cottbus geschaut. Foulelfmeter Cottbus. 1:0. Gladbach hatte noch keine Ecke.

Montag, 22. September 2008

fast alles einerlei

Das ist kein hohes Niveau. Ok, Halle 96 macht der VftabelLe (rechts auf dieser Seite) alle Ehre: Durchschnittlich drei Punkte aus den bisherigen Spielen verdienen Applaus. Aber der Rest? Souverän auf Rang Acht hält sich etwa Osnabrück mit einem schmalen Punkt - das hätte in der vergangenen Saison den sicheren Abstieg bedeutet.
Sorgen muss man sich um Titelverteidiger Herzberg: Die Niedersachsen lernen das erste Mal seit zwei Jahren den Mief im Tabellenkeller kennen. Ob die Erfahrung reicht, um dem Sumpf stand zu halten? Noch gibt sich der Neuling aus Lotte allerdings keine Blöße und verteidigt mit Verve die rote Laterne.
Und Gladbach. Hm, ja. Ok, es wird mal wieder eng. Der Betriebsleiter unseres Textilwerks in Bochum hat auf dem asiatischen Markt bereits alle schwarz-grünen Stoffreste aufgekauft - man weiß ja nie...

Achja: Wer sich hinreichend gewappnet fühlt, dem immensen Druck in der stärksten Liga der Welt standzuhalten, darf mitmachen. Details für Bewerber, unser ausgeklügeltes Anforderungsprofil und die genauen Regularien gibt es, wenn man "vflog chronischen erkrankungen" googlet.

Sonntag, 21. September 2008

jaja.

Es läuft alles wie immer. Insofern, könnte man meinen, läuft alles gut: Der VfL verliert auswärts, ohne besonders chancenlos gewesen zu sein, und muss nun dringend im nächsten Heimspiel punkten. Seit Jahr und Tag eine alte Leier, so fühlt sich das an. Auch Ingolstadt war keine Reise wert, das muss Koblenz jetzt ausbaden. Wochenenden sind zu schade, um sich über sowas zu ärgern, zumindest Wochenenden im September. Zum Glück spielt Gladbach schon am Dienstag wieder. Dann kommen wir auf andere Gedanken.

Samstag, 20. September 2008

zu weich gegen hertha

Jetzt hat Gladbach schon wieder verloren, und außer, dass Oliver Neuville ein außergewöhnlicher Stürmer ist, gibt es nicht viel Bemerkenswertes zu sagen. Heute jedenfalls nicht. Es ist, zusammengefasst, erstens bedauerlich, dass Borussia überhaupt Gegner wie Hertha BSC ertragen muss, und zweitens, dass solche Spiele dann auch noch verloren gehen. Vielleicht sollte sich Sascha Rösler die Haare wieder blond färben.

Freitag, 19. September 2008

vergessene fotos #1: taktikbrett, st. pauli

18:05 Uhr, 14. August: Der VfL ist gerade im Hamburger Mövenpick-Hotel im Schanzenpark angekommen. Mannschaft und Trainer checken ein und machen sich fein für das Bankett am Abend. In all der Eile haben sie nur eins vergessen: Das Taktikbrett mit der erwarteten Aufstellung des FC St. Pauli. Es lehnt lange an einer Wand in der Hotellobby. Akkurat sind Rückennummern, Größe und Rechts- beziehungsweise Linksfuß vermerkt. Statt Sako begann allerdings Ebbers, Ludwig musste Trojan Platz machen, und was auf St. Paulis linker Mittelfeldseite stattfinden sollte, war offenbar ungewiss.

Donnerstag, 18. September 2008

seitenwechsel #62

Nummer 62. So viele Brand-, Schmäh- oder Liebesbriefe haben wir uns schon mit den lieben Kollegen von Seitenwahl geschrieben. Und wie Walter Junghans fordert: Wir machen weiter, immer weiter. Unser altes Swingerclub-Motto gilt dabei auch in der neuen Saison: Alles kann, nichts muss. Martin hockt diesmal bangend auf einer Holzkiste und backt Pustekuchen - natürlich bei Seitenwahl. Joachim antwortet - und trinkt dabei, ganz Purist, Kamillentee.

Lieber Martenng,

ja, ich weiß, wie schwierig es ist, nach einem weinseligen Urlaub (und ich spreche hier nicht von Deiner Reaktion nach dem letzten Borussia-Spiel) in den Alltag zurückzufinden. Ich machte vor ein paar Wochen Urlaub in Südbaden, in Sichtweite der Schweiz, und fühlte mich wie auf einem anderen Planeten. Das Aufregendste, was ich dort sah, waren ein paar Schweizer Zweitligaspiele, das sagt alles – wobei ich das Niveau dieser Spiele hier nicht runterreden möchte, außerdem war die Wurst phantastisch, und ich traf sogar Gladbach-Fans in der Diaspora; was will man mehr? Als ich aber nach Hause zurückkehrte, bekam ich gleich schlechte Laune. Die Arbeit hatte sich nicht von selbst erledigt, ich mußte genauso früh aufstehen wie vor dem Urlaub, und jeder erwartete, ich solle nun gut gelaunt und bestens erholt sein, nur um mich im Falle einer zustimmenden Antwort auf ihre entsprechende Frage gleich mit irgendeinem Schrott zuzumüllen. Nein, Urlaube sind ein Fehler im System: Man sollte sie entweder ständig machen oder gar nicht.

Apropos Fehler im System. Ich saß Anfang der Woche im Büro und wartete auf den Brief von Dir, der aber noch nicht kam, da dachte ich mir, vertreibst Du Dir halt die Zeit mit ein paar Finanzspekulationen. Es war gerade Newcastle United auf dem Markt, und wozu hat man Freunde bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau? Ich entwickelte also mal schnell einen Businessplan (Bierpreise im Stadion runter, Fanartikelpreise hoch, das funktioniert bei den Engländern immer), feilte an der Corporate Identity (Alan Shearer reaktivieren) und suchte nach Synergien (Fusion mit Hull City und Sunderland, da kann ich zwei Drittel der Spieler einsparen und habe immer noch eine Mannschaft). Die Jungs von der Kreditanstalt waren gleich begesitert, doch was passierte dann? Die überweisen doch glatt die 300 Millionen aufs falsche Konto! Es war nur ein dummer Zahlendreher bei der Kontonummer, doch erklär das mal dem Steinbrück. So ging das Geld nicht an mich, sondern an Lehmann Brothers, und der Rest ist bekannt. Ich bin etwas betrübt wegen Per Steinbrück, der ja bekanntlich Borussia-Fan ist und dem ich nach dem 1:5 in Hannover gerne weitere Aufregungen erspart hätte. Andererseits, sehen wir das doch mal so: Das sind nun wirklich global gesehen Peanuts. Kein Chinese streckt heute noch nach 300 Millionen den kleinen Zeh aus, insofern ist doch eigentlich gar nix passiert.

Eigentlich gar nix passiert ist auch bei Borussia. Weltweit wankt das Finanzsystem, Steinmeier wird Kanzlerkandidat (man weiß gar nicht, was schlimmer ist), und bei Borussia regen sie sich auf, weil Gohouri irgendwelche Arzt- oder Rehatermine schwänzt. Wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit? Erstens weiß der Gohouri gar nicht, was ein Arzt oder die Reha ist. Wenn der sich ein Bein bricht, humpelt er zum nächsten Baum, bricht einen Ast ab, schient sich den Knochen und spielt weiter. So einer soll zur Reha? Und zweitens, selbst wenn er das wollte und auch wüßte, wo die Reha ist (Stadion am Borussia-Park, dritter Stock), da käme er doch gar nicht hin. Schließlich sehe ich da immer diese Hostessen vor der Treppe stehen, die Dich nur durchlassen, wenn Du das richtige Farbkästchen auf Deiner Akkreditierung hast. Bestimmt hatte der Gohouri seine Akkreditierung vergessen, und dann haben sie ihn nicht reingelassen (besonders diese kleine Brünette am Aufgang zum ersten Stock hat eine Nahkampfausbildung beim Bund gemacht, die lacht zwar immer nett, aber trau ihr nicht!). Kurzum, vergessen wir das Ganze einfach. Wer im letzten Spiel unsere Innenverteidigung gesehen hat, weiß, daß wir jeden Mann brauchen, ob rehabilitiert oder nicht.

In dieser Situation suchst Du Hoffnung, lieber Martenng? Das kann ich gut verstehen. Und ich kann Dir welche machen. Die Mannschaft hat bei der Klatsche in Hannover deutlich besser gespielt als bei nahezu allen Spielen der letzten Abstiegssaison, die man zumeist wesentlich knapper verloren hatte. Sie war jedoch bemerkenswert naiv und ließ sich halt permanent auskontern. Außerdem kam nun wirklich einiges zusammen: Die Tore (gerade das 2:0 und 3:0) zum dümmsten Zeitpunkt, anderthalb sehr fragwürdige Elfmeter (man muß als Schiedsrichter sehr markus-merkwürdig veranlagt sein, wenn man bei 4:1 nach so einer Aktion kurz vor Schluß auf den Punkt zeigt), der frühe Ausfall Paauwes und dazu das Fehlen von erfahrenen Leuten gerade im offensiven Mittelfeld. Ja, ein Trainerrausschmiß ist immer reizvoll, genau wie das Verbrennen von ein paar Millionen zur Winterpause, aber vorher würde ich doch vorschlagen, daß man die Jungs einfach mal ein paar Wochen fußballspielen läßt. Den Nationaltrainer von Luxemburg und einen dortigen Abwehrspieler können wir auch später noch verpflichten, das eilt nicht. Natürlich fresse ich gerne meine eigenen Worte auf, wenn das in ein paar Wochen nicht anders aussieht, aber bis dahin darf man auch mal geduldig sein.

Aus eine Badewanne gefüllt mit Kamillentee (Erkältungszeit!) grüßt
Dein Joachim

Mittwoch, 17. September 2008

nachrichtenfaktor: kontinuität

Die Journalismusforschung ist eine universitäre Disziplin, die von einem hohen Grad an Trivialität und Nutzlosigkeit geprägt ist, erst recht dann, wenn sie sich als Ausbilder von echten Journalisten kleidet. Viele ihrer so genannten Theorien sind so selbstverständlich, dass man sie sogar nach einem langen, ermüdenden Tag noch mühelos begreifen kann. Etwa die Nachrichtenwert'theorie'.

Halten wir uns nicht zu lang mit erkenntnistheoretischen Feinheiten auf, die unlösbar bleiben, solange wir das Feld der Journalismusforschung nicht verlassen. Nehmen wir folgendes an: Der Wert eines Ereignisses steigt für Journalisten enorm und ihre Berichterstattung wird wahrscheinlicher, wenn das Ereignis mit bestimmten und möglichst vielen so genannten Nachrichtenfaktoren aufwarten kann. Mit 'Bedeutsamkeit' etwa oder 'Überraschung'.

Oder mit 'Kontinuität': Ein Ereignis, das bereits als Nachricht definiert ist, hat eine hohe Chance, von den Medien auch weiterhin beachtet zu werden. Mit anderen Worten: Auch wenn es nichts nennenswert Neues gibt, berichtet wird trotzdem.
Zum Beispiel von Borussia: Fast der komplette Kader ist für das Heimspiel gegen Berlin fit. Und Filip Daems gibt ein Hörfunkinterview bei Radio 90,1, wahrscheinlich also bei Leuten, die früher mal Journalismus erforscht haben.

Trivial und nutzlos sind solche Informationen, aber wenn wir sie erzählen und nicht die Journalismusforscher, dann immerhin unterhaltsam.

Dienstag, 16. September 2008

dramulett-dienstag #16: zusatzvorstellung

Eigentlich ist unser VfLog-Theater-Ensemble auf Welttournee. Doch Hurrikan Ike ist ihm in die Quere gekommen. Bis es kommende Woche nach Asien weitergeht, überbrückt die Truppe in der Heimat und gibt aus aktuellem Anlass eine Zusatzvorstellung. Was für ein Glück!

Zwei Trainerbänke am Spielfeldrand, einige Meter voneiander entfernt. Davor die beiden Trainer Thommy und Didi. Das Spiel läuft vor ihren Augen, doch beide beäugen sich skeptisch.

Ein Handy klingelt. Didi holt sein Mobiltelefon aus seiner Tasche, legt das Headset an, meldet sich:
Bitte?!
Frau am Telefon: Didi, wo hast du deine neue Stoppuhr?
Didi, leise: In der Hand!
Thommy guckt.
Frau am Telefon: Wo hast du sie?
Didi, etwas lauter: In der Hand!
Thommy guckt.
Frau am Telefon: Didi, wo?
Didi, schreit: HAND!
Aus dem Off ertönt ein Pfiff.
Thommy, auf Zinne: Das war nie und nimmer Hand! Und das Arschloch pfeift wahrhaftig Elfmeter. (zu Didi) Nur wegen Dir! Penner!

Black.

Didi winkt einen seiner Einwechselspieler vom Warmmachen zur Bank zurück, ruft laut: Leg dich wieder hin!
Aus dem Off ertönt ein Pfiff. Einer von Didis Spielern liegt am Boden.
Thommy, mit hochrotem Kopf: Das war nie und nimmer ein Foul! Was für eine schäbige Schwalbe. Und der Wichser pfeift. (zu Didi) Was bist du bloß für ein Sportsmann?!

Black.

Didi tuschelt mit seinem Co-Trainer und echauffiert sich gestenreich über das Spiel seiner Mannschaft. Dann leise zu seinem Assistenten: Da! Schon wieder ein Fehlpass. (laut zu seinem Spieler) Das tut doch schon weh!
Aus dem Off ertönt ein Pfiff. Einer von Didis Spielern liegt mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden.
Thommy, mit bebender Stimme: Du Vollarsch, was pfeifst du für eine Grütze!? (zu Didi) Und Du?! Ermunterst deine Spieler noch zu sowas!

Black.

Ein Handy klingelt. Didi holt sein Mobiltelefon aus seiner Tasche, diesmal ohne Headset. Er tuschelt etwas zu seinem Co-Trainer, doch der stutzt.
Didi, leise: Ist für dich: Trahlischa.
Assistent: Wer ist da dran?
Didi, etwas lauter: Irgendeine Thea Trahlischa!?
Assistent: Wer?
Didi, brüllt: THEA TRAHLISCHA!
Aus dem Off ertönt ein Pfiff. Einer von Didis Spielern liegt laut schreiend am Boden.
Thommy, eine 9mm-Heckler & Koch in der Hand, diesmal gleich zu Didi: Ich bring dich um! Schon wieder Elfmeter! Das hat mit Fairplay nichts mehr zu tun!

Montag, 15. September 2008

rauch und nebel

Der erste Rauch ist verflogen nach dem 1:5 in Hannover, jetzt trauen sich die Leisetreter wieder hinterm Ofen hervor: Wenn man ehrlich ist und auch sonst gern von Gesetzmäßigkeiten und so einem Firlefanz redet, war das Elend in seinem Ausmaß lupenrein vorhersehbar. Euphorisierte Gladbacher trafen wütende Gegner, Hochmut traf Fall.
Dass Hannover nichts im Tabellenkeller verloren hat und am Ende dieser Saison Achter oder Neunter wird, dürfte niemand ernsthaft bestreiten; dass es keine schlechter denkbare Voraussetzung für einen Auswärtserfolg gab, als auf die noch sieglosen Niedersachsen zu treffen, auch nicht. Wenige Wetten dürften vor diesem Spieltag erfolgversprechener gewesen sein als ein Heimsieg für Hannover.
Und was das Ergebnis in seiner Höhe angeht, waren wir schon immer Freunde klarer, wahrer Worte: Lieber ein Mal 1:5 verlieren als fünf Mal 0:1. (Und bitte schweigt, ihr Nörgler, denn umgekehrt gilt auch die fatalistische Variante: Wenn man eh noch fünfzehn Mal 0:1 verliert, macht ein 1:5 den Kohl auch nicht mehr fett.)

Was noch vorhersehbar war: Alexander Baumjohann verursacht einen Foulelfmeter (die offenbar an diesem Wochenende recht einseitig unter den VfLs verteilt waren). Für jeden Verfechter von Nullsummenspielen blieben nach dem furiosen Solo gegen Bremen für diesen Spieltag eigentlich nur die Varianten 'rote Karte' oder 'Elfmeter': Freuen wir uns, dass es der Elfmeter wurde, der anschließend sogar noch folgenlos blieb.

Jetzt aber Schluss mit Schwarzmalen. Das ist freudlos und hat bestensfalls philosohischen Wert, wenn die Leinwand von Anfang an dunkelgrau war.
Nächste Woche kann Gladbach wieder eine blütenweiße Weste verteidigen, dann gegen Hertha BSC Berlin, eine Mannschaft, die am Ende der Saison mit der Borussia um Platz 13 kämpfen wird. Daran glauben wir, eingehüllt in dicke Schwaden rosaroten Nebel.

Sonntag, 14. September 2008

bad vibrations

„VfL verliert 1:2 – trotz 2 Elfmetern. Erbärmlicher Fußball.“ Der aktuelle VfLog-Ergebnis-Newsletter (18,99/SMS in alle deutschen Mobilfunknetze) war schon getippt.
„Wahnsinnsspiel. 3:2 gewonnen. 3 Elfer, alle schießt Cichon, den 1. und 3. trifft er. Bis zur 87. führt Frankfurt zu zehnt 2:1. Insgesamt erbärmlicher Fußball.“ Zum großen Glück hat der Schlussredakteur in unserer Nachrichtenzentrale den -pfiff abgewartet und den Textvorschlag entsprechend editiert. Und das Spielende war nur die Ouvertüre zum nächsten Crescendo.

Nach einem müden und über weite Strecken uninspirierten Fußballspiel lieferten sich immerhin die beiden Trainer auf der Pressekonferenz einen aggressiven Zweikampf. Schon während der regulären Spielzeit hatten sich Tomas Oral, Teamchef des FSV Frankfurt, und VfL-Coach Pele Wollitz stattlich bearbeitet, nur war unklar, worum es ging. „Nüchtern und sachlich“ sprach Oral anschließend vor versammelter (Journalisten-)Mannschaft Klartext. „Das hat mit Fairplay nichts mehr zu tun. Immer Theatralik, ständig Provokationen. Es ist ein Unding“, sprach Oral direkt in Richtung Wollitz, „dass man so was noch fördert.“ In Osnabrück würden hier Fouls geschunden und dort welche provoziert, jeder kleine Fehltritt würde permanent zur schweren Tätlichkeit hochsterilisiert und Trikothalten mit schmerzverzerrtem Gesicht quittiert. Nach Spanien möge man schauen oder England, da würden diese Unarten als das markiert, was sie seien: unanständig. „Das weiß ich ja schon vorher ganz genau: In Osnabrück oder auch in Kaiserslautern, da geht das so! Und das ist einfach nur unfair.“ Adressat Wollitz wunderte sich.

Süß war er, dieser Auftritt. Und sympathisch, weil emotionaler, unmittelbarer, kontroverser als das gewöhnliche Pressekonferenz-Gefasel. Symptomatisch, dass anschließend kein Journalist Fragen hatte: Unfriede und Ärger, das sind sie nicht gewohnt im heimeligen Stelldichein bei Kaffee und Kuchen, wo doch sonst immer alles so friedlich und lieblich und einvernehmlich ist. Auf den ersten Blick mag man Tomas Oral einen schlechten Verlierer schimpfen, der einigermaßen haltlose Vorwürfe macht, und das einem Kollegen, dem gerade in Sachen Fairness und Gerechtigkeit schwierig beizukommen ist. Auf den ersten Blick mag man Tomas Oral einen ziemlich dummen Auftritt attestieren. Doch auf den zweiten Blick ist das alles verzeihlich, hat Oral sich doch wie ein angeschlagener Tiger und voller Leidenschaft vor sein Team geworfen, ohne Rücksicht auf Verluste. Das ist aller Ehren wert, und dieselben Pferde hätten umgekehrt mit Wollitz auch durchgehen können. Mögen sie sich bald wieder die Hand schütteln, weiter streiten und ein Bier trinken, das wäre angemessen.

Denkwürdig war das Spiel auch in weiteren Hinsichten. Denkwürdig schlecht etwa. Beim VfL hatten die beiden stärksten Spieler Lars Fuchs und Nico Frommer ihre liebe Mühe, den Rest der Mannschaft mitzureißen. Sehr behäbig ließ Osnabrück es im Spielaufbau angehen, oft fehlte jede Variabilität, und die wenigen kreativen Ideen blieben Ideen, weil mögliche Anspielstationen einfach nicht mitdachten, besonders auf der rechten Seite. Wenn es mal schnell ging, wurde es gefährlich, aber selten ging es schnell. In der Rückwärtsbewegung war oft viel zu viel freier Raum zwischen einerseits Angriff und Mittelfeld und andererseits Abwehr. Das erlaubte den Frankfurtern ein paar feine Angriffe, allen voran die beiden Stürmer Cenci und Mehic und Mikolajczak im rechte Mittelfeld spielten stark. Wie unzufrieden die Osnabrücker Spieler mit sich selbst waren, zeigte sich in diversen Meinungsverschiedenheiten, etwa zwischen Wessels und Anderson oder Schäfer und Cichon. Jener schoss allerdings in der 44. Minute das 1:0 per Elfmeter: Der Frankfurter Übeltäter Schumann soll eine Hereingabe von Frommer zuvor mit der Hand abgewehrt haben. Dank dieser glücklichen Führung schickte das Publikum die Mannschaft mit leichtem Applaus in die Kabine. Das hätte sich bei einem 0:0 anders angehört, wahrscheinlich sogar zu Recht.

In der zweiten Hälfte schlief der VfL lange Zeit selig und ruhig, obwohl sich Marvin Braun bei seinem Debüt in lila-weiß redlich mühte, dabei nicht tatenlos zuzusehen. Als das Team von den anderen beiden Einwechselspielern Dominic Peitz und Fiete Sykora geweckt wurde, hatte Cenci den Ausgleich mit einem tollen Kopfballtreffer bejubelt, bevor Barletta, ebenfalls per Kopf und in Trainingsspiel-Manier, die Frankfurter Führung erzielt, Frankfurts Dennis Hillebrandt die gelb-rote Karte kassiert und Cichon einen zweiten Strafstoß verschossen hatte. Doch die zwei Osnabrücker, die dieses Spiel zusehends unbedingt gewinnen wollten, reichten: Sykora und Peitz rissen ihre Mannschaftskameraden mit. Fast schien es sogar, als hätten sie auch Schiedsrichter Bandurski mitgerissen, denn dass der die Chuzpe hatte, in der Nachspielzeit einen dritten Elfmeter für Osnabrück zu pfeifen, ist: denkwürdig, und zwar etwa in dem Maß, wie sich anschließend Thomas Cichon von keinem seiner Mitspieler eines Schlechteren belehren ließ und trotz Fehlversuch ein drittes Mal antrat.

Orals Frankfurter verloren in fünf Minuten ein Spiel, das sie nicht hätten verlieren dürfen, denn dafür war Osnabrück zu schlecht. Wollitz’ Osnabrücker gewannen ein Spiel, das sie eigentlich schon verloren hatten, doch dafür war Schiedsrichter Bandurski zu mutig. Drei Elfmeter in einem Spiel für eine Mannschaft, die man allesamt pfeifen kann, aber nicht unbedingt muss, brachten Wollitz drei Punkte und Oral auf die Palme. Alles in allem mehr als erwartbar.

Samstag, 13. September 2008

sms von martin: linearität

Martin sucht in Frankreich Ruhe und Ausgeglichenheit. Nebenbei leiert er Bernard Tapie Bestechungsgelder für den Fall der Fälle aus den Rippen und schnupft mit Carla Bruni kolumbianisches Kokain. Ab und an schickt er Spielberichte per SMS.

Tage am meer ändern die sicht auf die welt, das leben. Vorbei die linearität, die großen ziele, das immer weiter. Stattdessen: kreisläufe, der zug der wolken, regen und sonne, ebbe und flut, aufstieg und abstieg... Alles wird eins. Gut, dass gladbach immer trainingslager in österreich macht.

Freitag, 12. September 2008

kurz vor schluss

Schon heute steht fest: Osnabrück kann mit einem Heimsieg am Sonntag München, Oberhausen, Ingolstadt und St. Pauli hinter sich lassen und auf Platz 14. vorrücken. Fast dürfte die Saison danach schon wieder zu Ende sein. Kaiserslautern wäre dann allerdings aufgestiegen. Das kann keiner wollen. Machen wir also noch ein paar Spieltage weiter. Wird schon gut gehen.

Donnerstag, 11. September 2008

seitenwechsel #61

Nummer 61. So viele Brand-, Schmäh- oder Liebesbriefe haben wir uns schon mit den lieben Kollegen von Seitenwahl geschrieben. Und wie Walter Junghans fordert: Wir machen weiter, immer weiter. Unser altes Swingerclub-Motto gilt dabei auch in der neuen Saison: Alles kann, nichts muss. Joachim Schwerin fragt diesmal, ob wir französisch können, und alte Chauvinisten, die wir sind, antworten wir: Ja, selbstverständlich. Was die SPD dazu sagt und warum Dynamo Dresden luxemburgischer Meister wird, lest ihr bei Seitenwahl.

Lieber Martin,

vielen Dank für Deine entspannten, vom nahenden Urlaub beseelten Zeilen. Welches Thema Du auch anschneidest, Du landest letztlich bei „Frankreich“. So sprichst Du vom Franzosen in mir. Ich habe gesucht, doch niemanden gefunden: kein Franzose in mir. Du erwähnst, mein Textverarbeitungsprogramm beginne automatisch mit einer französischen Kennung. Nein: Ich habe zwei PCs; beim einen ist ein niederländisches Word-Programm installiert, beim anderen eines, das ständig französische Texte einfordert. Wie Du weißt, wohne ich in Belgien, da ist das eben so, allein aus Gründen der (langsam zerbröselnden) Staatsraison. Hast Du zwei PCs, spricht eben einer Französisch, der andere Niederländisch. Eigentlich sollte auch noch ein dritter da sein, der auf der Verwendung des Deutschen besteht, schließlich hat das Land drei offizielle Sprachen. Doch ach, es geht das Gerücht, sollte das Land zerfallen, daß die deutschen Ostkantone den Anschluß an Luxemburg suchen wollen. Luxemburg stellt aber keine Textverarbeitungsprogramme her. Dumm gelaufen. Liebe Deutsch-Belgier, besinnt Euch, daß Ihr Preußen seid, dann ist das Gleichgewicht wiederhergestellt.

Hat das alles etwas mit Fußball zu tun? Höchstens im weitesten Sinne. Frankreich unterliegt in Österreich, dieses Land hat also schon einmal nichts mit Fußball zu tun. Ich habe zwar keinen Franzosen in mir, dafür einen bei Borussia auf der Linksverteidigerposition gefunden. Der aber hat scheinbar auch wenig mit Fußball zu tun, zumindest in seiner derzeitigen Verfassung. Bleibt Belgien: Die Roten Teufel (allein dieser Name stößt mir wegen seiner Anlehnung an Kaiserslautern übel auf, wie wir letzte Woche besprachen) haben mühsam Estland niedergerungen, und wer war mit zwei Treffern Matchwinner und bester Mann auf dem Platz? Wesley Sonck. „Ihr seht doch selbst, daß ich immer spielen muß!“, rief er nach dem Testspiel gegen Italien (Klatsche; Ehrentreffer: Sonck) den Journalisten zu. Und recht hat er, denn ansonsten weiß derzeit niemand seiner französisch-niederländisch-borussoletzeburgischen Landsleute, wo das Tor steht. Übrigens spielte er nicht als Stürmer, sondern als Marin, also im linken offensiven Mittelfeld. Vorteil: Er konnte so nie abseits stehen, und er durfte sich die Bälle selbst vorlegen, weswegen er außer sich selbst niemanden anzumuffeln brauchte, wieso denn die Pässe immer so schlecht waren. Einziges Problem: Selbst ein Sonck kann nicht immer so viele Tore schießen, wie die amateurhafte Innenverteidigung reinläßt. Nein, ich spreche nicht von Borussia, sonder immer noch von Belgien. Was van Buyten und Kompany seit Monaten spielen, ist unter jeder sprichwörtlichen Sau. Daems, übernehmen Sie. Zumindest die belgische Innenverteidigung. Von mir aus auch Belgien.

Oder Luxemburg, was nicht zu verwechseln ist mit Liechtenstein. Ich bin ja ein langjähriger Freund Liechtensteins (ich rede jetzt von Fußball, nicht von Geldkoffern), kenne den dortigen Fußball gut und weiß daher, daß Liechtenstein fußballerisch keineswegs mit Luxemburg vergleichbar ist. Nur glaubt mir das keiner. Mantrahaft habe ich wochenlang jedem, der es wissen oder nicht wissen wollte, warnend eingeflüstert, Liechtenstein sei nicht Luxemburg. Meist wurde ich mitleidig belächelt, und auch meine bessere Hälfte, die eigentlich profunde Sachkenntnis aufweist, setzte nur ihren „Laß ihn reden…“-Blick auf. Und dann fahren unsere Jungs da hin, gewinnen 6:0 und beklagen sich hinterher über die Torausbeute. Da kann ich nur staunend flüstern: So wird man Weltmeister! Das einzige, das mich irritiert, ist, daß in dieser Nationalelf der Jüngste die Ecken schießt. Als ich aufwuchs, war das auf meinem Bolzplatz Chefsache (nun, mein Bolzplatz war rund, aber hätte er Ecken gehabt, wäre es Chefsache gewesen). Aber wenn es hilft! Ecke, Tor, so einfach kann Fußball sein, wenn er von jemandem gespielt wird, der sich auskennt.

Das wirft somit die wirklich wichtigen Fragen auf, die mir vielleicht hier jemand beantworten kann, der nicht frankreichumflort ist, sondern festgefügt in westniedersächsischer Erde allen Unbilden trotzt: Gibt es in Osnabrück Ecken, oder ist Osnabrück rund? Wer tritt die Ecken, und darf er das? Und fällt dann das Runde auch ins Eckige? Schön, daß bald die langen Winterabende beginnen, denn da kann man zu solchen Themen lange Briefe schreiben.

Es grüßt Euch, lieber Martin und lieber Maik, mit einem kleinen Sonck im Herzen (linke Vorkammer),
Euer Joachim

Mittwoch, 10. September 2008

jogi spinnt

Äh, Jogi, wir dachten, du habest die Regeln des Spiels verstanden. Kurz nährtest du berechtigte Hoffnung, künftig gehe alles seinen geregelten, erfolgreichen Weg. Und jetzt das. Klar, dass am Ende nur ein 3:3 gegen Finnland rauskommt. Noch einmal in kurz: Das Spiel beginnt, wenn VfL dabei ist. Das Spiel gewinnt, wer VfL aufstellt. Ohne VfL ist es kein Fußball. Ohne VfL lässt sich kein Spiel gewinnen.

Dienstag, 9. September 2008

sms von martin: warnungen

Martin sucht in Frankreich fieberhaft nach Verstärkungen für die VfLs. Nebenbei leiert er Bernard Tapie Bestechungsgelder für den Fall der Fälle aus den Rippen und schnupft mit Carla Bruni kolumbianisches Kokain. Ab und an schickt er Spielberichte per SMS.

Seit samstag im trainingslager. Oder soll ich sagen rehazentrum? Altersdurchschnitt weit über toni polster - heute, nicht zu aktiven zeiten. Bisher kaum verstärkungen in sicht. Aber ein weiter himmel und das meer. Erholungsphasen sind auch wichtig nach langer saison. Meine spielanalysen nach der rückkehr werden aber sowas von hellwach, entspannt und blitzgescheit sein... Man ziehe sich warm an daheim!

Montag, 8. September 2008

das war einmal #21: menga, menga

Vor zwei Jahren begann die Erfolgs-Saga um unsere Bundestrainer Joachim Löw und Hansi Flick, und zwar nicht irgendwo, sondern in Osnabrück. Beide waren auf der Suche nach einem versierten Stürmer zu Gast an der Bremer Brücke uns sahen den 3:1-Pokalsieg gegen Eintracht Braunschweig. Als letzte Amtshandlung hatte Ex-DFB-Chef Gerhard Meyer-Vorfelder die Strategen exklusiv für den VfLog verkabelt - mal wieder! Jogi und Hansi wähnten sich auf der Haupttribüne gut versteckt. Ein Schmankerl aus unserer Best-of-Reihe.

18:37 Uhr, Jogi (hat seinen Sitzplatz gefunden, zu sich selbst): Menschenskinder, da hat der Jürgen ausnahmsweise mal Recht gehabt. Wirklich schmuckes Kästchen, diese Neusser Brücke. Hätten die sich auch als Stadt-Wahrzeichen aussuchen können, statt ewig auf diesen Stadtmusikanten rumzureiten. Wo bleibt Hans-Dieter denn? Muss ihn anrufen!
Hansi: Flack... äh, Flick. Wer da?
Jogi: Hans-Dieter, du geiles Pferd. Wo steckst du?
Hansi: In Lotte.
Jogi: Erspar mir Einzelheiten, alter Schwerenöter. Ich dachte, mit deiner Frau ist wieder alles bueno?!
Hansi: Lotte ist ein Stadtteil von Osnabrück, Jogi. Hab mich verfahren. Gib mir noch zwanzig Minuten, dann bin ich im Stadion. Bringe dir gleich 'ne Wurst mit zum Platz.
Jogi: Hervorragend. Ciao Sescu.

19:13 Uhr, Jogi (kämmt sich den Scheitel tief ins Gesicht, zu sich selbst): Solang ich hier alleine sitze, stöber ich noch ein bißchen im Stadionheft. Gegen Braunschweig also heute. Sieh an, zweite Liga spielen die. Soll dann wohl ein spannendes Spiel werden. So, jetzt mal sehen, wie dieser Menga aussieht. Vielleicht können wir den gebrauchen. Mit Miro und Poldi, den alten Flachpfeifen, schießen wir nie 40 Tore pro Spiel. (zückt das Handy, Hansi ruft an) Ja? (...) Kein, kein Senf. Den gibst du doch gleich schon genug dazu.

19:16 Uhr, Hansi: Moinsen. Schon was passiert?
Jogi: Hans-Dieter, grüß dich. Nö, 0:0. Hab bis gerade gelesen. Diese Menga ist übrigens gar kein Deutscher, der kommt aus dem Kongo.
Hansi: Ist mir doch Wurst. Das kriegen wir schon hin. Zur Not muss Trollinger nochmal ran und Sepp mit nem Tässchen Kräuterjauche überreden. Hier, iss erstmal!
Jogi: Danke.

19:34 Uhr, Jogi (geht ans Handy): Jürgen, alte Felge, was gibt's? Schaue mir grad Osnabrück gegen Braunschweig an. (...) Ja, Hans-Dieter sitzt neben mir. (...) Nein, keine Sorge, der hält die Klappe. (...) Wieso fragst du Debbie nicht selbst? (...) Achso, verstehe. Ja, ich rufe sie an. Jetzt sofort? (...) Klaro. Meld mich. Tschüssikowski. (zu Hansi) Jürgen ist in Berlin. Will nachher noch mit uns saufen. Ich kenn 'ne geile Kneipe in Wolfsburg, da waren wir letztes Jahr schon. Muss eben mal Debbie anrufen und ihn freipressen. (wählt Debbies Nummer) Debbie? Joachim hier. Du, ich hab eine Bitte: Ich muss dringend in Ruhe mit Jürgen sprechen. Du weiß ja, mir haben fünf, sechs Co-Trainer abgesagt, und jetzt hab ich diesen Flick an der Backe. Der hat von nichts 'ne Ahnung, kann nicht mal Abseits erklären. (...) Ja, Bestnote ja. Aber weißt du, bei wem er den Lehrgang gemacht hat? (...) Ja, Rutemöller, eben. Deshalb muss ich dringend mal mit einem Fachmann sprechen. Meinst du, du kannst Jürgen noch einen halben Tag länger entbehren? Dann wär er morgen Abend zurück. (...) Das ist so nett! Dank dir, Debbie. Die Nationalmannschaft und das ganze Land danken es dir. (...) Ja, natürlich ich auch. Debbie, see you! (zu Hansi) Sorry, war nicht so gemeint. Aber anders ging es nicht.

19:49 Uhr, Hansi: Halbzeit. Ganz gutes Spiel eigentlich. Menga agnem..., äh agil, aber Buden macht der auch nicht.
Jogi: Nun warte mal ab. Mal mal nicht so schwarz. Hol doch lieber zwei Bierchen raus, dich kennt da drinnen ja keiner.
Hansi: Jo, ich häng mich einfach rasch an den VfL-Präsi dran. Der geht auch grad zur Theke.

20:08 Uhr, Jogi: Ganz schön kühl, mir läuft die Nase. Kannst du mir ein Taschentuch spenden, Hans-Dieter?
Hansi: Ha, wenn sich mit Spenden jemand auskennt, dann ich. (klopft sich auf die Schenkel) Hier!
Jogi (schneuzt): Die gehen aber ganz schön ran, die Braunschweiger da im eigenen Sechzehner. Als Schiri hätt ich da gleich mal die Schnauze voll.
Hansi: Stimmt, die Osnabrücker kämpfen aber auch wie ein Löw. (klopft sich erneut auf die Schenkel)

20:21 Uhr, Hansi: 2:0, nicht schlecht, Herr Specht.
Jogi: Ach, so ein Scheiß! Was faulen die depperten Braunschweiger da hinten immer! Elfmeter kann ich dir auch reinschießen. Würden die werten Herren den Menga vielleicht mal Tore aus dem Spiel heraus schießen lassen. Wieso bin ich sonst denn hierher gekommen?

20:29 Uhr, Jogi: Na, endlich mal. 3:0. Die Braunschweiger Abwehr erinnert auch mehr an einen Flickenteppich.
Hansi: Was? Bitte? Ich soll auf dem Teppich bleiben? Du, sorry, ich hab grad Trap 'ne SMS geschickt. Der hat den Lodda ja jetzt allein an der Backe, der Arme. War unaufmerksam. Was hast'e gesagt?
Jogi: Steht 3:0, Menga aus dem Spiel heraus. Guter Mann. Müssen wir einladen.
Hansi: Ja, finde ich auch. Die Spanier werden sich 'nen Wolf ärgern. Stell dir vor, wir spielen bei der EM gegen die, und die rufen immer "Menga, menga!"
Jogi: Hans-Dieter, komm wir hauen ab. Jürgen ist um halb Elf in Wolfsburg. Hier ist eh die Luft raus.
Hansi (beim Verlassen der Tribüne): Menga, menga!

Sonntag, 7. September 2008

willi enthüllt: seifert gladbach-fan

Willi hat seinen Entführern im Frankfurter Westend ein Schnippchen geschlagen. Während seiner monatlichen Stunde Hofgang war er seinen Aufsehern entwischt und hatte sich in das Büro des DFL-Vorsitzenden Christian Seifert geschlichen. Was er dort ganz unten in einer Schreibtischschublade fand, ist eine Sensation: Seifert ist Gladbach-Fan - und zwar mit allen Konsequenzen.
Das Blanko-Schriftstück, das noch kein Datum trägt, gelangte über Willis Anwalt Gerd-Christian Heubele aus dem DFzelLentrakt nach draußen. Wir veröffentlichen es exklusiv.

"Ich habe heute meinen Rücktritt vom Vorsitz der DFL erklärt. In der vergangenen Nacht ist der Plan von mir und Jos Luhukay, mit dem Ligaverbleib der Borussia durchzustarten und gemeinsam und mittelfristig für einen Erfolg im europäischen Vereinsfußball zu sorgen, durchkreuzt worden. Borussia ist erneut abgestiegen.

Nachdem ich vor gut zwei Wochen Jos Luhukay gebeten habe, die Klasse zu halten, haben wir in einer Reihe von Gesprächen sorgfältig und vertrauensvoll die Vorbereitungen getroffen. Teil dieses Konzeptes der Geschlossenheit war auch die Einbeziehung des ehemaligen DFB-Vorsitzenden Gerhard Meyer-Vorfelder. Durch die enorme Spannung des Abstiegskampfes in den vergangenen Wochen verschob sich die geplante Bekanntgabe der Entscheidung auf den heutigen Tag.

Aufgrund gezielter Fehlentscheidungen haben die Schiedsrichter einen völlig anderen Ablauf meiner Entscheidung hergestellt. Das war und ist darauf angelegt, dem Vorsitzenden keinen Handlungs- und Entscheidungsspielraum zu belassen. Vor diesem Hintergrund sehe ich keine Möglichkeit mehr, das Amt des geschäftsführenden Vorsitzenden mit der notwendigen Autorität auszuüben.

Ich habe dieses Amt übernommen, um meiner DFL, aber auch um dem deutschen Vereinsfußball zu helfen. Weil das nicht mehr möglich scheint, habe ich diese Konsequenz gezogen.

Für die Borussia hoffe ich, dass sie nun geschlossen und erfolgreich in den laufenden und kommenden Wettkämpfen auftreten kann und wünsche meinen Nachfolgern viel Glück."


Einige Tage haben wir gezögert, diese Erklärung zu veröffentlichen, schließlich ist ungewiss, ob Willis Haftbedingungen jetzt erneut verschärft werden. Auch ist völlig unklar, ob Seiferts Ligakollegen von dessen heimlicher Liebe und den beschlossenen Konsequenzen für den Fall eines Gladbacher Abstiegs wussten.
Wir haben uns heute schließlich entschlossen, das von Experten als brisant eingestufte Papier zu veröffentlichen, weil Willis Gesundheitszustand sich seit Beginn der neuen Saison kontinuierlich verschlechtert hat. Wir hoffen, dass sich an seiner bedauerlicher Situation endlich etwas ändert. Wir fordern: Schluss mit der Isolationshaft! Free Willi!

Samstag, 6. September 2008

jogi besinnt sich

6:0. So hätte es auch schon am 29. Juni in Wien gegen Spanien heißen können. Wäre, wie heute Marko, damals Oli mit von der Partie gewesen. Aber der durfte ja nicht.

Freitag, 5. September 2008

der beste vfl aller zeiten

Da sonstüber allen Wipfeln Ruh ist dieser Tage, bitten wir ganz im Geiste zum Fußballzauber. Der beste lila-weiße VfL aller Zeiten trifft sich zum zwanglosen Aufgalopp und macht sich fit für das große Duell: Der Startrek von Borussen ist zwar noch nicht nominiert - Martin feilt jedoch in Frankreich permanent an der Aufstellung. Wer das Spiel schließlich gewinnen dürfte, sollte unumstritten sein, trotzdem spielt für Osnabrück...

...im Tor mit der Startnummer:

1 Heinz "Schangel" Flotho (Der "schwarze Panther" gründete 1939 als Nationalkeeper den Mythos der nahezu unbezwingbaren Deutschen. Also, Torwarte wohlgemerkt. Gegen Luxemburg gewann Flotho 2:1.)

Die Abwehr:

2 Patrick Owomoyela (Ihm gelang das Kunststück, in der Nationalmanschaft von Arne Friedrich überflügelt zu werden. Wäre ihm nicht passiert, hätte er zu dem Zeitpunkt noch immer in Osnabrück gespielt.)
3 Lothar Gans
4 Dirk Lellek
5 Neale Marmon (Einziger Aulsländer im Allstar-Team. Und womit? Mit Recht!)

Im Mittelfeld entscheidet sich unser Trainer Werner Biskup für:

7 Hans "Hannes" Haferkamp (1951 in Berlin Schütze des ersten lila-weißen Nationaltores gegen die Türkei. Traf ohnehin in jedem zweiten Länderspiel. Gut, machte auch nur vier.)
10 Claus-Dieter Wollitz
6 Herbert Schröder

Vorn treffen in dieser Reihenfolge:

8 Matthias "Mattes" Billen (1936 der erste Osnabrücker Nationalspieler. Trainer Otto Nerz wird gewusst haben warum. Bei einem der höchsten DFB-Siege, beim 7:2 erneut gegen Luxemburg, war Billen vorn dabei.)
9 Theo Schönhöft (Finnland 1956: Wer erinnert sich nicht an den herrlichen Direktschuss nach Vorlage von Willi Schröder zum 1:1 in der 28. Spielminute? Sepp Herberger jubelte, als sei er ein zweites Mal Weltmeister geworden!)
11 Herbert Mühlenberg

Donnerstag, 4. September 2008

sms von martin: rotwein

Martin lebt derzeit wie Gott in Frankreich. Er genießt das Leben, leiert Bernard Tapie Bestechungsgelder für den Fall der Fälle aus den Rippen und schnupft mit Carla Bruni kolumbianisches Kokain. Ab und an schickt er Spielberichte per SMS.

Der regen ist schon herbstmeister. Nichts für schönwetterfußballer. Schon einige deals bei viel rotwein eingestielt. Gottlob konnte ich sie am nächsten morgen immer noch wieder rückgängig machen. Ps. Brauche ergebnisdienst, hier alles offline. Herrlich!

Mittwoch, 3. September 2008

seitenwechsel #60

Nummer 60. So viele Brand-, Schmäh- oder Liebesbriefe haben wir uns schon mit den lieben Kollegen von Seitenwahl geschrieben. Und das beste: Wir setzten noch einen drauf! "Weiter machen, immer weiter machen", wie Jens Lehmann so schön sagt. Unser altes Swingerclub-Motto gilt dabei auch in der neuen Saison: Alles kann, nichts muss.
Doch weil ohne ein bisschen Tränendrüse auf Dauer selbst die größte Institution nicht überlebt, haben wir gestern im Rahmen eines Abschiedsspiels im BorussiaPark gemeinsam mit 50.000 Fans unserem langzeitigen Weggefährten Mike Lukanz adieu gesagt. Er macht mal eine Zeitlang was anderes.
Mit großem Hallo begrüßen wir seinen Nachfolger mit der Rückennummer, ähem, 60: Joachim Schwerin. Er staubt bei seinem Debut unsere Computer ab, Martins dankt in artiger Weinlaune bei Seitenwahl.


Lieber Maik, lieber Martin,

ein neuer Spätsommer, eine neue Liga, dennoch ist alles irgendwie wie gewohnt. Oder doch nicht? Was für unsere VfLs noch eine offene Frage ist, gilt für den SEITENwechsel mit Gewissheit. Nicht Mike führt ihn mit Euch fort, denn ihn zog es in die große Welt hinaus, und er wird nun feststellen, ob seine Welt eine Scheibe oder eine Kugel ist. Ist sie eine Kugel, wird er hoffentlich eines Tages hier wieder angesegelt kommen, und wenn wir ganz viel Glück haben, schreibt er dann auch erneut Briefe an Euch. Unser Wunschkandidat für seine Nachfolge war Udo Lattek, doch der fand im Vorstellungsgespräch den Humor der SEITENWAHL-Redaktion zu trocken. Somit galt es, schnell noch einen Ersatzmann zu finden, der blaue Pullover mit Original-Schweiß aus den goldenen Siebzigern besitzt und jahrelang Borussia erfolgreich trainiert hat (zur Not auch virtuell). Somit hat man mich aus der Gruft geholt, damit wir hier auf eine Art über Fußball erzählen, die auch für die Ich-AG, die Eure PCs im Büro abstaubt, kurzweilig ist. Unmöglich, sage ich, zumal Mike inzwischen Fußstapfen hinterlässt, in denen Horden von Boulevardreportern Lagenstaffeln schwimmen könnten. Nun ja, die einzige Anforderung Eurerseits ist bekanntlich, dass ich mich dem gemeinsamen Ziel verpflichtet fühle, ein gemeinsames Champions-League-Finale unserer VfLs herbeizusehnen. Tue ich. Knapp drei Jahre braucht es noch: Bis dahin vertreiben wir uns lesend und schreibend die Zeit.

Doch ach, meine lieben Osnis unter den VfLoggern, lasst mich gleich mit der größten Krise beginnen, die wir in diesen Jahren haben werden. Was musste ich im ansonsten wie immer vorzüglichen Interview-Marathon mit dem lilanen VfL-Trainer lesen? Da wirft der an dieser Stelle emotional unrunde Pele Wollitz die TuS aus Koblenz – der Stadt mit den vielen Borussen-Fans an Rhein und Mosel, die auch meine Heimat ist – mit dem 1. FC Kaiserslautern in denselben Unsympathen-Topf, und Ihr kocht damit auch noch ein fieses Spaß-Süppchen. Pfui! Wisst Ihr denn nicht, dass es für einen Koblenzer die größte denkbare Beleidigung ist, mit den Kartoffeln aus dem Pfälzer Schmuddel-Sumpf verglichen zu werden? Früher hätten wir das ja in Preußen (Koblenz war Hauptstadt der preußischen Rheinprovinz, wie Ihr wisst, nicht Köln oder Düsseldorf, und Preußen sind wir als Gladbacher Borussen auch vom Namen her automatisch) so geregelt, dass ich einen von Euch morgens um sechs auf dem alten Bahnparkplatz an der Bremer Brücke zum Duell gefordert hätte, mit Waffen Eurer Wahl. Nun, heute sind wir viel kultivierter als früher. Als Original-Brainwashed-Zwanziger verachten wir jede Gewalt sowie ihre Androhung und ahnden schon die literarische Andeutung derselben mit lebenslangem Stadionverbot. Also flöte ich hiermit DFB-pazifistisch: IschmachEuschplatt und erwarte einen von Euch morgens um sechs auf dem alten Bahnparkplatz an der Bremer Brücke zum Duell, mit Waffen Eurer Wahl!

(Nun ja. Ich bin so bald nicht in Osnabrück. Führen wir also solange diesen SEITENwechsel als Dialog fort, bevor einer von uns ins Gras beißt und ich hier Monologe schreiben muss.)

Koblenz hat aber auch aus einem ganz anderen Grund mit unserem Thema zu tun, also unseren VfLs. Ich weilte neulich dort, um dem Testspiel meiner Borussia bei der TuS beizuwohnen. Ich sage es ungern, aber hinterher ging es mir besser, weil meine Borussia endlich mal wieder verloren hatte. Ich begann nämlich bereits, mich wie ein Bayern-Fan (prä-Klinsmann) zu fühlen: Zweitliga-Meister, Testspielsiege gegen internationale Erstligisten nach Belieben, es war nicht mehr zum Aushalten. Langsam schlich sich so eine Prosecco-Großkotz-Haltung ein: Bringt uns Chelsea oder Inter, egal, hauen wir alles weg! Diese ganze Siegerei konnte einen wirklich wuschig machen. Auch das besagte Spiel schien so weiterzugehen: Die TuS versemmelte fünf Riesenchancen in der ersten Halbzeit, von denen man später auf Fohlen-TV keine zu Gesicht bekommen würde (stand Euer journalistischer Anspruch noch im Stau, liebe Kollegen bei Borussia?), und in der zweiten Halbzeit dümpelte das Geschehen weiter so vor sich hin. Dann aber geschah es – Jos Luhukay wechselte Tobias Levels ein, und der schoss umgehend ein Eigentor. O Wonne und Verzückung, ich fühlte mich sofort wieder wie zu seligen Bundesliga-Zeiten. Weg war der böse Bayern-Fluch, denn das war wieder meine alte Rumpel-Borussia, an die ich mich viele Jahre so gewöhnt hatte. Sogar Marko Marin vergaß daraufhin das Fußballspielen und wollte sich mit einem TuS-Verteidiger prügeln, der ihn wohl arg provoziert hatte – nur dass der TuS-Spieler das gar nicht merkte, denn in den Höhen, wo dessen Nervenbahnen erst anfingen, hatte Marin bereits zu wachsen aufgehört.

Gut so, denn wir müssen uns der Bundesliga ohnehin mit liebenswürdiger Bescheidenheit nähern. Wir sind Aufsteiger, und da sich die anderen beiden Liga-Neulinge keineswegs weniger stark als wir verstärkt haben, um das sehr zurückhaltend zu formulieren, liegen wir auf der papiernen Anspruchsskala derzeit eher bei Rang 18 als anderswo. Nicht dass das meine Saison-Prognose wäre, meine lieben Freunde (allein schon, weil wir ja nächste Saison gemeinsam mit dem VfL Osnabrück Bundesliga spielen wollen, denn wie sonst könnten wir in drei Jahren oben erwähntes Champions League-Finale zelebrieren?). Doch wer nach den keineswegs verheerenden Niederlagen gegen Schwaben-Staudten und Baden-Hoppser schon wieder die eigenen Ansprüche als weit verfehlt ansah, leidet am Köln-Syndrom. So ziehe ich als erste Bilanz, dass wir uns auf das Positive konzentrieren sollten und dass das, was man gegen Bremen sah, das Beste war, das wir seit langem geboten bekommen haben. Damit lässt sich an dieser Stelle prächtig eine Bouteille Cabernet Sauvignon, Tafelberg-Osthanglage, köpfen. Gleiches rate ich Euch, lieber Maik und lieber Martin, zumal auch Osnabrück bislang in jeder Zweitliga-Partie munter für Unterhaltung sorgte, immer mindestens zwei Tore schoss und alle dortigen Fans somit ebenfalls berechtigt sind, die Länderspielpause beschwingt anzugehen!

In diesem Sinne mit keineswegs korkigem Gruß,
Euer Joachim

Dienstag, 2. September 2008

dieses schiff hier sinkt

Den wunderbaren ZDF-Krimi "Mordgeständnis" haben gestern Abend 4,39 Millionen Zuschauer gesehen. Es bleiben also 78 Millionen Deutsche übrig, die den Film heute zum ersten Mal hätten sehen können, übertrüge das ZDF nicht das Abschiedsspiel von Oliver Kahn.
Der Charme der Begegnung Deutschland (mit Tim Wiese [sic!]) gegen Bayern München ist für den gemeinen Fußballfan vergleichbar mit dem Vergnügen der 4,39 Millionen Krimifans von gestern, den Film, dessen Ende sie schon kennen, noch einmal sehen zu müssen; aber die hätten notfalls sicher gern auf Pro 7 Cosma Shiva Hagen bei irgend etwas zugeschaut - so wie jetzt eben Oliver Kahn.
Etwa 3 Milliönchen, munkelt man übrigens, habe der Sender zahlen müssen, um eine Zeitlang Programm mit, hüstel, Sport zu füllen; Euro wohlgemerkt, nicht Zuschauer. Das heute journal durfte sich mit einer Miniausgabe begnügen. Und das Perfideste: Unser VfL-Jungsche Marko Marin muss als Feigenblatt dafür herhalten, dass hier Fußball gespielt wird. Was für eine verrückte Welt das ist!

Nachtrag, 21:50 Uhr: "Es fällt fast schwer, jetzt über ein relativ belangloses Fußballspiel zu sprechen." Sagt Béla Réthy in Spielminute 76. "Junge", mag man ihm zurufen, "das machst du nun schon seit eineinhalb Halbzeiten!"

Montag, 1. September 2008

live von woanders: millerntor, st. pauli

St. Pauli gestern. Millerntor auch nicht ausverkauft, trotz 1,7 Millionen Einwohnern. Stimmung nicht bombastisch, beruhigend angesichts der Mythen rund um diese Spielstätte. Ein normal schlechtes Zweitligaspiel mit normal beschaulicher Atmosphäre. (Südtribüne. Die einzigen schattigen Plätze an einem prächtigen Sonntag. Pech.) Mehr hohe als weite Bälle, davon aber eine Menge, insofern hohes Niveau, sehr hohes sogar. Süßes Transparent der Oberhausen-Fans: "Tradition schlägt jeden Trend." Langweiliger Spielverlauf. 3:0 schon zur Halbzeit. Oberhausen bestenfalls harmlos, weitgehend schlimmer. St. Pauli mit ordentlicher Chancenauswertung, besonders Trojan gut. Oberhausen chancenlos, besonders Torwart schlecht. Bratwurst fettig.
Achtzehnter darf Osnabrück jedenfalls nicht werden.